Währung:
Sprache:
Toggle Nav
Tel: (02501) 9288 320

Wir beraten Sie gern!

Wir sind für Sie da

Versandkostenfrei

Innerhalb Deutschlands ab 50 €

Warenkorb Warenkorb
Artikelnummer
LEDVODEU

Die Endspiel Universität

518 Seiten, gebunden, Jussupow, 4. Auflage 2010, Erstauflage 2002

31,90 €
Inkl. 5% MwSt., zzgl. Versandkosten

4. Auflage des legendären Endspielklassikers.

Seitenzahl und Umschlag unverändert; Inhalt vom Autor korrigiert.

--------------------------------------------

Das Endspiel-Standardwerk des berühmten Schachtrainers. Der Erfolgsautor und Toptrainer bietet mit seiner Endspieluniversität einen kompakten und umfassenden Überblick über alle wichtigen Endspielthemen. In jeder Endspielgattung werden die entscheidenden Verfahren und Prinzipien von außerordentlich tiefschürfenden und hochklassigen Analysen begleitet. Dworetski gelingt hier das Kunststück, aus der verwirrenden Vielfalt des Endspiels klare Essenz zu destillieren.

Um Artur Jussupow, einen der Meisterschüler von Mark Dworetski zu zitieren: ".. Mark hat eine Methode entwickelt, die einen talentierten Spieler von ELO 2200 in vier bis fünf Jahren zum Großmeister katapultieren kann. Ein wesentlicher Teil der Arbeit besteht dabei im Studium des Endspiels Mark glaubt fest daran, daß die Endspieltechnik einen universalen Wert besitzt. .."

Weitere Informationen
Gewicht 1,125 kg
Hersteller Jussupow
Breite 17,2 cm
Höhe 24,5 cm
Medium Buch
Erscheinungsjahr 2010
Autor Mark Dworetski
Sprache Deutsch
Auflage 4
ISBN-13 9783933365200
Jahr der Erstauflage 2002
Seiten 518
Einband gebunden

