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Art.-Nr.: LXBELGDS

Geheimnisse der Schachintuition

192 Seiten, kartoniert, Gambit, 1. Auflage 2005.

11,95 €
inkl. 7% MwSt., zzgl. Versandkosten

Die Intuition spielt eine zentrale Rolle beim Fällen von Entscheidungen und das Verständnis ihrer Funktion ist unerlässlich, wenn man seine Spielstärke verbessern will. Spieler, die versuchen, alles bis zum Ende durchzurechnen, verlieren sich oft in einem Labyrinth von Varianten, während diejenigen, die die Intuition in vollem Umfang nutzen, sowohl Zeit als auch Energie für die entscheidenden Momente in der Partie sparen.

Dieses Buch ist das erste, das sich der Rolle der Intuition im Schach widmet. Es zeigt, wie der Leser seiner Intuition ermöglicht, ihr volles Potential zu erreichen und wie er zu unterscheiden lernt zwischen den Positionen, in denen man sich auf seine Intuition verlassen und denjenigen, bei denen man analytisch vorgehen sollte.

Beide Verfasser sind hochklassige Autoren und Spieler. Sie stützen sich auf Beispiele aus der modernen Praxis und aus den klassischen Partien, mit besonderem Schwerpunkt auf Spieler, deren Intuition legendär gewesen ist, wie zum Beispiel Michail Tal. Die Autoren richten besonderes Augenmerk auf die Rolle der Intuition bei Opfern, sei es mit Angriffs- oder Verteidigungsabsichten oder aus rein positionellen Gründen.

Details

Sprache Deutsch
Autor Beljawski, Alexander
Michaltschischin, Adrian
Verlag Gambit
Auflage 1.
Medium Buch
Gewicht 250 g
Breite 14,5 cm
Höhe 21 cm
Seiten 192
ISBN-10 1904600255
ISBN-13 9781904600251
Erscheinungsjahr 2005
Einband kartoniert
Diagramme 220

Inhalte

004 Symbole

005 Vorwort

006 Einführung

010 1 Die Intuition des Michail Tal

023 2 Einfache intuitive Entscheidungen

031 3 Kombinatorische intuitive Entscheidungen

050 4 Intuitive positionelle Entscheidungen: Einführung

053 5 Qualitätsopfer

072 6 Figurenopfer für zwei Bauern

076 7 Damenopfer

081 8 Bauernopfer

094 9 Abtausch als intuitive Entscheidung

103 10 Welcher Turm?

109 11 Mysteriöse stille Züge

112 12 Verbesserung der am schlechtesten plazierten Figur

117 13 Analyse, Intuition und Fehler in der Beurteilung

128 14 Intuition und Risiko

134 15 Intuition im Endspiel

144 16 Psychologische Faktoren

160 17 Intuition in der Eröffnung

167 18 Suetin über die Intuition

181 19 Testen Sie Ihre Intuition

185 Lösungen

188 Partienverzeichnis

192 Eröffnungsverzeichnis

Das Buch der beiden ukrainischen Großmeister, die jetzt in Slowenien leben, erschien vor drei Jahren unter dem Titel "Secrets of Chess lntuitions" und wurde nunmehr von Marc Becker ins Deutsche übersetzt. Was ist Schachintuition? Die knappste Definition liefert GM V. Anand: "In­tuition ist der erste Zug, den ich in der Stellung sehe" (Vorwort S. 7). Dies meint eine unterbewusste Er­fahrung, ein immanentes Wissen, welches bei der Entscheidung am Brett eine große Rolle spielt. An­hand von 274 Beispielen aus der Meisterpraxis (Partiefragmente) zei­gen die Autoren die verschiedenen Facetten des intuitiven Spiels; sie er­klären, dass Intuition mit zunehmen­der Erfahrung reift, dass der Spieler erspüren muss, wann er sich auf sein Schachgefühl verlassen darf und wann er konkrete Varianten berech­nen muss, und last not least, dass sich auch die Intuition manchmal ir­ren kann. Große intuitive Spieler waren z.B. J. R. Capablanca, Mi­chail Tal, David Bronstein und Was­sili Smyslow, während andererseits etwa Garry Kasparow als ausgewie­sener Exponent des Variantenberechnens gelten kann. Der Inhalt gliedert sich in 19 Kapitel, die sich zusammengefasst so darstellen: Nach einem einleitenden Abschnitt intuitive positionelle Entscheidungen über Michail Tal, den "GM der Intuition" (mit 16 Beispielen) werden einfache (z.B. materielle Faktoren, Schaffung von Felderschwächen; 17 Beispiele) und kombinatorische intuitive Entschei­dungen (Figuren-, Bauern- und Da­menopfer im direkten Königsan­griff; 29 Beispiele) betrachtet. Ein weiterer Hauptabschnitt ist den posi-tionellen intuitiven Entscheidungen gewidmet: Qualitätsopfer (34 Bei­spiele), Figurenopfer für zwei Bau­ern (8), Damenopfer auf Positions­spiel (4), Bauernopfer für die Initia­tive und die Aktivierung der eigenen Figuren (22), Abtausch (15), Turm­züge auf der ersten (achten) Reihe im frühen Mittelspiel (9), mysteriöse stille Züge (5), Verbesserung der am schlechtesten stehenden Figur (10), sowie die Zusammenhänge von Analyse und Intuition mitsamt Beur­teilungsfehlern (14 Beispiele). Wei­ter geht es mit den Themen Intuiti­on und Risiko (8), Intuition im End­spiel (18), psychologische Faktoren (z.B. Entscheidungen, die dem Stil des Gegners angepasst werden oder auch der Bluff (20), die Intuition in der Eröffnung mit einigen Anmer­kungen von GM Wassili Iwantschuk auf S. 162 f. (10). Am Ende folgen eine Betrachtung des (inzwischen verstorbenen) großen Theoretikers GM Alexej Suetin zum Thema Intui­tion, vor allem im Zusammenhang mit der schachlichen Kreativität und dem positionellen Instinkt (13 Bei­spiele), und ein Test mit 22 Aufga­ben für den Leser, der damit die Qualität seiner eigenen intuitiven Entscheidungen überprüfen kann, nebst Lösungen (S. 181-187). Sum­ma summarum bekommt der Leser ein ziemlich umfängliches gleicher­maßen lehrreiches wie unterhaltsa­mes Kaleidoskop zum Thema der Schachintuition geboten. Er wird durch das Studium zwar sein schachliches Unterbewusstsein sti­mulieren können (wie im Untertitel verheißen), jedoch seine eigenen in­tuitiven Fähigkeiten wohl kaum ent­scheidend steigern, denn diese hehren Ziele kann er sich nur durch ei­nen immer weiter wachsenden Er­fahrungsschatz und viel Spielpraxis annähern.

