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LXSADZIS

Zeitenwende im Schach

AlphaZeros bahnbrechende Strategien

416 Seiten, gebunden, New in Chess, 1. Auflage 2019

28,50 €
Inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten

AlphaZero benötigte nur wenige Stunden des Selbstlernens, um zu dem Schachspieler zu werden, der die Welt erschütterte. Das System Künstlicher Intelligenz wurde mit nichts anderem als den Regeln des Königlichen Spiels gefüttert, bevor es das weltbeste Schachprogramm in einem langen Match besiegte. Die im Dezember 2017 veröffentlichte Auswahl von zehn Partien sorgte für weltweites Aufsehen: Wie war es möglich, gegen einen Gegner von übermenschlicher Stärke derart brillant und riskant zu spielen, ohne auch nur eine einzige Partie zu verlieren?

Für Zeitenwende im Schach haben Matthew Sadler and Natasha Regan mehr als zweitausend zuvor unveröffentlichte Partien von AlphaZero untersucht. Zugleich hatten sie exklusiven Zugang zum Forschungsteam von DeepMind und konnten einen einzigartigen “Blick unter die Haube” werfen, um so die Tiefe und Breite von AlphaZeros Suchfunktion ermessen zu können.

Zeitenwende im Schach präsentiert zugleich eine Sammlung einprägsam erläuterter Schachpartien außergewöhnlicher Qualität. Die erstaunlichen Entdeckungen von AlphaZero in jedem relevanten Bereich lassen die Spielstärke von Profi- wie auch Vereinsspielern wachsen: Eröffnungsvorbereitung, Figurenbeweglichkeit, Initiative, Angriffstechniken, langfristige Opfer und vieles mehr.

Dieses Buch bietet faszinierende Einblicke in die Perspektiven und Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz. Wobei sich der Radius keineswegs auf die Bewältigung von Spielen beschränkt, sondern ebenso auf verschiedenartigste gesellschaftliche Herausforderungen gerichtet ist.

Großmeister Matthew Sadler ist zweifacher Britischer Meister und wurde bei der Schacholympiade 1996 mit einer Goldmedaille für das beste Einzelergebnis geehrt. Die Engländerin Natasha Regan, Internationale Meisterin der Frauen, machte auf der Universität Cambridge einen Abschluss in Mathematik.

Weitere Informationen
Gewicht 890 g
Hersteller New in Chess
Breite 17 cm
Höhe 23,5 cm
Medium Buch
Erscheinungsjahr 2019
Autor Matthew SadlerNatasha Regan
Sprache Deutsch
Auflage 1
ISBN-13 9789056918859
Seiten 416
Einband gebunden

Vor einem Jahr schwappte der Alpha-Zero-Hype über uns hinweg. Googles Projekt "Deep Mind" zu neuronalen Netzwerken gewährte dem Autorenduo Matthew Sadler/ Natasha Regan Zutritt, hielt aber ansonsten viele Informationen vor der Öffentlichkeit zurück. Ich hatte mich in der Zeitschrift "Schach“ Ende 2016 über Deep Mind geäußert. Zwischenzeitlich war’s dann etwas stiller, doch dann kamen die Damenindisch-Knaller gegen Stockfisch. Das Buch wurde von vielen gelesen, aber mich hat das eher wenig berührt. Die bunten Hunde unter den Partien waren ohnehin schon publiziert, und auch wenn Sadler schon immer zu meinen Lieblingsautoren gezählt hat, so habe ich inzwischen den Eindruck, dass ihn dieses Projekt nachhaltig beeinflusst hat. Er ist enthusiastisch und beseelt, ja, stimmt schon, aber auf eine eigentümliche Weise wirkt er auch seltsam eingenommen von dieser Faszination. Oder es ist sein Business geworden, so wie jemand aus der Marktingabteilung der Telekom. Nicht, dass er alles in den Himmel lobt, aber mir fehlt da etwas Distanz. Außerdem hätte ich gern etwas mehr über Deep Mind und neuronale Netzwerke erfahren. Aber die gute Nachricht: "Game Changer" gibt’s jetzt auch auf Deutsch: "Zeitenwende im Schach"

Fernando Offermann

Berliner Schachverband

August 2020


Im vergangenen Jahr ist im Verlag New-in-Chess mit Matthew Sadler & Natasha Regan "Zeitenwende im Schach“ (gebunden, 416 Seiten) ein äußerst bemerkenswertes Buch erschienen. Bemerkenswert ist nicht nur Form und Inhalt, sondern insbesondere der Gegenstand des Werkes: Die künstliche Intelligenz namens "AlphaZero“ von DeepMind.