1. Bauernendspiele

0011.1 Schlüsselfelder

0031.2 Korrelierende Felder

003 1.2.1 Opposition

008 1.2.2 Verminte Felder

010 1.2.3 Dreiecksmanöver

013 1.2.4 Andere Fälle der Zuordnung

0171.3 König gegen Freibauer

017 1.3.1 Die Regel des Quadrates

018 1.3.2 Die Reti-Idee

021 1.3.3 Das wandernde Quadrat

023 1.3.4 Drei verbundene Bauern

0241.4 Dame gegen Bauern

024 1.4.1 Springer- oder Zentrumsbauer

025 1.4.2 Rand- oder Läuferbauer

0281.5 Das Bauernrennen

0311.6 Der aktive König

031 1.6.1 Zugzwang

032 1.6.2 Erweiterung der Operationsbasis

035 1.7 Die Marschrouten des Königs

035 1.7.1 Der Zickzacklauf

036 1.7.2 Das Pendel

037 1.7.3 Bodycheck

0391.8 Der Durchbruch

0441.9 Der entfernte Freibauer

0461.10 Festgelegter Randbauer und Mehrbauer am anderen Flügel

0531.11 Der gedeckte Freibauer

053 1.11.1 Zwei Bauern gegen einen

054 1.11.2 Endspiele mit mehreren Bauern

0561.12 Die Sprengung

0581.13 Zwei verbundene Freibauern

0601.14 Patt

060 1.14.1 Die Pattzuflucht

062 1.14.2 »Halbpatt«

0631.15 Reservetempi

063 1.15.1 Das Ausnutzen der Reservetempi

066 1.15.2 Die Steinitz-Regel

067 1.15.3 Bauern »g« und »h« gegen »h«

069 1.15.4 Bauern »f« und »h« gegen »h«

073 1.15.5 Mehrtempi auf beiden Seiten

2 Springer gegen Bauern

0772.1 König in der Ecke

077 2.1.1 Matt

077 2.1.2 Remis Stellungen

079 2.2 Springer gegen Randbauern

0822.3 Der Springer verteidigt den Bauern

3 Springerendspiele

0873.1 Das ablenkende Springeropfer

0873.2 Die Botvinnik-Formel

0933.3 Bauern auf einem Flügel

4 Läufer gegen Bauern

0954.1 Elementare Festungen

095 4.1.1 Läufer und Randbauer

099 4.1.2 Bauernpaar h6/h7

101 4.1.3 Bauernpaar g6/g7

102 4.1.4 Läufer h7 + Bauer g6

1034.2 Läufer gegen Einzelbauern

1054.3 Läufer gegen verbundene Bauern

5 Ungleichfarbige Läufer

1095.1 Die wichtigsten Gesetzmäßigkeiten

1115.2 Läufer und zwei verbundene Freibauern gegen Läufer

116 5.3 Vereinzelte Freibauern

1205.4 Der König blockiert den Freibauern

124 5.5 Der Läufer hält den Freibauern

6 Gleichfarbige Läufer

1296.1 Minimales Material

129 6.1.1 Läufer und Bauer gegen Läufer

130 6.1.2 Der Übergang zu Stellungen mit einem Bauern

133 6.1.3 Sperre

1356.2 Schlechter Läufer

135 6.2.1 Festlegung der Bauern

136 6.2.2 Zugzwang

138 6.2.3 Bauern - »nicht nach der Regel!«

1426.3 Die Barriere

7 Läufer gegen Springer

1477.1 Läufer und Bauer gegen Springer

1507.2 Springer und Bauer gegen Läufer

1527.3 Der Vorteil des Läufers gegen den Springer

152 7.3.1 Das Abschneiden des Springers

154 7.3.2 Festlegung der Bauern

156 7.3.3 Der Freibauer

158 7.3.4 Offene Stellung, aktiverer König

1617.4 Verteidigungsmethoden mit dem Springer gegen den Läufer

165 7.5 Der Vorteil des Springers gegen den Läufer

165 7.5.1 Dominanz (Beherrschung gegnerischer Figuren), Springergabel

166 7.5.2 Festlegung der Bauern

167 7.5.3 Geschlossene Stellung, schlechter Läufer

8 Turm gegen Bauern

1738.1 Turm gegen einen Bauern

173 8.1.1 Rolltreppe fahren

173 8.1.2 Abschneiden des Königs

174 8.1.3 Umwandlung des Bauern in einen Springer

175 8.1.4 Patt

175 8.1.5 Zwischenschach für Tempogewinn

176 8.1.6 Bodycheck

176 8.1.7 Umgehungsmanöver

1788.2 Turm gegen verbundene Bauern

1828.3 Turm gegen vereinzelte Bauern

9 Turmendspiele

1859.1 Turm und Bauer gegen Turm

185 9.1.1 Bauer auf der 7. Reihe

188 9.1.2 Bauer auf der 6. Reihe

193 9.1.3 Bauer auf der 5. Reihe

196 9.1.4 Der Regenschirm

197 9.1.5 Der Bauer in der eigenen Bretthälfte

203 9.2 Turm und Randbauer gegen Turm

203 9.2.1 König vor dem eigenen Bauern

204 9.2.2 Turm vor dem Bauern, der Bauer auf der 7. Reihe

206 9.2.3 Turm vor dem Bauern, der Bauer auf der 6. Reihe

209 9.2.4 Bauern »a« und »h«

210 9.3 Turm und zwei Bauern gegen Turm

210 9.3.1 Doppelbauern

211 9.3.2 Verbundene Bauern

215 9.3.3 Bauern »f« und »h«

219 9.3.4 Andere vereinzelte Bauernpaare

221 9.4 Weit fortgerückter Freibauer

221 9.4.1 Übergang in das Endspiel »Turm gegen Bauern«

224 9.4.2 Die Lasker-Idee

226 9.5 Turm und zwei Bauern gegen Turm und einen Bauern

226 9.5.1 Bauern auf einem Flügel

230 9.5.2 Bauern auf verschiedenen Flügeln

236 9.5.3 Vereinzelte Bauern, einer davon ist ein Freibauer

241 9.6 Vier gegen drei Bauern auf einem Flügel

249 9.7 Gleichgewicht auf einem Flügel, Mehrbauer auf dem anderen

249 9.7.1 Turm hinter dem Bauern

254 9.7.2 Turm vor dem Bauern, Bauer auf der 7. Reihe

262 9.7.3 Turm vor dem Bauern, der Bauer auf der 6. Reihe

278 9.7.4 Der Springerbauer

283 9.7.5 Turm seitlich vom Bauern

288 9.8 Gesetzmäßigkeiten in Endspielen mit mehreren Bauern

288 9.8.1 Aktivität des Turms

293 9.8.2 Aktivität des Königs

295 9.8.3 Der König am Brettrand

297 9.8.4 Abschneiden des Königs

299 9.8.5 Das Meisterwerk von Akiba Rubinstein

10 Turm gegen Springer

303 10.1 Springer alleine

304 10.2 Turm und Bauer gegen Springer und Bauer

310 10.3 Springerendspiele mit mehreren Bauern

310 10.3.1 Bauern auf einem Flügel

313 10.3.2 Bauern auf unterschiedlichen Flügeln

314 10.3.3 Der Springer ist stärker als der Turm

11 Turm gegen Läufer

317 11.1 Läufer alleine

317 11.1.1 Die gefährliche Ecke

319 11.1.2 Die ungefährliche Ecke

322 11.1.3 Der Läuferbauer

324 11.2 Turm und Bauer gegen Läufer und Bauer

324 11.2.1 Bauern auf der gleichen oder benachbarten Linie

328 11.2.2 Randbauern

331 11.3 Zwei gegen zwei Bauern auf einem Flügel

336 11.4 Drei gegen drei Bauern auf einem Flügel

12 Damenendspiele

339 12.1 Dame und Bauer gegen Dame

344 12.2 Gewinn bringende taktische Methoden

345 12.3 Taktik bei der Verteidigung

348 12.4 Bauern auf einem Flügel

350 12.5 Der Freibauer

355 12.6 Die aktive Dame

13 Dame gegen Turm

357 13.1 Turm alleine

360 13.2 Dame gegen Turm und Bauern

360 13.2.1 Der Turm hinter dem Bauern

361 13.2.2 Der Bauer auf der 7. Reihe

363 13.2.3 Der Bauer auf der 6. Reihe

366 13.2.4 Der Springerbauer auf der 6. oder 5. Reihe

368 13.3 Dame und Bauer gegen Turm und Baue r

368 13.3.1 Die Freibauern

370 13.3.2 Bauern auf benachbarten Linien

37213.4 Festungen mit mehreren Bauern

14 Andere Materialverhältnisse

377 14.1 Zwei Mehrfiguren

377 14.1.1 Matt mit Springer und Läufer

378 14.1.2 Matt mit zwei Springern

379 14.2 Turm und Springer gegen Turm

381 14.3 Turm und Läufer gegen Turm

381 14.3.1 Ohne Bauern

384 14.3.2 Mit Bauern

38514.4 Mehrfigur in Leichtfiguren- oder Damenendspielen

386 14.5 Turm gegen zwei Leichtfiguren

391 14.6 Dame gegen Figuren

395 14.7 Dame gegen zwei Türme

15 Allgemeine Endspielideen

399 15.1 Die Aktivität des Königs

406 15.2 Die Stärke der Bauern

411 15.3 Zugzwang

415 15.4 Die Festung

415 15.4.1 Gesichertes Lager

416 15.4.2 Die Bauernbarriere

419 15.4.3 Der eingesperrte König

421 15.4.4 Eingesperrte Figuren

423 15.4.5 Fesselung

42415.5 Patt

42915.6 Matt

43115.7 Dominanz

16 Lösungen zu den Aufgaben

Anhang

492 Verzeichnis der verwendeten Literatur

497 Verzeichnis der strategischen und taktischen Verfahren

503 Verzeichnis der Partien

514 Verzeichnis der Komponisten und Analytiker

Rezension zur dritten Auflage:

Die Endspieluniversität aus der Fe­der des bekannten Schachtrainers und -autors Mark Dvoreckij wurde völlig zurecht gut vom deutschen Schachpu­blikum aufgenommen und erlebt trotz ihres noch recht jungen Alters bereits ihre dritte Auflage.

Gegenüber den vorangegangenen Ausgaben zeichnet sich diese neue Auflage durch eine erneute Erweite­rung und Überarbeitung aus, dies gilt vor allem im Bereich Turmendspiele. Damit kommt dieses beeindruckende Werk nun auf stolze 516 Seiten.

Für weitere Einzelheiten zu diesem Buch, das man bereits als einen mo­dernen Klassi­ker ansehen kann, verweisen wir auf unsere ausführliche Besprechung in Ausgabe 6/2002.

Der Preis für dieses schöne Buch in hochwertiger Papier- und Druckqualität liegt bei 31,90 Euro.

Schach Markt 3/2006

______________________

Dieses Buch bedarf keiner Empfehlung mehr. Seit dem Erscheinen der ersten deutschen Ausgabe 2002 ist es für den Bereich der theoretischen Endspiele einfach das perfekte Arbeitsbuch, das in keiner Schachbibliothek fehlen darf. Nur zwei Punkte möchte ich ansprechen: den methodischen Hinter­grund des Buches und die inhaltlichen Ergänzungen der dritten Auflage.

In "Effektives Endspieltraining" (1996) haben Artur Jussupow und Mark Dworetski auf wenigen Seiten beschrieben, wie man das Endspiel studieren sollte. Dort räumen sie mit dem Irrtum auf, man müsse dazu Endspielmonographien durcharbeiten und sich die Beispiele merken. Denn Lernen funktioniert nicht nach dem Muster des berüchtigten "Nürnberger Trichters", mit dessen Hilfe vorgegebenes Wissen in den Kopf des Schülers gestopft wird. Stattdessen verfolgen die Autoren einen streng konstruktivisti­schen Ansatz. Was andere wissen oder was in irgend­welchen Büchern steht, spielt keine Rolle. Maßstab ist ganz allein der Spieler mit seinen Kenntnissen und Fähigkeiten, der im Laufe der Zeit seinen Horizont erweitert, indem er sich in seinen Partien und im Training mit Endspielfragen auseinandersetzt. Was dabei entsteht, bezeichnen Jussupow/Dworetski als das "eigene System der Endspielkenntnisse". Wich­tig ist in jedem Fall, dass der Aufbau und die Pflege dieses Endspielrepertoires, wie ich es nennen möch­te, immer Aufgabe des Einzelnen ist. Die Aneignung des Materials - wie Lernen überhaupt - kann einem niemand abnehmen. Schließlich wird das Wissen ja erst in diesem Prozess der Aneignung produziert bzw. konstruiert. Allerdings kann ein guter Trainer oder das richtige Arbeitsbuch dabei eine große Hilfe sein, indem er/es für den Lernenden eine günstige Umgebung in Form passender Beispiele, Aufgaben und Fragen schafft.

Genau das bietet Dworetskis ,,Endspieluniversität" in herausragender Weise. Das Buch ist keine enzy­klopädische Endspielmonographie, sondern ein Ar­beitsbuch für den Endspielpraktiker. In "Effektives Endspieltraining" hatten Jussupow und Dworetski die Frage aufgeworfen, wie der Praktiker aus der Informationsfülle der Literatur die für ihn wichtigen Endspiele auswählen soll. Ihre Antwort: "Gerade darin liegt das Hauptproblem. Hier zeigt sich der ganze Intellekt eines Schachspielers, sein Vermögen, mit dem Buch zu arbeiten, zu verallgemeinern und Schlüsse zu ziehen." Diese Arbeit hat Dworetski seinen Lesern mit der "Endspieluniversität" zum Großteil abgenommen. Aber eben nicht voll und ganz, denn die Arbeit mit dem Buch bleibt notwen­digerweise für jeden Leser eine (allerdings angeneh­me) Herausforderung. Wie diese zu meistern ist, da­für gibt Dworetski im Vorwort wertvolle Hinweise. Korrigiert und stark überarbeitet sei die dritte Aufla­ge, heißt es auf dem Buchdeckel. Dies ist nicht so zu verstehen, dass es Änderungen beim Konzept oder im Aufbau gegeben habe. Hier ist alles beim Alten geblieben und das ist auch gut so. Allerdings gibt es einige inhaltliche Verbesserungen und Erweiterun­gen (als Referenz nutze ich ein Exemplar der ersten Auflage 2002). Zunächst habe ich ein knappes Dut­zend kleinerer Korrekturen gefunden. Dworetski hat Analysen anderer Autoren eingearbeitet, vor allem die von Karsten Müller. Daneben wurde das End­spiel mit gutem Springer gegen schlechten Läufer Karpow-Kasparow, Moskau WM (9) 1984/85 deutlich er­weitert. Neuere Ent­deckungen von Müller und Mihail Marin wurden ein­gearbeitet, so dass die Betrachtung des Endspiels nun drei Seiten füllt. Die bedeutendsten Änderungen gibt es bei den Turmend­spielen. Der Ab­schnitt "Turm vor dem Bauern, Bauer auf der 6. Reihe" wurde komplett überarbeitet, wobei er etwa zwölf Seiten länger wurde. Der Grund dafür liegt in einigen neuen Erkenntnissen zu diesem Endspiel, die Dworetski und Müller schon 2003 in ihren Rubriken auf www.chesscafe.com diskutierten. Außerdem wurde im Abschnitt "Turm seitlich vom Bauern" das Endspiel Leko-Anand, Linares 2003, aufgenommen. So sind bei den Turmendspielen insgesamt etwa 22 Seiten hinzugekommen. Ich hoffe, diese Hinweise sind auch für die Besitzer der zweiten Auflage aus dem Jahr 2003 hilfreich.

