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LXMAGPFS

Paul Felix Schmidt

A Winning Formula

320 Seiten, Leinen mit Schutzumschlag, Exzelsior, 1. Auflage 2017

39,80 €
Inkl. 7% MwSt., zzgl. Versandkosten

The book is in both the English and German languages. Schmidt’s own, brief, recollections are included and his family has provided material on all aspects of his life.


Our small family (my father, my mother and I) came to America in March of 1952, after crossing the ocean in a re-fitted troop carrier named the “General Stewart”.

Not only did he (and we) keep up the German language, but he also stayed current in Russian by reading profusely (his favourite author was the poet Alexander Pushkin).

Years later, he told me that being a scientist was the only truly fascinating profession. Every evening he would study his journals, and then often finish up re-playing chess games from a book or magazine. I can remember him playing chess on a little hand-held “pocket” chess set.

My father stayed in touch with a variety of chess masters in the U.S. and Europe. Most notable was the Czech and German champion Ludek Pachman, who once came to visit him in Allentown. The last chess tournament he played in was a correspondence tournament in 1983/84, involving Estonian players.


Eva Maria Magacs was born in Heidelberg, Germany to Paul F. and Eva L. Schmidt. As a five-year old she accompanied her parents as they immigrated to the United States. She holds a Master’s degree in German and Spanish and has taught both subjects. Regina lives with her husband Jim and their dog Ebony in upstate New York. They are the parents of three children and have three grandchildren. She enjoys gardening, crewel embroidery, and cooking. This book is her first major translation work.

Michael Negele was born in Trier, Germany, in 1957 and lives in Wuppertal. A chemist, he has a PhD in Inorganic Chemistry and works in Dormagen near Cologne. Since 1972 he has been passionate about chess, excited by nearly all aspects of the Royal Game. Since 2000 he has contributed more than 70 articles with a historical chess background to the German chess magazines Kaissiber, KARL and SCHACH. In 2003 he was a founder of the Ken Whyld Association for the bibliography and history of chess. Michael was one of the editors of the monograph Emanuel Lasker - Denker Weltenbürger Schachweltmeister (Exzelsior, 2009) and he contributed to Schauspiel des Geistes (Exzelsior, 2012) with an historical review of blindfold chess.

Das Buch ist zweisprachig deutsch / englisch verfaßt und enthält Schmidts eigene knappe Notizen sowie privates Material seiner Familie über viele Aspekete seiner Lebensgeschichte.

"Unsere kleine Famile (mein Vater, meine Mutter und ich) kamen im März 1952 nach Amerika, nachdem wir in einem umgebauten Truppentransportschiff namens "General Stewart" den Ozean überquert hatten.

Obwohl wir der deutschen Sprache die Treue hielten, beschäftigte sich mein Vater auch intensiv mit der russischen Sprache, wobei Alexander Puschkin sein Lieblingsautor wurde.

Später erzählte er mir, daß die Arbeit als Wissenschaftler seine einzig wahre Berufung gewesen sei. Jeden Abend studierte er Fachzeitschriften, anschließend spielte er noch die eine oder andere Schachpartie aus Büchern oder Magazinen nach. Ich erinnere mich, wie er dabei immer ein kleines Taschenschach benutzte.

Mein Vater blieb immer in Kontakt mit Schachmeistern in den USA und Europa. Besonders bedeutsam war die Verbindung mit dem tschechisch-deutschen Meister Ludek Pachman, der sogar einmal in Allentown zu Besuch war. Das letzte Schachturnier, an dem er teilnahm, war ein Fernschachturnier mit estnischen Spielern in den Jahren 1983/84."