Dieses Programm unterscheidet sich völlig von den bis dato existierenden Schachprogrammen, gegen die schon lange kein menschlicher Spitzenspieler mehr antritt. Während diese Programme ausgestattet sind mit einem gigantischen Eröffnungsbaum, auf einige Millionen Großmeisterpartien zurückgreifen und über perfekte Endspiel-Table-Bases verfügen, übermenschliches Wissen also, hat sich "AlphaZero“ das Schachspiel selbst beigebracht, wobei ihm weiter nichts eingegeben wurde als Informationen über die Zugmöglichkeiten der Figuren.

Für seinen Wettkampf gegen das PC-Weltmeisterprogramm "Stockfish 8“ hat er sich sein Schachwissen innerhalb von neun Stunden allein durch Partien gegen sich selbst beigebracht. In dieser Zeit hat er 44 Millionen Partien gespielt, mehr als 1000 Partien pro Sekunde, und dabei beständig die Parameter seiner neuronalen Netzwerke justiert. Letztlich besiegte "AlphaZero“ den PC-Weltmeister "Stockfish 8“ deutlich.

Mit dem Werk lernt der Leser auf der Grundlage dieser Partien diese die Schachwelt revolutionierende Künstliche Intelligenz (KI) kennen und wird von ihr enorm viel lernen.

Nachdem der Leser in Teil I kurz die Geschichte von "AlphaZero“ erfährt und in Teil II lernt, wie er denkt und welchen Stil er pflegt, nimmt sich Teil III auf der Grundlage der phantastischen Partien gegen "Stockfish 8“ ausführlich der Themen in "AlphaZeros“ Spiel an. Hier kommen seine Vorlieben, Figurenbeweglichkeit und planmäßigen Königsangriff, zur Sprache. Teil IV gibt Einblick in "AlphaZeros“ Eröffnungsrepertoire.

Als Fazit kann der Aussage von Ex-Weltmeister Kasparov nur zugestimmt werden: "Das Schachspiel wurde von 'AlphaZero‘ bis auf seine Grundfesten erschüttert!“ Ein grandioses Werk!

Heinz Däubler

Oberpfalz Medien

April 2020


Im August des Jahres 2019 habe ich "Game Changer“ von Matthew Sadler und Natasha Regan rezensiert. Das Werk war bei New In Chess (NIC) erschienen. Die Autoren hatten den phänomenalen Erfolg AlphaZeros über Stockfish in den Mittelpunkt ihrer Arbeit gestellt, die Thematik der Verbindung von Künstlicher Intelligenz und Schach aber auch allgemein detailliert aufgearbeitet. Herausgekommen war ein ausgezeichnetes Buch mit sehr gut aufbereiteten Partien, informativen Texten, Interviews, statistischen Daten, Vergleichen von Rechenergebnissen verschiedener Engines mit jenen von AlphaZero und einiges mehr. Die Kommentierung der Partien bezog sich nach meiner Feststellung sowohl auf das allgemeine Schachgeschehen auf dem Brett als auch auf Aspekte zum Thema Künstliche Intelligenz. In meiner Rezension konnte ich zudem auch noch feststellen, dass der Fernschachspieler zahlreiche Anhaltspunkte zur Verbesserung seines eigenen Computereinsatzes im Werk findet.

Es gab eigentlich nur einen Punkt in meiner Besprechung, der von Interessierten als Vorbehalt verstanden werden konnte - mein Hinweis, dass der Leser ordentliche Englischkenntnisse mitbringen sollte, wenn er möglichst unkompliziert mit dem Werk zurechtkommen will, da viel und zum Teil auch anspruchsvoller Text zu bewältigen ist.

Inzwischen aber ist das Werk in einer deutschen Übersetzung erhältlich, diese trägt den Titel "Zeitenwende im Schach“. Auch diese ist bei New In Chess erschienen.