Fazit: Die dritte Auflage ist eine nochmals verbesser­te "Endspieluniversität"! Neben dem angesproche­nen methodischen Aspekt und der Auswahl der Bei­spiele beeindruckt Dworetski auch durch die Qualität seiner Analysen. Seine und Karsten Müllers Rubri­ken auf der Chesscafe-Website bieten darüber hinaus ein Forum für die Diskussion offener Endspielfra­gen. Gute Zeiten für Endspielfreunde! Ein Lob auch an den Chessgate-Verlag, der dieses wunderbare Buch in einer schönen gebundenen Ausgabe zu ei­nem relativ günstigen Preis anbietet.

Wilhelm Schlemermeyer, Schach 6/2006

_________________

Rezension zur ersten Auflage:

Das dritte Endspielbuch des russischen Trainers, der sich bei Olms Dworetski und bei Beyer Dworezki schreibt. Doch anders als Effektives Endspieltraining oder dem anspruchsvollen Geheimnisse gezielten Schachtrainings ist dieses Buch ausschließlich den theoretischen Endspielen gewidmet. Das heißt, in (fast) allen Beispielen haben beide Seiten außer dem König höchstens eine Figur, und die Stellung lässt sich, mit mehr oder weniger großem Aufwand, bis zum Ende ausanalysieren. Daneben ist es das erste Buch, in dem Dvoreckij seinen Stoff nicht episodenhaft, sondern systematisch - umfassend ausbreitet. Es drängt sich damit der Vergleich mit dem hoch gelobten Fundamental Chess Endings von Müller/Lamprecht (vgl. Schach 2/2002) auf. Um es vorwegzunehmen: Bei vergleichbarem Inhalt sowie jeweils hoher Analysequalität überzeugt mich Dvoreckij in didaktischer Hinsicht eher.

Schlägt man das Buch auf, so denkt man zunächst: "Oha, für Anfänger." Weit gefehlt! Dvoreckij nutzt ganz bewusst die Elementarendspiele als Fundament zum Aufbau seiner Methodik "Vom einfachen zum komplizierten". Schneller als man denkt, wird man mit komplizierten Endspielen konfrontiert, an denen Großmeister in der Praxis gescheitert sind. Das Buch ist ungemein vielschichtig und arbeitet einzigartig auf verschiedenen Erkenntnisebenen, weshalb man es auch einem breiten Publikum empfehlen kann (ab DWZ 1500, fast bis zum GM). Hier dürfen auch die nicht wenigen Schachfreunde, die vom Schwierig-keitsgrad bei Geheimnisse gezielten Schachtrainings verschreckt waren, getrost zugreifen.

In Hinblick auf Layout, Symbolik, Gliederung, Querverweise, Indizes usw. hat man sich gleichfalls außerordentliche Mühe gemacht; Ulrich Dirr zeichnete für diese Aspekte verantwortlich. Das Buch offenbart in dieser Hinsicht ebenfalls seine Stärken, aber auch die einzigen Schwächen. Das Bemühen um eine klare optische Strukturierung schlägt durch eine Übermenge verwendeter Schrifttypen mitunter ins Gegenteil um, ein ,,Gestorben" - Symbol (für redaktionelle Anmerkung) erscheint mir unangemessen, und auch die Informatortypische Notation ohne Schlag- und Schachzeichen gefällt mir wenig. Aber von diesen subjektiven Kleinigkeiten abgesehen, ist es das am aufwändigsten produzierte Lehrbuch, das ich je gesehen habe. Betreffs der sechs Dworetski - Bücher bei Olms - wie oft sucht man dort zu einem bestimmten Stellungstyp eine Partie "irgendwo bei Dworetski", man erinnert sich an Eröffnung und/oder Spielernamen, aber die nur rudimentär vorhandenen Indices helfen nicht weiter. Das vorliegende Buch kennt solche und verwandte Schwächen (z. B. Übersetzungs- und Notationsfehler) nicht. Gelungen sind auch die regelmäßig eingeschobenen "Tragikomödien" - Ergänzungsbeispiele, in denen bekannte Spieler bei verhältnismäßig einfachen Situationen im Dunkeln tappten. Das trägt, bei aller Seriosität der Arbeit, zur Auflockerung bei. Ein ausgeklügeltes Buch, bei welchem der hohe Preis in keinem Fall abschrecken sollte. Gemessen an Umfang (mehr als genug für zwei bis drei Bücher) und Produktion scheint es mir sogar eher preisgünstig. Arbeitsbereitschaft ist allerdings gefragt.

