Tel: (02501) 9288 320

Wir beraten Sie gern!

Wir sind für Sie da

Montag bis Samstag geöffnet

Versandkostenfrei

Innerhalb Deutschlands ab 50 €

Warenkorb
Warenkorb
Ihr Warenkorb ist leer.

Sie haben keine Artikel im Warenkorb.

Zwischensumme
0,00 €

Willkommen in unserem neu gestalteten Online-Shop! Haben Sie Anmerkungen, Fragen oder technische Schwierigkeiten? Schreiben Sie uns gern an info@schachversand.de.

Zur bisherigen Oberfläche geht es hier entlang.

Art.-Nr.: LXEDMWBFDKKG
Vergriffen

Wie Bobby Fischer den Kalten Krieg gewann

432 Seiten, gebunden - mit Schutzumschlag, DVA, 1. Auflage 2005.

22,90 €
inkl. 7% MwSt., zzgl. Versandkosten

Dieser Artikel ist sowohl bei uns als auch beim Verlag bzw. Hersteller ausverkauft. Wir können ihn daher auch nicht mehr bestellen.

Reykjavik, 11. Juli 1972. Am Schachbrett sitzt der amerikanische Schachgroßmeister Bobby Fischer dem amtierenden russischen Weltmeister Boris Spasski gegenüber. Noch bevor die Partie beginnen kann, macht der exzentrische Fischer seinem Ruf alle Ehre: Erst nach einem Anruf Henry Kissingers und einer Verdoppelung des Preisgelds durch einen englischen Millionär nimmt er das Spiel auf- und gewinnt.

Die schachfanatischen Sowjets sind geschockt über den Ausgang des Spiels, die Amerikaner jubeln. Und die Berater Spasskis rätseln. Sind vielleicht unerklärliche äußere Einflüsse für das Debakel verantwortlich? Ist Hypnose im Spiel? Haben die Amerikaner Störsender eingesetzt oder Spasskis Orangensaft mit Drogen versetzt?

Auf der Höhe des Kalten Krieges war Reykjavik zu einem seiner Schauplätze geworden, und die Medien stilisierten das Duell am Schach­brett zum ideologischen Kampf der Systeme: Amerika gegen Russland. - Der Meister der freien Welt fordert den Vertreter der Sowjet­diktatur heraus.

Unter Auswertung bislang unzugänglicher sowjetischer und amerikanischer Akten wird hier die Geschichte des wohl spektakulärsten Schachwettkarnpfs des 20. Jahrhunderts neu erzählt.

-----------------------------------------------------------

»Es geht im Grunde um die freie Welt gegen die verlogenen, betrügerischen, heuchlerischen Russen ... Diese kleine Sache zwischen mir und Spasski, die ist ein Mikrokosmos der gesamten weltpolitischen Lage. Es wird ja oft vorgeschlagen, daß die führenden Politiker das unter sich ausfechten sollen. Und so etwas Ähnliches tun wir - nicht mit Bomben, aber wir fechten es am Schachbrett aus.«

Bobby Fischer in einem BBC-Interview, 7972

»Das berühmteste Schachspiel aller Zeiten, so spannend erzählt wie ein Thriller.«

irish times

»Ein hervorragendes Buch, und Sie müssen nicht einmal Schach spielen, um es zu lieben.«

sunday telegraph

Katalogtext der englischen Ausgabe!

''It is really the free world against the lying, cheating, hypocritical Russians . . . this little thing between me and Spassky. It's a microcosm of the whole world political situation. They always suggest that the world leaders should fight it out hand to hand. And this is the kind of thing that we are doing -not with bombs, but battling it out over the board.' Bobby Fischer, BBC interview, 1972

A thrilling account of the legendary 1972 clash between Soviet champion Boris Spassky and American challenger Bobby Fischer, an epic Cold War confrontation and the most famous of all chess matches.

