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LXTIMDKDL
Autor

Die Kraft der Leichtfiguren

Eigenschaften

246 Seiten, kartoniert, New in Chess, 1. Auflage 2006

19,95 €
Inkl. 5% MwSt., zzgl. Versandkosten

In Die Kraft der Leichtfiguren zeigt der frühere Weltmeisterschaftskandidat und gefeierte Schachautor Jan Timman Wege durch den faszinierenden Reichtum des Mittelspiels. Auf der Grundlage zahlloser Beispiele, die ihm während seiner ereignisreichen Karriere begegneten, handelt Timman Themen wie "starker Springer gegen Läufer“ und "das dominante Läuferpaar“ ab.

Wie würden Sie fortfahren, wenn Sie aus der Eröffnung mit einem starken Springer herauskommen und Ihr Gegner ist auf einem schlechten Läufer sitzen geblieben?

Und ist das Läuferpaar wirklich so stark wie man sagt?

Und wie kann man dieses Pfund maximal nutzen? Oder wie können Sie mit vertauschten Rollen den Schaden begrenzen?

Mit seinem einleuchtenden Stil und seinem praktischen Ansatz wandelt Timman auf den Spuren seiner Lehrer Max Euwe und Michael Botwinnik. Die Kraft der Leichtfiguren ist ein Buch, welches sowohl geisterte Anfänger als auch erfahrene Vereinsspieler erfreuen wird.

REZENSIONEN DER ENGLISCHEN BZW.NIEDERLÄNDISCHEN AUSGABE:

Positive Rezensionen von Die Kraft der Leichtfiguren:

"Ein ausgefeiltes Produkt, wo fast jedes Wort und jede Variante ihren richtigen Platz hat. Höchst empfehlenswert.“

BRITISCHER MEISTER GM JONATHAN ROWSON

“Wo sich insbesondere Kasparow gern hinter dicken Variantenbäumen verschanzt, trägt Timman Sorge dafür, dass der Leser stets die logische Abfolge der wechselseitigen Manöver nachvollziehen kann. ...

Daneben lernt man viel über die Kunst der Bauernführung sowie über das Positionsspiel schlechthin.&rdquo

HARALD KEILHACK IN "SCHACH“

"Diese Sammlung wird schwer zu übertreffen sein.“

DAVID SURRATT IN "CHESSVILLE“

"Timmans Reputation als einer der besten Schachschreiber wurde mit dieser gelungenen Partiensammlung erneut bestätigt. Hervorragende Kommentare!&rdquo

SEAGAARDS CHESS REVIEWS

Weitere Informationen
Gewicht 525 g
Hersteller New in Chess
Breite 17 cm
Höhe 23,5 cm
Medium Buch
Erscheinungsjahr 2006
Autor Jan Timman
Sprache Deutsch
Auflage 1
ISBN-10 9056911961
ISBN-13 9789056911966
Seiten 246
Einband kartoniert

