Währung:
Sprache:
Toggle Nav
Tel: (02501) 9288 320

Wir beraten Sie gern!

Wir sind für Sie da

Versandkostenfrei

Innerhalb Deutschlands ab 50 €

Warenkorb Warenkorb
Artikelnummer
LXBOTBBM1951

Botwinnik - Bronstein, Moskau 1951

Wettkampf um die Schachweltmeisterschaft

136 Seiten, kartoniert, Olms, 1. Auflage 2005

Aus der Reihe »PraxisSchach«

19,95 €
Inkl. 5% MwSt., zzgl. Versandkosten

Drei Jahre nach dem Gewinn der Weltmei­sterschaft mußte Michail Botwinnik 1951 den Titel gegen seinen Landsmann David Bronstein verteidigen. Der brillante junge Bronstein befand sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere und führte zwei Runden vor Schluss 11,5:10,5. Doch Botwinnik gelang es zum 12:12 auszugleichen, obwohl er nicht in bester Form war und seine kämpferischen Qualitäten in jenem Match kaum ausspielen konnte. Die meisten der 24 Partien wurden von Botwinnik aus­führlich kommentiert.

Weitere Informationen
Gewicht 350 g
Hersteller Olms
Breite 16,9 cm
Höhe 23,9 cm
Medium Buch
Erscheinungsjahr 2005
Autor Michail Botwinnik
Reihe PraxisSchach
Sprache Deutsch
Auflage 1
ISBN-10 3283004609
Seiten 136
Einband kartoniert

007 Vorwort

009 Vom Herausgeber

011 Ein historischer Wettkampf

013 D. Bronstein (ein schachliches Charakterbild)

015 Wettkampftabelle

016Partie 1 Botwinnik-Bronstein

(Holländische Verteidigung [A91])

019Partie 2 Bronstein-Botwinnik

(Grünfeld-Indische Verteidigung [D86])

024Partie 3 Botwinnik-Bronstein

(Französische Verteidigung [C08])

027Partie 4 Bronstein -Botwinnik

(Grünfeld-Indische Verteidigung [D90])

031Partie 5 Botwinnik-Bronstein

(Nimzowitsch-lndische Verteidigung [E43])

034Partie 6 Bronstein - Botwinnik

(Sizilianische Verteidigung [B63])

038Partie 7 Botwinnik-Bronstein

(Holländische Verteidigung [A94])

042Partie 8 Bronstein-Botwinnik

(Damengambit Slawische Verteidigung [D48])

044Partie 9 Botwinnik-Bronstein

(Holländische Verteidigung [A92])

048Partie 10 Bronstein-Botwinnik

(Holländische Verteidigung [A84])

051Partie 11 Botwinnik-Bronstein

(Damenindische Verteidigung [E17])

054Partie 12 Bronstein - Botwinnik

(Holländische Verteidigung [A84])

057Partie 13 Botwinnik-Bronstein

(Nimzowitsch-lndische Verteidigung [E44])

060Partie 14 Bronstein-Botwinnik

(Königsindisch im Anzug [A04])

066Partie 15 Botwinnik-Bronstein

(Französische Verteidigung [C08])

068Partie 16 Bronstein-Botwinnik

(Holländische Verteidigung [A91])

071Partie 17 Botwinnik-Bronstein

(Nimzowitsch-lndische Verteidigung [E45])

075Partie 18 Bronstein - Botwinnik

(Slawische Verteidigung [D45])

080Partie 19 Botwinnik-Bronstein

(Grünfeld-lndische Verteidigung [D74])

083Partie 20 Bronstein - Botwinnik

(Reti-Eröffnung [A14])

086Partie 21 Botwinnik-Bronstein

(Königsindische Verteidigung [E68])

090Partie 22 Bronstein-Botwinnik

(Holländische Verteidigung [A91])

095Partie 23 Botwinnik-Bronstein

(Grünfeld-lndische Verteidigung [D71])

100Partie 24 Bronstein-Botwinnik

(Slawische Verteidigung [D44])

