Aljechins "Klassiker" ist heute ebenso wertvoll und interessant für das Studium wie vor 40 Jahren. Die ausgezeichneten, unverändert übernommenen Kommentare erschließen dem Leser den Gehalt der taktisch wie positionell überzeugenden Partien.
Wirklicher Klassiker
Der vierte Weltmeister Alexander Aljechin besaß einen unternehmungslustigen Stil und legte nur selten Partien auf Remis an. Seine Leidenschaft für das Schach war groß, nach eigenen Worten trainierte er jeden Tag grundsätzlich acht Stunden lang. Aljechins entschlossenes Streben nach dem Weltmeistertitel dokumentieren zwei Bücher: Auf dem Wege zur Weltmeisterschaft 1923-1927 versammelt die Partien aus den letzten Jahren vor der Erringung der Weltmeisterschaft im Jahr 1927. Jedoch schrieb Aljechin das Werk erst nach dem Titelgewinn; es erschien 1932.
Am Anfang von Auf dem Wege zur Weltmeisterschaft 1923-1927 schrieb Aljechin: "... war mir damals [1924] Capablanca zweifellos überlegen ... Capablanca verhielt sich übrigens zu meinen Absichten zwar korrekt, jedoch kühl, und so wurde es mir klar, daß in nächster Zeit mit einer Verwirklichung unseres Wettkampfes nicht zu rechnen sei. Um so mehr galt es mir nun, an meiner Vervollkommnung zu arbeiten..."
Ein wichtiger Bestandteil dieser Arbeit war das vorliegende Meine besten Partien 1908-1923, welches Aljechin nach seiner Herausforderung an Capablanca 1924 schrieb. Die Arbeit an dem Buch diente ihm zur Vorbereitung, er nahm seine Aufgabe ernst. Die kritischen Analysen der 100 enthaltenen Partien machen das Buch zu einem wirklichen Klassiker. Manche ziehen das Werk sogar dem späteren Auf dem Wege zur Weltmeisterschaft 1923-1927 vor, aber darüber läßt sich streiten. Letzteres Buch enthält neben hervorragenden Partieerläuterungen auch begleitende Texte des Weltmeisters, es bietet daher allen nicht nur auf Analysen fixierten Lesern eine angenehmere Lektüre.
Dieser Mangel der früheren Partiesammlung wurde vom Verleger annähernd dadurch wettgemacht, daß der deutschen Ausgabe mehrere Extras mit auf den Weg gegeben wurden: Ein achtseitiges Vorwort von Savielly Tartakower und ein achtseitiger Anhang "Aljechins Eröffnungsbehandlung in moderner Sicht", den Kurt Richter Mitte der sechziger Jahre schrieb. Der englischen Ausgabe fehlen diese Beigaben.
Stefan Bücker