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Pfeil vorSchach ohne Scheuklappen 5
 
PfeilJeroen Bosch
 

Schach ohne Scheuklappen

Band 5


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Inhalt

SCHACH OHNE SCHEUKLAPPEN enthält bes­tens spielbare, ungewöhnliche Eröffnungsideen. SOS bedeutet frühes Abweichen von gängigen Varianten in Hauptsystemen. Dies geschieht für gewöhnlich vor dem sechsten Zug. Daher ist die Wahrschein­lichkeit sehr hoch, dass genau Ihre Variante auf das Brett kommt! Es gibt keine Notwendigkeit, große Mengen sich stetig aufblähenden Theoriewissens einzutrichtern, denn hier können Sie sofort die Früchte Ihrer minimale Zeitinvestition ernten.

Stimmen zu SOS:

"SOS ist ein funkelnder Stern am Himmel der grauen Theorie."

ROCHADE EUROPA

"Extravagante Spielweisen, deren Qualität auf hohen Niveau erfolgreich erprobt wurde und die das Ziel verfol­gen, den Gegner von den vorbereiteten Hauptstraßen weg zu locken und ihn auf wenig befahrenen Seitewegen ins Schleudern zu bringen."

DR. W. SCHWEITZER

"Egal was Du spielst, hier findest Du stets etwas Interessantes."

CHESS TODAY

"Diese Varianten werden den Leser darüber nachdenken lassen, wie man die Schacheröffnung spielen kann, ohne das es erforderlich ist, sklavisch an 10 oder 20 Zügen Eröffnungstheorie festzuhalten."

RANY BAUER, AMERIKANISCHER NATINALER MEISTER

009 1) Jeroen Bosch Das SOS-Logbuch

020 2) Lubos Kavalek Geschlossenes Sizilianisch mit 3.g4

030 3) Nigel Povah Das verzögerte Staunton-Gambit

038 4) Jeroen Bosch Swiaginzews Randspringerzug

046 5) Igor Glek Englisch: Tschebanenkos 3...h6

053 6) Adrian Michaltschischin Das Romanischin-Gambit

059 7) Dorian Rogozenko Eine Spanisch-Idee von Romanischin

065 8) Tibor Karolyi Der Nadanjan-Angriff

075 9) Stefan Löffler Das slawische Tempoopfer

080 10) Jeroen Bosch Spanische Abtauschvariante

087 11) Adrian Michaltschischin Nimzoindisch: Vitolinsh-Gambit

098 12) Mark van der Werf Den Läufer zuerst: 1.d4 d5 2.Lf4

107 13) Jeroen Bosch Überraschung in der Najdorf-Variante

114 14) Ian Rogers Seitwärts denken: 1.d4 c6 2.c4 b5

125 15) Jeroen Bosch Rubinsteins Anti-Meraner Variante

131 16) Sergei Tiwjakow Englisches Vierspringerspiel 4.d4 e4!?

139 17) Hikaru Nakamura Angriff auf das sizilianische Zentrum

143 18) Wer ist wer? Die Autoren und ihre Themen

Trifft man heute auf einen ungewöhnli­chen Eröffnungszug, so tickt es zunächst in den Gehirnwindungen: Was ist denn das? Neuerung? Patzerzug? Widerlegung? Bluff oder nur ein selten gespielter Zug? Meist folgt auf ein vages Herantasten der Versuch, eine strukturierte Orientierung einzuleiten. Welche Wirkung birgt der wenig bekannte Zug, haben wir Muster, um ihn zu verglei­chen und einzuordnen, auf welches taktische und strategische Terrain führt er uns, liegt uns diese Spielanlage usw. Kurzum: Der üb­liche Rhythmus der Eröffnungsphase muss neu definiert werden - eine zeit- und denkin­tensive Arbeit, die wir uns mit guter Vorbe­reitung eigentlich ersparen wollten. Und pa­radoxerweise gibt es in der schönen, neuen Wissensgesellschaft nicht weniger solcher unliebsamen Überraschungen, sondern ganz das Gegenteil ist der Fall - und sie erfassen sogar höchste Schachsphären.

