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LOKNA222EN1D4

222 Eröffnungsfallen nach 1.d4

147 Seiten, kartoniert, Olms, 3. Auflage 2019, Erstauflage 2008

16,80 €
Inkl. 5% MwSt., zzgl. Versandkosten

Fallen lauern in einer Schachpartie in jedem Partiestadium, besonders häufig trifft man auf sie jedoch in der Eröffnung. Da man bekanntlich in der Regel aber aus Schaden klug wird, dürften alle Lernwillige nach gründlichem Studium des ersten Fallenbuches dieser Reihe bereits gegen die typischen Reinfälle nach 1.e4 bestens gewappnet sein.

Im vorliegenden zweiten Teil zeigen die beiden international als Autoren aner­kannten Großmeister - Rainer Knaak gilt als Eröffnungs- und Karsten Müller als Endspielexperte - nun jene Fallstricke, die einen nach dem Doppelschritt des wei­ßen Damenbauern erwarten. Das Szenarium ist im Grunde gleich: Der Reinge­fallene macht ganz "normale" Züge - eine Figur wird entwickelt, etwas geschla­gen, eine Drohung aufgestellt und pariert. Die Antwort, die dann meistens völlig ungewöhnlich und deshalb unerwartet ist, führt geradezu zwangsläufig zu einem schnellen Sieg für den "Fallensteller".

Zu jeder wichtigen Eröffnung nach 1.d4 wie beispielsweise dem Damengambit oder der Königsindischen Verteidigung gibt es einführende Texte mit den jeweils typischen Fallenmotiven, die man unbedingt kennen sollte.

Und noch zwei ganz dicke Pluspunkte hat dieses wirklich unterhaltsame Lehrbuch:

  • als willkommener Nebeneffekt wird einerseits das eigene Kombi­nationsvermögen garantiert erheblich wachsen

  • andererseits kann man systematisch sein Eröffnungsrepertoire erwei­tern, um dann selbst listig Fallen zu stellen. So wie es Meister Frank Marshall liebte. Der Amerikaner ist quasi als"König der Fallensteller" In die Schachgeschichte eingegangen, weil er bereits vom allerersten Zug an zu einem geistreichen Fallenspiel bereit war...

Weitere Informationen
Gewicht 375 g
Hersteller Olms
Breite 17 cm
Höhe 24 cm
Medium Buch
Erscheinungsjahr 2019
Autor Rainer KnaakKarsten Müller
Sprache Deutsch
Auflage 3
ISBN-13 9783283010010
Jahr der Erstauflage 2008
Seiten 147
Einband kartoniert

007 Vorwort

008 Einleitung

012 Symbole

013 1 Nebenvarianten

00 2 Trompowsky-Angriff

030 2.1 Typische Motive im Trompowsky

032 2.2 Fallen im Trompowsky

035 3 Indische Nebenvarianten

040 4 Wolga-Gambit

042 5 Moderne Benoni-Verteidigung

042 5.1 Typische Motive im Modernen Benoni

044 5.2 Fallen im Modernen Benoni

047 6 Holländische Verteidigung

047 6.1 Typische Motive in der Holländischen Verteidigung

049 6.2 Fallen in der Holländischen Verteidigung

052 7 Damenbauernspiel und Damengambit

052 7.1 Typische Motive im Damenbauernspiel und Damengambit

057 7.2 Fallen im Damenbauernspiel und Damengambit

102 8 Grünfeld-Indische Verteidigung

102 8.1 Typische Motive im Grünfeldinder

103 8.2 Fallen im Grünfeldinder

108 9 Katalanische Eröffnung

108 9.1 Typische Motive im Katalanen

109 9.2 Fallen im Katalanen

114 10 Tango-Eröffnung

115 11 Damenindische Verteidigung

119 12 Nimzowitsch-Indische Verteidigung

119 12.1 Typische Motive im Nimzoinder

121 12.2 Fallen im Nimzoinder

126 13 Königsindische Verteidigung

126 13.1 Typische Motive im Königsinder

129 13.2 Fallen im Königsinder

140 Anhang

140 Quellenverzeichnis

141 Eröffnungsverzeichnis

142 Personenverzeichnis

143 Partieverzeichnis

Nach ihrem Vorgänger "222 Eröffnungsfallen nach 1.e4" aus dem Jahr 2007 warten die großmeisterlichen Autoren aus deutschen Landen gleich mit dem Nachfolger ihres Er­folgstitels auf. Diesmal geht es um Eröffnungsfallen nach dem Eingangszug 1.d4 und zum Erstaunen manches Betrachters sind die Herren Knaak und Müller wiederum in exakt 222 Fällen fündig geworden. Um der Wahrheit die Ehre zu geben: das Auftaktkapitel unseres Buches mit dem Namen "Nebenvarianten" hat streng genommen mit dem Auf­zug des weißen Damenbauern herz­lich wenig zu tun. Offensichtlich hat sich das Autorenduo hier in einigen wenigen Fällen auch titelfremder Er­öffnungen bedient, um in Anlehnung an seinen Erstling auf die Zahl 222 zu kommen.

