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Art.-Nr.: LOKINSA

Spanisch Abtauschvariante

Auf den Spuren Bobby Fischers

128 Seiten, kartoniert, Olms, 1. Auflage 2004.

Aus der Reihe »Weissrepertoire für Praktiker«

15,00 €
inkl. 7% MwSt., zzgl. Versandkosten

Die Abtauschvariante der Spanischen Partie stellt für Weiß einen attraktiven Weg dar, labyrinthisch verzweigten Hauptvarianten zu entkommen, ohne dabei auf Eröffnungsvorteil zu verzichten.

Schon Emanuel Lasker erkannte das Potential der Abtauschvariante und setzte sie erfolgreich in besonders wichtigen Kämpfen ein. Ende der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts war es dann Bobby Fischer, der aus dem System eine mächtige Waffe schmiedete. Seine Ideen sind bis heute von entscheidender Bedeutung für die richtige Behandlung der Abtauschvariante. Das Repertoirebuch richtet sich an Praktiker auf der Suche nach einem schlagkräftigen System. Dem Weiß-Spieler wird alles notwendige Wissen vermittelt, um auf jede gängige schwarze Spielweise eine vielversprechende Position zu erlangen. Enthalten ist jedoch auch eine spezielle Empfehlung für Schwarz-Spieler im Kampf gegen die Abtauschvariante.

Durch das Kapitel mit typischen Positionen sowie die ausführlich kommentierten Erläuterungspartien kann der Leser grundsätzliches strategisches Verständnis für die entstehenden Positionen erwerben.

Stefan Kindermann ist seit 1988 Internationaler Großmeister. Er vertrat Deutschland auf sechs Schacholympiaden und qualifizierte sich einmal für die Weltmeisterschaft. Seit vielen Jahren arbeitet er als Autor und Trainer.

The Spanish Exchange Variation lets you play one of the major chess openings, the Ruy Lopez, without the risk of drowning in the huge flow of information available to the modern chess-player. The play in many lines is very thematic, requiring understanding of the typical ideas more than concrete knowledge. It is sound and solid, yet gives good winning chances for White. On the other hand, it can be hard for Black to win without taking considerable risks. If Black survives, the middlegame, there is often an unpleasant endgame lying in wait.

This opening has been played by many top players over the years (Lasker, Fischer, Timman, Shirov...). In recent times it has scored well for White in the hands of specialists such as Rozentalis and Glek. In 2004 it was used by the new FIDE World Champion Rustam Kasimdzhanov to defeat super-grandmasters Adams and Grischuk on his way to the title.

Grandmaster Stefan Kindermann, who plays the Spanish Exchange himself, provides clear explanations as well as analysis of carefully selected examples, and he reveals many new ideas and fresh assessments. Although this is a repertoire book for White, the author's treatment is objective, and a special chapter is devoted to what he considers to be Black's best choice against this formidable weapon.

Details
Sprache Deutsch
Autor Kindermann, Stefan
Verlag Olms
Reihe Weissrepertoire für Praktiker
Auflage 1.
Medium Buch
Gewicht 330 g
Breite 17 cm
Höhe 24 cm
Seiten 128
ISBN-10 3283004692
ISBN-13 9783283004699
Erscheinungsjahr 2004
Einband kartoniert
Inhalte

61. Historische Einführung

12 1.1. Zum Aufbau und zur Arbeit mit diesem Buch

142. Typische Positionen

14 (1) Das typische Bauernendspiel

16 (2) Das Bauernendspiel in der Praxis

17 (3) Weißes Spiel am Königsflügel: Die Phalanx

21 (4) Weißes Spiel im Zentrum

24 (5) Weißes Spiel am Damenflügel und im Zentrum

24 (6) Weißes Spiel am Damenflügel

3. Erläuterungspartien - Theoretischer Teil

261.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.Lxc6 dxc6 5.0-0

26 3.1. Das klassische 5... f6 6.d4 exd4

26 3.1.1. Das traditionelle 5...f6 6.d4 exd4 7.Sxd4 c5 8.Sb3 (Womacka - Golod)