Seit 1998 macht es sich der niederländi­sche IM Jeroen Bosch zur Aufgabe, in jeder Nummer der englischsprachigen Zeitschrift "New in Chess" eine vermeintlich absei­tige Eröffnungsvariante unter die Lupe zu nehmen; seit 2003 gibt es seine Artikel so­wie Beiträge anderer renommierter Eröff­nungstheoretiker und Turnierpraktiker in englischer und deutscher Sprache als halb­jährlichen Reader. Nach einem Auftaktband mit 17 Übersichten aus der Feder von Bosch folgt jeder neue Band dem Muster, dass es 16 Einführungen gibt und vorab das sogenannte SOS-Logbuch, in dem resümiert wird, was im letzten Halbjahr mit den vormals ange­regten Zügen im Tumieralltag passierte.

Angefangen hat Bosch vor acht Jahren mit dem allgemeinen Eröffnungsprinzipien widersprechenden Springerzug 5. Sa4, den Viktor Kortschnoi in Dresden 1998 nach grünfeldindischem Beginn mit 1. d4 Sf6 2. c4 g6 3. Sc3 d5 4. cxd5 Sxd5 gegen Emil Sutovsky anwendete. Dieser von dem ar­menischen IM Ashot Nadanjan herrührende Zug ist charakteristisch für Züge in Eröff­nungsvarianten, die Bosch mit dem Prädi­kat "SOS" ("Secrets of Opening Surprise"; dt. "Schach ohne Scheuklappen") versieht: Ungewöhnlich, aber spielbar. Dabei gibt es, wie Herausgeber Bosch betont, eine "dünne Linie" zu zweifelhaften, leicht widerlegba­ren Eröffnungssystemen: "Es kommt auf den eigenen Standpunkt an. Ich bin sicher, dass Kasparow - den ich als die höchste Au­torität in Eröffnungsfragen anerkenne - eine Reihe von SOS-Ideen als dubios bezeichnen würde. Dennoch unterziehe ich alle Ideen einer gründlichen Prüfung. Mein erstes, gro­bes Kriterium ist dabei stets, dass die Sache zumindest von einem Großmeister bereits gespielt wurde. Ich würde z. B. die Variante 1. e4 c5 2. c3 Da5, die ich in Band 1 unter­suchte, als dubios erachten, aber man muss nur schauen, wer alles die Variante spielte - u. a. Tarrasch, Romanschin, Kupreitschik, Movsesian, Ljubojevic, Bezold und Miezis! So stelle ich meine eigene Überzeugung hinten an, und ehrlich gesagt, habe ich noch nichts Konkretes gegen den Damenausfall nach a5 gefunden."

Die Einschätzung, dass man sich trotz der ungewöhnlichen Ideen nicht unbedingt auf Glatteis bewegt, trifft auf viele der in­zwischen 81 Varianten aus den ersten fünf Bänden der Serie zu. "Natürlich hatte ich zunächst den Vereinsspieler und den Open-Amateur als Zielgruppe, aber dann erhielt ich viele Rückmeldungen von Titelträgern. Und inzwischen merke ich häufig, dass es nach der Veröffentlichung einer Idee einen sprunghaften Anstieg in der Popularität gibt - sogar bis zum Großmeisterniveau", führt der Niederländer weiter aus und fügt hinzu, dass sich die Ideenvielfalt nicht unbedingt für einen bestimmten Spielertyp eignet: "Im Prinzip richten sich SOS-Ideen an Spieler, die keinen großen Zeitaufwand für das Er­öffnungsstudium betreiben wollen. Der Ge­brauch hängt auch davon ab, wie man SOS einsetzen will: Ist es nur eine Ergänzung des normalen Repertoires, sozusagen als Überraschung für den richtigen Gegner zur richtigen Zeit, oder baut man sich ein mit SOS bestücktes Repertoire. Letzterer Punkt war ursprünglich nicht die Idee, aber dies ist inzwischen vollkommen möglich. Ich über­lege sogar, ob ich künftig Anregungen für ein vollständig SOS-basiertes Repertoire ge­ben werde. Man muss aber berücksichtigen, dass die SOS-Ideen sehr unterschiedliches Gepräge habe, daher kann man nicht sagen, dass sie eher auf taktisch bzw. strategisch orientierte Spieler zugeschnitten sind. Über­haupt sind nicht alle SOS-Ideen riskant, und obwohl es einige Zeit beansprucht, etwas Neues zu lernen, bedarf es nicht übermäßi­ger Zeitinvestition -jedenfalls lange nicht so viel, wie man braucht, um sich regelmäßig mit den Entwicklungen in seinen Hauptsy­stemen aktuell zu halten."

