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RLXKARMBPAR

Meine besten Partien /reduziert

Mängelexemplar; Lager- /Transportschaden
Eigenschaften

296 Seiten, kartoniert, Olms, 2006

12,95 €
Inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten

"Ich will immer Erster sein", so Anatoli Karpow, der im Jahre 1975 kampflos zum Schachweltmeister erklärt wurde, da sein Vorgänger auf dem WM-Thron, der exzentrische Amerikaner Bobby Fischer nicht antrat. Daß der Russe tatsächlich kein "Papiertiger" ist, bewies er in den folgenden drei Jahrzehnten nachdrücklich: So war er insge­samt 17 Jahre FIDE-Champion (1975-1985 und 1993-2000) und gewann mehr als 150 bedeuten­de Schachturniere - ein Rekord für die Ewigkeit! Die einmalige Laufbahn des inzwischen 55-Jäh­rigen ist anhand der von ihm ausgewählten und kommentier­ten 100 Partien zu erleben, die im Übrigen eindrucksvoll beweisen, daß Karpow nicht nur als Meister der Verwertung minimaler Vortei­le wahrhaft Schachgeschichte geschrieben hat. Alle Schachent­husiasten können davon profitie­ren und lernen.

Einführung

31 Jahre, nachdem ich Weltmeister wurde, veröffentliche ich dieses Buch. Zum WM-Match gegen Bobby Fischer kam es damals nicht, weil der Titelverteidiger nicht antrat. Am 24. April 1975 wurde ich daraufhin in Moskau zum 12. Weltmeister der Schachge­schichte erklärt. Als mir die Krone überreicht wurde, versprach ich, ein spielender Cham­pion zu sein. Ich habe mein Wort gehalten und in meiner langen Karriere etwa 300 Tur­niere und Matches bestritten. Über 160 Mal, also mehr als die Hälfte, gewann ich oder teilte den ersten Platz. Das ist ein Rekord für die Ewigkeit.

Beim Verfassen dieses Buches stand ich vor der nicht leichten Aufgabe, aus über 1000 Gewinnpartien die besten 100 auszuwählen. Ich hoffe, es ist mir gelungen, eindrucksvolle und lehrreiche Beispiele aus meiner Praxis zu zeigen. Viele der hier vorgestellten Parti­en haben wichtige Turniere entschieden und Schönheitspreise bekommen. Andere be­legten den ersten Platz im Wettbewerb um die beste oder theoretisch wertvollste Partie, den der renommierte Schach-Informator ver­anstaltet. In zwei Dritteln der ausgewählten Beispiele spiele ich mit Weiß. Das überrascht nicht, denn schöne Siege werden am häu­figsten mit den weißen Steinen erzielt.

Fast drei Jahrzehnte lang kämpfte ich ak­tiv um die Schachkrone, und die Mehrzahl der Wettbewerbe, an denen ich teilnahm, war unmittelbar damit verbunden. Insgesamt spielte ich zehn WM-Matches: zwei mit Vik­tor Kortschnoi, fünf mit Garri Kasparow und je eins mit Jan Timman, Gata Kamsky und Viswanathan Anand. Eine große Anzahl mei­ner Partien aus diesen Duellen ist in diesem Buch enthalten.

Die hier gezeigten Beispiele umfassen den Zeitraum von 1968 bis 2003. Fast vier Jahr­zehnte dauert meine Schachkarriere bereits, und ein Ende ist noch nicht abzusehen. Viele Spiele habe ich seinerzeit unmittelbar nach dem Wettkampf kommentiert. Die Er­öffnungstheorie entwickelt sich jedoch stän­dig weiter, so dass frühere Bewertungen ih­re Aktualität verlieren. Deshalb habe ich in den meisten Fällen alte Varianten entfernt und durch neue Eröffnungsideen ersetzt. Die zahlreichen Diagramme illustrieren den Ver­lauf der Partien so genau, dass der fachkun­dige Leser beim Betrachten der Partien nicht unbedingt Brett und Figuren benötigt.

Zur schachlichen Meisterschaft gelangt man nicht allein. Ohne treue Wegbegleiter und Helfer wäre ich nicht auf den Schacholymp gekommen. Viele erfahrene Großmeister und Schachenthusiasten haben mich auf meinem Weg dorthin unterstützt. Wichtigs­ter Lehrmeister war für mich neben Welt­meister Michail Botwinnik, dessen berühmte Schachschule ich besuchte, mein langjähri­ger Trainer Semjon Furman.

Wie Sie vielleicht wissen, gibt es inzwischen in etlichen Ländern Schachschulen, die auch meinen Namen tragen. Mit ihnen möchte ich wie mit diesem Buch meine Kenntnisse und Erfahrungen an den Nachwuchs weiterge­ben. Nicht zuletzt deshalb ist dieser Sam­melband entstanden.

Ich danke dem bekannten Moskauer Schachmeister Jewgeni Gik, der mein lang­jähriger Koautor ist, für seine unentbehrliche Hilfe sowie dem Berliner Schachpublizisten Dagobert Kohlmeyer für die Übersetzung ins Deutsche.

Anatoli Karpow

Weitere Informationen
Gewicht 750 g
Hersteller Olms
Breite 17 cm
Höhe 24 cm
Medium Buch
Erscheinungsjahr 2006
Autor Anatoli Karpov
Sprache Deutsch
Seiten 296
Einband kartoniert

007 Symbole

008 Vorwort von Igor Saizew: Ich hatte das Glück, mit Anatoli Karpow zu arbeiten

011 Einführung von Anatoli Karpow

012 Meine 100 besten Partien 1968-2003

0121968-1975 Auf dem Weg zur Weltmeisterschaft

Partie 1: Karpow-Gik 12 * Partie 2: Karpow-Hort 16 * Partie 3: Smejkal-Karpow 19 * Partie 4: Karpow -Uhlmann 24 * Partie 5: Karpow - Polugajewski 26 * Partie 6: Karpow -Spasski 29 * Partie 7: Karpow -Kortschnoi 32

0341976-1977 Der spielende Weltmeister

Partie 8: Karpow -Waganjan 34 * Partie 9: Kurajica-Karpow 37 * Partie 10: Tatai - Karpow 40