Since 1948, the USSR had dominated the World Chess Championships - evidence, Moscow claimed, of the superiority of the Soviet system. But then came Bobby Fischer.

A dysfunctional genius, Fischer was uniquely equipped to take on the Soviets. His every waking hour was devoted to the game. He had steamrollered all opposition to reach the championship. When he became increasingly volatile, Henry Kissinger phoned him, urging Fischer to fight for his country.

Against him was Spassky: complex, sensitive, the most un-Soviet of champions. As the authors reveal, when Spassky began to lose, the KGB decided to step in.

Drawing upon unpublished Soviet and US records, this is a fascinating story of history, politics and chess. And at its core it is a human tragedy, a story of brilliance and triumph, hubris and despair.

Details
Sprache Deutsch
Autor Edmonds, David
Eidinow, John
Verlag DVA
Auflage 1.
Medium Buch
Gewicht 620 g
Breite 14 cm
Höhe 20 cm
Seiten 432
ISBN-10 3421056544
Erscheinungsjahr 2005
Einband gebunden - mit Schutzumschlag
Inhalte

009 Dramatis Personae

014 Schachweltmeister bis 1969

015 1 Das Match des Jahrhunderts

018 2 Ein Junge aus Brooklyn

038 3 Mimofant

055 4 Kind der Zerstörung

076 5 Der Russe aus Leningrad

101 6 Schach-Leben

115 7 Bulldozer nach Reykjavik

136 8 Ärger im Paradies

164 9 Großer Wettkampf, kleines Eiland

174 10 Bobby verzweifelt gesucht

204 11 Und wem tut's jetzt leid?

216 12 Zorn regiert

235 13 Blut im Hinterzimmer

246 14 Auge in Auge

252 15 Eine Haß-Liebe

259 16 Am Boden zerstört

277 17 Mittelspiel

295 18 Schachfieber

305 19 Bis zum bitteren Ende

325 20 Schachfremde Mittel und versteckte Hände

351 21 Gegner und Partner

365 22 »Schwer ruht das Haupt, das eine Krone drückt«

407 Danksagung

412 Anhang

425 Glossar

427 Auswahlbibliographie

432 Bildnachweis

"The most famous chess match of all time is reconstructed in a style as compelling as that of a thriller"

Irish Times

--------------------------

Vor fast genau 32 Jahren spielten Fischer und Spasski in Reykjavik um den WM-Titel und noch immer erregt dieses Duell die Gemüter. In Bobby Fischer Goes to War lassen David Edmonds und John Eidinows diesen Wettkampf, der zum politischen Duell zweier Systeme wurde, noch einmal Revue passieren. Allerdings liefern die beiden britischen Journalisten Fischer-Fans wenig Neues - mit einer Ausnahme: der Biographie von Regina Fischer im Appendix. Sie beruht auf Akten des FBI, das Fischers Mutter unter dem Verdacht der Spionage überwachen ließ. Überzeugend argumentieren Edmonds und Eidinow hier, dass nicht Reginas Mann, der deutsche Physiker Gerhardt Fischer, Bobbys Vater war, sondern Dr. Paul Felix Nemenyi, ein ungarischer Jude, den Regina Fischer ein Jahr vor Geburt ihres Sohnes in Colorado kennengelernt hatte. Zu nonchalant gerät Edmonds und Eidinow jedoch die Darstellung der schwierigen Beziehung Spasskis zum Sowjetstaat. Spasski erscheint als frivoler, arbeitsunwilliger und mit dem Dissidententum kokettierender Weltmeister, der den bevorstehenden Kampf nicht Ernst genug nimmt und deshalb verliert. Aber dennoch: Bobby Fischer Goes to War ist ein spannend geschriebenes Buch, das einmal mehr zeigt, welche Faszination von dem Wettkampf zwischen Spasski und Fischer ausging und immer noch ausgeht.

