PfeilJacob Aagaard
 

Verbessern Sie Ihre Variantenberechnung im Schach



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Inhalt

Die Uhr läuft. Die Raumtemperatur steigt wie die Röte in Ihrem Gesicht. Sie wissen genau: Diese Stellung ist gewonnen. Trotzdem fangen Ihre Gedanken an, sich um die gleichen Varianten zu kreisen, wieder und immer wieder. Schließlich haben Sie sich entschieden. Sie opfern mit zitteriger Hand einen Springer. Sie riskieren einen flüchtigen Blick auf Ihren Gegner. Dann schauen Sie ins Publikum. Unter den Zuschauern entdecken Sie einen Freund, der jetzt seinen Kopf zwischen den Händen vergräbt. Da drückt Ihr Gegner die Uhr. Wie ein Hammerschlag unterbricht das Klacken der Spieluhr die Stille im Turniersaal. Sie schauen erneut auf das Schachbrett. Unvermittelt kommt es ihnen vor, als fielen Sie plötzlich in eine andere Dimension. Nachdem Sie sich bemüht haben, den Zug des Gegners zu verstehen, dämmert es Ihnen langsam: Es ist schon wieder passiert!

Die ganze Mühe war umsonst; und das wegen eines einzigen, dummen Fehlers. Während Sie noch wütend auf sich selbst das Partieformular unterschreiben und dem Gegner die Hand schütteln, greifen sofort ein halbes Dutzend Hände über Sie hinweg und demonstrieren, wie Sie hätten gewinnen müssen. Sie ignorieren diese äußerst hilfreichen Ratgeber und fragen sich, welchen Sie zuerst verprügeln sollten und warum Sie immer Gewinnstellungen vergeigen.

Kommt Ihnen das bekannt vor? Nun, das trifft auf viele von uns zu, wenn auch nicht auf alle. Manche rechnen besser und schneller als andere; nicht weil sie ein gottgegebenes Talent, sondern weil sie die notwendigen Techniken dazu erlernt haben. Sie können die auch erlernen!

In diesem Buch führt Sie der schottische Nationalspieler Jacob Aagaard durch die wichtigsten Techniken der Kalkulation. Mit großer Klarheit zeigt er, was Sie brauchen und wie Sie eine gute Berechnungskraft entwickeln. Das Buch endet mit 100 Übungen. Es erscheint begleitend zur ChessBase Trainings-CD "Richtig Entscheiden".

Jacob Aagaard, 33, wurde in Dänemark geboren und spielt jetzt für Schottland. Während der Arbeit an diesem Buch im Jahr 2004 erreichte er 3 GM Normen in 5 Turnieren. Nachdem er sich 2005 ganz dem Aufbau von Quality Chess widmete, wandte er sich wieder dem Spielen zu und konnte Ende 2006 seine 4. GM Norm erlangen mit einer Wertungszahl nahe der magischen 2500.

Einführung

In den meisten Büchern behauptet der Autor in der Einleitung, daß nicht wirklich (gute) Bücher zum Thema ... existieren. Wie man im Schach denkt; Endspielstrategie, dieses oder jenes positionelle Thema, Grundwissen von was auch immer (vor kurzem gesehen in Paata Gaprindaschwilis fabel­haftem Werk Imagination in Chess, (Vorstellungs­kraft im Schach) Batsford 2004). Natürlich ist dies inzwischen nicht mehr so ganz richtig (obwohl es so gewesen sein könnte, als die Schreiber selbst noch Schachbücher lasen).Ich möchte es gar nicht erst versuchen, hier zu behaupten, es gäbe keine Bücher zur Variantenberechnung. Es gibt, im Gegenteil, recht viele und sie alle sind es wert, gelesen zu werden. Ich habe sie in der Bibliographie erwähnt und mehr als einmal auch an anderen Stellen. Wenn Sie sich nach dem Lesen des Buches bei laufendem Fernseher an nichts Brauchbares mehr erinnern können, sollten Sie wahrscheinlich Ihren Fernseher ausschalten und sich mehr auf Schach konzentrieren!