37 3.1.2. Die Zweitwaffe 8.Se2!? (Vescovi - Milos)

43 3.2. Das aktive 6...Lg4!? (Baklan - Kallio)

51 3.3. Das ehrgeizige 5...Dd6 6.Sa3! b5 (Fressinet - Stefansson)

59 3.4. Das ehrgeizige 5...Dd6 6.Sa3! Le6 (Nisipeanu - Sofronie)

67 3.5. Das natürliche 5...Ld6 (Rozentalis - Wedberg)

Meine Empfehlung für Schwarz-Spieler:

75 3.6. Das aggressive 5...Lg4 (Glek - Tkachiev)

88 3.7. Das extravagante 5...Se7 (Van der Weide - Wells)

95 3.8. Seltene Fortsetzungen (Zhang Zhong - De Vreugt)

1044. Variantenindex mit Schlüsselpositionen

5. Anhang

121 5.1. Verzeichnis der Personen

125 5.2. Verzeichnis der Partien

128 5.3. Zeichenerklärung

128 5.4. Verzeichnis der verwendeten Literatur

Weltmeister machen Moden. Ob­wohl Kasparow nur dreimal Evans-Gambit spielte, ist die Re­naissance dieses Gambits untrennbar mit sei­nem Namen verbunden (siehe SM64, 8/2006, S. 219/220); gleichwohl Bobby Fischer in nur neun Turnierpartien die spanische Abtausch­variante zum Einsatz brachte, etikettieren Verlage diese verpflichtende Spielweise der Spanischen Eröffnung stets als "die" Waffe des amerikanischen Ex-Weltmeisters.

Nach langer Flaute legen gleich zwei Verlage Spezialliteratur vor: Der österreichische Groß­meister Stefan Kindermann fokussiert auf die Variante als "Weißrepertoire für Praktiker"; das polnische Duo, IM Krzysztof Panczyk und Fernschach-IM Jacek Ilczuk, will Spieler beider Farben bedienen. In den Einführungen wird jeweils das Profil der Spielweise umris­sen: Weiß gibt sein Läuferpaar zugunsten ei­ner besseren Bauernstruktur auf; die frühe, un­ausweichliche Festlegung auf eine bestimmte Variante reduziert das notwendige Wissen und den Aktualisierungsbedarf gewaltig. Es wer­den klassische Vorbilder und taktische bzw. strategische Methoden der heutigen Experten dargelegt (Kindermann flicht anhand von 15 Tumierstellungen einen separaten, zehnseitigen Teil zu typischen Positionen ein), in den ver­schiedenen Kapiteln gibt es dezidierte Resü­mees über Vor- und Nachteile (Kindermann selektiert mit seinem Weißblick die Abspiele nach Charakteristika wie "das aktive ...", "das ehrgeizige ...", "das natürliche ..." oder "das aggressive ..."). Wer die verstreuten Bewertungen zusammenfügt, gewinnt die Erkenntnis, dass vor al­lem ein Spielertyp damit zum Erfolg kommt: Man sollte "geduldiges" Schach bevorzugen, welches kleine Vorteile an­sammeln will. Die Neigung, damenlose Mittel- und Endspielstellungen zu mas­sieren, ist auch nicht verkehrt. Gegen ein Läuferpaar zu agieren, sollte dem Weiß­spieler keine Kopfschmerzen bereiten. Das Buch der Polen umfasst 192 Seiten, Kindermann reichen 128 Seiten, wobei an­gemerkt werden muss, dass Edition Olms für diese neue Eröffnungsreihe ein ziemlich "luf­tiges" Layout wählt, welches im Vergleich zum englischen Buch 10-20 Prozent weniger Inhalt pro Seite hat. Die Polen bringen 74 vollständige Modellpartien, der Österreicher kommt mit nur acht aus (doch sind viele kom­plette Begegnungen in ChessBase-Manier -größtenteils unkommentiert - eingelassen). Insgesamt werteten die Polen wesentlich mehr Material aus, relevante Abspiele als Unter­varianten reichen manchmal bis zu den Zü­gen 20-25. Weil Ilczuk aktiver Fernschach­spieler ist, gibt es aus diesem Genre erfreu­lich viele Anregungen! Für den Lernenden stellen Texterläuterungen ein wichtiges Güte­kriterium dar. In dieser Hinsicht muss man beide Werke loben: Sie handeln sowohl kriti­sche Werdegänge der Abspiele ab und sparen nicht mit Empfehlungen über spielbare Al­ternativen sowie ungetestetes Terrain. Wer sich intensiv mit dem "spanischen Ab­tauschhandel" beschäftigen will, sollte die Anschaffung beider Softcover erwägen. Hier auszugsweise ein Beispiel in der Gegenüber­stellung:

