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LXSTOGKBS01
Autor

Garri Kasparows beste Schachpartien - Band 1

335 Seiten, gebunden - mit Schutzumschlag, Gambit, 1. Auflage 2005

16,63 €
Inkl. 5% MwSt., zzgl. Versandkosten

Im vorliegenden Buch, dem ersten Band eines umfangreichen zweiteiligen Projekts, hat der preisgekrönte Schachautor Igor Stohl 74 von Kasparows besten und lehrreichsten Partien ausgesucht und mit detaillierten Anmerkungen versehen. Die Betonung liegt dabei auf der Erklärung des Gedankengangs hinter Kasparows Entscheidungen und der in seinen Zügen zum Ausdruck kommenden Prinzipien und Konzepte.

Stohl hat sich verschiedenster Quellen einschließlich Kasparows eigener Anmerkungen bedient und liefert eine Fülle neuer Einblicke in diese bedeutenden Partien sowie zahlreiche neue analytische Gesichtspunkte.

Weitere Informationen
Gewicht 800 g
Hersteller Gambit
Breite 18,1 cm
Höhe 25,4 cm
Medium Buch
Erscheinungsjahr 2005
Autor Igor Stohl
Sprache Deutsch
Auflage 1
ISBN-10 1904600387
ISBN-13 9781904600381
Seiten 335
Einband gebunden - mit Schutzumschlag

