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Art.-Nr.: LOBEIUTLD
Vergriffen

Understanding the Leningrad Dutch

192 Seiten, kartoniert, Gambit, 2002.

16,95 €
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The Leningrad System of the Dutch Defence is an interesting hybrid of the Dutch and the King's Indian. For many years, it was viewed with some suspicion in view of the slight positional weaknesses created in Black's position. However, in the 1980s dynamic new approaches were introduced by such players as Sergei Dolmatov, Evgeny Bareev, Mikhail Gurevich and especially Vladimir Malaniuk. These players showed how an active approach could compensate for these defects, and offer Black excellent winning chances. Since then, the Leningrad has been a popular and effective opening choice for players of all levels.

A good understanding of the themes of the Leningrad is at least as important as detailed knowledge of its theory. Valeri Beim has a wealth of experience with the Leningrad Dutch and is an accomplished trainer, so is ideally qualified to guide the reader through the twists and turns of this remarkable opening.

The Leningrad System of the Dutch Defence is an interesting hybrid of the Dutch and the King's Indian. For many years, it was viewed with some suspicion in view of the slight positional weaknesses created in Black's position. However, in the 1980s dynamic new approaches were introduced by such players as Sergei Dolmatov, Evgeny Bareev, Mikhail Gurevich and especially Vladimir Malaniuk. These players showed how an active approach could compensate for these defects, and offer Black excellent winning chances. Since then, the Leningrad has been a popular and effective opening choice for players of all levels.

A good understanding of the themes of the Leningrad is at least as important as detailed knowledge of its theory. Valeri Beim has a wealth of experience with the Leningrad Dutch and is an accomplished trainer, so is ideally qualified to guide the reader through the twists and turns of this remarkable opening.

Details
Sprache Englisch
Autor Beim, Valeri
Verlag Gambit
Medium Buch
Gewicht 250 g
Breite 14,5 cm
Höhe 21 cm
Seiten 192
ISBN-10 1901983722
ISBN-13 9781901983722
Erscheinungsjahr 2002
Einband kartoniert
Diagramme 250
Inhalte

004 Symbols

005 Preface

008 Introduction

013 1Nf3 f5 without 2d4

021 1d4 f5: Gambits

042 White Avoids g3

061 Leningrad Dutch: Early Deviations

078 Leningrad Dutch with an Early b3 or b4

095 White Plays c4: Sidelines

107 Main Line with 7. ..c6

137 Main Line with 7. ..Qe8

169 Exercises

176 Solutions

187 Index of Variations

Der Titel lässt es vielleicht nicht sofort vermuten; aber es ist, wenn schon kein direktes Repertoirebuch, so doch vor allem ein Werk für den Schwarzspieler. Dabei werden keineswegs komplett alle Varianten behandelt (z. B. von den Hauptvarianten nur 7. -c6 und 7. -De8, die ineinander übergehen können; nicht aber das ganz anders geartete und heute weniger populäre 7. -Sc6), sondern der Autor hat, wie er selbst schreibt, vor allem die "typischen und kritischen" Momente ausgewählt. Deren Darstellung fällt wesentlich objektiver aus als in manchem typischen Repertoirebuch (sie scheint mir vor allem nicht vorsätzlich "schöngeschrieben", obwohl der Autor natürlich als Leningrad-Anhänger bestrebt ist, in allen Fällen Ausgleich bzw. ausreichendes Gegenspiel nachzuweisen), und auf die Auswahl kann man sicherlich auch ein gewisses Vertrauen setzen, denn Beim zählt zweifellos zu den erfahrensten und stärksten Leningrad-Spielern der Turnierszene. Es gibt auch eine ganze Anzahl (zumindest für mich) neuer Ideen und Empfehlungen bzw. Neubewertung gängiger Einschätzungen.