1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lb5 a6 4. Lxc6 dxc6 5. 0-0 Dd6 "Ein ehrgeiziger und kämpferischer Zug, der neben 5. .. .f6 die häufigste Fortset­zung darstellt. Schwarz will die mit 5. ...f6 verbundene leichte Schwäche der weißen Fel­der vermeiden und in einigen Abspielen schleunigst die lange Rochade vorbereiten. Zumeist wird der Königsspringer über e7 nach g6 geführt. Doch steht die schwarze Dame ge­rade nach der Öffnung des Zentrums mit d4 recht exponiert, und mit energischem Spiel hat Weiß gute Aussichten, seinen Entwicklungs­vorsprung in konkreten Vorteil umzumünzen. Auf jeden Fall geht Schwarz hier deutlich mehr Risiko als nach 5. ...f6 ein, den es entstehen wesentlich schärfere Positionen, in denen genaue Variantenkenntnis von einiger Bedeu­tung ist." (K) "Die Idee der Damenentwicklung mit 5. ...Dd6 ist David Bronstein geschuldet und relativ neu (die Stammpartie war J. Barendregt - D. Bronstein, Europäische Mannschaftsmeisterschaft, Hamburg 1965). Seither wurde sie ziemlich populär und u. a. haben sie Portisch, Short, Romanischin, Almasi, Malanjuk, Smejkal, Michalschischin und ande­re angewendet. Mit 5. ...Dd6 verteidigt Schwarz den e5-Bauern und entwickelt seine Dame zur Vorbereitung der großen Rochade (gleichwohl ist die kurze Rochade ebenfalls möglich). Anschließend kann er das Spiel mit einem Bauernangriff durch .. .f7-f6, .. -g7-g5 und .. .h7-h5 am Königsflügel or­ganisieren, obwohl dies keine Verpflichtung darstellt. Das Spiel gestaltet sich hier kompli­zierter als in den meisten anderen Spanischen Abtauschvarianten. Schwarz erhält ein inter­essantes, dynamisches Mittelspiel, denn der Übergang ins Endspiel bietet Weiß nicht viele Chancen, einen Vorteil zu erlangen. 5. .. .Dd6 ist eine attraktive Option für jene, die nicht Gefahr laufen wollen, ein leicht schlechteres Endspiel spielen zu müssen. Die meisten Stel­lungen enthalten für beide Seiten Chancen, wobei Schwarz die Möglichkeit hat, nach dem Gewinn zu streben, falls er einiges Risiko ein­geht." (P/I) 6. Sa3! "Der