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LOYERDKS

Der Klassische Sizilianer

128 Seiten, kartoniert, Gambit, 1. Auflage 2006

Aus der Reihe »Schach Konkret«

12,95 €
Inkl. 7% MwSt., zzgl. Versandkosten

Schach konkret ist eine neue Buchreihe über Schacheröffnungen. Es handelt sich dabei nicht um Theoriebücher im herkömmlichen Sinn, sondern um eine Reihe von Lektionen eines Schachexperten, der in der jeweils behandelten Eröffnung über umfassende praktische Erfahrung als Turnierspieler verfügt. Sie werden sich ein fundiertes Verständnis der Eröffnung und der daraus hervorgehenden Mittelspieltypen erarbeiten und auf diese Weise die richtigen Pläne und Züge auch in Ihren eigenen Partien finden. Es ist, als ob Sie mit einem hochkarätigen Schachtrainer am Brett sitzen, der Ihre Fragen beantwortet zu den Plänen für beide Seiten, zu den Ideen hinter bestimmten Zügen und zu dem Wissen, das Sie auf jeden Fall beherrschen müssen.

- 25 aktuelle, lehrreiche und ausführlich besprochene Musterpartien - Einführungen zu den einzelnen Kapiteln mit Beschreibung der Kernpunkte - Vollständiger Partien- und Variantenindex - Ausführliche verbale Erläuterung der verschiedenen Pläne und Manöver

Der Klassische Sizilianer ist eines der beliebtesten und angesehensten Sizilianisch-Systeme überhaupt und gehört zum Repertoire von Spielern wie Anand, Kramnik und Schirow. Schwarz entwickelt seine Figuren schneller als in vielen anderen sizilianischen Systemen, und oft entsteht ein lebhaftes und komplexes Figurenspiel. Die gängigste und kritischste Fortsetzung für Weiß ist der Richter-Rauser-Angriff. Gerade die letzten paar Jahre brachten eine Diversifizierung der Pläne beider Seiten in dieser stets populären Variante. Gegen die weißen Alternativen zum Rauser-System behandelt Yermolinsky Fortsetzungen, die die unabhängige Bedeutung der Zugreihenfolge des Klassischen Sizilianers wahren, wie etwa 6 Bc4 Qb6 - eine Variante, in der er selbst zu den führenden Experten zählt.

Großmeister Alex Yermolinsky ist einer der stärksten Spieler in den Vereinigten Staaten. Er war Meister der USA im Jahr 1996, und in den Jahren 1995 und 1997 gewann er die Offenen Meisterschaften seines Landes. Er sekundierte Irina Levitina bei ihrem Kampf um den WM-Titel der Frauen in den Jahren 1982-84, außerdem befinden sich unter seinen Schülern mehrere Großmeister der Spitzenklasse sowie ein Juniorenmeister der USA. Sein erstes Buch für Gambit Publications, Der Weg zur Verbesserung im Schach, wurde mit dem Cramer-Preis des Schachverbandes der USA für das beste Lehrbuch ausgezeichnet.

Einführung

Ein Theoriebuch?

Ganz ehrlich: Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals ein Buch über Eröffnungen schreiben würde. Mit der Vorstellung, Berge von Material zu sammeln und dem arglosen Leser vor die Füße zu wer­fen, konnte ich noch nie etwas anfangen. Als Praktiker und Spieler hielt ich diese Art von Eröff­nungsliteratur auch schon vor dem Computerzeitalter für wenig hilfreich. Und heute, da jeder Tur­nierspieler mit Laptop unterwegs ist und von vornherein Zugang zu Millionen von Partien hat, erscheint es mir noch viel weniger sinnvoll, Massen von Varianten in Buchform zu präsentieren.