Zeitschrift Karl 02/2004

-----------------------------------

Gudmundur Thorarinsson, Vorsitzender der Isländischen Schachföderation bemerkte einmal: "Die Leute sagen, dass dies das Schach-Match des Jahrhunderts war. Das stimmt nicht. Es war das größte Schach-Match aller Zeiten." (Zitat S. 272, übersetzt vom Rezensenten). Er meinte den legendären Weltmeisterschaftskampf zwischen Boris Spassky und Bobby Fischer in Reykjavik, welchen der amerikanische Herausforderer mit 12,5:8,5 Punkten für sich entscheiden konnte. Angeblich sind über dieses Match die meisten Bücher im Vergleich zu anderen WM-Zweikämpfen erschienen, vermutlich auch wegen seiner hochstilisierten Bedeutung als Kampf der Systeme im Kalten Krieg zwischen den USA und der UdSSR.

Im gemessenen Abstand von 32 Jahren erscheint nun ein weiteres Werk von zwei BBC-Journalisten, David Edmonds und John Eidinow, welches "die wahre Geschichte des außergewöhnlichsten Schach-Matches aller Zeiten" ankündigt.

Und w irklich: die beiden Autoren haben einige Jahre intensiv recherchiert, sogar beim KGB und beim FBI, um die Hintergründe des denkwürdigen Geschehens auszuleuchten. Auf wirklich Neues sind sie dabei kaum gestoßen, mit einer Ausnahme: Aus dem umfangreichen Dossier des FBI über Fischers Mutter Regina (die lange Zeit als sowjetische Spionin verdächtigt wurde) geht hervor, dass Bobbys Vater nicht der deutschstämmige Gerhardt Fischer gewesen ist, sondern der ungarische Jude Dr. Paul Felix Nemenyi ( Anhang S. 279-286). Gleichwohl liest sich der Dokumenten-Roman recht spannend: Beginnend mit einer detailreichen Beschreibung des Werdeganges der beiden Koryphäen (Kapitel 1-6), schildern die Verfasser zunächst Fischers Siegeszug durchs Interzonenturnier in Palma de Mallorca und durch die Kandidatenkämpfe mit den beiden phänomenalen 6:0-Siegen gegen Taimanow und Larsen und dem 6,5:2,5 gegen Petrosjan (Kapitel 7).

Sodann widmen sie sich der Vorbereitung beider Kombattanten auf das Match, wobei es auf Seiten des Champions nicht immer harmonisch zuging (Kapitel 8).

Die unmittelbare Vorgeschichte des Zweikampfes mit Fischers ursprünglicher Weigerung zu spielen - wegen des zu geringen Preisgeldes - und die Intervention des Multimillionärs Jim Slater, welcher 125.000 Dollar zusätzlich stiftete, werden in den Kapitel 9 bis 11 geschildert.

Die Kapitel 12 bis 21 befassen sich mit den Vorgängen in Reykjavik rund um das Match und natürlich mit diesem selbst (wenn auch ohne die Partien anzuführen).

Spassky gab sich zunächst sehr zuversichtlich und sah sich durch den Gewinn der ersten Partie (mit dem Fischer-Fehler ... L:h2 - Diagramm auf S. 146) bestätigt. Nach dem kampflosen Sieg in der zweiten Runde war sein Vorsprung sogar gewachsen, aber die Niederlage im dritten Umgang (in der berühmten Partie im Hinterzimmer) muss wie ein Schock für den Titelverteidiger gekommen sein. In den nächsten sieben Partien verlor er viermal und konnte bis zum bitteren Ende nur noch einen einzigen weiteren Sieg verbuchen.

Genau so spannend selbst stellten sich die Begleitumstände dar: Der Psychoterror Fischers mit ständig neuen Protesten und Forderungen (welche nahezu alle von den Offiziellen erfüllt wurden, da die oberste Priorität lautete: das Match muss gerettet werden!), die Verdächtigungen der Sowjets, Fischer bediene sich unerlaubter Hilfsmittel, der Stimmungsumschwung Spasskys, der zusehends mutloser wurde (kein Wunder bei dem Matchverlauf!) all das - und noch eine Menge Details mehr - liest sich wie eine Mischung aus Krimi, Drama, Komödie und Farce - und genau das war es wohl auch.