105 Anhang

105 Aufzeichnungen aus Botwinniks rotem Heft

117 Eröffnungsvorbereitung vor dem Wettkampf

125 Auswertung des Wettkampfes gegen Bronstein

128 Anmerkungen von Ken Neat

130 Der Herausgeber

131 Die Kommentatoren

132 Personenverzeichnis

135 Eröffnungsverzeichnis

136 Verzeichnis der Symbole

Was Kasparows Stellenwert als Meinungsmacher heute ausmacht, das galt für Michail Botwinnik vor einem halben Jahrhundert. Das Image des ersten Vorzeige-Schachsportlers der seit den 30er Jahren international aufstrebenden Schachmacht Sowjetunion ist geprägt als Pionier wissenschaftlich struk­turierter Wettkampfvorbereitung und psy­chologischer Risikoabwägung. Diese zwei Qualitäten bewährten sich besonders in den Zweikämpfen um den höchsten Titel. Gewiss profitierte der sechste Schachweltmeister als Günstling der Schachbürokratie vom Revan­cherecht, doch seine Arbeitsweise nahmen Scharen von Schachkönnem als Vorbild. Au­ßer dem WM-Match gegen Mihail Tal 1960 liegen jetzt sechs seiner WM-Konfrontati­onen in reiz­voller Zusam­mentragung in deutscher Übersetzung vor (1951 gegen Bronstein, 1954-1957-1958 gegen Wassi­li Smyslow, 1961 Rück­kampf gegen Tal und 1963 gegen Tigran Petrosjan). Die Machart ist stets gleich: es gibt die Partien des Wettkampfs mit dosier­ten, aber den Stellungstyp oder die Entschei­dungssituation sehr präzise skizzierenden Kommentaren (überwiegend von Botwinnik selbst, aber auch von Smyslow, Salo Flohr, Alexander Tolusch, Alexander Kotow, Wjatscheslaw Ragosin, Jewgeni Sweschnikow, Wladimir Bagirow, Wladimir Akopjan) und als Aufschlag bislang unbekanntes Material, welches Botwinnik in Notizhef­ten festhielt (Einschätzungen zum Gegner, Auswertung dessen Performance bei wich­tigen Turnieren, Planung der Vorbereitung, Aufzeichnung von Trainingswettkämpfen und ungeschminkte Analysen zu vielen Er­öffnungen bzw. Überraschungswaffen sowie Resümees der Partieverläufe - teilweise mit Selbstbeschimpfungen und Anfeuerungsparolen!). Warum sollte uns diese "alte Fracht" heute interessieren?

Weltmeisterschaften sind "Schaufenster höchster Schachkunst", denn sie erzeugen nicht nur viel beachtete emotionale Zuspit­zungen, sondern schaffen Trends, an den sich Eröffnungs- ­und Mittelspiel­behandlungen orientieren und verfeinern. Da­her muss - wie in jeder Sportart oder jeder Kunst - das Erbe aus seiner Zeit ver­standen und Unterschiede zur Gegenwart herausgefiltert werden.

Modernes Schach zeichnet sich durch Komplexität in Variantenvielfalt und Ver­knüpfung von strategischen und taktischen Motiven aus. Vor einem halben Jahrhundert dokterte man weitaus mehr am Kern von Er­öffnungen und entdeckte "Kopf gemacht" die Eigenheiten von Eröffnungsschemata. Und hieraus kann ein Amateurspieler heute noch Nutzen ziehen. Ein Beispiel aus Botwinniks zweitem Notizbuch (nach der WM 1957) verdeutlicht die Ideensuche für eine sizilianische Variante des Richter-Rauser-Angriffs B 63:1. e4 c5 2. Sf3 Sc6 3. d4 cxd4 4. Sxd4 Sf6 5. Sc3 d6 6. Lg5 e6 7. Dd2 h6 8. Lxf6 gxf6 9. Td1 a6 10. Le2 h5 11. 0-0 Ld7 12. Khl Le7 13. f4 - hier spielte ich fehlerhaft 13. ...Db6 - 13. ...Dc7!! (droht Sxd4 und Dc5) und auf 14. Sf3 14. Sb3 0-0-0 15.Sa4 Le8! 16.De3 (16. c4 Se5!) 16. ...Kb8 17.Sb6 (17. c4 Sa5!) 17. ...f5! 18. exf5 d5 19. Sa4 (19. fxe6 d4! 20. Sxd4 Txd4!) 19. ...e5 mit schwarzem Gegenspiel.14. ...h4!

