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Garri Kasparows beste Schachpartien - Band 2

384 Seiten, gebunden - mit Schutzumschlag, Gambit, 1. Auflage 2006

17,61 €
Inkl. 5% MwSt., zzgl. Versandkosten

Garri Kasparow hat mehr als zwanzig Jahre lang die Schachwelt dominiert und ist zweifellos der bedeutendste Spieler der heutigen Zeit. Sein dynamisches Schachverständnis und seine tiefgründige Vorbereitung hatten dramatischen Einfluss auf den modernen Spielstil und setzten ein Beispiel, dem heutzutage die ambitioniertesten jungen Spieler nacheifern. Wer es Kasparow gleichtun will, studiert seine Methoden und vor allem seine Partien.

Im vorliegenden Buch, das ein umfangreiches zweiteiliges Projekt vollendet, hat der preisgekrönte Schachautor Igor Stohl 55 von Kasparows besten und lehrreichsten Partien beginnend mit dem Jahr 1994 ausgesucht und mit detaillierten Anmerkungen versehen. Die Betonung liegt dabei auf der Erklärung des Gedankengangs hinter Kasparows Entscheidungen und der in seinen Zügen zum Ausdruck kommenden Prinzipien und Konzepte. Stohl hat sich verschiedenster Quellen einschließlich Kasparows eigener Anmerkungen bedient und liefert eine Fülle neuer Einblicke in diese bedeutenden Partien sowie zahlreiche neue analytische Gesichtspunkte.

Garri Kasparow wurde im Jahre 1963 geboren und machte Ende der 1970er Jahre mit einer Reihe erstaunlicher Resultate auf sowjetischen und internationalen Veranstaltungen nachdrücklich auf sich aufmerksam. Im Jahre 1985 besiegte er nach monumentalem Kampf Anatoli Karpow und wurde dadurch der jüngste Weltmeister der Geschichte. Als er zwanzig Jahre später seinen Rücktritt vom professionellen Schach verkündete war er immer noch die Nummer Eins der Welt. Kasparow genießt internationales Ansehen und ist auch Nichtschachspielern nach Aufsehen erregenden Veranstaltungen wie seinen Wettkämpfen gegen den IBM-Supercomputer Deep Blue und der Partie Kasparow gegen die Welt aus dem Jahre 1999 ein Begriff.

Vorwort

Es ist ein offenes Geheimnis, dass der Begriff "Vorwort" aus der Sicht des Autors etwas irreführend sein kann. Ein Vorwort irgendeiner Art findet sich zwar in den meisten Sachbüchern, wird aber in der Regel erst nach Vollendung des eigentlichen Werks verfasst. Das ist jedoch nicht verwunder­lich, da der Autor so Gelegenheit bekommt, seine wichtigsten Gedanken und Konzepte kurz und bündig zusammenzufassen und Beiträge anderer gebührend zu würdigen. In meinem Fall gestalte­te sich dies aus verschiedenen Gründen sowohl einfach als auch schwierig. Einfach war es, weil ich schon im Vorwort zum ersten Band geschildert hatte, wie die Idee zu Garri Kasparows beste Schachpartien geboren wurde und was der Leser vom vorliegenden Buch zu erwarten hat. Daher konnte ich mich, um Wiederholungen zu vermeiden, größtenteils auf die Besonderheiten des zwei­ten Bands konzentrieren. Schwierigkeiten bereitete gleichzeitig das schiere Ausmaß des Projekts - es nahm mehr als drei Jahre in Anspruch und war damit das bei weitem umfangreichste literarische oder anderweitige Unterfangen, an dem ich je beteiligt war.

Steigen wir im Dezember 2004 in die Geschichte ein, als der Gambit-Verlag die Entscheidung traf, das Werk in zwei separate Bände aufzuteilen. Zu jener Zeit hatte ich bereits einen Großteil der ers­ten 74 Partien kommentiert und lieferte nach Lösung einiger noch offener Probleme den Text kurz nach Weihnachten beim Verlag ab. Nach schnellem Durchlaufen der weiteren Produktionsstufen Editieren, Schriftsatz und Korrekturlesen kam Band 1 (der englischen Ausgabe) dann schließlich im Mai 2005 auf den Markt. Diesen Vorgang beschreibe ich deswegen so genau, weil Kasparow just in dessen Mitte, genau gesagt am 10. März, seinen Rücktritt verkündete. Die an sich hochinter­essante Frage, ob Kasparow je wieder Schach spielen wird, hätte ich nur mit wilden Spekulationen beantworten können. Eines ist jedoch sicher - die Veröffentlichung von Garri Kasparows beste Schachpartien nur zwei Monate nach seiner überraschenden Entscheidung war nichts als reiner Zufall, der sich für das Marketing als willkommen erwies, da das Interesse der Leserzielgruppe an dem Buch stark zunahm.