007Vorwort

Kapitel 1

009Die Kraft des Springers - Partien

011 Partie 1: Andersson - Browne

017 Partie 2: Karpow - Kasparow

024 Partie 3: Romanischin - Timman

030 Partie 4: Kasparow - Karpow

039 Partie 5: Karpow - Sokolow

045 Partie 6: Karpow - Jussupow

050 Partie 7: Anand - Kamsky

059 Partie 8: Leko - Topalov

066 Partie 9: Lautier - Kramnik

073 Partie 10: Polgar - Anand

080 Partie 11: Piket - Azmaiparaschwili

084 Partie 12: Timman - Avrukh

Kapitel 2

091Die Kraft des Springers - Endspiel

Kapitel 3

119Dominanz des Läuferpaars

121 Partie 13: De Firmian - Alburt

128 Partie 14: Qi Jingxuan - Timman

134 Partie 15: Karpow - Seirawan

145 Partie 16: Kasparow - Sokolow

150 Partie 17: Ljubojevic - Chalifman

157 Partie 18: Bologan - Romanischin

163 Partie 19: Anand - Tiviakov

176 Partie 20: Leko - Topalov

184 Partie 21: Short - Polgar

192 Partie 22: Shirov - Kasparow

Kapitel 4

199Dominanz des Springerpaars

201 Partie 23: Hübner - Kortschnoi

207 Partie 24: Psakhis - Speelman

217 Partie 25: Iwantschuk - Kasparow

Kapitel 5

225Dominanz von Läufer und Springer

227 Partie 26: Karpow - Kamsky

235 Partie 27: Salow - Kamsky

241 Partie 28: Ponomarjow - Vallejo

Jan Timman zählt zu den renommiertesten Endspielexperten seiner Zeit. Seine Bücher sind meist ein Genuss, auch wenn der Holländer heute nicht mehr zur Weltspitze zählt. Sein Buch Die Kraft der Leichtfiguren beschäftigt sich mit einem sehr speziellen Thema. In 28 prototypischen Partien seit 1983 zeigt er die unterschiedlichen Kräfteverhältnisse zwischen Springer und Läufer. Es mag überraschen, dass er auf jegliche Fischerpartien verzichtet, die dem Endspieltyp dank der Vorliebe des Amerikaners den Namen geliehen haben (vgl. S.30ff.) Trotz dieser Einschränkung ist es eine höchst illustrative Sammlung. Der Holländer war früher für seine tiefschürfenden und umfangreichen Analysen bekannt. Heute sind seine Kommentare deutlich kürzer, obwohl er gelegentlich zu seiner alten Gründlichkeit zurückfindet. In Kraft der Leichtfiguren richtet er seinen Blick nicht nur auf das Endspiel, sondern zeigt den gesamten Partieverlauf. In fünf Kapiteln betrachtet Timman die Überlegenheit der Springer, die Dominanz des Läufer- bzw. Springerpaares, sowie die Dominanz von Springer und Läufer. Der Autor versieht jede einzelne Partie mit einem kurzen Vorspann, in der Informationen zu den beteiligten Spielern, Turniersituation oder besondere Vorkommnisse dargelegt werden. Seine kenntnisreichen Anmerkungen, die von jeher ein Genuss sind, verdeutlichen das Zusammenspiel beider Leichtfiguren, zeigen die Unterschiede und die Stärken und machen augenfällig, wie die Vorteile im Endspiel schon im Mittelspiel vorbereitet werden. Ein empfehlenswertes Buch, das weit mehr als Endspielkenntnisse vermittelt.