In diesem Buch konzentriere ich mich darauf, wie man seine taktischen Fähigkeiten und speziell die Variantenberechnung verbessern kann. Für mich bedeutet dies, sich für verschiedene Denkweisen zu öffnen und dann Training. Aus diesem Grunde habe ich dem Buch einen Taktiktest angehängt (zum Ärger meiner Herausgeber - das Buch wurde umfangrei­cher als erwartet und erst kurz vor dem geplanten Erscheinungstermin fertiggestellt). Ich hoffe, dieser Test wird Spieler ermutigen, an der Verbesserung ihrer taktischen Fähigkeiten zu arbeiten.

Parallel zur Arbeit am Buch habe ich zusammen mit FM Esben Lund eine CD für ChessBase erstellt, die voraussichtlich unter dem Titel Train Your Decision Making In Chess (Trainiere das Treffen von Entscheidungen im Schach) erscheinen wird. Wenn Sie das vorliegende Buch inspiriert, sich mehr mit Variantenberechnung und Entscheidungsfindung im Schach zu beschäftigen, böte die CD eine gute Quelle.

Variantenberechnung ist ein Teil der schachli­chen Fähigkeiten, über die viele Leute ihre eigene Meinung haben. Amateure glauben zum Beispiel, daß Großmeister viele Züge im Voraus berechnen. Großmeister haben diese Fähigkeiten - aber dies ist nicht der wichtigste Unterschied zwischen ihnen und durchschnittlichen Clubspielern.

Viel mehr machen Genauigkeit, Visualisierung und Organisation der Berechnung den Unterschied zwischen ihnen aus, gepaart mit dem generell grö­ßeren Schachwissen des Großmeisters gegenüber dem Amateur. Ein Aspekt ist die höhere Vorstel­lungskraft, dem ich in diesem Buch einigen Raum geschenkt habe. (...)

004 Bibliografisches

005 Einführung

011 1 Bevor Sie denken können, müssen Sie lernen zu sehen

021 2 Kandidatenzüge

035 3 Wann ist die richtige Zeit für Berechnungen?

057 4 Wichtige Techniken des Denkens

083 5 Visualisierung von Meilensteinen

105 6 Wenn es Zeit ist, etwas zu berechnen

117 7 Kreativität und kombinatorisches Sehvermögen

145 8 Wie trainiert man das Berechnen von Varianten?

149 9Übungsaufgaben

167 10 Lösungen

210 Index of Players

GM Jacob Aagaard ist ein richtiger Vielschreiber. Was der für Schottland spielende Däne an Output produziert, wird derzeit höchstens noch von An­drew "Fließband" Martin übertroffen. Da stellt sich natürlich die Frage, ob im Zuge dieser Massenproduktion die Qualität leidet. Doch soviel vor­weg: Rein inhaltlich erfdllen sich derlei Befürchtungen nicht.

Als er "Verbessern Sie Ihre Varian­tenberechnung im Schach" schrieb, war Aagaard noch IM mit vier GM-Normen und arbeitete daran, sein Rating über die erforderliche 2500er-Marke zu hieven. Seine Am­bitionen und zeitlichen Verpflichtun­gen als Schachautor wirkten sich da­bei nicht negativ auf seine Turnier­performance aus, denn den Titel hat er mittlerweile. Gleichzeitig fand Aagaard noch die Zeit, zusammen mit dem schottischen Großmeister John Shaw seinen eigenen Schach­verlag zu gründen und mit "Quality Chess" innerhalb kürzester Zeil eine neue Marke am Schachbuchmarkt zu etablieren, die mit namhaften Au­toren wie dem rumänischen Groß­meister Mihail Marin und bereits auch mit einigen erfolgreichen Ti­teln aufwarten kann.