Andererseits ist die Entscheidung, Kasparows Karriere in Band 2 ausgerechnet im Jahre 1994 wieder aufzugreifen, nicht ganz so zufällig, wie es den Anschein haben mag. Um diesen Zeitpunkt herum begannen Computer allmählich eine wichtige Rolle als Analysewerkzeug zu spielen. Kas­parow, der schon immer ein echter Trendsetter gewesen war, verstand es als einer der ersten, ihr Potenzial für sich zu nutzen. Mit Hilfe der immer stärker werdenden Software konnte er im Rah­men seiner intuitiven geistigen Höhenflüge auch die wildesten und kompliziertesten Stellungen durchdringen und so die Eröffnungstheorie revolutionieren und in noch nie da gewesene Tiefen führen. Computer haben jedoch auf alle Phasen unseres altehrwürdigen Spiels starken Einfluss ge­habt. Die mit ihrer Hilfe ausgegrabenen, zuweilen wirklich verblüffenden Ressourcen haben klar gezeigt, dass die Taktik einen viel wesentlicheren Teil des Spiels bildet, als zuvor angenommen wurde. Ein ums andere Mal sahen wir uns dazu gezwungen, die Rolle der Taktik in Relation zur Strategie noch einmal überdenken zu müssen. Die Auffindung der richtigen und häufig sehr delika­ten Balance zwischen diesen gleich wichtigen Komponenten ist der ultimative Schlüssel zum Er­folg im modernen Schach. Der Stil der derzeitigen Weltspitze hat sich voll und ganz auf diesen Trend eingestellt und ist noch konkreter und dynamischer geworden. Aus diesem Grunde ist Band 2 von Garri Kasparows beste Schachpartien noch dicker als Band 1 geworden, obwohl er nicht so viele Partien enthält. Nachdem ich mit den obigen Tendenzen schon bei der Verfassung von In­struktive Meisterwerke aus der modernen Schachpraxis Erfahrung gemacht hatte, war ich einfach der Meinung, dass man das komplexe Spiel des reifen und erfahrenen Kasparow im Zenit seiner Stärke eben nur mit umfangreicheren Erklärungen verständlich machen kann. Dies gilt nicht nur für die analytische, sondern auch für die verbale Seite der Anmerkungen, wenngleich ich nicht so sehr ins Detail gegangen bin wie in meinem ersten Buch. Band 2 enthält übrigens ein paar Kasparow-Partien, die auch in Instruktive Meisterwerke aus der modernen Schachpraxis Eingang gefun­den haben. Diese Überschneidungen haben mich vielleicht mehr Schweiß gekostet als viele "fri­sche" Partien, da ich alle Kommentare noch einmal kritisch hinterfragt habe und mich nicht übermäßig selbst zitieren wollte. Wer beide Bücher besitzt, kann die Anmerkungen leicht mitein­ander vergleichen und sich selbst von der Reichhaltigkeit von Kasparows Ideen überzeugen. Ob­wohl ich das Hauptaugenmerk auf die wichtigsten Abspiele gelegt habe, sind in der Zwischenzeit auch in kritischen Situationen neue Einsichten zum Vorschein gekommen.

Aus der Tatsache, dass ich den Vertrag mit dem Gambit-Verlag schon im Jahre 2002 unterzeich­net habe, kann jeder auch nur ansatzweise im Buchverlagswesen Bewanderte leicht ableiten, dass ich in der Zwischenzeit etliche Fristen nicht eingehalten habe. Meine Hauptentschuldigung war mehr oder weniger legitim, da ich unterdessen vom Junggesellen zum Familienvater mutiert und stolzer Vater zweier wundervoller Mädchen geworden bin. Graham Burgess vom Gambit-Verlag machte nur jedoch wiederholt und unmissverständlich klar, dass auf die Veröffentlichung von Band 1 unweigerlich Band 2 folgen muss. Ich danke ihm für seine regelmäßigen Ermahnungen, die mir dabei geholfen haben, in meinen Anstrengungen nicht nachzulassen, so dass der zweite Teil des Werks erheblich schneller Form annahm als der erste. Auch meine Familie ertrug geduldig meine geistige Abwesenheit in Kombination mit Anfällen von Gereiztheit, insbesondere wenn sich partout keine präzise Formulierung einer noch recht vagen Idee einstellen wollte. Es machte nichts, wenn mein Arbeitszimmer stundenlang zur verbotenen Zone erklärt wurde; in letzter Zeit war dies sogar unerlässlich, da meine ältere Tochter ganz versessen darauf war, einige vielleicht nicht ganz ungefährliche neue Tastatur-Kurzbefehle zu erfinden. Nicht zuletzt weiß ich die Hilfe aller, die ge­rade diese Zeilen lesen, zu schätzen. Damit sind Sie gemeint, lieber Leser, da Sie sich auf dieses Buch gefreut haben, vermutlich weil Ihnen Band 1 gefallen hat. Vielleicht haben Sie Ihren Freun­den darüber erzählt oder gar Ihre Meinung in einer wohlwollenden Rezension kundgetan. Davon sind mir eine ganze Menge untergekommen, und ich kann Ihnen versichern, dass es für einen Autor keinen besseren Ansporn gibt als eine positive Reaktion aus der Öffentlichkeit.