Harald Keilhack, Schach 09/2002

___________________________________________

ÜBER DEN AUTOR

Wer sich auf dem Schachbuchmarkt etwas auskennt, weiß, dass der Name Mark Dvoreckij - die Schreibweisen sind von Verlag zu Verlag verschieben - für höchste Qualität bürgt. In der UdSSR gehörte Dvoreckij zu den erfolgreichsten Schachtrainern. Sein hierzulande bekanntester Schüler ist Arthur Jussupow. Dvoreckij hat - zusammen mit seinen Schülern - hochklassige Bücher über das Mittelspiel herausgebracht, deren Studium man jedem Schachspieler nur ans Herz legen kann. Dazu gehören Effektives Endspieltraining (1996), Der selbständige Weg zum Schachprofi (1997),Angriff und Verteidigung (1999), Geheimnisse der Schachstrategie (1999), Positionelles Schach (3. Aufl. 2000), Theorie und Praxis der Schachpartie (1999), Geheimnisse gezielten Schachtrainings (3. Aufl. 2001), Effektives Eröffnungstraining (3. Aufl. 2002) und Moderne Schachtaktik (4. Aufl. 2002). Dvoreckij profitiert von seiner enormen Erfahrung als Trainer. Er hat seit Jahrzehnten seine Lernmethoden erproben und verfeinern können. Im Unterschied zu vielen Großmeistern weiß Dvoreckij zudem, was Didaktik ist. Er ist neben John Watson der einzige Autor, von dessen Büchern ich bisher nie enttäuscht worden bin. "Die Endspieluniversität " ist keine Übersetzung eines bereits in Rußland vor Jahren publizierten Buches, sondern ein neues Werk, an welchem Dvoreckij in den letzten Jahren gearbeitet hat.

GLIEDERUNG

Dvoreckij behandelt die elementaren Endspiele, also Endspiele mit wenigen Figuren und Bauern, die sich ausanalysieren lassen. Aufgrund der ausführlichen Untergliederung werden nur die Kapitelüberschriften wiedergegeben.

Vorwort (4 Seiten)

Zeichenerklärung (1 Seite)

Vorwort des Lektorats (1 Seite)

Bauernendspiele

Springer gegen Bauern

Springerendspiele

Läufer gegen Bauern

Ungleichfarbige Läufer

Gleichfarbige Läufer

Läufer gegen Springer

Turm gegen Bauern

Turmendspiele

Turm gegen Springer

Turm gegen Läufer

Damenendspiele

Dame gegen Turm

Andere Materialverhältnisse

Allgemeine Endspielideen

Lösungen zu den Aufgaben

Verzeichnis der strategischen und taktischen Verfahren (6 Seiten)

Verzeichnis der Partien (12 Seiten)

Verzeichnis der Komponisten und Analytiker (4 Seiten)

Verzeichnis der verwendeten Literatur (4 Seiten)

VORGÄNGER UND AKTUALITÄT

Vermutlich hat der Leser dieser Kolumne das eine oder andere Endspielbuch im Schrank stehen : Awerbach, die Enzyklopädien, Löwenfisch/Smyslow, etc. Eine Gesamtdarstellung aller Endspiele in einem Band, die mehr als eine Einführung ist, ist vermutlich nicht darunter. In seinem kommentierten Literaturverzeichnis geht Dvoreckij selbst auf die Stärken und Schwächen der vorhandenen Endspielliteratur ein. Das Verzeichnis erscheint vollständig. Ich vermisste nur Paul Keres "Praktische Schachendspiele ", welches der Autor sicherlich in einer russischen Ausgabe eingesehen hat. Von der mir bekannten Endspieltheorie können sich zwei Bücher mit Dvoreckij messen: Karsten Müller/Frank Lamprecht: Encyclopaedia for the 21st century und Alexander Pantschenko: Endspieltheorie und Praktik .

PRÄSENTATION DES MATERIALS

Bei Endspielbüchern kommt es in besonderer Weise auf eine überzeugende Darstellung des Materials an. Die Beispiele müssen so ausgewählt sein, dass sie für einen bestimmten Endspieltyp charakteristisch sind. Die Erläuterungen sollten dem Lernenden die Grundprinzipien deutlich machen, möglichst anhand allgemeiner Regeln, die man sich gut einprägen kann und nicht mit endlosen Varianten langweilen und überfordern. Selbstverständlich darf erwartet werden, dass die neuesten Erkenntnisse über die "gelösten", also von Datenbankern ausanalysierten Endspiele Berücksichtigung finden. Alle diese Forderungen werden von Dvoreckij vorbildlich eingelöst.

Der Aufbau eines Kapitels sieht folgendermaßen aus. Zunächst werden die wichtigsten Gesetzmäßigkeiten eines bestimmten Endspieltyps eingeführt. Die Prinzipien werden in ein oder mehreren Sätzen kurz angerissen und graphisch hervorgehoben. Anschließend erfolgt eine längere sprachliche Erläuterung. Den "Grundwortschatz" schließen 2 oder 3 Beispiele ab. Darauf folgt der "Aufbauwortschatz". Die Diagramme und die Textzüge sind etwas kleiner, sodass der Leser sofort erkennt, welches Wissen er sich zur Vertiefung aneignen kann. Den Abschluss bilden jeweils die "Tragikomödien" und die Aufgaben. In der Rubrik Tragikomödien zeigt Dvoreckij anhand von Großmeisterpartien, welche typischen Fehler im behandelten Endspieltyp begangen werden können. Besonders gut hat mir dabei gefallen, dass viele der Beispiele nicht bereits in anderen Endspielbüchern Verwendung fanden. Bei der Lösung der Aufgaben, deren Schwierigkeitsgrad zwischen einfach und sehr schwer schwankt, kann der Leser versuchen, das neue oder wiederholte Wissen einzusetzen. Es macht Spaß, in diesem Buch herumzuschmöckern.

