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Art.-Nr.: LXREHSIZD19J

Schach in Zeitungen des 19. Jahrhunderts

210 Schachaufgaben und 200 Bilder

340 Seiten, kartoniert, Neu-Jung, 1. Auflage 2014.

29,80 €
inkl. 7% MwSt., zzgl. Versandkosten

Elke Rehder (* 4. Mai 1953 in Hamburg) ist eine deutsche Malerin, Grafikerin und Buchkünstlerin, die sich seit 1987 mit dem Schachspiel beschäftigt.

Weitere Informationen im Internet auf schach-chess.com Im ersten Kapitel werden die vor 1870 erschienenen deutsch­- und fremdsprachigen Schachzeitungen vorgestellt. Dies sind die Deutsche, Berliner, Magdeburger, Wiener und Schweizerische Schachzeitung sowie die in Frankreich, Großbritannien, den USA, den Niederlanden und Italien herausgegebenen Schachzei­tungen.

Im zweiten Kapitel werden deutsch- und fremdsprachige Zeitun­gen mit periodischer Schachspalte vorgestellt. Das Kapitel ent­halt einen kurzen Abriss über technische Erfindungen, wie z. B. Drucktechnik und Telegrafie, welche die schnelle Verbreitung des Schachspiels möglich machten.

Einen Schwerpunkt bildet die Schachspalte der ersten Jahrgänge der Leipziger Illustrirten Zeitung (1843-1845). Die Schachauf­gaben in historischen Diagrammen und der Schriftwechsel mit dem Schachredakteur K. J. S. Portius vermitteln einen Eindruck von der damaligen Zeit.

Die seltenen Schachaufgaben aus Payne's Illustrirtem Familien­-Kalender wurden von Karl-Otto Jung in Diagrammen dargestellt und Lösungen hinzugefügt.

Ein 50seitiger Anhang enthalt Kurzbiografien zu den im Buch ge­nannten Schachspielern und Schachkomponisten. Ein umfang­reicher Namensindex erleichtert das Nachschlagen.

Details
Sprache Deutsch
Autor Rehder, Elke
Verlag Neu-Jung
Auflage 1.
Medium Buch
Gewicht 470 g
Breite 14,9 cm
Höhe 21 cm
Seiten 340
Erscheinungsjahr 2014
Einband kartoniert

DOKUMENTATION SCHACHLICHER FRÜHPHASE

Elke Rehder ist vor allem durch Ihre Buch­illustrationen z.B. zu Zweigs Schachnovelle bekannt geworden. Doch die Hamburger Künstlerin hat auch Interesse an der schach­lichen Druckgeschichte. Mit Schach in Zeitungen des 19. Jahrhunderts hat sie 2014 eine Chronologie der Schachzeitungen bis 1870 vorgelegt. Viele Kurzbiographien sowie zeitgenössische und historische Einschübe, die über das eigentliche Buchthema hinausgehen, lassen die Zeit auferstehen, als Schach noch in den Kinderschuhen steckte.

Die frühen Schachzeitschriften ausfindig zu machen ist nicht so schwierig, die Schachspalten in Zeitungen aufzuspüren dagegen eine Fleiß­arbeit. In einer Zeit, als das Schachinteresse gerade zu entstehen begann, waren Periodika teils recht kurzlebig, manche kamen über wenige Ausgaben nicht hinaus. Dank ihres stupenden Wissens und ihrer Sorgfalt hat die Autorin die Bibliographie zu diesem Thema erweitert, und viele der über fast 150 Jahre bis in die Neuzeit kolportierte Irrtümer korrigiert.

Die Geschichte der Schachkolumnen begann in England, wo am 9. Juli 1813 die weltweit erste periodische Zeitungs-Schachspalte in der 1811 gegründeten Liverpool Mercury erschien, schon damals mit Diagramm (!). 1828 druckt die Berliner Staffette die erste deutschsprachige Schachspalte. 1836-39 gibt La Bourdonnais mit Le Palamède die erste Schachzeitung der Welt heraus. 1837-38 folgt mit The Philidorian von George Walker die erste britische, 1846 die erste in den USA. Im selben Jahr erscheinen auch die ersten deutschsprachigen Fachorgane mit der kurzlebigen Deutschen Schachzeitung (Leipzig) und der Schachzeitung (Berlin, 1846-1988). 1855 kommt die Wiener, 1857 die Schweizer Schachzeitung hinzu. Um 1860 gab es weltweit bereits mehrere hundert periodisch erscheinende Zeitungen und Magazine, die mehr oder weniger regelmäßig über Schach berichteten.

