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Art.-Nr.: LXZELVMG

Vergessene Meister (gebunden)

228 Seiten, gebunden, Kania, 1. Auflage 2018.

24,80 €
inkl. 7% MwSt., zzgl. Versandkosten

Unvergessene Schachpartien hieß ein populäres Schachbuch von Theo Schuster, der dem Publikum das Schaffen von Lasker, Tarrasch, Capablanca, Aljechin und anderen nahebrachte. Als Reminiszenz hierzu beleuchtet Vergessene Meister das Schaffen von fünf weniger bekannten, teils jedoch sehr starken Meistern aus dieser Epoche.

Allen voran der sagenumwobene Inder Sultan Khan, aber auch der nach dem Krieg in Argentinien verbliebene Österreicher Erich Eliskases verkörpern indes für die damalige Zeit absolute Weltklasse.

Für den biographischen Teil zeichnet Tim Hagemann verantwortlich. Der Kierkegaard-Spezialist und starke Amateurspieler (Elo 2187) verfaßte bereits Bücher über Frank Marshall und über das WM-Duell Schlechter - Lasker und schenkte der Schachwelt das verschollene Manuskript von Eliskases' Lehrwerk Stellungsspiel .

IM Frank Zeller ist dem Schachpublikum durch seine Bundesligaeinsätze und durch seine zahlreichen Artikel in der Europa-Rochade oder der Zeitschrift Schach bekannt. Literarisch trat er nicht zuletzt mit Sizilianisch im Geiste des Igels hervor. Als Romantiker am Schachbrett hat er sich viel mit den Ideen alter Meister befaßt. In diesem Buch zeigt er auf verblüffende Weise, wie modern das Spiel von Sultan Khan in vielerlei Aspekten war. Eliskases wird als vielseitiger Pragmatiker porträtiert, im Katalanisch-Pionier Petrow sieht er einen Vorgänger von Kramnik. Auch Rotlewi und Leonhardt waren Großmeister von faszinierender Eigenart.

Details
Sprache Deutsch
Autor Hagemann, Tim
Zeller, Frank
Verlag Kania
Auflage 1.
Medium Buch
Gewicht 480 g
Breite 14,8 cm
Höhe 21 cm
Seiten 228
ISBN-13 978-3-931192-40-2
Erscheinungsjahr 2018
Einband gebunden
Inhalte

004 Zeichenerklärung

005 Vorwort

007 Paul Saladin Leonhardt - die zeitraubende Suche nach Schönheit

019 Leonhardts konzeptionelle Eröffnungsbehandlung

041 Gercz Rotlewi - der kurze Weg von Lodz in die weite Welt und zurück

048 Rotlewi - der begnadete Taktiker und Experte für isolierte, Doppel- und Tripelbauern

081 Mir Malik Sultan Khan - das Experiment der Ebenbürtigkeit

096 Die indische Eröffnungsrevolution und das Erlebnis der Endspielmagie

135 Wladimir Petrow und die lettische Schule - drei Meister aus Riga

146 Der Kramnik von Kemeri

175 Mein Schachfreund Erich Eliskases - der Altersblick auf ein Jugendwerk

189 Sternstunden der Schachtechnik - ein universeller Positionsspieler

220 Ausklang

221 Literaturverzeichnis

225 Eröffnungsverzeichnis

226 Spielerverzeichnis

Ich freue mich immer, wenn ich Bücher für das Erarbeiten einer Rezension erhalte, die sich von den meisten Werken abheben. Dies ist bei "Vergessene Meister" der Fall, einem Gemeinschaftswerk von Tim Hagemann und Frank Zeller. Das Buch ist 2018 beim Schachverlag Kania erschienen. Schon der Titel fällt auf, denn während normalerweise Unvergessenes in Büchern behandelt wird, haben die Autoren sich hier mit großen Schachspielern der Vergangenheit befasst, deren Namen heute zumeist nur noch den nicht mehr ganz so jungen Anhängern des königlichen Spiels wie mir etwas sagen dürften. Man kennt sie aus älteren Publikationen, in neueren kommen sie mehr oder weniger nicht mehr vor. Paul Saladin Leonhardt, Gercz Rotlewi, Mir Malik Sultan Khan, Wladimir Petrow und Erich Eliskases haben zu ihrer Zeit tiefe Fußspuren auf ihren Wegen durch die Schachwelt hinterlassen, die im Laufe der Jahrzehnte mehr und mehr verweht sind.

Es wäre schade gewesen, wenn das Bild und die Geschichte dieser Spieler vergessen worden wären. Es ist das Verdienst von Tim Hagemann und Frank Zeller, dass dieser Entwicklung zumindest einiges entgegengehalten wird. So bleiben uns Informationen, Anekdoten, Aphorismen und einige sehr unterhaltsame Partien erhalten. "Vergessene Meister" hält die fünf großen Spieler der Vergangenheit unvergessen.