Nachdem die Serie beim fünften Band an­gelangt ist, kann Bosch eine ganze Armada renommierter Autoren ins Feld führen, wobei die Beiträge in Länge, Analysetiefe und Texterklärungen recht unterschiedlich sind. Ausführliches Aufdröseln von Ideen mit Wor­ten liegt besondere Michael Gurevich und Dorian Rogozenko am Herzen, die zumeist eher strategisch ausgerichtete SOS-Systeme unter die Lupe nehmen. Beiträge im Informa­tor-Stil sind selten; überwiegend gelingt eine ausgewogene Wort-Varianten-Balance und bekannte Spitzenspieler sind zahlreich dabei: Jonathan Rowson, Michal Krasenkow, lan Rogers, Alexander Beljawski, Adrian Michalschischin, David Navara, Oleg Romanischin, Hikaru Nakamura, Sergei Tiwjakow, Igor Glek, Lubomir Kavalek usw. Scheinbar jeder hat die eine oder andere "theoretische Leiche im Analysekeller".

Beim Durchforsten der ersten fünf SOS-Bände stechen prinzipielle SOS-Merkmale hervor:

1. Unorthodoxe Züge

Einige SOS-Eröffnungen fußen darauf, dass Figuren nicht auf üblichen Feldern landen und somit im Spielaufbau andere Zwecke verfolgen. Hierzu zählen Läufer­züge, die zunächst blockieren (z. B. 1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Sc3 Sf6 4. Lb5 Ld6, mit der Idee 0-0, Te8, Lf8 - alternativ Lb4 - und d5, was schon Ivan Sokolov und Viktor Kortschnoi anwendeten), oder ein Fianchetto-Läufer, der nach h6 statt nach g7 gestellt wird.

Frühe Damenzüge gehören ebenso dazu (z. B. im erwähnten Sizilianer 1. e4 c5 2. c3 Da5 oder 2. Dd3 gegen Holländisch oder im Franzosen nach 1. e4 e6 2. d4 d5 3. Sc3 dxe4 4. Sxe4 Dd5, einer Idee des Russen Boris Katalymow). Unorthodox ist auch, dass Springer über Randstationen ins Zentrum streben (z. B. Vadim Swjaginzews Sizilianisch-Aufbau mit 2. Sa3 oder in der Réti-Eröffnung nach 1. Sf3 d5 2. c4 dxc4 3. Sa3). Vorrangig dienen solche Züge dazu, den Gegner auf unvertrautes Terrain zu locken, andererseits auch um Stellungen mit Initiative und bisweilen Taktikfallen zu erhalten. Generell sind solche Systeme eher geeignet für Spieler, die einen Spielaufbau abseits ausgetretener Pfade wählen und Zeit in eigene Eröffnungsforschung investieren wollen.