Die Geschichte des Schachs in Zeitungen des 19. Jahrhunderts zeigt auch ein Ringen um Konventionen. Wie schwierig eine Übereinkunft war, mag die englischen Notation verdeutlichen, die konkurrierend zur sonstigen europäischen bis in die 1980er Jahre üblich war. Durch die Schachzeitschriften und -spalten war der Druck zu einer allgemeinverständlichen Generalisierung gestiegen und man hatte den Willen, eine universelle Sprache und einheit­liche Regeln zu finden.

Eine Standardisierung der Diagramme begann sehr früh. 1842 wurden in der Le Palamède in den Diagrammen die Figuren durch Buch­staben symbolisiert. Noch im selben Jahr setzten sich die bis heute üblichen Symbole durch. Eine wichtige Bedeutung für die Verbreitung kam dabei der 1843 erschienenen Illustrirten Zeitung in Leipzig zu, wo der Pionier J. J. Weber, die Xylographie, also die Holzstich-Illustration einführte und als erste überregionale Zeitung regelmäßig Beiträge zu Schach brachte. Am 12. August 1943 erschien in ihr das erste Schachdiagramm in einer deutschen Zeitung, in Frankreich sogar schon wenige Monate zuvor in der L’Illustration, die von Anfang an eine Schachspalte mit Diagramm hatte. Beide Zeitungen orientierten sich an der ersten illustrierten Zeitung der Welt, der Illustrated London News, die 1842 auf den Markt kam. Zunächst berichtete sie verstreut über Schach, ab 1845 betreute der damals beste Spieler der Welt, Howard Staunton, bis zu seinem Tod 1874 eine Schachkolumne. Die Diagramme wurden nach einer Zeichnung von Setzern mit Hilfe einzelner vorgefertigter Figurensätze zusammengestellt.

Durch die Beschreibung der Drucktechniken wird deutlich, wie sich die Zeitungen veränderten. Mit der Erfindung der Xylographie revolutionierte Thomas Bewick Ende des 18. Jahrhunderts die Abbildungsmöglichkeiten, weil das Verfahren deutlich kostengünstiger als Stahl- oder Kupferdruck war. Ohne diese Innovation hätten auch Diagramme nicht so früh Verbreitung gefunden, und das wiederum förderte die Popularität des Schachs und auch eine weltweite Vereinheitlichung der Schachsymbole, Regeln und Notationen begünstigt haben.

Interessant ist auch die Entwicklung der Zeitungen, die sich zunehmend Aktualität auf die Fahnen schrieben. Die Kommunikation veränderte sich binnen weniger Jahre rasant, etwa durch das aufkommende Postwesen mit den ersten Briefmarken - der One Penny Black 1840 in England und dem Schwarzen Einser 1849 in Deutschland - dem Ausbau der Eisenbahnnetze seit den 1840er Jahren und der von Morse 1835 erfundenen Telegrafie, die sich seit 1840 als Informationsmittel durchsetzte.

Staunton spielte schon 1845 eine Partie via Kabel, aber erst 1850 verbindet das erste Seekabel zwischen Frankreich und England die Insel mit dem Kontinent, was nicht nur die Berichterstattung, sondern auch die Ausrichtung von Schachveranstaltungen be­günstigte.

Durch die in Rehders Buch chronologisch abgebildeten 210 Diagramme lässt sich auch die Entwicklung des Problemschachs nachvoll­ziehen. So war z.B. das Selbstmatt verpönt und wurde nicht gezeigt, "denn solche Spiele haben gleich bei ihrem ersten Anblick etwas wider­liches ... “, schreibt die Illustrierte Zeitung 1844. Man erkennt aber auch, dass die Auf­gaben innerhalb weniger Jahre zunehmend schwieriger und langzügiger werden.