aktivste Zug. Weiß will seinen Entwicklungsvorsprung in die Waagschale werfen und bereitet schnelles d4 vor." (K) "Dieser Zug, der die Drohung c4 schafft, ist die weiße Hauptoption gegen 5. ...Dd6. Um den e5-Bauern zu verteidigen, muss Schwarz für gewöhnlich das c4-Feld kon­trollieren." (P/I) 6. ...b5 "Verhindert ,gründ­lich' die Aktivierung des weißen Springers über c4 und ermöglicht das spätere Fianchetto des Damenläufers (...c5, Lb7)." (K) "Die prinzi­pielle Antwort: Schwarz erlangt Besitz über das c4-Feld und will den Nachweis führen, dass der Springer auf a3 keine Perspektive hat." (P/I) 7. c3 c5 8. Sc2 Die Polen schauen auch auf 8. d3 und 8. d4, was Schwarz jeweils gleiches Spiel bietet. 8... .Lb7 Beide Werke behandeln 8. .. .Se7, 8... c4 und 8. .. ,f6, was Weiß stets im leichten Vorteil sieht. 9. Te1 Se7 10. a4 c4 Hier gehen die Bewertungen auseinander: Während K. dem b4-Vorstoß we­nig Vertrauen entgegenbringt, halten ihn P/I für spielbar im Ausgleichssinn. 10. ...b4 11.De2 Td8 12. cxb4 cxb4 13. d4 exd4 (die Polen plä­dieren für 13. ...b3! 14. dxe5 Dd3 15. Dxd3 Txd3 16. Sb4 Td7 mit Kompensation für den Bauern) 14. Scxd4 c5 15. Sb3 Sg6 16. Lg5 ist lt. K. deutlich besser für Weiß. 11. axb5 axb5 12. Txa8+ Lxa8 13. Sa3! c6 14. b3 cxb3 15. Dxb3 Sg6 16. c4! K. kommentiert nur:"Die starke Idee von Igor Glek stellt das schwarze Konzept in Frage". P/I haben noch einen Hin­weis: 16. d4 Le7 17. Sc2 0-0 18. Se3 De6 19. Dxe6 fxe6 20. Sxe5 Sxe5 21. dxe5 c5 22. f3 Lc6 gab Schwarz gute Kompensation für den Bauern in E. Prie - A. Kolev, Elenite 1994. 16. ...b4 17. c5! Den folgenden Damenzug wählt Kindermann in seiner Modellpartie auf der Grundlage von L. Fressinet-H. Stefansson, Bischwiller 1999: 17. ...Dxc5 Beide Bücher geben Gleks Analyse an - doch mit unter­schiedlichen Zügen (!): 17. ...Db8 18. Sc4 Lxc5 19. Lb2 f6 (19. ...0-0 20. Sfxe5 "mit besserer Stellung für Weiß - Glek" bei P/I.) 20. d4 exd4 21. e5 "mit weißem Angriff ge­mäß Glek" bei K.18. Sc4 Le7 19. Lb2 0-0 20. Sfxe5 und Weiß steht klar besser.