007 Zeichenerklärung

008 Quellenverzeichnis

009 Vorwort

011 Einführung

020 1 Kasparow - Muratkuljew

Juniorenmannschaftsturnier, Baku 1973

024 2 Lputjan - Kasparow

Tiflis 1976

028 3 Magerramow - Kasparow

Baku 1977

031 4 Kasparow - Roisman

Minsk 1978

035 5 Juferow - Kasparow

Minsk 1978

040 6 Kasparow - Palatnik

Dünaburg 1978

044 7 Kasparow - Polugajewski

Meisterschaft der UdSSR 1978

049 8 Kasparow - Pribyl

Mannschaftseuropameisterschaft, Skara 1980

053 9 Kasparow - Tschiburdanidse

Baku 1980

056 10 Kasparow - Äkesson

Juniorenweltmeisterschaft, Dortmund 1980

060 11 Kasparow - Romanischin

Mannschaftsturnier, Moskau 1981

064 12 Beljawski - Kasparow

Moskau 1981

068 13 Waisser - Kasparow

Mannschaftsmeisterschaft der UdSSR 1981

073 14 Kasparow - Fedorowicz

Studentenmannschaftsweltmeisterschaft, Graz 1981

077 15 Kasparow - Andersson

Tilburg 1981

080 16 Kasparow - Jussupow

Meisterschaft der UdSSR 1981

084 17 Tukmakow - Kasparow

Meisterschaft der UdSSR 1981

088 18 Kasparow - Petrosjan

Bugojno 1982

091 19 Kavalek - Kasparow

Bugojno 1982

095 20 Kasparow - Gheorghiu

Interzonenturnier, Moskau 1982

098 21 Kortschnoj - Kasparow

Olympiade, Luzern 1982

104 22 Kasparow - Beljawski

Kandidatenwettkampf(5), Moskau 1983

108 23 Kasparow - Tal

Mannschaftsmeisterschaft der UdSSR 1983

113 24 Kasparow - Portisch

Niksic 1983

117 25 Kasparow - Smyslow

Kandidatenwettkampf(3), Wilna 1984

121 26 Kasparow - Karpow

Weltmeisterschaft (32), Moskau 1984/85

125 27 Behrhorst - Kasparow

Simultan, Hamburg 1985

129 28 Hübner - Kasparow

Hamburg (1) 1985

132 29 Kasparow - Andersson

Belgrad (5) 1985

136 30 Kasparow - Karpow

Weltmeisterschaft (1), Moskau 1985

140 31 Karpow - Kasparow

Weltmeisterschaft (16), Moskau 1985

145 32 Karpow - Kasparow

Weltmeisterschaft (24), Moskau 1985

150 33 Kasparow - Timman

Hilversum (4) 1985

154 34 Kasparow - Karpow

Weltmeisterschaft (4), London/Leningrad 1986

158 35 Kasparow - Karpow

Weltmeisterschaft (16), London/Leningrad 1986

165 36 Kasparow - Karpow

Weltmeisterschaft (22), London/Leningrad 1986

170 37 Kasparow - Smejkal

Olympiade, Dubai 1986

174 38 Hübner - Kasparow

Brüssel 1986

178 39 Kasparow - Tal

Brüssel 1987

181 40 Züger - Kasparow

Simultan, Zürich 1987

185 41 Kasparow - Karpow

Weltmeisterschaft (8), Sevilla 1987

189 42 Kasparow - Karpow

Weltmeisterschaft (24), Sevilla 1987

195 43 Kasparow - Karpow

Amsterdam 1988

199 44 Ljubojevic - Kasparow

Beifort 1988

203 45 Kasparow - Andersson

Beifort 1988

207 46 Kasparow - A. Sokolow

Beifort 1988

211 47 Kasparow - Iwantschuk

Meisterschaft der UdSSR 1988

215 48 Kasparow - Smirin

Meisterschaft der UdSSR 1988

220 49 Timman - Kasparow

Reykjavik 1988

224 50 Ehlvest - Kasparow

Reykjavik 1988

227 51 Kasparow - Campora

Olympiade, Thessaloniki 1988

230 52 Speelman - Kasparow

Schnellpartie, Madrid 1988

234 53 Jussupow - Kasparow

Barcelona 1989

239 54 Kortschnoj - Kasparow

Barcelona 1989

245 55 Kasparow - Salow

Barcelona 1989

249 56 Piket - Kasparow

Tilburg 1989

254 57 Ljubojevic - Kasparow

Belgrad 1989

259 58 Iwantschuk - Kasparow

Linares 1990

264 59 Psachis - Kasparow

La Manga (5) 1990

268 60 Kasparow - Karpow

Weltmeisterschaft (2), New York/Lyon 1990

272 61 Kasparow - Karpow

Weltmeisterschaft (20), New York/Lyon 1990

277 62 Kasparow - Gelfand

Linares 1991

282 63 Kasparow - Anand

Tilburg 1991

286 64 Kasparow - Wahls

Simultan, Baden-Baden 1992

290 65 Kasparow - Karpow

Linares 1992

295 66 Kasparow - Anand

Linares 1992

299 67 Schirow - Kasparow

Dortmund 1992

303 68 Kasparow - Loginow

Olympiade, Manila 1992

307 69 Kasparow - Nikolic

Olympiade, Manila 1992

312 70 Short - Kasparow

Mannschaftseuropameisterschaft, Debrecen 1992

316 71 Karpow - Kasparow

Linares 1993

320 72 Kasparow - Kamsky

Linares 1993

324 73 Kasparow - Short

Weltmeisterschaft (7), London 1993

329 74 Short - Kasparow

Weltmeisterschaft (8), London 1993

334 Gegnerverzeichnis

335 Eröffnungsverzeichnis

Informationen zum Autor

GM Dr. Igor Stohl ist Slowake und wurde im Jahre 1964 geboren. Er belegte 1982 den zweiten Platz bei der Junioren Weltmeisterschaft und gehört mit einer aktuellen ELO-Zahl von 2538 (01.01.2006) zu den stärksten Spielern seines Landes. Stoh! ist promovierter Jurist und als Spieler in einigen europäischen Li­gen aktiv, darunter auch mehrere Jahre in der Deutschen Bundesliga, vor allem für die Schachfreunde Neukölln (jetzt Schachfreunde Ber­lin 1903). In der aktuellen Saison spielt er beim ambitionierten Verein TSV Bindlach Aktionär in der 2. Bundesliga Ost an Brett 4. Dieser Club gilt als designierter Aufsteiger; es spricht somit viel dafür, dass Stohl in der kommenden Spielzeit wieder in der 1. Liga zu sehen sein wird. Darüber hinaus besitzt er einen guten Ruf als Eröffnungstheoretiker, den er durch zahlreiche Beiträge bzw. kommentierte Partien im Schachinformator, im New In Chess Yearbook sowie im ChessBase-Magazin begründet hat. Er ist zudem Co-Autor der ChessBase-CD "Welt­meister Emanuel Lasker". Als Buch­autor landete er bereits mit seinem ersten Werk einen großen Wurf. "Instructive Modern Chess Masterpieces", erschienen im April 2001 bei Gambit Publications (Die deutsche Version "Instruktive Meisterwerke aus der modernen Schachpraxis" kam im Oktober 2003 heraus.), heimste den Preis der US-Schach­förderation (USCF) für das beste Buch des Jahres ein. Das zweibändi­ge "Garri Kasparows beste Schachpartien" (bzw. in der englischen Ori­ginalausgabe "Garry Kasparov's Greatest Chess Games") ist seine zweite umfangreichere Arbeit.

Einführung

Stohl kommentiert im vorliegenden ersten Band 74 Partien Garri Kasparows aus den Jahren 1973-1993, wobei er den Bogen der Betrachtung von der beeindruckenden Talentpro­be gegen Muratkuljew in Baku 1973 bzw. 1972 (Zur Richtigkeit der Jah­reszahl vgl. die Anmerkung im Ab­schnitt Frühere Sammlungen von Kasparows Partien.) bis zur 8. Par­tie des Londoner PCA-Weltmeister­schaftskampfes 1993 gegen Nigel Short spannt. Neben zahlreichen glänzenden Siegen hat der Autor auch eine Niederlage (gegen Artur Jussupow in Barcelona 1989) und vier Remispartien (gegen Tal 1983, Timman 1985, Anand 1992 und Short 1993) aufgenommen, die je­doch aufgrund des Spielverlaufes sämtlich Kasparow zur Ehre gerei­chen. Die Analysen und Erläuterun­gen zu den einzelnen Partien erstre­cken sich über durchschnittlich 4 Seiten, den meisten Raum nimmt dabei die komplizierte 16. Partie der WM-Revanche 1986 (Stohl selbst bezeichnet sie in seiner Einführung auf S. 16 als "die möglicherweise komplexeste Partie, die Kasparow und Karpow jemals gespielt ha­ben.") mit 7 Seiten ein. Für einige "Kantersiege", z.B. gegen Petrosjan in Bugojno 1982 und gegen Gheorghiu beim Interzonenturnier 1982 in Moskau, benötigt Stohl nur drei Sei­ten. Die Anmerkungen werden groß­zügig durch Diagramme unterstützt. Bei der Auswahl der Partien ist recht konservativ - um nicht zu sagen pragmatisch - vorgegangen worden, denn sie sind überwiegend bereits in früheren Sammlungen enthalten. Ausnahmen bilden beispielsweise drei Siege aus Kasparows berühm­ten Uhrensimultanvorstellungen ge­gen Behrhorst 1985 in Hamburg, ge­gen Züger 1987 in Zürich und gegen Wahls 1992 in Baden-Baden sowie die Partien nach 1990. Die Kommen­tare - dies kann man an dieser Stelle bereits vorwegnehmen - fallen weni­ger tiefgründig und ausführlich aus als in "Masterpieces", auch wenn sie durchaus genau und alles andere als oberflächlich sind. Es ist hingegen wohl einfach so, dass der Verlag mit dem Gesamtprojekt eine möglichst große Ziclgruppe ansprechen möchte - darunter auch Schachfreunde, die einfach nur gute Partien nachspielen und sich nicht durch (für sie) zu um­fangreiche Variantenverästelungen kämpfen wollen.