Der Titel "Understanding..." ist hauptsächlich so aufzufassen, dass der Autor sich bemüht, Varianten aufs Nötigste zu beschränken und möglichst viel allgemeine Anmerkungen zu bieten. Dabei entsteht natürlich immer die berühmte Geschmacksfrage des Lesers, aber m. E. ist die Mischung ganz gut so, als variantenintensiv würde ich nur einige Hauptsysteme (insbesondere 7. -De8) bezeichnen. Das Partie- und Variantenmaterial ist altersmäßig gemischt, aber durchaus viel Neues (so weit ich sehe, bis 2001) dabei. Zum Thema Verständnis gibt es ferner eine Sammlung von 35 Aufgaben zum Selberlösen, die mehr auf positionelles Verständnis als auf reines Variantenberechnen gerichtet sind.

Da das Buch auch weiße Abweichungen vom 1.Zug an (1. Sf3 f5) enthält, kann es mit Schwarz als komplette Repertoire-Grundlage benutzt werden; gerade bei den Nebenvarianten ist die Auswahl aber m. E. manchmal etwas zu selektiv oder zu wenig gründlich ausgefallen, so konnte ich z. B. das System 1. d4 f5 2. c4 Sf6 3. Sc3 g6 4. h4!? nicht finden (in mindestens zwei Büchern als praktisch chancenreich für Weiß empfohlen bzw. aus schwarzer Sicht gefürchtet) und man hätte sich als Schwarz vielleicht auch ein gutes Rezept gegen die berüchtigten Damenbauernspiele gewünscht, so weit sie auch gegen Holländisch anwendbar sind (z. B. verhindert 1. d4 f5 2. Sf3 Sf6 3. Lg5 mehr oder weniger den typischen Leningrader Aufbau).

Sicherlich kein Buch für Anfänger und wohl auch nicht für die absolute Top-Etage, aber für den Großteil der Turnierspieler, vor allem wenn sie schon auf einer etwas höheren Ebene spielen, wo ein qualifiziertes Eröffhungsrepertoire unerlässlich ist.

Gerd Treppner, Rochade Europa 12/2002

jffrr

Ein nicht eben glücklicher Umstand, dass nach längerer Ebbe zum Thema (Ehlvest The Leningrad Dutch, Batsford 1993, ist ein ziemlich phantasieloses Variantenverzeichnis) zeitgleich zwei ganz ähnliche Bücher auf den Markt gekommen sind. Beide Autoren begegnen der Stoffvielfalt einerseits durch den Repertoireansatz, andererseits durch starke Selektion des Materials Im Mittelpunkt stehen die Partien von Malanjuk, der für die moderne Interpretation des Leningrader Systems weitgehend verantwortlich zeichnet, sowie die der Autoren. Obwohl nur ein Bruchteil der gespielten Meisterpartien erwähnt wird, zitieren Beim und Kindermann zu einer bestimmten Variante ziemlich häufig dieselbe Partie. Beim bringt auch einige Partien von Kindermann und umgekehrt! Anstelle von Datenbankexzessen nehmen Autoranalysen einen großen Raum ein, bei Kindermann noch etwas mehr als bei Beim Behandelt wird, samt weißer Abweichungen, 1. d4 f5 2. g3 Sf6 3. Lg2 g6 4. Sf3 Lg7 5. 0-0 0-0 6. c4 d6 7. Sc3, und nun ausschließlich 7. ...De8 (Kindermann) bzw. schwerpunktmäßig 7. ...De8 und kurzer 7. ...c6 (Beim), beide klammern 7. ...Sc6 8. d5 Se5 9. Se5: d:e5 mit veränderter Struktur aus. Unglücklich für Kindermann verläuft die erste Stichprobe anhand meiner letzten eigenen Partie gegen den Leningrader mit 6. b3 d6 7. Lb2 De8 8. Sbd2 Sc6 9. Te1 h6. Kindermann erwähnt hier nur das schwache 10. c4?!, Beim hingegen räumt nach 10. e4 f:e4 11. Se4: Se4: 12. Te4 (wie auch meiner Partie) Möglichkeiten für einen leichten weißen Vorteil ein und empfiehlt deswegen 9. ... e5 Kommentarlos setzt er mit 10. e4 fort, dabei ist 10. d:e5 laut meiner Datenbank fünfzehnmal gespielt worden (darunter von zwei GMs und ein paar IMs), das für Beim selbstverständliche 10. e4 nur elf mal. Indessen, mit deutlich größerem Erfolg als 10. d:e5. Ein Gegenbeispiel: 1. d4 f5 2. Sc3 Sf6 3. Lg5 d5 4. Lf6 e:f6 5. e3 Le6, und Beim benennt 6. Df3 ("klar das beste"), 6. Sge2 und 6. Lb5+!?; der Zug 6. Ld3 (laut meiner Datenbank in 136 von 178 Fallen gespielt und bei Kindermann die Hauptlinie) wird nicht einmal erwähnt. Klar, Alternativen für die "eigene" Seite darf man in einem Repertoirebuch weglassen, aber die Normalzüge der Gegenseite muss man doch besprechen! Dies ist ein krasser Fall, aber insgesamt sind in Büchern, die nicht einfach nur Partiezitat an Partiezitat reihen, Auslassungen typisch und unvermeidbar - kein Vorwurf an die Autoren, das ist quasi systemimmanent. Der Leser sollte sich aber bewusst sein, dass gut spielbare und von Meistern erprobte Züge oft nicht einmal erwähnt werden, letztlich aus Platzgründen.

