Dawid Markelowicz Janowsky (1868-1927) stellt eine der schillerndsten Figuren der Schachwelt dar:
Er gewann mit seinem bedingungslosen Spiel auf Angriff zahlreiche bedeutende Turniere, um die gewonnenen Preisgelder gleich wieder beim Roulette auf's Spiel zu setzen.
Er unterlag Emanuel Lasker in einem WM-Kampf 1910 in Berlin mit +0 -8 =3, um sich dann abfällig über das Spiel seines Gegners zu äußern.
Spieler, gegen die er verlor, bezeichnete er als "Kaffeehausspieler", "Korkser" und "Dominospieler" und wollte ihnen eine Figur vorgeben.
Ein Leben im Vabanque-Stil, das in bitterer Armut endete.
Das vorliegende Werk zeichnet Janowskys schachlichen Weg von den Anfängen bis zum bitteren Ende akribisch mit einer Unmenge an kommentierten Partien, ausführlichen Turnierberichten und vielen Stellungnahmen der Zeitgenossen Janowskys zu seiner Persönllichkeit und zu seinem Spiel nach.
Der Autor: Daniel Ackermann, geb. am 7. Mai 1968 in Baden-Baden, Lehrbeauftragter der Uni Heidelberg für Latein, Lehrer für Latein und Altgriechisch, erlernte das Schachspiel im Alter von fünf Jahren von seinem Vater und interessiert sich schon seit jungen Jahren für schachhistorische Themen. Er war mehrfach Stadtmeister seiner Heimatstadt und besitzt eine DWZ um die 2250. Das vorliegende Buch ist sein Erstlingswerk.
0011 Die ersten Lebensjahre (1868-1891)
0012 Die ersten Jahre in Paris (1891 -1894)
001 Der erste schachliche Auftritt: Der erste Wettkampf gegen Stanislaus Sittenfeld in Paris 1891
007 Die Meisterschaft des Cafe de la Regence und der zweite Wettkampf gegen Stanislaus Sittenfeld in Paris 1892
015 Der dritte Wettkampf gegen Stanislaus Sittenfeld in Paris 1893
017 Das Konsultationsmatch zwischen Janowsky/de Riviere und Alapin/Sittenfeld in Paris 1894
0253 Der erste internationale Auftritt: Der neunte Schachkongreß des deutschen Schachbundes zu Leipziq 1894
0484 Der Wettkampf gegen Jacques Mieses in Paris 1895
0635 Das internationale Turnier zu Hastings 1895
072 Exkurs: Janowskys Betragen am Schachbrett
073 Kleiner Wettkampf gegen Manuel Sterling in Paris 1895
0746 Die Turniere und Wettkämpfe des Jahres 1896: Janowsky etabliert sich in der Weltspitze
074 Die Meisterschaft des Cafe de la Regence 1896
079 Das internationale Turnier zu Nürnberg 1896
097 Das internationale Turnier zu Budapest 1896
107 Janowskys Auftreten in Wien 1896
107 Das internationale Turnier zu Wien 1896
109 Der Wettkampf gegen Simon Winawer in Wien 1896
114 Der Wettkampf gegen Carl Schlechter in Wien 1896
1227 Janowskys Vorstellung in Berlin 1897
122 Das internationale Turnier zu Berlin 1897
138 Der Wettkampf gegen Carl Walbrodt in Berlin 1897
148 Gerüchte um einen Wettkampf gegen Rudolf Charousek
1508 Das Jahr 1898: Erfolg und Rückschlag
150 Janowsky auf Reisen in England und Deutschland 1898
155 Serie von Vorgabepartien gegen Arnos Burn in Wien 1898
156 Das Kaiser-Jubiläums-Turnier zu Wien 1898
176 Der elfte Kongreß des deutschen Schachbundes zu Köln 1898
1819 Janowskys Reise in die USA 1898/1899
181 Der Wettkampf gegen Jackson Whipps Showalter in New York 1898/1899
196 Partienserien gegen Frank James Marshall, Samuel Lipschütz, Jackson Whipps Showalter und Mitglieder des Manhattan Chess Club in New York 1899