Mit Harald Keilhack hat sich ein Übersetzer gefunden, der sehr viel vom Schach versteht. Dies ist dem Werk deutlich anzumerken. Ich habe nicht eine einzige Stelle entdecken können, an der eine Kommentierung inhaltlich offenbar durch die Übersetzung gelitten hat. Man kann dem Werk kaum anmerken, dass es sich um eine Übersetzung handelt.

Die von mir über das englischsprachige Original gefertigte Rezension lässt sich inhaltlich exakt auf die deutsche Übersetzung übertragen. Sie ist beispielsweise auf der Website des Deutschen Fernschachbundes e.V. und beim Geber des Rezensionsexemplars zu finden. Es macht also keinen Sinn, die damaligen Ausführungen zu wiederholen. Ein paar Punkte seien aber in Erinnerung gerufen:

Der besondere Reiz des AlphaZero-Projekts liegt darin, dass die Maschine nur die Regeln erhalten und ihr Schachwissen, also das Wissen zur Spielführung, in kürzester Zeit selbst erlernt hat. Das Programm spielt unzählige Partien gegen sich selbst und nutzt diese, um zu lernen und seine Züge zu finden. Damit ist AlphaZero ein echtes Beispiel künstlicher Intelligenz.

AlphaZero beeindruckte durch die Art und Weise seines Spiels und schien sich dabei nach Kräften zu bemühen, überhaupt nicht wie eine Engine zu wirken. So opferte es beispielsweise sogar Material, ohne dass sich ein klarer Rückgewinn berechnen ließ, spielte auf Aktivität, auf ein freies eigenes Figurenspiel mit offenen Linien und Diagonalen, auf Einengung des Gegners bis zur Passivität und manches mehr, was der modernen Spielauffassung entspricht.

Die Autoren Matthew Sadler und Natasha Regan hatten mit "Game Changer“ ein ausgezeichnetes Buch über AlphaZero gegen Stockfish, AlphaZero allgemein und über Künstliche Intelligenz und Schach vorgelegt.

Die Übersetzung "Zeitenwende im Schach“ sorgt dafür, dass dieses Werk nun auch demjenigen ohne jede Abstriche zur Verfügung steht, der nicht über überdurchschnittliche englische Sprachkenntnisse verfügt.

Wenn mir überhaupt etwas aufgefallen ist, was aus meiner Sicht hätte besser gemacht werden können, ist dies die fehlende Silbentrennung. So sieht der Text bisweilen etwas unprofessionell gesetzt aus, inhaltlich aber ist dies natürlich ohne Belang.

Fazit: "Zeitenwende im Schach“ ist eine ausgezeichnete deutsche Übersetzung eines ausgezeichneten Werkes.

Uwe Bekemann,

Deutscher Fernschachbund

April 2020


Rezensionen der englischen Originalausgabe "Game Changer":

Es wäre schon ein mittelschweres Wunder gewesen, wenn AlphaZeros Erfolg über Stockfish mit allem Drum und Dran nicht auch Auswirkungen auf den Büchermarkt haben würde. Und "Game Changer" von Matthew Sadler und Natasha Regan ist eine solche Auswirkung, und eine sehr gut gelungene sogar, wenn ich mir ein frühes Urteil erlauben darf. Erschienen ist dieses Buch 2019 bei New in Chess (NIC).

Aber der Reihe nach! Wer oder was Stockfish ist, werden die meisten Schachspieler wissen, zumindest wenn sie nicht nur gelegentlich mal zu Hause eine Feierabendpartie spielen, nämlich die aktuell stärkste Schach-Engine der Welt. Und diese Engine wurde von AlphaZero 2017 beeindruckend geschlagen. Aber AlphaZero ist doch auch ein Programm, das Schachzüge ermittelt. Ist es dann nicht einfach nur zu einem Wachwechsel an der Spitze der Engines gekommen? Nicht so ganz. Während Stockfish klassisch die Züge errechnet und dabei das von Menschen einprogrammierte menschliche Wissen zum Schach verwendet, hat AlphaZero nur die Regeln erhalten. In kürzester Zeit hat es sein Schachwissen, das Wissen zur Spielführung, selbst erlernt, ein Beispiel künstlicher Intelligenz. AlphaZero spielt unzählige Partien gegen sich selbst und nutzt diese, um zu lernen und seine Züge zu finden.