Die vier bisherigen Bände übermitteln nuancenreiche Auslotungen zur Wechselhaftigkeit der Matchverläufe (Nachdem der Olms-Verlag nach zwei Bänden die Weiter­führung der Reihe aus betriebswirtschaft­lichen Gründen stoppte, soll nun Botwinniks Matchbuch über das Superturnier der "ab­soluten UdSSR-Meisterschaft" 1941 sehr ansprechend aufgemacht durch Botwinniks Neffen Igor im Selbstverlag publiziert wer­den). Lohnt die Anschaffung? Müsste es ei­gentlich, genau wie das Anschauen des Fuß­ball-WM-Finales von 1954, das Mitfiebern bei einem Hitchcock-Film, das Anhören einer Callas-Opernarie ... Solche entfernten Sternstunden machen klar, was Phantasie, Kreativität und Willenskraft schon immer erreichen konnten - ganz wie Botwinniks Schachaufzeichnungen.

Mit freundlicher Genehmigung

Harald Fietz, Schach Magazin 64 6/2008

********

Im Spätsommer 2004 brachte die schweizerische Edition Olms zwei WM-Bücher heraus: Botwinnik -Bronstein 1951 und Botwinnik - Tal 1961. Beide Bücher erschienen auf Englisch, beide wurden im Oktober-Heft ausführlich vorgestellt (E. Rausch, H. Riedl, RE 10/2004, S. 59-60).

Nun liegen auch die deutschsprachigen Ausgaben vor, Bodo Starck übersetzte aus dem Russischen. Das ist erfreulich, zumal der Verlag unsere kritischen An­merkungen und Fragen aufgriff und die deutschen Ausgaben im Vergleich zu den englischen überarbeitete und erweiterte. Neu dazugekommen sind unter anderem ein

- ausführliches Personenverzeichnis,

- Eröffnungsverzeichnis (mit ECO),

- Verzeichnis der Symbole (Informator-Stil).

Nun erfahren wir auch mehr als nur den Namen des Herausgebers der zwei Bücher: Der 54-jährige Igor Julewitsch Botwinnik ist ein Neffe des dreifachen Weltmeisters. Seit 1995 leitet er die Michail-Botwinnik-Stiftung, sie wurde kurz nach dem Tod M. Botwinniks in Moskau gegründet. Die Stiftung för­dert junge Schachtalente, wertet den schachlichen Nachlass aus und publi­ziert. So entstand auch das vorliegende

WM-Buch 1951 mit den sehr persönli­chen Notizen des Schachpatriarchen, seinen akribischen Aufzeichnungen und kühlen Analysen. Nie vorher wur­den Auszüge aus M. Botwinniks be­rühmten Notizbüchern auf Deutsch veröffentlicht.

Die dt. Ausgabe wurde um biographi­sche und schachliche Daten zu den sechs Schachmeistern erweitert, die 12 der 24 WM-Partien kommentierten. Es sind Salo Flohr, Andor Lilienthal, Grigori Löwenfisch, Pjotr Romanowski, Gideon Stahlberg und Jewgeni Sweschnikow.

Beim vergleichenden Durchblättern beider Ausgaben fällt mir auch ein Faksimile auf, das es nur in der deut­schen Version gibt: Es zeigt hand­schriftliche Notizen, gedankliche Stüt­zen für Botwinnik bei seiner geradezu wissenschaftlichen Eröffnungsvorbereitung auf den 13 Jahre jüngeren Herausforderer David Bronstein. Die Kommentierung der 24 Match-Partien scheint gegenüber der engli­schen Ausgabe nicht erweitert (verbes­sert) worden zu sein. Obwohl Garri Kasparow mit seiner vielbändigen "Vorkämpfer"-Chronik von Olms auf Deutsch herausgegeben wird, ist aus Kasparows Analysen (oder anderen Quellen) in das vorliegende Buch nichts oder nicht viel eingeflossen. Nehmen wir die 24. und letzte WM-Partie: Bronstein (Weiß) wäre nach dem Sieg neuer Weltmeister! In Bot­winniks Buch komme12. Df3. Kasparow kritisiert den Zug scharf: "Kapitulation!" und gibt ihm ein ,?'. Pflicht sei hier das starke Ma­növer 12.Sdb5! - Keres und Bronstein selbst hätten das schon gezeigt (,My Great Predecessors II', 2003b, S. 212). Und was meint Sweschnikow im vor­liegenden Buch? Er übergeht 12.Df3 unkommentiert.