Kindermann sammelt Pluspunkte mit einem umfangreichen Literaturverzeichnis, ganz speziell hat er sich einige Empfehlungen gegen die Leser des Khalifman-Werkes (s. u. ) ausgedacht. Bei Beim ist jedwede Fremdreferenz Fehlanzeige, anscheinend hat er nur mit Datenbanken gearbeitet. Eindrucksvoll auch die Ausführungen von Kindermann, dass h7-h6 + g6-g5 von vielen Leningrad-Jüngern standardmäßig gespielt - nur in den selteneren Fallen gut ist; er zeigt viele Möglichkeiten auf, stattdessen am Damenflugel zu Gegenspiel zu kommen. In didaktischer Hinsicht überzeugen beide, nicht nur mit den Erläuterungen im Haupttext, sondern dazu mit 35 Trainingspositionen (Beim) bzw. 20 Seiten Einführung mit typischen Ideen und Motiven (Kindermann). Interessant ist bei Beim der Kompromiss zwischen den beiden verbreiteten Arten, ein Eröffnungsbuch zu gliedern. Üblich sind entweder Musterpartien mit eingestreutem Ergänzungsmaterial (so auch bei Kindermann) oder aber der klassische Variantenbaum. Beim verwendet den Variantenbaum, lässt aber jede Hauptlinie in eine komplette Partie münden.

Beim und Kindermann geben auch Rezepte gegen allerlei Nebenvarianten wie 1. d4 f5 2. Sc3 2. e4, 2. Lg5 usw , auch 1. Sf3 f5 2. e4 kommt bei beiden zur Sprache. Die englische Formation mit 1. c2-c4, ohne d2-d4, sondern mit d2-d3 und späterem e2-e4 wird bei Kindermann besprochen, bei Beim nicht. Das Kindermann-Buch hält daher sogar mehr als der Untertitel verspricht: Eine Waffe nicht nur gegen 1. d4, sondern auch gegen 1. Sf3, 1. c4 und 1. g3. Ein paar Worte zur Produktion. Das Buch von Beim ist in der etwas schlichten, aber effizienten Art von Gambit layoutet; sachlich, solide. Chessgate bietet wertvolleres Papier und den künstlerisch-verspielten Schriftsatz von Ulrich Dirr. Ich hatte mich schon anlässlich der Endspieluniversität (Schach 9/2002) kritisch darüber geäußert. Hier noch eine Besonderheit: Die Ziffern 3, 4, 5, 7 erscheinen tiefgestellt, 1, 2, 6, 8 auf normaler Höhe. Ich weiß nicht, ob das besonders ergonomisch sein soll oder aber der letzte Designerschrei ist. Bei höchstens 37 Zeilen pro Seite (im Unterschied zu regelmäßig 41 bei Beim) steht trotz größeren Formats und einzelner sehr kleingedruckter Zeichen bei Kindermann weniger Text auf einer Seite als bei Beim. M. E. wird das Auge durch die diversen Spielereien mehr verwirrt, z. B. was die intuitive Wahrnehmung von Gliederungsebenen angeht. Aufgrund tiefer Einsicht durch herausragende Praktiker der Variante sind beide Bücher zweifelsfrei zu empfehlen, trotz der kleineren Mäkeleien; wobei im Zweifelsfall natürlich der einheimischen Produktion der Vorrang zu geben wäre. Leider überschneidet sich vieles, die Spielvorschläge selbst in den Nebenvarianten weichen eher in Details voneinander ab. Zudem kommt für den Weißspieler Band 3 der Khalifman-Reihe in Betracht; die kritischen Abspiele werden dort kaum weniger detailliert besprochen, darüber hinaus findet man noch Rezepte gegen andere Holländisch-Spielarten wie Iljin-Genewski oder Stonewall.