Frühere Sammlungen von Kasparows Partien

Als relevante Vorgängerwerke kön­nen prinzipiell alle Partiesammlun­gen bzw. Biographien herangezogen werden, die sich mit Kasparow be­schäftigen. Zweifelsohne ist es be­sonders interessant, Stohls Anmer­kungen mit Kasparows eigenen Partiekommentaren zu vergleichen. Zu seinen WM-Kämpfen gegen Anatoli Karpow wurden in Deutschland im Walter Rau Verlag die Bücher Welt­meisterschaft 1985 und Ich setze auf Sieg (zum WM-Revanchematch 1986) veröffentlicht. Von der Zeit geprüft (Englischer Originaltitel: Test of Time) - ebenfalls bei Walter Rau - sowie Schach als Kampf: Mei­ne Spiele und mein Weg (Englischer Originaltitel Fighting Chess in Zu­sammenarbeit mit R. G. Wade von 1983) von 1984 (aktualisierte Aufla­ge 1989) im Falken-Verlag zeichnen hingegen seine Karriere bis zur Qua­lifikation für den ersten WM-Kampf gegen Karpow nach. Des Weiteren konnte Stohl natürlich insbesondere auf Kasparows Analysen im Schach­informator zugreifen. Der Autor schreibt in seinem Vorwort auf S. 9, dass nach den oben angeführten Werken keine umfassende Samm­lung von Kasparows Partien mehr veröffentlicht worden ist. Das stimmt jedoch nicht ganz. Unbe­dingt erwähnenswert ist aus Sicht des Rezensenten Mit Kasparow zum Schachgipfel von Alexander Nikitin, erschienen 1991 im Sportverlag Ber­lin. Nikitin war Kasparows wich­tigster Trainer, bis sich ihre Wege vor dem WM-Match 1990 trennten. Daneben wurde Kasparow lange Jahre auch von Alexander Schakarow unterstützt. In seiner Einfüh­rung auf S. 11 erwähnt Stohl aber nur den in den 1970er-Jahren eben­falls beteiligten Wladimir Makogonow (Namensgeber einer bekannten Variante im Damengambit) und den langjährigen Ratgeber Michail Botwinnik. Von Nikitin und Schakarow ist hingegen keine Rede - ein schwer wiegendes Versäumnis! Nikitins Buch fehlt auch im Quellenverzeich­nis auf S. 8. Mit Kasparow zum Schachgipfel ist zwar in erster Linie eine aufschlussreiche biographische Schilderung von Kasparows Auf­stieg aus der Sicht eines unmittelbar daran Beteiligten, doch auch die Partienauswahl ist erlesen, wenn auch nur einige davon ausführlich kommentiert wurden. Die Nr. 1 un­ter den 43 enthaltenen Partien ist üb­rigens wie bei Stohl Wainstein (Kas­parows Geburtsname, er nahm erst nach dem frühen Tod seines jüdi­schen Vaters Kim Wainstein den Mädchennamen seiner Mutter an.) -Muratkuljew, allerdings hat die Par­tie laut Nikitin schon 1972 in Baku stattgefunden! Man muss sicher nicht lange rätseln, wessen Angabe richtig ist... Die Kompilation endet mit der Partie Kasparow - Spasski vom Weltcup-Turnier 1989 in Bar­celona und beinhaltet außerdem als Zugabe noch alle Begegnungen des WM-Kampfes 1990. Ebenfalls von Interesse ist das 1986 im Joachim Beyer Verlag Hollfeld erschienene Buch Weltmeister Garri Kasparow von Vladimir Budde. Es handelt sich dabei gleichsam um ei­ne Biographie mit 55 wichtigen Partien, die mit dem Titelgewinn und der 24. Partie des WM-Matches 1985 abschließt. Die Auswahl der Partien ist der bei Stohl sehr ähnlich.

Bewertung von Konzeption und Inhalt

Vor 15-20 Jahren war die (Schach-) Welt noch in Ordnung. Um die Schachweltmeisterschaft spielten Anatoli Karpow und Garri Kas­parow, und die Schachanhänger in aller Welt nahmen hingebungsvoll Anteil an den faszinierenden Duel­len der beiden besten Könner des königlichen Spiels. Selbst Leuten, die nicht einmal die Gangart der Fi­guren beherrschten, waren diese bei­den Namen geläufig. Der Rezensent erinnert sich gern und nicht ohne Wehmut an diese wunderbare Zeit, als es noch keine Inlernet-Übertragungen gab und er im sehr frühen Teenageralter gespannt auf die Ra­dio- oder Fernsehmeldungen zum Ausgang der Partien wartete und sich ungeduldig auf die am nächsten oder zuweilen gar erst am über­nächsten Tag in der Zeitung abge­druckten Notationen stürzte, um die Züge der beiden Schachgenies auf dem eigenen Brett nachvollziehen zu können. Ganz gleich, ob man Karpow oder Kasparow die Daumen drückte, man war mit Leidenschaft und Begeisterung dabei. Von dieser Anteilnahme ist seither leider viel verloren gegangen. Dazu hat die Spaltung der Schachwelt beigetra­gen, aber auch das Fehlen von Spie­lern mit Charisma, mit denen man sich identifizieren kann. Kramnik oder Leko sind zweifellos sehr be­gabte Schachspieler, die großartige Partien zu spielen in der Lage sind, aber es fehlt ihnen an Ausstrahlung und scheinbar auch an dem Bewusstsein, dass sie nicht nur für sich selbst, sondern auch für die vielen Anhänger in der Welt spielen ... Es wird sich zeigen, ob beispielsweise Topalow sich langfristig als neue Galionsfigur etablieren kann. Des­halb war es sicher für viele Schach-freaks meiner Generation, für die es eine Welt auf den 64 Feldern ohne K & K nicht gab, weil sie einfach schon immer da waren, eine Genug­tuung, dass Kasparow auch noch 20 Jahre nach seinem Titelgewinn die Spitze der Weltrangliste behauptete und er seine in der Mehrzahl deut­lich jüngeren Gegner ein ums andere Mal in die Schranken wies. Diese Ära scheint mit dem Rücktritt Kasparows nach seinem Turniersieg in Linares 2005 bedauerlicherweise vorbei zu sein.