Beeindruckend war nicht nur der Erfolg AlphaZeros als solcher, sondern auch die Art und Weise seines Spiels. Das Programm zeigt Dinge, die als spektakulär zu bezeichnen sind. Es opfert Material, ohne dass sich ein klarer Rückgewinn berechnen lässt, dafür aber dynamische Werte erreicht werden. AlphaZero spielt auf Aktivität, auf ein freies eigenes Figurenspiel mit offenen Linien und Diagonalen, auf Einengung des Gegners bis zur Passivität und manches mehr, was der modernen Spielauffassung entspricht.

Matthew Sadler, Großmeister und erfahrener Autor, und Natasha Regan, Internationale Meisterin, beide aus England, haben sich mit "Game Changer" auf der Basis des einschneidenden Duells Stockfish gegen AlphaZero dem Erfolgsmodell AlphaZero insgesamt, dem Thema Künstliche Intelligenz, dem Computerschach und den Auswirkungen auf das Schachspiel gewidmet. Beigezogen haben sie auch mehr als zweitausend zuvor von AlphaZero gespielte Partien. So ist ein ungemein unterhaltsames, lehrreiches und bisweilen richtig spannendes Werk herausgekommen.

Das Buch ist 415 Seiten stark und in fünf Teile mit insgesamt 18 Kapiteln untergliedert. Die genannten fünf Teile tragen die folgenden Überschriften:

Teil 1: AlphaZero's history

Teil 2: Inside the box

Teil 3: Themes in AlphaZero's play

Teil 4: AlphaZero's opening choices

Teil 5: Conclusion.

"Inside the box" enthält zwei Kapitel mit den Überschriften "How AlphaZero thinks" und "AlphaZero's style - meeting in the middle"; für die weiteren Teile lässt sich aus der Überschrift recht gut ersehen, was jeweils behandelt wird.

Am meisten beeindruckt haben mich die acht Kapitel im Teil 3. Hier gehen die beiden Autoren analytisch anhand von Partien darauf ein, was AlphaZeros Spielstil auszeichnet bzw. kennzeichnet. Für bestimmte Merkmale stellen sie Beziehungen zu menschlichen Meistern her, die ebenfalls für sie bekannt sind.

Sadler und Regan arbeiten die Stationen heraus, die eine Partie genommen hat, und gehen auf die Schlüsselerkenntnisse aus der Spielführung ein. Hier entwickelt "Game Changer" eine besondere Stärke auch zur Verknüpfung des Ansatzes künstlicher Intelligenz und der Schachstrategie, wie wir sie kennen. Ich habe zwar immer ein leichtes Akzeptanzproblem, wenn ich lese, dass AlphaZero denkt oder einen Plan hat, aber bei einem menschlichen Spieler würde man genauso schreiben. Also ist es auch richtig so, selbst wenn AlphaZero wohl kaum einen Plan erdenkt, so wie wir dies tun.

Wenn ich die Schachstrategie besonders erwähne, heißt dies nicht, dass die Taktik zu kurz kommt. Die für mich spektakulärsten Situationen, die von den beiden Autoren auch ausgezeichnet herausgearbeitet werden, sind taktischer Natur - es ist schon klasse zu sehen, wie ein Computerprogramm Opfer spielt, die unser ästhetisches Auge ansprechen und deren Folgen nicht klar berechenbar sind, für uns schon gar nicht, und doch zum Erfolg führen.

"Game Changer" enthält sehr gut schachlich und auf das Thema Künstliche Intelligenz aufbereitete Partien, informative Texte, Interviews, statistische Daten, Vergleiche von Rechenergebnissen verschiedener Engines mit jenen von AlphaZero und etliches mehr.

Der Fernschachspieler erhält zudem zahlreiche Anhaltspunkte zur Verbesserung seines eigenen Computereinsatzes.

Da viel Text in englischer Sprache zu bewältigen ist und dieser auch bisweilen anspruchsvoll ist, sollte der Leser ordentliche Fremdsprachkenntnisse mitbringen, wenn er möglichst unkompliziert mit dem Werk zurechtkommen will.

Fazit: "Game Changer" ist ein ausgezeichnetes Buch über die Verbindung von Künstlicher Intelligenz und Schach im Allgemeinen und AlphaZero speziell, hier kristallisiert um das Duell gegen Stockfish.