Harald Keilhack, Schach 01/2003

Der in Österreich lebende und (auch) in der Bundesliga beim TV Tegernsee aktive GM Valeri Beim ist zugleich ein Schach-Trainer von hoher Reputation (u.a. coachte er das israelische Schacholympiade-Team) und überdies beginnt er sich auch als Autor einen Namen zu machen: In seinem zweiten Schachbuch befasst er sich mit der Leningrader Variante der Holländischen Verteidigung, welche er selbst gerne und erfolgreich anwendet. In Vorwort und Einleitung (S. 5-12) gibt der Autor allgemeine Tipps zum Studium der Eröffnungstheorie und weist auf die Verwandtschaft der Leningrader Variante mit dem Königsindischen hin: Schwarz nimmt positioneile Schwächen in Kauf um sein dynamisches Spiel gegen den kurz rochierten weißen König voll zur Geltung bringen zu können. Eine solche Spielweise birgt natürlich Risiken, und Jeder Zug will genau bedacht sein. In den einzelnen Kapiteln präsentiert Beim über die theoretischen Erörterungen hinaus vollständige Partien aus den letzten 12 Jahren (insgesamt 78, davon vier eigene, die Mehrzahl jedoch von den renommiertesten Spezialisten GM Malanjuk, Dolmatow, Bare-jew, M. Gurewitsch und Kindermann), um die mögliche Entwicklung der Ereignisse über die Eröffnungsphase hinaus zu veranschaulichen. So bespricht er folgenden Stoff:

1) 1.Sf3 f5 2.d3 bzw. 2.e4 ohne frühzeitiges d4, was den Schwarzen aus seinem angestrebten Fahrwasser heraus bringen soll (S. 13-20);

2) Die Gambits 1.d4 f5 2.g4(?) und 1.d4 f5 2.e4 (S. 21-41);

3) Weiß vermeidet g3 und das Königsläuferfianchetto (S. 42-60);

4) Frühe Abweichungen vom Hauptspiel 1.d4 f5 2.g3 Sf6 3.Lg2 g6 und nun 4.h4/ 4.Sd2/ 4.Sh3/ 4.c4 ohne Sf3/4.c3 (S.61-77);

5) Frühzeitiges b3 oder b4, also nach 4.Sf3 Lg7 5.0-0 0-0 nun 6.b3 bzw. 6.b4 (S. 78-95);

6) Nebenwege nach 6.c4 d6: 7.b3 oder 7.Sc3 (S. 96-106);

7) Solchermaßen über die diversen Abweichungen informiert, kann sich der beflissene Leser nunmehr in die Hauptvariante stürzen: 1.d4 f5 2.g3 Sf6 3.Lg2 g6 4.Sf3 Lg7 5.0-0 0-0 6.c4 d6 7.Sc3 c6 mit den Fortsetzungen 8.Tb1/ 8.Te1/ 8.Dc2/ 8.b3/ 8.d5 (S. 107-136);

8) Hauptvariante mit 7...De8. wird am häufigsten gespielt; hier beleuchtet der Autor die Abspiele nach 8.Db3/ 8. Te1/ 8.Sd5/ 8.b3/ 8.d5 (S. 137-168). Im letzten Kapitel schließlich stellt Beim noch 35 mehr oder weniger typische Leningrad-Stellungen in der Form von Übungsaufgaben vor, wobei der Leser die wahrscheinliche Fortsetzung angeben soll. Die Lösungen folgen gleich im Anschluss (S. 169-188). Wohltuend wirkt, dass der Verfasser den Leser nicht mit einer Unzahl von Abspielen sozusagen allein lässt, sondern dass er an vielen Stellen ausführliche Erläuterungen gibt, die Wesentliches zum Verständnis (wie ja schon der Buchtitel besagt) dieser sehr komplexen und anspruchsvollen Eröffnung beiträgt - allerdings muss der deutsche Leser dazu sein Schul-Englisch bemühen ...