Sosehr die Autoren von Eröffnungsmonographien auch betonen mögen, es gehe ihnen vorran­gig um das Vermitteln von Ideen: Die Wirklichkeit entspricht oft eben doch genau dem, was ich be­klage - viel zu viele Daten und zu wenig erläuternder Text. Die Notwendigkeit, einen möglichst großen Theoriebereich abzudecken, macht oft auch die besten Absichten der Autoren zunichte. Die Theorie wächst so rasant, dass das Buch bei Fertigstellung eigentlich doppelt so dick sein müsste wie ursprünglich geplant. Und das bisschen Platz, das noch für verbale Erläuterungen bleibt, wird nicht selten angefüllt mit ermüdenden Floskeln à la "die bessere Bauernstruktur garan­tiert dem Weißen einen stabilen Vorteil" oder "Schwarz hat ausreichendes Gegenspiel für den Bau­ern". Gegen solche Bewertungen ist per se gar nichts einzuwenden, und auch ich bediene mich die­ser Floskeln im vorliegenden Buch zur Genüge. Das Problem ist nur, dass derartige Bewertungen oft durch den Ausgang der Partie beeinflusst sind, oder auch durch den Namen des jeweiligen Spie­lers ("Das hat Anand mit Weiß gespielt, das muss einfach gut und richtig sein!"). Offenkundig ha­ben die Autoren nicht die Zeit, um alle Partien, auf die sie Bezug nehmen, ausführlich zu analysie­ren - es sind schlicht zu viele.

Ich war zunächst reichlich skeptisch, als der Gambit-Verlag mit der Idee an mich herantrat, ein Theoriebuch zu schreiben, begriff aber irgendwann, dass es hier um etwas anderes ging.

Das Format, das Gambit für seine Eröffnungsreihe "Schach konkret" gewählt hat, ermöglicht eine tiefgründige und individuelle Untersuchung von Eröffnungsideen. Es geht hier weniger um die angeblich oder mutmaßlich "besten" Züge, es geht zunächst einmal um komplette Partien. So erhält der Leser die Gelegenheit, die Partie bis zum Ende zu verfolgen, ohne sich vom neuesten Ur­teil der Theoretiker unnötig ablenken zu lassen, das vielleicht ohnehin bald wieder hinfällig wird. Handfeste Erläuterungen anstatt einer bloßen Ansammlung theoretischen Materials - die Idee hat mich überzeugt. Aber welche Eröffnung sollte ich dafür wählen?

Der Klassische Sizilianer

Ich ging auf Nummer Sicher und entschied mich für die Klassische Sizilianische Verteidigung, eine Eröffnung, die ich selbst schon seit fast drei Jahrzehnten mit Schwarz gespielt habe.

Man bat mich, 25 moderne Großmeisterpartien auszuwählen, was ausreichen sollte, um das Ideenspektrum jeder Eröffnung einigermaßen zu erfassen, selbst bei einer so gut erforschten Eröff­nung wie dem Klassischen Sizilianer. Da ich so viele verschiedene Untervarianten schon selbst ge­spielt hatte und mit den verschiedensten Antwortmöglichkeiten von Weiß konfrontiert worden war, wäre es wahrscheinlich problemlos möglich gewesen (und durchaus verlockend!), das Buch aus­schließlich auf meine eigenen praktischen Erfahrungen zu gründen. Das jedoch wäre dem Leser gegenüber nicht sehr fair, denn die meisten Partien wären zum einen nicht besonders aktuell und würden zum anderen das Buch zu sehr an meinen persönlichen Vorlieben ausrichten. Ich musste mich also in die Datenbanken vertiefen und dort nach geeigneten Beispielen suchen. Da es sich aber bei dem vorliegenden Buch um ein Eröffnungsbuch handeln sollte, entschied ich mich für eher kurze Partien, oder doch zumindest solche, in denen die Entscheidung vor dem Erreichen des Endspiels gefallen war. Die damit verbundene Vernachlässigung des Endspielaspekts geht mit ei­ner gewissen statistischen Verfälschung der Ergebnisse zu Gunsten von Weiß einher, was dem Buch als Minuspunkt angekreidet werden könnte.

Jede Partie enthält ca. neun Diagramme - einige folgen der Textfortsetzung, andere den Analysen und Anmerkungen. In den meisten Fällen führen die angegebenen Varianten nicht weiter von einem Diagramm weg als fünf oder sechs Züge. Ich hoffe, der leidlich erfahrene Leser wird so in die Lage versetzt, auch ohne Zuhilfenahme von Brett und Figuren mit dem Buch sinnvoll arbeiten zu können.

Da es sich hier nicht um ein Theoriebuch im herkömmlichen Sinn handelt, habe ich mir erlaubt, gegen eine Kardinalregel zu verstoßen und nicht zu jeder Variante am Ende die entsprechenden Quel­len anzugeben. Das kann dazu führen, dass der eine oder andere Spieler seine eigenen Züge ohne Er­wähnung seines Namens wiederfinden wird. Hierfür bitte ich vorab schon einmal um Vergebung.

Und ein Letztes...