Mit freundlicher Genehmigung

Harry Schaack, KARL 2/2008

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Informationen zum Autor

Jan Timman wurde am 14. Dezem­ber 1951 in Amsterdam (Niederlan­de) geboren, wo er auch heute noch lebt. Timman gehört damit dem le­gendären 1951er Jahrgang an, denn neben ihm erblickten auch Anatoli Karpow, Ulf Andersson (mit dem Timman häufig analysierte), Rafael Waganjan, Zoltan Ribli, Gyula Sax und Eugenio Torre in diesem Jahr das Licht der Welt. Timman errang bereits im Jahr 1974 den Titel eines Schachgroßmeisters. Ihm gelang es wie seinem berühmten Landsmann Professor Dr. Max Euwe, dem fünf­ten Schachweltmeister, die Schach­szene der Niederlande über Jahr­zehnte zu beherrschen und quasi Heldenstatus zu erlangen. Jan Tim­man galt über mehrere Jahre als "Best of the West", also bester Schachspieler außerhalb der UdSSR, und er belegte Anfang 1982 kurzzei­tig hinter Weltmeister Karpow Platz 2 der Weltrangliste. Nach dem ko­metenhaften Aufstieg Kasparows war Timman 1989 noch einmal die Nummer 3 der Welt hinter K&K. Ein Match um dem Weltmeistertitel gegen Karpow blieb ihm jedoch lan­ge verwehrt, weil er sich bei den In­terzonenturnieren 1979 in Rio de Janeiro und 1982 in Las Palmas je­weils nicht durchsetzen konnte. 1985 schaffte er es nach einem 3:3 im Ausscheidungskampf aufgrund besserer Wertung gegen den im Kandidatenturnier punktgleichen Exweltmeister Michail Tal aber ins Halbfinale der Kandidatenkämpfe, wo er nach anfänglicher Führung aber Artur Jussupow mit 3:6 unter­lag. 1990 gelang ihm schließlich der Einzug ins Kandidatenfinale und da­mit das lang ersehnte Match gegen Karpow. Karpow dominierte aber eindeutig und qualifizierte sich mit 6,5:2,5 wieder für das WM-Duell gegen Kasparow. 1993 schien schließlich Timmans Stunde gekom­men. Karpow war im Kandidaten-Halbfinale sensationell an Nigel Short gescheitert, und Timman traf im Finale auf den Engländer. Doch Timman unterlag erneut, so dass Short in den Genuss des WM-Mat­ches gegen Kasparow kam. Da Kas­parow und Short ihr Match aber außerhalb des Weltverbandes FIDE or­ganisieren wollten, musste die FIDE einen Ersatzkampf organisieren, der 1993 zwischen Timman und Karpow stattfand. Hier suchte Timman seine Chance, war lange gleichwertig, musste sich aber Karpow letztlich doch deutlich 8,5:12,5 beugen.

Timmans Ruhm als Autor

Jan Timman kann zweifellos zu den wenigen Schachgrößen gezählt wer­den, die als Autoren von Schachbüchern einen ebenso glänzenden Ruf genießen wie als Spieler. Timman begründete seinen Ruhm als Schach­schreiber bereits mit seiner ersten größeren Veröffentlichung, die in den Niederlanden ursprünglich im Jahr 1979 unter dem Titel Het groot Analysebook (benötigt sicher keine Übersetzung) bei Andriessen-Kee sing in Amsterdam herausgebracht wurde. In Deutschland erschien das Werk 1982 im Verlag Das Schachar­chiv in Hamburg mit dem Titel Jan Timman analysiert Großmeisterpar­tien . Das Buch ist hierzulande seit langem vergriffen, wobei kürzlich zu vernehmen war, dass Rattmann eventuell eine Neuauflage plant. In England kam es 1980 bei R. H. M. Press London 1980 als The Art of Chess Analysis zur Veröffentlichung. Eine Neuauflage wurde 1993 in den Niederlanden bei Bakker (Amster­dam) nun unter dem Titel De Kunst van de Analyse veröffentlicht. Auch vom englischen The Art of Chess Analysis gab es 1997 einen Nach­druck bei Cadogan Chess (mittler­weile Everyman Chess) London. In dieser legendären Arbeit zu Zeiten, in denen es hauptsächlich den Infor­mator und sonst wenig gab, analy­siert Timman 24 Großmeisterpartien mit großer Ausführlichkeit. Weiß man, dass die deutsche Ausgabe 213 Seiten umfasste, so lässt sich leicht ein arithmetisches Mittel von etwa 9 Seiten pro Partie überschlagen. Der Reigen reicht von Portisch - Smyslow, 1971 bis Karpow - Hort, 1979. Ungewöhnlich war und ist, dass Timman beim Großteil der Partien (Fünf eigene Partien sind zwar da­bei, aber immerhin sechs mit Karpow als einem der beiden Akteure.) nicht als einer der beiden Spieler auftaucht. Es war lange Zeit die ab­solute Ausnahme, dass sich ein Schachprofi derart umfassend mit Partien beschäftigt, die er nicht selbst gespielt hat. Timman betrach­tete die Analysetätigkeit als Trainingsmaßnahme zur Verbesserung seines Schachverständnisses auf sei­nem Weg vorn aufstrebenden inter­nationalen Meister zum Großmeis­tertitel. Beachtet man zudem, dass er damals natürlich nicht auf die Hilfe von Analyse-Engines setzen konnte, so ist seine Leistung aus heutiger Sicht kaum hoch genug einzuschät­zen. Bis zu Stohls Modern Chess Masterpieces und Kasparows Predecessors -Reihe blieb Timman als Analytiker "fremder" Partien nahezu allein auf weiter Flur. Herausragend ist auch Timmans Stil. Man findet kaum irgendwo anders so ausführli­che Textkommentare und Zusatzinformationen zur Partie und den bei­den Spielern. An seiner gründlichen Analyse und der punktgenauen Er­klärung kritischer Stellungen wird deutlich, dass sich Timman sehr an Botwinnik orientiert hat. Die Varianten sind durchaus präzise, ergeben aber in ihrem Umfang keinen Wald, in dem man sich verirrt und aus dem man nicht mehr herausfindet. Neben dem Einfluss Botwinniks ist der Max Euwes spürbar. Beide waren bekanntlich auch Wissenschaftler, und wie sie schließt Timman vom Allgemeinen auf das Besondere.

