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Art.-Nr.: LOPINIGAEG

Italian Game and Evans Gambit

160 Seiten, kartoniert, Everyman, 1. Auflage 2005.

20,95 €
inkl. 7% MwSt., zzgl. Versandkosten

The Italian Came (sometimes referred to as the Giuoco Piano) is one of the oldest openings around, and also one of the first lines a player learns when he or she is introduced to chess. It leads to play that is easy to understand: both sides develop their pieces logically and begin attacks on the opposing kings. The Italian Game gives both White and Black the opportunity to play either aggressively and in gambit fashion, or in a restrained and positional manner. One of White's most exciting and attacking options is the legendary Evans Gambit, which has been brought back into the limelight in this modern-era by such uncompromising players as World number one Garry Kasparov, Alexander Morozevich and England's Nigel Short.

In this book, openings expert Jan Pinski investigates the different strategies and tactics in the Italian Game and Evans Gambit. Using model games for both White and Black, Pinski provides crucial coverage of both the main lines and offbeat variations. This book arms the reader with enough knowledge to play the Italian Game and Evans Gambit with confidence.

  • Written by well known opening theoretician

  • A useful guide for club and tournament players alike

  • All main lines are covered

Details
Sprache Englisch
Autor Pinski, Jan
Verlag Everyman
Auflage 1.
Medium Buch
Gewicht 230 g
Breite 15,2 cm
Höhe 22,8 cm
Seiten 160
ISBN-10 185744373X
ISBN-13 9781857443738
Erscheinungsjahr 2005
Einband kartoniert
Inhalte

1 e4 e5 2 Nf3 Nc6 3 Bc4

Part One: Italian Game

005 1 Introduction and the Italian Four Knights

011 2 The First Steps in the Italian Game

023 3 The Möller Attack and the Classical Italian Game

040 4 The Italian Regretted: White plays 5 d3

Part Two: Evans Gambit

057 5 The Evans Gambit Declined

075 6 The Evans Gambit with 5...Be7

088 7 The Evans Gambit with 5...Bc5

103 8 The Evans Gambit Introducing 5...Ba5

120 9 The Evans Gambit: The Main Line with 5...Ba5

Part Three: Other Lines

140 10 The Hungarian Defence and Other Sidelines

159 Index of Complete Games

Warum beschäftigt sich fast jede Schacherziehung ziemlich früh mit der Italienischen Partie? Weil die Entwicklung der Figuren so eingängig ist, die Bedeutung der Initiative so leicht er­kennbar oder der Wert von offenen Linien und Diagonalen so schnell offensichtlich wird? Ja, ja und ja, und trotzdem landen mit fortschreitender Spielstärke 1. e4-Spieler irgendwann stets bei der Spanischen Eröff­nung. Doch in den 80er Jahren hat sich - zuerst in englischen Schachkreisen - bei den Offenen Spielen etwas bewegt: Das Drei-und das Vierspringerspiel, die Wiener Par­tie und auch die Italienische Partie kamen in Mode. In den 90er Jahren trieb der dama­lige Weltmeister Garry Kasparow die Viel­falt weiter: Im letzten seiner fünf WM-Kämpfe gegen Karpow packte er die Schot­tische Partie aus, sein Landsmann Alexander Morosewitsch experimen­tierte mit dem Mittel­gambit, der Weißrusse Alexei Fedorow hielt die Fahne des Königsgambits hoch, und nachdem Kasparow noch dem Evans-Gambit seinen Rit­terschlag gab, war klar: Alles ist auf allen Ebenen spielbar.

