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415 Seiten, gebunden mit Leseband, Niggemann, 2022, original erschienen 1925

29,95 €
Inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten
Eines der berühmtesten Lehrbücher der Schachgeschichte

DER Klassiker des modernen Poditionsspiels, sorgfältig bearbeitet von Matthias Vettel.

Edle, dem zeitlosen Titel gerecht werdenden Ausführung im Großformat mit Festeinband, hochwertiger Fadenheftung, Schutzumschlag und Leseband.




Abspann
Nach Durchsicht der von amazon.com freundlicherweise zur Verfügung gestellten Rezensionen ist es uns gelungen, das folgende Phantombild eines Buches zu erstellen, das hiermit zur Fahndung ausgeschrieben wird:
Gesucht wird das beste Schachbuch aller Zeiten, der Klassiker schlechthin, die Mutter aller Schachbücher, der Vater des modernen Schachs, die Schachbibel, die Mona Lisa der Schachbücher, das Gravitationszentrum des Schachraumes.
Das Buch ist genauso lehrreich wie unverständlich, völlig veraltet und zeitlos, einund diffizil, langweilig und humorvoll, mittelmäßig und großartig, interessant und unattraktiv, unterhaltsam und kryptischer Mist, schwer verdaulich und leichte Kost, menschlich und die Kriegstermini unerträglich.
Man muß es als allererstes Buch gelesen haben, oder man wird kein anderes Buch je verstehen, aber Jan Timman und Kevin Spraggett hätten es erst gelesen, als sie schon Großmeister gewesen seien.
Es ist schwer zu lesen und es ist leicht zu lesen, es ist für Spieler bis zu einer Elozahl von 2000 geeignet, es ist für alle Spieler geeignet, es ist ein Buch für Anfänger, an dem sich Großmeister die Zähne ausbeißen, es ist Pflichtlektüre für alle Spieler, aber es gibt zu viele andere gute Bücher, als daß es sich lohnen würde, damit seine Zeit zu verschwenden.
Nach jeder Lektüre verbessert man sich um 50 Elopunkte, aber Kevin Spraggett sei nach der Lektüre förmlich eingebrochen.
Weitere Informationen
EAN 9783942383608
Gewicht 950 g
Hersteller Niggemann
Breite 18 cm
Höhe 24,8 cm
Medium Buch
Erscheinungsjahr 2022
Autor Aaron Nimzowitsch
Sprache Deutsch
ISBN-13 9783942383608
Jahr der Originalausgabe 1925
Seiten 415
Einband gebunden mit Leseband
Hersteller Informationen
Name Schach Niggemann
Adresse Schadowstraße 5
Münster 48163
Deutschland
E-Mail info@schachversand.de
009 Vorwort
011 Inhaltsverzeichnis

019 Teil I - Die Elemente
021 Einleitung

023 Kapitel 1 - Zentrum und Entwicklung
023 1. Unter Entwicklung ist nur der strategische Aufmarsch der Truppen zur Grenzlinie hin zu verstehen
024 2. Der Bauernzug ist an und für sich keineswegs als Entwicklungszug aufzufassen, sondern vielmehr bloß als Hilfszug für die Entwicklung
026 3. Der Entwicklungsvorsprung als Ideal
026 4. Abtausch nebst nachfolgendem Tempogewinn
029 5. Das Liquidieren, nachfolgende Entwicklung oder Befreiung
032 6. Das Zentrum und dessen Demobilisierungswut. Übungsbeispiele; wann und wie ist das Vorgehen des gegnerischen Zentrums auszuhalten? Über Behauptung und Aufgabe des Zentrums
037 7. Vom Bauernraub in der Eröffnung. Zum Bauernraub sei keine Zeit. Die besondere Hochachtung vor dem Zentralbauern und worin diese sich äußert