Hier noch ein Wort an diejenigen, die einen unmittelbaren Ertrag aus ihrer Investition in dieses Buch erwarten und lieber das spielen und studieren, was gegenwärtig von der Weltelite praktiziert wird. Die Theorie ist ein kapriziöses Wesen: Eröffnungen sind Modeerscheinungen, die oft ebenso schnell wieder von der Bildfläche verschwinden, wie sie aufgetaucht sind. Vor zehn oder fünfzehn Jahren hatte der Klassische Sizilianer anscheinend mehr Gewicht als heute. In der Tat sind ihm ei­nige der besten Spieler (z. B. Kramnik) untreu geworden und verschanzen sich heute lieber hinter der vermeintlichen Sicherheit der Russischen Verteidigung oder der spanischen "Berliner Mauer". Aber wer weiß, was die Zukunft bringt? Ich hoffe doch, dieses Buch gerät nicht zum Requiem, son­dern wird zur Inspiration für künftige Generationen von Anhängern der Klassischen Sizilianischen Verteidigung.

Alex Yermolinsky

San Francisco, Kalifornien

Dezember 2005

Weitere Informationen
Gewicht 275 g
Hersteller Gambit
Breite 17,2 cm
Höhe 24,8 cm
Medium Buch
Erscheinungsjahr 2006
Autor Alex Yermolinsky
Reihe Schach Konkret
Sprache Deutsch
Auflage 1
ISBN-10 1904600638
ISBN-13 9781904600633
Seiten 128
Einband kartoniert

004 Zeichenerklärung

005 Einführung

007 1 Der klassische Ansatz von Boleslawski

030 2 Der Fischer-Sosin-Angriff

051 3 Richter-Rauser-System: Frühe Abweichungen

073 4 Richter-Rauser-System: Schwarz rochiert kurz

093 5 Richter-Rauser-System: Die moderne Behandlung

124 Liste der Partien

125 Index der Varianten

'Chess explained' is a new series of openings books about chess theory based on understanding of a opening. A chess expert, in this case the phenomenal Alex Yermolinsky, will help you to develop an understanding of the Classical Sicilian which runs after the moves 1.e4 c5 2.Nf3 d6 3.d4 cxd4 4.Nxd4 Nf6 5.Nc3 Nc6, an opening which Yermolinsky is playing with success for years. In this book I found 25 extensively analysed games where one game is good for around four pages of text included with around nine diagrams where some diagrams follow the game, and other the notes to it. So it is for the more experienced reader not difficult to follow the game without the help of a chess board and pieces. Some way these game annotations remind me of the extensive game analyses from Timman so well are they explained by Yermolinsky. The material in this book is divided in to the following sections: Boleslavsky’s classical approach, The Fischer-Sozin attack, Richter-Rauzer: early deviations, Black castles kingside in the Richter-Rauzer and The treatment of the Richter-Rauzer. Interesting to mention is that Yermolinsky analyses of his pet line with 6.Bc4 Qb6 where he is a leading specialist is, for this only I would buy this interesting written openings book! But there is more, for example the Richter-Rauzer with some early deviations as :1.e4 c5 2.Nf3 d6 3.d4 cxd4 4.Nxd4 Nf6 5.Nc3 Nc6 6.Bg5 Bd7 7.Qd2 Rc8 8.0-0-0 Nxd4 9.Qxd4 Qa5 10.f4 Rxc3 11.bxc3 e5 12.Qb4 Qxb4 13.cxb4 Nxe4 14.Rd5! a invention of the young Ukrainian grandmaster Andrei Volokitin, is truly very instructive. It is difficult to stop for me but one more line that I must mention is the modern treatment of the Rauzer 1.e4 c5 2.Nf3 d6 3.d4 cxd4 4.Nxd4 Nf6 5.Nc3 Nc6 6.Bg5 e6 7.Qd2 a6 8.0-0-0 Bd7 9.f4 b5 10.Bxf6 gxf6, after Yermolinsky the Kozul suicide variation, where Yermolinsky is responsible for keeping the torch burning. Conclusion: A must openings book!

With kind permission of the author John Elburg (www.chessbooks.nl)

Im Schach Markt Nr. 3/2006 haben wir Ihnen 'Chess Explained: The Classical Sicilian' von Alex Yermolinsky vorgestellt. Es war das erste Buch in einer neuen Reihe des engli­schen Verlags Gambit Publications über Schacheröffnungen.