Eva Regina Magacs wurde als Tochter von Paul F. Schmidt und Eva L. Schmidt in Heidelberg geboren. Mit 5 Jahren kam sie mit ihren Eltern in die Vereinigten Staaten und hat heute einen Magisterabschluß in Deutsch und Spanisch. Sie lehrt in beiden Fächern. Zusammen mit ihrem Ehemann Jim und dem Hund Ebony lebt sie heute im Norden des Staates New York. Sie haben 3 Kinder sowie 3 Enkelkinder, Regina liebt ihren Garten, Handarbeit und kocht gerne. Das vorliegende Buch ist ihre erste Arbeit als Übersetzerin.

Michael Negele wurde 1957 in Trier geboren, lebt in Wuppertal und arbeitet als Chemiker (Ph.D.) in Dormagen in der Nähe von Köln. Er ist schachbegeistert seit 1972 und interessiert sich für alle Bereiche des königlichen Spiels. Seit 2000 hat er mehr als 70 Beiträge und Artikel mit historischem Hintergrund verfaßt, u.a. für die Zeitschriften Kaissiber, KARL und SCHACH. Er ist Mitbegründer (2003) der "Ken Whyld Association", die sich der Geschichte und Literatur des Schachspiels widmet. Weiterhin war er einer der Herausgeber der Monographie "Emanuel Lasker: Denker, Weltenbürger, Schachweltmeister" und hat für das Buch "Schauspiel des Geistes" einen Artikel über die historische Entwicklung des Blindschachs verfaßt.

Weitere Informationen
Gewicht 770 g
Hersteller Exzelsior
Breite 17,8 cm
Höhe 24,6 cm
Medium Buch
Erscheinungsjahr 2017
Autor Eva Regina MagacsDr. Michael Negele
Sprache Deutsch, Englisch
Auflage 1
ISBN-13 978-3935800082
Seiten 320
Einband Leinen mit Schutzumschlag

006 Preface / Vorwort

008 Acknowledgements

010 A Winning Formula

010 Introduction

015 People and Destinies from Old Livonia

028 A Fight for Supremacy (1916 - 1939) - Childhood and Youth between Two Worlds

057 Duel with a Friend (1940 - 1945) - Soldier of the Wehrmacht; Chess Champion of Greater Germany

086 Indistinguishable on 64 Squares (1946 - 1984) - Chess Champion or Pioneer of Semiconductor Technology

123 Schmidt documents and family tree

129 Family tree of the Schmidt family (eight generations)

134 From Chess Board to Periodic Table - Dr. Schmidt Goes to America

146 Meisterhaftes aus der Retorte

146 Einleitung

151 Menschen und Schicksale aus dem alten Livland

164 Der Wettstreit der beiden Pauls (1916 - 1939) - Kindheit und Jugend zwischen zwei Welten

195 Duell mit einem Freund (1940 - 1945) - Soldat der Wehrmacht und Schachmeister Grossdeutschlands

227 Auf 64 Feldern nicht zu unterscheiden (1946 - 1984) - Schachmeister oder Pionier der Halbleiter-Technik

267 Selected games of Paul Felix Schmidt

310 Appendix

310 Paul Schmidt’s Career Record

312 Index of Illustrations

314 Index of Persons, Places and Selected Keywords

Selten wagen sich (Schach-) Autoren an die historischen Meister der "zweiten Reihe“ heran, allein schon aufgrund der zu erwartenden Verkaufszahlen. Monographien über die Weltmeister, vielleicht noch über deren Herausforderer, finden ihre Abnehmer, aber wer - außer Experten der Schachhistorie - interessiert sich noch für Spieler, die vor etlichen Jahrzehnten zu den 10 bis 20 besten der Welt, also "nur“ zur erweiterten Weltspitze gehörten?

Der Spieler mit dem "Allerweltsnamen“ Paul Felix Schmidt dürfte dem breiten Schachvolk unbekannt sein. Dabei galt der Deutschbalte in seiner besten Zeit als ein potentieller WM-Kandidat. Doch der Zweite Weltkrieg griff einschneidend in seinen Lebenslauf ein.