Das abschließende Kapitel 22 befasst sich mit dem weiteren Verlauf nach Ende des Matches: Spassky wurde von den Moskowiter Schach-Oberen mit ein paar Sanktionen belegt, Fischer verschwand nach anfänglichem kurzen Ballyhoo in den USA gänzlich von der Bildfläche - tragischerweise hatte er sein erklärtes Lebensziel bereits im Alter von nur 29 Jahren erreicht, und es gab für ihn nichts weiter mehr zu tun.

Das höchst lesenswerte Buch - Englisch muss der geneigte Leser allerdings beherrschen - lässt die schachhistorischen Ereignisse rund um das 1972er-Match nochmals plastisch und facettenreich wiederaufleben, auch mit Hilfe von 38 zeitgenössischen Fotografien.

In einem kleinen Absatz (S. 267 f.) erwähnen die Autoren das zweite Match der beiden Weltmeister 1992 in Sveti Stefan und Belgrad. Auch hier siegte Fischer (diesmal allerdings ohne exzentrisches Gebaren) wiederum mit der Marge "+5", was abseits aller Nebenumstände den einfachen Schluss zulässt: er war sowohl 1972 als auch 1992 der bessere Schachspieler von beiden.

PS: Eine ausführlichere Beschreibung des Buchinhaltes - zum Teil mit zusätzlichen Informationen versehen - findet sich in dem Artikel "Bobby Fischer zieht in den Krieg" (so würde der Buchtitel lauten, wenn er denn ins Deutsche übersetzt würde) von Peter Münder in RE 7/04 auf S. 77 ff.

Dr. W. Schweizer - Rochade 8/2004

-------------------------------------------- Es gibt Schachthemen, die sind unaus­rottbar. Schachfreunde und selbst nur mit den Regelgrundzügen vertraute Schachlaien lechzen danach. Neben dem bekannten "Schach-Frührentner" Garry Kasparow gilt das öffentliche Interesse -quer durch die Bevölkerung - immer noch der zweiten großen Lichtgestalt der Schach­geschichte: Bobby Fischer. Doch leider fin­den sich seine aktuellen Taten nicht mehr im Sportteil der Gazetten, sondern überwie­gend unter "Buntes aus aller Welt" oder höchstens - falls jemand gewillt ist, die po­litischen Hetztiraden des Amerikaners zu kommentieren - auf der Politikseite. Der elfte Schachweltmeister ist und bleibt im Scheinwerferlicht - und sei es nur, weil er nun in Island sein Domizil aufgeschlagen hat. Unabhängig davon, dass ihm seit Mitte 2004 - durch die Inhaftierung in Japan -vermehrt Journalisten verschiedener Cou­leur auf den Fersen sind, beschäftigen sich vier neue Bücher aus unterschiedlichen Blickwinkeln mit dem Phänomen Fischer: Seine Züge, seine Zeitgeschichte und sein Zugvogeldasein eignen sich weiterhin für neue Resümees.

Wer sich neben den Partien näher mit den Lebensumständen des exzentrischen Ame­rikaners befassen möchte, kann zu zwei ebenfalls Ende 2004 erschienenen Büchern greifen. Allerdings sind die Macharten mit gegensätzlichen journalistischen Ansprü­chen verbunden; drei der vier Autoren sind keine Experten in Sachen Schach.