Hat er dieses "noch drauf und liebt er beim Schach das Risiko schon von den ersten Zügen an, so liegt er mit Beims sorgfältig durchforschtem Leningrad-Holländer goldrichtig! Wie leicht man hier selbst mit einer wahrscheinlich zu Hause vorbereiteten Variante(l) herein-fallen kann, beweist die Partie Jakowitsch - Malaniuk, Sotschi 1997: 1.d4 f5 2.g3 Sf6 3.Lg2 g6 4.Sf3 Lg7 5.0-0 0-0 6.c4 d6 7.Sc3 c6 8.d5 e5 9.d:e6 L:e6 10.Db3?! b5 11.Sd4 L:c4 12.Dc2 b4! 13.Se4? L:e4 14.S:c6 Dc7! 15.D:c4+ Tf7! 16.Sa5 D:a5 17.Dc8+ Tf8 18.Db7 Sa6 0:1 (S. 129f).

Dr. W. Schweizer Rochade Europa 3/2003, S. 99 Moden kommen und gehen. Kleider der 70er Jahre trägt man wieder, die 80er Jahre amüsieren in Fernsehshows und im Schach tauchen Eröffnungssysteme der 90er Jahre plötzlich im Blickfeld theoretischer Diskussionen auf. Das Lenigrader System der Holländischen Verteidigung erlebte Mitte der 80er bis Mitte der 90er Jahre einen Boom. Doch dann kehrten die meisten Spitzenspieler ihm den Rücken zu; etliche Abspiele versprachen zu wenig Gewinnchancen. Außerdem geht gerade auf hohem Level verstärkt die Furcht um, "auspräpariert" zu werden. Beispielsweise ist es ein riskantes Unterfangen geworden, Grünfeld-Indisch gegen Weiß-Spezialisten auf das Brett zu bringen. Das Bundesligateam der Neuköllner Schachfreunde "untersagte" daher seinem IM Stephan Berndt, für die Dezemberrunde 2002 gegen den HSK'ler Lubomir Ftacnik diese Eröffnung zu erwägen. Mit der Alternative Katalanisch verblüffte er und landete einen feinen Sieg (siehe SM 64, Nr. 24/2002, S. 659). Vielseitigkeit hat notgedrungen Konjunktur. Taugt das Leningrader System vielleicht ebenfalls als Überraschungswaffe? Zwei Ende 2002 zeitgleich veröffentlichte Neuerscheinungen der Holländisch-Experten Stefan Kindermann und Valeri Beim legen die Vermutung nahe. Aber es gibt nicht nur Optimisten. Der 1931 in Leningrad geborene Viktor Kortschnoi, der die Variante in seiner Jugend unzählige Mal gegen die lokalen Theorietüftler Kiril Winogradow, Nikolai Kopylow und Jewgeni Kusminich testen konnte, ist auch nach einem halben Jahrhundert nicht vollständig überzeugt, wie er anlässlich seiner Partie gegen Sergej Dolmatow bei der FIDE-WM in Las Vegas 1999 ausführte (seine Aussage bezieht sich auch auf das Stonewall-System): "Bei meiner Vorbereitung bemerkte ich ... zwei Aufbautypen, die sehr aktiv sind, aber nicht in Mode und sicher nicht hundertprozentig korrekt. Eine merkwürdige Wahl, hinter der ich einen psychologischen Hintergedanken vermute. Die meisten Großmeister haben eine Abneigung gegen zweifelhafte Eröffnungen. Sie wünschen sich, ihren unvorsichtigen Gegner dafür so rasch wie möglich zu bestrafen. Unbewusst sagen sie sich: Wie konnte er es wagen, mir diese Eröffnung vorzusetzen? Dabei hat Schwarz diese Eröffnung natürlich sorgfältig analysiert. Enttäuschungen erwarten den Weißspieler, denn mit Routinemanövern ist dieses vermeintlich zweifelhafte System nicht zu widerlegen." (Meine besten Kämpfe, Band 1: Partien mit Weiß, Edition Olms 2001,S. 196)

