Währung:
Sprache:
Toggle Nav
Tel: (02501) 9288 320

Wir beraten Sie gern!

Wir sind für Sie da

Versandkostenfrei

Innerhalb Deutschlands ab 50 €

Warenkorb Warenkorb
Artikelnummer
LOADOBIB

Black is Back!

What´s White´s Advantage Anyway?

319 Seiten, kartoniert, New in Chess, 1. Auflage 2016

22,52 €
Inkl. 5% MwSt., zzgl. Versandkosten

Many chess players act intimidated and overly cautious when they have the Black pieces. They are so preoccupied with White’s advantage of the first move, that their predominant urge is to defend against possible threats and to safeguard their position.

With his iconoclastic Black is OK books, Andras Adorjan has consistently been fighting this negative mindset. In Black is Back!, the Hungarian grandmaster continues his crusade. He shows that White’s advantage is far from obvious and that winning with Black starts with having the right attitude.

In this book, his ‘Swan Song, Adorjan takes stock. He presents a wealth of Black wins from his own long career and from great players he has worked with. Their creative play proves that Black can often turn the tables. Surprising statistics and instructive examples from modern-day chess will encourage even the most defensively minded players to look for hidden opportunities.

This book will convince both club players and professionals that there is no reason to be afraid when playing Black. Instead they will start looking for creative solutions and beat White more often.

Andras Adorjan (1950) is an International Grandmaster, a former World Championship Candidate and a former Hungarian champion. He was part of the Hungarian team that won the Gold Medal at the 1978 Chess Olympiad and worked as a second of World Champion Garry Kasparov. His ‘Black is OK’ books brought him international fame as an author.

Weitere Informationen
Gewicht 590 g
Hersteller New in Chess
Breite 17 cm
Höhe 23,5 cm
Medium Buch
Erscheinungsjahr 2016
Autor András Adorján
Sprache Englisch
Auflage 1
ISBN-13 978-9056916619
Seiten 319
Einband kartoniert

006 Explanation of Symbols

007 Acknowledgements

008 Foreword – Swan Song

009 Preface by Peter Boel

011 Chapter 1 - Wishful Thinking?

015 Chapter 2 - The Way It All Started

018 Chapter 3 - Black is Brutal I (1962 – 1968)

033 Chapter 4 - The Dogma is Dead – BLACK is BACK!

040 Chapter 5 - Black Is Brutal II (1969 – 1978)

096 Chapter 6 - It Doesn’t Matter... Or Does It?

116 Chapter 7 - Black Is Brutal III (1979 – 1990)

165 Chapter 8 - Black Magic in the Tal Memorial 2013

179 Chapter 9 - Who’s the Boss?

195 Chapter 10 - Black is Brutal IV (1991 – 1999)

243 Chapter 11 - All Kinds of Reflections

252 Chapter 12 - Connections

311 Epilogue

313 Bibliography

314 Biography

315 Index of Games

Der moderne Don Quichotte

Andras Adorjan ist wieder zurück: mit Anklängen an "back to black” von Amy Winehouse startet er sein Comeback als Schachautor und Missionar. Das kommt nicht unerwartet, hat doch der ungarische Großmeister als Advokat aller geknechteten und unterjochten Nachziehenden schon seit Dekaden "Schwarz“ auf seinem Banner stehen: sein Schlachtruf "black is okay!“ hallt seit den frühen Neunzigern durch die Turniersäle und hat ihn als Autoren und originellen Querdenker bekanntgemacht.

Adorjan ist ein Streiter vor dem Herrn, und er hat es auch trotz widriger Umstände wie Kritik oder Krankheiten nicht aufgegeben, sich in den Dienste "seiner“ Sache zu stellen.