Nun hat der bekannte Schachhistoriker Michael Negele das Schicksal Schmidts dem Vergessen entrissen, und mit einer inhaltlich wie äußerlich aufwendig gestalteten Biographie eine würdige Erinnerung geschaffen.

Ursprünglich arbeitete Negele mit dem englischen Schachhistoriker Anthony Gillam an einem gemeinsamen "Projekt Schmidt“. Gillams Recherchen und Anregungen flossen auch ins Buch ein, doch kurzfristig änderte der Brite seine Pläne und entschloss sich zu einer eigenständigen Publikation, welche die Schachpartien Schmidts in den Vordergrund stellt.

Negeles Buch dagegen konzentriert sich nur in einem Kapitel auf das schachliche Erbe: ein Dutzend der besten/wichtigsten Partien Schmidts werden vorgestellt, größtenteils mit zeitgenössischen, vom Spieler selbst verfassten Analysen. Im Zentrum des Buches steht seine Lebensgeschichte im Wechselstreit mit den umwälzenden historischen Umständen.

Dass Negele Kontakt mit Eva Regina Magacs, der Tochter Schmidts, aufnehmen konnte, erwies sich für den Historiker als großer Glücksfall. Die im Bundesstaat New York lebende mittlerweile 70jährige Übersetzerin zeigte sich zur Mitarbeit bereit, steuerte ein Kapitel über ihre persönlichen Erinnerungen an ihren Vater, etliche Privatbilder sowie Schmidts eigene "Tagebucheintragungen“ bei. Zudem sorgte sie für die Übersetzung ins Englische, so dass das Buch nun zweisprachig zu genießen ist; insbesondere liegt der Hauptteil, Negeles Text, separat in zwei Sprachen vor. Die Fülle am vorhandenen Bildmaterial machte es möglich, die entsprechenden Textstellen im deutschen wie im englischen Text mit ähnlichen, dabei nicht identischen Bildern zu illustrieren.

Negeles Text ist sehr "dicht“, gespickt mit einer Fülle gut recherchierter Informationen. Dabei rollt der Autor die Hintergründe bis hin zu Schmidts Urgroßvater auf, um den historischen Kontext, das Leben der Deutschen Minderheit im Baltikum, ausführlich zu porträtieren. Zugleich verweist er damit auf die ausgeprägte Schachtradition in der Familie: der Urgroßvater war Pädagoge und Leiter eines angesehenen Internats in Fellin, dem heutigen Viljandi in Estland. Dort wurde Schach gepflegt, Schmidts Großvater, der im Internat aufwuchs, entwickelte dadurch eine innige Schachliebe, die er weitergab. Schmidts Vater war noch stärker vom Schachvirus infiziert und selbst ein ausgezeichneter Spieler, der seinen Sohn von klein auf mit dem Spiel in Kontakt brachte und das sich abzeichnende Talent förderte.

Der junge Paul wuchs mit diesem günstigen Hintergrund ausgestattet bereits früh zu einem der besten Spieler Estlands heran. Sein Umfeld war von klein auf geprägt durch die Wirren infolge des ersten Weltkriegs: dem Unabhängigkeitswunsch des kleinen Landes, das stets im Spannungsfeld der aggressiven Nachbarn Russland und Deutschland stand, und welches mal von dieser, mal von der anderen Seite "geschluckt“ wurde. Zugleich stand er mit seinen deutschen Wurzeln im Spannungsfeld zur estnischen Mehrheit. In der Konkurrenz zu Paul Keres wird dieser Konflikt manifest: beide waren Jahrgang 1916, trugen denselben Vornamen, wurden beide in Narva geboren (Keres war ein halbes Jahr älter), sie waren die hoffnungsvollsten Nachwuchskräfte Estland. Doch trotz vieler Gemeinsamkeiten war ihre Beziehung von Rivalität, gar Animositäten geprägt: sie lieferten sich häufig erbitterte Duelle, bei denen etwa über die Landesmeisterschaft oder die Teilnahme an Olympiaden entschieden wurde. Der Este Keres äußerte sich desöfteren abfällig über den "Deutschen“ Schmidt und wollte seinen Widersacher offensichtlich verunglimpfen - das war das erste Mal, dass ich etwas Negatives über den ansonsten allgemein als Gentleman geltenden Keres gelesen habe!