0431978-1984 Erfolgreiche Jahre

Partie 11: Karpow-Kortschnoi 43 * Partie 12: Karpow-Kortschnoi 46 * Partie 13: Timman-Karpow 48 * Partie 14: Karpow-Hübner 51 * Partie 15: Ljubojevic-Karpow 53 * Partie 16: Kortschnoi - Karpow 56 * Partie 17: Kortschnoi - Karpow 58 * Partie 18: Kar­pow-Kortschnoi 61 * Partie 19: Karpow-Hübner 64 * Partie 20: Karpow-Sax 66 * Partie 21: Karpow-Jussupow 68 * Partie 22: Romanischin-Karpow 71 * Partie 23: Karpow -Andersson 74 * Partie 24: Timman- Karpow 77

0811984-1990 Die Ära K&K

Partie 25: Karpow-Kasparow 81 * Partie 26: Kasparow- Karpow 85 * Partie 27: Karpow -Kasparow 90 * Partie 28: Karpow-Kasparow 93 * Partie 29: Karpow-Kasparow 97 * Partie 30: Kasparow-Karpow 100 * Partie 31: Karpow-Kasparow 103 * Partie 32: Karpow -Ribli 105 * Partie 33: Karpow-Sznapik 108 * Partie 34: Karpow-Beljawski 111 * Partie 35: Karpow - Kasparow 113 * Partie 36: Karpow - Kasparow 115 * Partie 37: Karpow -Kasparow 118 * Partie 38: Karpow-Kortschnoi 120 * Partie 39: Karpow-Sokolow 122 * Partie 40: Sokolow-Karpow 126 * Partie 41: Kasparow - Karpow 128 * Partie 42: Kasparow-Karpow 131 * Partie 43: Karpow-Kasparow 134 * Partie 44: Karpow -Farago 138 * Partie 45: Karpow-Timman 141 * Partie 46: Karpow-Jussupow 144 * Partie 47: Karpow-Malanjuk147 * Partie 48: Karpow-Gurewitsch 149 * Partie 49: Karpow-Kasparow 153 * Partie 50: Karpow - Hjartarson 156 * Partie 51: Karpow - Hjartarson 159 * Partie 52: Hjartarson -Karpow 163 * Partie 53: Karpow -Nikolic 165 * Partie 54: Karpow-Jussupow 168 *

Partie 55: Karpow-Timman 171 * Partie 56: Karpow-Miles 173 * Partie 57: Karpow-Polugajewski 176 * Partie 58: de Firmian-Karpow 177 * Partie 59: Karpow-Kasparow 180

1821991-1993 Die Schachkrone weiter im Visier

Partie 60: Karpow-Andersson 182 * Partie 61: Ehlvest - Karpow 184 * Partie 62: Karpow -Anand 187 * Partie 63: Kortschnoi-Karpow 190 * Partie 64: Karpow-Gurewitsch 194 * Partie 65: Beljawski - Karpow 197 * Partie 66: Karpow-Short 200 * Partie 67: Schirow-Karpow 203 * Partie 68: Karpow - Kamsky 205 * Partie 69: Karpow - Lobron 208 * Partie 70: Karpow-Bönsch 210 * Partie 71: Wahls-Karpow 211 * Partie 72: Hübner -Karpow 213 * Partie 73: Ljubojevic-Karpow 216 * Partie 74: Kamsky-Karpow 218 * Partie 75: Karpow-Adams 222

2241993-1999 Und wieder FIDE-Champion

Partie 76: Karpow-Timman 224 * Partie 77: Karpow-Timman 225 * Partie 78: Karpow-Topalow 228 * Partie 79: Karpow-Kramnik 230 * Partie 80: Karpow-Beljawski 232 * Partie 81: Karpow-Illescas Cordoba 234 * Partie 82: Adams-Karpow 237 * Partie 83: Gelfand - Karpow 240 * Partie 84: Topalow-Karpow 241 * Partie 85: Karpow-Kamsky 244 * Partie 86: Kamsky-Karpow 246 * Partie 87: Kamsky-Karpow 249 * Partie 88: Kamsky-Karpow 250 * Partie 89: Short-Karpow 252 * Partie 90: Karpow-Anand 254 * Partie 91: Anand - Karpow 256 * Partie 92: Karpow - Swidler 260

2622000 bis heute Auf zu neuen Ufern

Partie 93: Karpow-Milos 262 * Partie 94: Karpow - Polgar 263 * Partie 95: Karpow-Mecking 265 * Partie 96: Karpow-Leko 267 * Partie 97: Karpow - Polgar 269 * Partie 98: Karpow-Kasparow 270 * Partie 99: Krasenkow-Karpow 272 * Partie 100: Macieja-Karpow 273

275Anatoli Karpows Weg in den Schacholymp - ein Porträt von Raymund Stolze . 275

283Anhang

283Statistik

Die wichtigsten Turniererfolge 283 * Kandidatenwettkämpfe und FIDE-Weltmeisterschaften 285 * Die Olympiastatistik 287

288Personenverzeichnis

290Partienverzeichnis

295Verzeichnis der Hauptpartien 295Eröffnungsverzeichnis

Informationen zum Autor

Anatoli Karpow wurde am 23.05.1951 in Slatoust (Ural) gebo­ren. Spätestens mit dem Gewinn der Juniorenweltmeisterschaft 1969 in Stockholm - ein Jahr zuvor hatte er in den Niederlanden bereits die Eu­ropameisterschaft U18 siegreich be­endet - begann sein nahezu unauf­haltsamer Aufstieg zur Weltspitze, der 1975 mit der kampflosen Erobe­rung des Weltmeistertitels nach dem Nichtantritt Fischers zur Titelvertei­digung gekrönt wurde, nachdem er Viktor Kortschnoi im Kandidatenfi­nale 1974 12,5:11,5 besiegt hatte. 1978 verteidigte er den Titel im le­gendären Match in Baguio (Philippi­nen) mit einem 6:5 (Remisen wur­den nicht gezählt) wiederum gegen Viktor Kortschnoi. Den gleichen Ri­valen besiegte er 1981 in Meran er­neut, bei dieser Gelegenheit mit ei­nem 6:2 nach 18 Partien aber sehr deutlich. Nachdem er 1985 im not­wendig gewordenen Wiederholungs­match - der Wettkampf 1984/1985 war nach 48 Partien beim Stande von 5:3 für Karpow vom damaligen FIDE-Präsidenten Florencio Campomanes abgebrochen worden - von Garri Kasparow entthront worden war - Kasparow gewann damals die entscheidende 24. Partie (das Match war diesmal auf 24 Partien begrenzt) und damit das Match 13:11 -, folg­ten bis 1990 drei weitere spannende Duelle mit Kasparow, in denen sich Karpow stets als ebenbürtiger Kon­trahent erwies. Am nächsten kam er der erneuten Thronbesteigung 1987