041 Kapitel 2 - Die offene Turmlinie
041 1. Einleitung. Allgemeines und Definitionen
042 2. Die Entstehung (Geburt) der offenen Linie. Auf friedlichem Wege. Durch kriegerisches Vorgehen. Die Angriffsmarke
044 3. Das Ideal (Endzweck) jeder Linienoperation. Von kleinen Begleiterscheinungen. Raubzug. Umgehung
045 4. Die möglichen Hindernisse auf dem Wege einer Operationslinie
049 5. Das "eingeschränkte" Vorrücken in einer Linie, um letztere zu Gunsten einer anderen Linie aufzugeben oder die mittelbare Ausnutzung einer Linie. Die Linie als Sprungbrett und das Gleichnis von der Karriere
050 6. Der Vorposten. Der Angriffsradius. Das Märlein von der Zeitschrift. Womit besetzt man den Vorposten in einer Mittellinie und womit den in einer Randlinie? Der Rollentausch und was dieser beweise
055 Kleines Schema zur offenen Linie

057 Kapitel 3 - Die 7. und 8. Reihe
057 1. Einleitung und Allgemeines. Endspiel oder Mittelspiel. Die Wahl eines Angriffszieles. Das "Schwimmverbot"
058 2. Der konzentrische und der revolutionäre Angriff in der 7. Reihe. Die Eroberung eines Punktes (Bauern) mit "akustischem Beiklang" (mit gleichzeitigem Schachgebot)
060 3. Die fünf Spezialfälle in der 7. Reihe
068 Schema zur 7. und 8. Reihe
068 Schema zu den fünf Spezialfällen
069 Partie-Beispiele zu den ersten drei Kapiteln

099 Kapitel 4 - Der Freibauer
099 1. Zur Orientierung
102 2. Die Blockade der Freibauern
111 3. Der Blockeur im Haupt- und Nebenberuf
114 4. Im Kampfe gegen den Blockeur
119 5. Königlicher Frontalangriff gegen einen isolierten Bauern als Ideal!
122 6. Die privilegierten Freibauern:
126 7. Wann ein Freibauer vorrücken soll:
130 Schlußspiele und Partie zum Freibauern
137 Schema zum Freibauern

139 Kapitel 5 - Der Abtausch
139 1. Wir tauschen, um eine Linie ohne Zeitverlust zu besetzen
140 2. Wir vernichten einen Verteidiger durch Abtausch
141 3. Wir tauschen, um nicht durch Rückzug Zeit zu verlieren
142 4. Wie und wo der Abtausch vor sich zu gehen pflegt

145 Kapitel 6 - Die Elemente der Endspiel-Strategie
145 Einleitung und Allgemeines. Die typische Disproportion
146 1. Die Zentralisierung
150 2. Die aggressive Turmstellung als charakteristischer Endspielvorteil
154 3. Das Zusammenschweißen isolierter Truppenteile
155 4. Die "Materialisierung" des abstrakten Begriffes: "die Linie" / "die Reihe"
157 Kleines Schema zum "Endspiel", oder die vier Elemente

163 Kapitel 7 - Der gefesselte Stein
163 1. Einleitung und Allgemeines. Taktik oder Strategie. Über die mögliche Wiedereinschaltung eines ausgeschaltet gewesenen Fesselungsmotives. Das Gleichnis vom entfesselten Freibauern
164 2. Der Begriff des ganz und der des halb gefesselten Steines
170 3. Das Problem der Entfesselung
176 Partien zur Fesselung
184 Kleines Schema zur Fesselung

185 Kapitel 8 - Das Abzugsschach
185 1. Der Verwandtschaftsgrad zwischen "Fesselung" und "Abzugs-schach" Wohin zieht der aufdeckende Stein am besten?
187 2. Die Zwickmühle
188 3. Das Doppelschach

191 Kapitel 9 - Die Bauernkette
191 1. Allgemeines und Definition. Die Basis der Bauernkette. Die Idee der beiden getrennten Kriegsschauplätze
194 2. Der Angriff gegen die Bauernkette
196 3. Der Angriff gegen die Basis als strategische Notwendigkeit
199 4. Übetragung der Blockaderegeln vom "Freibauern" auf die "Kette"
201 5. Der Begriff des Überrumpelungskrieges und der des positionellen Belagerungskampfes, angewandt im Kettenbereich. Der Angreifer am Scheidewege!
209 6. Die Übertragung des Angriffes
212 Kleines Schema zur Bauernkette
213 Partien zur Bauernkette