Dennoch sind die beiden Autoren überzeugt, dem Schwarzspieler eine effektive Erwiderung anzubieten.

- Kindermanns Titel lautet "Leningrader System - Eine Waffe gegen 1. d4"

- Beims Werk nennt sich "Understanding the Leningrad Dutch - An experienced chess trainer's guide to a dynamic opening System"

Die Intention ist klar: Hier wird vorwiegend auf die Schwarzsicht fokussiert. Das erfordert auch die Bereitstellung der Seitenpfade, auf die der Weißspieler den Nachziehenden schicken kann. Außerdem verlangt der Leser heute, dass ihm mehr als eine bloße Materialzusammenstellung geboten wird. Die taktischen Knackpunkte und die strategischen Konzepte sollten so dargestellt werden, dass eine zügige Wissensaneignung möglich ist; Empfehlungen und Warnungen sind erwünscht.

Präsentationskonzepte

Beide Repertoirebücher tragen diesen Ansprüchen Rechnung. Die Variante mit 7. ...De8 steht jeweils im Mittelpunkt, wobei Beim allerdings der Alternative 7. ...c6 mit 30 Seiten einen gleichen Rang gibt. Dem Damenmanöver widmet der jetzt in Österreich beheimatete ehemalige Trainer der Schachschule im ukrainischen Odessa 32 Seiten, während Kindermann 47 Seiten bringt. In seiner überaus lesenswerten Einführung zeigt der in München wohnhafte Österreicher, warum vor genau 20 Jahren eine neue Zeitrechnung für die Holländische Verteidigung begann. Es geschah auf der damals prestigeträchtigsten Bühne, dem 50. Championat der Schachweltmacht Sowjetunion, als der relativ unbekannte Wladimir Malanjuk einen der besten Spieler des Landes, Alexander Beljawski, mit einer völlig neuen Spielanlage überraschte.

Holländisch A87

A. Beljawski - W. Malanjuk

UdSSR-Meisterschaft, Moskau 1983 1. d4 f5 2. g3 d6 3. Sf3 g6 4. Lg2 Lg7 5. 0-0 Sf6 6. c4 0-0 7. Sc3 De8 Der "Paukenschlag", wie es Kindermann nennt. Absichten, die bei der Premiere noch nicht zum Zug kamen, sind die Unterstützung von e7-e5 und der Damenschwenk zum Königsflügel. In der Partie unterstreicht das spätere Erscheinen der Dame auf b5 die Multifunktionalität des Manövers. 8. d5 Sa6 9. Sd4 Ld7 10. e3 c6 11. b3 Sc7 12. Lb2 c5 13. Sde2 b5 14. Dc2 Tb8 15. Tac1 bxc4 16. bxc4 Sg4 17. La1 Se5 18. Sd1 La4 19. Dd2 Sxc4 20. Txc4 Lxa1 21. Sdc3 Lb5 22. Sxb5 Dxb5 23. Tfc1 Lb2 24. T1c2 Lf6 25. Sd4 Da6 26. Sc6 Tb6 27. h4 Sb5 28. Lf1 Sa3 29. Tf4 Db7 30. Te1 Tb2 31. Da5 Txa2 32. Td1 Db3 33. Da4 Tb2 34. Te1 Ta8 35. Da5 Sb1 36. g4 fxg4 37. Txf6 exf6 38. Dc7 Txf2 39. Kxf2 Db2+ 40. Le2 g3+ 41. Kf3 0:1

Dieser Klassiker mit seinen innovativen Figurenaktionen infizierte eine ganze Generation von russischsprachigen Spitzenspielern, z. B. Jewgeni Barejew, Michail Gurewitsch, Igor Glek, Alexander Onischuk, Sergei Dolmatov sowie Alexei Vyzmanawin, und sogar der heutige Weltmeister Wladimir Kramnik baute auf diese Eröffnung. In Deutschland sind - neben Kindermann -Christopher Lutz und Romuald Mainka aus der Großmeistergilde als Verfechter zu nennen.