Dass der Autor ein gewisses Gespür dafür besitzt, wie man sich eine Le­serschaft erschließt, erkennt man schon am geschickt gewählten Titel: Wer erinnert sich nicht an eine Si­tuation aus seiner jüngeren Turnier­praxis, wo die Varianten vor dem geistigen Auge verschwammen und die Kalkulation am Ende eine fatales Loch aufwies? Anschließende Ana­lysen am heimischen PC entlarven heutzutage gnadenlos, was man während der Partie so für einen Stuss zusammenrechnet, und man muss schon ein ziemlich unkriti­sches Verhältnis zum eigenen Spiel pflegen, um sich keine Defizite im Bereich der Variantenberechnung einzugestehen. Auch hat sich sicher schon so mancher Schachfreund da­bei ertappt, in einer kritischen Situa­tion den Weg des geringsten Wider­stands gegangen zu sein, indem er ein weniger konkretes und deshalb "ungefährlicheres" Abspiel wählte, weil die Folgen des kritischen Zuges einfach nicht sauber zu berechnen waren. Die eigenen Fähigkeiten bei der Variantenberechnung zu verbes­sern scheint in jedem Fall ein lohnenswertes Ziel.

Aagaard beginnt seinen Lehrgang mit einem Blick auf das, was bisher zu diesem Thema geschrieben wur­de, insbesondere natürlich Kotows "Denke wie ein Großmeister", aber auch neuere Werke von Dworetski (den Aagaard wohl sehr verehrt), Jussupow oder Tisdall, die sich alle auf Kotows Theorien beziehen. Des­sen zentrales Konzept, die Aufstel­lung von Kandidatenzügen und die anschließende Konzentration auf die Berechnung der daraus entstehenden Varianten, bildet auch den Aus­gangspunkt von Aagaards Überle­gungen. Er argumentiert allerdings, dass Kotow dabei einen entschei­denden Teil des Denkprozesses ver­nachlässigt, da das Finden der stärksten Fortsetzungen, also die Auswahl der Kandidatenzüge, kei­nesfalls einfach, sondern im Gegen­teil oft schon der schwierigste Aspekt ist. Aagaard weist darauf hin, dass das Vertrauen auf die eige­ne Intuition den Weg zu wirklich überraschenden Lösungen eines Stellungsproblems, die außerhalb des "natürlichen" Horizontes liegen, durchaus auch verbauen kann. Ein Tipp Aagaards ist das regelmäßige Lösen von Studien. Von manchem Schachfreund als wirklichkeitsfern oder künstlich, bzw. als unterhaltsa­mer Spaß von geringem Lehrwert abqualifiziert (auch der Rezensent vertrat bislang eine ähnliche Mei­nung), ist Aagaard ganz anderer An­sicht: Studien verdeutlichen die viel­fältigen Möglichkeiten im Schach, erinnern uns daran, stets die Augen offen zu halten und auch ungewöhn­liche Züge in Betracht zu ziehen, die manch in Schablonendenken verhaf­tetes Schachspielerhirn unbewusst herausfiltert.

In einem der zentralen Kapitel geht Aagaard der Frage nach, wann die richtige Zeit für Berechnungen ist, kommt dabei aber - alles andere wä­re eine große Überraschung gewesen - auch nicht zu einem schönen, all­gemeingültigen Lehrsatz für die hei­mische Schach-Pinnwand. Dafür nimmt er einige Partien Stück für Stück auseinander und erarbeitet so am praktischen Beispiel, wann der kritische Punkt gekommen ist. Wenn der Leser bereit ist, diesen mitunter beschwerlichen Weg mitzugehen, kann er sein Gefühl für diese Mo­mente mit Sicherheit verbessern.

Ein entscheidender Teil von Aa­gaards Herangehensweise hat zu tun mit der Visualisierung von Varian­ten. Hier ist insbesondere sein Kon­zept der Meilensteine zu nennen: Laut Aagaard soll man sich diese virtuellen Abbilder von Stellungen, die nach forcierten Varianten entste­hen können, sehr genau einprägen, um dann von hier aus wieder nach Kandidaten suchen zu können, und nicht immer wieder von der ak­tuellen Brettstellung beginnen zu müssen. Aagaards Beispiele im be­treffenden Kapitel sind gut gewählt und machen sein Konzept anschau­lich und nachvollziehbar.