Strategisch ausgerichtete Spieler können sich bei der Italienischen Partie aufge­hoben fühlen, die Taktiker greifen zum Evans-Gam­bit. Leider gab es jüngst keine richtungweisende Untersuchung. 2004 er­schien bei ChessBase eine CD von Reinhold Ripperger zum Stoff zwi­schen den Informator-Codes C50-C54, doch deren didaktischer Tiefgang ist beschränkt. Neben Material, welches man in der Megabase und den ChessBase Magazinen ohnehin findet, versieht Ripperger selbst ca. 270 Par­tien mit spärlichen Kommentaren, die kaum substanzielle Analysen bringen und mit Er­klärungen zumeist in Plattitüden stecken bleiben. Mit diesem Material belehrt man vielleicht eine Schulschachgruppe nach Ab­solvierung der Grundkenntnisse, ein ambitionierter Spieler darf mehr erwarten: Aufschlüsselung der Traditionslinien mit klassischen und aktuellen Partien, Fokus auf kritische Varianten, Arrondierung der Über­gänge von Eröffnung zum Mittelspiel, neue Analysen usw. Dies versuchen Autoren beim Everyman Verlag mit dem Konzept der Schwerpunktsetzung in Form von vollstän­digen Partien. Je nach Analyse- und Schreib­stil gelingt es mehr oder weniger erfolgreich. Jan Pinski, Journalist und Redakteur der polnischen Zeitschrift "Panorama Szachowa", schrieb bereits mehrere Er­öffnungsbände in dieser Reihe (u. a. über das Vierspringerspiel bzw. das Zwei­springerspiel im Nachzug). Sein Zuschnitt für die Italienische Partie und das Evans-Gambit ist eigenwillig und mit seiner non­chalanten Art, fremde Varianten und eigene Vorschläge einzubauen, muss man vertraut sein. Auf 160 Seiten bietet der 26-jährige IM aus Warschau 58 Partien (davon fünf Beispiele aus dem 19. Jahrhundert und 19 Partien nach der Jahrtausendwende). Die Italienische Partie erhält 18 Partien, das Evans-Gambit 30 Partien und Neben­varianten (wo Schwarz bereits im dritten Zug abweicht mit Sd4, h6, g6, d6 oder Le7) zehn Partien.

Den Anfang macht die Italienische Partie als die ruhige Spielweise. In drei Abschnitten kommen die wichtigsten Abspiele zur Spra­che, wenn Weiß d4 spielt, ein Abschnitt ist dem zurückhaltenden Auf­bau mit d3 gewidmet, den z. B. Christopher Lutz bevor­zugt. Als aktuelles ABC ist dieser Überflug eine erste Orientierung, die - will man darauf ein Kernrepertoire aufbauen - zusätzlicher Ar­beit bedarf. Positiv kann an­gemerkt werden, dass Pinski zahlreiche "lange" Vorschlä­ge bringt (manchmal bis Zug 25 und weiter). Diese zeigen, in welche Richtung die Partiegestaltung gehen kann. Leider nimmt er es mit der Benennung der analytischen Vorarbeiten anderer nicht so genau, so dass - wer z. B. die Megabase 2006 (oder die Versionen der beiden Vorjahre) zur Überprü­fung und zur Materialunterfütterung nutzt - oft überrascht ist, eine Variante als Gedan­kengut anderer vorzufinden. Eigenarbeit ist anzuraten, da das Buch aufgrund des limi­tieren Umfangs selektiv präsentiert, mithin Alternativzüge im späten Eröffnungs­stadium bisweilen unter den Tisch fallen. Ein Beispiel aus dem schon im 19. Jahrhundert heiß diskutierten Möller-Angriff unter­streicht diesen Umstand.

Italienische Partie C 54 1. e4 e5 2. SO Sc6 3. Lc4 Lc5 4. c3 Sf6 5. d4 exd4 6. cxd4 Lb4+ 7. Sc3 Sxe4 8. 0-0 Lxc3 9. d5 Se5 10. bxc3 Sxc4 11. Dd4 Eine der kritischen Stellungen. 11... .0-0 Hier gibt es wichtige Verzweigun­gen: Einerseits 11. ...Scd6 12. Dxg7 Df6 13. Dxf6 Sxf6 14. Te1+ Sfe4 15. Sd2 f5

16. f3 0-0 17. fxe4 fxe4 18. Sxe4 Sxe4 19. Txe4, und Weiß steht zumindest etwas besser. Was im Pinski-Buch als Analyse an­mutet, wird in der "Megabase 2006" mit drei Beispielen belegt: 19. .. .d6 20. Lh6 (20. Te7 Tf7 21. Te8+ Tf8 Hier wurde schon einmal mit den Türmen ein Remis geschaukelt. 22. Txf8+ Kxf8 23. Lh6+ Kf7 24. Tf1+ Kg6 25. Le3 Lf5 blieb in Remisbreite in Haag-Schumacher, Rheinland-Pfalz 1997.)