in Sevilla, als er 12:11 führte, Kasparow aber die letzte Partie auf Be­stellung gewinnen konnte, was Kar-pow selbst zwei Jahre zuvor nicht gelungen war. 1993 beschlossen Kasparow und Short (Karpow war 1992 sensationell im Kandidaten-Halbfinale an Short gescheitert), ihr WM-Match in London unabhängig vom Weltverband FIDE zu vermark­ten, was bis zum diesjährigen WM-Kampf Kramnik - Topalow für 13 Jahre Konfusion in der Schachwelt sorgte. Die FIDE sah sich gezwun­gen, ein Ersatzmatch zu organisie­ren, und Karpow wurde mit einem klaren Sieg über Timman erneut FIDE-Champ. Diesen Titel verteidigte er überzeugend 1996 in Elista gegen Gata Kamsky sowie 1998 in Lau­sanne gegen Viswanathan Anand nach einem 3:3 mit einem 2:0 im Schnellschach, als jedoch sein Privi­leg, erst im Finale gegen den nach den Qualifikationsmühen im Knock­out-Turnier Groningen abgekämpf­ten Anand einzusteigen, auf starke Kritik stieß. Zur Titelverteidigung 1999 beim Knock-out in Las Vegas trat Karpow noch einigen Querelen nicht an und verlor damit seinen Ti­tel wie sein Vorgänger Fischer kampflos. Seit dieser Zeit beteiligt sich Karpow nur noch sporadisch an klassischen Turnieren, zeigt jedoch häufig auf Schnellschachveranstal­tungen seine hohe Klasse. Karpow ist mit mehr als 160 Turniererfolgen - eine genaue Angabe ist nicht leicht, da er auch viele Schnell­schachturniere gewonnen hat - der erfolgreichste Turnierspieler aller Zeiten.

Vorgänger- bzw. Referenzwerke

Von und über Karpow ist im Laufe der Jahre eine Reihe von Kompila­tionen seiner besten Partien und Biographien erschienen. Als Klassi­ker kann man dabei den 1978 veröf­fentlichten Band Izbrannye partii: 1969-1977 bezeichnen (Ausgewähl­te Partien 1969-1977, Anmerkung des Rezensenten: Es wird hier die englische Schreibweise verwendet.), eine Sammlung 50 herausragender Partien seiner frühen Karrierephase bis zum WM-Kampf 1978. Von Inte­resse für die Zeitspanne bis zur Er­oberung des WM-Titels ist auch das Buch Tri matcha Anatolija Karpova (Anatoli Karpows drei Matches) von Michail Botwinnik, das 1975 in Moskau erschien und Analysen des sowjetischen Patriarchen zu den Par­tien der drei Kandidatenkämpfe Kar­pows 1974 gegen Polugajewski, Spasski und eben Kortschnoi ent­hält. Den WM-Kampf 1978 betrach­tet Karpow in dem Buch V dalekom Bagio - Im fernen Baguio (Moskau 1981). Darüber hinaus erschien die Sammlung Sto pobednich partii (100 Gewinnpartien, Moskau 1984), die in ähnlicher Form in Deutsch­land im Walter Rau Verlag Düssel­dorf unter dem Titel Wie ich kämpfe und siege veröffentlicht wurde, dort jedoch nur 60 Partien enthielt. Es existieren weitere Best Games-Zu­sammenstellungen, so Moi 300 luchshikh partii (Meine 300 besten Partien), Moskau 1997, oder Moi luchshie partii (Meine besten Par­tien), Moskau 2001. Das Buch Anatoly Karpov's Best Games von Kar­pow selbst kam 1996 im Baisford Verlag heraus. Eine schöne Sammlung ist auch das Karpow-Buch Mei­ne besten Partien. 64 Siege aus 25-jähriger Schachkarriere , das 1997 im Verlag Bock und Kübler Berlin-Fürstenwalde erschien und von Da­gobert Kohlmeyer (Schachagentur Berlin) herausgegeben wurde. Die­ses Werk enthält nur 11 Partien aus der Zeit vor 1981 und schließt mit zwei Siegen aus dem FIDE-WM-Match gegen Kamsky 1996 ab. Bei der Erstellung des Manuskriptes war (wie auch oft zuvor) Karpow der Schachmeister und -autor Jewgeni Gik behilflich.

In Deutschland bekannt ist zudem die Biographie Das Schachgenie Karpow (Sportverlag Berlin 1991) von Viktor Baturinski, dem langjäh­rigen Generalsekretär der sowjeti­schen Schachförderation, der bei den WM-Kämpfen 1978 und 1981 jeweils Chef des Karpow-Teams war. Dieses Buch enthält auch einen umfangreichen Partieteil, wobei die meisten Kommentare - zumindest in Auszügen - von Karpow selbst stammen. Edmar Mednis schrieb das Buch So gewinnt Karpow , das erst­malig 1982 im Walter de Gruyter-Verlag Berlin in der Reihe Biblio­thek Caissa erschien und später noch einige Neuauflagen erlebte. Schließ­lich wartete Garri Kasparow in die­sem Jahr bei Everyman London be­reits mit dem fünften Band (Volume 5 - in der englischen Reihenfolge) seiner Reihe On My Great Predecessors auf, der sich mit Kortschnoi und Karpow beschäftigt. Kasparow analysiert 51 Partien und eine Reihe von Fragmenten seines Vorgängers sehr ausführlich, wobei allerdings die direkten Duelle noch ausgespart bleiben. Von Interesse ist vielleicht auch das kürzlich auch in deutscher Sprache erschienene New In Chess-Buch Die Kraft der Leichtfiguren von Jan Timman, denn unter den in diesem Werk kommentierten Partien befinden sich immerhin vier großar­tige Siege Karpows. Darüber hinaus sollte man auch die im Schachinfor­mator erschienenen Kommentare Karpows und seiner Sekundanten zu den ausgewählten Partien berück­sichtigen.