229 Teil II - Das Positionsspiel

231 Kapitel 1 - Prophylaxe und Zentrum bringt als Einleitung meine Auffassung des Positionsspiels und behandelt ferner das Problem des Zentrums
231 1. Die wechselseitigen Beziehungen zwischen der Behandlung der Elemente einerseits und dem Positionsspiel andererseits
232 2. Über positonelle Gedanken-Schädlinge, deren Ausrottung in jedem einzelnen Falle eine conditio sine qua non für die Erlernung des Positionsspiels bildet
235 3. Meine neuartige Auffassung des Positionsspiels als solchem
240 4. Neben der Prophylaxe bildet die Idee der "Gesamtbeweglichkeit" der Bauernmasse ein Hauptpostulat meiner Positionslehre. Der Leser, der über gar zu viel Gesetzmäßigkeit klagt, erhält ein kleines, aber nettes Pflästerchen

241 5. Das Zentrum
247 6. Worin hat das Leitmotiv der wahren Strategie zu bestehen?
251 7. Das Aufgeben des Zentrums
251 Die "Aufgabe des Zentrums" - ein Vorurteil

265 Kapitel 2 - Doppelbauer und Hemmung
265 1. Wahlverwandtschaft zwischen "Doppelbauer" und "Hemmung"
268 2. Die bekanntesten Doppelbauernkomplexe passieren Revue (abgekürzt "Doppelkomplexe"). Der Doppelkomplex als Angriffsinstrument
277 3. Hemmung. Die "mysteriösen" Turmzüge. Über echte und unechte Befreiungszüge und wie dagegen anzukämpfen ist
283 4. Die Ur-Zelle der gegen eine Bauernmehrheit gerichteten Hemmungs-aktion wird in Reinkultur vorgeführt. Der Kampf gegen eine Zentral-mehrheit. Die qualitative Mehrheit
284 5. Die verschiedenen Formen, unter denen die Hemmung aufzutreten pflegt, werden näher beleuchtet

301 Kapitel 3 - Der isolierte Damenbauer und seine Nachkommenschaft
302 1. Die dynamische Kraft des Bauern d4
302 2. Der Isolani als Endspielschwäche
303 3. Der Isolani als Angriffsinstrument im Mittelspiel
305 4. Welche Fälle sind für Weiß und welche sind für Schwarz günstig?
305. Noch einige Worte über das mögliche Entstehen einer Reflexschwäche unter den weißen Damenflügelbauern

323 Kapitel 4 - Wie man starke eigene Punkte systematisch überdeckt und wie man schwache Bauern bzw. Punkte loszuwerden sucht

335 Kapitel 5 - Das Lavieren gegen eine feindliche "Schwäche". Der kombinierte Angriff an beiden Flügeln
335 1. Aus welchen logischen Bestandteilen ist das Strategem des Lavierens gegen eine Schwäche zusammengesetzt? Der Begriff der "Achse", um die die Lavierungsoperation sich dreht
336 2. Das Terrain. Das Gesetz des Lavierens. Der Platzwechsel
340 3. Das kombinierte Spiel an beiden Flügeln, bei vorläufig noch fehlenden oder doch verdeckten Schwächen
342 4. Das Lavieren unter erschwerten Umständen (Das eigene Zentrum ist schutzbedürftig)