Die Aufnahme dieser Partien bleibt aber im Grunde das Einzige, was überkritische Geister beanstanden könnten.

Nach einer einleitenden Definition des Begriffs "Falle" und seiner Ab­grenzung vom Gambit präsentieren die Verfasser in 13 nach Eröffnun­gen gestaffelten Kapiteln das Sub­strat ihrer Recherchen. Im Einzel­nen:

1. Nebenvarianten

2. Trompowsky-Angriff

3. Indische Nebenvarianten

4. Wolga-Gambit

5. Moderne Benoni-Verteidigung

6. Holländisch

7. Damenbauemspiel und Damengambit

8. Grünfeld-Indisch

9. Katalanisch

10. Tango-Eröffnung

11. Damenindisch

12. Nimzo-lndisch

13. Königsindisch

Ach ja, sollten Sie wie der Unter­zeichner mit der "Tango-Eröffnung" (Kapitel 10) nichts Rechtes anfan­gen können, so schaffen wir umge­hend Abhilfe: es handelt sich um die Springerzüge Sf6 und Sc6 auf weißes d4 und c4; die Springer tan­zen den weißen Steinen gewisserma­ßen vor und auf der Nase herum, um sie zum Vorstoß zu provozieren. Ob der Tango, der bekanntermaßen ei­nen beidseitigen Körperkontakt be­inhaltet, die Sachlage zutreffend erfasst, lassen wir hier einmal unge­klärt.

Den Schluss des Buches bildet ein Anhang mit Quellen-, Eröffnungs-, Spieler- und Partienverzeichnis.

Das Autorentandem hat eine rundum gelungene Arbeit verrichtet, der si­cherlich gute Verkaufsperspektiven blühen werden. Die 222 Partien sind angemessen kommentiert worden, naturgemäß mit deutlichem Akzent auf der ersten Partiephase, in der sich Eröffnungskatastrophen be­kanntermaßen zu ereignen pflegen. Erstaunlich ist in diesem Zusam­menhang, wie viele Fallen in ein- und derselben Variante allein im Jahr 2005 zugeschnappt sind, wie die von Müller/Knaak des öfteren zitierte Datenbank Mega Database ausweist.

Dem Verlag darf darüber hinaus at­testiert werden, ein hinsichtlich Aus­stattung und Verarbeitung vorbildli­ches Exemplar auf den Markt ge­worfen zu haben. Kurzum: wir ha-

ben es mit einer ebenso gediegenen wie lehrreichen Lektüre zu tun, die Spielern bis zu einer DWZ von etwa 2200 bedenkenlos empfohlen wer­den kann.

Mit freundlicher Genehmigung

E. Carl, Rochade Europa 4/2008

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Von den Rein- und Ausfällen in der Schach-Eröffnung

Monographien über Eröffnungsfallen haben in der vielhundertjährigen bzw. abertausendteiligen Schach-Bibliographie eine verschwindend kurze Ahnen-Reihe: Neben den beiden (noch heute vielzitierten) Klassikern von Emil Gelenczei («200 Eröffnungsfallen»/1964 und «200 neue Eröffnungsfallen»/1973), Eugen Snosko-Borowskys «Eröffnungsfallen am Schach-Brett» (1938), A. Roismans «400 Kurzpartien» (1982) und ein paar ähnlichen «Shorties»-Anthologien sowie einigen spezifischen Test-Sammlungen (z.B. G. Treppners «Testbuch der Eröffnungsfallen») wurde das gleichermaßen lehrreiche wie amüsante Feld der «Opening Traps» erstaunlicherweise in den letzten Jahrzehnten von den Theoretikern kaum beackert.

Umso willkommener und verdienstvoller die Initiative der Edition Olms, welche in ihrer bekannten, mittlerweile über 80 Bücher umfassenden «Praxis-Schach»-Reihe nun den zweiten Band unter dem Titel »222 Eröffnungsfallen» herausbringt - diesmal (nach «1.e4») gewidmet den Eröffnungen «nach 1.d4« (inklusive alle anderen geschlossenen Partie-Anfängen). Wiederum hatte dabei mit den zwei deutschen Spitzenspielern Rainer Knaak und Karsten Müller ein bekanntes, bereits mit dem ersten Band erfolgreiches Großmeister-Duo die Autorenschaft inne.

