Rezensionen zu Vorauflagen:
Zweite überarbeitete Auflage. Der Eröffnungsteil dieses Buches dürfte nur den Ansprüchen von sehr wenig fortgeschrittenen Schachfreunden genügen.
Otto Borik, Schachmagazin 64 17/89
Ein Lehr- und Trainingswerk
Eines der erfolgreichsten sowjetischen Schachbücher, welches als Begleitbuch zum Schachkolleg des sowjetischen Fernsehens erschien, wurde ins Deutsche übertragen.
Der Untertitel lautet richtig: "Ein Lehr- und Trainingswerk - nicht nur für den Nachwuchs". Das Buch richtet sich an Fortgeschrittene (ich meine: ab 15-17 Jahren) und ist für Kurse oder zum autodidaktischen Studium gut geeignet. Das umfangreiche Material mit vielen Übungen läßt sich nicht leicht erschöpfen.
Über die drei Partiephasen schreibt jeweils ein anerkannter Schachautor. Am besten gefallen mir die anspruchsvolle Darlegung von Awerbach über das Endspiel und der Text von Kotow über Kombinations- und Positionsspiel. Judowitsch behandelt "Geschichte und Theorie der Eröffnungen".
Störend sind unübliche Schreibweisen wie h:g bei Schlagfällen, auch der Übersetzer leistet sich Schnitzer ("Spanische Qualen" statt "Spanische Tortur").
Trotz kleiner Mängel ist das Buch zu empfehlen, weil es für den Kreis der Fortgeschrittenen, die an das ernsthafte Schach herangeführt werden sollen, wenige gute Lehrbücher gibt.
Zum Vergleich: An eine ähnliche, noch ein bißchen ambitioniertere Zielgruppe richtet sich Hans Bouwmeesters Der Weg zur Meisterschaft, nämlich an begabte Spieler "um das 17. Lebensjahr herum", die im Verein nicht mehr viel lernen können, und sich fragen, wie sie nun weiterkommen. Bouwmeester bringt weniger Material, aber dafür ist die Mischung ausgefeilter und besonders anregend.
Stefan Bücker
Ein Lehrbuch - Klassiker erlebt seine vierte Auflage: Das von drei namhaften Autoren verfasste Begleitbuch zum Schach - Kolleg des damaligen sowjeti-schen Fernsehens widmet sich allen drei Phasen einer Schachpartie in systematischer Weise und wurde in erster Linie für junge Spieler konzipiert, wel-che die Anfangsgründe des Königlichen Spiels schon hinter sich gelassen haben.
Der erste Hauptteil "Geschichte und Theorie der Eröffnungen", verfasst von IM Michail Judowitsch (S. 10-78), geht nach einem Abstecher in die Historie von Tschaturanga und Schatrandsch auf allgemeine Spielpläne ein, auf Systematisierung der Spielanfänge, auf Eröffnungsprinzipien, auf den wunden Punkt f7 (f2) sowie auf die Bedeutung des Zentrums, und stellt dann die einzelnen Eröfflnungen mit einigen Hauptvarianten vor. Dabei legt der Autor vor allem Wert auf die Darstellung der Offenen Spiele (26 Buchseiten), während die Halboffenen (zehn Seiten) und die Geschlossenen Systeme (nur sieben Seiten !) etwas kürzer wegkommen. Judowitsch will jedoch keine langatmigen Variantenbäume vorführen, sondern erläutert mehr die prinzipiellen Pläne; hierzu führt er 37 Partien und 158 Hauptvarianten vor, 65 davon (auch in Form von Beispielpartien) in der Form von Aufgaben, mit denen sich der beflissene Leser zunächst selbst beschäftigen soll, bevor er im Anhang (S. 218-228) die Lösungen nachschlagen darf.
Der zweite Abschnitt ist dem Kombinations- und Positionsspiel gewidmet (S. 79-142); für ihn zeichnet der früher sehr bekannte GM Alexander Kotow verantwortlich, in den 50er-Jahren Teilnehmer an Kandidatenturnieren zur Weltmeisterschaft. Er führt zunächst die verschiedenen Arten von Kombinationen vor, und erläutert anschließend die Prinzipien des Positionsspiels, die Urteilsbildung, Planfassung, Variantenberechnung und die Auswahl von Kandidatenzügen im Mittelspiel. Als Beispiele präsentiert er 137 Partiefragmente, davon 60 in Form von Aufgaben für den Leser.
GM Juri Awerbach, einer der führenden Experten auf diesem Gebiet (der auch eine mehrbändige Buchreihe zu diesem Thema herausgebracht hat), erörtert schließlich im dritten Teil die "Theorie und Praxis der Endspiele" (S. 143-217), wobei er in der Reihenfolge Bauern-, Springer-, Läufer-, Turm- und Damenendspiele alle Typen mit den wesentlichsten Lehrstellungen bearbeitet - insgesamt 209 Beispiele, davon 76 als Aufgaben gestellt.