Auch Folgetitel von Timman wur­den Hits. Die Angaben des Rezen­senten erheben dabei keinen An­spruch auf Vollständigkeit. In den Niederlanden erschienen Schaakwerk (Andriessen, Amsterdam 1983), Het smalle Pad: Ervaringen met het Wereldkampioenschap (Bakker, Amsterdam 1988) und Schaakzaken (Bakker, Amsterdam 1990). Zuerst bei New In Chess (Interchess, Alkmaar 1994) kam die Partien­sammlung Chess the Adventurous Way: Best Games and Analyses 1983-1993 heraus, 1995 erschien sie auch bei Cadogan London als Timman's Selected Games: Chess the Adventurous Way . Jan Timman widmet sich in seinen Analysen mit gro­ßer Begeisterung bevorzugt dem Endspiel, er komponiert auch selbst Studien, von denen 40 im Buch Aus­gewählte Endspielstudien (Fink, Ko­blenz 1995) zusammengefasst wur­den. Im Jahre 2002 erschien eine Neuauflage des mit Max Euwe zu­sammen verfassten Buches Fischer -World Champion! bei New In Chess, zu dem Timman einen Großteil der Analysen beisteuerte. Ebenfalls ein großer Erfolg wurde Curagao 1962. The Battle of Minds that shook the world , das 2005 bei New In Chess herauskam und sich mit dem Kandidatentumier 1962 befasste. Timman analysiert nicht nur wichtige Partien, sondern beleuchtet auch die schach­historisch interessanten Umstände, die dazu führten, dass Petrosjan als Sieger und Herausforderer von Bot­winnik aus dem Turnier hervorging. Das vorliegende Buch Die Kraft der Leichtfiguren erschien zuvor in englischer Sprache 2004 bei New In Chess unter dem Titel Power Chess with Pieces . Dieses entstand wieder­um durch Vereinigung der bereits 2002 in Niederländisch bei New In Chess erschienenen Bücher De Kracht van het Paard und De Macht van het Loperpaar , 2006 erschien bei New In Chess sein jüngstes Werk On the Attack , das 33 ein­drucksvolle Angriffspartien von 11 Akteuren darunter Karpow, Kasparov, Timman selbst, Topalow, Iwantschuk und Judit Polgar, sowie eine Sammlung von großartigen Kombinationen enthält. Timman widmete sich auch den Eröffnungen. Es erschienen von ihm bei New In Chess die beiden CD-ROMs King's Indian Defence (1997) und The Open Games (1999). Bereits 1994 war bei seinem Hausverlag Scotch Opening herausgekommen, eine Veröffentlichung, die ein Handbuch und eine Diskette umfasste.

