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San Luis 2005

How Chess found its Champion


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In the past great tournaments were followed by great tournament books, such as "Zürich 1953", but in the last few decades tournament books have gradually disappeared because of the huge effort they demand from the authors. This book about the 2005 World Championship marks the return of outstanding tournament books, and is about a truly outstanding chess tournament.

San Luis 2005 was the chess tournament of the decade. The Bulgarian Grandmaster Veselin Topalov won the tournament by a huge margin, proving himself a worthy successor to previous World Champions such as Bobby Fischer and Garry Kasparov.

In this ambitious work Alik Gershon and Igor Nor analyse and explain all the games from the tournament. Their in-depth coverage of the occasion and the many colour photographs of the event and Argentinean scenery give the reader the sensation of actually having been present at the tournament.

Alik Gershon is a chess grandmaster from Israel. He has been a junior World Champion twice, and is a former Israeli Champion. He is currently studying Software Engineering at the faculty of Afeka College, Tel Aviv.

Igor Nor is a highly respected Israeli chess trainer.

Foreword by Veselin Topalov

The world championship in San Luis was one of the most difficult, tense, hard-fought and important tournaments I have ever played and because of this it was undoubtedly the most rewarding victory in my chess career. By the end of the tournament I was exhausted both physically and emotionally, but today I can look back and say that all the effort my team and I have made in the last years proved itself in this tournament.

The world championship is the right place for any player to show his best in the very tensest situation. From that point of view I am very satisfied with my level in the tournament. I did not play the most beautiful games of my career, but I think my level of play was high. At this point it is the right place to express my gratitude to all the people who supported me before the tournament and during the course of it and helped me to achieve this level, especially my trainer and manager Silvio Danailov and my second in the past year Ivan Cheparinov.

Two critical games of the event I will remember the most are the win in the first round, when Leko and I were both very nervous and made mistakes, and the win against Svidler, which put me one and a half points ahead of my pursuers. After this I had a clear tournament advantage, even though it brought a lot of pressure and forced me to play stronger and stronger in order not to waste it.

Browsing through the pages of this book I relive the tension that could be felt in the playing hall. I can feel the pressure on each player's shoulders, the concerns, the doubts - move after move, decision after decision, and I am very happy that the authors stood up to the challenge, were not misled by the players' names and Elo's, and managed to compose such detailed and objective analysis, which is worthy of the games played in San Luis.

Based on this tournament, the double round robin formal seems to be a great idea for finding the world champion. Almost all the games in this tournament saw uncompromising battles, from start to end. All the players made their best efforts, without taking time-outs with short draws, and at the end of the day we managed to produce many memorable games, novelties, moves and blunders. It is the kind of chess that has a future and can bring more and more fans to our game. It is the chess I love, and this is what makes me especially happy and proud to be the winner of such an event.

Veselin Topalov,

Spain, August 2006

005 Foreword by Veselin Topalov

007 Foreword by Nigel Short

013 Preface by Mihail Marin

017 Introduction

041 Round 1

067 Round 2

113 Round 3

141 Round 4

167 Round 5

197 Round 6

227 Round 7

251 Half way report

253 Round 8

279 Round 9

309 Round 10

337 Round 11

365 Round 12

391 Round 13

413 Round 14

432 Tournament table of second half

432 Afterword

433 Full tournament table

435 Chess in the new Millennium or Binary Conspiracies

441 Postscript

442 Index

Turnierbücher sind heute fast ein Anachronismus. Schwerlich stemmt sich das gedruckte Wort gegen die Schnelllebigkeit unserer Zeit. Mittlerweile gibt es so viele hochkarätige Veranstaltungen, dass es tatsächlich überflüssig scheint, jeden Event durch eine Publikation zu dokumentieren. Im Gegensatz zur gewaltigen Veröffentlichungswut im eröffnungstheoretischen Schachbereich, verkaufen sich solche Bücher schlicht nicht. Die aktuellen Ereignisse lassen sich zumeist live im Internet verfolgen. Analysen werden zeitnah nachgereicht und man kann sich direkt mit Gleichgesinnten auf diversen Plattformen austauschen, falls offene Fragen vorhanden sind. Und dennoch: Bei manchen Veranstaltungen ist nach wie vor eine Verewigung im althergebrachten Buchformat angebracht, wie das kürzlich erschienene Werk San Luis 2005 beweist. Das WM-Turnier in Argentinien war eine der bedeutendsten Schachevents des letzten Jahrzehnts. San Luis 2005 war ein spektakuläres Turnier. Mit 6,5/7 spielte der spätere Sieger und Weltmeister Wesselin Topalow in der Hinrunde eines der besten Ergebnisse der Schachgeschichte. In Fischermanier überrollte er seine Kontrahenten, um sich in der Rückrunde mit sieben Punkteteilungen zu begnügen.