Die beiden Fallen-Analysten gehen in ihrer knapp 150-seitigen Arbeit einem breiten Spektrum an Eröffnungs-«Rein- und -Ausfällen» nach: Vom Trompowsky-Angriff über die verschiedenen Benoni-Systeme, Damen-Gambit-Spiele und Holländisch-Varianten bis hin zu den zahlreichen, weitläufigen Damen-, Nimzo- und Königs-«Indern» lassen Knaak und Müller kaum einen 1.d4-Bereich aus. Für manchen eingefleischten Anhänger der «Offenen» mag dabei überraschend sein, dass der doppelschrittig anziehende Damenbauer nicht minder für taktische Blindgänger bzw. Konter anfällig ist.

Wie die Autoren bekunden, wäre als Hauptquelle der entsprechenden Partien-Recherchen die ca. drei Millionen Games zählende «Megabase 2005» aus der Hamburger Schach-Software-Schmiede «Chessbase» herangezogen worden. Die «systematische Suche» der Theoretiker in dieser gewaltigen, non-stop aktualisierten Referenz-Sammlung führte denn auch wohltuend dazu, dass nicht nur das »klassische» Material der Historie, sondern auch ziemlich breit das neueste Partien-Gut des modernen internationalen Turnier-Betriebes berücksichtigt werden konnte. Den meisten der 222 Partie-Untersuchungen wurde dabei ein treffendes, den thematischen Kern der jeweiligen Eröffnungsfalle als Aufhänger umreißendes Etikett aufgeklebt: «Der Isolani gehört hinter Schloss und Riegel», «Löcher in der Rochadestellung», «Angriff am Flügel/Gegenstoß im Zentrum», «Springer ohne Halt», «Überstürzter Vorstoß», «Weißfeldrige Katastrophe», «Tödliche Passivität», «Macht des Läuferpaares», «Rochade ins Desaster», «Einschlag auf dem neuralgischen Punkt» etc. nennen sich beispielsweise diese verbalen Erinnerungsstützen.

Den Begriff «Eröffnungsfalle» nehmen Müller und Knaak recht weitgefasst, ja beziehen gar Aspekte des Gambit-Spiels mit ein. Und im Gegensatz etwa zu Gelenczei («Eine Falle stellt man, wenn man es dem Gegner scheinbar ermöglicht, Materialgewinn oder sonstigen Vorteil zu erzielen, und ihn dadurch zu einem falschen Zug verleitet» / aus dem Vorwort zu «200 Eröffnungsfallen») definieren Müller und Knaak: «Jemand macht einen 'normal' aussehenden Zug, der durch eine ungewöhnliche Variante (Zug) widerlegt wird.» Dieser kleine, aber feine Unterschied der Begriffsbestimmung führt denn die zwei Autoren durchaus auch mal zu einer theoretisch-objektiv nicht abschließend beurteilten, aber statistisch (gemäß «Megabase») sehr «hoffnungsvollen» Variante. Pointiert gesagt: Es geht in diesem Buch um die Fallen, nicht um die Steller. Womit der Band nicht nur zur vergnüglichen, womöglich gar schadenfreudigen Lektüre, sondern gleichzeitig zum Lehrbuch wird, welches des gelegentlichen Vereins- ebenso wie des regelmäßigen Turnier-Spielers theoretische Vorbereitung unterstützt bzw. das eigene Eröffnungs-Repertoire informativ versüßt (oder auch versalzt ... ).

Wie dieser Ansatz der beiden Großmeister in deren Buch-Praxis aussieht, lässt sich gut mit dem folgenden, jedem 1.d4-Spieler grundsätzlich bekannten, aber bezüglich Kommentierung illustrativen Beispiel aus der «Slawischen Eröffnung» zitieren:

Was soll man tun, wenn Schwarz einfach auf c4 schlägt und versucht, den Mehrbauern zu halten? Die folgende Partie zeigt die typische Antwort:

Acebal Muniz - Gil Reguera, Almeria 1989 (D11)

1. d4 d5 2. c4 c6 3. Sf3 dxc4 4. a4 b5? 5. axb5 cxb5 6. e3 Db6 7. b3!

Das ist ein wichtiger Standardzug, mit Falle hat das nichts zu tun.

7 ... cxb3 8. Dxb3 b4?