353 Nachtrag -Zur Geschichte der Schachrevolution 1911-1914

353 1. Die allgemeine Lage der Dinge vor 1911
354 Entspricht Dr. Tarraschs "Die moderne Schachpartie" wirklich moderner Auffassung?
364 2. Die revolutionären Thesen
365 3. Die revolutionäre Theorie wird in revolutionäre Praxis umgesetzt. Die Stammpartie des ideellen Damengambits
368 4. Weitere historische Kämpfe
372 5. Ausbau und Entwicklung der Schachrevolution in den Jahren 1914 bis 1926
377 Nachwort des Herausgebers
383 Nachwort des Herausgebers zur Neuausgabe 2007
385 Nimzowitsch kontra Tarrasch
397 Spielte Nimzowitsch krumm ?
401 Spielerverzeichnis
403 Stichwortverzeichnis
Angegraut: „Die unsterbliche Zugzwangpartie“
Mit der Sämisch-Variante im Königsinder und dem Sämisch-System im Nimzoinder hat Friedrich Sämisch bleibende Spuren in der Schachgeschichte hinterlassen, aber in seiner berühmtesten Partie erlitt er eine Niederlage: in der sogenannten „Unsterblichen Zugzwangpartie“, in der Sämisch mit Weiß gegen Aron Nimzowitsch verloren hat. Die Partie wurde vor fast genau 100 Jahren gespielt, am 10. März 1923, im Rahmen eines Meisterturniers in Kopenhagen, das Nimzowitsch mit 8 aus 10 (+6, =4, -0) überlegen gewann.
F. Sämisch – A. Nimzowitsch, E06
Kopenhagen, 10.03.1923
1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 b6 4.g3 Lb7 5.Lg2 Le7 6.Sc3 0–0 7.0–0 d5 8.Se5 c6 9.cxd5 cxd5 10.Lf4 a6 11.Tc1 b5 12.Db3 Sc6 13.Sxc6 Es scheint, als hätte Nimzowitsch bei aller Begeisterung über seine strategischen Manöver eine taktische Möglichkeit des Weißen übersehen. Zumindest erwähnt er in seinen Anmerkungen zu dieser Partie nicht, was er nach 13.Sxd5 geplant hatte. Eine plausible Variante ist dann 13...Sxd4 14.Sxe7+ Dxe7 15.De3 Lxg2 16.Kxg2 Tad8 17.Tfd1 mit ungefähr ausgeglichener Stellung. 13...Lxc6 14.h3?! Das weiße Spiel wirkt planlos. Besser war 14.Se4 dxe4 15.Txc6 Dxd4 16.Td1 Db4 17.Dxb4 Lxb4 18.Lg5 und Weiß gewinnt den Bauern auf e4 mit ungefähr ausgeglichener Stellung zurück. 14...Dd7 15.Kh2 Es fällt schwer, den Sinn dieses Zuges zu erkennen. 15...Sh5 16.Ld2 f5! Schwarz lässt sich nicht lange bitten und übernimmt die Initiative. 17.Dd1?! Weiß will die Stellung des Springers auf h5 ausnutzen und e4 spielen. Moderne Engines empfehlen stattdessen 17.Sb1 mit ungefähr ausgeglichener Stellung. 17...b4 18.Sb1 Lb5 19.Tg1 Ld6 20.e4? Weiß beharrt auf seiner Idee. Vorsichtiger war 20.Lf3 Sf6 21.Lf4. In dieser Stellung steht Schwarz zwar immer noch besser, aber nicht auf Gewinn. 20...fxe4! Zu diesem Zug schreibt Nimzowitsch in Mein System: „Dieses sonst ganz überraschend wirkende Opfer ist gegeben durch die nüchterne Kalkulation: zwei Bauern und 7. Reihe und gegnerischer unentwirrbarer Damenflügel - alles das für bloß eine Figur!“ 21.Dxh5 Txf2 22.Dg5 Taf8 23.Kh1 T8f5 24.De3 Ld3?! Hier hätte Schwarz mit 24...Te2 25.Db3 La4 zweizügig die Dame gewinnen können. Hat Nimzowitsch diese Möglichkeit übersehen oder in seinen Kommentaren stets geflissentlich ignoriert, um den Gesamteindruck der Partie nicht zu trüben? Denn vermutlich wäre die Partie schnell in Vergessenheit geraten, wenn Nimzowitsch hier den objektiv besten Zug gespielt hätte. 25.Tce1 h6!