Das israelische Autorenteam Alik Gershon, der zweifacher Jugendweltmeister war, und der Schachtrainer Igor Nor haben sich viel Zeit gelassen, bevor sie ihre sorgfältigen Ausarbeitungen vorlegten. Das Ergebnis ist ein Werk, das den Vergleich mit Zürich 1953 von Bronstein, das allgemein als das beste Turnierbuch gilt, nicht scheuen muss. Es besticht durch grandiose Analysen aller gespielten Partien. Solch sorgfältige Arbeit, die weit tiefer geht als die meist flüchtigen Betrachtungen mit irgendeiner Engine, sind nicht in Schachmagazinen (geschweige denn im Internet) zu finden. Beispielsweise wird eine der besten Turnierpartien, Swidler gegen Kasimdschanow, auf 15 Seiten besprochen. Gelegentlich sind die Autoren bei ihren Stellungsbewertungen überkritisch, was bei der Fülle an Ideen verzeihlich ist. Es ist eine Freude, sich in diese ausführlichen Analysen zu begeben und die Tiefen der Stellung auszuloten. So inhaltsreich sind die Partien dieser WM nirgends sonst besprochen worden. Obwohl die Autoren das schon vorhandene Analysematerial mitberücksichtigen, kommen sie zu weit detaillierteren Ergebnissen. Vor den Partien jeder Runde geben die Autoren eine Zusammenfassung der Partiegeschehnisse. Wichtige Anmerkungen zu Zeitnot, Zustand der Spieler (z.B. eine Erkältung Morosewitschs), turniertaktische Entscheidungen wie eine ruhigere Spielweise nach Verlust wegen Verunsicherung finden hier ihren Platz. Die Autoren rücken auch die Spieler ins rechte Licht. Swidler absolvierte ein phantastisches Turnier, doch seine grandiose Leistung stand im Schatten von Topalows herkulanischen Taten. Auch wird deutlich, wieviel Pech Kasimdschanow hatte, der gleich mehrfach siegreiche Stellungen nicht zum Gewinn führen konnte und ein weit besseres Resultat hätte erzielen müssen. Auch Adams zeigte kein schlechtes Schach und hätte einen günstigeren Platz verdient. Dass aber mehr als eine aussichtsreiche Stellung zum Punktgewinn nötig ist, zeigte mehrfach Morosewitsch. Auch wird am schachlichen Detail der Partien deutlich, wie sehr Anand (trotz seines zweiten Platzes) und Leko (der oft in Zeitnot geriet) unter ihren Möglichkeiten blieben.

Am Ende des fast 500 Seiten starken Buches setzen sich die Autoren gründlich mit den Betrugsvorwürfen zu Topalow auseinander und weisen sie als unhaltbar zurück. Insbesondere das Argument, dass Topalow mit Eröffnungen wie der Berliner Verteidigung oder wie in der ersten Partie gegen Anand mit zwei Läufern gegen Turm und Läufer Stellungen anstrebt, die Computer schlecht verstehen, überzeugt. Komplettiert wird das Buch durch ein unterhaltsames Vorwort von Nigel Short und eine Einleitung von Michail Marin, der als Sekundant Judit Polgars fungierte. Ferner zeigt ein ausführlicher Statistikteil, wie die Teilnehmer im Vorfeld gegeneinander gespielt haben und wie die kürzlichen Ergebnisse im direkten Vergleich waren.

Wirklich bedauerlich ist das fehlende Eröffnungsverzeichnis, das besonders negativ angesichts der sonstigen Sorgfalt auffällt. Zudem hätte man sich ein solch feines Werk, das mit zahlreichen Farbbildern illustriert ist, im Hardcover-Gewand gewünscht. Doch davon abgesehen ist das Buch ein schachtheoretisch wie schach-historisch bedeutender Betrag und ein grandioses Monument unter den Turnierbüchern.