Dr. W. Schweizer, Rochade Europa 11/2005

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Informationen zu den Autoren

Großmeister Alexander Beljawski, Jahrgang 1953, lebt in der ukraini­schen Stadt Lwow, tritt aber auf in­ternationalem Parkett seit geraumer Zeit für Slowenien an. Beljawski ist einer der international bekanntesten Spieler, der mittlerweile seit drei Jahrzehnten zur Weltspitze gehört. Legendär sind Beljawskis akribische Vorbereitung auf jede Partie und sein großer Kampfgeist sowie seine damit verbundene Abneigung gegen Kurzremisen. Mit seiner aktuellen ELO-Zahl (01.07.2005) von 2599 ist er erstmals seit langem einmal aus den TOP 100 gefallen, doch ist dies sicher nur einen Momentaufnahme.

Seine höchste Zahl lag in den 1990er-Jahren bei 2710. Beljawski war in der deutschen Bundesliga für den SK König Plauen und in den letzten beiden Spielzeiten für die SG Köln-Porz aktiv. In der kommenden Saison steht er leider nicht im Auf­gebot eines Bundesligisten. Der er­fahrene Großmeister Adrian Michaltschischin (ELO 2526), geboren 1954, stammt ebenfalls aus der Ukraine und spielt gemeinsam mit Beljawski für Slowenien. Michalt­schischin besitzt einen ausgezeich­neten Ruf als Theoretiker und Trai­ner. Er ist auch als Ausbilder in der FIDE-Trainerakademie in Berlin tä­tig. Beljawski und Michaltschischin waren in den vergangenen Jahrzehn­ten quasi unzertrennlich und haben im Rahmen ihrer Zusammenarbeit eine Reihe hochklassiger Buchpro­jekte gemeinsam auf den Weg ge­bracht. Gemeinsam schrieben sie Winning Endgame Technique (Bats­ford, 1. Auflage 1995, mittlerweile ist die 2. Auflage 2002 erschienen), Fianchetto Grünfeld (1998 bei Cadogan, jetzt Everyman Chess), Win­ning Endgame Strategy (Batsford, 2000), Secrets of Chess Intuition (Gambit Publications, 2002), Mo­dern Endgame Practice (Batsford, 2003) und The Two Knights Defense (Batsford, 2003). Adrian Michalt­schischin hat darüber hinaus 1996 zusammen mit Malcom Pein bei Cadogan/Everyman The Exchange Grünfeld veröffentlicht. Von Alexan­der Beljawski gibt es zusätzlich zwei Partiesammlungen: Alexander Beliavsky's Best Games (Batsford) und Uncompromising Chess (sein Credo) bei Cadogan/Everyman. Des Weiteren schrieb Beljawski zusam­men mit Anatoli Karpow das Buch Caro-Kann- Verteidigung - richtig gespielt, das 1996 im Beyer-Verlag Hollfeld erschien.

Das vorliegende Buch Geheimnisse der Schachintuition ist die deutsche Übersetzung des 2002 erschienenen Werkes Secrets of Chess Intuition.