Der spalterische Magyare gehörte in den 70ern und 80ern zur Weltspitze. Dem Gipfel am nächsten kam er beim WM-Zyklus 79-81, als er erst im Kandidatenviertelfinale knapp an Robert Hübner scheiterte, welcher sich dann erst Kortschnoi im Finale beugen musste. Auch Kasparow nahm die Hilfe des innovativen Eröffnungsexperten Adorjan an, später betreute er den aufstrebenden Peter Leko und kam zu Trainerehren. Doch seit den späten Achtzigern hat er sich aufs Panier geschrieben, der Schachwelt immer wieder zuzurufen, dass Schwarz kein Nachteil bedeute.

Bei New In Chess hat er Ende 2016 nun in enger Zusammenarbeit mit NIC-Chefkoordinator Peter Boel sein neuestes Werk herausgegeben. Er selbst nennt es seinen Schwanengesang. Das Buchprojekt kam ins Stocken und wäre fast niemals beendet worden, weil Adorjan mittendrin lebensgefährlich erkrankte und monatelang in Krankenhäuser und Sanatorien behandelt werden musste. Grund war eine schleichende Vergiftung der Organe durch Medikamente, die er über Jahre hinweg hatte einnehmen müssen.

Schließlich war es Adorjans unbändigem Willen sowie der ausdauernden Unterstützung Boels zu verdanken, dass das Projekt doch noch zu einem guten Ende gelangte.

Boel selbst steuerte auch ein Kapitel bei, in dem die Duelle zwischen Nakamura und Gelfand betrachtet werden, weil zwischen diesen beiden Matadoren viel Blut floss und fast ausnahmslos Schwarz gewann.

Adorjan hält die unter den meisten Schachspielern verbreitete Meinung für falsch, dass der Schwarze zunächst auf Ausgleich spielen müsse und Weiß Chancen auf Eröffnungsvorteil besäße. Das wirke sich negativ auf die mentale Einstellung aus. Wenn die Statistiken belegen, dass Weiß üblicherweise so um die 53-54 Prozent hole, so läge dies zu einem gewissen Teil an der falschen schwarzen Einstellung, dem Bemühen, von Anfang an nur auf Remis aus zu sein, wodurch sich die Schwarzen von Anfang an "einschränken“ würden.

Auch der Weißspieler hat seine Bürde, argumentiert der frühere ungarische Nationalspieler. So könnten diese ihre Stellung schnell überziehen, in der irrigen Annahme, durch den "Anzugsvorteil“ etwas herausholen zu müssen.

Adorjan bleibt nicht bei psychologischen Konstrukten stehen, sondern will diese auch mit Statistiken untermauern. So listet er in einem Kapitel auf, dass es meistens der Schwarze ist, der den entstehenden Eröffnungstyp bestimmt. Beispielhaft nach 1.e4 muss Weiß auf alle möglichen Antworten des Schwarzen vorbereitet sein, während Schwarz sich zum Beispiel auf eine Eröffnung wie Sizilianisch und darin speziell auf eine Variante wie Sweschnikow spezialisieren kann - ein Vorteil für Schwarz, weil man auf "heimischem Gelände“ agiert.

1989 kam zum ersten Mal "Black is ok“ bei Batsford heraus. Der Schattenwurf eines etwas abgemagerten, traurigen Ritters zierte die deutschen Ausgaben.

Er selbst meint zu seinen Anfängen, die seine Freunde mit zunehmendem Skepsis betrachteten: "Niemand sagte etwas Böses - aber es war in der Luft, ich konnte es riechen. Ich baute weiterhin meine Sandburgen mit Ausdauer und Hingabe. Es ist kein Zufall, dass wir zum Logo unseres Kampfes Don Quichotte erwählt haben, da in den frühen Tagen unsere Bemühungen - die Leute zu bewegen, alles täglich neu zu überdenken, anstatt an Dogmen festzuhalten - genauso aussichtslos erschien wie der Kampf gegen Windmühlen.“

Adorjans Kampf gegen Dogmen ist schon selbst zu einem Dogma geworden, seine persönliche Mission nimmt kultische, pseudoreligiöse Züge an. Dazu passt der Vergleich, den der Autor selbst anstellt: er erhofft sich, seine künstlerische Arbeit könne sich im Jenseits ausbezahlen, ihm das Fegefeuer ersparen! Das mag als rhetorisch kräftiges Bild gedacht sein, doch es scheint mir einiges Wahres über die intrinsische Motivation des Autors zu verraten, zu sehr ist die Botschaft schon mit seinem Seelenheil vermengt.