20. ...Lf5 21.Te7 Tf7 22. Tae1 Ld7 23. T1e3 Txe7 24. Txe7 Td8 25. h3 c6 26. c4 a6 27. g4 beließ Weiß am Drücker in Garcia-Scherman, Panamerika-Meisterschaft 1974. Pinski favorisiert die folgende Variante: "Ich glaube fest daran, dass 11. ...f5! die beste Flucht nach vorne ist. Nun kann das Spiel wie folgt weitergehen: 12. Dxc4 d6 13. Sd4 0-0 14. f3 Sc5 15. La3 b6 16. Lxc5 bxc5 17. Sc6 Df6 18. Tfe1 Ld7 19. Te7 Tf7 20. Tae1 Txe7 (Erst dieser Zug ist aber neu - jedenfalls beim Heranziehen der großen Datenbank! Schwarz spielte im 20. Zug auch schon Kf8, Lxc6 oder Taf8, was Pinski ig­noriert.) 21. Txe7 Td8!, und Schwarz ist vorzuziehen." 12. Dxe4 Sd6 13. Dd3 b6 14. La3 Df6 15. Dd4 Dxd4 16. Sxd4 Lb7 17. Lxd6 cxd6 18. Sf5 g6 19. Sxd6 Lxd5 20. Tfe1 Le6 21. f4 a6 22. a4 Ta7 23. Teb1 Tb8 24. c4 Diesen Zug schlägt Pinski für Weiß vor. Stattdessen folgte in der Schnell­schachpartie Fritz6-Anand, Frankfurt Chess Classic 1999: 24. a5?, was er treffend kom­mentiert: "Der Computer erkennt, dass er seinen Bauern sofort zurückgewinnt; aber der Großmeister versteht, dass Schwarz langfristig seinen Turm aktiviert, wonach die weiße Stellung sich jenseits einer Rettung befindet." 24. ...Tc7 25. a5 Tc6 26. Txb6 Tbxb6 27. axb6 Txb6 28. c5 Tc6 29. Ta5 mit guten Remischancen.

Das Herzstück bildet das Evans-Gambit - si­cher weil Kasparow für weltweites Rampen­licht sorgte, obgleich er es nur dreimal in sei­ner Karriere anwendete (in der angeführten Partie gegen Anand, kurz danach gegen Jeroen Piket und im Show-Schnellschach gegen Nigel Short nach dem WM-Kampf, der 1993 die Schachwelt spaltete). Die Hälfte der von Pinski ausgewählten Demonstrationspartien wurde nach Kasparows Coming-out 1995 gespielt. Darunter sind - wie selbstredend - vor allem Spieler, die mit Weiß einen risiko­breiten Spielstil bevorzugen (u. a. Alexej Shirov, Alexander Morosewitsch, Ruslan Ponomarjow, Nigel Short, Baadur Jobava), aber auch von Eröffnungsforschern (u. a. Jewgeni Sweschnikow, David Bronstein, Jakow Estrin), die unkonventionellen Er­öffnungswegen nicht abgeneigt sind. Gemein­sam ist allen, was gerade heute in der Regent­schaft von Veselin Topalov als Charakteristikum den modernen Spielstil verstärkt prägt: Qualitätsopfer und ungleichgewichtige Materialkonstellationen generieren oftmals eine siegträchtige Initiative, die nicht nur kurz­fristig, sondern auch mittel- und langfristig Früchte tragen kann. Dieser Spielanlagetyp scheint gerade für Schachcomputer der jün­geren Programmierergeneration prädestiniert, wie das Beispiel eines kühnen, kaum erforsch­ten Qualitätsopfers in der von Kasparow an­gestrebten Variante zeigt. Die polnische Spitzenspielerin Iweta Radziewicz stellte SM64 dazu einige Tests mit dem Programm ihres Verlobten IM Vasik Rajlich exklusiv zur Verfügung. Der "kleine Fisch" Rybka kennt in Evans-Gambit-Gewässern kaum eine Kreativitätsbarriere und hinterfragt - eher in Haifischmanier - bisherige Analysen (auch jene von Pinski).