Konzeption, Gliederung und Inhalte

Der Begriff der Intuition wird im Schach sehr häufig verwendet. Wir führen intuitiv einen bestimmten Zug aus, wir wählen intuitiv den Übergang ins Endspiel, wir bringen ein intuitives Figurenopfer usw. Doch wie lässt sich Intuition defi­nieren? Welche Arten von intuitiven Entscheidungen gibt es im Schach? Die Autoren haben es sich zur Auf­gabe gemacht zu ergründen, warum ein bestimmter Zug das Bewusstsein zuerst erreicht, und eine ungefähre Kategorisierung intuitiver Entschei­dungen vorzunehmen. In der Ein­führung zu ihrem Buch stellen Bel­jawski und Michaltschischin die Meinungen von Wissenschaftlern und mehreren Schachgroß- bzw. -weitmeistern - darunter Dr. Helmut Pfleger, Gennadi Sosonko, Wladimir Kramnik, Wlodzimierz Schmidt, Boris Gelfand, Wassili Smyslow und Michail Tal - zum Begriff der Intui­tion vor, wobei die Ansichten der Schachspieler konkret auf die schachliche Intuition gerichtet sind. Obwohl dies selbstverständlich kei­ne exakte wissenschaftliche Vorge­hensweise ist, werden dadurch doch sehr interessante und unterschiedliche Sichten zu dieser Problematik zutage gefördert. Sehr oft wird ver­sucht, intuitive Entscheidungen mit der (unbewussten) Erfahrung und dem Wissen über Partien und Ideen zu erklären. Dr. Pfleger meint hinge­gen, dass es sich um einen "bewussten oder unbewussten Prozess han­delt, als Resultat dessen ein Indivi­duum ohne langwierige Überlegung zu einem Schluss kommt, den es selbst nicht erklären kann." Pfleger sieht eine Parallele zur Kunst und vergleicht intuitive schachliche Ent­scheidungen mit dem "Moment der Inspiration" eines Künstlers. Die Autoren schließen sich nicht aus­drücklich einer Meinung an und le­gen auch keine eigene Definition vor, was wünschenswert gewesen wäre, sondern stellen die unter­schiedlichen Auffassungen nebenei­nander vor. Sie halten jedoch fest, dass es im Schach drei Arten intuiti­ver Entscheidungen gibt, nämlich kombinatorische, positionelle und psychologische. Beljawski und Michaltschischin führen zudem an, dass man die Intuition im Schach meist mit Michail Tal als dem inte­ressantesten kombinatorischen intui­tiven Denker auf der einen Seite und Jose Raoul Capablanca als dem bril­lanten Positionsspieler, der Ent­scheidungen ohne die Berechnung langer Varianten anhand seines Stellungsgefuhls und Weitblicks treffen konnte, auf der anderen Seite ver­bindet. Folgerichtig nähern sich die Verfasser über die Intuition des Mi­chail Tal in Kapitel 1 der Thematik, indem Beispiele aus dem Schaffen des Schachzauberers und seiner "Nachkommen" - damit sind hier Schirow, Judit Polgar und Velimiro-vic gemeint - gezeigt werden. Im Folgenden widmen sie sich in Kapi­tel 2 einfachen intuitiven Entschei­dungen (darunter auch Damenopfer und Qualitätsopfer) und in Kapitel 3 kombinatorischen intuitiven Ent­scheidungen, wobei eine Einteilung in Figurenopfer, Bauernopfer und Damenopfer vorgenommen wurde. Diese beiden Kapitel stehen somit in engem Zusammenhang, es wird je­doch nicht deutlich, wo die Grenze zu ziehen ist. In den Kapiteln 4-15 beschäftigen sich die Autoren mit den intuitiven positionellen Ent­scheidungen. Neben der Klassifizie­rung in Qualitätsopfer, Figurenopfer für zwei Bauern, Damenopfer und Bauernopfer in den Kapitel 5 bis 8 - die Trennung zwischen kombinatori­schen und positionellen intuitiven Entscheidungen ist nicht leicht nachzuvollziehen - werden in den Kapi­tel 9-12 solche interessantesten The­men wie Abtausch als intuitive Ent­scheidung, die Frage, wohin die Tür­me auf der Grundreihe entwickelt/ platziert werden sollen, mysteriöse stille Züge und Verbesserung der am schlechtesten platzierten Figur be­trachtet. Das Problem der Platzie­rung der Türme auf der Grundreihe bereitet Spielern aller Klassen Kopf­zerbrechen. Die Verfasser haben ei­nige charakteristische Beispiele aus­gewählt. Im Hinblick auf die grund­legende Fragestellung sollten nach Ansicht des Rezensenten als rein in­tuitive Züge bzw. Entscheidungen nur solche eingestuft werden, bei de­nen nicht sofort die Richtigkeit oder Fehlerhaftigkeit der Aufstellung eines Turmes mit konkreten Varianten bewiesen werden kann, sondern sich dies erst viel später im Partieablauf zeigt. Problematisch wird es im Ka­pitel Intuition im Endspiel. Man kann es doch sicher kaum als man­gelnde Intuition bezeichnen, wenn ein Spieler aufgrund des Nichterkennens einer theoretischen Remisposi­tion eine Partie verliert bzw. aufgibt. Dabei handelt es sich einfach um fehlendes Wissen oder mangelndes Erinnerungsvermögen. Gerade im Endspiel, wo konkrete Bewertungen dominieren, darf der Begriff der In­tuition nicht wahllos verwendet wer­den. Im Kapitel 16 über Psychologi­sche Faktoren werden hauptsächlich verschiedene Typen des Bluffs unter­sucht. Zur Intuition in der Eröffnung im Kapitel 17 kommt auch Top-GM Wassili Iwantschuk zu Wort, der aufzeigt, wie ihm frühere Erfahrun­gen zu neuen Einsichten verholfen haben, doch dominieren auch hier konkrete Berechnungen bzw. Analy­sen. Im Kapitel 18 stellt der leider verstorbene GM Aleksei Suetin sei­ne Gedanken über die Intuition und ihre Rolle für die Kreativität im Schach anhand einiger ausgewählter instruktiver Beispiele dar. Im Kapi­tel 19 kann der Leser dann seine In­tuition anhand von 22 Übungsaufga­ben testen, deren Lösungen im Anschluss dargestellt sind. Doch wer­den hier ebenfalls keine rein intuiti­ven Entscheidungen verlangt, son­dern bei mindestens der Hälfte der Aufgaben sind konkrete Berechnun­gen anzustellen, so zum Beispiel, wenn beantwortet werden soll, ob ein Qualitäts- oder Figurenopfer korrekt ist.