Das Publikum mag gespalten sein, aber zweifellos verdient seine Ausdauer Würdigung.

Eine gewisse Großmannssucht ist ihm freilich auch nicht abzusprechen. Deutlich wird dies etwa, wenn er eine Zukunftsvision entwirft, in der Aliens auf die Erde kommen. Aliens, die selbstverständlich viel schlauer als die Menschheit sind, und die sich natürlich auch auf Schach verstehen. In dieser fernen Zukunft also fällt den Aliens - wie könnte es auch anders sein - Adorjans "Black is okay!“ in die Hände, und nachdem sie sich in sein Anliegen eingelesen haben, geben die Außerirdischen kund: "Wie schade! Dieser arme Teufel war der einzige, der wusste, worum es geht. Eine Schande, dass er nicht wichtig und laut genug war, dass die anderen ihn hören mussten!“

Adorjan hat sein Leben seiner "Mission“ verschrieben. Und er hofft, sich dadurch einen Platz in der Geschichte sichern zu können.

Größenwahn passt durchaus auch ins Krankheitsbild der bipolaren Störung. Adorjan erzählt offenherzig, dass er seit 1979 (also exakt dem Jahr seines Karrierehöhepunktes und der Niederlage gegen Hübner!) darunter leidet. Seine Krankheit zwang ihn auch dazu, lithiumhaltige Präparate einzunehmen, welche wiederum zu seiner schweren Erkrankung im letzten Jahr führten.

Ein gut strukturiertes Lehrbuch sieht sicher anders aus. Es gibt ein Partieverzeichnis, doch die Partien sind nicht thematisch - etwa nach Eröffnungen - sortiert.

Die chronologische Einteilung der Partien hält das Buch zusammen. Wie es sich gehört besteht es größtenteils aus Schwarzpartien des Autors, allesamt vom Nachziehenden gewonnen, alle Diagramme aus schwarzer Perspektive. Das eigene Werk wird garniert mit einer Handvoll spezieller Kapitel: über Statistiken oder über das Tal-Memorial 2013, das durch die hohe Anzahl an Schwarzsiegen eine herausragende Stellung unter den jüngsten Superturnieren einnimmt. Sowie mit einem abschließendem Kapitel, in dem er Freunde und Weggefährten porträtiert, und in dem man viel über die ungarische Schachszene erfährt.

Ansonsten ist die Reihenfolge mehr zufälliger Natur, herrscht Adorjans Plauderton vor, in dem er auch mal vom Hundertsten ins Tausendste abgleitet.

Das Buch lebt von Adorjans Spontaneität, seinem originellen Schreibstil, mal bissig, mal komisch, dann wieder intim und berührend, poetisch und mit philosophischer Tiefe. Vor allem ist das Buch eine Inspirationsquelle. Es ist die schiere Gedankenflut an interessanten Ideen, die es kostbar macht. Die Partien quellen über mit blendenden Wendungen in allen Arten von Stellungstypen, wobei vor allem sizilianische, königsindische und Grünfeldindische Eröffnungssysteme dominieren. Aber auch in "klassischen“ Damengambitstellungen findet Adorjan Möglichkeiten zur Verschärfung.

Und sie machen Lust darauf, öfters Schwarz zu haben. Wovor sollte man sich fürchten, es ist alles möglich!

"Black is back“ ist manisch im besten Sinne, und ist damit ein sehr persönliches und hintersinniges Vermächtnis Adorjans.

Frank Zeller

Zeitschrift SCHACH 08/2017


Wie groß ist der weiße Eröffnungsvorteil in der Partie? Wenn es nach Andras Adorjan geht, ist er unbedeutend, sofern überhaupt real vorhanden. Eine fehlerfrei geführte Partie würde mit einem Remis enden und nicht mit einem weißen Sieg, was er als seine Skepsis bestätigend anführt.