Das Jahrhundertmatch rücken die BBC-Journalisten David Edmonds und John Eidinow ins Zentrum ihrer fast schon krimi­nalistisch anmutenden Aufarbeitung. Ähnlich wie beim Musical "Chess" muss man sich zu Beginn mit den - hier allerdings realen -Personallisten des amerikanischen und sow­jetischen Lagers vertraut machen. Danach entspinnt sich ein Politkrimi mit feinstem journalistischen Handwerk: Tatort­beschreibungen und Rekonstruktion von Partieverläufen, Rückblenden auf Lebens­profile und Beziehungsgeflechte von Strippenziehern - untermauert mit Original­dokumenten, Hintergründe zu gesellschaft­lichen und politischen Umständen, Zeugen­aussagen aus Schachsicht usw. Partien­notationen kommen keine vor, aber das mit gut recherchiertem Bildmaterial unterlegte Werk fächert alle Umfeldebenen vor und hinter der Bühne auf (wer hat schon mal James Slater gesehen, dessen "Spende" das Match mitrettete?). Den Autoren gelingt es, selbst für Ottonormalverbraucher ein plastisches Zeitbild zu vermitteln, in­dem sie das Geschehen auch anhand der (Über-) Reaktionen von Publikum und Medien darstellen und es durch verschiedene Zeitungsquellen (insbesondere des liberalen Guardian), Memoiren­literatur (amerikanischer und sowjetischer Politiker) und Studien (u. a. des Londoner International In­stitute for Strategie Studies) absichern. Neue Fakten gibt es zwar wenig, aber der Reportagestil bürgt für einen authentischen Spannungsbogen -man fiebert einfach mit. Reichlich Hintergründe aus sowjetischen Archiven vermittel­te ohnehin bereits das 1994 in Moskau auf Englisch erschienene "Russian vs Fischer" von Kasparow-Spezi Dmitry Plisetsky und Sergey Voronikov, welches für Mitte 2005 bei Everyman Chess als erweiterte Auflage an­gekündigt ist. Solange - und hier hat der re­nommierte DVA-Verlag schon ein Jahr nach der englischen Auflage einen wirklich guten Riecher für eine deutsche Ausgabe gehabt -offerieren mehr als 400 spannende Seiten für den Fischer-Fans einen richtigen Appetit­anreger, um sich dann wieder mit den Meisterpartien zu beschäftigen, und sind auch für Einsteiger (z. B. als Geschenk) bestimmt ein Volltreffer.

Harald Fietz, Schachmagazin 64 09/2005

--------------------------------------------

Herr Fischerle ist ein buckliger Zwerg, ein Dieb und Schachfanatiker. Er lebt vom Geld seiner Frau als Prostituierten und träumt davon, Weltmeister Capablanca vernichtend zu schlagen. Er stellt sich mit den Worten vor: "Spielen Sie Schach? A Mensch, was ka Schach spielt, is ka Mensch." Fischerle hat un­gewöhnlich lange Arme, und er erin­nert sich an alle Partien, die er jemals spielte. Sein halbes Leben verbringt er am Schachbrett. Er wünscht sich, er könnte Essen und Schlafen erledigen, während der Gegner am Zug ist. Wäre Fischerle Weltmeister, würde er sich Maßanzüge schneidern lassen und in einem großen Palast mit echten Tür­men und Rössern wohnen, und seinen Namen würde er ändern - in Fischer. Fischerle ist eine Figur, die Elias Ca­netti 1935 im Roman Die Blendung beschrieb. Zwischen der grotesken Romanfigur und Robert James Fischer gibt es ein paar unheimliche Ähnlich­keiten: auch der wollte nach dem WM-Titel ein palastartiges Haus in der Form eines Schachturmes bauen las­sen; Fischers lange Arme und die dün­nen Finger wurden von Petrosjan plas­tisch beschrieben; in Reykjavik trug der Amerikaner stets extravagante Maßanzüge, und während des Festban­ketts zu seinen Ehren vertiefte er sich in sein Taschenschach.

Ein bemerkenswerter Vergleich - bei David Edmonds und John Eidinow kann sich der Leser auf einiges gefasst machen.