Die Gliederung in der Übersicht:

-Vorwort (S. 5)

- Einführung (S. 6)

- 1 Die Intuition des Michail Tal (S. 10-22)

- 2 Einfache intuitive Entscheidun­gen (S. 23-30)

- 3 Kombinatorische intuitive Ent­scheidungen (S. 31-49)

- 4 Intuitive positionelle Entschei­dungen: Einführung (S. 50-52)

- 5 Qualitätsopfer (S. 53-71)

- 6 Figurenopfer für zwei Bauern (S. 72-75)

- 7 Damenopfer (S. 76-80)

- 8 Bauernopfer (S. 81-93)

- 9 Abtausch als intuitive Entschei­dung (S. 94-102)

- 10 Welcher Turm? (S. 103-108)

- 11 Mysteriöse stille Züge (S. 109-111)

- 12 Verbesserung der am schlech­testen platzierten Figur (S. 112-116)

- 13 Analyse, Intuition und Fehler in der Beurteilung (S. 117-127)

- 14 Intuition und Risiko (S. 128-133)

-15 Intuition im Endspiel (S. 134-143)

-16 Psychologische Faktoren (S. 144-159)

-17 Intuition in der Eröffnung (S. 160-166)

-18 Suetin über die Intuition (S. 167-180)

-19 Testen Sie Ihre Intuition (S. 181-184)

- Lösungen (S. 185-187)

- Partienverzeichnis (S. 188-191)

- Eröffnungsverzeichnis (S. 192). Bewertung des ausgewählten Materials und Fazit

Die Auswahl der Partiebeispiele er­folgte sorgfältig und kann als gelun­gen betrachtet werden. In jedem Fall kann Beljawskis und Michaltschischins Buch gut für das schachliche Training von in erster Linie ver­schiedenen Mittelspielsituationen genutzt werden. Die einzelnen Kapi­tel sind für das Selbststudium geeig­net, denn man findet in großem Um­fang Text-Erläuterungen vor, der Le­ser wird nicht mit Varianten über­häuft. Gerade für die Verbesserung des positionellen Spiels bietet das Werk eine Menge instruktives Mate­rial, so zu Abtauschentscheidungen, zur Aufstellung der Türme, zur Ver­besserung der Figurenstellung, zu positioneilen Qualitäts- oder Bau­ernopfern sowie zu den so genann­ten stillen Zügen, die so schwer zu finden sind.

Der Anspruch, dieses Buch als erstes überhaupt der Rolle der Intuition im Schach zu widmen, verdient unbe­dingt Beachtung. Man kann das Vor­haben aber nicht als gänzlich gelun­gen bezeichnen. Es fehlt zum einen eine klar identifizierbare Auffassung der Autoren, worum es sich bei (schachlicher) Intuition handelt, zum anderen ergeben sich häufig Vermi­schungen bzw. Überschneidungen zwischen kombinatorischen und positionellen intuitiven Entscheidun­gen. Bei vielen der im Buch ange­führten Beispiele kann man nicht ernsthaft von intuitiven Entschei­dungen sprechen, denn tatsächlich ist sehr oft konkrete Berechnung und Analyse zur Lösung des Stel­lungsproblems erforderlich. Es ist sicher nicht einfach, sich einen Be­griff wie Intuition, über den vielerlei Ansichten existieren, zu erschließen. Wenn man dies jedoch ernsthaft tun möchte, ist unbedingt wissenschaft­liche Konsequenz erforderlich. Die Autoren hätten eine eigene Begriffsdefinition vorlegen oder sich zumin­dest für eine der angebotenen Definitionen entscheiden müssen. Da­nach wäre eine Erläuterung zum Vorgehen bei der Untersuchung nö­tig gewesen, um wirklich einen ernsthaften Beitrag zur Klärung zu leisten. Der Rezensent hat eine ge­wisse Vorstellung davon, was schachliche Intuition ist, doch ist die Darstellung bei Beljawski/Michaltschischin insgesamt zu diffus. Der schachliche Gehalt des Buches kann aber als sehr ansprechend bezeichnet werden, so dass viele Schachinteressierte von der Lektüre profitieren werden.

Sören Bär, Rochade Europa 11/2005

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Rezensionen zur englischen Originalausgabe:

Das in der Überschrift genannte Autorenduo hat wie so viele andere Großmeister ehemals sowjetischer Provenienz im letzten Jahrzehnt seinen Zug gen Westen angetreten: Ursprünglich in ukrainischen Gefilden beheimatet sind die beiden Schachgrößen mittlerweile in Slowenien gelandet und dort bis auf weiteres auch sesshaft geworden. Ihre jüngste in England erschienene Co-Produktion wendet sich an ein internationales Leserpublikum u.a. mit der Frage, wie man seine Schach-Intuition bzw. sein schachliches Unterbewusstsein stimulieren könne.

Zwar haben sich bereits vereinzelt namhafte Persönlichkeiten mit dem Schach der intuitiven Art in Theorie oder Praxis beschäftigt, eine eigenständige Monografie zu diesem Thema fehlte jedoch bis dato, sodass unser vorliegendes Buch eine nicht unbeträchtliche Lücke in der Schachliteratur schließt.

Zunächst einmal drängt sich dem Leser die Frage auf, was intuitives Schach überhaupt bedeutet. Es ist, um eine Quintessenz der unserem Buch vorgeschalteten Einleitung zu versuchen, die Entscheidung für einen Zug, der sich in einer bestimmten Stellung aufdrängt, dessen Wahl man aber mehr erfühlen als erklären kann. Typische Vertreter des intuitiven Schachs sind laut Aussagen der beiden Autoren Spieler wie Tal, Spasski, Capablanca oder Petrosjan gewesen.