Konzeption und Inhalte

Anatoli Karpow hat in den mehr als drei Jahrzehnten, in denen er sich auf Spitzenniveau bewegt, viele hochklassige Partien gespielt, die es wert sind, veröffentlicht zu werden. Während andere Spieler sicher Schwierigkeiten hätten, 100 Partien zusammenzustellen, die höchsten Qualitatsstandards genügen, ergibt sich für Karpow vergleichsweise eher das Problem der Rolling Stones vor einer Tournee, aus der großen Menge großartigen Materials auszu­wählen und die Setlist festzulegen. Wie für die Stones ist es auch für Karpow wichtig, an einigen Stan­dards, auf die das Publikum wartet, unbedingt festzuhalten. Darüber hi­naus möchte man aber sicher, damit es für einen selbst interessant bleibt und die Edelfans auf ihre Kosten kommen, neben die Crowd-Pleaser auch einige weniger bekannte Perlen stellen, an denen man hängt und die man gern der Öffentlichkeit näher bringen will. Zur Bewertung der ak­tuellen Veröffentlichung Meine bes­ten Partien , erschienen bei der Editi­on Olms, sollte man sich aufgrund

der Vielzahl der bisherigen Veröf­fentlichungen von Partiesammlun­gen Karpows zunächst einmal ver­gegenwärtigen, aus welchen Epo­chen die für die neue Kompilation ausgewählten 100 Partien stammen bzw. aus welchem Zeitraum beson­ders viele Partien enthalten sind. Da­rüber hinaus ist es sicher interessant zu untersuchen, worin die Unter­schiede zu früheren Zusammenstel­lungen bestehen. Da die Partien Kar­pows in Datenbanken enthalten und kommentiert in Schachzeitschriften sowie dem Informator erschienen sind, sollte eine Neuveröffentlichung etwas Besonderes bieten, um erfolgreich zu sein.

Nach einem Vorwort von Igor Saizew ("Ich hatte das Glück, mit Anatoli Karpow zu arbeiten"), Haupt­trainer Karpows von 1978-1990, folgt die Einführung von Anatoli Karpow, in der er ebenfalls deutlich macht, wie schwer ihm die Auswahl gefallen ist. Kriterien waren für ihn, ob die letztlich berücksichtigten Par­tien wichtige Turniere entschieden, Schönheitspreise erhalten, im Wett­bewerb des Schach-Informators um die beste oder theoretisch wertvolls­te Partie den ersten Platz belegt ha­ben oder in WM-Kämpfen gespielt wurden. Es sind fast ausschließlich Partien gegen hochkarätige Gegner­schaft enthalten. Die Auswahl reicht von 1968 bis 2003. Karpow merkt an, dass er viele Partien unmittelbar nach Ende des jeweiligen Wett­kampfes kommentiert hat, frühere Bewertungen jedoch aufgrund der Entwicklung der Eröffnungstheorie ihre Aktualität verloren haben. Des­halb habe er in den meisten Fällen alte Varianten entfernt und durch neue Eröffnungsideen ersetzt. Es ist zu prüfen, inwieweit dies tatsächlich zutrifft.

Es folgen Karpows 100 beste Par­tien von 1968 bis 2003, eingeteilt in verschiedene Epochen. Im ersten Teil 1968-1975 Auf dem Weg zur Weltmeisterschaft findet man aller­dings lediglich 7, im zweiten Teil 1976-1977 Der spielende Weltmeis­ter gar nur 3 Partien. Man kann si­cher konstatieren, dass diese wichti­gen Jahre mit 10 von 100 Partien im Buch doch einigermaßen unterreprä­sentiert sind. Die ausgewählten 10 Partien sind alle bereits im Buch Izbrannye partii: 1969-1977 erschie­nen, die damaligen Kommentare wurden übernommen. Aus Teil 3 1978-1984 Erfolgreiche Jahre hat Karpow 14 Partien ausgewählt, was ebenfalls recht wenig ist, wenn man bedenkt, dass davon 5 (auch nicht sehr viel) aus den beiden WM-Mat­ches 1978 und 1981 gegen Kortschnoi stammen und Karpow in diesem Zeitraum sehr viele Turniere bestrit­ten und gewonnen hat. Die weitaus meisten Partien findet man in Teil 4 1984-1990 Die Ära K&K - nämlich 35. Für den Rezensenten, der mit den WM-Kämpfen Karpow-Kas-parow schachlich aufwuchs, ist die Durchsicht dieser Partien aus der Zeit ihres permanenten Aufeinander­treffens wie ein angenehmes Wie­dersehen mit guten alten Bekannten. Man hat sie damals mit Begeiste­rung nachgespielt und kann sich auch heute an ihrer Schönheit er­freuen. In Teil 5 geben 16 Partien Zeugnis über die kurze, aber schachlich ereignisreiche Periode 1991-1993 Die Schachkrone weiter im Vi­sier . 17 Partien wurden aus dem Zeitraum 1993-1999 Und wieder FI­DE-Champion aufgenommen. Nicht viel, wenn man sich verdeutlicht, dass davon 8 auf die Matches gegen Timman, Kamsky und Anand entfal­len und Karpow in diesem Abschnitt mit Linares 1994 das Turnier seines Lebens gewonnen und weitere groß­artige Erfolge gefeiert hat. Schließ­lich sind dem Abschnitt 2000 bis heute Auf zu neuen Ufern 8 Partien zugeordnet worden. Aufgrund der geringen Anzahl von Turnieren mit klassischer Bedenkzeit, die Karpow in den letzten Jahren bestritten hat und der vergleichsweise sehr hohen Zahl von zum Teil hochklassigen Schnellturnieren, an denen er sich beteiligt und die er gewonnen hat, sind auch drei Schnellpartien dabei, gegen Kasparow vom 2,5:1,5 ge­wonnenen Match in New York 2002, gegen Polgar vom Schnellschach-Match Russland gegen die Welt in Moskau 2002 und gegen Macieja aus dem 6:2 gewonnenen Wett­kampf aus Warschau 2003. Auch wenn man die einschränkende Be­grenzung auf 100 Partien berück­sichtigt, fällt doch auf, dass die Aus­wahl der Partien bzw. ihre Vertei­lung auf die verschiedenen Perioden etwas unausgewogen ausgefallen ist. Präsentiert wird vor allem der Kar­pow ab der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre, denn aus der Zeit vor dem ersten Match 1984/1985 gegen Kasparow sind nur 24 Partien dabei. Ähnlich verhält es sich mit der An­zahl der Partien von verschiedenen Turnieren. Sicher war Baden-Baden 1992 ein großartiger Triumph (Kar­pow gab damals nur drei Remisen ab.), aber mit vier Partien ist dieses Turnier ebenso häufig vertreten wie das viel stärker besetzte Linares 1994, denn davon sind auch drei Partien unter den Top 100 gelandet sowie die Gewinnpartie gegen Lau­tier komplett kommentiert in die Siegpartie gegen Kortschnoi von Tilburg 1991 (Partie 63, S. 190-193) eingearbeitet. Manche Turniere feh­len zudem ganz, so z.B. nach der Ti­telverteidigung gegen Kamsky Biel und vor allem Wien 1996 mit der großartigen Gewinnpartie gegen Kramnik. Doch es war aus den schon genannten Gründen sicher nicht leicht, die endgültige Auswahl zu treffen.