Das ist aber noch nicht alles. Neben der aus meiner Sicht gelungenen graphischen Umsetzung und dem hervorragenden Layout - dies ist wie beim erwähnten Französisch - Buch Ulrich Dirr zu verdanken - sind auch noch die beispielhaften Indizes hervorzuheben. Das Buch erhält ein ausführliches Sachregister mit Haupt- und Unterschlagworten, so wie es sich für ein wissenschaftliches Buch mit hohen Ansprüchen gehört. Es enthält weiterhin ein Verzeichnis der verwandten Partiefragmente und ein Verzeichnis der Studienkomponisten und Analytiker. Vorbildlich !

EIN BEISPIEL

Als ich neulich die Partie Gurewitsch - Glek , HZ Vlissingen (6) 2002 nachspielte, fragte ich mich, was der Essener Großmeister wohl falsch gemacht hat: 1. c4 e5 2. g3 Sf6 3. Lg2 h6 4. Sc3 Lb4 5. e3 Lxc3 6. bxc3 0-0 7. e4 Te8 8. Se2 c6 9. Db3 b6 10. 0-0 La6 11. Te1 d5 12. exd5 cxd5 13. cxd5 Dc8 14. Da4 Sbd7 15. La3 Lc4 16. d6 b5 17. Dc2 Ld5 18. Lxd5 Sxd5 19. Df5 S7b6 20. Dxc8 Taxc8 21. Tac1 Ted8 22. d3 a5 23. Tb1 Sxc3 24. Sxc3 Txc3 25. Txb5 Txa3 26. Txb6 Txd3 27. Txe5 T3xd6 28. Txd6 Txd6 29. Txa5 Td2 30. Kg2 h5 31. a4 Ta2 32. h4 g6 33. Ta8+ Kg7 34. a5 Ta3 35. a6 Kf6

Der Leser weiß bestimmt, dass dieses Endspiel mit einem Unentschieden enden sollte. Der schwarze Turm steht hinter dem Freibauern. Je mehr sich der weiße Freibauer dem Umwandlungsfeld nähert, desto geringer ist die Bewegungsfreiheit des weißen Turms. Die einzige weiße Gewinnmöglichkeit besteht darin, mit dem König zum a-Bauern zu laufen und dessen Umwandlung zu ermöglichen. In der Zwischenzeit wird Schwarz natürlich nicht untätig bleiben und die ungeschützten weißen Bauern am Königsflügel des Feldes verweisen. Häufig entsteht ein Endspiel Turm gegen Bauern, welches die materiell unterlegene Seite durch Umwandlung eines ihrer Bauern retten kann.

Was sagt Dvoreckij zu diesem Endspiel ? Durch einen Blick ins Inhaltsverzeichnis wird man schnell auf das Kapitel 9.7.3 verwiesen. Dort wird zum Oberthema "Turmendspiele - Gleichgewicht auf einem Flügel, Mehrbauer auf dem anderen" der Spezialfall "Turm vor dem Bauern, Bauer auf der 6. Reihe" analysiert.

Dvoreckij bringt folgendes Beispiel von Kantorovic:

Sein Merksatz: "Merken wir uns, dass die schwarzen Figuren optimal platziert sind, wenn der Turm den Bauern im Visier behält und der König möglichst aktiv postiert wird."

Ein Auszug aus seinen Varianten:

Der beste Gewinnversuch ist 1. Kd4 [ 1. Ta8 Kf5 2. f3 ( 2. Kd4 Txf2 3. Tf8 Ta2 4. Txf7+ Kg4 =) 2. ...Ta3+ 3. Kd4 Txf3 4. Tf8 Ta3 5. Txf7+ Kg4 6. Tf6 Kxg3 7. Txg6+ Kxh4 8. Kc5 Kh3 9. Kb6 h4=] 1. ...Txf2

2. Tc7! [ 2. Kc5 Tc2+ 3. Kb6 Tb2+ 4. Kc7 Tc2+ 5. Kb8 Ta2=] 2. ...Ta2 3. Tc6+ [ 3. a7 Kf5 4. Txf7+ Kg4 5. Kc5 Kxg3 6. Kb5 Tb2+ 7. Kc6 Ta2 8. Kb7 Kxh4 9. Tf6 Txa7+ 10. Kxa7 Kg5 11. Tf8 h4 12. Kb6 h3 13. Kc5 Kg4 14. Kd4 h2 15. Th8 Kg3 =] 3. ...Kf5 4. Kc5 Kg4 5. Kb5 Kxg3

6. Tc4 f6 7. Ta4 Tb2+ 8. Kc6 Tb8 9. a7 Ta8 10. Kb7 Txa7+ 11. Kxa7 g5 12. hxg5 fxg5 13. Ta5 h4 14. Txg5+ Kf2 15. Th5 Kg3 16. Kb6 h3 17. Kc5 h2 18. Kd4 Weiß fehlen 2 Tempi. 18. ...Kg2=

Mit diesem Wissen ausgerüstet, wie ging es nun in der erwähnten Partie weiter? 36. Kf1 Ta2 37. Kg1 Kf5 38. Kg2 Ta3 39. Ta7 Kf6 40. Kf1 Ta2 41. Ke1 Kg7 42. Kd1 Kf6 43. Kc1 Txf2 44. Kb1 Tf5 45. Tc7 Tb5+ 46. Kc2 Ta5 47. a7 Kf5 48. Kb3 Kg4 49. Tc4+ Kxg3 50. Ta4 Txa7 51. Txa7 Kxh4

Diese Stellung scheint verloren zu sein. Es folgte: 52.Kc3 Kg3 53. Kd2 g5 54. Txf7 h4 55. Ke2 g4 56. Kf1 Kh2 57. Tf2+ Kh1 58. Tf4 h3 59. Kf2 h2 60. Te4 1-0

Das schwarze Problem war offenbar, dass Weiß durch das Manöver Tc4-a4 die nötigen Tempi gewann, um seinen König rechtzeitig anzunähern. 45. ...Ta5+ und 48. ...Ta1 scheinen mir noch das Remis sicherzustellen.