Beide Werke haben ihre Meriten: Kindermann reicht für den Einstieg; Panczyk/Ilczuk erwei­tern den Blick für die Vielfalt der Variante.

Harald Fietz, Schach Magazin 64 9/2006

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Die Spanische Abtauschvariante 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.Lxc6 genießt keinen ehrgeizigen Ruf. Ob­wohl prominente Fürsprecher wie Emanuel Lasker und Robert Fischer mit großem Erfolg die Chancen auf­zeigten, die in dieser Spielweise stecken, verschwindet die Abtauschvari­ante nach jedem kleinen Hoch doch stets wieder schnell in der Versen­kung.

Vielleicht ändern die Erfolge Kasimdschanows mit der Abtauschvari­ante bei der FIDE-WM in Tripolis 2004, mit der er Grischuk und Adams besiegen konnte, sowie Stefan Kin­dermanns neues Buch etwas am schlechten Ruf dieser Variante. Es handelt sich hierbei um den Auftakt einer neuen Reihe, in der Edition Olms "Repertoirebücher für Prakti­ker" herausbringt.

Dieser Bezug zur Praxis spiegelt sich im Aufbau deutlich wieder. Nach einer historischen Einführung zur Entwicklung der Abtauschvariante erläutert Stefan Kindermann zunächst typische Positionen, die z.B. das End­spiel oder das weiße Spiel im Zen­trum oder auf dem Damen- bzw. Königsflügel illustrieren.

Nachdem der Leser somit ein ge­wisses Grundverständnis für die Ab­tauschvariante entwickelt hat ist er gut gerüstet für den theoretischen Teil mit Erläuterungspartien. Systematisch handelt Kindermann kapitelweise die schwarzen Entgegnungen ab, wobei zunächst 5...f6 6.d4 im Mittelpunkt steht.

Gleich drei Kapitel beschäftigen sich mit 6...exd4 7.Sxd4 c5 8.Sb3, 8.Se2 und 6...Lg4.

Die beiden nächsten Kapitel behan­deln 5...Dd6 (6.Sa3 b5 und 6...Le6), anschließend wird 5...Ld6 untersucht. Als Tribut für Schwarz-Spieler geht Kindermann nun intensiv auf "das aggressive 5...Lg4" ein, was seine Empfehlung für Schwarz ist. Doch Weiß muss dies nicht fürchten, zwei Kapitel über 5...Se7 sowie seltene Fortsetzungen runden dieses Theorie­teil ab.

Im anschließenden und sehr ausführlichen Variantenindex findet der Leser übrigens als Ergänzung auch noch Diagramme mit Schlüsselpositionen. Dies bläht die­sen Index zwar auf etwas unübersichtliche 17 Seiten auf, hilft andererseits aber bei der Orientierung in den Varianten. Abgeschlossen wird das Buch von einem Spieler- und Literaturverzeichnis.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass Weiß-Spieler mit diesem Buch ein sehr aussichtsreiches und im Ver­gleich zu den restlichen Spanisch-Varianten noch recht überschaubares Repertoire geboten bekommen, dass zudem noch sehr gut und leicht verständlich aufbereitet wurde.

Lediglich die Abweichungen bis zur eingangs genannten Ausgangs­stellung müssen aus anderen Quellen erarbeitet werden, denn z.B. 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 Sf6 oder 2...Sf6 werden hier nicht besprochen.

Schachmarkt 02/2005

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Es ist immer gut, wenn der Autor eines Eröffnungsbuches die Eröffnung auch selbst spielt - so geschehen bei GM Stefan Kindermann in den letzten zwei Jahren. Er war auf der Suche nach ei­ner weniger theorielastigen Spanisch-Variante, wie er in seiner interessanten 6-seitigen Historischen Einführung berichtet. Da inspirierte ihn die Partie Womacka - Golod (Bad Wiessee 2002) mit ihrem klaren Aufbau, dem "sehr gesunden positionellen Abspiel", der "weißen Struktur ohne Schwächen". Inzwischen hat sich Kindermann mehrmals am Spanisch-Abtausch ver­sucht (1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4...Lxc6). Ich finde acht Partien (alle 2003/4, alle remis), fünf zitiert er im vorliegenden Buch. 13 Jahre nach An­drew Soltis' Gewinnen mit der Spani­schen Abtauschvariante (Schach-Ar­chiv Rattmann, 1992) ist es die zweite deutsche Monographie zu Bobby Fi­schers Spezialität 4...Lxc6 dxc6 5.0-0 (ECO C69).