2. Strategie markiert neue Spielanlagen

Entgegen der verbreiteten Ansicht, SOS würde nur auf billige Überraschung setzen und die Substanz der Ideen "verbrennt" schnell, findet man durchweg Abspiele, die keineswegs auf eine frühe Entscheidung aus sind, sondern einfach mit ungewöhnlichen Interaktionen der Figuren und Bauernfor­mationen strategische (Teil-) Ziele verfolgen. Dies kann einzelne Elemente umfassen (z. B. den h-Bauern-Vormarsch gegen die Fianchetto-Variante der Wiener Partie mit 1. e4 e5 2. Sc3 Sc6 3. g3 h5 oder das Auf­brechen der Benoni-Mauer mit 5. f4 nach 1. d4 c5 2. d5 e5 3. e4 d6 4. Sc3 Le7) oder ungewöhnliche Figurenwege (z. B. die so­liden indischen Systeme mit 1. d4 g6 2. c4 Lg7 3. Sc3 d6 4. e4 e5 5. Sf3 Sd7 6. Le2 c6 7. 0-0 Sh6 oder gegen indisches Fian­chetto 1. d4 g6 2. c4 Lg7 3. Sc3 d6 4. Sf3 Sd7 5. g3 e5 6. Lg2 Se7, wo beide Male der Königsspringer andere Aktionsfelder anstrebt). Solche Systeme passen vor allem zu Spielern, die mit ungewöhnlichen Zug­folgen Voraussetzungen für ein Mittelspiel nach ihnen angenehmen Strukturen schaf­fen wollen.

3. Alte Ideen werden hinterfragt und renoviert

Allzeit gibt es unter Turnierspielern einen gewissen Prozentsatz, der bei den Klassikern nach Material zum Auffrischen wühlt - eine Tendenz die häufig mit der Wiederbelebung "romantischer" Varian­ten einhergeht. Bobby Fischers oder Garry Kasparows Neigungen werden oft zitiert, aber es schlummern weitere ungeborgene "Altlasten", wobei die Palette vom 19. Jahr­hundert (z. B. Isidor Gunsbergs Vorliebe für 1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Sc3 Sf6 4. a3), den Anfang des 20. Jahrhunderts populären Gambit-Turnieren (z. B. 1. e4 e5 2. f4 exf4 3. Sf3 f5) bis zu Experimenten in der Hoch­zeit des Sowjetschachs reicht (z. B. Alvis Witolinschs positionelles Gambit nach 1. d4 Sf6 2. c4 e6 3. Sc4 Lb4 4. e3 0-0 5. Se2 b5 aus dem 1980er Jahren). Die SOS-Beiträge stellen manches zur Disposition, bei dem das finale Urteil noch nicht gesprochen ist. In dieser Hinsicht ist ganz klar der experi­mentierfreudige und zugleich risikobereite Spielertyp herausgefordert.

4. Parallelen werden ausgelotet

Ein beliebte Methode, Varianten neuen Impetus zu verleihen, besteht im Ausborgen von Ideen. Aus dieser Warte sind die SOS-Veröffentlichungen eine wahre Fundgrube (z. B. ähnelt 1. d4 Sf6 2. c4 g6 3. Sc3 d5 4. h4 aus der Grünfeld-Indischen Verteidi­gung, wo irgendwann auf d5 getauscht wird, einer Variante der Englischen Verteidigung nach 1. c4 Sf6 2. Sc3 d5 3. cxd5 Sxd5 4. Sf3 g6 5. h4 oder man überträgt nach 1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Sc3 Sf6 4. g3 d5 5. exd5 Sd4 die üblichen weißen Ideen des Belgrader Gambits auf die schwarze Seite). Insofern sind viele SOS-Systeme "Lernstuben" für Zugumstellungen und trickreiche Manöver, ein Können, welches fast immer den Profi­spieler vom Amateur unterscheidet.