Nach diesem unspektakulären Randbauernzug gab Weiß auf, denn er hat keine vernünftigen Züge mehr: Zieht der Läufer auf d2, hängt der Springer auf b1, zieht der König nach h2, gewinnt ...T5f3 die Dame und zieht der weiße Turm auf e1, gewinnt ...Te2 die Dame. Die Bauernzüge gehen Weiß auch bald aus und so ist er bei vollem Brett in Zugzwang geraten. 0–1
Neben Johner – Nimzowitsch, Dresden 1926, gilt dies als eine der besten und berühmtesten Partien von Nimzowitsch. Sie wurde in zahlreiche Anthologien aufgenommen, fand Eingang in das 1998 erschienene „Mammoth Book of the World’s Greatest Chess Games“ von Graham Burgess, John Nunn und John Emms und bekam unter dem Stichwort „Unsterbliche Zugzwangpartie“ sogar einen eigenen Wikipedia-Eintrag.
Aber wie der Schachhistoriker Edward Winter anmerkt, interessierte die Partie damals niemanden so recht: „[Sie] fehlt in beinah allen bedeutenden Schachzeitschriften von 1923 (z.B. Deutsche Schachzeitung, Wiener Schachzeitung, BCM, American Chess Bulletin und Tijdschrift van den Nederlandschen Schaakbond). Auch wird sie weder in dem 25-Seiten langen Abschnitt ‚Games of 1923‘ in Chess-of-To-day von Alfred Emery (London 1924) aufgeführt noch in Ludwig Bachmanns Schachjahrbuch 1923 (…), das beinahe 180 Partien enthielt.“ (E. Winter, Kings, Commoners and Knaves: Further Chess Explorations, S.243)
Doch Nimzowitsch sorgte dafür, dass sein kleines Schmuckstück besser bekannt wurde. Er schickte die Partie an Dr. Emanuel Lasker, der sie am 2. Juni 1923 im holländischen De Telegraaf veröffentlichte, und in der dänischen Zeitung Jyllands-Posten vom 12. April 1923 verglich sie der dänische Amateurschachspieler Hemmer-Hansen in einem Bericht über das Turnier in Kopenhagen mit der „Unsterblichen“ von Adolf Anderssen: „Die Partie von Nimzowitsch gegen Sämisch in Kopenhagen steht tatsächlich auf der gleichen Stufe wie Anderssens berühmte Unsterbliche Partie [gegen Kieseritzky 1851 in London]. Der Unterschied besteht allerdings darin, dass Anderssen versucht hat, seinen Gegner mit seinen Kombinationen Matt zu setzen, während Nimzowitsch versucht, die gegnerischen Kräfte zu paralysieren.“ (Zitiert in Per Skjoldager und Jørn Erik Nielsen, Aron Nimzowitsch, On the Road to Chess Mastery, 1886-1924, McFarland and Company 2012, S. 371)
Wahrscheinlich hat Nimzowitsch Hemmer-Hansen diesen Vergleich nahegelegt. Denn Nimzowitsch, der am 7. November 1886 im lettischen Riga geboren wurde, lebte ab 1920 bis zu seinem Tod am 16. März 1935 in Dänemark als Schachprofi und wird Hemmer-Hansen gekannt haben.