Der Verlag Gambit Publications hat darauf erstaunlich schnell reagiert und versucht, die sich bietende Marktchance in Form der Nachfrage nach einem "Best of Kasparow" zu nutzen - Stohl hat sein Vorwort zu dem vorliegenden Band im April 2005 geschrieben, also nur einen Monat nach Kasparows Demission! Mit GM Dr. Igor Stohl schickt der Verlag dabei eines seiner derzeit besten Pferde ins Rennen, denn der Slowake hat sich mit "Instructive Modern Chess Masterpieces", einer Sammlung von 50 ausführlich kom­mentierten Großmeisterpartien, ein beachtliches Renommee als Autor und Kommentator erworben. Zudem gehört Stohl - Jahrgang 1964 - zu Kasparows Generation und hat be­reits im Jahre 1986 für die slowaki­sche Tageszeitung Praca über die WM-Revanche berichtet, wie aus dem Vorwort (S. 9) deutlich wird. Man kann also davon ausgehen, dass er im Laufe der Jahre schon eine Reihe von Analysen zu Kasparows Partien erstellt hat und er "nur" noch eine Auswahl zu treffen sowie die früheren Anmerkungen mit Compu­terunterstützung auf Fehler untersu­chen und um aktuelle Referenzpar­tien anreichern musste. In ganz ähn­licher Form sind auch die "Master­pieces" entstanden. Dort erstreckten sich die Kommentare Stohls zu einer Partie allerdings nicht seilen über 9 Seiten, während für Kasparows Partien meist "lediglich" 4 bis 5 Seilen aufgewendet wurden. Als Eröff­nungsreferenzen wurden diesmal fast ausschließlich frühere Partien von Kasparow angegeben. Diese ge­ringere Ausführlichkeit und Tief­gründigkeit lässt sich dadurch be­gründen, dass vom Verlag die Vorga­be existierte, mehr als doppelt so viele Partien in die zwei Bände auf­zunehmen als in das Vorgängerwerk (S. 10). Man kann konstatieren, dass hier vielleicht etwas weniger (Par­tienanzahl) mehr (Gehalt) gewesen wäre. Dies trifft zumindest aus Sicht ambitionierter Schachfreunde zu, die sich durch das Studium der Partien verbessern wollen und dafür auch nicht die Mühe scheuen, zahlreiche Varianten am Brett nachzuspielen. Die aufgebrachte Disziplin und Zeit lohnt sich aber meist, weil man auf diesem Wege eine Verbesserung der eigenen Spielstärke erreichen kann. Zudem standen zu fast allen Partien Kommentare zur Verfügung, von Kasparow selbst zumindest die An­merkungen für den Schachinforma­tor. Vielleicht hätte man statt der sattsam bekannten Partien Kasparows einige weniger häufig publi­zierte aufnehmen sollen. Weiterhin gibt es im Gegensatz zu "Masterpieces" wohl ebenfalls aus Platzgrün­den keine Zusammenfassung am En­de der jeweiligen Partie, die noch einmal auf die Wendepunkte der Partie, entscheidende Fehler, Über­gänge ins Endspiel etc. hinweist. Diese kritischen Anmerkungen soll­ten aber nicht missverstanden wer­den. Das Buch bietet durchaus einen guten Überblick über das Schaffen Kasparows bis 1993. Man kann die Kommentare ohne weiteres als sorg­fältig bezeichnen. Stohl liefert eine solide Arbeit ab, die sicher ihre An­hängerschaft finden wird. Frühere Analysen wurden zum Teil korri­giert und zu einer neuen Bewertung geführt. Insbesondere beim Nach­spielen der WM-Partien gegen Karpow kann man sich geistig in diese schachliche Hochzeit zurückversetzen und dadurch in die richtige Stimmung bringen, um tief in die Gedanken der beiden Schachgigan­ten einzutauchen... Neben den Ent­scheidungspartien 16 und 24 vom Titelkampf 1985 bildet die 16. Partie der WM-Revanche 1986 einen Hö­hepunkt der Betrachtung. Auf 7 Sei­ten wird noch einmal eine Vorstel­lung von der damaligen spannungs­reichen Atmosphäre vermittelt. In seiner Einführung auf den Seiten 11-19 gibt Stohl außerdem einen weit­gehend gelungenen biographischen Abriss über Kasparows Laufbahn bis zum PCA-Match 1993 gegen Short 1993, wobei er auch zu erklä­ren versucht, warum Kasparow letztlich über Karpow triumphieren konnte.

Fazit

Stohls Buch bietet nicht nur Kasparow-Fans einen guten Überblick über dessen schachliche Entwick­lung und seine Kunstwerke am Schachbrett. Die Kommentare des Autors sind instruktiv, so dass der Leser von der eingehenden Beschäf­tigung mit dem ausgewählten Mate­rial zweifelsohne profitieren wird. Dennoch - und dies geht selbstver­ständlich nicht zu Lasten des Autors - wirkt dem Rezensenten das ganze Projekt etwas zu kalkuliert von Sei­ten des Verlages angesichts des un­mittelbar zuvor erfolgten Rücktrittes Kasparows. Es handelt sich zwar keineswegs um einen "Schnellschuss", aber ich bin trotzdem der Meinung, dass Stohl hier nicht zu ei­ner vollen Entfaltung seiner analyti­schen Fähigkeiten gelangen konnte. Um die "ultimative Wahrheit" zu er­fahren, muss man wohl noch etwas warten, bis Kasparow selbst in sei­ner "Predecessors"-Reihe zu seinem eigenen Schaffen (und dem seines Rivalen Karpow) Stellung nimmt. Die Gestaltung des Buches mit Fest­einband und Schutzumschlag ist sehr ansprechend, jedoch wäre es passender gewesen, für die zwei Fo­tos auf dem Schutzumschlag des ersten Bandes Aufnahmen aus den 1980er-Jahren zu verwenden, z.B. von den WM-Matches gegen Kar­pow. Die Bilder zeigen hingegen ei­nen "reiferen" Kasparow, es handelt sich unzweifelhaft um Schnapp­schüsse aus der Zeit nach 2000. Die­se hätte man besser für den zweiten Band vorsehen sollen. Der Preis von 35 € ist recht hoch. Dem Rezensen­ten lag kürzlich das Buch Meine Besten Partien von Boris Gelfand vor, das ausgezeichnete Analysen enthält. Zwar ist der Gelfand-Band im Vergleich ca. 60 Seiten schmaler und besitzt keinen festen Einband, wird von der Edition Olms aber auch für 19,95 € angeboten...

Sören Bär, Rochade Europa 4/2006

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Erfreulich schnell hat der englische Verlag Gambit Publications auch eine deutsche Ausgabe von Igor Stohls schönem Buch "Garry Kasparov's Greatest Chess Games" herausge­bracht.

Da wir Ihnen diese wunderbare und sehr gut kommentierte Sammlung von Kasparow-Partien erst unlängst anlässlich der englischen Ausgabe ausführlich vorgestellt haben (siehe Schach Markt 4/2005) soll nun eine kurze Zusammenfassung genügen.