Die deutsche Ausgabe wurde umge­staltet, Layout und Typographie wir­ken modern: erweitertes Inhaltsver­zeichnis, neue Matchtabelle, geänderte Partieköpfe, neue Typographie. Eine Augenweide sind die eleganten Dia­gramme mit ihrer diskreten Rasterung der schwarzen Felder - dergleichen fei­ne Grafik sah ich bisher nur bei MC und Chessgate. Die neue figurine No­tation gefällt mir weniger: Die Figurensymbole wirken in ihrem Fettdruck plump, der Turm ist kaum höher als breit, und die "fetten" Damen ähneln nun den (begehrten!) Kochmützen im Restaurantführer von Michelin. Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten - kommen wir zum Fazit: Die deutsche Buchausgabe zur WM 1951 hat im Vergleich zur englischen zugelegt: im Inhalt und in der Form. Interessant für schachhistorisch Neugierige, ein Muss für Freunde von WM-Büchern und für Botwinnik-Fans.

Mit freundlicher Genehmigung

Dr. Erik Rausch, Rochade Europa 04/2005

********

Die englischsprachige Ausgabe dieses Buches wurde von Dr. E. Rausch be­reits in der Europa-Rochade Nr. 10/2004 besprochen, die deutsche Auf­lage gleichfalls schon in Heft Nr. 4/ 2005/S. 54. Dort steht auch ein Ver­gleich beider Ausgaben im Mittel­punkt. So will ich mich hier weitge­hend auf einige persönliche Eindrücke und ergänzende Notizen beschränken, jedoch zunächst eine Inhaltsübersicht geben, da nicht jeder alle Rochade-Ausgaben kennt.

005 Inhaltsverzeichnis

006 Foto

007 Vorwort zum Wettkampf (Wladimir Kramnik)

009 Vorwort zum Wettkampf (Herausgeber Igor J. Botwinnik)

013 Botwinniks Einschätzung von Bronsteins Stärken und Schwä­chen

015 Wettkampftabelle

016 Die kommentierten Partien des Wettkampfes

104 Botwinniks Wettkampftabelle

105 Aufzeichnungen aus Botwinniks rotem Heft zu ausgewerteten Bronstein-Partien

117 Notizen zu Botwinniks Eröff­nungsvorbereitung vom Januar 1951

125 Botwinniks Eröffnungs-Auswer­tung des Wettkampfes gegen Bronstein

128 Anmerkungen des Übersetzers der englischen Ausgabe, Ken Neat

129 Über den Herausgeber Igor Julewitsch Botwinnik

130 Die Kommentatoren

132 Personenverzeichnis

135 Eröffnungsverzeichnis

136 Symbolverzeichnis

Ein Wettkampfbuch über den immer­hin ersten offiziellen Weltmeister­schaftskampf unter den FIDE-Regeln hat man auf dem deutschen Markt lan­ge vermisst. Ein russisches Wettkampfbulletin gab es meines Wissens damals von Keres und Tolusch, aber ein Buch von Botwinnik und/oder Bronstein ist nicht erschienen. Beide Kontrahenten scheinen jedenfalls den Wettkampf im Nachhinein nicht son­derlich geliebt zu haben. Für Botwin­nik, der den Wettkampf 1954 gegen Smyslow, obwohl der ja auch "nur" Unentschieden endete, dagegen aus­führlich in einem sehr empfehlenswer­tem Wettkampfbuch (Deutsche Ausga­be bei De Gruyter 1957) kommentier­te, gilt das zweifellos, liest man Bot­winniks Anmerkungen zu den Partien. "Habe sehr schwach gespielt" - "Die Zeiteinteilung - ein Albtraum" - "Habe am Ende wie ein Idiot gespielt" - "Hat­te mich nicht mehr in der Gewalt" sind nur einige Beispiele, wie Botwinnik seine Leistung wiederholt einstufte. Ob daran vor allem seine dreijährige (!) Wettkampfpause schuld war, in die seine Dissertation im Fach Elektro­technik fiel, oder ob Botwinnik eher mit dem eigenwilligen Schachstil Bronsteins nicht gut zurecht kam, mag hier dahin gestellt bleiben.