Evans Gambit C51

G. Kasparow - V. Anand

Riga 1995

1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lc4 Lc5 4. b4 Lxb4 5. c3 Le7 6. d4 Sa5 7. Le2 exd4 8. Dxd4 Sf6 9. e5 Sc6 10. Dh4 Sd5 11. Dg3

Der Knackpunkt der Variante: Ist Schwarz gezwungen, auf die Rochade zu verzichten - und wie der Inder schnell unterzugehen - oder kann er - wie aus einigen Sizilianisch-Varianten bekannt - die Qualität opfern? Die Theoretiker haben sich - mangels Praxis­tests (null Partien in der 3,2 Millionen Par­tien umfassenden Megabase 2006!) - noch kein einmütiges Urteil gebildet. Anand spiel­te jedenfalls 11. ...g6 . Doch vielleicht ver­dient das Qualitätsopfer mehr Beachtung als gemeinhin angenommen. Nach 11. ...0-0 12. Lh6 g6 13. Lxf8 Lxf8 ergaben die Tests mit Shredder 9 als Anzie­hendem gegen Rybka (Beta-Version) zwei Abspiele mit ähnlichen Stellungsmerkmalen im tiefen Mittelspiel:

A. 14. 0-0 Lh6 15. Sd4 (Die Alternative 15. Td1 Lf4 16. Dh3 d6 17. Dh4 Dxh4 18. Sxh4 Le6 19. exd6 Lxd6 20. Sf3 bewer­tet Pinski als besser für Weiß. In ChessBase-Magazin 48 verweist Jean-Luc Costa, was Pinski nicht erwähnt, in einer speziellen Er­öffnungsuntersuchung auf eine andere Mög­lichkeit im 18. Zug mit 18. ...Sb6 19. Sf3 Kg7 als "unklar", aber Rybka würde stattdessen 19. ...Sxe5 für Schwarz bevor­zugen) 15. ...Sf4 16. Tel Sxe5 17. Sf5 Dg5 Computer kennen keine Scheu vor taktischen Gemengelagen! 18. Sxh6+ Dxh6 19. Sd2 d6 20. Se4 Lf5 21. Sg5 Sxe2 + 22. Txe2 Dh5 23. f3 h6 24. Se4 Lxe4 25. Txe4 Sd3 26. f4 Dc5+ 27. Kf1 Db5 28. c4 Db2 29. Td1 Sc5 30. Te2 "Als Kom­pensation für die Qualität verfügt Schwarz über einen starken Springer, der nach d4 stre­ben kann, er hat einen Bauern und die Mög­lichkeit, am Damenflügel einen Freibauern zu bilden. " (Radziewicz) 30. ...Df6 31. De3 a6 32. Df3 Kg7 33. g3 h5 34. Kg1 Tb8 35. Df1 b5 36. Tee1 h4 37. Te3 Se6 38. Dd3 c5 39. Dd5 Sd4 40. g4 bxc4 41. Tf1 c3 42. g5 Dd8 43. De4 c2 44. Tee1 Tb2 45. De3 Dc8 46. Te1 Dg4+ 47. Kf2 Txa2 48. Tg1 Df5 49. Tgf1 Tb2 50. De7 Dh3 0:1