Doch wer seine Fähigkeiten im Be­reich der Variantenberechnung wirk­lich verbessern will, kommt trotz al­ler Kniffe, Techniken und Denkhil­fen nicht ums ordinäre Üben. Hier nimmt Aagaard den Leser mit ins Variantendickicht seiner Analysekü­che, wo er, wie auch im restlichen Buch, angenehmerweise keine abge­nudelten Partiebeispiele bringt, son­dern viel Frisches, natürlich auch aus seiner eigenen Tumierpraxis.

Abschließend hat Aagaard noch ei­nen ausführlichen Aufgabenteil an­gehängt, in dem der Leser seine Fortschritte beim Finden von Kandi­datenzügen, beim Lösen von Kom­binationen und Studien sowie beim Berechnen von Bauernendspielen und komplexen Stellungen überprü­fen kann. Die Aufgaben sind auf ho­hem bis sehr hohen Niveau und dürften auch.Spieler jenseits der 2000er-Marke kaum langweilen.

Doch nun zum unerfreulichen Teil, den formalen Aspekten. Die Über­setzung von GM Henrik Teske ist an einigen Stellen reichlich holprig, es finden sich etliche Buchstabendre­her und auch ß/ss stehen gerne mal in bunter Mischung. Zwar macht das Layout insgesamt einen einigerma­ßen ansprechenden Eindruck, doch auch hier gibt es ein paar Ausrut­scher zu verzeichnen, wenn bei­spielsweise ab und an eine Zeile der­art vollgestopft ist, dass keine Leer­zeichen zwischen den Wörtern mehr wahrnehmbar sind. All dies ist na­türlich nicht dem Übersetzer anzu­lasten, sondern einem schlampigen Lektor. Sehr wohl Herrn Teske zu­zuschreiben sind hingegen seine Einlassungen zu Aagaards Original­text. So springt er an einer Stelle in einem ausführlichen Kommentar Kasparows ehemaligem Sekundan­ten Josif Dorfman zur Seite und ver­teidigt diesen gegen Aagaards har­sche Kritik an seiner Konzeption zum "kritischen Augenblick". Man­cher Leser mag diese zweite Mei­nung, zumal von einem kompeten­ten Großmeister, interessieren, ich empfand diesen Eingriff ins Original eher als ein wenig aufdringlich.

Fazit:

Inhaltlich hat mich "Verbessern Sie Ihre Variantenberechnung im Schach" überzeugt. Aagaard präsen­tiert etliche frische Ideen und Stand­punkte, wenngleich eine Verbesse­rung der eigenen Fähigkeiten auch hier nur zu erwarten ist, wenn man intensiv mit den ausführlich kom­mentierten und analysierten Partien, Partiefragmenten und Stellungen des Autors arbeitet. Vorsicht ist beim Aufgabenteil angesagt: anfänglich noch ganz gut lösbar, steigt das Ni­veau bald deutlich an, was insbeson­dere bei Spielern deutlich unter der 2000er-Grenze zu Frustrationen füh­ren könnte. Formal macht der Verlag "Quality Chess", zumindest in die­ser deutschen Ausgabe, seinem Namen leider keine Ehre - Überset­zung und deutsches Lektorat genü­gen bibliophilen Ansprüchen jeden­falls nicht.

Mit freundlicher Genehmigung

Felix Voigt, Rochade Europa 1/2008

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Erörtert werden schachpraktische Fragen, etwa ob, wann und wieviel man rechnen sollte, Kandidatenzüge usw. Ist der Lehrbuchteil noch eher leicht verständlich, so geht es bei den Übungsaufgaben auf den letzten 60 Seiten ziemlich zur Sache.

Aagaard, der früher oft flapsig und oberflächlich daherkam, hat sich stark verbessert, nicht zuletzt auch im schriftstellerischen Bereich. In der neu er­schienenen deutschen Ausgabe des "Stonewalls" macht er auch einige selbstkritische Anmerkungen frühere Arbeiten betreffend. Er ist auf dem besten Wege zu einem der führenden Schachbuchautoren.