Darüber hinaus ist Timman Chefredakteur des New in Chess Magazine , für das er auch regelmäßig Partien analysiert und eine Kolumne führt.

Konzeption und Inhalte

Jan Timman möchte dem Leser die Duelle der Leichtfiguren anhand strategischer Konzepte erläutern. Er beginnt dabei in Kapitel 1 mit dem strategischen Konzept des starken Springers gegen den schlechten Läu­fer, das er als eines der bekanntesten und am einfachsten zu erkennenden ansieht. Es gilt, dass der Springer den Läufer dominieren kann, wenn dessen Reichweite durch einen oder mehrere seiner eigenen Bauern ein­geschränkt ist, die auf der Farbe des Läufers festgelegt sind. Handelt es sich um einen einzigen Bauern, so ist er isoliert, bei mehreren festge­legten Bauern ergibt sich eine halbgeschlossene oder geschlossene Stellung, in welcher sich die Überle­genheit des Springers gegenüber dem Läufer deutlich zeigt und übli­cherweise vergrößert, wenn es dem Läufer nicht gelingt, aus der Bauern­kette auszubrechen und am Angriff teilzunehmen. Der Vorteil für den Spieler mit dem Springer zeigt sich vor allem dann, wenn das Material durch Abtauschhandlungen reduziert wird. Timman verdeutlicht die Kraft des Springers im ersten Kapitel mit Hilfe von 12 Partien, darunter einige wahre Klassiker. Karpow ist in drei dieser Partien auf der Siegerseite zu finden, es sind dies die berühmte 9. Partie aus dem unvollendeten WM-Kampf 1984/1985 gegen Kasparow, die 10. Partie des Kandidaten-Superfinales 1987 gegen Andrej Sokolow und die Gewinnpartie gegen Artur Jussupow aus dem Interpolis-Turnier Tilburg von 1993. Einmal ist Karpow auch Verlierer, nämlich bei einem Sahnestück dieses Kapitels, der 22. Partie des WM-Kampfes 1986, die Kasparow glänzend ge­wann und damit die WM-Revanche doch noch für sich entschied.

Dem Duell des Springers gegen ei­nen schlechten Läufer hat Timman auch ein eigenes Endspielkapitel - Kapitel 2 - gewidmet, weil er damit die Möglichkeit sieht, die Endspiel­theorie zu bereichern. Er greift dafür auf Material zurück, das er 1996 für zwei Vorlesungen an der Universität Tilburg zum Thema Springer gegen schlechten Läufer vorbereitet hatte. Zur Veröffentlichung im vorliegen­den Buch überarbeitete er beide Vor­lesungen und ergänzte sie um weite­re Beispiele aus der jüngeren Ver­gangenheit. Die Partiefragmente in diesem Kapitel 2 sind nicht im In­haltsverzeichnis niedergelegt. Aller­dings werden die Partie 2 - Karpow - Kasparow, Moskau 1984, 9. WM-Partie - und die Partie 11 - Piket -Asmaiparaschwili, Montecatini Terme 2000 - aus dem ersten Kapitel, deren Kommentierung dort nach dem 44. bzw. 34. Zug abgebrochen worden war, aufgrund des vorliegen­den Endspielthemas nun hier wieder aufgegriffen.