Aufschlussreich ist ein Vergleich mit dem im vergangenen Jahr in gleicher Aufmachung und zum gleichen Preis ebenfalls bei der Edition Olms erschienenen hervorragenden Buch Meine besten Partien von Boris Gel­fand. Gelfands Buch umfasste 272 Seiten, und er brachte dabei 51 Par­tien unter - davon 7 zu seiner Lieb­lingsvariante im Grünfeldinder und weitere 44 beste Partien. Darüber hi­naus folgen auf 30 Seiten die besten Kombinationen und Endspiele. Karpows Werk enthält hingegen auf 296 Seiten exakt 100 kommentierte Par­tien, die durchschnittliche Seitenzahl pro Partie ist also geringer als drei. Ohne auf die unterschiedlichen Län­gen der ebenfalls in beiden Büchern befindlichen Einführungen, Porträts usw. einzugehen, kann man doch re­lativ leicht überschlagen, dass die Analysen und Kommentare Gel-

fands überwiegend viel ausführli­cher ausfallen als Karpows Glossie­rung. Wie hat man dies einzuschät­zen? Nun, man kann beispielsweise die Ansichten Kasparows und Timmans zu Karpows Eigenarten der Kommentierung heranziehen. Garri Kasparow äußert beispielsweise im jüngst erschienenen Volume 5 seiner Reihe On My Great Predecessors auf den Seiten 214-215 zur Partie Karpow - Hort, Moskau 1971 (Über­setzung des Rezensenten): "Karpow kommentiert diesen Zeitnotzug (27...Sxd5?!) überhaupt nicht. Eine kritische Bewertung hätte den My­thos der Vollkommenheit der Partie zerstört haben können, dass der Sie­ger dem Gegner keine einzige Ret­tungschance ließ." Timman vertritt in seinem Buch Die Kraft der Leichtfiguren , das vier Gewinnpar­tien Karpows enthält, eine ähnliche Ansicht. Auf S. 41 schreibt er zur Partie Karpow - Sokolow, Linares 1987, 10. Matchpartie des Kandida­tenfinales und zu Sokolows Fehler 23...Tc2: "Es ist bemerkenswert, dass Karpow diesen entscheidenden Moment kommentarlos übergeht. Der frühere Weltmeister macht dies regelmäßig: Er ist nicht nur ein vir­tuoser Spieler, sondern ein Meister der Verklärung, indem er suggeriert, dass er seine Partien gewinnt, ohne dass sein Gegner irgendwelche sichtbaren Fehler macht - als ob er gewissermaßen gegen eine höhere Macht spielt." Härter kritisiert Tim­man Karpows Art der Kommentie­rung auf S. 227 in seinen Anmer­kungen zur Partie Karpow - Kamsky, Tilburg 1991, die Karpow verlor: "Als meinen Begleiter hatte ich Kar­pows Anmerkungen aus dem Schach-Informator 53 zur Verfü­gung. Man sollte erwarten, dass die Schlussfolgerungen eines früheren Weltmeisters lehrreich sind, aber tat­sächlich stellen sie sich als ziemlich enttäuschend heraus. Aus irgendwel­chen Gründen gibt sich Karpow als unverbesserlicher Optimist zu er­kennen, der daran festhält, einen magischen - wenngleich völlig fehl platzierten - Glauben für das Läufer­paar zu hegen, selbst wenn er unter beträchtlichem Druck steht. Dies überrascht mich; ich weiß, wie sein Optimismus Karpow geholfen hat, unerwartete Erfolge zu erzielen, aber wenn man analysiert, dient die­ser überhaupt keinem Zweck." Ist bzw. war es also Karpows Absicht, einen Mythos der Unbesiegbarkeit aufzubauen und deshalb kritische Punkte in den Partien, an denen sei­ne Gegner besser spielen konnten, einfach zu übergehen? Möglicher­weise kann man dies teilweise beja­hen. Vor allem zu Weltmeisterzeiten und auch während der K&K-Ära war Karpow bekanntlich kaum zu schlagen und verlor im Jahr viel­leicht zwei oder drei Partien. Dies sollte möglichst so bleiben, wofür es von Vorteil war, wenn die Gegner vor den Partien zitterten. Ebenfalls wichtig für die Einschätzung sind je­doch nach Ansicht des Rezensenten vor allem der Charakter Karpows und seine Herangehensweise an das Spiel. Selbst zu seinen besten Zeiten suchte Karpow auch während hoch­karätiger Turniere und Wettkämpfe Ablenkung und Zerstreuung, eröff­nete an freien Tagen Schachzentren, gab Simultanvorstellungen, besuchte Jugendmeisterschaften, traf sich mit Personen des öffentlichen Lebens etc. Er braucht offenbar diese Form der Abwechslung, pflegt einen in ge­wisser Weise etwas "chaotischen" Rhythmus und kann und möchte sich nicht übermäßig lange mit ein und derselben Sache beschäftigen. Darüber hinaus muss man Karpow schachlich als Praktiker einordnen. Ihm persönlich ging es nie darum, die Wahrheit in einer bestimmten Eröffnungsvariante zu finden, wie beispielsweise den "Forschern" Kasparow und Gelfand, sondern er woll­te und will in erster Linie Stellungen auf das Brett bekommen, die ihm la­gen bzw. liegen. Natürlich war Kar­pow früher fast immer eröffnungstheoretisch gut präpariert, doch lag dies weniger an seinem eigenen un­ermüdlichen Forscherdrang, sondern daran, dass er über viele versierte Helfer bzw. Trainer verfügte, die ihm kontinuierlich frische Ideen lie­ferten und mit ihm arbeiteten. Insbe­sondere zu Zeiten, als es die Sowjet­union noch gab, war die Zahl der Zubringer sehr hoch. Als wichtige Trainer seien hier nur die Großmeis­ter Semjon Furman (bis zu seinem Tod 1977 Karpows väterlicher Freund und Cheftrainer), Igor Saizew (Chefcoach bis 1990), Exweltmeister Michail Tal und Juri Balaschow (Helfer vor allem bei den WM-Matches 1978 und 1981) und der treue Internationale Meister Mi­chail Podgajez, der Karpow auch heute noch zu Turnieren begleitet, genannt. In den 1990er-Jahren wur­de Karpow aber kaum zu den großen "Vorbereitern" gezählt. Häufig er­schien er selbst zu bestens besetzten Turnieren ohne spezielle Gegnervor­bereitung und