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Harald Keilhack, Schach 12/2007

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Zugmöglichkeiten durchrechnen ist ein Bereich, in dem sich fast jeder Schachspie­ler mehr oder weniger plagt! Wie schafft man es, in dieser oder jener Spielphase oder bei diesem oder jenem zur Neige gehenden Zeitvorrat, möglichst viel von der Stellung zu verstehen und die Konsequenzen richtig abzuschätzen? Die Kunst der Variantenbe­rechnung erfordert lebenslanges Lernen. Patentrezepte kennt keiner, aber drei neue Produktionen, bei denen jeweils Jacob Aagaard Regie führte, zeigen Wege für das Selbststudium auf.

Der 34-jährige dänische IM mit vier GM-Normen, der seit 2004 in Glasgow lebt und für die schottische Nationalmannschaft spielt, veröffentlichte in den vergangenen fünf Jahren Bücher und CDs/DVDs am Fließband, wobei er überraschenderweise selten einen eintönigen Output ablieferte. Aagaard ist Mitgründer des Quality-Chess-Verlags, sowie Trainer und daneben Koor­dinator für internationale Kontakte beim schottischen Verband. Diese vielfältigen Funktionen hinterlassen Spuren, denn das Hinterfragen von Methoden und Ergebnis­sen gehört offenbar für ihn zur täglichen Arbeit dazu. Die CD, die Aagaard zusam­men mit seinem dänischen Landsmann FM Esben Lund konzipierte (sie stellt eine Ergänzung des deutschen Buchs dar; in Englisch erschien das Buch 2004), bietet das Material in Deutsch und in Englisch an und enthält fünf Datenbanken: 200 Par­tienfragmente (zum Erkennen von Mög­lichkeiten), 89 Stellungen zum Berechnen, 200 Studien, 75 Bauernendspiele und 30 Stellungen, die man gegen eine Engine ausspielen soll. Insgesamt gibt es rund 4000 Trainingsfra­gen. Das Buch über Variantenberechnung bietet 100 Übungen und sehr gute Lösungs­erklärungen, wobei die ersten 140 Seiten den eigentlichen Mehrwert gegenüber dem elektronischen Medium darstellen. Hier grenzt Aagaard anhand eines Mix aus Par­tien, Stellungen und Studien sehr plastisch und ausführlich ein, wie und wann Denk­prozesse vollzogen werden bzw. was helfen kann, präzisere Entscheidungen zu treffen. Thematisiert werden:

\u9830? sehen lernen, bevor man denkt (wie ar­beitet das Gehirn, was kommt als erster Zug in Betracht),

\u9830? Kandidatenzüge (Definitionen, was das überhaupt ist!),

\u9830? der richtige Zeitpunkt für Berechnungen (Anforderungen und Schwierigkeiten, sich zwischen strategischen und tak­tischen Zügen festzulegen),

\u9830? wichtige Denkmethoden (Ausschluss­verfahren, Desperados, undogmatisches Denken, der frische Blick, den gegne­rischen Plan orten, fehlerhaftes Vorge­hen, das zu Einstellern führt),

\u9830? Visualisierung und Meilensteine (Bei­spiele, was man auf dem Brett sieht und sich ins Denken "spricht", wobei auf Experimente mit Tonbandprotokollen zurückgegriffen wird, und Beispiele für die Organisation von langen Varianten bzw. für die Gefahr, dabei.Verteidigungsressourcen zu übersehen),

\u9830? Zeitpunkte für Berechnungen (12 Seiten mit drei Aagaard-Partien zu Wende­punkten, an denen es zum Hinauszögern oder zum schnellen Ziehen kam),

\u9830? Kreativität und kombinatorischer Blick (das Bewusstsein für Taktik in allen möglichen Lagen, wie man den Partieverlauf ändert oder Ret­tungsaktionen startet bzw. eine Partie grundsätzlich unorthodox anlegt

- eingestreut sind Hinweise auf ande­re Trainingsbücher),

\u9830? Trainingsbausteine (Plädoyer für zunächst drei Basics, die auf der CD materiell "unterfüttert" wer­den: 1. Kandidatenzugsuche, 2. Kombinationsaufgaben - auch ein Schwerpunkt bei dem unten er­wähnten englischen Band - und 3. Bauernendspiele).