Igor Stohl konzentriert sich in die­sem ersten Band auf die Zeit bis zu Kasparows WM-Match gegen Short 1993. Aus dieser Phase von Kaspa­rows Karriere, die seinen Aufstieg an die Weltspitze sowie etliche WM-Duelle umfasst, hat Igor Stohl 74 spannende Partien ausgewählt und sehr überzeugend kommentiert.

Es ist ein enormes schachliches Vergnügen, sich intensiv mit diesen packenden Partien zu beschäftigen, das durch Stohls umfassende Anmer­kungen und Analysen noch gesteigert wird.

Als Fazit bleibt eigentlich nur fest­zuhalten, dass dieses wunderbare Buch eigentlich jedem Schachfreund ohne Einschränkung empfohlen wer­den kann, wir freuen uns schon auf die Fortsetzung!

Schach Markt 2/2006

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Die klassische Kommentierung von Meisterpartien war für viele Jahre aus der Mode gekommen, nachdem die GM Jan Timman und Jonathan Speelman in den 1980er-Jahren die­ses spezielle Genre noch höchst er­folgreich gepflegt hatten. Für eine Wiederbelebung sorgten Ex-WM Garri Kasparow mit seiner begonne­nen Buch-Reihe "My Great Predecessors" und der slowakische GM Dr. Igor Stohl mit seinem preisge­krönten Werk von 2001 "Instruktive Modern Chess Masterpieces" (die deutsche Übersetzung wurde übri­gens in RE 4/04 auf S. 59 bespro­chen).

Stohl hat nun seine neue Kasparow-Retrospektive auf zwei Bände aus­gelegt: der vorliegende erste bietet 74 Partien des weitbesten Spielers aus dem Zeitraum von 1973 bis 1993, und der später folgende zweite soll in etwa die gleiche Anzahl be­deutender Leistungen von 1994 bis 2005 enthalten.

In der Einführung (S. 11-19) be­schreibt der Verfasser die schachli­che Biographie Kasparows bis 1993: im Alter von fünf Jahren Schach er­lernt, mit 10 Jahren Besuch der be­rühmten Botwinnik-Schachschule, 1976 und 1977 sowjetischer Jugend­meister, 1980 Jugendweltmeister, 1982 erster Sieg bei einem Superturnier in Bugojno und bereits Nr. 2 der Weltrangliste hinter Karpow, Durch­marsch durchs Interzonen- und Kan­didatenturnier zum WM-Herausfor­derer 1983, dann die abgebrochene Marathon-WM gegen Karpow 1984/ 85, schließlich Weltmeister 1985 (mit 22 Jahren der jüngste aller Zeiten!) und (bis heute) die Nr. 1 der Elo-Weltrangliste, die zahlreichen K&K-Duelle bis 1990, zuletzt die Abspaltung von der FIDE und der PCA-Titelkampf gegen Nigel Short 1993. Den Hauptteil des Buches bil­den dann die 74 gründlich kommen­tierten ausgewählten Partien (S.20-333), wobei Stohl der Erörterung von Kasparows bevorzugten Eröff­nungen wie Königs- und Grünfeld-indisch, Najdorf-Sizilianisch, Da­mengambit und geschlossenem Spa­nisch breiten Raum widmet. An­sonsten legt er den Schwerpunkt sei­ner Analysen auf das Mittelspiel und die Verästelungen des dynamisch-aggressiven Stils seines Protagonis­ten (wobei auch der Computer als Assistent nützliche Dienste geleistet hat) und führt damit dem geneigten Leser zahlreiche phantastische Matt­angriffe vor. Daneben kommen auch feinziselierte Technik bei der Vor­teilsverwertung und zielstrebige Endspielführungen nicht zu kurz. Neben den reinen Varianten gibt der Autor auch sehr viele - und sehr er­hellende! - verbale Erläuterungen, welche eminent verständnisfördernd wirken.

Jede Partie beansprucht etwa vier dicht bedruckte Buchseiten und ist mit durchschnittlich sieben Dia­grammen bestückt, sodass der Ver­lauf gut verfolgt werden kann. In 14 der 74 Partien ist Erzrivale Karpow der Gegner, je dreimal Short und Andersson, je zweimal Anand, Beljawski, Dr. Hübner, Iwantschuk, Ljubojevic, Tal, Timman und Jussupow. Weitere 36 Gegner von A wie Akesson bis Z wie Züger sind mit je einer Partie vertreten.

Kasparow hat von 1976 bis 1993 aus 800 Turnier- und Wettkampfpartien gegen starke und stärkste Gegner­schaft 68 % der möglichen Punkte geholt, ein außergewöhnlich hoher Wert, vor allem wenn man die darin enthaltenen etwa 100(!!) Remispar­tien aus den 5 K&K-Duellen be­rücksichtigt!

Wer Zeit und Ruhe ins Nachspielen und Durchdenken der hervorragend kommentierten und analysierten Par­tien investiert, wird nicht nur viele genussvolle Stunden am Schachbrett gewinnen, sondern auch gleichzeitig eine Menge dazulemen. Aus beiden Gründen ist die Anschaffung des auch äußerlich mit Festeinband und Schutzumschlag höchst gediegen aufgemachten Werkes uneinge­schränkt empfehlenswert.

Dr. W. Schweizer, Rochade Europa 2/2006

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Ex-Weltmeister Garri Kasparow ge­hört zweifellos zu den bedeutendsten Spielern aller Zeiten. Sein dynami­sches Spiel und mit vielen taktischen Elementen hat die Schachfreunde in der ganzen Welt fasziniert. Nun kön­nen Sie wieder die Partien von Garri Kasparow genießen, weil der renom­mierte englische Verlag Gambit eine Sammlung der besten Duelle von Garri Kasparow vorbereitet hat. Geplant sind zwei Bände.

Der erste Teil liegt nun vor und deckt die Zeit von 1973 bis hin zu seinem WM-Match gegen Short 1983 ab. Insgesamt findet Sie hier 74 Partien, die durch den bekannten GM Igor Stohl ausführlich kommentiert sind.

Jerzy Konikowski, Fernschach International 1/2006

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Rezensionen der englischen Ausgabe:

Der prominenteste Schachrentner der Gegenwart bleibt der Schachwelt auch weiterhin erhalten, wenn auch nur in literarischer Form. Kasparows Mammutwerk "My Great Predecessors" ist noch nicht abgeschlossen, eine deutsche Ausgabe dieser Reihe über die Weltmeister Smyslow und Tal wird Ihnen in diesem Heft vorge­stellt.

