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SCMC07GK

Masterclass vol. 7: Garry Kasparov

DVD-Box, ChessBase, 1. Auflage 2016

Aus der Reihe »Fritz Trainer Masterclass«

29,90 €
Inkl. 16% MwSt., zzgl. Versandkosten

Das Talent von Garry Kasparov wurde schon frühzeitig erkannt, aber spätestens, als er sich im Alter von nur 15 Jahren für die renommierte UdSSR-Landesmeisterschaft qualifizierte, galt er auch weltweit als möglicher kommender Weltmeister. Doch auf dem Weg zum Weltmeister-Thron musste Kasparov viele Widerstände überwinden. Kasparov fühlte sich vom Karpov-freundlichen sowjetischen Verband und von der FIDE behindert. Am Ende setzte er sich durch und wurde mit 22 Jahren der jüngste Weltmeister. Seinen Kampf führte er auch und vor allem am Brett und bereicherte das Schach mit seiner unglaublich dynamischen Spielführung sowie wissenschaftlicher Partievorbereitung. Beim Einsatz der neuen Hilfsmittel Computer und Datenbank-Programme wie ChessBase war Kasparov seiner Zeit voraus. In den zahlreichen Auseinandersetzungen mit dem pragmatischen Karpov prallten zwei ganz unterschiedliche Spielsysteme aufeinander, wobei diese beiden Spieler in ihrer Zeit die mit Abstand besten der Welt waren. Neben den Wettkämpfen hat Kasparov viele Turniere bestritten und trat immer mit dem gleichen Anspruch an: Die Partien und Turniere zu gewinnen!

Auf dieser DVD geht ein Expertenteam Kasparovs Spiel auf den Grund. In rund 9 Stunden Videospielzeit (jeweils komplett deutsch und englisch) beleuchten die Autoren Dorian Rogozenko, Mihail Marin, Oliver Reeh und Karsten Müller vier wesentliche Aspekte von Kasparovs Spielkunst: Eröffnung, Strategie, Taktik und Endspiel. Als Bonus gibt es eine Video-Analyse von Kasparovs Computerpartien (Karsten Müller). In der großen Datenbank mit Trainingsfragen (162 Partien mit 575 Trainingsfragen) kann man sein eigenes taktisches Verständnis mit Hilfe von Kasparovs Geistesblitzen perfektionieren.

  • Videospielzeit: 9 Std. (Deutsch)

  • Interaktiver Taktiktest mit Videofeedback

  • Alle Kasparov-Partien, Tabellen, Kurzbiographie

  • "Kasparov-Powerbooks“: Das Eröffnungsrepertoire des 13. Weltmeisters als Variantenbaum

  • Taktik-Training mit 162 Kasparov-Partien: 575 Trainingsfragen, maximal 1392 Punkte

  • Mit ChessBase-Reader

Systemvoraussetzungen:

Minimum:

  • Pentium III 1 GHz

  • 1 GB RAM

  • Windows Vista, XP (Service Pack 3)

  • DirectX9 kompatible Grafikkarte mit 256 MB RAM

  • DVD-ROM Laufwerk

  • Windows Media Player 9

  • Internetverbindung für Programmaktivierung

Empfohlen:

  • PC Intel Core i7 2.8 GHz

  • 4 GB RAM

  • Windows 7 oder Windows 8

  • DirectX10 kompatible Grafikkarte mit 512 MB RAM oder mehr

  • 100% DirectX10 kompatible Soundkarte

  • Windows Media Player 11

  • DVD-ROM Laufwerk

  • Internetverbindung für Programmaktivierung

Weitere Informationen
Gewicht 100 g
Hersteller ChessBase
Breite 14,5 cm
Höhe 20,5 cm
Medium DVD
Erscheinungsjahr 2016
Autor Dorian RogozenkoMihail MarinOliver ReehKarsten Müller
Reihe Fritz Trainer Masterclass
Sprache Deutsch, Englisch
Auflage 1
ISBN-13 978-3-86681-486-8
Einband DVD-Box

ChessBase stellt in der Reihe Master Class die Stärken und Schwächen der Weltmeister vor, wobei unterschiedliche Autoren die ver­schiedenen Spielbereiche be­sprechen. Kürzlich erschien der siebte Band, in dem Garri Kasparow im Mittelpunkt steht.