FAZIT

Ein moderner Klassiker. Wenn es einen Schach - Oscar für Bücher geben würde, so wäre dieses Buch mein Favorit für die Kategorien Buch des Jahres, Endspielbuch, Layout und Didaktik. Ob Klubspieler oder Großmeister, jeder kann dieses Buch gebrauchen.

Mit freundlicher Genemigung der Zeitschrift Karl (www.karlonline.org)

____________________________________________

Mark Dworetzki, der sich auch als Buchautor einen Namen gemacht hat, gilt als einer der Weltbesten Schachtrainer. An der Zulässigkeit dieser Einschätzung dürften kaum Zweifel bestehen, wenngleich Dworetzkis bisherige Werke mitunter ein ambivalentes Lesevergnügen darstellten, denn neben Lehrreichem quoll zwischen den Zeilen hier und da auch Selbstdarstellerisches hervor. Sein neustes Werk heißt Die Endspieluniversität und verdient, um es gleich zu sagen, ein uneingeschränktes, überwältigendes Lob. Sicherlich steckt nur in wenigen Arbeiten so viel Mühe und Substanz wie in diesen 500 Seiten. Dworetzki, der sich in diesem Buch international Dvoreckij schreibt, analysiert genau und tiefgründig; seine Gliederung (16 Kapitel), das Konzept und die didaktische Umsetzung lassen nichts zu wünschen übrig. Die Endspieluniversität ist in erster Linie ein Lehrbuch, es ist aber durchaus auch als Nachschlagewerk zu gebrauchen, zumal am Ende neben Namen- und Partienverzeichnissen auch ein "Verzeichnis der strategischen und taktischen Verfahren" vorhanden ist. Dworetzki untersucht keine Endspiele mit vielen Steinen, sondern solche, in denen wenigstens eine Seite nur eine Figur (und ggf. Bauern) hat. In der Begrenzung des Materials habe für ihn diesmal die Hauptschwierigkeit gelegen. Bei der Auswahl des untersuchten Stoffes schöpfte er offensichtlich aus dem Fundus seiner langjährigen Trainererfahrung. "Mein Kontakt zu Schachgroßmeistern, zu denen auch die zehn Besten der Welt gehörten, überzeugte mich, dass fast keiner von ihnen jemals systematisch die Theorie des Endspiels gelernt hat." Tatsächlich dürfte manches aus der Endspieluniversität auch Meisterspielern Kopfzerbrechen bereiten - auf Anhieb schwer zu begreifen sind allenfalls die Übungsstellungen selbst, die Erläuterungen bleiben auch dann, wenn Kompliziertes erklärt wird, immer klar und leicht verständlich. Die Zielgruppe ist breit gefächert, sowohl Vereinsspieler als auch Großmeister sollen von der Lektüre profitieren. Aber hatte der berühmte Trainer nicht schon früher Endspielbücher verfasst? Und gibt es davon nicht ohnehin bereits so viele empfehlenswerte, warum denn noch eines? Fragen, die aus Sicht potenzieller Leser nach guten Antworten verlangen. Wie gesagt, Die Endspieluniversität liefert gute Antworten. Und sie nährt auch Wunschträume. Das beginnt schon im Geleitwort, geschrieben vom früheren Dworetzki - Schüler Artur Jussupow: "Mark hat eine Methode entwickelt, die einen talentierten Spieler von 2200 Elo in vier bis fünf Jahren bis zum Großmeister katapultieren kann". Jussupow bekennt, dass auch er an die "interaktive Wirkung" des Endspielstudiums glaubt. Man lernt die Figuren besser einzuschätzen, erweitert so die Intuition und das allgemeine positionelle Verständnis.

Das außergewöhnliche an der Endspieluniversität ist die Art und Weise, wie die Leser auf Grundlage von "charakteristischen Stellungen", die laut Dworetzki das für jeden notwendige Basiswissen darstellen, allmählich in komplizierte Zusammenhänge vordringen. Das Wissen um typische Motive und Methoden wird anhand von Übungsbeispielen gefestigt. Einen erfrischenden Realitätsbezug bieten passend zu den einzelnen Themen auch die vielen Tragikomödien, das sind Praxisbeispiele, in denen bekannte Spieler einen erstaunlichen Mangel an Endspielwissen offenbarten.

Schachmagazin 18/2002

Die Zeit der mehrteiligen wegweisenden Endspielwerke scheint seit längerem vorbei zu sein. Deshalb kann sich der Leser bei Neuerscheien auf einbändige Werke einstellen. Das neueste Buch zum Thema stammt vom IM und Erfolgstrainer Mark Dvoreckij (sonst oft als »Dvoretzki« transkribiert) in Form seines Bandes »Die Endspieluniversität«. Das Rezensionsexemplar wurde uns freundlicherweise von Chessgate zur Verfügung gestellt.