Doch auch Kasparow selbst ist nun Thema einer Neuerscheinung. Quasi als Ergänzung zur genannten Reihe Kasparows plant der englische Verlag Gambit Publications einen Doppel­band mit den besten Partien des Schachgenies.

Der erste Band liegt nun vor und deckt die Zeit von den Anfängen Kasparows bis hin zu seinem WM-Kampf gegen Short 1993 ab. Als Autor fungiert Igor Stohl, der bereits für die ausgezeichnete Kommentie­rung der Partien im Buch "Instructive Modern Chess Masterpieces" verant­wortlich zeichnete.

Thema und Autor wecken also große Erwartungen, und man darf erfreut feststellen, dass diese voll erfüllt werden. Stohl hat insgesamt 74 Partien aus dem genannten Zeitraum ausgewählt, wobei natürlich vor allem Kasparows Kampf um die Welt­meisterschaft im Mittelpunkt steht: allein die fünf WM-Duelle mit Karpow, der Wettkampf gegen Short 1993, die Kandidatenmatches 1983/1984 sowie mehrere Vorberei­tungsmatches vor den WM-Kämpfen wären allein schon Stoff genug für mehrere Bücher.

Somit konnte Igor Stohl also aus einer Fülle hochwertiger Partien schöpfen, und so darf man sich auf eine sehr schöne Zusammenstellung dramatischer, hochklassiger und wichtiger Partien des vielleicht stärksten Schachspielers aller Zeiten freuen. Die Analysen des Autors sind sehr ausführlich und durchaus kri­tisch, weiterhin gibt es meistens auch noch einige ergänzende Anmerkun­gen, z.B. über den Verlauf des Tur­niers bzw. Matches.

Dieses rundum gelungene und sehr lesenswerte Buch weckt schon jetzt die Vorfreude auf den zweiten Band, über den wir Sie zu gegebener Zeit natürlich informieren werden. Abschließend sei noch erwähnt, dass dieses Buch zunächst nur in Englisch vorliegt, zumindest Grundkenntnisse in dieser Sprache sollten also vorhan­den sein.

Schach-Markt 4/2005

Als der legendäre Filmemacher und Regisseur Ernst Lubitsch starb, klagte ein Freund: "Kein Lubitsch mehr". Worauf ein anderer entgegnete: "Schlimmer noch: Keine Lubitsch-Filme mehr". So zumindest will es die Legende. Zum Glück lebt Garry Kasparov noch, aber nach seinem Rückzug vom Schach muss man wirklich fürchten, dass es keine Kasparov-Partien mehr geben wird. Wie groß dieser Verlust ist, zeigt Igor Stohls soeben bei Gambit erschienenes Buch Garry Kasparov's Greatest Chess Games , der erste von geplanten zwei Bänden mit insgesamt 150 Kasparov-Partien aus den Jahren 1973 bis 2005.

In den vergangenen Jahren ließen Kasparovs politische Winkelzüge und die hämische Debatte, ob er seinen Zenit nicht bereits überschritten hätte, leicht vergessen, wie großartig sein Schach ist und immer war. Igor Stohls Partiensammlung zeigt jetzt eindrucksvoll, warum Kasparov es verdient, als bester Spieler aller Zeiten in die Geschichte einzugehen.

Bereits als 10-jähriger beweist er neben großem taktischen Geschick gutes Positionsverständnis, als 13-jähriger macht er mit einer Glanzpartie gegen Lputian von sich reden, und bald darauf beginnt sein rascher Aufstieg an die Weltspitze, bei dem er Spieler wie Andersson, Polugajewski, Kortschnoi, Tal und Beljawski im Angriffsstil überrennt. Danach folgt die lange Auseinandersetzung mit Karpov, in der Kasparov im ersten Wettkampf am Rande einer vernichtenden Niederlage steht, sich aber noch retten kann. Er zieht die Lehren aus diesem Beinah-Debakel und wird ein halbes Jahr später der jüngste Weltmeister aller Zeiten. Auch die Jahre danach stehen im Zeichen der Rivalität zu Karpov: Sie treibt Kasparov dazu, sein Spiel kontinuierlich zu verbessern, sein Eröffnungsrepertoire zu erweitern und seinen Angriffsstil um positionelle Elemente zu bereichern, was ihn schließlich zu dem Spieler mit der höchsten je erreichten Elo-Zahl werden lässt. Der Weltmeistertitel wird ihm allerdings 1993 aberkannt, als er sich von der Fide lossagt, um seinen Weltmeisterschaftskampf gegen Nigel Short in Eigenregie zu spielen. Mit diesem Wettkampf endet auch der erste Band von Garry Kasparov's Greatest Chess Games , der ungeduldig auf den zweiten warten lässt.

Denn auch wenn die hier vorgestellten Partien alle gut bekannt sind, so ziehen sie dennoch erneut in ihren Bann. Man möchte das Buch nicht aus der Hand legen, Partie um Partie nachspielen, um zu sehen, wie Kasparov besser wird, sein Schach noch schöner, noch vollendeter. Und ganz egal, was man von Kasparov hält, fest steht, dass er alle Erwartungen, die an sein Talent gestellt wurden, mehr als erfüllt hat. Er hat das Schach der letzten zwanzig Jahre geprägt wie kein anderer: mit seinem dynamischen, aggressiven Stil, seiner professionellen Einstellung und nicht zuletzt mit seiner umfassenden Eröffnungsvorbereitung, bei der er als erster Spitzenspieler die Möglichkeiten des Computers nutzte. Dabei gelang es Kasparov stets, seine Energie und sein Selbstbewusstsein in harte Arbeit zu verwandeln. Und obwohl Schachprogramme, Datenbanken und das Internet zu einer Explosion des schachlichen Wissens geführt haben, war Kasparov seinen Rivalen mehr als zwanzig Jahre lang immer einen oder mehrere Schritte voraus. Er arbeitete härter, analysierte tiefer, wusste mehr - und entschied zahlreiche wichtige Partien durch spektakuläre Neuerungen.