(8 ... e6 9. Lxb5 Ld7 +/- Obwohl Weiß keine Falle gestellt hat (sondern nur die besten Züge machte) - Schwarz tappt hiermit hinein.

9. Dd5!

Dieser starke Zug wird schon bei Snosko-Borowsky erwähnt. In drei älteren Partien der «Mega 2005» wird er gemacht, in den drei jüngeren nicht; geht das Wissen wieder verloren?

9 ... Lb7 (9 ... Sc6 10. Se5 +-)

10. Lb5 Lc6 (10 ... Sc6 11. Ta6+-)

11. Se5! Lxb5 (11 ... e6 12. Df3!+-)

12. Dxf7 Kd8 13. Dxf8+ Kc7 14. Dxg7 Df6 15. Dg3 Kb7 16. Sd2 1-0

(Zitiert nach Seite 55 / Partie Nr.71)

Exkurs: Das Computer-Schach im modernen Schach-Verlagswesen

In ihrem Band nennen die Autoren nicht nur ihr eigenes (naturgemäß enormes) großmeisterliches Schach-Wissen, zweitens die früheren (oben erwähnten) Buch-Klassiker der Thematik, sowie drittens «Tipps von anderen» als wichtige Quellen ihrer Fallen-Forschung. Ausdrücklich betonen die beiden bekannten Theoretiker, dass die Verwendung des Computers die wohl zentrale Rolle bei ihrer Buch-Arbeit spielte.

Denn nicht nur, dass mit solch riesigen, statistisch vielfältig verwertbaren Partien-Datenbanken bzw. Datenbank-Interfaces wie der «Megabase» von «Chessbase» und dem «Chess-Assistant» von «Convekta» oder auch mit privaten Freeware-Alternativen wie «José» oder «Scid» mittlerweile innert Sekunden auf Millionen von Schachpartien zugegriffen werden kann - ganz zu schweigen von den zahlreichen Online-Servern, die ebenfalls eine differenzierte Recherche nach Spielen, Namen und/oder Stellungen erlauben, beispielsweise «Online Database», «Shredder-Datenbanken» oder «PDB Server» u.a. Nein, auch in die schachanalytische Arbeit selbst greift der Rechner längst massiv ein - in Form der Zuhilfenahme taktisch extrem leistungsfähiger Programme, die dem menschlichen Analytiker ebenfalls sekundenschnell die kleinste kombinatorische Ungenauigkeit melden.

Knaak und Müller «gestehen» denn auch in ihrem «Quellenverzeichnis» ungeniert, dass sie bezüglich ihrer Partien-Selektion auch auf die Engine «Fritz» zurückgegriffen hätten, um die «Haare in der Suppe zu finden» - womit nur die wohl bekannteste, aber noch nicht mal spielstärkste verfügbare Schach-Engine zum Einsatz kam (vergl. hierzu auch die wichtigsten, in der Szene einschlägig bekannten Internet-Programm-Ranglisten CEGT, CCRL, SSDF und COMP2007). Der Leser aktueller Schachbuch-Novitäten darf also (hoffentlich ... ) beruhigt davon ausgehen, dass die analytische Kost, die er heutzutage vorgesetzt bekommt, auf Herz und Nieren bzw. Bits und Bytes geprüft wurde. Ganz im Gegensatz zur (keineswegs weniger zu respektierenden!) Arbeit früherer Autoren-Generationen, die mit der menschlichen «taktischen Anfälligkeit» leben mussten, und deren Bücher (bei allem Niveau z.B. solcher hochkarätiger Kommentatoren wie Aljechin, Keres, Botwinnik, Karpow u.a.) nur so strotzen vor kleineren oder größeren «Übersehern». Im Sinne sowohl der «pädagogischen Wahrheit» wie des objektiven «schachlichen Erkenntnisgewinnes» ist diese Entwicklung nicht nur zwangsläufig, sondern auch sehr zu begrüßen. Obwohl damit die ggf. jahrzehntelang aufgestockte häusliche Schach-Bibliothek (zumal wo sie sog. «strategischen» Inhaltes ist) zu einem wohl nicht kleinen Teil nunmehr bloße Makulatur wird ... - -

Qualität bei Inhalt und Gestaltung

Der inhaltlich-thematischen Qualität und Vielfalt dieser Anthologie entsprechen - wie beim Olms-Verlag gewohnt - Präsentation und Typographie: Klare Titelei und Absatz-Gliederung, nicht überladene, doch reichliche Diagramm-Unterstützung, übersichtlich gestalteter, eher knapp verbalisierter Kommentar-Apparat, und last but not least die vier Anhänge Quellen-, Eröffnungs-, Personen- und Partien-Verzeichnis - das alles hilft beim Lesen und Denken.