Unsere vorwitzige Bemerkung, dass zunächst keine deutsche Übersetzung geplant sei, müssen wir schleunigst zurücknehmen.

Schon kurze Zeit nach der engli­schen Ausgabe liegt bereits die von Hans-Peter Remmler erstellte Übersetzung vor, wobei aus 'Chess Explained' nun 'Schach konkret' ge­worden ist.

Yermolinsky geht aus von der Grundstellung 1. e4 c5 2. Sf3 d6 3. d4 cxd4 4. Sxd4 Sf6 5. Sc3 Sc6.

Der Stoff ist in fünf Kapitel geglie­dert. Zunächst werden die Fortsetzun­gen 6. g3, 6. Le3, 6. f3 und 6. Le2 betrachtet. Das zweite Kapitel ist dem Fischer-Sosin-Angriff beginnend mit 6. Lc4 gewidmet. In den Kapiteln drei, vier und fünf geht es um das Richter-Rauser-System 6. Lg5.

Entsprechend der Intention dieser Reihe hat die Vermittlung grundle­gender Ideen und Motive der Eröffnung sowie das Verständnis der sich daraus ergebenden Mittelspiel­stellungen Vorrang gegenüber der Angabe möglichst vieler Varianten. Der Autor hat hierfür 25 aktuelle Meisterpartien ausgewählt und ausfuhrlich kommentiert.

Das Buch ist empfehlenswert für fortgeschrittene Schachfreunde, die sich für dieses Eröffnungsthema in­teressieren.

Schach Markt 4/2006

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GM Alex Yermolinski gilt als einer der besten Spieler in den USA (Spitz­name "Yerminator"), firmiert als mehrfacher US-Meister, Mitglied des Olympiateams, darüber hinaus auch als Schachlehrer, -trainer und -autor. GAMBIT hat ihn für die neue Verlagsreihe "Schach konkret: Eine neue Herangehensweise zum Ver­ständnis der Schacheröfmungen" ge­winnen können, wo er im vorliegen­den Band das Klassische Sizilianisch für den Leser aufbereitet und erklärt (im englischen Original heißt es: "Chess explained"). Dieses Sys­tem erfreut sich nach wie vor bei Spitzenspielern wie Kramnik, Anand, Schirow - und natürlich auch beim Verfasser - als auch bei den Amateuren großer Beliebtheit. Yer­molinski erläutert die Eröffnung an­hand von 25 vollständigen Meister­partien (darunter vier eigene), wobei er naturgemäß die Eröffnungsphase besonders sorgfältig analysiert und dem Leser auch etliche ergänzende Partie-Ausschnitte mitliefert. Den Stoff hat er wie folgt eingeteilt:

1) Der klassische Ansatz von Boleslawsky mit ...e5: Nach 1.e4 c5 2. Sf3 d6 3.d4 c:d4 4.S:d4 Sf6 5. Sc3 Sc6 werden die Fortsetzungen 6.g3, 6.Le3, 6.f3 und 6.Le2 e5 7. Sb3/Sf3 unter die Lupe genom­men (S. 7-29), mit 5 Partien)

2) Der Fischer-Sozin-Angriff 6. Lc4: Unser Autor höchstpersönlich gilt als eine Koryphäe der Antwort 6...Db6, und er macht den Leser mit den Möglichkeiten für Weiß 7.S:c6, 7.Se2,7.Sb5 und Sb3 bekannt (S. 30-50 mit vier Beispielpartien).

3) Der gebräuchlichste Aufbau ist wohl das Richter-Rauser-System 6. Lg5, und hiermit befasst sich der verbleibende Hauptteil des Buches. Zunächst führt der Autor diverse Abweichungen von der Hauptvari­ante vor, etwa 6...Ld7 und nun 7. L:f6 oder 7.Dd2, oder auch 6...e6 7.Lb5 bzw. 6...e6 7.Dd3 (eine alte Empfehlung von Paul Keres) (S. 51-72 mit fünf erläuternden Partien).

4) Richter-Rauser-System mit kurzer Rochade von Schwarz, also 6.Lg5 e6 7.Dd2 Le7 8.0-0-0 0-0: Hier werden die Fortsetzungen 7.Sb3 und 9.f4 h6 - mit oder ohne den Einschub ...S:d4, D:d4 - untersucht (S. 73-92, vier Partien).