Stohl gebührt das Verdienst die schönsten und lehrreichsten Partien aus Kasparovs Laufbahn ausgewählt und durch Analysen und Kommentare zugänglich gemacht zu haben. Damit schließt er eine Lücke, denn trotz der eindrucksvollen Schachkarriere Kasparovs existiert keine aktuelle, gute Sammlung mit Kasparov-Partien. Kasparov veröffentlichte zwar regelmäßig Analysen in Schachzeitschriften wie New in Chess oder auf seiner Webseite www.kasparov.com, aber einen Überblick über seine Laufbahn gab es bislang nicht. Kasparovs 1985 auf russisch und 1986 auf Deutsch erschienene Partiensammlung Von der Zeit geprüft endet 1984 und Kasparovs 1987 veröffentlichtes Buch über die beiden Wettkämpfe gegen Karpov 1985 und 1986, in denen er den Weltmeistertitel errang und verteidigte, konzentriert sich eben nur auf diese beiden Wettkämpfe. Allerdings hat Kasparov angekündigt, in einem der nächsten Bände seiner "Predecessors-Reihe" einen umfassenden Blick auf die eigene Karriere zu werfen.

Das sollte einen jedoch nicht davon abhalten, Garry Kasparov's Greatest Chess Games zu studieren, denn Stohl bringt hier den Zauber der Kasparov-Partien wunderbar zur Geltung. In jeder Partie erläutert er die strategische Linie, weist auf kritische Punkte hin und analysiert gründlich, ohne sich im Variantengestrüpp zu verheddern. Bei aller Begeisterung bleibt er dabei stets sachlich und wahrt kritische Distanz. All das macht Garry Kasparov's Greatest Chess Games zu einem schachlichen Leckerbissen voll faszinierender Partien und Analysen.

Johannes Fischer, ChessBase

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Schach vom Feinsten mit Garri Kasparow, und das gleich 74-mal. Igor Stohl hat wieder eine Kollektion gro­ßer Partien zusammengestellt und kommentiert. Für seine Instructive Modern Chess Masterpieces bekam er in den USA den Preis für das beste Schachbuch 2001 (s. RE 9/2001; zur deutschen Ausgabe s. RE 4/2004). Großmeister Stohl (2550) ist studierter Jurist, lebt aber vom Schach, als Spie­ler und Journalist; er schreibt für den Informator, für New In Chess und das CB-Magazin.

Nun hat sich der 42-jährige Slowake Kasparow vorgenommen: Er will 150 der bedeutendsten Partien des "greatest player of our times" vor­stellen. Und weil so viel Schach vom weltbesten Spieler ausreichend Platz braucht für tiefe Kommentierung, wur­den Garry Kasparov's Greatest Chess Games auf zwei Bände angelegt: Im vorliegenden Volume 1 behandelt Stohl den Zeitraum 1973 bis 1993 anhand 74 Partien, Band 2 soll die Jahre 1994 bis 2005 abdecken.

Nach dem Vorwort, dort schreibt Stohl über sein Verhältnis zu Kasparow und über die Arbeit an dem Buch, stellt der Autor auf sieben dicht bedruckten Sei­ten Kasparow biografisch und schach­lich vor. Er zeigt, wie dessen Stil sich bis 1993 wandelte, Eröffnungs­vorlieben werden analysiert und auf die Besonderheiten der ausgewählten Partien wird kurz eingegangen. Diese sieben Seiten führen zugleich in die Partien ein, denn in den Notationen hält Stohl sich nicht mit Vorbemerkun­gen auf. Auch fehlt jetzt, verglichen mit den Masterpieces, die von den Re­zensenten viel gelobte Zusammen­fassung am Ende jeder Partie. Stohl kommentiert nun kurzer, dafür zeigt er bei gleicher Seitenzahl mehr Partien (74 statt 50).

Etwas Statistik: Der Partienteil umfasst 302 Seiten, im Mittel 4 Seiten pro Partie. Illustriert werden die Kom­mentare mit meist zwei Diagrammen auf jeder Seite. In 46 Partien (62 %) hat Kasparow Weiß. Sein häufigster Gegner ist erwartungsgemäß Erzrivale Karpow (14 Partien); mit großem Abstand folgen Andersson und Short (je 3 P.), dann 45 weitere Namen, von Ralf Äkesson bis Beat Züger. 16-mal wird Königsindisch eröffnet, gefolgt von Damengambit und Sizilianisch mit je­weils 10 Partien, dann Englisch und Spanisch je 7-mal.

Stohl stellt seine Auswahl chronologisch vor, beginnend mit dem 10-jährigen Garri gegen Shorat Muratkulie (U18 Team-Ch, Baku 1973). Die Partie mag Kasparows "beträchtliches Talent und überraschende Reife" zeigen, wie der Autor schreibt, aber ein "Greatest Game" (s. Buchtitel) ist das vermutlich nicht. Stohl ging es also nicht nur um Spitzenschach, sondern auch um markante Partien, die Kasparows schachliche Entwicklung zeigen. Die ersten 24 Partien spielte Garri bis zum 20. Lebensjahr (1973-83), die übrigen 50 Partien in den folgenden zehn Jahren. Band 1 endet mit der PCA Weltmeisterschaft gegen Nigel Short 1993 in London.

Natürlich weiß Igor Stohl, dass Kas­parow in seiner Predecessor-Reihe ei­nen Band mit eigenen Partien heraus­bringen will - entsprechend sorgfältig ging der Slowake ans Werk. Zuerst sichtete er die bekannten Quellen, das Buch enthält eine Bibliographie, dann prüfte er nach, auch mit PC-Hilfe, er berichtigte und ergänzte. Seine kriti­sche Revision zeichnet das Buch aus: Der Leser stößt laufend auf neue Ideen des Autors, auch Kasparows Kommen­tare werden ergänzt und korrigiert. Er­freulich oft bringt Stohl Querverweise zu anderen Partien im Buch, zeigt Eröffnungstrends und neue strategi­sche Pläne.

Während die ersten fünf bis sieben Zü­ge kaum kommentiert werden, disku­tiert der Autor die kritische Phase am Übergang von der Eröffnung ins Mit­telspiel ausführlich und mit viel didak­tischem Geschick. Hier bringt Stohl sein Wissen in aktueller Eröffnungstheorie ein, unterlegt mit zum Teil lan­gen Varianten.