Uwe Bekemann

www.BdF-Fernschachbund.de

August 2019


Neuro-Champion

Hier eine Besprechung in mehreren Zügen:

1. Teil

Der mehrdeutige Buchtitel lässt Innovatives erwarten. Game Changer, deutsche Übersetzung laut Langenscheidt: bahnbrechende Neuerung.

Gemeint ist das Artificial System AlphaZero, das Schach, Go und Shogi beherrscht. Das System wird als "groundbreaking" und "superhuman" beschrieben und als "promise of artificial intelligence". Stolze Worte, da muss man dann auch liefern. Hauptlieferant ist DeepMind, British Artificial Intelligence Company, London. Gehört mittlerweile zu Google bzw. Alphabet.

416 Seiten, reichlich Material für spielerische Gedanken, Provokationen des gesunden Schachverstandes oder eigene Grübeleien über AlphaZero:

Beginn einer wunderbaren Freundschaft oder Spielverderber? Können künstliche neuronale Netze wirklich denken?

Ausserdem gibts erstaunliche Züge und Partien, analysiert durch die beiden Autoren. Zudem erfrischende inhaltsvolle Interviews mit jungen herausragenden SuperhumanComputer-Verstehern sowie Ein- und Ausblicke von ihrem Chef Demis Hassabis mit schönen Sätzen, voller Optimismus.

Im englischsprachigen Raum erhält das Buch bereits viel Lob. Falls Sie sich selber einen Eindruck verschaffen wollen, hier im Buchangebot finden Sie eine ausführliche Leseprobe und können überprüfen, ob Ihre Englischlesefähigkeit textkompatibel ist.

Im Vorwort steht, man könne in beliebiger Reihenfolge im Buch zu lesen anfangen und sich ein Thema ansehen. Mich interessieren am meisten die künstlichen neuronalen Netze für Schach. Vor 30 Jahren hatte ich die Existenz und Spielweise von Neuro-Schachcomputern mit neuronalen Netzen vorhergesehen und dafür die theoretischen Konzepte veröffentlicht (siehe unten) - als die Technik noch lange nicht vorhanden war!

Also, neuronale Netze - suche das Stichwortverzeichnis - aber ist keines vorhanden, auch kein Literatur- und Quellenverzeichnis. Seltsam.

Deshalb hier schon mal eine Empfehlung, vielleicht gibts ja bald eine 2. Auflage oder deutsche Übersetzung des Buchs: Bitte ein Stichwortverzeichnis sowie Literatur- und Quellenverzeichnis einfügen!

Das verbessert die Lesbarkeit, Nützlichkeit und erhöht die Wissenschaftlichkeit.

Im Glossar steht lediglich (S. 411): "Neural Network A computersystem loosely modelled on the connections and neurons in the brain." Zu den neuronalen Netzen werde ich im Buch sicher noch Geistreiches finden.

Jetzt mache ich mir erst mal eine Englische Teemischung, spiele mit Vergnügen fehlerhaftes, altmodisches Menschenschach - danach lese und schreibe ich weiter.

Exkurs:

Solange ich im Game Changer auf der Suche nach der neuesten Darstellung von künstlichen neuronalen Netzen für Schach bin, hier ein Hinweis auf meinen wegweisenden Artikel von 1988.

Es ging mir damals schon um neuronale Architektur, künstliche neuronale Netze, Musterkennung nach Menschenart, selbständiges Lernen, assoziatives Gedächtnis und künstliche "Intuition im Schach.

Daraus entstand u.a. ein Artikel, der in Europas grösster Fachzeitschrift für Computerschach veröffentlicht wurde.

"Neuro-Schachcomputer - Spekulationen über zukünftige Generationen schachspielender Automaten" (Munzert, R. in Computerschach und Spiele, 1988, Nr. 5, S. 33-35). Dieser Artikel nahm einiges vorweg, was DeepMind und Google / Alphabet Jahrzehnte später beeindruckend verwirklicht haben.

2016 wurde dieser Artikel aufgrund seiner Aktualität (27Jahre später!) im Netz wieder veröffentlicht:

computerschach.de/wordpress/neuro-schachcomputer.

2. Teil

"Its construction is based on the way our brains are wired..." (Natasha Regan in Game Changer 2019, S. 404).