Igor Stohl

Bratislava, April 2006

Weitere Informationen
Gewicht 900 g
Hersteller Gambit
Breite 18 cm
Höhe 25,5 cm
Medium Buch
Erscheinungsjahr 2006
Autor Igor Stohl
Sprache Deutsch
Auflage 1
ISBN-10 1904600557
ISBN-13 9781904600558
Seiten 384
Einband gebunden - mit Schutzumschlag

006 Zeichenerklärung

007 Quellenverzeichnis

008 Vorwort

010 Einführung

021 75 Kasparow - Iwantschuk Linares 1994

026 76 Kasparow - Short Amsterdam 1994

032 77 Kramnik - Kasparow Blitzpartie, München 1994

036 78 Kasparow - Kramnik Nowgorod 1994

042 79 Kasparow - Nikolic Horgen 1994

050 80 Kasparow - Schirow Horgen 1994

056 81 Z. Almasi - Kasparow Europapokal für Vereinsmannschaften, Lyon 1994

062 82 Kasparow - Short Olympiade, Moskau 1994

067 83 Kasparow - Anand Riga 1995

073 84 Gulko - Kasparow Nowgorod 1995

078 85 Jussupow - Kasparow Nowgorod 1995

084 86 Kasparow - Anand Weltmeisterschaft (10), New York 1995

091 87 Kasparow - Kortschnoj Horgen 1995

095 88 Judassin - Kasparow Europapokal für Vereinsmannschaften, Ljubljana 1995

100 89 Kasparow - Anand Amsterdam 1996

108 90 Kasparow - Hracek Olympiade, Jerewan 1996

113 91 Smirin - Kasparow Olympiade, Jerewan 1996 118 92 Topalow - Kasparow Las Palmas 1996

125 93 Schirow - Kasparow Linares 1997

130 94 Kasparow - Kramnik Linares 1997

137 95 Gelfand - Kasparow Nowgorod 1997

145 96 Kasparow - Panno Simultan, Buenos Aires 1997

150 97 Van Wely - Kasparow Tilburg 1997

156 98 Kasparow - Piket Tilburg 1997

163 99 Kasparow - Anand Linares 1998

169 100 Yermolinsky - Kasparow Wijk aan Zee 1999

175 101 Kasparow - Topalow Wijk aan Zee 1999

183 102 Kasparow - Swidler Wijk aan Zee 1999

189 103 Topalow - Kasparow Linares 1999

197 104 Swidler - Kasparow Linares 1999

203 105 Anand - Kasparow Linares 1999

210 106 Kasparow - Short Sarajewo 1999

219 107 Kasparow - Welt Internet 1999

229 108 Kasparow - Kramnik Schnellpartie, Frankfurt 1999

235 109 Kortschnoj - Kasparow Wijk aan Zee 2000

243 110 Kasparow - Van Wely Wijk aan Zee 2000

247 111 Kramnik - Kasparow Linares 2000

254 112 Kasparow - Bacrot Sarajewo 2000

261 113 Movsesian - Kasparow Sarajewo 2000

267 114 Tiwjakow - Kasparow Wijk aan Zee 2001

273 115 Kasparow - Topalow Wijk aan Zee 2001

279 116 Grischuk - Kasparow Linares 2001 285 117 Kasparow - Karpow Linares 2001

291 118 Kasparow - Lautier Schnellpartie, Cannes 2001

297 119 Morosewitsch - Kasparow Astana 2001

306 120 Kasparow - Kramnik Astana 2001

313 121 Kasparow - Oral Simultan, Prag 2001

319 122 Kasparow - Ponomarjow Linares 2002

327 123 Lutz - Kasparow Olympiade, Bled 2002

334 124 Kasparow - Ponomarjow Linares 2003

340 125 Kasparow - Grischuk Europapokal für Vereinsmannschaften, Rethymnon 2003

349 126 Kasparow - Vallejo Linares 2004

355 127 Kasparow - Drejew Russische Meisterschaft 2004

364 128 Kasimdshanow - Kasparow Linares 2005

372 129 Adams - Kasparow Linares 2005

378 Garri Kasparows Schachkarriere

382 Gegnerverzeichnis

383 Eröffnungsverzeichnis

Informationen zum Autor

Großmeister Dr. Igor Stohl kommt aus Bratislava, der Hauptstadt der Slowakei, und wurde im Jahre 1964 geboren. 1982 errang er den Vize-weltmeistertitel der Junioren, und mit einer aktuellen ELO-Zahl von 2541 (Stand vom 01.07.2007) gehört er nach wie vor zur Schachelite sei­nes Landes. Stohl ist promovierter Jurist und als Spieler in mehreren europäischen Ligen vertreten. In der Deutschen Bundesliga war er in der Vergangenheit für die Schachfreun­de Neukölln (jetzt Schachfreunde Berlin 1903) aktiv. Seit zwei Jahren spielt er jedoch beim TSV Bindlach Aktionär. Auch für die neue Spiel­zeit 2007/2008 steht er wieder im Kader der Franken, er wurde an Brett 10 (!) aufgestellt. Darüber hi­naus ist Stohl als guter Eröffnungstheoretiker bekannt. Durch zahlrei­che Beiträge bzw. kommentierte Partien im Schachinformator, im New In Chess Yearbook sowie im ChessBase Magazin hat er sich ein gutes Renommee erworben. Darauf wurde auch die große tschechische Schachhoffnung David Navara auf­merksam und engagierte Stohl als Trainer für das Superturnier Wijk aan Zee 2007. Des Weiteren ist Igor Stohl Co-Autor der ChessBase-CD "Weltmeister Emanuel Lasker". Als Buchsutor legte er bereits mit sei­nem ersten Werk die Latte für weite­re Veröffentlichungen sehr hoch. "Instructive Modern Chess Masterpieces" erschien im April 2001 bei Gambit Publications (Die deutsche Version "Instruktive Meisterwerke aus der modernen Schachpraxis" kam im Oktober 2003 heraus.) und gewann den Preis der US-Schach-Föderation (USCF) für das beste Buch des Jahres. Mit dem zweibän­digen Werk "Garri Kasparows beste Schachpartien" (bzw. in der engli­schen Originalausgabe "Garry Kas-parov's Greatest Chess Games") legt er seine zweite umfangreichere Arbeit vor.