B. 14. Lc4 Sb6 15. Lb3 a5! 16. a4 Hält den Läufer auf b3, schafft aber die Schwäche a4. 16. ...d6 17. 0-0 Sxe5 18. Sxe5 dxe5 19. Dxe5 Lf5 "Rybka schätzt die Kompensation (ein Bau­er für die Qualität) durch das Läuferpaar als ausreichend ein." (Radziewicz) 20. Te1 Sd7 21. De2 Df6 22. g4?! Eine (zu) riskante Sa­che. 22. ...Sc5 23. Lxf7+ Dxf7 24. gxf5 Dxf5 25. Sd2 Td8 26. Se4 b6 27.f3 Td7 28. Tf1 Kg7 29. Kh1 Te7 30. Tfe1 Tf7 31. Kg2 Sxe4 32. fxe4 De5 33. Dd3 De6 34. Tf1 Td7 35. Dc2 Ld6 36. Tad1 Te7 37. Tde1 Dc4 38. Tf3 Te5 39. Kh1 b5 Wie in der anderen Testpartie entsteht wieder ein Freibauer am Damenflügel. 40. axb5 Th5 41. h3 a4 42. Df2 Dxb5 43. Dd4+ Te5 44. Tfe3 a3 45. c4 De8 46. Tf3 Lc5 47. Dc3 Kg8 48. Dd2 c6 49. Tf4 Te7 50. Dc3 Ta7 51. e5 a2 52. e6 Da8 53. Ta1 Db8 54. Df6 Le7 55. Df7+ Kh8 56. Tff1 Ta3 57. Df4 Db2 58. Dh2 Dc3 59. h4 h5 60. Db8+ Kg7 61. Dh2 Lf6 62. Dc7+ Kh8 63. Db8+ Kg7 64. e7 Dxc4! 65. Txf6 Dxh4+ 66. Dh2 Dxf6 67. Txa2 Te3 68. Df2 Dxe7 0:1

In der Partie zwischen den Weltklasse­spielern kam es zu einem sang- und klang­losen Ende:12.0-0 Sb6 Pinski gibt an, dass 12. ...0-0 13. Td1 Sb6 14. a4 Sa5 15. Lh6 Te8 16. e6 Lf6 17. exf7+ Kxf7 18. Ld3 d5 19. Sg5+ Lxg5 20. Lxg5 Weiß einen gewal­tigen Angriff erlaubt. 13. c4 d6 14. Td1 Sd7 15. Lh6 Scxe5 16. Sxe5 Sxe5 17. Sc3 f6 18. c5 Sf7 19. cxd6 cxd6 20. De3 Sxh6 21. Dxh6 Lf8 22. De3+ Kf7 23. Sd5 Le6 24. Sf4 De7 25. Te1 1:0

Gleichwohl die Beispiele zeigen, dass auf den Terrain des Evans-Gambits viel im Schwange ist, so sollte man das Pinski-Buch unter einem Blickwinkel bewerten, der ver­mehrt auf Eröffnungsliteratur zutrifft. Nie­mand kann heutzutage Eröffnungswälzer mit mehreren 100 Seiten produzieren bzw. konsumieren. In vielen Bereichen der Informationsgesellschaft ist die maßge­schneiderte Reduktion gegenüber der unreflektierten Anhäufung angesagt. Gerade in den immer kürzer werdenden Zyklen, in denen Varianten Neubewertungen unterlie­gen, muss man mehr auf selbständiges Schachforschen und zeitnahe, eigene Wissensupdates setzen. Dazu liefert Pinski Anstöße in übersichtlicher Weise. Wer eine Eröffnung mit Potenzial und Überraschungseffekt sucht, ist hier richtig. Dann gilt erneut das Motto, welches Ex-Fernschach­weltmeister Estrin bereits Mitte der 80er Jah­re als Untertitel für sein Italienisch-Buch wählte: "Eine alte Eröffnung - wieder mo­dern". Kann man mehr erwarten?

Harald Fietz, Schach Magazin 64 8/2006

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Wohl jeder Schach-Eleve wird bei seinen ersten Schritten auf den 64 Feldern mit der altehrwürdigen Ita­lienischen Eröffnung bekannt ge­macht. Der junge polnische IM Jan Pinski, der sich als Eröffnungs-Ex­perte bereits einen Namen gemacht hat, unterzieht diesen Spielanfang im ersten Teil seines neuen Buches einer theoretischen Abhandlung. Der zwei­te Abschnitt ist dem Evans-Gambit gewidmet - der Waliser William Davies Evans war Fährschiffkapitän zwischen England und Irland und kreierte "sein" Gambit im Jahre 1824 auf See. Alle zehn Kapitel zei­gen den von der Everyman-Reihe gewohnten Aufbau: Einer allgemei­nen Einführung zum Thema folgen einige Musterpartien, welche auch die eröffnungstheoretischen Inhalte beherbergen, während am Ende eine kurze zusammenfassende Beurtei­lung des jeweiligen Abspiels steht.