Mit "Black is Back!", 2016 bei New In Chess (NIC) erschienen, schlägt er in eine Kerbe, die er mit früheren Veröffentlichungen geschaffen hat. Zusammen mit Peter Boel, der nicht als Autor genannt wird, aber wohl einen erheblichen Teil der "administrativen" Arbeit an dem Werk verrichtet und ein Kapitel selbst beigetragen hat, versucht er die Aussichten des Nachziehenden in der Partie als ebenbürtig zu rehabilitieren. Den klaren Schwerpunkt der Argumente bildet eine Vielzahl von kommentierten Partien, die ganz überwiegend von Adorjan selbst gespielt worden und bis auf eine mit einem schwarzen Sieg geendet sind. Zu dieser einen Ausnahmepartie gibt es die neckische Aufforderung an den Leser, sie im Buch zu suchen. Dies habe ich nicht gemacht und vertraue darauf, dass es sie wirklich gibt.

Die wesentliche Wurzel für die statistisch etwas schlechteren Zahlen für Schwarz zum Erfolg in den Partieausgängen sieht Adorjan in der Psychologie. Während dem Spieler schon in der Ausbildung dann, wenn er die weißen Steine führt, ein offenes und aktives Vorgehen eingeimpft wird, damit er "seinen" Anzugsvorteil in eine vorteilhafte Eröffnungsstellung entwickeln kann, soll er mit den schwarzen Steinen einen soliden Aufbau schaffen, keine Schwächen zulassen und mental "die zweite Geige spielen". Mit dieser Grundeinstellung zum Partiebeginn ist für Adorjan der Weg für Weiß bereitet, tatsächlich einen Anzugsvorteil zu erwirtschaften. Er sieht sich in seinem Kampf um ein Umdenken wie Don Quichote, der ebenfalls nimmermüde gegen Windmühlen kämpfe, ohne gewinnen zu können.

Beim Durcharbeiten des Werkes zur Vorbereitung dieser Rezension musste ich unwillkürlich an eine eigene Erfahrung denken, die ich vor ein paar Jahren gemacht habe. Wegen eines gesundheitlichen Problems mit einer Hand wurde mir vom Hausarzt geraten, darauf Acht zu geben, dass ich nicht noch darauf fallen würde. Seinen Rat habe ich mir zu Herzen genommen und bin sehr vorsichtig geworden. In den nächsten Tagen habe ich glatt drei Mal "den Boden geküsst" - Jahrzehnte vorher überhaupt nicht und auch nach der Genesung nie wieder. Mir dürfte wohl das wiederfahren sein, was den Schwarzspieler im übertragenen Sinne in seiner Partie auf die Nase fallen lässt - ein zu vorsichtiges Agieren mit dem Ziel, Fehler zu vermeiden.

Wie oben schon erwähnt, ist "Black is Back!" in besonderem Maße eine Partiensammlung. Sie ist dabei weniger autobiographisch gestaltet und mehr als Überblick über Adorjans Schaffen als Spieler zu verstehen, so wie es das Werk auch selbst sieht. Das von Peter Boel beigetragene Kapitel 6 enthält zwischen Gelfand und Nakamura gespielte Partien. Ältere Partien von Adorjan - das Buch setzt 1962 ein - hat er noch unter einem früheren Familiennamen Jocha gespielt.

In der Kommentierung blitzt immer wieder mal der Ansatz auf, die schwarzen Eröffnungschancen als gleichwertig darzustellen. Ansonsten sind die Partien herkömmlich kommentiert, Varianten und Analysen machen dabei einen erheblichen Teil der Erläuterungen aus. Neben Aussagen zum jeweiligen Spiel findet der Leser auch etliche narrative Elemente vor, die beispielsweise Spielerpersönlichkeiten gewidmet sind oder Informationen aus Adorjans Leben enthalten.