5) Die moderne Behandlung des Richter-Rauser-Systems zeigt das Schlusskapitel: Hier geht es um Va­rianten, wo Schwarz ...Le7 und ...a6 miteinander kombiniert, wo er mit ...h6 mit Befragung des weißen Läufers g5 spielt, sowie um baldiges ...Ld7 und ...b5, wobei Schwarz oft verdoppelte f-Bauern in Kauf nimmt (S. 93-123, mit sieben Beispielpar­tien).

Yermolinski versucht wohltuenderweise nicht, den Leser mit einer Un­menge ausufernder Varianten zu "er­schlagen", sondern beschränkt sich auf wesentliche Abspiele und Struk­turen, welche er dann aber auch z.T. sehr ausführlich darlegt und in allen Einzelheiten erschöpfend erklärt. Auf diese Weise wird der Lernende in fundierter Manier von einem aus­gewiesenen Experten damit vertraut gemacht, wie er das klassische Sizilianisch gut und unternehmungslus­tig spielen kann.

Dr. W. Schweizer, Rochade 3/2007

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Über den Autor

Alex Yermolinsky wuchs in der ehe­maligen UdSSR auf und gehört zur selben Spielergeneration wie Garry Kasparow. Seinen sportlichen Höhe­punkt erreichte er jedoch erst nach­dem er 1989 Russland verließ und 1990 in die USA emigrierte. Er ge­wann zweimal die US-Amerikani­schen Meisterschaften und vertrat seine neue Heimat bei zahlreichen Weltmeisterschaften und Olympia­den. 1998 wurde Yermolinsky bei der FIDE mit einer ELO-Zahl von knapp unter 2700 geführt. Auch als Trainer kann er auf beachtliche Erfolge zu­rückblicken: 1984 führte er die Rus­sin Irina Levitina ins WM-Finale der Frauen, trainierte Spieler wie Alexan­der Khalifman oder Wladimir Jepischin. In den USA war er mit seiner "Yermo Chess Academy" einer der ersten, der online Schach lehrte.

Der sowjetischen Schachschule steht Yermolinsky mittlerweile sehr kri­tisch gegenüber, und die Ergebnisse dieses Distanzierungsprozesses hat er in seinem ersten Schachbuch, in Deutschland erschienen unter dem Titel ,,Der Weg zur Verbesserung im Schach" (Gambit), zu Papier ge­bracht. Von der internationalen Schachpresse wurde sein Erstlings­werk schon zum Nachfolger von John Watsons modernem Klassiker "Geheimnisse der modernen Schachstrategie" ausgerufen, ent­sprechend hoch waren die Erwartun­gen an seine zweite Arbeit. Dass es mit dem jetzt ins Deutsche übersetz­ten "Schach konkret - Der klassische Sizilianer" ausgerechnet ein Eröff­nungsbuch geworden ist, darüber wundert sich Yermolinsky selbst am meisten, denn er macht schon im Vorwort klar, dass er sich eher als "Praktiker" sieht und von klassi­scher Eröffnungsliteratur mit ihren schnell veraltenden Variantenwüsten und lapidaren Kommentarfloskeln nie viel gehalten hat.

Gliederung

Nach den Zügen 1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 Sc6 entsteht die Grundstellung des klas­sischen Sizilianers.

Entlang der weißen Möglichkeiten im sechsten Zug hat Yermolinsky seine Kapitel folgendermaßen einge­teilt:

1) Der klassische Ansatz von Boleslawski

6.g3

6.Le3 Sg4

6.f3 e5

6.Le2 e5

2) Der Fischer-Sosin-Angriff

6.Lc4 Db6 (Benkö-Variante)

3) Richter-Rauser-System: Frühe Abweichungen

6.Lg5 Ld7

6.Lg5 e6 7.Lb5

6.Lg5 e6 7.Dd3

4) Richter-Rauser-System:

Schwarz rochiert kurz

6.Lg5 e6 7.Dd2 Le7 8.0-0-0 0-0

5) Richter-Rauser-System:

Die moderne Behandlung

6.Lg5 e6 7.Dd2 Le7 8.0-0-0 Sxd4 9.Dxd4 a6

6.Lg5 e6 7.Dd2 Le7 8.0-0-0 h6

6.Lg5 e6 7.Dd2 Le7 8.0-0-0 Ld7 9.f3

6.Lg5 e6 7.Dd2 Le7 8.0-0-0 Ld7 9.f4 b5

Inhalt

Yermolinskys Skepsis gegenüber "normalen" Eröffnungsbüchern kam die jüngste Idee des Gambit-Verlags sehr entgegen. Die neue Reihe "chess explained", etwas sinnent­stellend eingedeutscht als "Schach konkret", wird vollmundig angekün­digt als "eine neue Herangehenswei­se zum Verständnis der Schacheröff­nungen". Anhand von ausführlich kommentierten Partien sollen weni­ger konkrete Varianten als vielmehr zentrale Ideen und Spielpläne der untersuchten Eröffnung vermittelt werden. So schrecklich neu, wie Gambit das dem Leser glauben ma­chen möchte, ist dieses Konzept na­türlich nicht. Allein auf dem deut­schen Markt fallen mir auf Anhieb die "Wie spielt man"-Reihe (Rau-Verlag) oder die "Richtig gespielt"-Bücher des Beyer-Verlags ein, die schon vor 10 bis 20 Jahren einen ähnlichen Ansatz verfolgten.

Auf 128 großformatigen Seiten soll dem Leser nun also der klassische Sizilianer nahegebracht werden. Dieses Sizilianisch-Abspiel ist unter Supergroßmeistern zur Zeit nicht allzu populär, unter Klubspielern und auf offenen Turnieren jedoch durchaus häufig anzutreffen.

Das Gerüst bilden 25 sehr ausführ­lich kommentierte Partien. Wie schon der Gliederung zu entnehmen, hat Yermolinsky bei der Auswahl der Partien eine Art Mini-Repertoire für Schwarz zusammengestellt. Falls Weiß in der Grundstellung den Vorstoß 6...e5 nicht mittels 6.Lc4 oder 6.Lg5 unattrak­tiv macht, legt der Autor dem Schwarzspieler die Boleslawski-Va­riante ans Herz. Gegen den Fischer-Sosin-Angriff (6.Lc4) empfiehlt Yermolinsky die Benkö-Variante (6...Db6). Immerhin geht er im Richter-Rauser-Angriff (6.Lg5), der den Hauptteil des Buches ausmacht, ausführlicher auf verschiedene schwarze Möglichkeiten ein.

"Der klassische Sizilianer" ist also, im Gegensatz zu den ebenfalls in dieser Reihe erschienenen Büchern zu Damenindisch oder Englisch, eher für den Schwarzspieler konzi­piert, denn wer als Weißer zum Bei­spiel im Fischer-Sosin-Angriff etwas über die meistgespielte schwarze Erwiderung 6...e6 lernen will, muss sich anderswo umsehen.

Fazit

Revolutionär ist das "neue" Gambit-Konzept "Schach konkret" nicht. Dennoch täte man Alex Yermolinskys aktueller Arbeit unrecht, wenn man sie auf 25 kommentierte Partien zu einem bestimmten Eröffnungsthema reduzieren würde, denn "Der klassische Sizilianer" ist weit mehr als das. Leider gelingt es Schachau­toren nur selten, Eröffnungspläne und -feinheiten so lehrreich heraus­zuarbeiten und auch dem nicht ganz so starken Klubspieler nahezubrin­gen, wie Yermolinsky das hier ein­drucksvoll vorführt. Auch das Lay­out ist, wie immer bei Gambit, erst­klassig - nach wie vor könnte sich hier so mancher Konkurrenzverlag eine Scheibe abschneiden.

Dementsprechend ist "Der klassi­sche Sizilianer" ein klarer Kauftipp für alle Freunde dieses Abspiels, ob Neuling oder erfahrener Turnierspie­ler. Mit den oben angesprochenen inhaltlichen Einschränkungen ist das Buch auch jedem Weißspieler, der an erhellenden Einblicken in die Ideen und Pläne im klassischen Sizi­lianer interessiert ist, dringend zu empfehlen. Denn jenseits der kon­kreten Varianten, die, falls diese Zugfolge auch auf allerhöchstem Ni­veau einmal wieder populär werden sollte, schnell ihr Verfallsdatum überschreiten können, bleibt das grundlegende Stellungsverständnis, das sich der aufmerksame Leser hier aneignen kann, stets aktuell. Man darf gespannt sein, ob die weiteren Titel aus der "Chess explained"-Rei­he dieses hohe Niveau halten kön­nen. Alex Yermolinsky ist hier je­denfalls ein Volltreffer gelungen.

Felix Voigt, Rochade Europa 1/2007