Ein Grund für Kasparows Überlegenheit lag in seiner phantastischen Eröffnungskenntnis, die lange Zeit all seinen Gegnern weit überlegen war. Rogozenco zeigt, dass Kasparow schon sehr früh, noch als Kind, ein überaus feines Gefühl für taktisch-dynamische Eröffnungen entwickelte. Doch erst als er sich Anfang der Achtziger Jahre für die Kandidatenmatches qualifizierte, baute er ein systematisches Eröffnungsrepertoire auf. Mit Weiß wechselte er vollständig zu 1.d4 und mit Schwarz wurde die Tarrasch-Eröffnung seine Hauptverteidigung. Zu jener Zeit genoss sie keinen guten Ruf, aber Kasparow fand viele neue Ressourcen und schmiedete eine mächtige Waffe, die er in seinen Zweikämpfen mit großem Erfolg gegen Beljawski, Kortschnoi und Smyslow einsetzte. Schon damals wird deutlich, wie weitreichend Kasparows Eröffnungsideen sind, die für die weitere Entwicklung dieser Variante einen großen Impuls gaben. Erst Karpow gelang es, Kasparow in dieser Variante die Grenzen aufzuzeigen, als er die siebte und neunte Partie im ersten K&K-Match gewann.

1990 sieht Rogozenco den zweiten großen Umbruch in Kasparows Repertoire. Im fünften Match gegen Karpow spielte er mit Weiß fast ausschließlich 1.c4. Mit Schwarz war seit Ende der Achtziger Königsindisch seine Lieblingseröffnung geworden, mit der er etliche spektakuläre Siege erreichte und die er in allen Abspielen zu einem scharfen Schwert machte. Seine Erfolge waren so groß, dass Weiß nach Alternativen suchte. Aber erst als er 1997 im Hauptsystem von Kramnik mit b4 bezwungen wurde, legte Kasparow Königsindisch ad acta, weil er offenbar kein zufriedenstellendes Mittel gegen den weißen Aufbau fand.

Obwohl Kasparow fast zwei Jahrzehnte seine Dominanz in der Eröffnung demonstrierte, war bei seinem Wettkampf 2000 gerade dieser Bereich seine Achillesferse. Kramnik setzte ihm nicht nur die Berliner Verteidigung vor, sondern entschärfte auch seinen Grünfeldinder. Es war das einzige Mal in Kasparows Karriere, dass er in einem Match im Eröffnungsbereich von seinem Gegner völlig überspielt wurde.

Kasparows Einfluss auf die Eröffnungstheorie war gewaltig. Er brachte die Vorbereitung auf ein bis dahin unbekanntes Niveau, entwickelte zahllose neue Ideen und machte etliche Abspiele populär. Seine Neuerungen waren so tief, dass sie die nächste Generation weiterbenutzen konnte. Oft führten sie zu ganz neuen

Bewertungen von Varianten oder ließen Abspiele gänzlich aus der Praxis verschwinden. Rogozenco hält die Entdeckung des Potentials der Schottischen Verteidigung, die er im WM-Match gegen Karpow 1990 wieder salonfähig gemacht hatte, für Kasparows größten Eröffnungsbeitrag.

Mihail Marin macht deutlich, dass positionelles und strategische Spiel nicht unbedingt die Eigenschaften sind, die man mit dem 13. Weltmeister assoziiert. Kasparow neigte dazu, die erste Möglichkeit zu taktischen Verwicklungen zu nutzen, was gelegentlich voreilig war.