In den Vierzigern finden sich gewisse Ressentiments der Tagesgazetten gegenüber Fachorganen. Die Schachspalte in der Illustrirten Zeitung betonte 1844, dass sie nur das qualitativ Beste bringt, während reine Schachzeitungen aufgrund der Füllmenge über viel Mittelmäßiges und Unbedeutendes berichten müssen. Der Redakteur der Illustriten spricht sich explizit gegen reine Schachmagazine aus, weil es nichts Bedeutendes zu berichten gibt, was nicht schon in den Kolumnen zu finden wäre: "Übrigens ist eine Schachzeitung ein schlechtes Ding. Was kann Sie außer Schachaufgaben und Partien geben?“ Der Vorbehalt ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, wie spärlich die Schachlandschaft damals war. Erst durch das Inter­nationale Turnier in London 1851 nahm das Wettkampfschach einen raschen Aufschwung.

Die illustrierten Zeitungen, die seit den vierziger Jahren wie Pilze aus dem Boden schossen, sind schachhistorisch heute die wichtigste Quelle für die Porträts der frühen Meister. Durch sie sind uns, lange bevor man Fotos drucktechnisch verwenden konnte, Abbildungen von Spielern und Wettkämpfen überliefert.

Schach in Zeitungen des 19. Jahrhunderts ist ein sehr schöner Beitrag zur Kulturgeschichte des Schachs, der den Zusammenhang zwischen technischen Innovationen und der Fortentwicklung des Spiels deutlich macht. Darüber hinaus kann sich der Leser an zahlreichen Schach­aufgaben erfreuen. Zuletzt ist das Buch ein wichtiges Quellenwerk für jeden, der sich schachhistorisch interessiert.

Mit freundlicher Genehmigung

Harry Schaack, KARL 1/2015


Im ersten Kapitel werden die vor 1870 erschienenen deutsch und fremdsprachigen Schachzeitungen vorgestellt. Dies sind die Deutsche, Berliner, Magdeburger, Wiener und Schweizerische Schachzeitung sowie die in Frankreich, Großbritannien, den USA, den Niederlanden und Italien herausgegebenen Schachzeitungen. Im zweiten Kapitel werden deutschund fremdsprachige Zeitungen mit periodischer Schachspalte vorgestellt. Das Kapitel enthält einen kurzen Abriss über technische Erfindungen, wie z. B. Drucktechnik und Telegrafie, welche die schnelle Verbreitung des Schachspiels möglich machten. Einen Schwerpunkt bildet die Schachspalte der ersten Jahrgänge der Leipziger Illustrirten Zeitung (1843-1845). Die Schachaufgaben in historischen Diagrammen und der Schriftwechsel mit dem Schachredakteur K. J. S. Portius vermitteln einen Eindruck von der damaligen Zeit. Die seltenen Schachaufgaben aus Payne’s Illustrirtem Familien-Kalender wurden von Karl-Otto Jung in Diagrammen dargestellt und Lösungen hinzugefügt. Ein 50-seitiger Anhang enthält Kurzbiografien zu den im Buch genannten Schachspielern und Schachkomponisten. Ein umfangreicher Namensindex erleichtert das Nachschlagen. Leseprobe gefällig? Auf den Seiten 158ff findet sich eine Vorrede zu einer Aufgabe (Matt in 4 Zügen) vom 28. Juni 1845: "Klage der einen im Namen vieler. Das traurigste Los ist - ein Schachrätsel sein. So freundlich ich auch der Illustrierten Zeitung erscheinen mag, Tausende würdigen mich keines Blickes. Darüber will ich mich nicht beklagen. Aber wie viel muss ich dulden von denen, die mich ansehen und sich rühmen, Sachverständige zu sein! Bin ich leicht zu lösen, mit welcher Geringschätzung werde ich dann beiseite gelegt, mit welchem Stolze lässt mancher mich fühlen. Ich sei nichts für seinen Scharfsinn; bin ich aber schwer zu lösen, wehe mir! Zwanzigmal werde ich in die Hand genommen und zwanzigmal wieder weggeworfen. Viele misshandeln mich auf die abscheulichste Weise, indem sie ein Schachbrett zu Hilfe nehmen, um gewaltsam hinter meine Geheimnisse zu kommen. Gelingt dies nicht welche Ausdrücke der Ungeduld, des Argwohns und der Verachtung muss ich anhören! Das Ende meiner Leiden, das ich so oft erfahre, ist, dass man mich als ein sinnloses, durch Druckfehler erstelltes Ding wegwirft. Schüchtern trete ich in diesem deutschen Blatt mit der Versicherung auf: ich bin - Frankreich weiß es - kein Druckfehler; ich bin aber auch keine Preisaufgabe für deren Lösung 20 Louisdor ausgesetzt worden sind - eine Behauptung, die Herr H. C. R. in Hamburg aufstellt und die mich ebenso erröten macht, als das Missgeschick, im Palamède neben zwei Schwestern zu erscheinen, die beide Druckfehler waren.“ Kaum zu glauben, aber anscheinend ist noch nie jemand auf diese Idee gekommen: aus der riesigen Schatzkammer der Schachecken ein Buch zu machen. Oder vielleicht hatte schon jemand die Idee, scheute aber den Aufwand. Elke Rehder biss sich durch und legt nun dem geneigten, schachhistorisch interessierten Bücherwurm ein bemerkenswertes Buch vor. Schmökern und Staunen!