Die Autoren haben sich nach den Angaben des Buches die Arbeit geteilt. Tim Hagemann, ein starker Amateurspieler (u.a. in der 2. Bundesliga aktiv) und erfahrener Buchautor, war für den biographischen Teil des Buches verantwortlich, Frank Zeller demnach für die Partien. Zeller ist aus der Bundesliga bekannt, besonders aber als Buchautor und Verfasser zahlreicher Artikel in Schachpublikationen.

Für jeden der genannten Meister haben die Autoren einen eigenen geschlossenen Abschnitt im Buch geschaffen. Dieser beginnt jeweils mit einer Biographie und wird vervollständigt durch mehrere kommentierte Partien bzw. Fragmente.

Es muss eine wahre Fleißarbeit gewesen sein, die Informationen zusammenzutragen, die Eingang in die biographischen Ausführungen gefunden haben. Mehrseitig erfährt der Leser Dinge zum Leben und aus dem Leben des besprochenen Meisters, Turniererfolge und Niederlagen, Verlauf der Karriere mit Aufstieg und Niedergang wie auch Dinge, die zum gesellschaftlichen Verhalten oder zur politischen Anschauung gezählt werden können. Garniert wird dies alles mit oben schon kurz erwähnten Anekdoten, Aphorismen etc. Die Texte sind sehr interessant und angenehm zu lesen. Sie ziehen zumindest teilweise ihren Facettenreichtum aus den Persönlichkeiten der vor dem Vergessen bewahrten Meister. Es lässt sich bestimmt leicht vorstellen, dass beispielsweise die Biographie über Sultan Khan mit etlichen interessanten Stationen gespickt ist.

Das Literaturverzeichnis ist ellenlang und enthält neben bekannten und verbreiteten Werken auch etliche Quellen, die als eher außergewöhnlich bezeichnet werden können.

Die Partien sind unterhaltsam kommentiert, in einem Mix aus Zügen und Anmerkungen. Diese beschränken sich nicht allein auf das Brettgeschehen, sondern stellen auch zusätzliche Bezüge her, zum Beispiel zur Theorie, zu anderen Spielern, auch aus der Gegenwart, oder zu Partien und Turnieren aus anderen Zeiten.

Für mich ist dieses Buch "absolut rund". Dies gilt auch für das äußere Erscheinungsbild und das handwerkliche. Der Käufer erhält 227 sauber gedruckte Hochglanzseiten, gebunden und mit einem festen Einband versehen.

Eine Kleinigkeit auf den ersten Seiten habe ich mit einem Schmunzeln zur Kenntnis genommen. Der Verlag gibt an, dass er seine Werke auch weiterhin "in der normalen Rechtschreibung" herausgibt. Damit ist die Verwendung der Rechtschreibung in der Form vor der sog. Rechtschreibreform gemeint. Den jüngeren Lesern tut er damit keinen Gefallen, denn es ist ganz sicher nicht ihre Rechtschreibung. Asterix und seine Gallier setzen sich seit Jahrzehnten mit Erfolg gegen die Römer zur Wehr. Ich bezweifele, dass der Verlag die reformierte Rechtschreibung daran hindern kann, "normale" Rechtschreibung zu sein. Bei allem Respekt vor der klaren Haltung gegen die reformierte Rechtschreibung dürfte irgendwann Zeit für eine Akzeptanz der ungeliebten Veränderung sein.

Fazit: "Vergessene Meister" ist ein in meinen Augen wertvolles Buch, weil es Schachhistorie zu bewahren hilft. Wer sich für Bücher interessiert, die biographische Texte mit nett kommentierten Partien verbinden, wird mit diesem Werk sehr zufrieden sein.

Uwe Bekemann

Deutscher Fernschachbund

Juni 2019


Angeregt durch Theo Schusters Unvergessene Schachpartien aus den Siebzigern haben sich Frank Zeller und Tim Hagemann auf die Fahnen geschrieben, Schachporträts mit einem Schach lehrbuch zu verbinden. Vergessene Meister widmet sich aber nicht, wie ehemals Schuster, den berühmten Persönlichkeiten des Schachs, sondern fünf Spielern, die heute fast schon aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden sind, zu ihrer Zeit aber in vorderster Reihe kämpften. Es sind Biographien, die allesamt aus unterschiedlichsten Gründen abgerissen sind. Die Protagonisten erscheinen auf der großen Bühne des Weltschachs und verschwinden meist ganz plötzlich wieder.