Einführung

Der vorliegende zweite Band enthält 55 Partien von Garri Kasparow und umfasst dabei die vorerst (?) letzten elf Jahre der Schachkarriere des Ge­nies aus Baku, beginnend mit einem Weißsieg gegen Wassili Iwantschuk in Linares 1994 bis zum Gewinn mit den schwarzen Steinen gegen Michael Adams bei seinem letzten klassischen Turnier ebendort im Jah­re 2005. Stohl beschreibt in seinem Vorwort auf Seite 9, dass Band 2 noch dicker ausgefallen sei als Band 1, obwohl er deutlich weniger Par­tien - damals waren es 74 aus dem Zeitraum 1973-1993 - enthält. Er be­gründet dies damit, dass sich mit dem Jahr 1994 der Einfluss der Computeranalysen auf das moderne Schach zu verstärken begann und dass "man das komplexe Spiel des reifen und erfahrenen Kasparow im Zenit seiner Stärke eben nur mit um­fangreicheren Erklärungen verständ­lich machen kann". Der Rezensent begrüßt diese Entscheidung, denn er hatte in seiner Besprechung des ers­ten Bandes seinerzeit darauf auf­merksam gemacht, "dass etwas we­niger (Partienanzahl) mehr (Gehalt) gewesen wäre". Umfang und Aus­führlichkeit der Analysen und An­merkungen orientieren sich diesmal - wie damals empfohlen - mehr an "Instructive Modern Chess Masterpieces". Während in Band 1 eine Partie auf durchschnittlich 4 bis 5 Seiten untersucht wurde, sind es in Band 2 meist deutlich mehr. Die Analyse der Internet-Partie Kas­parow gegen Die Welt aus dem Jah­re 2000 (www.zone.com) erstreckt sich beispielsweise allein über 10 Seiten, die Betrachtung zu Kas­parow - Drejew, Russische Meister­schaft 2004, über 9. Damit kommen die Stärken Stohls als Kommentator und Analytiker eindeutig besser zum Vorschein.

In seinem Vorwort geht Stohl eben­falls auf einen Gedanken ein, der vom Rezensenten in seiner Bespre­chung des ersten Bandes, der im Mai 2005 erschienen war, geäußert wurde. Ich schrieb damals, dass 'das ganze Projekt angesichts des unmit­telbar zuvor erfolgten Rücktrittes Kasparows von Seiten des Verlages etwas zu kalkuliert wirkt', Stohl macht deutlich, dass er den Vertrag mit Gambit Publications bereits im Dezember 2002 unterzeichnet (S. 9) und schon im Dezember 2004 einen Großteil der ersten 74 Partien kom­mentiert habe (S. 8). Die Veröffentli­chung des ersten Bandes nur zwei Monate nach Kasparows Rücktritts­entscheidung sei nichts als "reiner Zufall" gewesen (S. 9). Wirklich? Immerhin räumt auch Stohl ein, dass sich dies "für das Marketing als willkommen erwies, da das Interesse (...) an dem Buch stark zunahm". Wie auch immer, derartige "Zufälle" kommen im Leben selten vor, doch dies soll im Folgenden nicht zur De­batte stehen.