Das Gehirn ist schwer zu fassen. Milliarden verknüpfter Neuronen (Nervenzellen) können Erstaunliches leisten. Sogar "Elektronengehirne" erfinden: von klassischen hirnfreien Rechnern zu Neuro-Computern. Manche Computer haben kaum Ähnlichkeit mit unserem biologischen Wundergewebe. Andere schon, diese rechnen / "denken" mittels künstlicher neuronaler Netzwerke.

Neuronale Netze und Schach

Eine wesentlche Grundlage für den Erfolg von AlphaZero ist die Verwendung von neuronalen Netzen beim Schachspiel. AlphaZero und Vorgänger AlphaGo werden als "neural network based system" beschrieben (S. 19; vgl. S. 70).

An vielen Stellen des Buches finden sich Ausführungen zu neuronalen Netzen. So zur Positionsbetrachtung, Mustererkennung und Bewertung aktueller und möglicher Entwicklungen mittels gemachter "Erfahrungen" (S. 96-97): "AlphaZero uses a neural net... We have found time and time again that given enough capacity and training time the neural network will eventually figure out automatically which patterns are useful and which ones are not."

(S. 91): "In order to process a given chess position, the neural networks in AlphaZero turn the position into a long vector of numbers. These numbers are then processed through the many layers of the neural network."

Und wo sind die künstlichen Neuronen - real oder als Algorithmus? Hier kommen wohl TPUs ins Spiel: "Tensor Processing Units - specialist computer chips that were developed by Google specifically for machine learning" (S. 412). Superprozessoren also, bei denen Google verständlicherweise manches geheimhält.

Diese Rezension ist nicht der Ort, um menschliche und künstliche neuronale Netze darzustellen, ihre Gemeinsamkeiten, Ähnlichkeiten und Unterschiede aufzuzeigen. Im Buch wäre dies sicher ein weiterer Pluspunkt, deshalb noch eine Empfehlung: Für Leser, die sich bislang nicht mit biologischen und künstlichen neuronalen Netzen befasst haben, würde eine kurze Einführung mit Abbildungen solcher Netzwerke im Gehirn, in Computern und Systemen mit künstlicher Intelligenz das Verständnis von Neuro-Computing erleichtern.

Dies würde auch verhindern, dass Leser fälschlicherweise den Eindruck bekommen, Neuro-Computer und Systeme mit neuronalen Netzen seien eine Erfindung von DeepMind. Schon seit Jahrzehnten wird daran weltweit gearbeitet.

Auch die Konzeption von neuronalen Netzen, neuronaler Architektur und entsprechender Mustererkennung für Positionserfassung und -bewertung im Schach sowie selbständiges Lernen sind keine Idee oder Innovation von DeepMind. Ich weiss das ziemlich genau, weil ich die theoretischen Grundlagen dafür vor Jahrzehnten selbst konzipiert habe (siehe ersten Teil meiner Buchbesprechung). Die 3. Auflage meines Buches Schachpsychologie (weitverbreitetes Standardwerk) enthielt ab 1993 ein ganzes Kapitel (27) über mögliche Neuro-Schachcomputer mit künstlichen neuronalen Netzen, Neuro-Computing, Mustererkennung, selbständigem Lernen, künstlicher Intuition usw.

Der allgemeine Siegeszug von künstlichen neuronalen Netzen ist mittlerweile unaufhaltsam.

"How AlphaZero thinks" (S. 68)

Sadler & Regan schreiben "AlphaZero's thought processes are more human-like than traditional chess engines..." (S. 69).

An anderer Stelle sprechen sie von widerspiegeln: "mirrors a human thought process..." ( S. 95). DeepMinds Chef D. Hassabis, Computerwissenschaftler und Hirnfachmann, hingegen setzt 'think' in Anführungszeichen (S. 15).

Denken Neuro-Computer?

Denken oder nicht denken, das ist hier die Frage. Fest steht AlphaZero beherrscht grandiose Informationsverarbeitung. Aber rechnet der Neuro-Champ noch oder denkt er schon? Hängt natürlich davon ab, was man unter Denken versteht.

Wie denken Menschen: Vor allem sprachlich und bildhaft - sequenziell, parallel, wechselwirkend und teilweise unbewusst. Wie ist es bei Ihnen?