Zoff

Die beiden BBC-Journalisten wissen, was eine gute Story ausmacht: Wenn das Erhabene ins Lächerliche rutscht, wenn das Absurde real wird, und wenn es Zoff gibt. Keine primitive Schläge­rei, mehr den subtilen Streit mit intel­lektuellen Fußtritten gegen des Kon­trahenten Schienbein. Da darf schon mal der Schürhaken als Hilfsargument herhalten - wie weiland beim Disput der berühmten österreichischen Philo­sophen Wittgenstein und Popper im feinen akademischen Cambridge. Darüber schrieben Edmonds & Eidinow ihr erstes gemeinsames Buch: Wie Ludwig Wittgenstein Karl Popper mit dem Schürhaken drohte (DVA 2001). Nun hat sich das Duo den großen Schachzoff auf Island vorgenommen: Fischer gegen Spassky, USA gegen UdSSR, neurotischer Ami gegen char­manten Russen (sic!). Wer meint, er kenne das Gezeter vom Sommer 1972 in Reykjavik schon, ist der beste Leser für das Buch: So wie man einen guten Film erst richtig genießt, wenn man ihn schon mehrmals gesehen hat und sich nun auf die Details konzentrieren kann, so verschlang ich die 430 Seiten, begleitet von Lachern, Seufzern und Kopfschütteln.

Edmonds und Eidinow waren fleißig, ihre Bibliographie im Anhang ist fünf Seiten lang. Sie forschten in Archiven und befragten Augenzeugen in den USA, Europa und Russland. Sie bekamen Akteneinsicht beim KGB und CIA, erhielten von der CIA schließlich ein 900-seitiges Dossier über Fisches Mutter Regina, ihren Ex-Mann Ger­hard Fischer und den heranwachsen­den Robert ausgehändigt (Auszüge im Buchanhang).

Damit das Ganze nicht zu dröge wirkt, inszenierten die Autoren das WM-Match ein wenig wie ein schrilles Theaterstück mit den Superstars Bob­by & Boris: mal ist es billige Seifen­oper, mal episches Drama. Zum besse­ren Durchblick werden alle wichtigen Personen am Buchanfang vorgestellt ("Dramatis Personae"). Da gibt es Kleindarsteller, große Helden und Knallchargen, allein die Liste "Die Amerikaner" zählt 21 Mitwirkende.

Biografien

Einige Buchabschnitte stimmen eher traurig, dort wird das Leben von Bob­by und Boris erzählt. Spasskis Heimat­stadt Leningrad wurde im Zweiten Weltkrieg 900 Tage von den Deut­schen belagert und ausgehungert: "Kannibalismus war an der Tages­ordnung, besonders begehrt waren Kinderleichen, weil das Fleisch zart war. Noch lange danach brachten es viele Leningrader nicht über sich, auf der Straße Fleischpasteten zu kaufen" (S. 56). Oder der verhaltensauffällige kleine Robert: Mutter Regina schlepp­te den 8-Jährigen in die Kinder­psychiatrie des Jüdischen Krankenhau­ses Brooklyn - wegen "Schachbeses­senheit". Zum Glück für alle Schach­freunde verweigerte Dr. Kline jede Therapie.