begann mit Michail Podgajez erst während des Turniers an den Eröffnungen zu arbeiten, oder er ging gänzlich ohne Vorberei­tung in die Partie, was erklärt, dass er viel häufiger in Zeitnot kam als zu Glanzzeiten. Wie sein Vorbild Capablanca ist auch Karpow mit ei­ner phänomenalen strategischen In­tuition gesegnet, die im praktischen Spiel natürlich von unschätzbarem Wert ist. Es wurde einmal der sinn­reiche und nach Ansicht des Rezen­senten zutreffende Vergleich ange­strengt, dass Kasparow wie ein Chi­rurg in eine Stellung schaut, wäh­rend Karpow eine Position wie ein geborener Therapeut betrachte und sofort merkt, wenn die Harmonie gestört ist. Im Vorwort von Igor Saizew kommt Karpow selbst folgen­dermaßen zu Wort: "Ich mag die Koordination meiner Figuren. Auch in kritischen Momenten stehen sie am richtigen Platz. Ich spüre sehr gut, wenn in einer Stellung etwas nicht stimmt." Diese Gabe ließ Kar­pow manchmal auch dann zu letzt­lich richtigen Einschätzungen kom­men, wenn er sie nicht durch kon­krete Varianten belegen konnte. Sei­ne Einstellung etwa der Form ,Das ist eben so, weil ich es sage' in sol­chen Fällen machte ihn bei einigen Großmeisterkollegen nicht gerade beliebter. Wie es Karpow auch selbst im Vorwort zum vorliegenden Buch erwähnt (S. 11), hat er die Partien in der Regel unmittelbar nach dem je­weiligen Wettkampf analysiert und kommentiert. Dies trifft sicher vor allem auf Turnierpartien (nicht WM-Matches) zu. Der Rezensent nimmt an, dass Karpow persönlich auf­grund seiner Vielbeschäftigung häu­fig nicht viel Zeit zur nochmaligen Überarbeitung seiner ursprünglichen Anmerkungen aufgewendet hat, son­dern die Aufbereitung für den Infor­mator seinen Sekundanten sowie für BuchveröfFentlichungen seinem Co-Autor Jewgeni Gik nach Absprache auftrug. Der Umfang und die Art der Kommentierung fallen dennoch teil­weise sehr unterschiedlich aus. Während er beispielsweise die nur 31 Züge lange 3. Partie des abgebro­chenen Matches 1984/1985 gegen Kasparow auf immerhin 5 Seiten untersucht und dabei auch ausführ­lich Feinheiten der Eröffnung erläu­tert, geht er an anderer Stelle rasch über die Eröffnung hinweg und setzt beim Leser damit eine gewisse Variantenkenntnis und auch Spielstärke voraus. So benötigt er für seinen 29-zügigen Schwarzsieg über Michal Krasenkow in Wijk aan Zee 2003 nur exakt eine Seite, wobei die An­merkungen erst mit dem 13. Zug von Schwarz einsetzen. Dieses un­einheitliche Vorgehen ist vermutlich damit zu begründen, dass die An­merkungen aus verschiedenen be­reits erschienenen Publikationen zu­sammengetragen wurden. Sicherlich gab es auch eine Vorgabe vom Ver­lag, eine bestimmte Anzahl von Sei­ten nicht zu überschreiten, was er­klären würde, dass z.B. die Anmer­kungen zur erwähnten Krasenkow-Karpow-Partie gegenüber Karpows Kommentaren im New In Chess Magazine Nr. 2/2003, S. 33-34 sogar noch deutlich verkürzt wurden. Dass in den meisten Fällen alte Varianten entfernt und durch neue Eröffnungsideen ersetzt wurden, wie von Kar­pow in der Einführung erwähnt, stimmt nur in einigen Fällen. Bei der Mehrzahl der Partien wurden die früheren Anmerkungen einfach übernommen. Eine Ausnahme bildet aber zum Beispiel eine Anmerkung zum 17. Zug von Schwarz in der Partie Karpow - Hübner (Partie 19 im Buch), Tilburg 1982, auf S. 65. Dort weist Karpow auf die Partie Ponomarjow - Tukmakow, Donezk 1998, hin, in der der damals 15-jäh­rige Ponomarjow Karpows Idee in Vollendung anwandte. Vergleicht man mit dem Buch Meine besten Partien. 64 Siege aus 25-jähriger Schachkarriere, das Dagobert Kohl­meyer 1997 herausgegeben hat, so fällt auf, dass sehr viele Partien auch im vorliegenden Band mit fast iden­tischem Wortlaut - es wurden kleine Ungenauigkeiten ausgemerzt - und übereinstimmenden Varianten wie­der auftauchen.

Es soll aber hier kein einseitiger und falscher Eindruck entstehen, und man sollte mit Karpow auf keinen Fall zu hart ins Gericht gehen. Er ist eben kein so harter, tiefgründiger Arbeiter in der Analysestube wie Kasparow oder Gelfand, zumindest dann nicht, wenn es ihm nicht un­mittelbar etwas nützt. Er vertraut auf seine Intuition und sein Schachver­ständnis sowie seine herausragende Technik. Am Brett selbst arbeitet Karpow jedoch absolut intensiv und ist auch ein sehr guter Rechner. Des­halb ist es auch ein Hochgenuss, die präsentierten 100 Partien nachzuspielen. Von Karpows Anmerkungen kann man auf jeden Fall viel lernen, auch wenn sie einem manchmal et­was verkürzt erscheinen. Das Leben am Schachbrett ist nicht so einfach, wie es einem anhand von Karpows Partien gelegentlich vorkommt. Die scheinbare Leichtigkeit, mit der Karpow die optimale Aufstellung seiner Kräfte während der Partie er­reicht, ist in Wirklichkeit auf seine besondere Begabung zurückzufüh­ren, die im Prinzip nicht erlernbar ist. Dennoch kann man versuchen, Karpow nachzueifern.. Dazu eignet sich der vorliegende Band sehr gut, denn Karpow bringt einem die Fein­heiten des Positionsspiels und pro­phylaktischen Denkens in einigen Partien sehr gut nahe. Zudem wird nicht jeder Schachfreund Zeit und Lust haben, sich über mehrere Stun­den mit einer Partieanalyse ausei­nanderzusetzen und dabei viele Ne­benvarianten zu durchforsten. Schachfreunde, die gern und ohne zu großen zeitlichen Aufwand schö­ne Partien nachspielen wollen, wer­den sich deshalb sicher von Kar­pows Buch angesprochen fühlen.