Der unbekannteste unter ihnen ist vielleicht Paul Saladin Leonhardt (1877-1934), der sein Studium in Leipzig zugunsten einer Schachlaufbahn aufgibt, erst nach England, dann nach Stockholm übersiedelt, wo er Schachlehrer und -autor wird. Er gewinnt 1907 in Kopenhagen und wird 1908 im großen Turnier zu Karlsbad Dritter. Doch schon 1910 setzt der sukzessive sportliche Abstieg ein. Wegen schlechter Resultate widmet er sich ab 1912 fast ausschließlich der Schachjournalistik und wird durch seine Radiosendungen der Schachlehrer Ostpreußens. Leonhardts Hauptproblem war die Zeitnot. Sein Schachverständnis zeigte sich am deutlichsten in der Analyse, weshalb er sich den Ruf eines bedeutenden Theoretikers erwarb.

Gercz Rotlewi (1889-1920) ist vor allem als Gegner von Rubinsteins "Unsterblichen“ bekannt. Er war aber einer der talentiertesten seiner Generation. Der Karrierehöhepunkt wird Karlsbad 1911, wo er lange um den Turniersieg mitkämpft und am Ende Vierter wird. Viele glauben, es gehe ein neuer Stern am Schachhimmel auf, doch es ist bereits ein Abschied. Rotlewi spielte nie wieder Turniere. Wenig später bekommt er einen Nervenzusammenbruch und verschwindet aus der Schachszene. Rotlewi war ein starker Taktiker, ein Verteidigungskünstler und er nahm in seiner Behandlung iso lierter Doppelbauern schon Botwinnik vorweg.

Sultan Khan (1905-1966) wird von einem reichen Provinzfürsten entdeckt, lernt erst mit 21 Jahren die europäischen Schachregeln. Als Diener kommt er 1929 mit seinem Herrn nach England und gewinnt auf Anhieb mit großem Vorsprung die britische Meisterschaft, ein Erfolg, den er noch zweimal wiederholt. Dreimal spielt er die Olympiade für Großbritannien, 1930 kann er in Hastings Capablanca besiegen, 1931 schlägt er Tartakower in einem Match. Khan begleitet seinen Herren 1933 zurück nach Indien, bekommt von seinem Patron ein Gut geschenkt und hängt das Schach an den Nagel. An Khans Spiel merkte man immer noch den Einfluss des indischen Schachs. Er improvisierte in der Eröffnung und war ein Endspielkünstler.

Wladimir Petrow (1907-1943) steht erst 1937 im Fokus der Öffentlichkeit, als er in Kemeri mit Reshevsky und Flohr den Turniersieg teilt, was ihm später den Beinamen "Kramnik vom Kemeri“ einbringen wird. Sein Spiel ist in den kommenden Jahren mit Schwankungen behaftet, er wird aber 1938 in Margate Dritter und besiegt Aljechin. Als der Krieg ausbricht, bleibt er nicht in Argentinien, sondern kehrt zu seiner Frau nach Lettland zurück, wird zwischen den Fronten zerrieben und wegen einer unbedachten Äußerung zu zehn Jahren Gulag verurteilt, wo er an Lungenentzündung stirbt.

Erich Eliskases (1913-1997) spielt schon mit 17 für Österreich bei der Olympiade und wird Führungsspieler seines Landes. Nach mehreren Turniererfolgen übernimmt er die Redaktion der Wiener Schachzeitung , wird später Sekundant von Aljechin, wovon er schachlich sehr profitiert. Nach dem Anschluss Österreichs ist seine politische Haltung nicht eindeutig, aber schachlich gelingt ihm mit seinem Sieg in Noordwijk 1938 sein größter Erfolg. Danach gibt es sogar Pläne für eine WM gegen Aljechin. Aber nach der Olympiade in Buenos Aires bleibt Eliskases wegen des Weltkriegs in Argentinien. Seine Karriere wird ausgebremst, er ist zwar auch später noch ein starker Spieler, aber keine Weltklasse mehr. 1960 gelingt ihm noch ein großer Sieg gegen den jungen Fischer. Eliskases hatte eine sehr gute Technik, virtuose Endspielbehandlung, war meisterlich in der Verteidigung - ein universeller Spieler von Weltformat. Autor Hagemann hatte kurz vor Eliskases Tod noch Kontakt zu ihm und veröffentlichte nach einer längeren Korrespondenz dessen Manuskript Stellungsspiel .

Vergessene Meister zeigt nicht nur das kurze Aufflammen genialer Schachspieler, sondern auch bewegende Lebensläufe. Ein sehr gelungenes Konzept!

Harry Schaack, KARL 2/2018

Vergessene Meister (gebunden)

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