Die Tatsache, dass Schachweltmeister mit solch unterschiedlichem Stil wie gerade Michail Tal und Tigran Petrosjan als Prototypen genannt werden, beweist bereits, dass intuitives Schach sowohl von Angriffskünstlern wie auch von Meistern der Defensive gespielt wurde. Allen sei - den Verfassern zufolge - gemeinsam, dass Zugfolgen nicht en detail berechnet wurden wie es Fischer oder Kasparow taten bzw. tun, sondern dass sie ihrem Unterbewusstsein gehorchend bestimmte Entscheidungen ohne weiteres Hinterfragen trafen.

Natürlich wird der kundige Thebaner nun einwenden, dass der kombinationsträchtige Stil eines Michail Tal selbstverständlich auf konkreter Berechnung basieren musste, sollte selbiger Erfolg haben. Diesen scheinbaren Widerspruch lösen die Verfasser insofern auf, als Tal seine Opfer vielfach rein spekulativ (eben "intuitiv") angebracht und sich erst im Nachhinein an die konkrete Variantenberechnung begeben habe.

Insofern erscheint es nur konsequent, dass die Autoren mehrere Typen intuitiven Schachs unterscheiden, nämlich kombinatorische, positionelle und psychologische Entscheidungen. Diese Fälle werden in unserem Buch in zunächst 18 Kapiteln, angefangen bei der "Intuition des Michail Tal" vorgestellt und zwar anhand der Erläuterung einschlägiger Diagrammstellungen aus der Praxis führender Meisterspieler aus Gegenwart und Vergangenheit. Im letzten Kapitel, der Nr. 19, darf der Leser testen, ob und inwieweit sich seine eigene Intuition nach der Lektüre des Buches entwickelt hat.

Und hier stellt sich zwangsläufig die Frage, ob man Intuition erlernen kann. Zwar behaupten die Autoren bzw. der herausgebende Verlag auf der Rückseite des Covers, dass unser Buch erkläre, wie die eigene Intuition (die des Lesers notabene) ihr volles Potenzial erreichen könne, doch scheint dieser Anspruch entschieden zu hoch gegriffen: Es ist geradezu ein Widerspruch in sich, intuitives Schach plausibel erklären zu wollen, da es in diesem Falle eben nicht mehr eine Sache des Unterbewusstseins, sondern des Verstandes wäre. Fakt ist vielmehr, dass unser Buch eine breite Palette unterschiedlichster intuitiver Entscheidungen am Schachbrett bietet, aufbereitet und geordnet nach diversen kombinatorischen, positionellen oder psychologischen Motiven - und das ist schon eine ganze Menge. Zu intuitivem Schach jedenfalls gelangen Sie nach Auffassung des Unterzeichners allein durch die Praxis, vor allem wenn Sie sich auf einem Level bewegen, das Sie als Meister unseres Spiels ausweist.

Rochade Europa 6/2002, E. Carl

Intuition spielt eine zentrale Rolle im Schach. Sei es bei der Berechnung von Varianten, die man irgendwann abbrechen und die Schlussstellung abschätzen muss, sei es bei der ersten Auswahl geeigneter Kandidatenzüge. Intuition ist also wichtig, doch wie kann man sie verbessern?

Wir wollen nun einen Überblick geben, wie man sich im Buch dieses ein wenig schwammig wirkenden Themas annimmt. Das Ziel der beiden ukrainischen Autoren GM Beliavsky und Mikhalchishin ist es, dem Leser zu helfen, die eigene Intuition zu entwickeln und zu verbessern, und zu vermitteln, in welchen Situationen die Intuition oder die konkrete Berechnung eine wichtigere Rolle spielen sollten.

In der Einführung lernen wir zunächst einige verschiedene Ansätze kennen, den Begriff Intuition zu erklären und zu definieren. Danach folgen 19 Kapitel zu allen möglichen Aspekten der Intuition im Schach, eine Kurzfassung der wichtigsten Themen dabei:

1) stellt die "Intuition Tals" vor, zeigt dessen Einstellung zu diesem Thema und führt einige anschauliche Beispiele aus seinen Partien vor, anschließend werden einige prominente "Nachfolger" seiner intuitiven Spielweise vorgestellt.

2) behandelt kurz "einfache intuitive Entscheidungen", die gewöhnlich auf materiellen Erwägungen beruhen.

3) beschäftigt sich ausführlich mit "kombinatorischen intuitiven Entscheidungen" und dem Angriff auf den König.

4) führt kurz in die "intuitiven positionellen Entscheidungen" ein, die anschließend in einzelnen Kapiteln besprochen werden.

5) zeigt das "Qualitätsopfer" in verschiedenen Situationen: Zur Errichtung einer Blockade, zur Einschränkung des Gegners, um Kontrolle über eine bestimmte Felderfarbe zu erlangen, um eine zentrale Bauernkette zu erhalten oder natürlich das berühmte typisch sizilianische Qualitätsopfer auf c3.

6) geht kurz auf das vor allem in geschlossenen Stellungen erwägenswerte Opfer einer Leichtfigur gegen zwei Zentrumsbauern ein, um dann mit den eigenen Bauern das Zentrum zu besetzen und die gegnerischen Figuren einzuengen.

7) zeigt einige Beispiele von "Damenopfer".

8) beschäftigt sich etwas länger mit "Bauernopfer". Einige Themen: Angriff auf einer bestimmten Felderfarbe, Erringung eines "ewigen" Feldes, Aktivierung der Figuren.