Teil 1 : Italienisch

1) Italienisches Vierspringerspiel 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Lc5 4.Sc3 Sf6 5.d3 d6 6.Lg5: Dies gilt als harmlos für Schwarz, wenn­gleich in der Praxis der stärkere Spieler meist den Sieg davonträgt (S. 5-10, mit 2 Partien)

2) Einführung in Italienisch mit 4.c3 , worauf 4.De7 einen guten Ruf genießt (S. 11 -22, 4 Partien)

3) Der Möller-Angriff (4.c3 Sf6 5.d4 e:d4 6.c:d4 Lb4+ 7.Sc3?!) und das klassische Italienisch (4.c3 Sf6 5.d4 e:d4 6.c:d4 Lb4+ 7.Ld2 L:d2+ 8.Sb:d2 d5 9.e:d5 S:d5 10.Db3) erscheinen aus weiter Sicht ungeeignet, einen Vorteil zu erringen (S. 23-39, mit fünf Partien).

4) Die Variante mit 4.c3 Sf6 5.d3 kann dem Weißen manches verspre­chen, wenn er nur schnell handelt (S. 40-56, mit sieben Partien)

Teil 2: Evans-Gambit.

5) Das abgelehnte Evans-Gambit 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 LC5 4.b4!? Lb6 belässt Weiß einen klei­nen Vorteil nach 5.a4 a6 6.Sc3 Sf6 7.Sd5/d4 (S. 57-74. mit 6 Partien).

6) Angenommenes Gambit 4.b4 L:b4 5.c3 mit 5...Le7 : hier kann Weiß etwa 6.d4 Sa5 7.Le2 e:d4 8.D:d4 versuchen (S. 75-87, fünf Par­tien).

7) Evans-Gambit mit 5...Lc5: in der Standard-Aufstellung nach 5.d4 e:d4 7.0-0 d6 8.c:d4 Lb6 9.Sc3! kann Weiß in der Praxis auf etwas Vorteil hoffen (S. 88-102, sechs Partien).

8) Einführung zur Hauptvariante mit 5...L:a5: der Autor meint, dass Schwarz mit der Lasker-Verteidi­gung 6.0-0 d6 7.d4 Lb6 soliden Ausgleich erzielt (S. 103-109, sechs Partien).

9) Die Hauptvariante 5...La5 6,d4 und nun 6...d6 oder 6...e:d4 7.0-0 Sge7! Auch hier sollte Schwarz theoretisch keine großen Schwierig­keiten haben, während im prakti­schen Spiel die Vorteile auf weißer Seite liegen dürften (S. 120-139, mit sieben Partien).

Schließlich befasst sich der 3. Teil (= Kapitel 10) mit einigen Seitenwe­gen, etwa mit der Ungarischen Verteidigung, die Pinski zufolge besser sei als ihr Ruf, und mit den seltenen Fortsetzungen 3...Sd4?, 3...h6 und 3...g6 (S. 140-158, mit 10 Beispiel­partien). Der Thematik durchaus an­gemessen, umfassen die aufgeführ­ten 58 Meisterpartien zusätzlich der 20 weiteren, im fortlaufenden Text stehenden, und der vielen Partiefrag­mente einen langen Zeitraum von 1826(!) bis zur Gegenwart.

Ein Fazit könnte lauten, dass es zwar bei den alten Eröffnungen Ita­lienisch und Evans-Gambit in eröff­nungstheoretischer Hinsicht keine Schrecknisse für Schwarz mehr gibt, dass aber gleichwohl ein unterneh­mungslustiger Führer der weißen Steine erstaunlich gute praktische Ergebnisse damit erzielen kann!

P.S. Englischkenntnisse des Lesers sind bei der Lektüre wünschenswert.