Die Sammlung beinhaltet diesmal fast ausschließlich Gewinnpartien Kasparows. Eine Ausnahme bildet das spannende Remis gegen Kramnik in Linares 2000, das letztlich da­zu führte, dass beide Spieler im "Wimbledon des Schachs" den ers­ten Platz teilten. Die Analysen und Anmerkungen zu den einzelnen Par­tien sind diesmal - wie bereits er­wähnt - deutlich ausführlicher gehal­ten als in Band 1. Sie erstrecken sich im Durchschnitt etwa über 7-8 Sei­ten, zuweilen wurden sogar 9 oder 10 aufgewendet. Zum Vergleich: In Band 1 nahm die sehr komplizierte 16. Partie der WM-Revanche 1986 mit gerade einmal 7 Seiten den meisten Raum ein. Die Zahl der Par­tien, in denen Kasparow seinen Geg­nern in weniger als 30 Zügen den Garaus machte, ist im vorliegenden Band relativ gering. Bei der Aus­wahl der Partien konnten Stohl und Gambit Publications kreativ sein und quasi Neuland betreten, denn kurioserweise gibt es im Prinzip kei­ne Kompilation in Buchform mit den Kasparow-Partten seit Beginn der 1990er Jahre. Lediglich der In­formator-Verlag hat etwa ein Jahr nach Kasparows Demission seine neue CD-Reihe The Best of Chess Informant mit Garri Kasparow ge­startet, wobei es sich um eine Kom­plettdarstellung handelt. Dies bedeu­tet, es sind alle 1193 im Schachinformator veröffentlichten Kasparow-Partien auf der CD, darunter 595 von Kasparow selbst kommentiert. Diese Anmerkungen konnte Stohl für seine Arbeit selbstverständlich nutzen. Die Kommentare sind deut­lich tiefgründiger und ausführlicher als in Band 1 ausgefallen und etwa vergleichbar mit "Instructive Mo­dem Chess Masterpieces". Damit ist auch klar, dass das Buch vor allem die Zielgruppe der ambitionierten Schachspieler ansprechen soll, die danach trachten, ihr Schach durch das Studium der Partien zu verbes­sern. Diejenigen, die bereit sind, die zum Teil recht umfangreichen Vari­anten nachzuspielen, müssen eine gehörige Portion Selbstdisziplin mit­bringen und auch Zeit investieren. Doch - dies kann man uneinge­schränkt sagen - es ist lohnenswert, sich mit der einen oder anderen Par­tie ausführlich zu beschäftigen. Zu­dem besteht ja kein "Zwang", eine Partiesammlung "in einem Ritt" durchzuarbeiten, sondern sie kann über viele Jahre hinweg ein ange­nehmer Begleiter sein. Übrigens - auch darauf weist Stohl in seinem Vorwort (S. 9) hin - sind einige der Partien bereits in "Mas­terpieces" enthalten. Es handelt sich um Kasparow - Nikolic, Horgen 1994, Kasparow - Anand, Amster­dam 1996, Gelfand - Kasparow, Nowgorod 1997, Kasparow - Topalow, Wijk aan Zee 1999, Kasparow -Short, Sarajewo 1999 sowie Kas­parow - Welt, Internet 2000. Stohl merkt jedoch an (S. 9), dass ihn die Überarbeitung der Kommentare "mehr Schweiß gekostet" hat als die Erstellung gänzlich neuer Anmer­kungen.

Sammlungen von Kasparows Partien

Relevante Vorgängerwerke sind im Prinzip alle Partiesammlungen bzw. Biographien, die sich mit Kasparow beschäftigen oder Kasparow-Partien enthalten. Allerdings ist der hier be­trachtete Zeitraum 1994-2005 bisher nicht umfassend in Buchform be­leuchtet worden. Zu den WM-Kämpfen gegen Anatoli Karpow wurden in Deutschland im Walter Rau Verlag die Bücher Weltmeister­schaft 1985 und Ich setze auf Sieg (zum WM-Revanchematch 1986) sowie Ich gewinne immer zur Welt­meisterschaft 1990 veröffentlicht. Ispitanje wremenem , erschienen in Baku 1985, wurde in Deutschland ebenfalls bei Walter Rau unter dem Titel Von der Zeit geprüft (Engli­scher Titel: Test of Time) veröffentlicht. Des Weiteren publizierte der Falken Verlag Schach als Kampf: Meine Spiele und mein Weg (Engli­scher Originaltitel Fighting Chess in Zusammenarbeit mit R. G. Wade von 1983) von 1984 (aktualisierte Auflage 1989). Darin wird Kas­parows Weg bis zur Qualifikation für den ersten WM-Kampf gegen Karpow nachgezeichnet. Mit Kasparow zum Schachgipfel von Ale­xander Nikitin, seinem wichtigsten Trainer bis 1990, erschienen 1991 im Sportverlag Berlin, das im Quel­lenverzeichnis von Band 1 noch fehlte, ist diesmal aufgeführt worden (Vgl. S. 7). Die Periode bis zur Er­ringung des Titels 1985 betrachtet auch das 1986 im Joachim Beyer Verlag Hollfeld erschienene Buch Weltmeister Garri Kasparow von Vladimir Budde. Für den vorliegen­den Band 2 konnte Stohl in erster Linie Kasparows Analysen im Schachinformator nutzen. Diese sind im Jahre 2006 auf der bereits angesprochenen CD The Best of Chess Informant Garry Kasparov vom Informatorverlag zusammengefasst worden. Daneben wurden Peri­odika, wie New In Chess Magazine und New In Chess Yearbook, Chess-Base Magazin sowie Zeitschriften, wie Schachmagazin 64 (Warum nicht Schach!), Èeskoslovensky Sach und Sachinfo im Literaturver­zeichnis aufgeführt. Darüber hinaus nutzt Stohl weitere Bücher, von de­nen vor allem Kasparov against the World, im Jahr 2000 von Kasparow selbst veröffentlicht, Understanding Chess Move by Move (2001) von John Nunn, die schon mehrfach an­geführten Instructive Modern Chess Masterpieces (2001) von Igor Stohl selbst, Secrets of Chess Intuition (2003) von Alexander Beljawski und Adrian Michaltschischin sowie Dy-namika strategie zahajeni (Dynamik der Schachstrategie), 2003, von Vlastimil Jansa zu erwähnen sind.