20310 Das internationale Turnier zu London 1899 und die Herausforderung an Weltmeister Emanuel Lasker
22011 Das Jahr 1900: Rückschläge auf dem Weg zu einem WM-Kampf
220 Die erste Reise nach Rußland 1900
222 Das internationale Turnier zu Paris 1900
230 Der zwölfte Kongreß des deutschen Schachbundes zu München 1900
24112 Das Jahr 1901: Auf dem Weg zum ersten Turniersieg
241 Die zweite Reise nach Rußland 1900/1901 und das zweite allrussische Turnier zu Moskau 1901
252 Der erste internationale Turniersieg: Das internationale Turnier zu Monte Carlo 1901
268 Janowskys Reise nach Holland und England 1901/1902
27913 Das Jahr 1902: Mehr Höhen als Tiefen
279 Das internationale Turnier zu Wien 1902
281 Das internationale Turnier zu Monte Carlo 1902
288 Janowskys Aufenthalt in Prag 1902
289 Der Wettkampf gegen Carl Schlechter und das kleine Turnier zu Karlsbad 1902
296 Der dreizehnte Kongreß des deutschen Schachbundes zu Hannover 1902
310 Die beiden Meisterturniere zu Paris 1902
32014 Die Jahre 1903-1904: eine eher ruhige Zeit
320 Der Wettkampf gegen Jean Taubenhaus in Paris 1903 /1904
331 Das internationale Turnier zu Cambridge-Springs 1904
354 Das Königsgambit-Match gegen Georg Marco auf der Pretoria
35815 Das Jahr 1905: Ein Jahr voller schachlicher Betätigung
358 Das Match gegen Frank James Marshall in Paris 1905
388 Erster Wettkampf gegen Jean Taubenhaus in Paris 1905
393 Das internationale Turnier zu Ostende 1905
408 Das Schachfest zu Barmen 1905
432 Zweiter Wettkampf gegen Jean Taubenhaus in Paris 1905/1906
43116 Die Jahre 1906-1907: Die Leistungen schwanken
431 Janowsky als Mitarbeiter eines Schachbuches
431 Das internationale Turnier zu Ostende 1906
442 Ein Tiefpunkt: Der fünfzehnte Kongreß des deutschen Schachbundes zu Nürnberg 1906
448 Das Championturnier zu Ostende 1907
458 Das internationale Turnier zu Karlsbad 1907
47217 Das Jahr 1908: Zeit der Revanche
472 Eine erfolgreiche Revanche: Das Revanche-Match gegen Frank James Marshall in Suresnes 1908
482 Das internationale Turnier zu Prag 1908
48918 Im Kampf gegen Emanuel Lasker: Auf dem Weg zum Titelmatch
489 Erster Wettkampf gegen Emanuel Lasker in Suresnes 1909
500 Zweiter Wettkampf gegen Emanuel Lasker in Paris 1909
509 Ein Zwischenspiel: Drei Partien gegen Johannes F. S. Esser in Suresnes 1910. Ein Match oder doch nicht?
51219 Der WM-Kampf gegen Emanuel Lasker in Berlin 1910
54120 Die Jahre 1911-1912: Depression
541 Das internationale Turnier zu San Sebastian 1911
548 Das Match gegen Frank James Marshall in Biarritz 1912
55121 Janowskys zweite Reise nach Amerika 1913
551 Planungen zu einem großen Meisterturnier in New York und Havanna 1913
551 Das Turnier zu New York 1913
558 Das internationale Turnier zu Havanna 1913
565 Kleines Match gegen Oscar Chajes in New York 1913565