Mit der Dominanz des Läuferpaars beschäftigen sich das Kapitel 3 und dabei die Partien 13 bis 22. Timman sieht die Strategie, die sich aus dem Besitz des Läuferpaars ergibt, als ebenfalls sehr wichtig an. Er behan­delt das Läuferpaar deshalb auch als zweites strategisches Konzept inner­halb des Buches. Dafür hat er Par­tien ausgewählt, in denen die Läufer genügend Raum besitzen und das Brett kontrollieren. Besonders an­schaulich wird die Stärke des Läu­ferpaars anhand der Partie Karpow-Seirawan, Brüssel 1986, demons­triert. Karpow besaß in dieser Partie die so genannten Horwitz-Läufer, die benachbarte Diagonalen kontrol­lieren und damit für den Gegner sehr gefährlich wurden. Karpow hätte die Partie kombinatorisch im 43. Zug entscheiden können, ließ diese Gele­genheit aber verstreichen. Dies ge­schah jedoch nicht zum Schaden des Betrachters, denn wir bekommen danach ein Endspiel zu sehen, in dem Karpow die Läufer meisterhaft nutzt, er gibt vorübergehend einen Bauern und letztlich sogar das Läu­ferpaar auf, um zum Gewinn abzu­wickeln. Ein Hochgenuss, wenn man sich die Zeit nimmt, die Kom­mentare Timmans auf über 10 Seiten nachzuvollziehen. Der Rezensent er­innert sich übrigens gern an das von Bessel Kok organisierte SWIFT-Turnier Brüssel 1986, das kurz nach dem Verlust des Weltmeistertitels ei­nen glänzenden Erfolg für Karpow brachte (7 Siege, 4 Remisen und 2 Punkte Vorsprung auf den Zweiplat­zierten Kortschnoi), mit dem er sich nachdrücklich für den Revanche­kampf gegen Kasparow empfahl.

Bleibt die Stellung hingegen weitge­hend geschlossen, so kommt das Läuferpaar nicht so zur Geltung, da es in seiner Reichweite stark einge­schränkt bleibt. In Kapitel 4 betrach­tet Jan Timman denn auch drei Par­tien (23-25), in denen zwei Springer über das Läuferpaar triumphieren. Darunter ist vor allem die Auseinan­dersetzung Iwantschuk-Kasparow, Linares 1991, in die Schachgeschichte eingegangen, denn mit dem glänzenden Sieg Iwantschuks nach 38 Zügen wurde damals in gewisser Hinsicht auch das Turnierschicksal entschieden. Die Läufer Kasparows mussten dabei während der gesam­ten Partie auf den letzten beiden Reihen verharren...

Das abschließende Kapitel 5 bietet schließlich drei Partien (26-28), in denen sich Springer und Läufer dem Läuferpaar überlegen zeigen. Be­merkenswert sind zwei Siege von Gata Kamsky, der mit strategischen Meisterleistungen jeweils das Läu­ferpaar von Anatoli Karpow (Tilburg 1991) und Waleri Salow (6. Match­partie, Kandidatenkampf Sanghi Nagar 1995) bändigt. Dies verdient be­sondere Beachtung, da Karpow und Salow ja beide herausragende Positi­onsspieler sind bzw. waren. Salow ist seit geraumer Zeit nicht mehr ak­tiv, während Karpow sein Können immerhin hin und wieder bei Schnellschachevents aufblitzen lässt.

Man kann konstatieren, dass Tim­man - wie es Robert Hübner im Ti­telzitat ausdrückt - ein Meister bei der Erklärung der Motive und Struk­turen kritischer Stellungen ist. Tim­mans Anmerkungen sind recht wort­reich, so dass dem Leser das Nach­vollziehen der Manöver und forcier­ten Abwicklungen erleichtert wird. Textanmerkungen und Varianten ste­hen bei ihm in einem ausgewogenen Verhältnis. Auch wenn heute Partie­anmerkungen für jedermann greifbar sind, und zu den im Buch aufge­nommenen Partien auch fast durch­weg im Informator vorhanden sind, ist es nach wie vor etwas Besonde­res, die Kommentare von Jan Tim­man zu lesen. Mag sein Aufwand geringer gewesen sein als zu Zeiten, als er die Kommentare für Het groot Analysebook erstellte, sein Stil ist unverändert faszinierend.

Einige Kritikpunkte am Buch sind dennoch anzuführen, die Schuld da­für liegt jedoch nicht bei Jan Timman.