Was die Bild- und Musterverarbeitung anbelangt sind Neuro-Computer nach entsprechendem Training meist ausgezeichnet. Viele Neuro-Computer können bekanntlich auch Spracherkennung, -verarbeitung und -produktion.

Meine Meinung: Künstliche neuronale Netze sind wohl eine Schnittstelle zwischen Rechnen und "Denken". Für Künstliche Intelligenz sind sie unentbehrlich.

Spektrum der Wissenschaft titelte jedenfalls zutreffend: "Triumph der KI - Wie neuronale Netze die künstliche Intelligenz revolutionieren" (2018. Nr. 1).

Dr. Reinhard Munzert, März/April 2019


Als Garri Kasparow 1997 sein Match gegen Deep Blue verlor, wurde klar, dass wir Menschen uns im Schach bereits den Computern unterwerfen müssen. Mittlerweile ist es für niemanden mehr verwunderlich, dass er oder sie nicht einmal gegen sein Handy eine Chance hat, aber zumindest konnten wir uns bisher damit brüsten, dass die Maschinen von Menschen vorher ihre Feinheiten gelernt haben. Diese gaben ihnen ein Eröffnungsbuch und viele kleine und große strategische wie taktische Regeln, nach denen sie Stellungen einschätzen und miteinander vergleichen können. Seit 2017 ist aber auch diese letzte Freude vorbei. Stockfish 8, ein Vertreter dieser "alten Schule", verlor gegen die künstliche Intelligenz Alpha Zero, die sich Schach einfach nur durch das Spielen gegen sich selbst innerhalb von neun Stunden beibrachte. Als ich zuerst davon hörte, betete ich intuitiv ein "Skynet, Skynet" Mantra herunter und sah mir alle Terminatorfilme an, die ich kriegen konnte. Ich bin kein großer Fan von Computerschach, aber die veröffentlichten Partien waren wirklich interessant. Das befand auch Großmeister Matthew Sadler, schnappte sich Natasha Regan, mit der er bereits das hervorragende Buch Chess for Life" geschrieben hatte, und heraus kam "Game Changer", das nun bei New in Chess erschienen ist.

In dem Buch geht es ein wenig um die Geschichte des Computerschach, mehr um die Geschichte von Alpha Zero und am meisten natürlich um den Zweikampf gegen Stockfish 8. Dabei schauen sich die Autoren genau an, wo die Stärken von Alpha Zero liegen und auch, was wir Menschen aus seinen Partien mitnehmen können. Mir kam die künstliche Intelligenz einfach wie eine rohe Naturgewalt vor. Er sucht immer die Aktivität und schaltet am liebsten bereits früh auf Königsangriff um. Dafür werden auch oft Bauern oder Qualitäten geopfert, um die Aktivität zu kontrollieren. In einer Partie opferte er zum Beispiel mal eben drei Bauern, um sich das Läuferpaar zu sichern und, zusamen mit einer Dame und einem Turm, so gut zu koordinieren, dass Stockfish bald keine guten Züge mehr hatte. Das Ganze wirkt fast schon intuitiv. Dabei wird das "0,00"-Problem von Stockfish ausgenutzt, das sicher jedem schon einmal aufgefallen ist. Sehr oft zeigt die Engine in verschiedenen Stellungen einfach 0,00 an und suggeriert damit toten Ausgleich, ganz egal, ob die Stellung sehr ruhig und klar oder wild und undurchsichtig ist. Auch gegen Alpha Zero gab es viel 0,00 in der Anzeige, während dieser nicht in Bauerneinheiten rechnet, sondern eher mit Wahrscheinlichkeiten arbeitet, die in den wilden Stellungen dann doch irgendwie die genauere Einschätzung bieten. Jetzt kann ich endlich sagen, dass mir diese ganzen 0,00 schon immer suspekt waren, Alpha Zero sei Dank!

Zudem wird das Schaffen Alpha Zeros auch in einen menschlichen Kontext eingebettet und Großmeisterpartien mit jeweils ähnlichen Ideen präsentiert. Für mich war dies sowohl unterhaltsam als auch lehrreich und vor allem verständlich, was bei einem Computerlaien wie mir keine Selbstverständlichkeit war.

Darum kann ich das Buch voll und ganz empfehlen!

IM Dirk Schuh, März 2019

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