57022 Die Jahre 1913-1915: Die letzte Zeit in Europa
571 Das internationale Turnier zu Scheveningen 1913
582 Das internationale Meisterturnier zu St. Petersburg 1914
593 Das internationale Turnier zu Mannheim 1914
593 Janowskys Aufenthalt in der Schweiz 1915
60223 Die Jahre 1916-1924: Janowskys Aufenthalt in New York
602 Janowsky im Kampf gegen die amerikanischen Meister
602 Das internationale Turnier zu New York 1916. Das Rice-Gedenk-Turnier
613 Herausforderung an Jose Raul Capablanca
613 Der Wertkampf gegen Charles Jaffe in New York 1916
616 Der Wettkampf gegen Frank James Marshall in New York 1916
618 Der Wettkampf gegen Jackson Whipps Showalter in Lexington und Georgetown 1916
629 Der Wettkampf gegen Charles Jaffe in New York 1917/1918
633 Der Wettkampf gegen Oscar Chajes in New York 1918
639 Das internationale Turnier zu New York 1918
641 Die Meisterschaft des Manhattan Chess Club 1920-1921
644 Der letzte Turniersieg: Der achte amerikanische Schachkongreß zu AtlanticCity 1921
652 Das Turnier zu New York 1922
657 Der Vorgabewettkampf gegen Schroeder in New York 1922
658 Der neunte amerikanische Schachkongreß am Lake Hopatcong 1923
663 Die Meisterschaft des Manhattan Chess Club 1923-1924
664 Das internationale Großmeisterturnier zu New York 1924
67324 Die Rückkehr nach Paris: Die letzten Turniere in Europa im Zeichen der Krankheit
673 Das internationale Turnier zu Marienbad 1925
677 Der sechste Schachkongreß zu Hastings 1925 /1926
678 Das internationale Turnier zu Hyeres 1926
679 Das internationale Turnier auf dem Semmering 1926
687 Das internationale Turnier zu Gent: Janowskys letzter Auftritt
68925 Das bittere Ende des Lebensweges
691 Anmerkungen
703 ECO-Schlüssel
705 Partienindex
709 Janowskys Ergebnisse gegen führende Spieler seiner Zeit
715 Bibliographie
"Vabanque. Dawid Janowsky" lautet der Titel eines monumentalen Schachwerks: Auf 724 Seiten porträtiert Daniel Ackermann einen Angriffsspieler, gegen den man "gewinnen oder verlieren, aber nur schwer remisieren konnte". Vabanque spielte Janowsky (bei der Schreibweise des Namens orientiert sich der Autor an der Unterschrift des Spielers) außer auf dem Brett auch stets im richtigen Leben. Die blumigen Ausführungen des Pulitzer-Preisträgers Harold C. Schonberg in "Die Großmeister des Schach" übernahm der weit tiefer schürfende und recherchierende Sandhausener in seinem Vorwort als "kleinen Scherz". Schonberg skizziert den 1868 geborenen Janowsky als einen "Exzentriker der Großmeisterriege - ein Hitzkopf, der andauernd mit seinen Kollegen in Fehde lag, ein psychopathischer Glücksspieler, ein schlechter Verlierer, aber allzeit ein aufregender, kampfeslustiger Gegner. ,Er folgt dem falschen Weg mit mehr Entschlossenheit als jeder andere, dem ich je begegnet bin', äußerte Frank Marshall."