Mit Anfang Zwanzig war Schmidt bereits in der estnischen Olympiaauswahl etabliert, 1937 feierte er den größten Erfolg seiner Schachkarriere, als er das starke Turnier von Pärnu gewann und dadurch auch international bekannt wurde.

Der persönliche Entscheidungsprozess zwischen Schachprofitum oder einem bürgerlichen Beruf (er studierte Chemie) wurde durch den Ausbruch des Weltkrieges torpediert. Seine Familie und er gerieten zum Spielball der Mächtigen - ab 1939 wurden die Deutschbalten "Heim ins Reich“ umgesiedelt. Schmidt sah sich plötzlich als Wehrpflichtiger in den Krieg hineingezogen, den er als Deutscher auf der Seite der Nazis ausfechten musste.

Negele geht nicht auf die Frage der Verantwortung, einer möglicher "Schuld“ des Protagonisten ein, rekonstruiert indes minutiös, soweit möglich, seinen Verbleib in dieser unübersichtlichen Zeit. Es geht vor allem ums Überleben, ein nachvollziehbarer Antrieb: Schmidt kommt es letztlich zupass, dass er a) ein guter Schachspieler, b) Wissenschaftler und sprachbegabt und c) bei schlechter Gesundheit ist. So umgeht er mit Glück und Geschick, an die Front geschickt zu werden. Er dient als Übersetzer in den hinteren Linien, wird einer der Aushängeschilder des "Großdeutschen Schachbundes“ und nimmt an den Turnieren teil, die während des Krieges in Deutschland und den besetzten Zonen (wie im Generalgouvernement Warschau, wo er auf Bildern mit Generalgouverneur Hans Frank abgebildet ist) ausgerichtet wurden. Da gehört er neben Aljechin, Bogoljubow und dem aufgehenden Stern Klaus Junge stets zum Favoritenkreis. Seine Schachkunst hilft ihm dabei, zu überleben.

Nach Ende des Krieges entkommt er mit knapper Not der Kriegsgefangenschaft in Sibirien bzw. der "Einverleibung“ durch den ihm verhassten Kommunismus und trifft auf wundersame Weise wieder seine Familie in Heidelberg. In den Nachkriegsjahren gilt er als einer der besten (West-)Deutschen Spieler, die Zeit Unzickers stand erst noch bevor. Doch Schmidt hält sich mit dem aktiven Turnierschach zurück, kümmert sich primär um seine wissenschaftliche Laufbahn, und promoviert. Insgeheim ist der Entschluss gereift: er will dieses politisch instabile Europa verlassen, für sich und seine Familie (die Tochter Eva Regina ist mittlerweile geboren) eine sichere Zuflucht suchen. Anno 1952 wandern die Schmidts nach Amerika aus, Paul Schmidt gelingt es, Arbeit zu finden. Er arbeitet sich hoch, landet berufliche und wissenschaftliche Erfolge und kann seiner Familie (mittlerweile zwei Töchter) wachsenden Wohlstand bieten.

Fürs Schach bleibt er lebenslang offen und neugierig, seine Tochter schildert, wie er desabends Partien nachspielte und die aktuellen Turniere verfolgte. In seinem letzten Lebensjahr gewinnt er noch ein Fernschachturnier.

Von Aljechin ist bekannt, dass er die Nazipropaganda unterstützte. Ähnliches lässt sich von Schmidt nicht belegen, aber auch Distanzierungen sind Fehlanzeige.