Bewertung des Inhaltes

Garri Kasparow hat auch mehr als zwei Jahre nach seinem Rücktritt vom professionellen Schach nichts von seiner Anziehungskraft auf Schachfans in aller Welt verloren. Dies zeigen Besucher- und Zu­schaueranstürme bei seinen Lesun­gen, Vorträgen, Pressekonferenzen und Simultanturnieren. Igor Stohl und der Verlag Gambit Publications haben ihr Scherflein dazu beigetra­gen, die Erinnerung an Kasparows Großtaten auf dem Schachbrett nicht verblassen zu lassen. Es gibt mit Ausnahme von Jan Timman, dessen Bücher Power Chess with Pieces (Deutsche Ausgabe: Die Kraft der Leichtfiguren) und On the Attack, in denen jeweils mehrere Kasparow-Partien ausführlich betrachtet wer­den, der Rezensent im Literaturver­zeichnis vermisst, wohl derzeit unter den Schachbuchautoren kaum einen besseren Kommentator und Analyti­ker als Stohl. Die vorliegende Sammlung ist eine erlesene Zusam­menstellung von Perlen wahrer Schachkunst. Die Auswahl der Partien ist ohne Zweifel als sehr gelun­gen zu bezeichnen. Dabei ragen vielleicht Kasparow - Anand, 10. Partie der Weltmeisterschaft 1995 in New York, Kasparow - Topalow, Wijk aan Zee 1999, die "Perle von Wijk", die Kasparow selbst einmal als seine beste Partie bezeichnet hat, Moivsesian - Kasparow, Sarajewo 2000, Kasparow - Karpow, Linares 2001 und Kasparow - Grischuk, Eu­ropapokal 2003 noch etwas heraus. Man spürt auch förmlich, dass es Stohl Spaß macht und möglicher­weise für zusätzlichen Antrieb sorgt, die Partien eines Spielers seiner Ge­neration - Kasparow ist Jahrgang 1963, Stohl 1964 - zu analysieren. Somit konnte der Verlag kaum eine bessere Wahl treffen, denn Stohl war bereits 1986 für die slowakische Ta­geszeitung Praca als Berichterstatter und Kommentator der WM-Revan­che Karpow - Kasparow tätig und besitzt eine emotionale Bindung an die Geschehnisse der damaligen Zeit. Stohl ist ohne Zweifel selbst ein Kasparow-Fan. Was die Kom­mentare anbelangt, bleiben bei Band 2 in puncto Ausführlichkeit, Genau­igkeit und Verständlichkeit der An­merkungen so gut wie keine Wün­sche offen. Diesbezüglich übertrifft Band 2 den ersten Band und setzt neue Maßstäbe. Man darf gespannt sein, ob Kasparow selbst dies mit seiner Predecessors-Reihe noch toppen kann.

Wenn man überhaupt etwas kritisch anmerken kann, dann den Fakt, dass Jan Timman gegenüber Igor Stohl der bessere "Erzähler" ist. Timman gelingt es meist unnachahmlich, die Partie in den richtigen Kontext zu setzen, die Begleitumstände und spoitliche Bedeutung zu erläutern und auf die Persönlichkeiten der Spieler einzugehen. Dies animiert und motiviert den Leser zusätzlich, die Partie zu studieren. Stohl ver­sucht dies auch an der einen oder anderen Stelle, aber dieser Aspekt kommt nach Ansicht des Rezensen­ten noch etwas zu kurz. Ein kleiner Schnitzer - die Überset­zung aus dem Englischen ins Deut­sche wurde von Hans-Peter Hansen weitgehend sehr gut vorgenommen - ist bei der letzten Partie (Partie 129) Adams - Kasparow, Linares 2005, auf Seite 377 aufgefallen. Dort heißt es: "Sollte dies wirklich Kasparows letzter Sieg in einem großen Turnier gewesen sein? Das wäre eine große Schande! (sic!)" Müsste es nicht besser heißen: Das wäre sehr scha­de! (?) Da dem Rezensenten die englische Ausgabe nicht vorliegt, lässt sich nicht mit Gewissheit sa­gen, ob es sich um eine Ungenauigkeit schon im Original oder bei der Übersetzung handelt. Positiv anzumerken ist das Inhalts­verzeichnis (S. 3-5), das die einzel­nen Partien mit Nummer, Namen der beteiligten Spieler, Austragungs­ort, gespielter Eröffnung mit ECO-Code und Seitenzahl auflistet. Ne­ben dem Quellenverzeichnis (S. 7) gibt es auch noch ein Gegnerver­zeichnis (S. 382) und ein Eröff­nungsverzeichnis (S. 383). Einen Überblick über Garri Kasparows Schachkarriere mit allen Turnier- und Wettkampfergebnissen erhält man auf den Seiten 378-381.