In formaler Hinsicht ist zu bemän­geln: Auf S. 43 sind in der linken Spalte die Zeichenabstände derart drastisch verringert worden, dass es dem Betrachter sofort auffällt. Wa­rum sind die Lektoren René Olthof und Ewoud van Hecke nicht darauf aufmerksam geworden? Verringerte Zeichenabstände sind auch noch an anderen Stellen des Buches anzu­treffen.

Für die Übersetzung aus dem Engli­schen ins Deutsche zeichnet der schachjournalistisch unter anderem für das Schachmagazin 64 tätige Ha­rald Fietz verantwortlich. Der Rezensent möchte sich mit seiner Ein­schätzung nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, da er nicht über die englische Vorlage verfügt, aber eini­ge Nachlässigkeiten stechen dem Betrachter förmlich ins Auge. Der im Deutschen etwas holprige Unter­titel Der praktische Führer zum er­folgreichen Einsatz des Läuferpaars & starker Springer erscheint im Buch so breit, dass das D am Anfang auf der Seite kaum noch erkennbar ist. Hätte man hier keine griffigere Formulierung finden können, die den­noch den Kern der Suche trifft? Blättert man weiter ins Inhaltsver­zeichnis, in dem die einzelnen Par­tien mit Spielern und Seitenzahlen aufgelistet sind, muss man leider konstatieren, dass die Übersetzung der Spielernamen uneinheitlich vor­genommen wurde. Ist zunächst mit Karpow, Kasparow, Sokolow und Jussupow noch alles in Ordnung, findet man aber dann Azmaiparaschwili (statt Asmaiparaschwili) und noch schlimmer Avrukh (statt Awruch). Auf der zweiten Seite des In­haltsverzeichnisses wird es noch bunter: Tiviakov (statt Tiwjakow), Topalov (statt Topalow), Shirov (statt Schirow) und Psakhis (statt Psachis) sorgen für einige Minus­punkte und werfen die Frage auf, wo das Lektorat seine Augen hatte, wenn der Übersetzer schon nicht die richtige Schreibweise beherrscht. Die Schreibweisen werden dann auch in den Kommentaren zu den je­weiligen Partien so beibehalten. Auf den Seiten 52 und 53 wird in den Kommentaren zur Partie Anand - Kamsky, Sanghi Nagar 1994, eine Schwarzpartie von Anatoli Karpow gegen Jordi Magem, Madrid 1992, angegeben. Dabei wird Magem auf S. 52 zunächst als "Magan" bezeich­net, bevor dann auf S. 53 die richti­ge Schreibweise des Namens folgt. Des Weiteren wirkt die Übersetzung an einer Reihe von Stellen wenig ge­konnt, d.h. der Übersetzer verwen­det zuweilen kein gutes Deutsch. Dies wird beispielsweise anhand fol­gender Passage (S, 163) deutlich: "Und er entschloss (sic!) sich nicht für 1.d4, sondern für l.Sf3, den fa­vorisierten Zug seines Rivalen Kramnik." Üblich ist die Verwen­dung von "entschloss sich zu ..." oder "entschied sich für ...". Ein weiteres Beispiel auf S. 184 zur Par­tie Short - Polgar, Budapest 2003: "Solche (sic!) eine "Tisch-Analyse" kann eine sehr gute Vorbereitung sein. In der Partie verteidigte sich Judit ziemlich gut gegen eine weiße Ungenauigkeit (sic!), ... " Oder auf S. 241 zur Partie Ponomarjow - Vallejo, Bled 2002: "Durch systemati­sches Manövrieren gelang es ihm, der Begegnung (sic!) seinen Willen aufzuzwingen." Schließlich auf S. 33 zu Kasparow - Karpow, Lenin­grad 1986, 22. WM-Partie: "Relativ betrachtet ist es jedoch die beste schwarze Option, denn nach jedem anderen Zug würde Weiß einfach über seinen Königsflügel angetram­pelt (sic!) kommen." Es ließen sich weitere Beispiele finden. Ebenfalls unangenehm fallen an einigen Stel­len Flüchtigkeitsfehler und die Ver­mischung von alter und neuer Rechtschreibung auf.