Otto Borik

Schachmagazin 64

05/2014


Im ersten Kapitel werden die vor 1870 erschienenen deutsch- und fremdsprachigen Schachzeitungen vorgestellt. Dies sind die Deutsche, Berliner, Magdeburger, Wiener und Schweizerische Schachzeitung sowie die in Frankreich, Großbritannien, den USA, den Niederlanden und Italien heraus gegebenen Schachzeitungen. Im zweiten Kapitel werden deutsch und fremdsprachige Zeitungen mit periodischer Schachspalte vorgestellt. Das Kapitel enthält einen kurzen Abriss über technische Erfindungen, wie z. B. Drucktechnik und Telegrafie, welche die schnelle Verbreitung des Schachspiels möglich machten. Einen Schwerpunkt bildet die Schachspalte der ersten Jahrgänge der Leipziger Illustrirten Zeitung (1843-1845). Die Schachaufgaben in historischen Diagrammen und der Schriftwechsel mit dem Schachredakteur K. J. S. Portius vermitteln einen Eindruck von der damaligen Zeit. Die seltenen Schachaufgaben aus Payne's Illustrirtem Familien-Kalender wurden von Karl-Otto Jung in Diagrammen dargestellt und Lösungen hinzugefügt. Ein 50-sei tiger Anhang enthält Kurzbiografien zu den im Buch genannten Schachspielern und Schachkomponisten. Ein umfangreicher Namensindex erleichtert das Nachschlagen. Leseprobe gefällig? Auf den Seiten 158ff findet sich eine Vorrede zu einer Aufgabe (Matt in 4 Zügen) vom 28. Juni 1845: "Klage der einen im Namen vieler. Das traurigste Los ist - ein Schachrätsel sein. So freundlich ich auch der Illustrierten Zeitung erscheinen mag, Tausende würdigen mich keines Blickes. Darüber will ich mich nicht beklagen. Aber wie viel muss ich dulden von denen, die mich ansehen und sich rühmen, Sachverständige zu sein' Bin ich leicht zu lösen, mit welcher Geringschätzung werde ich dann beiseite gelegt, mit welchem Stolze lässt mancher mich fühlen. Ich sei nichts für seinen Scharfsinn; bin ich aber schwer zu lösen, wehe mir! Zwanzigmal werde ich in die Hand genommen und zwanzigmal wieder weggeworfen. Viele misshandeln mich auf die abscheulichste Weise, indem sie ein Schachbrett zu Hilfe nehmen, um gewaltsam hinter meine Geheimnisse zu kommen. Gelingt dies nicht welche Ausdrücke der Ungeduld, des Argwohns und der Verachtung muss ich anhören! Das Ende meiner Leiden, das ich so oft erfahre, ist, dass man mich als ein sinnloses, durch Druckfehler erstelltes Ding wegwirft. Schüchtern trete ich in diesem deutschen Blatt mit der Versicherung auf: ich bin - Frankreich weiß es - kein Druckfehler; ich bin aber auch keine Preisaufgabe für deren Lösung 20 Louisdor ausgesetzt worden sind - eine Behauptung, die Herr H. C. R. in Hamburg aufstellt und die mich ebenso erröten macht, als das Missgeschick, im Palamede neben zwei Schwestern zu erscheinen, die beide Druckfehler waren:' Kaum zu glauben, aber anscheinend ist noch nie jemand auf diese Idee gekommen: aus der riesigen Schatzkammer der Schachecken ein Buch zu machen. Oder vielleicht hatte schon jemand die Idee, scheute aber den Aufwand. Elke Rehder biss sich durch und legt nun dem geneigten, schachhisto- risch interessierten Bücherwurm ein bemerkenswertes Buch vor. Schmökern und Staunen!