Einige formale Ungereimtheiten sind aufgefallen:

Es gibt im Buch Druckfehler, die in ähnlicher Form mehrmals auftreten. In der Partie Karpow - Nikolic, Skelleftea 1989, folgen auf S. 165 das figurine Symbol für Springer so­wie der Buchstabe S direkt hinterei­nander, in der Partie Karpow - Ribli, Dubai 1986, wechseln sich in den Anmerkungen zum 11. Zug von Schwarz sowie zum 12. Zug von Weiß auf S. 106 figurine Symbole und Buchstaben für Figuren munter ab, der zwölfte Zug ist ebenfalls in der Buchstabenfonn Lb2 angegeben. Bei der Partie Krasenkow - Karpow, Wijk aan Zee 2003, geht es nach dem 17. schwarzen Zug plötzlich ohne Fettdruck bis zum 22. Zug von Schwarz weiter, so dass man zu­nächst glaubt, es handle sich um ei­ne Analyse-Variante.

Nach dem Partienteil zeichnet der Lektor Raymund Stolze - früher auch schon Lektor im Sportverlag und nach der Wende kurzzeitig Chefre­dakteur der Zeitschrift Schach - mit Anatoli Karpows Weg in den Scha­cholymp - ein Porträt Karpows Kar­riere nach. Er streift die einzelnen Stationen und spart auch nicht mit Kritik, so zur von Karpow veranlassten Entlassung des späteren Kasparow-Cheftrainers Alexander Nikitin aus dem Staatlichen Komitee für Körperkultur und Sport der UdSSR 1976 sowie zu Karpows Teilnahme an der FIDE-Knockout-WM 2001 im Moskauer Kreml, wobei er das geplante Botwinnik-Memorial mit Kasparow und Kramnik platzen ließ. Stolze führt auch innerhalb der 100 Partien mit kursiv gedruckten Zwi­schentexten durch die einzelnen Epochen.

Am Ende des Buches befindet sich ein Anhang. Dieser enthält eine Sta­tistik über Die wichtigsten Turnier­erfolge, die Kandidatenwettkämpfe und FIDE-Weltmeisterschaften so­wie Die Olympiastatistik. Daneben gibt es ein Personenverzeichnis, in dem alle im Buch genannten Namen mit den jeweiligen Seitenzahlen der Erwähnung aufgelistet sind. Darüber hinaus wurde ein mehr als fünfseitiges, alphabetisch geordnetes Par­tienverzeichnis angelegt, in dem alle 100 ausgewählten sowie auch alle zitierten Partien mit Seitenzahlen aufzufinden sind. Es folgt noch ein Verzeichnis der Hauptpartien, in dem man die Gegner in den 100 aus­gewählten Partien alphabetisch ge­ordnet mit Seitenzahlen suchen kann. Ein übersichtliches Eröff­nungsverzeichnis, mit ECO-Codes und ebenfalls mit Seitenangabe, run­det den Anhang ab - großes Lob!

Die Übersetzung aus dem Russi­schen ins Deutsche wurde durch den bekannten Schachjournalisten und -fotografen Dagobert Kohlmeyer (Schachagentur Berlin) besorgt, der Karpow schon seit vielen Jahren kennt und mit ihm u.a. auch als He­rausgeber für das bereits erwähnte Buch Meine besten Partien. 64 Sie­ge aus 25-jähriger Schachkarriere (Bock & Kübler 1997) zusammen­gearbeitet hat. Damals fungierte al­lerdings Dr. Klaus Kapr als Überset­zer. Da viele Partien aus dem dama­ligen Band auch in das vorliegende Buch aufgenommen und nur zum Teil ergänzt sowie korrigiert wur­den, war der Aufwand sicher über­schaubar. Die deutsche Schreibweise russischer Namen und Orte in der Neuerscheinung ist jedenfalls immer absolut korrekt - ein großes Plus.

Fazit

Dieses Buch bietet eine wirklich schöne, wenn auch nicht immer aus­gewogene Zusammenstellung von Karpows besten Gewinnpartien. Es ermöglicht einen angenehmen Rück­blick auf die vielleicht spannendste Epoche der Schachgeschichte - die K&K-Ära. Die Analysen und vor al­lem auch die Textkommentare Kar­pows sind lehrreich, manchmal hätte man sich die Varianten aber etwas ausführlicher gewünscht. Das Buch ist vor allem für Schachfreunde, die noch keine nach 1996 erschienene Partiesammlung von Karpow besit­zen, interessant. Karpow-Fans wer­den sicher ohnehin zugreifen. Der Preis von 19,95 € ist jedenfalls abso­lut vorbildlich. Da nimmt man gern in Kauf, dass die Ausstattung keinen Festeinband und Schutzumschlag bietet. Der Rezensent kann für Schachfreunde aller Spielklassen ei­ne Empfehlung aussprechen.

Dr. Sören Bär, Rochade Europa 12/2006

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"Ich will immer erster sein", sagte Anatoli Karpow einmal. Und dieses Ziel hat der 12. Weltmeister in seiner beeindruckenden Karriere auch lange Zeit erreicht. Von 1975-1985 und danach zwischen 1993-1999 war er der Champion des Weltschachverbandes. Mit über 160 Turniererfolgen hält er mit Abstand weit vor Kasparow den Rekord. Die Wettkämpfe gegen seinen Dauer-Kontrahenten aus Baku in den Achtzigern waren an Spannung kaum zu überbieten und sein Sieg in Linares 1994 mit 11/13 ist bis heute das beste Turnierergebnis der Geschichte. Aus all diesen und noch viel mehr Gründen sollte die nun bei Olms erschienene Partiensammlung jeden Schachfan interessieren.