Hier eine verblüffende Damenendspielstudie von L. Prokesch 1948 (Aufgabe Nr. 200 auf S. 217, Lösung S. 228):
(Diagramm)
Weiß am Zuge gewinnt wie folgt: 1. Dc4+ Db4 2.Dc6+ Db5 3.D:e4+ Db4 4.Dd3! g6 5.Dd7+ Db5 6. Dd4+ Db4 7.Dd3! g5 8.Dd7+ Db5 9.Dd4+ Db4 10.Dd3! g4 11.Dd7+ Db5 12.D :g4+ Db4 13.Dd7+ Db5 14.Dd4+ Db4 15.Dd3! und Schwarz geht an verhängnisvollem Zugzwang zu Grunde.
Das Lehrbuch soll dem Selbststudium dienen und betont das selbstständige Denken, didaktisch richtig angeleitet. Obwohl die Erstauflage schon einige Jährchen zurückliegt, erfüllt es diesen Zweck noch immer in vorbildlicher Weise. Der Beyer-Verlag kündigt zu seinem auch äußerlich sehr ansprechend aufgemachten Lehr- und Trainingswerk noch einen in Kürze erscheinenden zusätzlichen Sonderband an, der zahlreiche methodische und didaktische Hinweise und spezielle Unterrichtseinheiten enthalten soll, um auch die Verwendung in Schachkursen noch attraktiver und effizienter zu gestalten.
Dr. W. Schweizer, Rochade Europa 02/2002
Mit diesem Lehr- und Trainingsbuch erhält der Leser die deutsche Ausgabe eines der erfolgreichsten sowjetischen Schachbücher.
Das erste Kapitel stammt von Michail Judowitsch und stellt die Geschichte und Theorie der Eröffnungen vor, der Leser erfährt ein wenig geschichtliches zu Ursprung des Schachspiels und Entwicklung der Schachtheorie, er lernt moderne Eröffnungsprinzipien kennen und erhält eine systematische Einführung in praktisch alle gängigen Eröffnungen.
In "Kombinations- und Positionsspiel" erläutert Alexander Kotow wichtige Mattkombinationen und Motive beim Königsangriff, er zeigt wie man Stellungen beurteilt, analysiert, einen Plan fasst und dann die Varianten richtig berechnet.
Abschließend wird "Die Theorie und Praxis des Endspiels" vom bekannten Endspielexperten Juri Awerbach besprochen.
Hier werden systematisch alle wichtigen und lehrreichen Endspiele erörtert, von Bauern-, Springer-, Läufer-, Turm- bis hin zu Damenendspielen.
Das Material ist sehr umfangreich, da die Schrift recht klein ist, und gut und anschaulich kommentiert. Außerdem wurden in die Texte und Beispiele insgesamt 201 Aufgaben eingearbeitet, so dass in diesem schönen Grundlagenwerk auch reichlich Trainingsmaterial bereitgestellt
wird.
Schachmarkt 02/2002
Ein sehr empfehlenswertes, seriöses Lehrbuch für den fortgeschrittenen Anfänger bis zum durchschnittlichen Klubspieler, auch Übungsleiter. Schachgeschichte, Eröffnungslehre, Kombinations- -und Positionsspiel, Endspiel in guter Bearbeitung. Der Leser wird nicht überfordert, Erläuterungen und elementare Wendungen bzw. Fallen haben den Vorrang vor z. B. komplexen Theorievarianten. Die Übersetzung durch Fernschach - IM Tihomir Glowatzky ist gut; einige kleine Flops vergibt man augenzwinkernd. So auf S. 125, Reti -"Carlos", wo mit Schwarz in Wirklichkeit weder der Top-Terrorist noch Carlos Torre spielte, sondern der Bremer Meister Carl Carls.
Eine kleine Einschränkung: Die Aufmachung und Sprache ist für Erwachsene gedacht und dürfte weniger ansprechend für das Selbststudium von Kindern und Jugendlichen sein.
Harald Keilhack
Mit freundlicher Genemigung der Zeitschschrift Schach (Ausgabe 05/2002)
Das Buch wurde durch drei weltberühmte Schachpädagogen geschrieben. Das erste Kapitel stammt von Michail Judowitsch und stellt die Geschichte und Theorie der Eröffnungen vor (S. 5-76). Der Leser erfährt hier alles über die Schachgeschichte, die Entwicklung der Schachtheorie und über die Eröffnungsprinzipien. Im Kapitel II wird das Thema "Kombinations- und Positionsspiel“ durch Alexander Kotow besprochen. Die wichtigste Problematik: Das Mittelspiel, Mattkombinationen, Urteil - Analyse - Plan und Berechnung von Varianten soll dem Leser vermitteln, wie man die Stellung richtig beurteilt, einen richtigen Spielplan fasst und dann die Varianten genau berechnet. Der bekannte Endspielexperte Juri Awerbach erläutert die Theorie und Praxis der Endspiele. Das Buch ist zum Selbststudium sehr gut geeignet und auch als Lehrbuch an Schulen und bei allen Trainingskursen verwendbar.
Jerzey Konikowski, Fernschach International 5/6 2002