Auf alle Fälle propagierte Nimzowitsch die Partie unermüdlich. Zum Beispiel veröffentlichte er sie 1927 in Kagans Neuesten Schachnachrichten mit der folgenden Anmerkung:
„Möge es mir mein lieber Kollege Sämisch verzeihen, wenn ich jetzt jede Gelegenheit wahrnehme, um diese Partie, welche in Dänemark als die ‚Unsterbliche Zugzwangpartie‘ bekannt ist, zu veröffentlichen. Ich habe aber keine Wahl, denn hinsichtlich ihrem Opfergeist, der allerdings gänzlich unkonventionell scheint, ist sie genauso charakteristisch für unsere heutige Zeit, wie die ‚Unsterbliche Partie‘ für das Anderssen-Zeitalter. Heute opfern wir aber, um die Prophylaxe oder um irgendeine Blockade herbeizuführen.“ (Kagans Neueste Schachnachrichten, 1927, S. 213-214)
Zuvor hatte Nimzowitsch die Partie schon in seinem Hauptwerk Mein System veröffentlicht, allerdings knapper kommentiert. Mein System erschien ursprünglich zwischen 1925 und 1926 im Verlag von Bernhard Kagan in Form von fünf einzelnen Broschüren, die 1927 zusammengefasst und als Buch veröffentlicht wurden, ebenfalls bei Bernhard Kagan. Mit Mein System avancierte Nimzowitsch zum bedeutendsten Theoretiker der sogenannten „Hypermodernen“ und prägte ganze Generationen von Schachspielern. Aber schaut man heute noch einmal in Mein System hinein, so kommt man zu dem Schluss, dass das Buch trotz aller Verdienste nicht gut gealtert ist – wie auch die Partie Sämisch – Nimzowitsch.
Viele der Ideen, die Nimzowitsch in Mein System darlegt, sind mittlerweile erweitert, modifiziert oder verworfen worden und in der Form, wie Nimzowitsch sie präsentiert, nicht mehr aktuell. Außerdem beurteilen moderne Engines heute jede einzelne Stellung konkret und haben das Vertrauen in „Systeme“ und generelle Richtlinien gründlich untergraben.
Natürlich werfen die Engines auch einen modernen Blick auf die „Unsterbliche Zugzwangpartie“. Sie sehen die oben erwähnten taktischen Möglichkeiten 13.Sxd5 und 14.Se4 sehr schnell und brauchen auch nicht lange, um das von Nimzowitsch als „überraschend“ beschriebene Figurenopfer 20…fxe4 zu finden. Der Verweis auf die Möglichkeit eines zweizügigen Damengewinns, über den Nimzowitsch schweigend hinweggeht, macht ihnen ebenfalls keine große Mühe.
All das ändert natürlich nichts daran, dass die Schlussstellung der Partie wirklich bemerkenswert ist. Allerdings liefert die Partie weder ein besonders gutes Beispiel für die Kunst der Prophylaxe, wie Nimzowitsch in seinen Kommentaren behauptet, noch ist das Opfer 20…fxe4 so originell und unkonventionell, wie Nimzowitsch suggeriert. Berühmt und „unsterblich“ geworden ist die Partie vor allem durch die Art, wie Nimzowitsch über sie geschrieben hat.