9-12) sind recht kurz, ihre Themen: Hinweise, wie man erkennt, ob ein Abtausch gut oder schlecht ist; "welcher Turm" soll auf ein bestimmtes Feld und wie placiert man die Türme in Hinsicht auf den weiteren Verlauf; Prophylaxe durch "mysteriöse ruhige Züge" und die "Verbesserung der am schlechtesten stehenden Figur".

13) "Analyse, Intuition und Fehler in der Beurteilung" ist wieder etwas länger und zeigt die Vor- und Nachteile der Intuition gegenüber der Berechnung und ihre Beziehung zueinander.

14) beschäftigt sich knapp mit "Intuition und Risiko".

15) zeigt die Rolle der Intuition im Endspiel beim Einsatz verschiedener Opfer und zur Vermeidung von Fehlern.

16) geht ausführlich auf "psychologische Faktoren" ein, beispielsweise bei der Eröffnungswahl, bei Entscheidungen, die mit der Spielweise des Gegners zusammenhängen, sowie natürlich den Bluff.

17) behandelt kurz die "Intuition in der Eröffnung".

18) ist eine längere Zusammenfassung des ganzen Bereichs "Intuition" vom bekannten Autor Alexei Suetin.

19) bietet als Abschluss 22 Übungsaufgaben, in denen Sie Ihre Intuition testen können.

Die Kapitel beginnen stets mit einer mehr oder weniger ausführlichen Einführung und zeigen dann anschauliche Beispiele aus der Praxis. Da diese Beispiele vermutlich der beste Weg sind, die Intuition zu trainieren, ist es erfreulich, dass davon insgesamt über 260 in das Buch aufgenommen wurden, wobei viele aus der jüngeren Turnierpraxis stammen.

Neben dem gelungenen Inhalt des Buches, das sich eines selten behandelten Themas überzeugend annimmt, stimmt auch der äußere Eindruck von "Secrets of Chess Intuition", weshalb wir das Buch jedem ambitionierten Spieler empfehlen können, gute Englischkenntnisse vorausgesetzt.

Schach-Markt 4/2002

Die Intuition im Schach hat etwas Geheimnisvolles, schwer Fassbares. Ich jedenfalls bin immer wieder voller Bewunderung, möglicherweise wäre auch neidisch der richtige Ausdruck, wenn ich Partien von Großmeistern sehe und feststellen muss, dass dort die Figuren immer richtig zu stehen scheinen, wenn's los geht. In meinen Partien ist das eher selten der Fall. Um so spielen zu können, muss man ein Gefühl dafür haben - oder einfach wissen - wo die Figuren hingehören. Und das nennt man Intuition. Secrets of Chess Intuition beschäftigt sich mit diesem Wissen um das richtige Feld für eine Figur, den richtigen Abtausch oder die richtige Bauernformation.

Um es gleich vorwegzunehmen: Das Buch ist keine leichte schachliche Kost. Es ist keine Bettlektüre oder das richtige für eine kleine Schachstunde nach einem langen Arbeitstag. Wer aus diesem Buch wirklich Nutzen ziehen will, der muss bereit sein und die Zeit haben, intensiv damit zu arbeiten.

In der Einleitung erläutern Beljawski und Michalschitschin an Hand von Zitaten zahlreicher Schachspieler den Begriff der Intuition genauer. Sie machen deutlich, dass Intuition - zumindest im Schach - vor allem auf der Verwertung von Erfahrungen beruht. Intuition bedeutet die Verwendung des latent vorhandenen Wissens, das durch eigene oder fremde Partien aufgebaut wurde.

Nach dieser kurzen und lesenswerten Einleitung wartet auf den Leser eine erstaunliche Menge an Material. Auf 170 Seiten bringen die beiden Autoren ca. 220 Beispiele unter. Eines haben alle Beispiele gemeinsam: Der Lösungszug macht auf den ersten Blick ein materielles oder positionelles Zugeständnis, erweist sich jedoch später, jenseits des Rechenhorizonts, als richtig. Das Material gliedert sich in verschiedene Kapitel, denen eine allgemeine, wenn auch manchmal sehr kurze, Einführung in das Thema vorangestellt ist. Dann folgen die Beispiele, die in aller Regel nur mit Hilfe eines Brettes zu bearbeiten sind.

Die Materialfülle ist angesichts des Umstands, dass die Autoren Erfahrung für die Grundlage jeder Intuition halten, konsequent. Sie ist zugleich auch die Schwäche des Buchs. Zwar verspricht das Vorwort, das Material mit erläuternden Varianten und / oder Kommentaren zu versehen, aber davon ist später kaum etwas zu merken. So ist der entscheidende Schlüsselzug, der nachher gewinnt, manchmal nur schwer nachvollziehbar. Auch werden selten Alternativen genannt.

Zwar sind die Beispiele gut gewählt, aber der Leser bleibt stark gefordert, wenn er das Ziel des Buches, das Verständnis für die kritischen Entscheidungen, erreichen möchte. Bei dem gewählten Thema reichen einfache Beispiele mit klaren Lösungen offenkundig nicht und so braucht man eigentlich Erläuterungen. Deshalb wäre es meiner Ansicht nach besser gewesen, auf einige Beispiele oder Kapitel zu verzichten, um das restliche Material ausführlicher präsentieren zu können. Gerade in Hinblick auf die Erweiterung des Erfahrungsschatzes. Ist der Leser willens und in der Lage, eventuelle Fragen selbst zu beantworten, wird er von dem interessanten und reichhaltigen Material sicherlich profitieren. Anderenfalls wird das Buch mehr Fragen aufwerfen als beantworten und nur wenig zur Stärkung des Schachgefühls beitragen.