Der Wert des Buches liegt jedenfalls zweifellos im Erleben eines zwar nicht fehlerarmen, aber jederzeit spannenden und knappen, einfach echten Wettkampfes und das aus der subjektiven, sehr persönlichen Sicht Botwinniks, in der der menschliche, psychische Faktor des Wettkampfes deutlich sichtbar wird. Und entsprechend war mein Lesevergnügen! Es ist dagegen kein Buch, in dem versucht wurde, die Wettkampfpartien mög­lichst vollständig und objektiv unter Auffindung aller bekannten Quellen zu kommentieren. Da hätte man auf noch so manches zurückgreifen können, sei es auf neuere Analysen Kasparows, worauf Dr. Rausch hinweist, sei es auf die genannten Anmerkungen von Ke­res und Tolusch oder auf diverse Anmerkungen in Büchern von Bronstein, der z.B. im "Zauberlehrling" (Olms 1997; S. 54 ff) auch psychologisch in­teressante Statements gab. Auch sind die Analysen der (Co)-Kommentatoren (12x Botwinnik; 6x Schweschnikow, dazu noch Flohr, Romanowski, Lilien­thal, Löwenfisch und Stahlberg) unter­schiedlich ausführlich, was freilich auch vom Wesen der Partie abhing. Quellenangaben, ob die Kommentare schon einmal veröffentlicht wurden, fehlen leider. Wenngleich also nicht vollständig, sind die Analysen dennoch keineswegs knapp gehalten und durch­wegs aufschlussreich. Vielmehr ent­sprechen sie der Absicht des 54-jähri­gen Herausgebers Igor Botwinniks, ei­nem Neffen Botwinniks. Er will näm­lich nicht eine breite Leserschaft mit langen Analysen überfordem, sondern eher für das spannende Geschehen auf dem Schachbrett begeistern (vgl. S. 130) und das ist meines Erachtens insgesamt gelungen. Außerdem ist die Wahl der Kommentatoren nicht zufäl­lig, einige Stimmen aus der Zeit des Wettkampfes und zum Kontrast der aktuelle Großmeister Schweschnikow.

Fazit: Insgesamt liegt hier bei saube­rem Layout ein doch recht ausführ­liches und übersichtliches Wett­kampfbuch zu einem bislang eher vernachlässigten, dabei äußerst spannenden Kampf um die Schach­weltmeisterschaft vor, das einen interessanten Einblick in das schachli­che Schaffen und in die psychische Befindlichkeit des 6. Weltmeisters vor, während und nach dem Wett­kampf von 1951 gewährt, eine Men­ge bislang unveröffentlichter Details enthält und somit nicht zuletzt vom schachhistorischen Standpunkt aus lesenswert ist.

Mit freundlicher Genehmigung

Helmut Riedl , Rochade Europa 05/2005

**********

Über eine leider vergangene Zeit, in der die Durchführung von Weltmeis­terschaften klar geregelt war und die Sieger von der ganzen Schachge­meinde als würdige Weltmeister aner­kannt wurden, berichten diese Bücher.

Im Jahre 1951 traf der Herausforde­rer David Bronstein (ordnungsgemäß qualifiziert über Interzonenturnier und Kandidatenturnier) auf den Titel­verteidiger Michail Botwinnik. Die beiden lieferten sich ein packendes Ringen über die volle Distanz von 24 Partien. Am Ende behielt Botwinnik durch ein 12:12 Unentschieden den Titel.

Kurze Remisen gab es nicht, höchstens die erste (28 Züge) und die letzte Partie (22 Züge) waren nicht vollständig ausgekämpft. 12 Partien sind von Botwinnik ausführlich ana­lysiert, aber auch für alle anderen Partien hat man namhafte Kommenta­toren gefunden: Löwenfisch, Roma­nowski, Lilienthal, Flohr, Sweschnikow und Stahlberg.

Beide Bücher bieten neben inhalts­reichem Schach viel Lesestoff und können daher allen Schachfreunden empfohlen werden.

Mit freundlicher Genehmigung

Schachmarkt 03/2005

**********

ZWEIMAL BOTWINNIK HAUTNAH

Von Harry Schaack

(Michail Botwinnik, Wettkampf um die Schachweltmeisterschaft, Michail Botwinnik - David Bronstein, Moskau 1951. Zusammengestellt und hrsg. v. Igor Botwinnik, Edition Olms: Zürich 2005, 19,95 Euro.

Michail Botwinnik, Revanchewettkampf um die Schachweltmeisterschaft, Michail Botwinnik - Michail Tal, Moskau 1961. Zusammengestellt und hrsg. v. Igor Botwinnik, Edition Olms: Zürich 2005, 19,95 Euro.)

Insgesamt maß sich Michail Botwinnik sieben Mal in Wettkämpfen um die Weltmeisterschaft. Da der Patriarch des sowjetischen Schachs aufgrund anderer Verpflichtungen nicht immer bereit war, seine Nachbetrachtung in einem Matchbuch zusammenzufassen, sind nicht all seine Kämpfe gut dokumentiert. Viele seiner scharfsinnigen Anmerkungen verschwanden in Ordnern und Schubladen.