Die biografischen Abschnitte sind sehr gut, vor allem der über Spasski enthält viel Neues, auch sehr Persönliches, über seine harte Kindheit und Jugend, aber auch über Spasskis kritisches Ver­hältnis zum Sowjetstaat und zur Partei, denn Spasski verstand sich immer als "russischer Patriot", nicht als sowjeti­scher. Seine Forderungen nach mehr Lohn und einer größeren Wohnung, sein Kampf gegen die staatliche Be­vormundung - die Autoren schildern alles kenntnisreich und mit Fakten un­terlegt. Sie hatten intensiv mit Boris Spasski gesprochen. Das Buch wurde mit rund 30 Schwarz-Weiß-Fotos illustriert, Schachdiagramme oder Partienotatio­nen gibt es nicht. Die wenigen rein schachlichen Abschnitte sind mäßig gelungen: Die beiden Übersetzer scheinen mit der Schachsprache nicht vertraut zu sein, sonst würden sie nicht die Damen "austauschen". Und Petrosjan war nicht der einzige Weltmeister seit 1934, "der seinen Thron erfolg­reich verteidigen konnte", wie auf Sei­te 72 behauptet; auch Botwinnik ge­lang das 1951 gegen Bronstein. Miss­verständlich in der deutschen Ausgabe ist der Kommentar zum kritischen Mo­ment in Fischers wohl berühmtester Partie (D. Byrne - Fischer, New York 1956), als der 13-jährige Bobby "den Angriff auf seine Königin übersah". Sicher hatte er bemerkt, dass seine Da­me hängt, als er spektakulär 17... Le6!! zog. Weiter meinen die Auto­ren, dass "[...] Fischer keine vernünftige Alternative zu Le6 blieb, da jeder andere Zug zu seiner Niederlage ge­führt hätte" (S. 22). So klar ist die Stel­lung nicht, z.B. nach 17...Lxf3 18.Lxb6 axb6 19.Dxc3 Lxd1 20.Dd2 Lg4 21.Lxf7+ Kxf7 22.Df4+ Lf6 23.Dxg4 T xa2 steht Schwarz min­destens gleich. Wer sich für Bobbys Manöver auf dem Brett interessiert, kauft besser eine klassische Partien­sammlung.

Beim Lesen von Edmonds & Eidinow wird deutlich, dass Fischers Leben und Verhalten seit seiner Kindheit geprägt wurde von drei Wesenszügen: 1) seiner Schachbesessenheit, die für keine an­deren Interessen Platz ließ, auch nicht für menschliche Bindungen, 2) seinem Misstrauen, und 3) seinem Willen, kompromisslos durchzusetzen, was er für richtig hielt.

Spiele

Die Autoren zeigen eindrucksvoll, wie leicht es Fischer immer wieder gelang, die Menschen in seiner Umgebung nach seiner Pfeife tanzen zu lassen. Warum ließen sich alle Beteiligten in seiner Umgebung das gefallen, von den Schiedsrichtern bis zu den Gegnern, vom kleinen Turnier­leiter bis zur Großmacht Sowjetunion? Edmonds & Eidinow untersuchen das Phänomen im Kapitel 14 anhand von Erkenntnissen aus der Spieltheorie. [Die Spieltheorie analysiert strategisches Denken. Über mathematische Formulierungen wird versucht, das ra­tionale Entscheidungsverhalten in Konfliktsituationen abzuleiten, in de­nen der Erfolg des Einzelnen nicht nur vom eigenen Handeln abhängt, son­dern auch von den Aktionen anderer.] Die Autoren kommen zum Ergebnis, dass Fischer neben Schach auch das Spiel "Hasenfuß-Rennen" virtuos be­herrschte. Der Name stammt vom Filmklassiker Denn sie wissen nicht was sie tun (1955), darin muss der jugendliche Held (James Dean) ein selbstmörderisches Autorennen gewin­nen, will er kein "Hasenfuß" sein. Eine Variante des Spiels geht so: Zwei Autos rasen aufeinander zu - wer zu­erst die Kollisionslinie verlässt, hat verloren. Wenn nun der Herausforderer angetrunken ist (oder sogar verrückt), und das seinen Gegner vorher merken lässt, und wenn der Angetrunkene (oder Verrückte) glaubhaft macht, dass er gewinnen will, auch wenn er dabei umkommt, dann wird er auch gewinnen. Denn seine (vernünftigen) Gegner werden entweder kneifen, und wenn sie fahren, werden sie rechtzeitig aus­weichen.

