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Art.-No.: LXTISSDG

Schauspiel des Geistes

200 pages, paperback, Exzelsior, 1. edition 2012.

€23.80
Incl. 7% Tax, excl. Shipping Cost

Nur wenige Rekorde überdauern 64 Jahre. Einen davon stellte der polnisch-argentinische Schachgroßmeister Miguel Najdorf auf, als es ihm 1947 gelang, gleichzeitig 45 Partien aus dem Gedächtnis zu spielen - ja, Sie haben richtig gelesen: ohne die Bretter und Figuren zu sehen!

Erst Marc Lang, ein 41 Jahre alter Programmierer aus dem schwäbischen Günzburg, traute sich zu, diese legendäre Bestmarke anzugreifen. Hier erzählt er selbst die Geschichte seiner Rekordjagd im Blindsimultanschach, die 2011 in Sontheim an der Brenz ihren Höhepunkt erreichte.

Details

Language German
Author Negele, Dr. Michael
Tischbierek, Raj
Publisher Exzelsior
Edition 1.
Medium Book
Weight 390 g
Width 15.3 cm
Height 23 cm
Pages 200
ISBN-13 978-3935800075
Year of Publication 2012
Binding paperback

Contents

007 Vlastimil Hort - Vorwort

009 Marc Lang - Lust auf Schach

Über die Faszination des königlichen Spiels, mein Gedächtnis und die Geschichte meines Blindsimultan-Weltrekords

073 Raj Tischbierek - Ein Märchen für Erwachsene

085 Die 46 Partien des Weltrekords

093 Dr. Michael Negele - Schach im Blinden Fleck

EINBLICK INS DUNKLE

Von Harry Schaack

Als Marc Lang am Morgen des 27. November 2011 in Sontheim nach 21 Stunden sein Blindsimultan an 46 Bretter bewältigt hatte, war einer der ältesten Rekorde des Schachs gefallen. Symbolische 64 Jahre zuvor hatte Miguel Najdorf in S\'e3o Paulo an 45 Brettern einen sagenhaften Blindsimultanweltrekord aufgestellt, der kaum zu schlagen schien. Langs Fabelleistung sorgte für ein großes Medieninteresse weit über die schachspezifische Presse hinaus und war großartige Werbung für das Schach.

Nun hat der Exzelsior Verlag diesem außerordentlichem Ereignis erfreulicherweise auch in Buchform ein Denkmal gesetzt. Die Autobiographie Langs, die etwa die Hälfte der Publikation umfasst, erzählt authentisch von dem nicht einfachen Erwachsenwerden des Rekordhalters, der früh seine beiden Eltern verlor und dem das Schach zum Zufluchtsort wurde. Als er einmal mit einem Freund in einem Café saß und ihnen das Schachspiel am Tisch verboten wurde, spielten beide einfach im Kopf - zehn Partien gleichzeitig. Erst später merkte Lang an den misstrauischen Reaktionen seiner Mannschaftskollegen, dass dies eine ungewöhnliche Leistung war. Bald kam es zur ersten öffentlichen Blindsimultanvorstellung an 16 Brettern. Doch erst Jahre später, als er beruflich und familiär seinen Lebensmittelpunkt gefunden hatte, widmete er sich seinem großen Ziel, dem Welt­rekord. Nach langer Suche fand er mit dem "mitgliederstärksten Dorfschachverein“ Sont­heim/Brenz einen hoch motivierten Klub, der unter Federführung seines Vorsitzenden Roland Mayer eine Serie von Rekorden Wirklichkeit werden ließ; zu­nächst 2009 der Deutsche Rekord an 23 Brettern, dann 2010 der Europarekord an 35 Brettern. Dank des Sponsors Astra Tech Dental und dessen schachbegeisterten Direktor Dental Dr. Karsten Wagner erhielt Lang einen halbjährigen Vollvertrag, der ihm erlaubte, sich gänzlich auf den Weltrekord vorzubereiten. Als Generalprobe brach Lang auf dem Sontheimer Straßenfest sogar noch Koltanowskis Weltrekord, als er gegen 60 Spieler hintereinander blind spielte, wobei er nur zehn Sekunden für einen Zug zur Verfügung hatte. Als Lang schließlich in der Sontheimer Gemeindehalle Najdorfs Rekordmarke überboten hatte, waren ihm die Strapazen kaum anzumerken. Das schreibt auch Herausgeber Raj Tischbierek, der dem Ereignis live beiwohnte und die Atmosphäre des Ereignisses einfängt. Lang gab Interviews, konnte auch während der Veranstaltung immer wieder scherzen oder kleine Unterhaltungen führen. Erst nach dem Event machte sich die enorme Anstrengung bemerkbar, als er wochenlang mit einer hartnäckigen Er­kältung zu kämpfen hatte.

Im zweiten Teil des Buches beschreibt Michael Negele die Geschichte des Blindschachspiels, die die Leistung Langs historisch verortet und den Ditzinger FM in eine Reihe mit Philidor, Morphy, Blackburne, Zukertort, Pillsbury, Réti, Breyer, Aljechin, Koltanowski und Najdorf stellt - und zwar an die Spitze. Es ist die wohl ausführlichste Beschreibung in deutscher Sprache dieser von je her massenwirksamen Betätigung und dient wohl künftig als Referenzliteratur. Negele hat viele neue Quellen entdeckt und kann mit einigen immer wieder tradierten Falschangaben aufräumen. Er berichtet über die ersten arabischen Blindschach­spieler, Philidors Leistungen an wenigen Brettern, von denen die Zeit­ge­nossen gesundheitliche Probleme befürchteten, über Paulsens Blindlingsséancen, die Murphy beeindruckten, über die unglaubliche Anzahl an Blindsimultanvorstellungen Pillsburys, über Aljechin, der sich angeblich gerne "helfen“ ließ, bis hin zu Najdorf, dessen Weltrekord in Argen­tinien auch ein Versuch war, mit seinen jüdischen Verwandten Kontakt aufzunehmen.

Negele beschäftigt sich auch damit, wie das Denken eines Blindschachspielers funktioniert und wie diese Gedankenleistungen zustande kommen. Schon im biographischen Teil beschreibt Lang das Verankern einer Stellung im Langzeitgedächtnis wie das "Einrasten eines Pendels“.

Das Buch ist ein gelungenes Dokument einer kaum zu unterschätzenden Leistung, das zudem einen umfangreichen Überblick über die Geschichte des Blindschachspiels gibt. hs

Karl 3/2012

Schauspiel des Geistes