Schmidts Leben ist exemplarisch: ein Mann der Wissenschaft, unpolitisch, der unversehens in den Krieg hineingezogen wird, ein Spielball der verrückten Mächtigen. Es zählt das nackte Überleben, man nutzt die vorhandenen Möglichkeiten aus. Schmidts Wunsch ist nicht viel mehr als eine sichere Existenz, abseits von Rassenhass, Diskriminierung und Gewalt. Ein verständlicher Wunsch, den er in seiner zweiten Lebenshälfte realisiert.

Negele wertet nicht, sondern hält sich nüchtern an die Fakten und bringt uns dadurch ein Einzelschicksal in bewegter Zeit näher. Einen Menschen, der im Schach herausragend war, der die Schachgeschichte eine Zeitlang bereicherte, und für den Schach eine wichtige Rolle im Überlebenskampf des Krieges spielte.

Die ausgezeichnete äußerliche Gestaltung mit Schutzumschlag und dem gelungenen Layout von Ulrich Dirr verleihen der spannenden Lektüre einen gesteigerten Genuss.

IM Frank Zeller

Zeitschrift SCHACH 10/2017


Paul Schmidt ist auch heute noch ein wenig bekannter Name in der Schachszene. Dabei zählte der Deutschbalte 1943 zu den zehn besten Schachspielern der Welt. Dennoch ist er in Vergessenheit geraten, wohl weil sein Wirkungszeitraum nicht einmal zwanzig Jahre währte, weil er nur wenige Turniere spielte und sein Zenit mit den Wirren des Zweiten Weltkriegs zusammenfällt.

Michael Negele hat nun in Zusammenarbeit mit der Tochter von Paul Schmidt erstmals eine Biografie zu einem der unbekanntesten Welt klassespieler vorgelegt. Die geplante ausführliche Partiensammlung ließ sich wegen "unüberbrückbarer Schwierigkeiten“ mit seinem ursprünglichen Co-Autor nicht realisieren, wie Negele im Vorwort anmerkt. Nun ist eine zweisprachige Lebensbeschreibung entstanden, die durch ein Dutzend kommentierter Partien ergänzt wird.

Durch die Kooperation mit der Tochter Schmidts haben viele, bislang unveröffentlichte private Fotos Eingang in das Werk gefunden. Durch die Informationen der Familie ist eine sehr persönliche Biografie entstanden. Zahlreiche private Dokumente, ein Stammbaum sowie Erinnerungen über Schmidts Übersiedlung in die USA vermitteln einen lebendigen Eindruck eines lange Zeit unsteten Lebens, das von den wechselhaften politischen Rahmenbedingungen bestimmt wurde.

Paul Schmidt entstammt einer schachbegeisterten Familie. Schon einer seiner Vorfahren hatte maß geblich zur Entwicklung des baltischen Schachs beigetragen und sein Vater war begeisterter Vereinsspieler. Schmidt wird 1916 in Narva ge boren, an gleicher Stelle wie sieben Monate zuvor Paul Keres. Die heute estnische Stadt gehörte damals zum russischen Zarenreich. Die wechsel hafte Geschichte Estlands, zwischen Unabhängig­keit und wechselnder Okkupation wird auch den Lebensweg des Deutschbalten Paul Schmidt bestimmen. Über Riga flüchtet seine Familie 1919 nach Deutschland, wo Paul schon mit vier Jahren das Schachspiel erlernt. Nachdem sich die wirtschaftlichen Verhältnisse verschlechtern, kehren die Schmidts 1923 nach Estland zurück.

Schmidts Schachbegeisterung wird 1930 durch einen Sieg im Simultan gegen den WM-Kandidaten Efim Bogoljubow endgültig entfacht. Künftig wird die Konkurrenz mit seinem Landsmann Paul Keres zum Stimulus seiner schachlichen Entwicklung. Freundschaftlich ver bunden waren beide nie, auch weil die Esten Vorbehalte gegen die privilegierte Elite der Deutschbalten hegten, wie Negele glaubt.