Neben den Kapiteln, die den Partien gewidmet sind, gibt es vier weitere mit anderen Tributen an den Spieler mit Schwarz. Die Nummer 6 im Reigen enthält ausführliche statistische Informationen zum Thema Chancengleichheit in der Eröffnung. Besonders hervorzuheben ist Kapitel 9, das ein schwarzes initiatives Eröffnungsrepertoire anbietet, gestaltet wie ein computerbasiertes Eröffnungsbuch. Kapitel 11 ist eine Zusammenstellung von Einschätzungen von Spielerpersönlichkeiten zur Farbverteilung im Schach, eigenen Vorlieben und eben zur Verteilung der objektiven Chancen in der Partie. Das abschließende Kapitel 12 ist eine Art Verneigung Adorjans vor zahlreichen Partnern, Unterstützern, Schülern und Weggefährten, indem er diese kurz in einem Mini-Porträt vorstellt und sie dann in einer eigenen Partie zu Wort kommen lässt, natürlich mit Schwarz gespielt und gewonnen.

"Black is Back!" ist keine systematische Aufarbeitung zur Frage, ob Schwarz in der Eröffnung und damit in der Partie gleiche Chancen hat oder nicht. Das Werk ist vielmehr eine Zusammenstellung von Schwarzsiegen, interessanten und teilweise auch erstaunlichen Informationen sowie von Erinnerungen, die Adorjan als früherer Weltklassespieler mit der Souveränität und Gelassenheit eines "Elder Statesmen" Revue passieren lässt.

Fazit: "Black is Back!" ist ein gelungenes Buch zu einem interessanten Thema. Wer eine Quelle für ein eigenes Selbstvertrauen sucht, das ihn in der nächsten eigenen Schwarzpartie mit breiter Brust antreten lässt, der wird mit ihm fündig. Daneben ist das Werk eine umfangreiche Sammlung kommentierter Partien. Ob es Don Quichote die Windmühlen besiegen lässt, mag jeder selbst entscheiden.

Uwe Bekemann

www.BdF-Fernschachbund.de

Juni 2017


Der ungarische GM Andras Adorjan hat eine Mission! Er möchte mit dem ,in seinen Augen, gängigen Vorurteil aufräumen, dass Weiß zu Beginn der Schachpartie einen Vorteil hat. Seit über 30 Jahren versucht er mit Artikeln und Vorträgen darzulegen, dass der Weißvorteil quasi nur in unserem Kopf existiert, die drei Bücher "Black is ok", "Black is still ok" und "Black is still forever" sprangen dabei ebenfalls heraus.

Nun hat er mit "Black is Back", das bei New in Chess erschienen ist, nachgelegt.

Ich selbst habe mir vor einiger Zeit seine älteren Bücher besorgt, weil mich diese Idee faszinierte, war dann aber doch recht skeptisch. Heute gibt es zudem noch neue Einflüsse, die von dem Buch gänzlich ignoriert werden und später noch zur Sprache kommen. Aber erst einmal möchte ich kurz erläutern, wie die Thesen des Autoren aussehen.

Er meint, dass die meisten Menschen davon überzeugt sind, dass die schwarzen Steine einen Nachteil in der Schachpartie bedeuten und darum mit Schwarz eher zahm spielen. Das begünstigt dann wiederum Weiß. Man sollte stattdessen mit Schwarz auf aggressive Weise unausgewogene Stellungen anstreben und Weiß dann auf kreative Weise beschäftigen wie auch provozieren, damit man Gewinnchancen erhält. Dafür gibt er einerseits Partiebeispiele von sich selbst zwischen 1962 und 1999 an und bietet so auch eine schachliche Schwarzbiographie seiner Karriere. Es gibt aber auch Partien von anderen bekannten Größen.

Ich muss zugeben, dass ich ihn ein wenig dafür bewundere, mit welcher Klarheit er sich auf die schwarze Seite stellt. Dies wird auch klar in seinen Partiekommentaren und Erklärungen ersichtlich.