Mein System wurde von Nimzowitsch als umfassendes Schachlehrbuch konzipiert. Es gliedert sich in zwei Teile: I. Die Elemente und II. Das Positionsspiel.
Zu den Elementen des Schachspiel rechnet Nimzowitsch:
·Zentrum und Entwicklung
·Die offene Turmlinie
·Die 7. und 8. Reihe
·Der Freibauer
·Der Abtausch
·Die Element der Endspiel-Strategie
·Der gefesselte Stein
·Das Abzugsschach
·Die Bauernkette
Im Teil Positionsspiel behandelt der Autor
·Prophylaxe und Zentrum
·Doppelbauer und Hemmung
·Der isolierte Damenbauer und seine Nachkommenschaft
·Ü
berdeckung und schwache Bauern
·Das Lavieren
Schließlich enthält das Buch noch einen Nachtrag: Zur Geschichte der Schachrevolution 1911 bis 1914
Nimzowitschs Lehrbuch ist der Versuch, die Grundlagen des Schachs in (z.T. neuen) Regeln zu erfassen. Es ist ein durchaus philosophischer Zugang zum Schachspiel, der viele Generationen von Schachspielern nachhaltig geprägt hat - das Spielen nach Grundsätzen. Nimzowitsch sieht sich als Weiterentwickler und Modernisierer der Lehren von Steinitz und Tarrasch, wobei er den deutsche Großmeister und geliebten Feind schon im Klappentext als Anhänger der Bequemlichkeit verhöhnt. Tarrasch hatte, modern und pragmatisch, z.B. davor gewarnt hat, in der Eröffnung Bauern zu rauben - denn dies führe zu unbequemen Spiel. Im gleichen Text macht Nimzowitsch sich auch über die Arbeiten Alapins lustig, der es gewagt hatte, Nimzowitschs Grund- und Lehrsätze anzuzweifeln - und das auch noch durch - Varianten - wie Nimzowitsch spöttisch bemerkt.
Nachdem Schachspieler viele Jahrzehnte nach den Grundsätzen von Nimzowitsch Schach zu verstehen versucht haben, hat der Kollege Computer uns in jüngerer Zeit mehr und mehr zu verstehen gegeben, dass Schach tatsächlich ein sehr konkretes Spiel ist und aus - Varianten (!) besteht. Da wir Menschen aber keine Computer sind, und Schach auch mehrheitlich nicht nach mathematischen Methoden spielen, hat Nimzowitschs Lehre auch nach nun bald schon 100 Jahren nichts von ihrer Aktualität verloren. Hier lernt man eben z.B., was Bauernketten sind, wie sie funktionieren und wie man sie attackiert, wie man mit Isolanis umgeht, seine eigenen Kräfte mobilisert und die gegnerischen blockiert und dass mit der Verteidigung ebenso erfolgreich sein kann, wie beim Angriff. Ohne diese Grundlagenkenntnisse würde man als Mensch niemals die richtigen Varianten entdecken, die ein Computer sich nur errechnet - aber nicht versteht.
Mit freundlicher Genehmigung
André Schulz, ChessBase
März 2012