Der Autor erklärt im Vorwort kein Nachschlagewerk, sondern ein Lehrbuch vorlegen zu wollen. Es geht ihm nicht um lexikalische Abhandlung aller möglichen vorkommenden Motive und Konstellationen, denn es habe keinen Sinn das menschliche Gedächtnis mit Stellungen zu belasten, die so gut wie nie in unseren Partien auftauchen«. In diesem Sinne untersucht Dvoreckij alle typischen Endspielgattungen, bei denen jede Seite - von Ausnahmen und natürlich Bauernendspielen abgesehen - außer dem König nur über eine weitere Figur verfügt. Der Autor extrahiert Essenzielles und leitet von daher Regeln und Charakteristika ab. Die Kapiteleinteilungen beziehen sich daher fast immer auf Motive oder Manöver und unterteilen erst nachrangig nach spezifischen Stellungen der Steine am Brett. Als Beispiel für die Untergliederung des Kapitels »Turm gegen einen Bauern«: Rolltreppe fahren, Abschneiden des Königs, Umwandlung des Bauern in einen Springer, Patt, Zwischenschach für Tempogewinn, Bodycheck, Umgehungsmanöver. Die genannten Überschriften zeugen auch von der sprach - schöpferischen Arbeit des Autors, der für viele Sachverhalte neue und, wie ich finde, immer wieder sehr treffende und anschauliche Begriffe einfuhrt. Dvoreckij wartet mit weiteren originellen Gedanken auf. Unter der Rubrik »Tragikomödien« finden sich immer wieder ausgewählte Stellungen, in denen Spieler, auch sehr hochrangige, »lehrreiche« Fehler begangen haben. Ein Beispiel:

Stellung: Weiß: Kf3, Ta4; Schwarz: Kg6, Bauer f6 und Turm f5. Weiß ist am Zug.

Die Stellung in der Partie Spielmann - Duras, Karlsbad 1907, mit Weiß am Zug ist natürlich tot remis. Großmeister Spielmann will aber abkürzen und findet den einzigen Verlustzug am Brett, nämlich 1. Tf4?? Die remisverheißende Abtauschidee ist prinzipiell sinnvoll, aber nach dem recht offensichtlichen 1. ...Kg5! natürlich nicht mehr zu realisieren. Es ist sehr instruktiv, diese Beispiele genauer zu studieren. Das Buch ist im Haupttext in zwei Schriftgrößen und zwei verschiedenen Zeichensätzen geschrieben. Der größer gesetzte Text gibt die absolut essenziellen Stellungen und Motive wieder, die man sich in jedem Falle merken sollte, der kleiner gedruckte bietet zusätzliches Material. Beim ersten Arbeiten mit dem Buch bietet es sich von daher an, zunächst nur die wichtigsten Beispiele zu studieren. Ein sehr sinnvolles Angebot an den Leser. Eingestreut in den Text sind durchgängig in grau unterlegten Kästen Regeln und Merksätze, die von allgemeinen Endspielmaximen reichen bis zu speziellen, die gerade besprochene Endspielgattung betreffenden Ratschlägen. Gemäß dem Lehrbuchcharakter bietet Dvoreckijs Buch auch zu jedem Kapitel eine Reihe von selbstständig zu lösenden Aufgaben an, die im Anhang detailliert erklärt werden. Hier wäre evtl. eine Angabe des Schwierigkeitsgrades hilfreich gewesen. Insgesamt ein sehr originelles und didaktisch stimmiges Konzept auf allseits hohem Niveau. Gerade bezüglich des letzten Punktes merkt man Dvoreckij seine langjährigen Erfahrungen als Spitzentrainer an. Kleinere orthografische und »grammatika- lische« Tippfehler in der deutschen Übersetzung stören die intensive Arbeit mit dem Buch nicht.

Bleibt die Frage nach dem Adressatenkreis. Einerseits werden grundlegende Konzepte wie das Bauernquadrat, das wandernde Bauernquadrat oder die Bähr'sehe Regel (für das Endspiel zwei sich blockierende Randbauern + Freibauer für Weiß) eingehend behandelt. Für Letzteres hat der Autor dem Leser übrigens eine sehr stimmige Erweiterung anzubieten. Andererseits wird bei den entsprechenden Kapiteln - wohl aus dem Bestreben nach der Darstellung in übergreifenden Zusammenhängen - zum Teil auf die Wiedergabe von für Lernende einfach zu merkenden Zusammenhängen bzw. Regeln verzichtet, etwa bei den Remiszonen des Königs der stärkeren Seite für Dame gegen Rand- bzw. Läuferbauer auf der 7. Reihe. Im Gegensatz zum Autor bin ich der Meinung, dass man, um vorhergehende Abwicklungen einschätzen zu können, die genauen Brettbereiche in diesen, lediglich, zwei nicht eben seltenen Fällen schon kennen sollte. (Dvoreckij spricht nur davon, der weiße Gewinn sei möglich, wenn der weiße König »nahe genug« [S. 25] stehe und die dargestellte Methode genüge, um »während der Partie.« [S. 26] ein klares Bild von der Stellung zu bekommen). Weitere Beispiele neben anderen sind die unterbleibende Nennung der mir für fortgeschrittene Anfänger sinnvoll erscheinenden »Methode des Einschließens in Dreiecke« beim Gewinn mit Läufer + Springer gegen alleinigen König (wie die jüngste Praxis zeigt, beherrschen diese Mattführung nicht einmal alle GMs in der Situation am Brett!) oder der nicht gegebene Hinweis, Opposition liege vor, wenn in dem Viereck, dessen Ecken die Könige besetzen, alle Ecken die gleiche Farbe haben. Von daher würde ich das Buch den Lesern ab etwa einer Spielstärke von DWZ 1750 und aufwärts empfehlen. »Aufwärts« bedeutet in Bezug auf den vorliegenden Band: Nach oben offen. Das Buch ist sehr schön ausgestattet. Eine stabile Heftung, ein schwerer, fester Einband, sehr schön anzusehende Diagramme, ein abwechslungsreicher Satz und ein detailliertes Sachregister. Man nimmt es auch von daher gerne in die Hand. Angesichts der herrschenden Preise muss man den Obolus von 29,90 € für ein 490-seitiges sehr ambitioniertes Endspielwerk als absolut angemessen bezeichnen.

Helmut Conrady, Rochade Europa 10/2002.