Fazit

Dieses Buch ist nicht nur Kasparow-Anhängern sehr zu empfehlen. Die herausragenden analytischen Fähig­keiten von Dr. Igor Stohl kommen hier mehr zur Geltung als in Band 1. Auch Band 2 ist mit Festeinband und Schutzumschlag wiederum attraktiv gestaltet worden. Leider ist der Preis von 35 € kein Pappenstiel. Dafür bekommt man aber auch Schach vom Feinsten geboten.

Mit freundlicher Genehmigung

Dr. Sören Bär, Rochade Europa 11/2007

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Großmeister Igor Stohl weiß zu kommentieren. Seine Instruktiven Meisterwerke aus der modernen Schachpraxis (RE 4/2004) wur­den vom US-Verband zum Buch des Iahres 2001 gewählt und sind inzwi­schen ein Klassiker. Der studierte Jurist ist hauptberuflich Schachau­tor; er schreibt für New In Chess, das CB-Magazin und den Informa­tor. 2006 erschien Stohls erster Band über Garri Kasparows beste Schachpartien auf Deutsch, mit 74 Partien aus den Jahren 1973 bis 1993. Nun liegt Band 2 vor. Er deckt den Zeitraum 1994 bis 2005 ab, ist 50 Seiten dicker und enthält 19 Par­tien weniger - Stohl kommentiert jetzt noch tiefer.

Im Vorwort schreibt der Autor über die mühsame Entstehungsgeschichte des großen Projekts. Anschließend gibt er auf 10 Seiten einen chronolo­gischen Überblick über Kasparows Schach 1994-2005. Im Anhang wer­den die biografischen Daten um eine Zeittafel ergänzt mit Garns tabellari­schem Lebenslauf.

Zum Partienteil etwas Statistik: Die 55 Partien kommentiert Stohl.auf 357 Seiten, das entspricht 6,5 Seiten für jede Partie im Mittel. Illustriert wird das Geschehen oft mit zwei großen Diagrammen pro Seite. Kasparow hat 32mal Weiß (58%), seine häufigsten Gegner sind Kramnik (6 P.), Anand (5) und Topalow (4). Während im ersten Band Königsin­disch vorherrschte mit 22% (16 P. von 74), dominiert jetzt Sizilianisch mit über einem Drittel (20 P. von 55).

Igor Stohl nutzte für seine Kommen­tare viele Quellen, auch Kasparows eigene Anmerkungen in Büchern und russischen Magazinbeiträgen, im Informator und in New In Chess. Einige Partien hatte Stohl bereits in seinen Instruktiven Meisterwerken kommentiert, nun überarbeitete er auch diese Analysen. Die kritische Revision des vorhandenen Materials zeichnet das Buch aus, neben Stohls vielen neuen Ideen. Band 1 war, bei allem Lob, kritisiert worden wegen der etwas dünnen Eröffnungskommentierung (RE 8/2005, S. 66). Nun geht der Autor stärker auf die Eröffnungstheorie ein, zitiert mehr und bringt häufiger Verweise zu anderen Kasparow-Partien. Gele­gentlich weist er auch auf psycholo­gische Aspekte hin, zum Beispiel bei der Wahl der Eröffnung. Im Zentrum allen Kommentierens stehen natür­lich die strategischen Pläne der Kon­trahenten und die taktischen Ver­bindlichkeiten. Überhaupt ist die Taktik nach Stohl der Bereich, der im letzten Jahrzehnt dank der Com­puter und ihrer stetig besseren Hard-und Software deutlich aufgewertet wurde zu Lasten der Strategie. "Der Stil der derzeitigen Weltspitze hat sich voll und ganz auf diesen Trend eingestellt und ist noch konkreter und dynamischer geworden." Auch das ist ein Grund für die noch tiefere Kommentierung im zweiten Band. Wer sich für das Buch interessiert, nutze die 8-seitige Leseprobe bei www.gambitbooks.com/pdfs/557Samp.pdf . Dort stellt der Verlag das Inhaltsverzeichnis mit den 55 Paa­rungen ins Netz und buchgetreu die erste Partie (Kasparow - Iwant-schuk, Linares 1994).

Fazit: Wieder lieferte Großmeister Igor Stohl exzellente Arbeit ab - in der Summe werte ich den zweiten Band noch höher als den ersten. Ein­ziger Schwachpunkt ist der Preis (€35). Stohl kommentiert mit einer harmonischen Mischung aus Text und Varianten, er schürft tief und schreibt doch klar verständlich, je­der lernwillige Amateur kann seinen Überlegungen folgen. Lustvolle Pflichtlektüre für Kasparow-Fans. Und Kaufempfehlung für alle, die gern brillant kommentiertes Spitzen­schach nachspielen.

Mit freundlicher Genehmigung

Dr. Erik Rausch, Rochade Europa 9/2007

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Linares, 10. März 2005: Garri Kasparow kündigt auf einer Pressekonferenz seinen Rücktritt vom Profischach an. Damit endet eine Ära die in den frühen 80ern begann.

Wie ein Komet schoss der junge Himmelsstürmer aus dem fernen Baku an die Spitze der Weltschachelite. Über 20 Jahre dominierte er die gesamte Schachwelt und begeisterte Schachfreunde in aller Welt mit seinen genialen Partien. Er schrieb Schachgeschichte, sein monumentaler Sieg gegen Anatoli Karpow im Zeitraum 1984 bis 1990 in insgesamt fünf WM-Matches wird die Analytiker noch in Jahrzehnten beschäftigen, ganz abgesehen von seinen Turnierpartien gegen andere Konkurrenten.