Alles in allem hinterlässt das Buch einen zwiespältigen Eindruck. Zwar ist es durchaus geeignet, dem Leser zu helfen, sein Schachgefühl weiter zu entwickeln. Andererseits haben die Autoren darauf verzichtet, aus ihrer guten und interessanten Materialsammlung wesentlich mehr zu machen als eben nur eine Materialsammlung.

Karl 2/2002 Das aus der Ukraine stammende, jetzt für Slowenien spielende Großmeisterduo geht in diesem Buch der interessanten Frage nach, welche Stellungsprobleme der konkreten Berechnung bedürfen und wo man intuitiv entscheiden darf. In der Mehrzahl der Übungsaufgaben geht es dabei um Opfer - mal auf Position, mal für Angriffschancen.

Die Beispiele sind gut ausgewählt, vielfach allerdings bekannt, und auch bei der Kommentierung haben sich die Autoren kein Bein ausgerissen. Besonders viele Beispiele sind aus den diversen Büchern Suetins bekannt, der übrigens auch als Co-Autor genannt wird. Man findet aber auch genug frisches Material aus den letzten fünf Jahren.

Die ohnehin nicht zahlreichen längeren Textteile wirken altbacken. Im Großen und Ganzen werden die Erkenntnisse aus der Suetin / Krogius/Kotow-Ära wiedergekäut. Gerade der Gambit Verlag hat jüngst mit Büchern zur Mittelspiel - Theorie und - Praxis neue Maßstäbe gesetzt, die hier nicht gehalten werden können. Allenfalls mag die Materialsammlung zu verschiedenen Opfertypen von Interesse sein. Zur relevanten Fragestellung, nämlich wie weit man rechnen soll / muss bzw. an welcher Stelle man getrost die Vorausberechnung abbrechen darf, empfehle ich Nunn: Schachgeheimnisse oder Dworetski: Angriff und Verteidigung, beides bei Olms erschienen.

Harald Keilhack, Schach 09/2002

Die Intuition im Schach ist noch nicht völlig erforscht und hat daher etwas Geheimnisvolles. Mit diesem Problem beschäftigen sich die beiden ukrainischen GM Beljawski und Michaltschischin. Die Autoren versuchen den Lesern zu helfen, wie man die eigene Intuition entwickeln und verbessern könnte. Es ist z.B. wichtig bei der Berechnung der Varianten, wo man in einem kritischen Moment die Berechnung abrechen kann und die Stellung intuitiv abschätzen soll. Der Inhalt des Buches ist reichlich an Themen, z.B. "Intuition Tals", "Verschiedene Form der Intuition", "Intuition und Risiko" usw. Es gibt im Buch viele interessante Beispiele aus der Turnierpraxis, mit deren Hilfe können Sie Ihre Intuition trainieren. Zum Schluss bieten die Verfasser 22 Aufgaben, in denen kann der Leser seine Intuition testen. Das Buch ist für die ehrgeizigen Spieler bestimmt und zu empfehlen.

Jerzy Konikowski, Fernschach International 07/2002

Intuition - ein auch und gerade im Schachbereich gerne verwendetes Wort. Dennoch gibt es meines Wissens kaum Bücher, die sich ausschließlich mit diesem Thema befassen, vielleicht weil der Begriff sich nicht genau oder nur schwer definieren lässt. Eine Rolle in der Schachliteratur hat der Begriff gleichwohl schon lange gespielt, sei es in schachpsychologischen Werken oder in bekannten Lehrbüchern wie denen von Kotow (z.B. ein Kapitel über intuitive Opfer im Lehrbuch der Schachtaktik, Band 2, Sportverlag Berlin 1972, S. 255-296) oder regelmäßig, wenn auch oft eher in verschiedene Lehrstoffe eingearbeitet, von Suetin, etwa in Werken wie "Schachstrategie für Fortgeschrittene" (Sportverlag Berlin 1983, v.a. Band 2, Von der Intuition zum ultradynamischen Stil, S. 86 ff), "Schachlehrbuch für Fortgeschrittene" (Sportverlag Berlin, verschiedene Auflagen) oder "Schachtraining", Berlin 1988 (z.B. Kapitel "Risiko und Intuition", S. 26 ff). Nun hat sich das schon eingespielte Autorenteam Beliavsky / Mikhalchisin an die Aufgabe gemacht, diesem Aspekt des Schachspiels ein ganzes Buch zu widmen. Beide Großmeister sind gewiss kompetent dafür, zumal ohne intuitive Fähigkeiten große Schacherfolge wohl nur schwer zu erzielen sind. Der ehemalige Jugendweltmeister (1973) Beliavsky zählt ohnehin zu den recht kreativen Spielern und gehört nun schon weit über 20 Jahren zur Weltklasse, kämpfte z.B. 1983 mit Kasparow im Kandidatenrumier um die Weltmeisterschaftskrone und galt in diesem Zyklus hinter Kortschnoi als gefährlichster Gegner Kasparows, dem er allerdings mit 6:3 unterlag.

Auch heute ist Beliavsky (Foto - Quelle: SM 64) noch erfolgreich, ich denk z.B. an den Sieg beim Vidmar-Memc rial in Portoroz 2001 vor Gelfand öde an den knapp verpassten Finaleinzu kürzlich beim Schnellschach-Granc Prix in Moskau 2002.