Ackermann verbindet mit dem Polen nur der eigene tollkühne Schachstil. Ansonsten gilt: "Er ist ein Typ, ein Hasardeur, der ich absolut nicht bin", betont der Lehrbeauftragte für Griechisch und Latein an der Uni Heidelberg. Rund dreieinhalb Jahre beschäftigte sich der Gernsbacher Verbandsliga-Spitzenspieler mit dem Anfang des 20. Jahrhunderts zu den stärksten Meistern zählenden Janowsky. Außer wegen des "aggressiven Schachs" entschied sich der Wissenschaftler auch deswegen für eine Janowsky-Biographie, weil bisher nur ein Werk über ihn, 1987 im Russischen, erschien. Diszipliniert hat der Autor jahrelang Quellen ausgewertet. Vor allem stützt sich Ackermann bei seiner Arbeit auf eigene Kommentare Janowskys, die dieser überwiegend in "La Strategie" zum Besten gab. Die 335 Partien sind gut analysiert, ohne überbordende Ergänzungen nach heutigem Wissensstand einzupflegen - das würde dem Können der damaligen Meister auch nicht gerecht. Vielmehr soll ein "teilweise brillanter" Meister des 19. Jahrhunderts der "Vergessenheit entrissen werden". Diesen Anspruch erfüllt Ackermann, dessen Werk in kleiner Auflage von 600 Stück gedruckt wurde. Lediglich an Bildern mangelt es, weil es nur wenige gibt - und diese auch noch schwer zu beschaffen sind. Überdies hätte das die Druckkosten für den dicken Wälzer weiter erhöht. Das historisch wertvolle Buch aus dem Schachverlag Dreier (ISBN 3-929376-65-2; 58 €) beinhaltet ein prosaisches letztes Kapitel: Ende Januar 1927 wollte Janowsky beim Turnier in Hyeres teilnehmen. Bereits am 19. Dezember 1926 kam er dort mit einer heftigen Erkältung an. Ein Arzt diagnostizierte das letzte Stadium der Tuberkulose. Am 15. Januar 1927 starb Janowsky ohne Freunde und völlig mittellos im Alter von 56 Jahren. Auf seinen Grabstein in Hyeres ließen seine Förderer, die auch seinen letzten Klinikaufenthalt bezahlt hatten, die Worte des persischen Dichters Omar Khayyam aus dem elften Jahrhundert meißeln: "Hier die einzige Wahrheit: Wir sind Steine der geheimnisvollen Schachpartie, gespielt von Gott. Er stellt uns hin, hält uns an, treibt uns vor, dann wirft er uns einen nach dem anderen in den Kasten des Nichts."
Hartmut Metz, Rochade Europa 6/2006
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Vor ungefähr hundert Jahren war Dawid Janowsky ein Spieler der absoluten Weltklasse. Er nahm mit großem Erfolg an den berühmtesten Turnieren der Schachgeschichte teil und war ein aussichtsreicher Kandidat für die Weltmeisterschaft.
Sein internationales Debüt gab er auf dem neunten Kongress des deutschen Schachbundes 1894 in Leipzig. Es folgten die Superturniere Hastings 1895 und Nürnberg 1896. Sein Aufstieg in die Weltspitze deutete sich bereits in Nürnberg an, als er den amtierenden Weltmeister Lasker in Grund und Boden spielte und am Ende den fünften Platz belegte.
Im 38 - Runden - Turnier Wien 1898, an dem außer Lasker und Charousek alles beteiligt war, was Rang und Namen hatte, belegte er den dritten Platz. In London 1899 wurde er nur von Lasker übertroffen.
Nach der Jahrhundertwende begann seine stärkste Zeit. Er siegte in Monte Carlo 1901, in Hannover 1902 und gemeinsam mit Maroczy in Barmen 1905.
Bei vielen anderen Turnieren belegte er Spitzenplätze, so z. B. Monte Carlo 1902, Cambridge Springs 1904 und Ostende 1905. Leider verfiel er in dieser Zeit dem Glückspiel, verlor seine Preise beim Roulette und als er 1910 gegen Lasker um die Weltmeisterschaft spielte hatte er seinen Zenit bereits überschritten.
Ein eifriger Turnierspieler blieb er dennoch und er startete z. B. in San Sebastian 1911, St. Petersburg 1914, New York 1924 und am Semmering 1926. 1927 starb er völlig mittellos im Alter von 58 Jahren.
Daniel Ackermann hat mit der vorliegenden Biographie dem großen Meister ein würdiges Denkmal gesetzt.
Das Buch enthält 335 Partien mit vielen Anmerkungen und vielen Diagrammen. Alle Turniere und Wettkämpfe sind mit Tabellen und Berichten vollständig dokumentiert.
Dieses hervorragende Werk ist ein Wunschtraum für alle an der Schachgeschichte interessierten Liebhaber des königlichen Spiels. Aufgrund der ausgezeichneten Aufmachung können wir das Buch auch allen anderen Schachfreunden ohne jede Einschränkung empfehlen.
Schach-Markt 4/2005