Was spricht für die Eröffnung? Weiß bestimmt die Struktur und bürdet Schwarz langfristig ein schwieriges Endspiel auf, nicht selten steht Schwarz nach Abtausch aller Figuren auf Verlust. Zu bedenken gibt der Au­tor aber auch, dass Weiß sein Läufer­paar verliert und oft früh die Damen getauscht werden. Dann wird er sehr konkret: Um die Spanische Abtausch­variante erfolgreich handhaben zu können, sollte schon eine gewisse ,Freude am Endspiel' und insbesonde­re am ,Kneten' risikoloser, leicht über­legener Stellungen gegeben sein. Di­daktisch wertvoll sei die Eröffnung für den Lernenden auch, denn nur selten kann der Weiße sonst direkt aus der Eröffnung heraus einem so klaren strategischen Leitfaden folgen: Mobili­sierung der eigenen Bauernmajorität am Königsflügel bei gleichzeitiger Entwertung der gegnerischen Bauern­masse am anderen Flügel! Lange galten der Spanisch-Abtausch und besonders 5.0-0 als schwächlich -bis Fischer kam und 1966 bei der Schacholympiade in Havanna damit 3 aus 3 holte (gegen Portisch, Gligoric und Jimenez). Natürlich wurde der Ab­tausch lange vorher schon gespielt, zum Beispiel von Em. Lasker: In St. Petersburg besiegte er 1914 damit im entscheidenden Moment den als fast unbezwingbar geltenden Capablanca und gewann so das Turnier. Nie wieder danach zog Capablanca gegen Lasker 3...a6. Pikanterweise hatte eine Runde vorher Aljechin den Abtausch gegen Lasker gespielt - und verloren. Der Klassiker Lasker - Capablanca ist die erste Partie in Kindermanns Buch, zur Einstimmung des Lesers sozusa­gen, dann folgen drei bekannte Fi­scher-Siege mit 4. Lxc6: gegen Unzicker 1970, Gligoric 1966 (s.o.) und Spassky 1992.

Erfreulich auch, dass der Autor etwas Zum Aufbau und zur Arbeit mit die­sem Buch schreibt - so heißt ein Zwischenkapitel. Vorrangig ist es ein Repertoirebuch für Weiß, genauer ge­sagt für Fischers Spezialität 5.0-0. Da­mit die Schwarzspieler auf der Suche nach Gegenmitteln nicht ganz leer aus­gehen, kümmert sich der Autor im Kapitel über 5...Lg4 auch um sie; nach Kindermann ist das die chancenreichste Fortsetzung für Schwarz. Im zweiten Kapitel erklärt der Autor auf 12 Seiten typische Positionen. Er beginnt mit den häufigsten Bauern­mustern, dann zeigt er kurz das End­spiel aus Nisipeanu - Sebag (Deizisau 2003). Es folgen Mittelspieltypen mit weißem Spiel am Königsflügel, im Zentrum und am Damenflügel. Hier fehlen Querverweise zu den Lehrpar­tien im Theorieteil, von dort wurden die Stellungen entnommen. Auch soll­te die symbolische Kommentierung identischer Zugfolgen in beiden Buch­abschnitten gleich sein. Kapitel 3 behandelt die eigentliche Theorie der Abtauschvariante. Auf 71 Seiten werden alle wichtigen Schwarz-Antworten auf 5.0-0 erklärt; dazu cha­rakterisiert Kindermann die Haupt­varianten mit markanten Adjektiven. Die Kapitel heißen

Das klassische 5...f6

Das ehrgeizige 5...Dd6

Das natürliche 5...Ld6

Das aggressive 5...Lg4 (der Tipp für Schwarz!)

Das extravagante 5.Se7

Seltene Fortsetzungen. Dazu gehören 5...Le7; 5...Df6; 5...Le6?; 5...De7. Auch das schwache 4...bxc6 wird hier erläutert (das Buch unterstellt natürlich immer 4...dxc6).