Mit freundlicher Genehmigung

Harry Schaack, KARL 3/2007

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Turnierbücher sind außer Mode ge­kommen. Vielleicht weil so viele Lehr- und Informationsbücher den Markt abdecken, vielleicht weil die Hektik des Turnierka­lenders keine Besinnung mehr zulässt. Das Weltmeisterschaftsturnier in San Luis 2005 ist in die Schachgeschichte als Ouvertü­re zur Wiedervereinigung des höchsten Schachtitels eingegangen. Ein doppelrundiges Turnier mit acht Spitzenkönnern musste nicht per se die Voraussetzung für eine Sternstunde sein. Doch als Veselin Topalov mit seinem Ausnahmelauf in der ersten Tur­nierhälfte die Schachgemeinden weltweit elektrisierte, herrschte Klarheit, dass sich in der argentinischen Provinz hochklassige Duelle an der Spitze und im Verfolgerfeld abspielen. Das 440 Seiten starke Buch stell­te diesen Momenten, in denen die Besten ihrer Zunft ihrer Verantwortung für ein Schauspiel mit kampfbetontem Denksport gerecht wurden, ein absolut würdiges Proto­koll aus. 56 Partien auf bestem Hochglanz­papier und alles in Farbdruck; das gab es in dieser Machart bislang nur beim Turnier­buch "Premiere der Top Ten", dem inzwi­schen vergriffenen Band über die Frankfurt Chess Classic 2000. Einziger Wermutstrop­fen ist die nicht so herausragende Fotoaus­wahl, da sich manches unscharfe Bild ein­schmuggelte. Aber dem Lesevergnügen und der inhaltlichen Substanz tut dies nur einen geringen Abbruch.

Das israelische Duo Alik Gershon, zweifacher Jugendweltmeister und Lan­desmeister, und der Schachtrainer Igor Nor haben Chronologie und Hintergründe so gebündelt, dass es für Schachhistoriker und Schachpraktiker gleichermaßen Interessan­tes gibt: Vorworte des Vor-Ort-Kommentators Nigel Short und von Judith Polgars Sekundant Marin; frühere Bilanzen der Protagonisten gegeneinander; Rundenbe­richte, die den Rhythmus des Geschehens wiederbringen; zuvorderst Analysen, die Stärken und Schwächen der Spieler of­fenlegen, geniale Eingebungen und krasse Aussetzer hinterfragen und den Stellenwert der Begegnung im Turnierschach der Ge­genwart einordnen. Wohltuend außerdem, dass psychologischen Einstellungen und bestimmte risikoreiche Entscheidungen mit vielen Textausführungen gedeutet werden. In jeder Hinsicht ein perfektes Zusam­menspiel zwischen einem Großmeister und einem Trainer als Autoren-Gespann.

Auch die absurde Unterstellung der Com­puterunterstützung durch Topalov wird ge­streift. Insbesondere sein Beispiel aus der zehnten Runde unterstreicht, dass es schon eines gewaltigen Glaubens an eine derarti­ge Verschwörungstheorie bedarf, denn wer wird schon so töricht sein, sein glanzvolles Streben mit dieser gewiss auf natürliche menschliche Erschöpfung zurückzuführen­den Nachlässigkeit ins Stocken zu bringen.

Analyseauszug aus dem Buch von Alik Gershon und Igor Nor

(Weiß: Kh2; De5; Tc7; La2; Ba3, f5, f7, g2, h3 - Schwarz: Kh7; Db6; Tf8; Sd2; Ba5, g7, h6)