In der Summe sind SOS-Systeme als kreativ zu bezeichnen, wobei dieser Begriff ziemlich viele Schattierungen ausweist, wie der bekannte ukrainische Openspezialist Wiascheslaw Eingom in seinem neuen, im Herbst 2006 erschienenen Buch "Creati­ve Opening Preparation" dazulegen weiß. Merkwürdigerweise verweist Eingorn nicht explizit auf die selbst in Großmeisterkreisen immer beliebter werdenden SOS-Spielweisen, obwohl auch er zu den Wegbereitern ge­hört (z. B. mit dem Zug 3. .. .h6 auf die fran­zösischen Hauptsysteme nach 3. Sc3 und 3. Sd2). Ähnlich wie die SOS-Reader bietet Eingorn eine Sammlung an Deutungen un­ter Überschriften wie "Experimente in der Eröffnung", "Das Gleichgewicht stören", "Strategische Planung", "Eröffnungsstruktu­ren", "Moderne Eröffnungswege". Das Werk zeigt neue Trends der Eröffnungsbehandlung (z.B. g4-Keil in verschiedenen Eröffnun­gen, moderne Interpretationen von Sprin­gern am Rande, Eröffnungen, die schnell ins Endspiel streben u. v. m.). Er greift also SOS-vergleichbare Themen auf, bietet aber keine Handlungsanleitungen, wie man mit den verschiedenen Erkenntnissen ein Er­öffnungsrepertoire zimmert. Insofern wird vom Leser ein Spiellevel vorausgesetzt, der über das eigene Arsenal reflektiert und mit Anregungen weiterkommt. SOS-Redakteur Bosch denkt - wie er oben ausführte - daran, seiner Serie ein zusätzliches Profil zu geben, um allein auf SOS-Basis seine gesamte Er­öffnungspalette zu begründen.

Heutzutage kann niemand mehr SOS nonchalant unbeachtet lassen, weiß Eingorn festzustellen: " .. .ob man es mag oder nicht, man muss diese 'freidenkerischen' Expe­rimente emst nehmen und auf Augenhöhe mit anderen, mehr respektierten Fortsetzun­gen analysieren." (S. 8). Diese Haltung setzt natürlich auch die SOS-Fans unter erhöhte Aufmerksamkeit, denn in weniger ausana­lysierten Systemen lauern selbstverständ­lich Konter. Die schottische Nebenvariante mit 1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. d4 exd4 4. Sxd4 Lc5 5. Le3 Df6 6. Sb5 wurde nach der Jahr­hundertwende von einigen Spitzenspielern reaktiviert (z. B. Ruslan Ponomarjow, aber vor allem GM-Angriffsexperten wie Igor-Alexandre Nataf und Robert Zelcic sowie im Frauenbereich die Kosintseva-Schwestern). Die Idee des sogenannten Blumenfeld-Angriffs stammt von dem auch für sei­ne schachpsychologischen Beiträge bekann­ten russischen Schachtheoretiker Benjamin Blumenfeld aus einer Partie, die er während seiner Studienzeit 1903 in Berlin spielte. Die Zugfolge provoziert strukturelle Defizite für Entwicklungsvorsprung - ein damals wie heute gültiges Thema. Schwarz steht vor der prinzipiellen Frage, nach 6. ...Lxe3 7. fxe3 Dh4+ 8. g3 mit seiner Dame ebenfalls mit 8. .. .De4 das Heil im Angriff zu suchen oder mit 8... .Dd8 die Angelegenheit auszusitzen.

Riskantes Spiel ist oft ein Merkmal unter jungen Spielern - auch in Eröffnungen. Dass trotz des häufigen Klagens über ausanaly­sierte Eröffnungen keineswegs ein Remistod droht, betont Eingorn; "Zahlreiche Arten von Eröffnungsvarianten sind dauerhaft Ge­genstand eines gründlichen Ausleseprozes­ses. Es genießen jene besondere Popularität, in welchen Spieler es schaffen, neue und interessante Zugfolgen einzubringen, oder mit Hilfe guter Heimvorbereitung erfolg­reich existierende Systeme zu erweitern. Der Überraschungseffekt in der Eröffnung ist von herausragender Bedeutung, solan­ge kompetente, analytische Arbeit dahinter steckt. " (S. 124) Einem solchen Vorberei­tungsstil frönt einer der aussichtsreichsten Anwärter auf einen künftigen Top-Ten-Platz. Magnus Carlsen durchforstet viele SOS-Fel­der, wie Bosch, der in den Niederlanden auch als Jugendcoach aktiv ist, nach einer Begegnung mit dem Norweger zusammenfasst: "Allgemein gilt, dass man als junger Spieler so viele Stellungstypen wie möglich zu spielen erlernen sollte (dies wird mit zunehmendem Alter immer schwieriger). Es ist wichtig, dass Jugendliche ihr Repertoire in Intervallen ändern (was nicht missverstanden werden soll, alles über Bord zu werfen). Ich würde niemals empfehlen, ausschließ­lich SOS-Varianten anzuwenden, aber gewiss ist es förderlich, dies bisweilen zu tun, denn es stimu­liert die Kreativität. Ich erinnere mich an eine Unterhaltung mit Magnus Carlsen und seinem Va­ter. Ich war sichtlich erstaunt, wie viel Zeit Magnus dem Studium und der Anwendung von SOS-Varianten gewidmet hatte. Und natürlich spielte er diese absolut faszinierende Partie gegen Dolmatow, was ein glänzendes Bei­spiel dafür ist, wie man zur richtigen Zeit den richtigen Gegner behandeln kann - aber natürlich verfügt er über dieses außerordent­liche Talent. Doch er hat viele Ideen in petto, z. B. die Variante 1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Sc3 Sf6 4. a3 g6 5. Sxe5!?, die ich in Band 1 prä­sentierte." Vor diesem Hintergrund sollte gerade (Jugend-) Trainern angeraten werden, ihren Schützlingen ab einem gewissen Lei­stungslevel einen geweiteten Blick auf die erste Partiephase angedeihen zu lassen.