Der Autor hat ergänzende Partien und Fragmente in die Erläuterungspartien eingeflochten, das meiste wurde in den letzten Jahren gespielt. Die wichtigen Schwarz-Antworten behandelt Kinder­mann ausreichend. Zu wünschen ist bei einer Eröffnungseinführung, dass die Theorie nicht nur aus dem Blick­winkel eines GM betrachtet wird, son­dern auch mit den Augen des typi­schen Lesers, und der ist ein mehr oder weniger erfolgreicher Vereinsspieler. Dazu zwei Beispiele: Im Kapitel Das aggressive 5...Lg4 ist zu lesen, dass nach 6.h3 die Fortsetzungen 6..Lxf3 und 6..Lh5 "sehr selten und deutlich schwächer sind" - dann fertigt der Au­tor beide Züge in 9 Halbzeilen ab. GM Andrew Soltis kam 1992 in seinem Buch den Amateuren mehr entgegen: er behandelt die zwei Varianten auf 6 Seiten. Tatsächlich finden sich beide Züge zusammen in den großen Daten­banken bei mehr als ein Drittel aller Partien nach 5.0-0 Lg4 6.h3. Vereins­spieler (und V. Kortschnoi) bringen vor allem 6... Lxf3 öfter aufs Brett. Vermutlich kennen einige die scharfe Antwort 6...h5 nicht - oder trauen ihr nicht.

Auch mit dem etwas obskuren 6...Lh5 ist die Sache nicht einfach: Nach 7.g4 Lg6 8.Sxe5 Ld6 (im Buch werden nur 8...f6 und 8...Dh4 erwähnt) hat Weiß kaum Vorteil, z. B. 9.Sxg6 hxg6 10.Kg2 Dh4 11.Df3 Lf4 12.d3 g5 13.Lxf4 gxf4 14.Sd2 Se7... (GM Wedberg); oder 12.Sc3 Se7 13.d4 g5 14.Se2 Sg6 ... (Djurhuus [2495] -Hector [2540], Malmö 1995, 61 Zg, 0:1).

Der Anhang führt umfangreiche Verzeichnisse für Personen, Partien und Literatur. Obwohl der eigentliche Theorieteil nur 77 Seiten hat, dehnt sich der anschließende Variantenindex mit Schlüsselpositionen auf 17 Seiten aus - entsprechend unübersichtlich ist er. Er ist so lang geraten wegen großer Schrift und vieler großer Diagramme zwischen den Varianten (manche In­dexseiten bestehen fast nur aus Dia­grammen). Es entsteht der Eindruck, der Verlag wollte unbedingt 128 Seiten füllen, obwohl das Manuskript nicht so viel hergibt. Das Layout mit der gro­ßen Notation mag Lesern mit Seh­schwäche recht sein, mir erscheinen Typographie und Gestaltung wenig ge­lungen: Der viele Fettdruck für Text­züge und erste Variantenebene (fett­kursiv), mit den oft seitenlangen Ergänzungspartien dazwischen, das al­les wirkt unübersichtlich. Gut gefällt mir, was Stefan Kinder­mann schreibt und wie er schreibt: Klar und kraftvoll formulierend, sagt er das Wesentliche zu Theorie und Pra­xis um den Spanisch-Abtausch. Er­freulich oft weist er auf Züge hin, die noch nie gespielt wurden. Auch lobt oder kritisiert er zwischendurch die Vorschläge anderer Autoren, und mit einer Prise Persönlichem lockert er den Lernstoff erfrischend auf - so gleicht der Autor die formalen Schwächen des Buches elegant aus. Auch sollten wir nicht zu kritisch sein, denn mit 15 Euro ist das Paperback preisgünstig. Die neue Olms-Serie heißt Weißreper­toire für Praktiker, vermutlich wird bald etwas für Schwarz folgen. Freuen wir uns also auf die nächsten deutsch­sprachigen Eröffnungsbücher aus der neuen Reihe.

FAZIT

Zu empfehlen für e4-Spieler, die ge­gen Spanisch die mächtigen Theorie­berge umgehen und doch wie Bobby Fischer spielen wollen - mit klarer Strategie von der Eröffnung bis ins Endspiel.

Dr. Erik Rausch, Rochade Europa 04/2005

Spanisch Abtauschvariante

EUR

15