Die Übersicht deutet an, wie vielschich­tig der Bereich ist, denn der Suchprozess bedeutet ein ständiges mentales "in Schei­ben schneiden" in einem Spannungsmo­ment, in dem womöglich ein verpflichten­der Zug notwendig wäre oder in dem eine Option besser offen bleiben sollte.

Fazit: Zwei Werke, die Geduld und Arbeit erfordern und neue Themen und Sichtweisen aufzeigen! Man wird nicht mit jedem Erklä­rungsversuch übereinstimmen, aber allein das Terrain für Reflexion abzustecken, ist ein wesentlicher Schritt, der nachhaltig angeregt wird. Es ist sinnvoll, mit dem deutschen Buch anzufangen und mit dem CD-Material zur Verstetigung zu trainieren. Wer dann noch nicht genug, hat und Sizilianisch-Freund ist, sollte mit etwas Englisch-Kenntnissen ein weiteres Aagaard-Buch zur Hand nehmen: 50 Seiten zu typischen sizilianischen Opfern und 500 Übungsaufgaben entlang B20-B99 - für Turnierpraktiker eine prima Ergänzung zur Enzyklopädie der Schacheröffnungen, Band B!

Mit freundlicher Genehmigung

Harald Fietz, Schach Magazin 64 7/2007

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Zum Autor:

Jacob Aagaard, 33, wurde in Dänemark geboren und spielt jetzt für Schottland. Der IM besitzt derzeit eine ELO-Zahl von 2477. Ende 2006 erzielte er seine vierte GM-Norm.

Vom Autor sind unter anderem bisher erschienen: Excelling at chess, Experten vs. Sizilianisch, Practical Chess Defence und eine Reihe von Chessbase-DVD´s.

"Sie grübeln nach, welchen Zug Sie ausführen wollen, Sie rechnen etwas herum, verwerfen ihn aber wieder und suchen nach anderen Alternativen. Bald kehren sie wieder zum Ausgangspunkt zurück und sind genau so weit wie zu Beginn. Immer und immer wieder berechnen Sie die gleichen Varianten ohne zu einem befriedigenden Ergebnis zu gelangen.

Kommt Ihnen dies bekannt vor? Ja? Dann dürfte vorliegendes Buch etwas für Sie sein!“

Über die wirksamste Methode zur Verbesserung der Variantenberechnung gibt es unzählige Schachbücher, gute und schlechte. Das ist an sich auch kein Wunder, Mittelspielthemen sind ein undankbares Betätigungsfeld für Schachautoren wie Trainer. Eröffnungs- und Endspieltheorie kann klassifiziert werden, aber für das Mittelspiel gestaltet sich die Sache nicht ganz so einfach. Das Mittelspiel kann zwar durch Taktiktraining und Analyse von Partien trainiert werden, doch reicht das wirklich aus um ein stärkerer Spieler zu werden? Was ist das Geheimnis des Erfolgs (oder ist es gar keines?) der Großmeister?

Müssen sich schwächere Spieler mit dem deprimierenden Gedanken befassen vielleicht kein oder wenig schachliches Talent zu besitzen? Oder kann man doch durch eisernen Willen und Fleiß sein Potential erheblich steigern? Fragen über Fragen für den lernwilligen Schachspieler der sich im Spiel verbessern will. Jacob Aagaard verspricht am Anfang des Buches: "Manche rechnen besser und schneller als andere; nicht weil sie ein gottgegebenes Talent, sondern weil sie die notwendigen Techniken dazu erlernt haben. Sie können die auch erlernen“!

Das vorliegende Werk unternimmt den Versuch, dem Leser die wichtigsten Techniken der Kalkulation näher zubringen, Varianten effektiver zu berechnen und so mehr Berechnungskraft zu entwickeln. Vor der Ermittlung so genannter "Kandidatenzüge“ (der am Zuge befindliche Spieler sucht zwei bis drei seiner Ansicht nach gute Züge und analysiert sie) steht noch etwas anderes. Wie kann ich gute Züge auswählen wenn ich nicht weiß, welches die wirklich guten Züge sind? Aaagaard beginnt dementsprechend sein erstes Kapitel mit der Aussage: "Bevor Sie denken können, müssen Sie lernen zu sehen“. Eine wichtige Grundvoraussetzung für das Auffinden der Kandidatenzüge!