Vergleicht man die 189 Seiten von Beim mit den 201 Seiten von Kindermann, so kommt man in etwa auf die gleiche Informationsmenge. Neben der größeren Anzahl Seiten, ist das Chessgate-Buch auch größer im Format, aber eben auch optisch großzügiger im Layout. Für die grafische Gestaltung zeichnet FM Ulrich Dirr, der Koautor von Kindermanns Buch zur französischen Winawer-Variante verantwortlich. Doch man sollte sich nicht an diesem viel gelobten Werk orientieren. Dort wurde höchst aufwendig ein Erläuterungspartienteil und eine Schachenzyklopädie-ähnliche Tabellendarstellung verwoben. Heuer kommt es zur Konzentration auf Modellpartien. Kindermann führt seinen 25 Beispielen umfassendes Material mit vielen Analysediagrammen zu. Beim geht im Stile früherer Eröffnungswerke vor, indem er Varianten in zig Unterabschnitte unterteilt und ab einem gewissen Punkt in eine Referenzpartie münden lässt. Varianten, die er als eigenen Strang ausführt, werden bei Kindermann häufig in die Partie eingebaut, wobei die Entwicklungstendenzen ebenfalls kritisch mit reichlich Eigenanalysen thematisiert werden. Erfreulicherweise legen beide großen Wert auf textliche Ausführungen.

Selektivität und Urteile

Kommt ein Schwarzspieler neu zum Leningrader System, hat er einige Arbeit vor sich. Beide Autoren räumen deshalb auch seltenen Zugfolgen gebührend Platz ein (z. B. 17 bzw. 21 Seiten zum Staunton-Gambit und 2. g4). Die Urteile sind nicht immer einhellig. Dies liegt u. a. daran, dass Beim mit Bewertungen wesentlich zurückhaltender ist, während Kindermann dezidiertere Aussagen trifft, die er zudem sehr verständlich erklärt. In dieser Hinsicht hat der Einsteiger und derjenige, der seine älteren Theoriestände überprüfen will, bei der deutschen Produktion einen schätzbaren Vorteil. Kindermanns "Radikalität" zeigt sich insbesondere in seiner Präferenz für Malanjuks "Kopfgeburt", dem dynamischen 7...De8. Beide Autoren lassen das früher ebenfalls gespielte 7... Sc6 weg, da es nach 8. d5 Se5 oder Sa5 "positionelle Defekte" aufweist. Kindermann plädiert zudem gegen 7...c6, was solide ist, aber dem Schwarzen seiner Meinung nach kaum Gewinnchancen verspricht. Beim bleibt wertneutral, was allerdings wenig motivierend klingt: "7...c6 ist an dieser Stelle flexibler als andere Züge, da es Weiß keine Möglichkeit zu einem schnellen Angriff gibt und Schwarz eine relative Vielfalt an möglichen Figurenaufstellungen lässt. Mit diesem Zug zögert Schwarz den direkten Kontakt mit dem Gegner hinaus, was im Gegenzug die weißen Wahlmöglichkeiten im 8. Zug vergrößert." (S. 107)