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Es gibt sie, die Leuchttürme des menschlichen Schaffens, es gibt sie in der Kunst, der Musik, der gehobenen Literatur, es gibt sie in allen Bereichen. Die Mona Lisa zählt hierzu, „Die Fünfte" von Beethoven, Gothes Faust, womit wir die Literatur erreicht haben. Besagte Leuchttürme gibt es zweifellos auch in der Schachliteratur und ebenso zweifellos zählt „Mein System" von Aaron Nimzowitsch hierzu. Und genau dieser Leuchtturm steht in der Form einer neuen Ausgabe wieder frisch in den Regalen des Buchhandels. Die Firma Niggemann aus Heiden, bekannt als Schachhändler, hat hier die Rolle des Verlegers übernommen und „Mein System" in einer vom Herausgeber Matthias Vettel überarbeiteten und dabei um ein paar neue Inhalte ergänzten Fassung in den Markt gegeben.
Auch sie gibt es, die Probleme des Rezensenten, ein solches Werk angemessen und für den Leser interessant zu besprechen. Man stelle sich vor, eine bekannte und angesehene Kunsthalle würde eine Kopie der Mona Lisa ausstellen. Was würde den Leser einer Pressenotiz hierzu interessieren? Die Beschreibung dessen, was im Bild zu sehen ist? Wohl eher nicht, das ist bekannt. Wie sähe es aus, wenn ein Orchester in der eigenen Uraufführung die 5. Symphonie Beethovens spielen würde? Dem Publikum wird das Werk bekannt sein, aber wie es gespielt wird, dafür wird es sich interessieren. In dieser Weise könnten wir unsere Überlegungen über alle besagten Leuchttürme des Schaffens hinweg fortsetzen und immer dann auch bei „Mein System" von Nimzowitsch landen.
„Mein System" ist das Buch, das Generationen das moderne Schachspiel gelehrt hat. Viele spätere Autoren haben es als Grundlage für ihre eigenen Arbeiten genutzt. Seine Inhalte sind gemeinhin bekannt, sei es aufgrund der Kenntnis des Buches selbst oder weil die Lehren Nimzowitschs auch heute ganz überwiegend die Praxis des modernen Spiels prägen. So kennt man heute die Dinge wie
Zentrum und Entwicklung (Kapitel 1)
mit den beispielhaften und schon in der Überschrift das Auge fesselnd formulierten Abschnitten „Der Entwicklungsvorsprung als Ideal" und „Das Zentrum und dessen Demobilisierungswut",
Die offene Turmlinie (Kapitel 2)
mit u.a. „Die Entstehung (Geburt) der offenen Linie. Auf friedlichem Wege. Durch kriegerisches Vorgehen. (…)" und „Der Vorposten. Der Angriffsradius. (…) Womit besetzt man den Vorposten in einer Mittellinie und womit den in einer Randlinie? Der Rollentausch und was dieser beweise",
Die 7. und 8. Reihe (Kapitel 3)
mit u.a. „Einleitung und Allgemeines. Endspiel oder Mittelspiel. Die Wahl eines Angriffszieles. Das "Schwimmverbot" sowie
Kapitel 4 - Der Freibauer (Kapitel 4)
mit u.a. „Der Blockeur im Haupt- und Nebenberuf",
sowie die Gegenstände in allen weiteren Kapiteln. Man kann getrost darauf verzichten, sie detailliert in einer Rezension zu nennen.
Den Leser interessieren dürfte besonders die Frage, was die Neuausgabe aus dem Hause Niggemann zu bieten hat. Und hier lässt sich gleich einiges aufführen. Hierzu zählen:
1. Ein Buch mit 415 Seiten, gebunden und mit Schutzumschlag, zum Preis von 28,95 Euro.
2. Die 2010-er Neuauflage eines Klassikers, der seine Erstausgabe 1925 feierte, mit dem Anspruch einer möglichst originalgetreuen Revitalisierung (inhaltlich wie auch optisch, z.B. mit Einspaltensatz für den theoretischen Text und Zweispaltensatz für die vollständigen Partien).
3. Eine Ausnahme vom Anspruch der originalgetreuen Wiedergabe wurde insoweit gemacht, als - in Fußnoten - auf die wenigen bedeutenderen Ungereimtheiten oder Fehler hingewiesen wird sowie ein schwarzer Balken die Regeln kennzeichnet.
4. Das Buch sieht richtig gut aus, erfüllt auch bibliophile Ansprüche und erfreut den Leser auch mit kleineren Aufmerksamkeiten, z.B. mit einem Lesebändchen.
5. Es kann die allermeisten Schachspieler auch heute noch in ihrer Spielstärke voranbringen; mit dem Erwerb verschafft man sich kein Museumsstück, man erhält ein sehr gutes Lehrbuch.
6. „Mein System" enthält zusätzlich Beiträge mit den Titeln „Nimzowitsch contra Tarrasch" (zur Kontroverse zwischen beiden Spielern) und „Spielte Nimzowitsch krumm?" Beide sind ein zusätzlicher Gewinn für den Leser.
Ich denke, dass Aaron Nimzowitsch, geboren am 7.11.1886 und gestorben rund 10 Jahre nach dem Erscheinen der Erstausgabe seines Werkes am 16.3.1935, seine Freude an der Neuausgabe gehabt hätte.
In unseren Tagen läuft man als Rezensent nicht mehr Gefahr, vom genialen wie auch manchmal wohl etwas eigensinnigen Autor mit den „mittelmäßig begabten Kritikern", wie er sie nannte, von damals auf eine Stufe gestellt zu werden. Es gibt aber absolut überhaupt nichts, was an diesem Werk auch nur entferntest bemängelt werden könnte, im Gegenteil. Dem „Kritiker" bleibt nur das Lob für ein umfassend ausgezeichnet gelungenes Werk.
Fazit: Die besprochene Ausgabe von „Mein System" ist das Beste, was ich seit langem in der Hand gehalten habe. Nicht zuletzt für den Sammler hochwertiger Bücher ist das Buch in meinen Augen ein Muss. Mit einem Preis von 28,95 Euro ist es nicht billig, aber jeden Cent wert. Und dann gibt es auch noch die Möglichkeit, sich das Werk schenken zu lassen!
Uwe Bekemann, BdF
März 2012

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