Otto Borik

Schach Magazin 64

Mai 2014


Schach in Zeitungen des 20. Jahrhunderts

Zu schachhistorischen Themen sind in jüngster Vergangenheit mehrere bemerkenswerte Bücher auf den Markt gekommen. In diese Linie reiht sich nahtlos "Schach in Zeitungen des 19. Jahrhunderts" ein, geschrieben von Elke Rehder und erschienen in der Edition Jung.

Als ich das Buch in die Hand bekam, war ich zunächst überrascht, als ich den Namen der Autorin las. Elke Rehder ist eine Künstlerin aus Barsbüttel, deren Arbeiten sich zentral auch mit dem Schachspiel verknüpfen und die schon mehrfach mit dem Deutschen Fernschachbund e.V. zusammengearbeitet hat.

Wie kommt eine Künstlerin dazu, ein Buch über "Schach in Zeitungen des 19. Jahrhunderts" zu schreiben? Diese Frage hat mich sehr interessiert. Und so lag es auf der Hand, einfach mal nachzufragen. Ich habe also den schon lange bestehenden Kontakt genutzt, um mehr zu erfahren.

Frau Rehder schrieb mir: "Anfang letzten Jahres besuchte ich den Grafiker Uwe Holstein in seinem Atelier. Dort entdeckte ich eine Vielzahl alter Zeitungen und Magazine in diversen Schränken. Die Zeitungen waren nicht zehn oder hundert Jahre alt; sie waren 140 bis 230 Jahre alt." Und weiter: "Ich wollte jedoch kein rein wissenschaftliches Buch schreiben. Das Buch sollte für jeden an Kultur interessierten Schachspieler spannend und interessant sein."

Zunächst ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis, soweit dieses die redaktionellen Kernthemen ausweist:

1 Deutschsprachige Schachzeitungen vor 1870

1.1 Deutsche Schachzeitung (Leipziger)

1.2 Schachzeitung (Berliner)

1.3 Magdeburger Schachzeitung

1.4 Sonntagsblatt

1.5 Neue Berliner Schachzeitung

1.6 Wiener Schachzeitung

1.7 Schweizerische Schachzeitung

2 Fremdsprachige Schachzeitungen vor 1870

2.1 Frankreich

2.1.1 La Palamède

2.1.2 La Régence

2.1.3 La Stratége

2.2 Großbrittanien

2.2.1 The Philidorian

2.2.2 The Chess Player's Chronicle

2.2.3 The Chess Player's Magazine

2.3 Vereinigte Staaten von Amerika

2.4 Niederlande

2.5 Italien

3 Deutschsprachige Zeitungen mit Schach vor 1870

3.1 Technische Entwicklungen und die Verbreitung des Schachs

3.1.1 Thomas Bewick und die Verbreitung des Schachspiels

3.2 Illustrirte Zeitung - Schachaufgaben und Korrespondenz

3.2.1 Jahrgang 1843

3.2.2 Jahrgang 1844

3.2.3 Jahrgang 1845

3.2.4 Lösungen der Aufgaben

3.3 Payne's Illustrirtes Familien-Journal und Kalender

3.3.1 Schachaufgaben aus Payne's Illustrirtem Familien-Kalender

3.3.2 Lösungen der Aufgaben

4 Fremdsprachige Zeitungen mit Schach vor 1870

4.1 Frankreich

4.2 Großbritannien

4.3 Vereinigte Staaten von Amerika

Kurzbiografien der Schachspieler in Auswahl.