Der Autor bewertet die Züge mit den üblichen Satzzeichen, die Stellungen immer mit Worten (.....gives White a long-lasting advantage"). Das Buch ist also kein Informator über Kasparow, sondern eine textreiche, anspruchsvoll kommentierte Partiensammlung. Stohl unterrichtet Kasparow-Schach pur, er schreibt für den ehrgeizigen Vereins­spieler bis rauf zum Titelanwärter. Be­sonders gefällt mir: Oft fügt er positionelle Hinweise ein und skizziert Pläne. Auch auf nahe liegende Ungenauigkeiten und Fehler weist er hin - Züge, die uns Amateuren verlockend erschei­nen, die aber schiefgehen. Der Leser hat die Wahl: Das Buch lässt sich in Bus oder Bahn lesen, Partie für Partie, mit Augenmerk vor allem auf die Textzüge. Wegen der vielen und großen Diagramme geht das auch ohne Brett (= Lesebuch). Wer aber all die feinen Gedanken von Stohl (und Kas­parow!) nachvollziehen und verstehen will, wird besser häusliche Ruhe su­chen, ein Brett neben das Buch legen und sich Zeit nehmen (= Lehrbuch). Autor Stohl leistete exzellente Arbeit, nicht so der Buchbinder: Zwar gebun­den im festen Deckenband (,Hardcover'), aber nicht mit Fadenheftung, sondern nur geklebt. Nach wenigen Lesestunden brach die Klebebindung an zwei Stellen. Bei einem 35-€-Buch sollte das nicht passieren.

Fazit: Stohl erklärt Kasparows Züge kenntnisreich und verständlich -ein sehr gutes Lese- und Lehrbuch.

Erik Rausch, Rochade Europa 08/2005

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Die klassische Kommentierung von Meisterpartien war für viele Jahre aus der Mode gekommen, nachdem die GMs Jan Timman und Jonathan Speelman in den 1980er-Jahren dieses spe­zielle Genre noch erfolgreich gepflegt hatten. Für eine Wiederbelebung sorg­ten Ex-WM Garry Kasparov mit seiner begonnenen Reihe "My Great Predecessors" und der tschechische GM Dr. Igor Stohl mit seinem preisgekrönten Werk von 2001 "Instructive Modern Chess Masterpieces (die deutsche Übersetzung wurde in RE 4/04 auf S. 59 rezensiert). Stohl hat nun seine gro­ße neue Kasparov-Retrospektive auf 2 Bände ausgelegt: Der vorliegende erste bietet 74 Partien des weltbesten Spie­lers aus dem Zeitraum von 1973 bis 1993, und der später folgende zweite soll in etwa die gleiche Anzahl bedeu­tender Leistungen von 1994 bis 2005 enthalten. In der Einleitung (S. 9-16) beschreibt der Autor die schachliche Biographie Kasparovs bis 1993: im Al­ter von 5 Jahren Schach erlernt, mit 10 Jahren Besuch der berühmten Botwinnik-Schachschule, 1976 und 1977 sow­jetischer Jugendmeister, 1980 Jugend-Weltmeister, 1982 erster Sieg bei ei­nem Superturnier in Bugojno und be­reits Nr. 2 der Weltrangliste hinter Karpov, Durchmarsch durchs Interzonen-und Kandidatenturnier zum WM-He­rausforderer 1983, dann die abgebro­chene Marathon-WM gegen Karpov 1984/85, schließlich Weltmeister 1985 (mit 22 Jahren der jüngste aller Zeiten) und (bis heute!) die Nummer 1 der Elo-Rangliste, die zahlreichen K&K-Duelle bis 1990, zuletzt die Abspaltung von der FIDE und der PCA-Titelkampf ge­gen Short 1993. Den Hauptteil des Bu­ches bilden dann die 74 gründlich kom­mentierten ausgewählten Partien (S. 17-318), wobei Stohl der Erörterung von Kasparovs bevorzugten Eröffnun­gen wie Königs- und Grünfeld-Indisch, Najdorf-Sizilianisch, Damengambit und geschlossenem Spanisch breiten Raum widmet. Und ansonsten den Schwerpunkt seiner Analysen auf das Mittelspiel und die Verästelungen des dynamisch-aggressiven Stils seines Protagonisten legt (wobei auch der Computer als Assistent nützliche Dienste geleistet hat) und damit dem geneigten Leser zahlreiche phantasti­sche Mattangriffe vorführt. Daneben kommen auch feinziselierte Technik bei der Vorteilsverwertung und zielstre­bige Endspielführungen nicht zu kurz. Da der Verfasser neben den reinen Va­rianten auch sehr viele - und sehr erhel­lende! - verbale Erläuterungen gibt, sollte der Leser ausreichende Englisch­kenntnisse mitbringen, um das Gebote­ne auch voll aufnehmen zu können. Je­de Partie beansprucht etwa vier dicht bedruckte Buchseiten und ist mit durchschnittlich 8 Diagrammen be­stückt, so dass der Verlauf ziemlich gut verfolgt werden kann. In 14 der 74 Par­tien ist Erzrivale Karpov der Gegner, je dreimal Short und Anderson, je zwei­mal Anand, Beliavsky, Hübner, Iwantschuk, Kortschnoi, Ljubojevic, Tal, Timman und Jussupow. Weitere 36 Gegner von Akesson bis Züger sind mit je einer Partie vertreten. Übrigens hat Kasparov von 1976 bis 1993 aus 800 Turnier- und Wettkampf­partien gegen starke und stärkste Geg­nerschaft etwa 68% der möglichen Punkte geholt, ein exzeptionell hoher Wert, vor allem wen man die darin ent­haltenen etwa 100 (!!) Remispartien aus den fünf K&K-Duellen berücksichtigt! Wer Zeit und Ruhe ins Nachspielen und Durchdenken der hervorragend kommentierten Partien investiert, wird nicht nur viele genussvolle Stunden am Schachbrett gewinnen, sondern gleichzeitig eine Menge dazulernen. Aus beiden Gründen ist die Anschaf­fung des auch äußerlich mit Festein­band und Schutzumschlag höchst ge­diegen aufgemachten Werkes uneinge­schränkt empfehlenswert.

Dr. W. Schweizer, Rochade Europa 9/2005

Mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift "Rochade Europa"