Die Partien dokumentieren die Karriere Karpows von den Anfängen 1969 bis zu seinen letzten ernsten Turnierpartien. Allesamt erhielten Schön­heitspreise oder sind vom Informator ausge­zeichnet worden. Kleine Textpassagen zwischen den Partien zeichnen den Aufstieg Karpows nach, erläutern die Bedeutung einer Partie, oder schildern, welche Beziehung Karpow zu seinem Gegner hatte. Gelegentlich werden auch Anekdoten erzählt, wie die aus Hastings, als sich Karpow wunderte, warum niemand gegen ihn die Scheveninger-Variante spielte. Auf Nachfrage erfuhr er, dass einer seiner kurz zurückliegenden Siege so beeindruckend war, dass seine Kontra­henten kein Mittel gegen seine Spielbehandlung fanden.

Ergänzt wird das schön gestaltete Buch durch eine Kurzbiographie von Raymund Stolze und einen Anhang bestehend aus Statistiken, Personen-, Partien-, und Eröffnungsverzeich­nissen, die ein jedes gut gemachtes Buch ent­halten sollte.

Karpow hat sich seit einiger Zeit vom profes­sionellen Turniergeschehen zurückgezogen und spielt nur noch gut bezahlte Schaukämpfe. Wenn sozusagen "nach" einer Karriere eine Partiensammlung erscheint, könnte man ver­muten, dass ein erfolgreicher Spieler sein Ver­mächtnis durch einen frischen Analyseblick neu aufbereitet. Allerdings bestand bei Karpow von vornherein der Verdacht, dass diese Sammlung nur wenig neue Analysen enthalten wird. Mit dem Computer stand Karpow schon immer auf Kriegsfuß.

Eine Überprüfung zeigt schnell, dass es sich bei dem vorliegenden Partienmaterial zum größten Teil um fast unveränderte ältere Analysen handelt. Fast alle Partien stammen aus früheren Publikationen, etwa aus Wie spiele ich halb­offene Eröffnungen? oder Wie ich kämpfe und siege aus den Achtziger Jahren. In letzt­genanntem Werk fehlen übrigens alle Partien gegen Kortschnoi nach 1973, d.h. ihre drei Matches, die sicher die bis dahin wichtigsten Ereignisse in Karpows Karriere waren, bleiben unberücksichtigt. Kortschnoi wurde offenbar das Opfer der russischen Zensur. Nachdem er ins Exil gegangen war, erklärte ihn die Sowjet­union zur Persona non grata. Diese Leerstelle ist in dem vorliegenden Meine Besten Partien behoben.

An der Art der Kommentierung erkennt man auch die Art zu denken. Besonders spannend ist es, den Analysestil Karpows mit dem seines großen Kontrahenten Kasparow zu vergleichen. Dessen kürzlich erschienener letzter Band von My Great Predecessors beschäftigt sich mit seinem Vorgänger. Hält man die Analysen nebeneinander, enthüllt sich die unterschied­liche Spielauffassung beider. Während Karpow eher lakonisch kommentiert, nur einige Schlüssel­momente heraushebt und den Sachverhalt sprachlich untermauert, versucht Kasparow mit ganz konkreten, z.T. seitenlangen Analysen die Wahrheit aufzuspüren. Welche von beiden Methoden besser ist, bleibt wohl dem Geschmack des Lesers überlassen. Es ist der alte Streit zwischen dem Grundlegenden und dem Konkreten, der sich nicht auflösen lässt. Bedauerlicherweise verdeutlicht der Vergleich mit Kasparow aber eben auch, dass Karpows Analysen viel älter und neuere Erkenntnisse nicht eingeflossen sind. Die letzte Wettkampf­partie gegen Kortschnoi in Baguio analysiert Karpow auf zweieinhalb Seiten, Kasparow auf fünf. In der Eröffnung verweist Kasparow auf eine wichtige Partie von 1984, die die Stellungs­bewertung ändert. Über diese theoretische "Neuerung", die nun über 20 Jahre zurückliegt, erfährt man bei Karpow nichts. Kasparow bezieht auch die Geschichte der Eröffnungs­diskussion mit ein und kann Karpows Ein­schätzungen einige Male widerlegen. Auch die Bewertungszeichen unterscheiden sich zuweilen deutlich voneinander, wodurch sich auch die Momente der "kritischen Stellungen" ver­schieben. So sieht Karpow in der Kortschnoi-Partie schon in 11...Sh5, Kasparow erst in 12...Sf6 den entscheidenden Fehler. Auch in der Folge zeigt Kasparow in dieser letzten Partie des nervenaufreibenden WM-Matches von 1978 erstaunliche Verteidigungsressourcen auf, die Karpow nicht einmal andeutet. Trotz dieses Mankos sind die Partien und die Kommentierungen Karpows ein Genuss, auch wenn ihnen ein Lifting gut getan hätte. Der Käufer dieses Buches muss sich bewusst sein, dass es sich um veraltete, vom Computer ungeprüfte Analysen handelt, die unverändert und weitgehend ungeprüft in diese Anthologie aufgenommen wurden und die anderswo tiefer zu finden sind.

Harry Schaack, KARL 3/2006

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Anatoli Karpow war nicht nur viele Jahre lang Inhaber des Weltmeisterti­tels, er gewann außerdem auch mehr als 160 bedeutende Schachturniere. Für das vorliegende Buch hat er seine 100 besten Partien ausgewählt und sehr ausführlich kommentiert.

Unter den Gegnern finden wir natürlich die berühmtesten Meister, die wir gar nicht alle aufzählen können, eine kleine Auswahl versu­chen wir trotzdem: Adams, Anand, Hort, Hübner, Iwantschuk, Jussupow, Kamsky, Kasparow, Kortschnoi, Leko, Polgar, Polugajewski, Schirow, Spasski, Swidler, Timman und Topalow. Über die besondere Qualität des Buches ist damit eigentlich alles ge­sagt.

Der Verlag Edition Olms hat dafür gesorgt, dass der hervorragende Inhalt auch in einem ansprechenden Äußeren präsentiert wird. Jede Partie ist mit sehr vielen Diagrammen verse­hen. Das unterhaltsame und lehrreiche Buch ist für fortgeschrittene Schach­freunde geeignet.

Schach Markt 4/2006

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