Fazit: «222 Eröffnungsfallen nach 1.d4» ist eine längst fällige, modern aufbereitete, im Verbund mit « ... nach 1.e4» ziemlich umfassende, dabei ebenso amüsante wie informative, mit viel neuem Analyse-Material aufbereitete Anthologie, die jeden Amateur (also beinahe jeden Schachspieler ... ) vor zahlreichen Irrungen und Wirrungen beim Partie-Anfangen bewahren kann, und die als schön gestaltete, auch hinsichtlich Papier, Druck und Bindung qualitätsvolle Edition ihren Kaufpreis mehr als wert ist.

Walter Eigenmann / www.glareanverlag.wordpress.com/

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Vor einiger Zeit erschien "222 Eröffnungsfallen nach 1.e4“, diesmal ist der Daumenbauernzug an der Reihe. Nach 1.d4 gibt es mindestens genauso viele Fettnäpfchen, in die man frohen Mutes hineinstolpern kann wie nach 1.e4, deshalb haben die GM-Kollegen Karsten Müller und Rainer Knaak die wichtigsten und am öftesten anzutreffenden Eröffnungsfehler zusammengetragen und nach Eröffnungen geordnet. Für alte Turnierhasen bietet das Buch nicht wirklich großartig neue Erkenntnisse, lustig anzusehen sind die Eröffnungskatastrophen aber allemal:

Aronian,L - Marjanovic,S

Bukarest 1999

1.Sf3 Sf6 2.g3 g6 3.Lg2 Lg7 4.0-0 0-0 5.c4 c6 6.d4 d6 7.Sc3 Da5 8.e4 e5 9.h3 Sbd7 10.Te1 exd4 11.Sxd4 Se5 12.Lf1 Te8 13.Le3 Le6 14.Sxe6 Txe6 15.a3?? (besser Kg2!) diesen Fehler hat bereits Karpov gemacht und er war auch nicht der Einzige, dem dieser Lapsus passierte ... 15 ... Sxe4! Das wars dann wohl ... 16.Ld4 Sg5 17.Kg2 Sef3 0-1

Auch für das Folgende gilt: Verstaubt aber trotzdem immer wieder erquickend (vor allem in Blitzpartien!)

1.d4 f5 2.h3 Sf6 3.g4 fg: 4.hg: Sg4: 5.Dd3 Sf6? 6Th7! Und aus die Maus!

Daneben bieten die beiden Autoren Anschauungsunterricht, wie auch in solchen Systemen wie dem Damengambit, dem Wolgagambit und anderen geschlossenen Eröffnungen schlimme Patzer fabriziert werden können, wie beide Autoren betonen, lernt man aus Fehlern am meisten.

Gut finde ich die Idee, die Eröffnungsfehler nach den verschiedenen Systemen aufzugliedern. Auch die Kommentare zu den gezeigten Beispielen sind recht erfreulich, nicht nur "nackte“ Varianten sondern auch Erläuterungen und bessere Alternativen werden verbal dem Leser vorgestellt, immer mit dem Hintergedanken, in seinen eigenen Partien nicht selbst Opfer einer Eröffnungsfalle zu werden. Natürlich bekommt man beim Lesen des Buches richtig Lust, selbst die eine oder andere Falle zu stellen in zukünftigen Partien, sollte dies aber besser nur in freien Partien oder im Blitz tun.

Nicht ganz so gut finde ich (wie bereits bei dem Vorgängerwerk auch von mir kritisiert), dass sehr viele Fallen schon fast Mittelspielfallen sind (weit nach dem 10.Zug). Inwieweit diese noch als Eröffnungsfehler durchgehen, möchte ich nicht beurteilen, für mich persönlich wären mehr Beispiele unter 15 Zügen wünschenswerter gewesen.

Fazit:

222 Eröffnungsfallen nach 1.d4 stellt für den unerfahrenen Spieler einen wertvollen Ratgeber dar, in seinen eigenen Partien wird er nicht mehr so leicht Opfer einer heimtückischen Eröffnungsfalle werden. Manche Beispiele sind etwas zu lang geraten, werden aber durch andere originelle und verblüffende Fallen wieder wettgemacht. Aufmachung und Optik des Buches sind vorbildhaft und deshalb eignet sich das Buch auch hervorragend als Geschenk für eine/n sehr gute/n Schachfreund/in.

Mit freundlicher Genehmigung

Martin Rieger, www.freechess.de