1934 schreibt der 18-jährige Schmidt in der Deutschen Schachzeitung seine ersten Beiträge. 1935 gewinnt er das Jubiläumsturnier in Tallinn vor Keres, 1936 wird er in dessen Abwesenheit estnischer Meister und im selben Jahr spielt er ein Match gegen seinen Dauerkonkurrenten 3,5:3,5.

Schon in jener Zeit ist Schmidt immer wieder gesundheitlich beeinträchtigt und muss mehrere Turniere absagen. Aber 1937 ist seine Physis stabil und er hat eines seiner erfolgreichsten Jahre. Beim Turnier in Pärnu erreicht er seinen größten Erfolg, als er mit einem Punkt Vorsprung vor dem mittlerweile in die Weltspitze vorgestoßenen Keres, sowie Flohr, Stahlberg und Tartakower ge winnt. 1939 ist Schmidt erstmals Teil der estnischen Olympiamannschaft. In Buenos Aires holt das Team Bronze, obwohl Schmidt mit 5/13 ein mageres Resultat erzielt. Wegen des Kriegs­ausbruchs während der Veranstaltung überlegt auch Schmidt, wie viele andere in Argentinien zu bleiben, entschließt sich aber nach einigem Zögern, zurück zu seiner Familie zu fahren. Vom Großdeutschen Schachbund wird er nun als "heimgekehrter Volksdeutscher“ und neuer Frontmann gefeiert. Doch erst 1941 knüpft Schmidt, der mittlerweile als Sanitätssoldat dient, wieder an seine Erfolge an und gewinnt die Deutsche Meisterschaft gemeinsam mit Klaus Junge, den er später im Entscheidungskampf klar mit 3,5:0,5 bezwingt. Ein weiterer Höhepunkt seiner Karriere ist der Turniersieg in Krakau/Warschau, punktgleich mit Weltmeister Aljechin.

Ende 1943 wird Schmidt beurlaubt, um sein Studium in Königsberg abzuschließen, was ihm kurz vor Kriegsende 1945 gelingt. Danach gerät er in russische Gefangenschaft. Nach seiner Entlassung im Juli 1945 schlägt er sich bis nach Heidelberg durch, wo seine Familie unter­ gekommen war. Während er seine Dissertation schreibt, ist er als Schachjournalist tätig.

Als die FIDE 1950 erstmals Titel vergibt, springt für Schmidt "nur“ der des Internationalen Meisters heraus. Wohl eine politische Entscheidung, wie Negele vermutet, weil Schmidt 1940-43 Turniere der Nazis mitgespielt hatte.

Erst 1952 kehrt endlich Ruhe in Schmidts Leben ein. Da siedelt er, gerade 35 Jahre alt, mit Frau und Tochter in die USA. Die Odyssee des Zweiten Weltkriegs noch im Gedächtnis, flieht der Chemiker kurz nach seiner Promotion aus einem aus seiner Sicht noch instabilen Europa. Schmidt arbeitet an einem Forschungsinstitut in Philadelphia, wo er zu einem Pionier der Halbleitertechnik wird. Sein Fokus gilt fortan seinem Beruf. Mit dem Schach beschäftigt er sich nur noch privat, wenn er allabendlich Partien nachspielt. Erst Mitte der Sechziger gibt er wieder Simultanvorstellungen und analysiert Partien für Chess Life & Review .

Schmidt stirbt 1984 an den Folgen einer Krebs erkrankung - verursacht durch seine jahrelange Arbeit bei Bell Labs mit radioaktivem Material, wie seine Tochter meint.

Der Band macht einen außergewöhnlich guten Ein druck. Schutz­umschlag, Satz und Bildbearbei tung sind Dank Ulrich Dirr ein optischer Genuss.

Dieses Buch weist endlich einem der besten Spieler seiner Zeit seinen adäquaten Rang zu. Diesem liebevoll gemachten Werk sind viele Käufer zu wünschen - auch weil es Paul Schmidt verdient hat.

Harry Schaack

KARL 2/2017

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