Kasparow vereinigte in sich alle Eigenschaften eines Superweltmeisters: in der Eröffnung absolut unübertroffen, im Mittelspiel durch sein kombinatorisches Genie weit vor allen anderen und im Endspiel virtuos wie ein Capablanca oder Rubinstein.

Seine Präsenz am Brett wurde von vielen als elektrisierend beschrieben, ganz ohne Zweifel dürfte Kasparow als der größte Schachspieler aller Zeiten angesehen werden.

Nicht immer war man mit ihm einer Meinung, es war eine Art Hassliebe zwischen Kasparow und der Schachwelt. Namen wie "das Monster mit den 1000 Augen“ oder "2800 Königsindischgott aus Baku“ zeugen von tiefem Respekt und auch gelegentlicher Abneigung in einem. Sein Rücktritt war und ist eine Katastrophe für die gesamte Schachwelt, was bleibt sind seine genialen Partien die ihn für alle Zeiten unvergessen machen.

GM Igor Stohl (ELO 2549) hat Kasparows beste Partien in Buchform gebracht und mit detaillierten Anmerkungen versehen. Im vorliegenden Band 2 wird der Zeitraum 1994 bis 2005 mit 55 Partien intensiv beleuchtet. Doch Igor Stohl analysiert die Partien nicht nur nach Schema F, sondern schildert die Begleitumstände zu den einzelnen Begegnungen und zieht den Leser sofort in seinen Bann. Wer glaubt er kenne bereits jede Analyse zu den Partien Kasparows, der hat sich getäuscht. Der Autor hat zwar für seine Kommentierung eine Menge an fremden Quellen herangezogen (einschließlich der Analysen Kasparows), liefert aber gleichzeitig eine Menge an neuen Einblicken sowie zahlreiche neue analytische Gesichtspunkte. Ich muss sagen, ich bin begeistert über dieses Buch. Selten hat ein Kommentator mit so viel Liebe zum Detail Partien analysiert, ohne aber die Geduld des Lesers zu strapazieren. Man kann das Buch auch ohne Schachbrett benutzen, viele Diagramme und die Erzählkunst des Autors lassen " Garri Kasparows beste Schachpartien - Band 2“ auch zu einem echten Schmöker werden. Mit vielen Anekdoten und Geschichten rund um die Partien lockert Stohl die zum Teil natürlich hochkomplexen Analysen sehr angenehm auf.

Ein besonderes Highlight in diesem Buch (obwohl es schwer ist hier von Highlight zu sprechen, denn eigentlich ist das ganze Buch ein schachlicher wie literarischer Höhepunkt) markiert die Begegnung Kasparow-Anand, New York, Schachweltmeisterschaft 1995:

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 Sf6 5.0-0 Sxe4 6.d4 b5 7.Lb3 d5 8.dxe5 Le6 9.Sbd2 Sc5 10.c3 d4 11.Sg5 dxc3 12.Sxe6 fxe6 13.bxc3 Dd3 14.Lc2 Dxc3 15.Sb3 Sxb3 16.Lxb3 Sd4 17.Dg4 Dxa1 18.Lxe6 Td8 19.Lh6 Dc3 20.Lxg7 Dd3 21.Lxh8 Dg6 22.Lf6 Le7 23.Lxe7 Dxg4 24.Lxg4 Kxe7 25.Tc1 c6 26.f4 a5 27.Kf2 a4 28.Ke3 b4 29.Ld1 a3 30.g4 Td5 31.Tc4 c5 32.Ke4 Td8 33.Txc5 Se6 34.Td5 Tc8 35.f5 Tc4+ 36.Ke3 Sc5 37.g5 Tc1 38.Td6 1-0

Stohl schildert die Umstände dieser Partie (Kasparow und sein Team bereiteten die gesamte Variante bis nach 19.Lh6! innerhalb von 48 Stunden während der 8. und 9. Partie vor!) so spannend wie einen Krimi und man spürt förmlich die Anspannung beider Spieler während dieser wichtigen Partie. Stohl lässt das Buch mit der Partie Adams-Kasparow, Linares 2005, ausklingen und schreibt folgendes: "Sollte dies wirklich Kasparows letzter Sieg in einem ernsten Turnier gewesen sein? Das wäre eine große Schande!“ Dem kann man nur zustimmen!

Fazit:

Gratulation an den GAMBIT-Verlag und an Igor Stohl für dieses Meisterwerk!

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle noch schreiben wieso dieses Buch für mich persönlich ein absoluter Meilenstein im Bereich Schachbücher darstellt, aber außerordentliche Qualität braucht nicht viele Worte. "Garri Kasparows beste Schachpartien - Band 2“ setzt neue Maßstäbe im Bereich Kommentierung sowie Präsentation von Meisterpartien! Unbedingt zu empfehlen!

Mit freundlicher Genehmigung

Martin Rieger, www.freechess.de