"Schach in Zeitungen des 19. Jahrhunderts" ist deutlich erkennbar eine ganz besondere Fleißarbeit. Es trägt sehr viel Wissen in sich, ist aber zugleich auch ausgesprochen unterhaltsam. Zahlreiche Illustrationen, von Holzschnitten über Lithografien bis hin zu Zeichnungen lockern das Werk auf. Das rätselhafte, allegoriehafte und manchmal etwas diabolisch wirkende Element übernehmen Werke von Uwe Holstein. Glupschäugige Kreaturen an der Seite von Schachspielern oder als Verbildlichung von Charakterzügen oder Lastern etc. (so jedenfalls interpretiere ich sie) sind ein Hingucker, der das Auge des Betrachters dann nicht einfach wieder loslässt.

Noch ein paar Worte zu dem immensen Wissen im Werk: Elke Rehder bildet es nicht einfach "nur" ab, sie befreit es sogar von Fehlern und beseitigt Lücken. Auch hierzu ein Auszug aus dem O-Ton: "In meiner eigenen Schachbibliothek habe ich unter anderem mehrere Standardwerke zur Schachgeschichte. Die meisten davon bedürfen der Überarbeitung, weil in den letzten hundert Jahren zahlreiche neue Informationen und Erkenntnisse eine Berichtigung oder Ergänzung erfordern. Informationen im Internet, auch bei Wikipedia, sollten meines Erachtens nicht ungeprüft übernommen werden. Nicht nur in Amerika schreiben Studenten ihre Diplomarbeiten fast ausschließlich auf der Datenbasis des Internets. Fast kein Student recherchiert direkt in Bibliotheken und Archiven, weil dies zeitaufwendig und arbeitsintensiv ist." Und weiter: "Zunächst sortierte und analysierte ich den gefundenen Schatz. Es waren Publikationen dabei, die in keiner Bibliothek der Welt vorhanden sind.

Payne's Illustrirter Familien-Kalender lag vollständig! vor (auch dies ist in keiner Bibliothek der Fall)."

Ein zentraler Inhalt sind insgesamt 210 Schachaufgaben und deren Lösungen. Die Aufgaben sind allesamt historisch, die Lösungen aber zum Teil neu erstellt bzw. korrigiert, wofür Elke Rehder sich bei Karl-Otto Jung bedankt.

Bei den Aufgaben aus der Leipziger Illustrirten Zeitung hat Elke Rehder darauf Wert gelegt, dass die alten Diagramme gezeigt werden und der Schriftwechsel mit der Redaktion (Portius) überliefert wird (mit den Fehlern und Macken aus der Zeit), alles also pur und ungefiltert. Eine Fundgrube für Schachhistoriker.

Ein kleiner Tipp mal besonders an die Fernschachspieler: Werfen Sie mal einen Blick auf den Eintrag zu "2.1.1 La Palamède"! Sagt Ihnen nicht viel? Ging mir auch so, aber ich habe nachgeschaut. Palaméde ist die französische Version des Namens Palamedes, einer Gestalt aus der griechischen Mythologie. Warum die französische Schachzeitung diesen Namen trug, weiß ich nicht, aber vielleicht mag den Ausschlag hierfür gegeben haben, dass Palamedes die Erfindung des Brettspiels als Zeitvertreib zugeschrieben wird. Mir bisher unbekannt war, dass "La Palaméde" Erfinder der Zahlennotation war, die noch heute im Fernschach Verwendung findet. Auf Seite 48 ihres Werkes hat Elke Rehder dieses Verdienst vor dem Vergessen gerettet.

Bevor ich zu meinem Fazit komme: Ein Missgeschick ist dem Verleger bei der Angabe der ISBN unterlaufen. Sie lautet am Ende korrekt auf eine "9", nicht wie im Werk zu finden abgedruckt mit einer "8".

Fazit: "Schach in Zeitungen des 19. Jahrhunderts" ist ein Werk, das ich als bedeutend für die Aufbereitung der Geschichte des Schachspiels und deren Bewahrung einschätze. Es ist somit historisch wertvoll, informativ und zugleich kurzweilig. Zudem erlaubt es das Lösen von Schachaufgaben, die für mich eine besondere Aura verbreiten, da sie schon vor Generationen die Menschen in den Bann des Spiels gezogen haben.

Der Kaufpreis von 29,80 Euro erklärt sich für mich durch eine geringe Auflage von Büchern dieser Art. Er ist zweifellos angemessen.

Uwe Bekemann

www.BdF-Fernschachbund.de

Mai 2014

Schach in Zeitungen des 19. Jahrhunderts

EUR

29.8