V. Topalov - A. Morosewitsch

San Luis 2005

Weiß hat soeben die Drohung aufgestellt, mit dem Springer auf f3 ein Schach einzu­streuen, um dann auf f2 und f1 Dauerschach zu geben. 1. Tc2? Dieser Fehler, der die er­ste Drohung pariert, aber die zweite über­sieht, zeigt, dass Topalov auch nur ein Mensch ist. Zehn hart umkämpfte Runden zehrten selbst an ihm, und er wurde in der sechsten Stunde müde. Man muss auch Mo-rosewitsch loben, dass er seine Chance mit solcher Phantasie suchte und seinen Gegner zum Fehler verleitete. Das natürliche 1. Dc5 löst nicht sofort alle Probleme, da Schwarz weiter Störaktionen starten kann mit 1. ...Db2!, und nun muss Schwarz 2. Tb7! (2. Dxf8 De5+ macht nur Remis.) finden, wegen 2. ...Df6 3. Td7 Dg5, und nur nach dem ruhigen Zug 4. Kh1! Dg3 5. f6! g6 (5. ...De1+ 6.Dg1 Sf1 7. fxg7 Kxg7 8. Dd4+!! Kh7 9. Dd1! Sg3+ 10. Kh2 De5 11. Dd6, und es gibt keine Tricks mehr) 6. Te7 Sf3 muss Schwarz sein Scheitern eingestehen, da es nur noch einige Schachs gibt. Zumindest wird das nach einem Com­putercheck klar: 7. gxf3 Dxh3+ 8. Kgl Dg3+ 9. Kf1 Dxf3+ 10. Df2 Dh1+ 11. Ke2 Dh5+ 12. Kd2 Td8+ 13. Kc3! Tc8+ 14. Lc4 mit Gewinn. Alles wäre einfacher nach 1. Tc5, was die unangenehme Drohung De7 aufstellt. Auf den Schwarzzug Se4 folgt einfach Tc2. 1. ...Df2! 2. Txd2 Erzwungen wegen Sf3+. 2. ...Dxd2 3. Ld5 Dg5 4. Dd6 Dd8 5. Dxd8 Txd8 6. Lc6 g6 Es ist nie zu spät, um zu verlieren mit 6. ...g5?? 7. f6 Tf8 8. Le4+ Kh8 9. Lg6, und der König sitzt fest. 7. Le8 Kg7 8. fxg6 h5 9. a4 h4 10. Kg1 Td2 11. g3 hxg3 12.h4 Th213. h5 Kf8 Natürlich nicht 13. ...Txh5 14. f8D+ Kxf8 15. g7+ Kxg7 16. Lxh5, und das Um­wandlungsfeld hat die richtige Farbe für den Läufer! 14. Kf1 Kg7 15. Kg1 Kf8 16. Kf1 remis

Empfehlung: Eine Turnierrevue, die David Bronsteins Klassiker "Zürich 1953" vollauf das Wasser reichen kann, und ein Buch, das jede Partie als Lehrstunde zusammenfasst. Schlichtweg ein erbauliches Innehalten, wie wir es uns angesichts der Schnelllebigkeit im Schach zu selten gön­nen.

Mit freundlicher Genehmigung

Harald Fietz, Schach Magazin 64 10/2007

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In den letzten Jahren gab es im Nah- wie auch im Fernschach das gleiche Phänomen zu beobachten - eine Inflation der Weltmeister. Nach dem Scheitern des KO-Systems versuchte die FIDE 2005 mit einem Weltmeisterschaftsturnier wieder etwas Ordnung in die Weltmeisterschaften zu bringen. Das vorliegende Turnierbuch berichtet sehr umfangreich von der Weltmeisterschaft in San Luis, Argentinien, die Veselin Topalov gewann. Ergänzt wird der Band durch viele Farbfotos, die einen sehr schönen Eindruck vom Turnier vermitteln. Die Auswahl der Bilder hätte etwas kritischer erfolgen können, nicht alle werden der hohen Qualität des Buches gerecht.

Nach einer Reihe von Vorworten (Topalov, Short, Marin) folgt eine sehr interessante Einführung, in der nicht nur die Spieler vorgestellt, sondern auch die Chancen in den einzelnen Partien anhand von Statistiken und einem kurzen Text gezeigt werden. Der Hauptteil des Buches besteht aus Kapiteln zu den einzelnen Runden. Diese Kapitel umfassen jeweils eine Einführung und alle Partien, die sehr umfangreich analysiert wurden. Die Partiekommentare enthalten erfreulich viel Text, sodass sich das Werk auch als Lesebuch eignet.

Egal ob als WM-Turnierbuch, Schachbuch oder einfach als Lesebuch, "San Luis 2005“ ist auf jeden Fall eine Empfehlung wert

Mit knapp 30 Euro für 442 Seiten guten Inhalts und etlichen Farbfotos besticht das Buch auch durch sein Preis-Leistungs-Verhältnis.

Holger Blauhut

Fernschachpost 2007/06

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Was zeichnet ein wirklich gutes Turnierbuch aus?

-ein erstklassiges Teilnehmerfeld,

-spannende und qualitativ hochwertige Partien,

-erstklassige Kommentierung aller Partien,

-spannende Berichte die etwas von der Atmosphäre des Turniers vermitteln,

-einige Fotos, eventuell Interviews,

-hochwertige Verarbeitung des Buches allgemein.