In den darauf folgenden Kapiteln wird auf wichtige Techniken der Variantenberechnung näher eingegangen. Darunter unter anderem, Visualisierung und Meilensteine, undogmatisches Denken und das ändern der Zugreihenfolge. Gewürzt mit vielen persönlichen Gedanken und Anmerkungen (viele Beispiele in dem Buch stammen von Jacob Aagaard selbst) gelingt es dem Autor, die relativ trockene Materie anschauend und lehrreich zu präsentieren. Besonders durch den etwas lockeren Schreibstil liest sich das Werk recht flüssig und unterhaltsam.

Schon beinahe entschuldigend schreibt der Autor in seinem Vorwort: "Wen Analysen schrecken, für den wird das Buch der wahre Horror sein. Aber es ist unmöglich, Taktik zu trainieren, ohne das eine oder andere Mal tiefergreifend zu analysieren, um zum Kern der Stellung vorzudringen“. Es sei ihm verziehen, denn erstens übertreibt Aaagaard nicht mit seinen Analysen (sie bleiben wirklich im Rahmen des Üblichen) und zweitens analysiert er nur das für den Lernprozess bedeutsame.

Nach Abschluss der einzelnen Kapitel folgt ein Test mit 100 ausgewählten Stellungen die in verschiedene Kategorien unterteilt sind (Kandidatenzüge, Bauernendspiele, Studien, Kombinationen). Ein abschließendes Bewertungssystem soll dem Leser darüber Aufschluss geben, inwiefern sich seine Rechentechnik verbessert hat (1000 Punkte als Grundlage plus ca.10-15 Punkte je gelösten Test). Somit erhält man am Ende des Tests eine imaginäre ELO-Zahl. "Training ist dazu da, Sie aufzubauen, nicht um Sie fertig zu machen“, nach diesem Prinzip führt der Autor dem Leser verschiedene Stellungen mit steigendem Schwierigkeitsgrad vor, immer mit der Zielsetzung, Training soll motivierend sein und auch Spaß machen. Das Buch erscheint begleitend zur ChessBase Trainings-CD "Richtig Entscheiden“.

Mit vorliegendem Werk hat Jacob Aagaard den lobenswerten Versuch unternommen das schwierige Thema effektive Variantenberechnung genauer unter die Lupe zu nehmen. Wie er in seinem Vorwort ehrlicherweise erwähnt, gibt es zu diesem Thema bereits eine Reihe guter Bücher und listet diese auch am Anfang auf. Aaagaard präsentiert sozusagen bekannte Methoden in neuem Gewand, aus der Sichtweise eines starken Praktikers. Das ist kein Nachteil, denn im Laufe der Zeit verändern sich Ansichten über allgemeingültige Ideen und Theorien. Der Leser wird nach Durcharbeit des Buches feststellen, dass sich seine Herangehensweise an die Variantenberechnung erkennbar verändert hat. Durch die Testreihe am Ende des Buches kann erworbenes Wissen noch einmal vertieft und auch überprüft werden.

Für wen kann das Buch empfohlen werden? Ich bin kein Freund von Aussagen wie:"für Spieler ab einer Zahl von ... zu empfehlen“, jeder Mensch ist verschieden und so mancher ist vielleicht mit seiner Zahl unterbewertet.

Wer motiviert zur Sache geht und das Buch nicht nur liest sondern auch durcharbeitet wird seinen Nutzen daraus ziehen, ob Anfänger oder Fortgeschrittener.

Martin Rieger, www.freechess.info




Preis: 
 
Artikelnummer:
LXAAGVSIVIS
 
Kategorie:
PfeilLehr-/Trainingsbuch
  PfeilMittel-/Endspiel
 
Sprache:
Deutsch
 
Verlag:
PfeilQuality
 
ISBN-10:
919752445X
 
ISBN-13:
9789197524452
 
Breite: 
17,0 cm
 
Höhe: 
24,0 cm
 
Gewicht: 
0,450 kg
 
Jacob Aagaard: Verbessern Sie Ihre Variantenberechnung im Schach
213 Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2006.
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