Harald Fietz, Schach Magazin 64 1(2007)

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Die SOS-Reihe des niederländ­ischen Verlages New In Chess ist für mich eine der erfreulichsten Bereiche­rungen der letzten Jahre. Es ist immer wieder erstaunlich, welche interessan­ten Ideen Herausgeber Jeroen Bosch darin präsentiert.

Dabei überzeugen die vorgestellten Varianten nicht nur durch ihre Originalität, sondern vor allem auch durch ihre Qualität und die gewissen­hafte Untersuchung und Aufberei­tung.

Letzter wichtiger Pluspunkt: In der Regel können Sie mit den hier vorgestellten SOS-Varianten Ihre Gegner bereits im frühesten Partiestadium überraschen.

Hier eine kurze Übersicht des nun in Deutsch vorliegenden fünften Ban­des der Reihe.

Geschlossenes Sizilianisch mit 3.g4

Das verzögerte Staunton-Gambit 1.d4 e6 2.Sf3 f5 3.e4

Swiaginzews 1.e4 c5 2.Sa3

Tschebanenkos 1. c4 e5 2.g3 Sf6 3.Lg2 h6

Das Romanischin-Gambit 1.Sf3 Sf6 2.c4 e6 3.g3 a6 4.Lg2 b5

Spanisch mit 5.De2 De7

Der Nadanjan-Angriff 1.d4 Sf6 2.Sf3 h6

Das Slawische Tempoopfer mit c7-c6-c5

Die Spanische Abtauschvariante mit 5...De7 und 5...Le6

Das Vitolinsh-Gambit b7-b5 gegen Nimzoindisch

1.d4 d5 2.Lf4

Najdorf-Variante mit 6.Df3

1.d4 c6 2.c4 b5

Rubinsteins Anti-Meraner 6.Se5

Englisches Vierspringerspiel 4.d4 e4

1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.Sc3 g6 4.a3

Auf insgesamt 144 Seiten werden diese bemerkenswerten Ideen von namhaften Autoren wie Igor Glek, Adrian Michaltschischin, lan Rogers oder Sergei Tiwjakow ausführlich un­tersucht und gut verständlich vermit­telt, so dass man sich schon auf die nächste Partie freuen kann, in der man eine dieser SOS-Varianten zum Einsatz bringt.

Schach Markt 4/2006




Preis: 
 
Artikelnummer:
LOBOSSOS5
 
Kategorie:
PfeilEröffnungen
  PfeilRepertoirebücher
 
Sprache:
Deutsch
 
Verlag:
PfeilNew in Chess
 
ISBN-10:
9056911945
 
ISBN-13:
9789056911942
 
Gewicht: 
0,240 kg
 
Dieses Bild zeigt Schach ohne Scheuklappen: vergriffen, Hersteller: New in Chess, Preis: 3.95 €
Kartoniert, 1. Auflage 2006.
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