All diese oben aufgeführten Punkte und noch viel mehr bietet das Turnierbuch "San Luis 2005“ von Alik Gershon und Igor Nor. Einmal mehr hat der schwedische Verlag Quality Chess ein Schachbuch veröffentlicht, dass als Vorbild für alle anderen Verlage im Bezug auf Qualität dienen sollte.

Ein kurzer Blick zurück:

5.Oktober 2005, San Luis, Argentinien. Bei der Schachweltmeisterschaft hat der Bulgare Veselin Topalov in der soeben beendeten 7.Runde den Usbeken Kashimdzanov in 73 Zügen niedergerungen. Somit führt Topalov mit 6,5 aus 7 möglichen Punkten und baut seinen Vorsprung gegenüber den Konkurrenten um volle zwei Zähler aus. Die Art und Weise wie Topalov bisher mit seinen Gegner umgesprungen ist, erinnert unwillkürlich an solche Leistungen wie von Aljechin in San Remo 1930, Bobby Fischer 1970 in Palma de Mallorca, Gary Kasparow 1989 in Tilburg oder Anatoli Karpow 1994 in Linares. Topalov wird das Turnier später als neuer Weltmeister mit 10/14 abschließen und als dritter Mensch überhaupt nach Kramnik und Kasparow eine ELO-Zahl von über 2800 erreichen.

Das opulente Turnierbuch "San Luis 2005“ erzählt von den Geschehnissen, die sich rund um das WM-Turnier 2005 in Argentinien zugetragen haben. Hauptakteure dieses Superturniers waren die Weltklasse-Großmeister Topalov, Anand, Leko, Swidler, Adams, Morozevich, Kashimdzanov und Judith Polgar als einzige Frau im Teilnehmerfeld. Sämtliche Partien waren hart umkämpft und das zeigt sich auch daran, dass nur 3 von den gespielten 56 Partien unter 20 Zügen endeten. Den 24 Partien in dem eine Seite den vollen Punkt einfahren konnte stehen 32 Remispartien gegenüber die teilweise bis zum 97.Zug ausgekämpft wurden (Runde 2, Topalov-Anand).

\s3 Auf durchschnittlich 7 Seiten wird jede Partie ausführlich und sachkundig (Alik Gershon ist Großmeister und Igor Nor ein bekannter Schachtrainer) kommentiert mit viel Varianten und noch mehr Text. Vor jeder Runde gibt es einen ausführlichen Bericht über den Verlauf der jeweils aktuellen Runde mit Zwischenstand und Einzelergebnissen. Die zahlreichen Fotos im Buch sind ausnahmslos in Farbe und das gesamte Buch wurde auf Hochglanzpapier gedruckt! So etwas sieht man bei Schachbüchern leider nur selten. Die Vorworte stammen von Veselin Topalov und Nigel Short, in einer spannenden Nachbetrachtung wird auch auf die späteren Anschuldigungen gegen den Sieger des Turniers näher eingegangen.

Fazit: "San Luis 2005“ ist ein Buch, dass immer wieder zum Schmökern und zum Nachspielen der Partien einladet. Auf 442 Seiten wird der Leser Zeuge, wie spannend und kämpferisch es damals zuging. Zahlreiche Farbfotos und die Zwischenberichte vermitteln wunderbar die Atmosphäre des Turniers. Für den dargebotenen Preis wird das Buch sicherlich schnell vergriffen sein. Absolut zu empfehlen.

Mit freundlicher Genehmigung

Martin Rieger, freechess.info

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Der noch junge internationale Schachverlag "Quality Chess" hat gewagt, was heutzutage weltweit kaum noch ein Verlag riskiert, nämlich ein aufwendig gestaltetes Turnierbuch herauszugeben. Zwar handelt es sich bei diesem Turnier um das hochkarätige Weltmeisterschaftsturnier San Luis 2005, mit dem die FIDE dem Wirrwarr um den wirklichen Weltmeister beseitigen wollte (übrigens das erste WM-Turnier seit 1948, als dies durch Aljechins Tod erforderlich war), doch ist das in der von Eröffnungstheorie dominierten Schachbuchszene dennoch ein mutiges Unterfangen.