Objektiv betrachtet hätten die Gegner einige Male die Partien noch retten können. Einzig gegen Karpow änderte Kasparow seinen Spielstil, denn ihn konnte man nicht so leicht mit einem Angriff erschrecken. Deshalb zwang sich Kasparow in den Matches gegen Karpow dazu, auf dem rein positionellen Pfad zu bleiben.

Es gibt einige Beispiele, bei denen man den Eindruck hat, beide würden mit vertauschten Farben spielen. In der 19. Partie des zweiten K&K-Matches war z.B. Kasparows positioneller Triumph in psychologischer Hinsicht vorentscheidend, weil er seinen Gegner auf dessen ureigenem Terrain besiegt hatte.

In der Kategorie Taktik hat Oliver Reeh eine relativ leichte Aufgabe. Es ist eher eine Qual der Wahl, aus dem reichen Odeuvre Kasparows passende Beispiele auszuwählen. Weniger bekannt ist, dass Kasparow auch ein Endspielexperte war, wie einige schöne Beispiele von Karsten Müller in Erinnerung rufen.

Müller bespricht in einem zusätzlichen Kapitel Kasparows Duelle gegen Maschinen. Er er­läutert, wo die Schwächen der Computer lagen, wo es Programmierfehler gab, welche Figuren überbewertet wurden und warum die Engines diese oder jene Züge bevorzugten. Welche Schlüsse das Deep Blue-Team aus dem ersten Wettkampf zog und welche Bewertungsfunktionen es änderte, erklärt der Hamburger Großmeister ebenso plastisch, wie einige Züge Kasparows, die er gegen einen Menschen nie gespielt hätte. So gab der Rechner in der ersten Partie des zweiten Matches 1997 nach einem sinnlosen Schlusszug auf. Kasparow dachte jedoch, der Rechner habe erkannt, dass die Stellung bereits für ihn verloren war, obwohl die Realisation des Vorteils noch sehr kompliziert gewesen wäre. Tatsächlich beruhte der Schlusszug des Rechners auf einem Bug, also einem Programmierfehler. Dieses Missverständnis führte dazu, dass Kasparow in der Folge die Fähig­keiten des Rechners überschätzte. Als Deep Blue in der zweiten Partie einen Bauerngewinn verschmähte und stattdessen einen positionellen Zug machte, war Kasparow irritiert. Wenig später gab er eine Stellung auf, in der er noch gute Remischancen gehabt hätte, weil er dachte, der Rechner habe den Gewinn bereits "gesehen“. Als Kasparow später das Dauerschach entdeckte, glaubte er, dass Menschen in die Zugent­scheidungen des Rechners einge­griffen hatten, was ihn völlig aus dem Gleich­gewicht brachte.

Die letzte Partie verlor Kasparow auf bis heute nicht ganz geklärte Weise. Vermutlich - so Müller - wollte er den Rechner früh aus dem Buch bringen. Nach dem ungenauen Zug h6 spielte Deep Blue überraschend Sxe6, ein starkes positionelles Opfer. Wie dieser Zug in Deep Blues Eröffnungsrepertoire gekommen ist, ist laut Müller bis heute unbeantwortet geblieben.

Zum Lieferumfang dieser überaus sehenswerten DVD gehören auch eine Kurzbiographie, Turniertabellen, 575 Trainingsfragen, alle Partien Kasparows, viele davon analysiert, sowie sein Eröffnungsrepertoire als Variantenbaum. Die Darstellung ist sehr gelungen und insbesondere Rogozencos kenntnisreiche Ausführungen im Eröffnungskapitel sowie Müllers Blicke hinter die Kulissen der Computerwettkämpfe sind sehr erhellend. Eine gelungene Hommage an den vielleicht besten Spieler aller Zeiten, die in keinem Schachregal fehlen sollte.

Harry Schaack

KARL 3/2016