Wenn man sich aber mal genauer mit seinem Buch befasst, muss man eher schmunzeln. Zum einen spielen die Weißspieler in etwa der Hälfte der angegebenen Partien enweder unkritische Varianten wie das Mittelgambit oder bauen früh Kästchenzüge wie a3, h3, a4 oder h4 ein und geben so ihr Mehrtempo ab. So könnte ich auch ein Buch über die Stärken von Schwarz schreiben. In meinem letzten Turnier vor 2 Wochen spielte ich zum Beispiel folgende Eröffnung gegen jemanden mit knapp 2000 DWZ: Nach 1.e4 antwortete ich Sf6 und nach 2.Sc3 e5 3.Sf3 Sc6 kam 4.a3, ich erwiderte d5 und nach 5.exd5 Sxd5 stand ich bereits besser.

Die andere Hälfte der Adorjanpartien ist schon interessanter, aber auch da ist er mir etwas zu gefangen in seiner Idee. Auf der einen Seite gibt es einmal wieder unkritische Eröffnungsvarianten, die aber ok sind und schlecht geschrieben wird. Herrlich fand ich seinen Kommentar zum Morra Gambit. Mit 1.e4 c5 2.d4 cxd4 3.c3 opfert Weiß einen Bauern. Er kommentiert, dass es viele Wege gibt, dieses Gambit zu widerlegen, was ich schon einmal bezweifle, da ich das selber spiele. Komischerweise benennt er keinen und spielt in der Partie das nicht sehr widerlegende 3. ...Sf6, wonach sich die solide Alapinvariante im Sizilianer ergibt, die meist nach 1.e4 c5 2.c3 startet. Weiß spielt dann wieder schwach weiter und geht unter.

Die einzigen Partien, in denen man wirklich etwas von den Ungleichgewichten und dem Niederringen von Weiß sieht, sind solche in harten Varianten wie den Sweshnikovsizilianer, der nach 1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 e5 entsteht und zum Beispiel nach 6.Sdb5 d6 7.Lg5 a6 8.Sa3 b5 9.Lxf6 gxf6 10.Sd5 f5 wirklich ein Ungleichgewicht par excellence bietet. Auch die Grünfeldindische Verteidigung nach 1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 d5 4.cxd5 Sxd5 5.e4 Sxc3 bxc3 ist so ein Fall. Weiß hat ein schönes Zentrum, das aber mit Lg7 und c5 unter Druck gerät.

Damit man solche Eröffnungen aber wirklich immer spielen kann, muss man sehr viel Arbeit investieren. Der Theorieaufwand ist einfach enorm und für Amateure nicht einfach zu handhaben. Laut Andras Adorjan arbeiten die meisten Leute zu sehr an ihren Weißeröffnungen und trauen sich deshalb nicht an hartes Zeug heran. Aus Trainersicht muss ich sagen, dass ich mit meinen Schülern trotz ruhigerer Eröffnungen schon eher mehr am Schwarzrepertoire arbeiten muss, ich kann das also gar nicht bestätigen. In meiner Jugend versuchte ich trotzdem, die harte Drachenvariante im Sizilianer zu spielen und gab sie schließlich auf, weil sich Leute auf mich vorbereiteten und meine Wenigkeit vom Brett fegten. Aufgrund des konkreten Charakters der Eröffnung gab es kaum Möglichkeiten für mich, von ihrer Vorbereitung abzuweichen. Ich gab das Ganze dann schließlich auf und gewann erst danach regelmäßig mit Schwarz. Dieser Aspekt der heute üblichen computergestützten Vorbereitung wird von dem Buch gar nicht erfasst. Man müsste darum je 2 extrem theorielastige harte Eröffnungen nach 1.e4 und auch 1.d4 spielen und wer soll sich das dann alles merken können?

So bleibt von dem Buch eine interessante Partiensammlung eines starken ehemaligen Weltklassegroßmeisters, das man sich als Motivation vor der nächsten Schwarzpartie anschauen kann, das aber in seinem Kern nicht überzeugt.

IM Dirk Schuh

November 2016