Dies änderte sich erst, als nach seinem Tode 1995 die Michail Botwinnik-Stiftung ins Leben gerufen wurde, die sich zur Aufgabe machte, den Nachlass des 6. Weltmeisters zu pflegen. Seither publiziert der Neffe Botwinniks, der der Foundation als Direktor vorsteht, in regelmäßigen Abständen Teile dieser Hinterlassenschaften. In diesem Jahr erschienen in der Edition Olms Michail Botwinnik, Wettkampf um die Schachweltmeisterschaft, Michail Botwinnik - David Bronstein, Moskau 1951 und Michail Botwinnik, Revanchewettkampf um die Schachweltmeisterschaft, Michail Botwinnik - Michail Tal, Moskau 1961, die zuvor schon auf englischer Sprache vorlagen.

Das Besondere an diesen Publikationen sind die bislang zum größten Teil unveröffentlichten Auszüge aus Tage- und Notizbüchern, die Michail Botwinnik während oder unmittelbar nach den Partien niederschrieb. Diese Kommentare sind einfach herrlich, da sie durch ihren spontanen Duktus Unmittelbarkeit und Authentizität vermitteln. Ein Teil der abgedruckten Niederschriften war nicht für die Öffentlichkeit bestimmt und gerade das macht sie so reizvoll.

Darüber hinaus gewähren die präsentierten Dokumente einen sehr intimen Einblick in Botwinniks Vorbereitungslaboratorium. Insbesondere die Aufstellung aller für den Wettkampf vorbereiteten Eröffnungsvarianten, die sich im Anhang finden, mitsamt den modifizierten Analysen während des Matchs und einer Nachbetrachtung und Neubewertung im Anschluss an den Wettkampf, zeigen die Arbeitsweise Botwinniks.

Der Wettkampf mit David Bronstein endete mit einem Unentschieden, nachdem es dem Weltmeister gerade noch gelungen war, seine letzte Weißpartie zu gewinnen. Er hatte offenbar den Herausforderer und die Folgen seiner dreijährigen Turnierpause, die seiner Dissertation geschuldet war, unterschätzt. Die mangelnde Praxis schlug sich in einer permanenten Zeitnot nieder. Botwinniks große Anspannung und Unzufriedenheit über den Matchverlauf werden in seinen direkt vor und kurz nach den Partien erstellten Notizen deutlich. Kurze Sätze, teils im Imperativ zum Ansporn an sich selbst gerichtet, zeigen sein emotionales Engagement. Freude oder Niedergeschlagenheit über den Verlauf einer Partie treten in ungetrübter Form zu Tage, sodass der Leser ungeschönte Innenansichten erhält. Die hohen Erwartungen und die drastischen Enttäuschungen nach dem Scheitern an den eigenen Maßstäben brechen sich unmittelbar bahn. Seine eigene Leistung kritisierte er genau so kompromisslos wie die seiner Gegner. Den aufmunternden Worten vor den Partien wie "Vorwärts!“ oder "Los geht's“ stehen am Ende nicht selten Kommentare wie "Habe den Kopf verloren“ oder "Wie ein Idiot gespielt“ gegenüber. Die Aufzeichnungen reissen übrigens kurz vor Schluss ab, weil der amtierende Weltmeister wohl alle Kraft aufbieten musste, um den Titel noch zu verteidigen.

Zehn Jahre später beim Revanche-Wettkampf gegen Michael Tal waren die Vorzeichen ganz andere. Botwinnik hatte wenige Monate zuvor seinen Titel an das jungen Rigaer Wunderkind verloren und war im Gegensatz zur Begegnung von 1951 krasser Außenseiter. Dank einer akribischen Vorbereitung auf den Rückkampf gelang es ihm, was viele nicht mehr für möglich hielten: Er siegte mit dem unglaublichen Resultat von 13:8.

Das zum Match 1961 präsentierte Material dokumentiert erneut die detailgenaue Vorbereitung Botwinniks, die letztlich die Grundlage seines Erfolges war. Ferner bietet die angefügte Mitschrift zur abschließenden Pressekonferenz interessante Einschätzungen des Patriarchen. So berichtet er über seine Thermoskanne und die Entdeckung des Kaffees, die half, die fünfte Stunde besser zu überstehen.

Fazit: Beide Bücher geben die subjektive Sicht Botwinniks auf die Kämpfe wieder und gewähren Einblicke in das Denken einer großen Schachpersönlichkeit, die einem sonst verwehrt bleiben. Sehr empfehlenswert.