Fischer spielte im Prinzip genau dieses Spiel: Immer drohte er mit ernsten Konsequenzen (= Kollision), wenn sei­ne "kleinen" Bedingungen (= Auswei­chen) nicht erfüllt würden. Die Gegen­seite wich fast immer aus, gab also nach. Kaum war eine Forderung er­füllt, folgte die nächste. Fischer drohte entweder mit seinem Fernbleiben, und wenn er da war mit Abreise. Und seine Drohungen waren glaubhaft! Tatsächlich blieb er oft weg wenn ihm etwas nicht passte, oder er reiste vorzeitig ab. So geschehen beim IZT Sousse 1967, obwohl er 8,5 aus 10 führte. Zudem galt Robert Fischer als etwas verrückt - ihm war alles zuzu­trauen!

Beim folgenden IZT 1970 in Palma fragte der Brite Harry Golombek rhe­torisch, wie dem Veranstalter das Wun­der gelungen sei, Fischer zum Spielen des ganzen Turniers zu bewegen? Sei­ne Antwort: Fischer wurden alle Wün­sche erfüllt.

Einer der wenigen, die "nein" sagten zu Bobby, war ausgerechnet Fidel Cas­tro: Es ging um ein Turnier in Havan­na. Souverän und etwas spöttisch lehn­te Castro per Telegramm alle Forde­rungen ab - Fischer spielte. Edmonds und Eidinow urteilen hart über die WM 1972: Vor allem die Ver­legung des Spielortes zur 3. Runde ins Hinterzimmer, wie von Fischer ver­langt, hätte nicht geschehen dürfen. Das war die Kapitulation vor dem He­rausforderer, eine moralische Tragödie. Versagt haben Schiedsrichter Lothar Schmidt, die Offiziellen der FIDE und die russische Delegation, Spasski eingeschlossen.

In Reykjavik wurde es Fischer beson­ders leicht gemacht: Das kleine Land hatte viel Geld in die WM-Vorberei­tungen investiert, nun schaute alle Welt auf Island, dessen Ansehen stand auf dem Spiel. Fischer konnte schadlos auf Kollisionskurs bleiben. Die Autoren mutmaßen: Hätte die WM zum Beispiel in Paris stattgefunden, hätte sich der Amerikaner nicht soviel erlauben dürfen. Das Match wäre dann anders verlaufen, Spasski wäre viel­leicht Weltmeister geblieben. Fazit: Spannend geschriebene Zeit-und Schachgeschichte. Sehr lesens­wert. Dr. Erik Rausch , Rochade Europa 07/2005

______________________________________________

Der ehemalige Weltmeister Robert "Bobby" Fischer ist zuletzt vor allem durch seine Verhaftung in Japan und seine anschließende Suche nach ei­nem politischen Asyl in die Schlag­zeilen geraten, was vorläufig durch seine Einbürgerung in Island ein Ende gefunden haben sollte.

Mit etwas länger zurückliegenden Ereignissen beschäftigen sich die Au­toren David Edmonds und John Eidinow in ihrem Buch "Wie Bobby Fischer den kalten Krieg gewann -Die ungewöhnlichste Schachpartie al­ler Zeiten", das im letzten Jahr unter dem Titel "Bobby Fischer goes to War" erschienen war.

Nun liegt also die deutsche Ausga­be vor, die noch einmal die spannen­den Ereignisse aus der Zeit des kalten Krieges Revue passieren lässt. Im Mittelpunkt steht das berühmte WM-Duell zwischen Titelverteidiger Spassky und Herausforderer Fischer 1972 in Reykjavik.

Die Autoren berichten faktenreich und dennoch spannend, was sich in jener Zeit zutrug und wie sich diese Geschichte aus historischer und bio­graphischer Sicht darstellt.

Hierzu konnten erstmals bisher unzugängliche sowjetische und ame­rikanische Akten ausgewertet werden, die diesen Bericht über den histori­schen Wettkampf sehr lesenswert ma­chen.

Schachmarkt 03/2005

"The most famous chess match of all time is reconstructed in a style as compelling as that of a thriller"

Irish Times

Wie Bobby Fischer den Kalten Krieg gewann

EUR

22.9