Um es gleich vorweg zu sagen: Der Versuch ist mehr als gelungen und dabei hat Quality seinem Namen alle Ehre gemacht! Das Buch hat beste Chancen, in einem Atemzug mit dem Klassiker "Zürich 1953", Bronsteins berühmtes Buch über das damalige Kandidatenturnier) genannt zu werden! Alle 56 Partien des Turniers sind ausführlich und mit zahlreichen großen Diagrammen kommentiert worden. Kleinere Analysendiagramme helfen bei komplizierten Varianten, den Überblick zu behalten.

Doch weitaus beeindruckender sind die rund 170 Farbfotos von den Teilnehmern, ihrem Umfeld und der umgebenden Landschaft. Der Leser erhält so einen äußerst plastischen Eindruck vom Geschehen, kann durch die Bilder der kämpfenden, angespannten, siegreichen oder geschlagenen Supermeister das Geschehen vielleicht besser miterleben als mancher Zuschauer vor Ort! Abbildungen sind rar in Schachbüchern, Farbbilder außer auf dem Titelblatt noch seltener, diese Fülle ist beeindruckend, ohne jedoch das Werk zu einem "Bildband" zu machen, den die Fotos fügen sich dezent und unaufdringlich in den größeren Zusammenhang ein.

Auch andere Aspekte des Turniers werden dem Leser nahegebracht. In Marins Preface und in einem abschließenden Artikel "Chess in the new Millenium or Binary Comparacies" wird logisch und scharfsinnig auf die "Verschwörungstheorien" eingegangen und anhand von Stellungen Topalovs das "Geheimnis seiner Computerzüge " gelüftet.

In der Einführung werden die acht Supergroßmeister vorgestellt. Dies umfaßt auch eine Prognose für die Chancen gegeneinander auf der Basis der früheren Begegnungen. Die bisherigen Ergebnisse werden sogar getrennt nach Turnierpartie und Rapid-Chess angegeben, diese Bewertung ist äußerst akkurat und tiefschürfend.

Jede der 14 Runden wird mit einer umfangreichen Einführung begonnen und die kommentierten Partien enthalten meist viel an interessantem Text. Nicht nur der starke Spieler und Theorieexperte kommt so auf seine Kosten, sondern auch der Leser bescheidener Spielstärke, den mehr das "Event" als solches interessiert als die jüngste Theorieneuerung.

Mit 29,99 € ist das Buch in jeder Hinsicht ein Schnäppchen! Farbbilder, 442 großformatige Seiten, ein von erstklassigen Fachleuten hervorragend geschriebenes und kommentiertes Buch, zudem mit hohen Unterhaltswert, ist es kaum glaubhaft, daß ein so relativ (und gemessen an vielen anderen Schachbücher sogar absolut) günstiger Preis überhaupt möglich ist!

Mit diesem Werk hat Quality hohe Maßstäbe gesetzt. Das Buch ist wirklich dem "tournament of the decade" würdig und ein Schritt in die Richtung, Schachbücher für einen breiten Leserkreis wieder unterhaltsamer und interessanter zu machen als die Ansammlungen von Spezialtheorie, die heute marktbeherrschend sind. Dem Verlag bleibt von Herzen zu wünschen, daß sein Mut und Engagement belohnt wird. Ich hörte, daß in London sofort beim Erscheinen des Buches eine unüblich hohe Zahl verkauft worden ist, was in dieser Hinsicht (und auf weitere solche Bücher!) hoffen läßt.

Fazit: Wer sich für Weltklasseschach interessiert, für den ist "San Luis 2005" ein absolutes Muß und darüber hinaus eine Zierde für jede Schachbuchsammlung. Und das sogar für einen ungewöhnlich günstigen Preis. Fazit: Ein Buch, das einen neuen Top Standard definiert und schwer zu übertreffen sein dürfte! Der Klassiker, den man schon heute kaufen kann!

Mit freundl. Genehmigung

Heinz Brunthaler (für Europa Rochade)

Mai 2007




Preis: 
 
Artikelnummer:
LXGERSL2005
 
Kategorie:
PfeilTurnierbuch
  PfeilWeltmeisterschaften
 
Sprache:
Englisch
 
Verlag:
PfeilQuality
 
ISBN-10:
 
ISBN-13:
9789197600521
 
Breite: 
17,0 cm
 
Höhe: 
23,9 cm
 
Gewicht: 
1,080 kg
 
Alik Gershon, Igor Nor: San Luis 2005
442 Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2007.
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