Dr. W. Schweizer, Rochade Europa 12/2005

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Mit seinem neuen Buch setzt der junge polnische IM Jan Pinski seine Reihe über die offenen Eröffnungen fort. Nach den Werken über das Vierspringerspiel und das Zweisprin­gerspiel im Nachzug ist diesmal der Themenblock Italienisch an der Rei­he, wozu natürlich insbesondere das berühmte Evans-Gambit zählt.

Dabei vermittelt Pinski ein umfas­sendes und überzeugendes Bild des aktuellen Standes. Bereits die Gliede­rung zeigt deutlich, welcher Bereich in der gegenwärtigen Turnierszene die größere Bedeutung hat, denn nur rund 50 Seiten widmet der Autor den italienischen Varianten.

Warum diese gerade in gehobenen Kreisen nur noch wenige Anhänger haben wird von Pinski deutlich vorgeführt, denn laut Theorie darf sich Schwarz dabei auf einen soliden Ausgleich freuen. Dass dies in der Praxis allerdings doch nicht immer so einfach ist zeigt Pinski bereits in der Einführung.

Ein aktueller Sieg von Short in der an sich recht friedlichen italienischen Vierspringervariante ist ein warnen­des Beispiel für Schwarz. Nach wei­teren weniger wichtigen Varianten wie 4...De7 oder Sweschnikows Ste­ckenpferd 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Lc5 4.c3 Sf6 5.d4 exd4 6.e5 folgt der erste größere Abschnitt über 6.cxd4.

Auf dieses Kapitel hatte ich gewis­se Hoffnungen gesetzt, denn Italie­nisch und besonders der Möller-An­griff 6...Lb4+ 7.Sc3 Sxe4 8.0-0 Lxc3 9.d5 waren lange Zeit der Kern mei­nes Weiß-Repertoires.

Nach großen Problemen in den Hauptvarianten verabschiedete ich mich aber schweren Herzens davon, und auch Pinski lässt hier keine Illusi­onen aufkommen: 13...h6 entwickelt sich immer mehr zur Widerlegung des Möller-Angriffs, zudem hat Schwarz noch andere attraktive Möglichkeiten wie z.B. 9...Se5, die Weiß zu einem schweren Kampf um den Ausgleich zwingen.

Auch mit 7.Ld2 ist wenig zu holen, so dass Pinski aus weißer Sicht klar zu 5.d3 rät, was im letzten Abschnitt dieses ersten Teiles ausführlich vor­gestellt wird. Zwar verspricht die Theorie Schwarz hier ebenfalls Aus­gleich, doch das Spiel bietet beiden Seiten Möglichkeiten.

Wer mehr will muss wohl doch zum nicht zuletzt durch Kasparows Siege gegen Anand und Piket im Jahr 1995 wieder aus der Versenkung er­schienenen Evans-Gambit greifen. Pinski hat diesem Teil stattliche 80 Seiten gewidmet, so dass hier alle Evans-Gambit-Interessierten voll auf ihre Kosten kommen werden.

Nach einem Kapitel über die Ableh­nung des Gambits folgen zwei Kapi­tel über die Fortsetzungen 5...Le7 und 5...Lc5. Im Mittelpunkt steht aber der Zug 5...La5, der gleich in zwei Kapi­tel unterteilt wurde und momentan als die wichtigste schwarze Fortsetzung gilt.

Abgerundet wird das Buch durch einen letzten Abschnitt, in dem selte­ne schwarze Varianten im dritten Zug wie z.B. Ungarisch besprochen wer­den.

Fazit: Pinski ist eine sehr aktuelle und überzeugende Aufarbeitung des gegenwärtigen Theoriestandes gelun­gen, wobei natürlich vor allem das Evans-Gambit herausragt, das noch nichts von seinem Reiz verloren hat. Neben dem überwiegend sehr aktuel­len Partiematerial sind auch noch die gelungene Kommentierung Pinskis sowie sein unterhaltsamer Stil hervor­zuheben.

Englische Grundkenntnisse sollten für das Studium des Buches ausrei­chen.

Schach Markt 1/2006

Italian Game and Evans Gambit

EUR

20.95