Über die Richtung der Partie entscheidet Weiß auch bei 7...De8 - fünf Optionen sind gängig (8. Db3, 8. Te1, 8. Sd5, 8. b3 und 8. d5). In dieser Gegenüberstellung ist die Bilanz Kindermanns ebenfalls überzeugender. Beim liefert zwar in Mittelspielpositionen zwischen Zug 10 und 20 punktuelle Hinweise über den Wert der Varianten; es mangelt jedoch an Empfehlungen und Resümees. Hier riskiert Kindermann mehr. Vor allem setzt er die Akzente treffender: 22 Seiten für 8. d5 sind wichtig, denn beim Schwarzspieler- und insbesondere dem Einsteiger - hinterlässt der Raumgewinn im ersten Moment immer ein bedrückendes Gefühl. Redlicherweise korrigiert Kindermann eine frühere Fehleinschätzung seiner Videoproduktion zum Leningrader System (Rezension veröffentlicht in der Ausgabe 6/2002 auf Seite 160). Nach 7. ...De8 8. d5 Sa6 9. Tb1! c5 10. dxc6 bxc6 11. b4 Ld7 12. a3 Sc7 13. Lb2 Se6 sieht er das Bauernopfer 14. c5! als Problemfall. Beim belässt es beim Darstellen der Sachlage und äußert beispielsweise zu 14. ...Se4 15. Db3 d5 16. Sxe4 fxe4 17. Se5 Lc8 18. f3! (aus Antunes - Zhang Zhong, Macau 1999), dass "schwer zu sehen ist, wo Schwarz eine Verbesserung finden kann. " Der Leser bleibt ohne Hilfe allein. Mit dem alternativen 8. ...a5 ist er bei Kindermann auf 17,5 Seiten gut versorgt, Beim ist hier mit einer halben Seite keine Hilfe. Ähnlich ergeht es dem Wissbegierigen bei einer Empfehlung Kindermanns für den Weißspieler: 8. Te1 ist auserkoren mit der Zugfolge 8...Df7 (ein wichtiger Tempogewinn, da c4 angegriffen ist) 9. b3 Se4 10. Lb2 Sc6 11. Te1! (das von Beim als Paradebeispiel gewählte 11. Dd3 hält Kindermann anhand eigener Spielpraxis für harmlos) 11...e5 12. dxe5! dxe5 (Beim zeigt an, dass auf c3 getauscht werden kann, untermauert das aber nicht mit einem Abspiel, während Kindermann die Option unerwähnt lässt) 13. Sxe4! fxe4 14. Sg5 Dxf2+ 15. Kh1 Td8 16. Dc2 De3 17. Sxe4 Lf5 18. Dc3 Dxc3 19. Lxc3 Lh6 20. Tcd1 Sd4 21. g4! mit positionellem Vorteil, da die Leichtfiguren zurückgedrängt werden (Partie Filippow -Popatow, Elista 2001). Eine mögliche Reparatur sieht Kindermann in 18... Lh6 19. Dxe3 Lxe3 20. Tcd1 Kg7, was von der aufstrebenden 18-jährigen Nadeshda Kosintseva bei der russischen Frauenmeisterschaft 2002 gespielt wurde. Doch solche riskanten Beispiele sollten den Schwarzspieler nicht unbedingt abschrecken. Welche Eröffnung ist überhaupt perfekt? Jedenfalls liegen gerade für Um- und Einsteiger zwei neue Standortbestimmungen mit unterschiedlichen Vorzügen bereit. Beim offeriert eine materialreiche Rundumschau und liefert einen beispielhaften Übungsteil mit 35 Aufgaben, die didaktisch gut bei kritischen Übergängen zum Mittelspiel ansetzen. So etwas fehlt bei Kindermann, der allerdings die grundsätzlichen Motive und Idee besser skizziert. Dieser Teil könnte bei Bedarf für Trainingszwecke in Frageform weiterentwickelt werden. Ein Lesegenuss ist der achtseitige historische Aufriss "Der Weg zur Hauptvariante", der auch Zugfolgenproblematik thematisiert. Zum Arbeiten ist der Personen- und Partienindex ein nützliches Hilfsmittel, dieser fehlt bei Beim leider. Aufgrund seiner klareren Positionierung kann dem Kunden das zudem preisgünstigere Chessgate-Buch empfohlen werden. Der Experte wird sicher mit kritischem Blick das Gambit-Buch zur Spiegelung der Kindermannschen Thesen heranziehen. Für das Maßschneidern einer Überraschungswaffe reicht Kindermanns Buch. Wer einen Repertoirewechsel plant, der sollte doppelt investieren.

Harald Fietz

Schachmagazin 64 13/2003

Understanding the Leningrad Dutch

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16.95