Fazit

Timmans Buch ist eine eindrucks­volle Sammlung von Partien zum Duell Springer gegen Läufer sowie des Läuferpaars gegen Springerpaar und gegen Springer und Läufer. Die Analysen und Textkommentare von Jan Timman sind instruktiv. Der Re­zensent möchte nicht dem hinteren Klappentext folgen und das Buch auch "begeisterten Anfängern" emp­fehlen, doch vom Vereins- bis zum Topspieler können viele Schachfreunde von "Die Kraft der Leichtfi­guren" profitieren, wenn sie bereit sind, etwas mehr Zeit in das Studi­um einer Partie zu investieren, denn Timmans Kommentare erstrecken sich jeweils über mehrere Seiten. Im Falle der Partie Anand - Tiwjakow, Wijk aan Zee 1996, sind es bei­spielsweise 12,5 Seiten, wobei die Partie aber auch 100 Züge dauert... Wie viel man mitnimmt, hängt letzt­lich von jedem selbst ab. Etwas spartanisch wirkt nur das Inhaltsver­zeichnis, in dem lediglich die Na­men der Spieler und die Seitenzah­len vorkommen, die Ortsangaben aber fehlen. Die Partiefragmente aus Kapitel 2 werden im Inhaltsver­zeichnis nicht aufgelistet, weitere Register sind nicht vorhanden. Dies trübt allerdings den guten Eindruck, den dieses Buch hinterlässt, kaum. Jan Timman hat seiner Liste heraus­ragender Veröffentlichungen einen weiteren Titel hinzugefügt.

Dr. Sören Bär, Rochade Europa 1/2007

********** Im Schach Markt Nr. 4/2004 haben wir Ihnen 'Power Chess with Pieces' von Jan Timman vorgestellt. Das äußerst erfolgreiche Buch wurde nun von Harald Fietz unter dem Titel 'Die Kraft der Leichtfiguren' ins Deutsche übersetzt. Inhaltliche Veränderungen wurden nicht vorgenommen.

Jan Timman beleuchtet Stärken und Schwächen von Leichtfiguren in Mit­tel- und Endspielen. Das Buch enthält 28 vollständige Partien aus den Jah­ren 1983 - 2003, gespielt auf den wichtigsten Turnieren von Meistern wie Kasparow, Kramnik, Anand, Iwantschuk, Leko, Karpow und ande­ren. Im Abschnitt über Endspiele fin­den wir auch zahlreiche Beispiele aus früherer Zeit.

Im ersten Kapitel sehen wir jeweils einen dominanten Springer, der sich dem gegnerischen Läufer als überlegen erweist. Das zweite Kapitel bietet die gleiche Rollenverteilung, nun aber im Endspiel.

Den Stärken des Läuferpaares ist das dritte Kapitel gewidmet. In den beiden letzten Abschnitten geht es um das Springerpaar sowie das Zusam­menspiel von Läufer und Springer.

Trotz dieser speziellen Einteilung handelt es sich doch um ein allgemei­nes Lehrbuch des Schachspiels, ins­besondere des Mittelspiels. Die Ana­lysen sind tief und ausführlich, aber sie ermüden den Leser nicht.

Timman findet stets die richtige Mischung aus Varianten und Text und macht dadurch das Buch lehr­reich und unterhaltsam. Die Verständlichkeit der Anmerkungen ist so gut gelungen, dass ein breiter Leserkreis angesprochen wird: Wir können dieses ausgezeichnete Werk allen fortgeschrittenen Schachfreun­den sehr empfehlen.

Schach Markt 4/2006