Adrian Mikhalchisin (Foto - Quelle: ChessBase) ist in Deutschland z.B. von seinem Sieg im Dortmunder Turnier "Damen fordern Herren" aus dem Jahre 2001 her bekannt, wo er vor den Großmeistern Arshak Petrosjan und Igor Glek gewinnen konnte. Doch nun zum Buch selbst. Kann man überhaupt Intuition lernen? Gewiss gibt es auch im Schachbereich Vorgaben und Grenzen durch das "ererbte Talent", die durch noch so viel Übung nicht wettgemacht werden können. Aber schulen kann man dennoch vieles, so einerseits den Blick fürs Notwendige und Stellungsgemäße, anderseits aber auch die Kreativität, die keineswegs völlig unabhängig vom Wissen, von der Kenntnis vieler Vorbilder ist. Und so hat das Autorenteam "much food for thought" zusammengestellt, insgesamt um die 250 Partien und Partiestellungen mit wirklich vielen interessanten und überraschenden Momenten, die teils aus der Literatur schon gut bekannt, teils neu sind, da auch reichlich Partienmaterial aus den Jahren 1998-2000 eingearbeitet ist. Das Schmökern in den angebotenen Einfallen, Kombinationen und Fehlern macht schon Spaß, allerdings fällt die Kommentierung so manches Mal zu knapp aus. Vielleicht soll das so sein, um die Wendepunkte deutlicher zu akzentuieren, aber vor allem für schwächere Spieler bleiben doch viele Fragen offen. Mir fiel z.B. die Partie Korcnoj Petrosjan, Aljechin-Memorial Moskau 1971 auf, die Petrosjans feines frühzeitiges Gespür für sich anbahnende Gefahren oder Entwicklungen an

Schachbrett aufzeigen soll. Nach 1. c4 c6 2. d4 d5 3. Sf3 Sf6 4 . Sc3 e6 5. Db3 Le7 6. Lg5 Sbd7 7 . e3 0-0 8. Ld3 b6 9. 0-0 Lb7 10. Tf1d1 entsteht die behandelte Stellung mit dem Augenmerk auf den überraschenden prophylaktischen Zug 10. ...Kh8!?: Zunächst den Fortgang der Partie und der Kommentare: "Es wurde seinerzei gewitzelt, dass der König sich anschickt, ein Loch auf dem Königsflügel zu graben, aber ein interessantes Manöver wird vorbereitet." 11. Tad (11. e4 ist verfrüht wegen 11. de4: 12. Se4: Se4: 13. Le7: De7: 14. Le4: Sf6 und 15. ...c5) Se8! 12. Lxe7 De7: 13. cxd exd5 14. Da4?! (14. e4 ist stärker trotz der Tatsache, dass Weiß sich einei isolierten Bauern einhandelt.) Sd6 15 Da3 Tae8 16. Te1 f5 17. Se5?! (Eine riskante Entscheidung, obwoh Schwarz Ideen wie ...a5 nebst ...g5 mi Beginn eines Königsangriffs zur Verfügung hat.) 17. ...Sxe5 18. dxeS Dxe5 19. Dxa7 d4! (Diesen Zug hatte Korcnoj wohl übersehen) 20. f4 Df6 21. Sd1 Dd8 22. Te2 c5 23. exd4 c4! (Taktisch war Petrosjan einfach großartig!) 24. Txe8 Txe8 25. Lf1 Te1 26. Da3 Se4 27. d5 Sd2 28. Kf2 T:f1 29. Ke2 Lxd5 30. De3 c3 0:1 Prinzipiell ist an der Kommentierung nichts auszusetzen, aber sie ist doch für den Laien sehr knapp gehalten. So wird der Sinn des Zuges 10. ...Kh8!?' letztlich nicht recht erklärt. Erst durch den Partiefortgang wird klar, dass Schwarz so auch f5 ermöglicht um den König vor einem störender Schach auf der Diagonale a2-g8 schützt, aber ist das für alle Varianten zwangsläufig? Und: Beliavsky / Mikhalchisin geben für Weiß nur die Verbesserung 14. e4 an, während früher Suetin und Gheorghiu die Variante mi 14. ...de4: 15. Le4: Sd6 16. Te1 und kleinem weißen Vorteil fortführen. Das ist nicht ganz unwichtig, um zu sehen dass so erstens wiederum Schwarz prinzipiell f5 (anders als etwa nach 15. ...Sg8f6) zur Verfügung hat und zweitens allerdings auch die Problematik der Stellung der schwarzen Dame klar wird. Die prophylaktische aber keineswegs nur rein passive Idee Petrosjans mit Vor- und Nachteilen wird hier jedenfalls nicht besonders gut herausgearbeitet. Freilich gilt das nicht für alle Stellungen, es gibt auch etliche ausführlich kommentierte Stellen, aber eben für Anfänger oder schwächere Spieler scheint das Buch insgesamt weniger geeignet zu sein. Gegliedert ist das Buch übrigens wie folgt: Nach einem einleitenden Kapitel über den genialen Exweltmeister Mikhail Tal und einem weiteren über einfache intuitive Entscheidungen, teil das Autorenteam das Material in drei Typen von intuitiven Entscheidungen ein, kombinative, positionelle und psychologische. Im einzelnen finden typische Themen wie Bauernopfer, Qualitätsopfer, Damenopfer, Verbesserung der schlecht platziertesten Figur, Intultion und Risiko, die Einschätzung vor Angriffschancen, mysteriöse ruhige Züge, Intuition und Irrtum und dergleichen ihren Platz. Das Buch schließet ein Kapitel über Suetin und diverse Testbeispiele ab.

Insgesamt ein interessantes Buch zu einem interessanten Thema mit vielen studierenswerten Beispielen, die allerdings doch wiederholt eine ausführlichere Kommentierung verdient hätten.

Helmut Riedl in Rochade für Europa 10/2002.

Geheimnisse der Schachintuition

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