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LXNICJM
Autor

Julius Mendheim

Genialer Meister des frühen 19. Jahrhunderts

216 Seiten, gebunden, Edition Marco, 1. Auflage 2018

29,80 €
Inkl. 5% MwSt., zzgl. Versandkosten

Julius Mendheim (ca. 1781-1836) war der erste namhafte deutsche Schachmeister im frühen 19. Jahrhundert, doch woher er kam und wer er war, lag bislang im Dunkeln. Seine Bedeutung wurde weithin unterschätzt. Damit räumt der Autor gründlich auf und präsentiert Mendheims Werk als Schachspieler und Aufgabenkomponist neu. Zugleich wirft er einen Blick auf die allerersten Anfänge des modernen Schachs in Berliner Kaffeehäusern und Schachklubs.

Weitere Informationen
Gewicht 610 g
Hersteller Edition Marco
Breite 17 cm
Höhe 24 cm
Medium Buch
Erscheinungsjahr 2018
Autor Arno Nickel
Sprache Deutsch
Auflage 1
ISBN-13 978-3924833763
Seiten 216
Einband gebunden
Diagramme 224
Fotos 30

006 Vowort

Julius Mendheim und seine Zeit

011 Wer war Julius Mendheim?

029 Berliner Kaffeehaus- und Klubkultur

046 Mendheims Bücher

055 Berliner Korrespondenzpartien 1829-1840

097 Die Episode Angerstein

108 Von Philidor zu Anderssen (Exkurs)

111 Das Mendheim-Portrait in "Meister des Problems"

117Taschenbuch für Schachfreunde (Aufgaben 1-51)

141Aufgaben für Schachspieler (Aufgaben 52-133)

188 Auflösungen zu den Aufgaben 1-51

192 Auflösungen zu den Aufgaben 52-133

Materialien

203 J. Mieses: "Zur Erinnerung an Julius Mendheim" (1936)

204 W. Hanstein: Auszug aus "Schach-Correspondenz-Partieen" (1849)

205 J. Lehfeldt: Zitat aus "Erinnerung an Paul Rudolf Bilguer" (1852)

206 T. von der Lasa: Auszug aus "Entwickelung der italiänischen Partie" (1868)

207 Gedicht "Berlins und Breslaus Schachpartie" (1831)

210 Gedicht "Straf-Epistel an die Schachgesellschaft" (1832)

212 Schach-Variante (1843)

213 Literaturliste

216 Schach-Zeichen

Julius Mendheim war zu Beginn des 19. Jahrhunderts nicht nur "der einzige namhafte deutsche Schachspieler“, wie die Encyclopaedia Britannica vermerkte, sondern einer der besten der Welt. Doch lange Zeit war von ihm nicht viel mehr als seine beiden veröffentlichten Bücher bekannt. Auch Hans Holländer konnte Ende der 90er Jahre bei seiner Recherche zu Schadows Schachclub, dem ersten Schachverein Deutschlands, nichts über das Leben dieses Mannes herausfinden. Arno Nickel hat nun in seiner im letzten Jahr erschienenen Monographie einiges vom Mysterium dieses ersten bedeutenden Schachmeisters unseres Landes (damals noch Preußen) gelüftet.

Die Informationslage über Mendheim ist so dürftig, weil es zu jener Zeit noch keine regelmäßig erscheinenden Schachperiodika gab. Mendheim lebte noch vor der "Berliner Schule“ mit ihren berühmten, "Plejaden“ genannten Meistern, über die später von der Lasa ausführ lich berichtete. Aber für diesen frühen Chronisten deutscher Schachhistorie gehörte Mendheim zur Vorgeschichte einer neuen, modernen Schach auffassung, für die die Plejaden standen. Mendheim, von dem kein Porträt überliefert ist, war für ihn dagegen ein Mann im Geiste Philidors.

Nickel hat nach akribischer Suche in Berliner Archiven einiges Neues zum Leben dieses Unbekannten zusammengetragen. Er konnte Dank bislang unentdeckter Dokumente etwa den Todestag klären (25. August 1836) und dass er 55-jährig an "Blasenschwindsucht“ gestorben ist. Geboren wurde Mendheim 1780 oder 1781 in Königsberg, woher seine wohlhabende Kaufmannsfamilie stammte. Studiert hat er wohl u.a. bei Immanuel Kant in Königsberg, bevor er sein Studium abbrach und nach Berlin zog, wo mehrere seiner Geschwister, erfolgreiche Kaufleute, lebten. Vermutlich war Mendheim durch ein Erbe oder als stiller Teilhaber, wie Nickel annimmt, finanziell unabhängig.

Mendheim war wohl ein "Schachfanatiker“. Er hatte zwar eine gehobene Bildung genossen und großes Interesse für Philosophie und Musik, seine äußerliche Erscheinung muss jedoch ziemlich vernachlässigt gewesen sein. Sein Hauptgeschäft galt dem Schach, dem er fast täglich in den Kaffeehäusern nachging.

Mendheim war, davon ist Nickel überzeugt, zu seiner Zeit nicht nur der mit Abstand stärkste Spieler Berlins, sondern er hat auch maßgeblich zum Entstehen der Berliner Schachszene bei­ getragen und damit erst den Weg für die Plejaden geebnet. Zudem war die Verbindung zwischen Mendheim und den Plejaden wohl enger als bislang angenommen. Denn die beiden Korrespondenzpartien gegen Breslau - die ersten, die von Berlin gespielt wurden - hat Mendheim in den 1830er Jahren federführend zum Erfolg geführt. Davon haben Mitwirkende wie der Begründer der Berliner Schule und später der (Deutschen) Schachzeitung , Ludwig Bledow, schachlich profitiert. Welches Ansehen Mendheim in der lokale Schachszene genoss, zeigen auch die Ehrenmitgliedschaft bei der Schachgesellschaft von 1827 oder ein langes Gedicht, dass ihm anlässlich des Erfolges der ersten Korrespondenzpartie Berlins gegen Breslau gewidmet wurde.

Mendheim muss aber auch über den schach­lichen Rahmen hinaus Bedeutung in der Stadt gehabt haben, denn anders ist der längere Nekrolog in der Vossischen Zeitung nicht zu erklären, der das Wirken und die Verdienste um das Berliner Schach dieses Mannes rühmt.

Mendheim war wohl auch deshalb über Schachkreise hinaus bekannt, weil er in Kaffeehäusern spielte, in denen das gesellschaftliche Leben stattfand und in dem unterschiedlichste gesellschaftliche Schichten aufeinandertrafen. Diesem Phänomen der Kaffeehäuser und ihrer Bedeutung für die Verbreitung des Schachs in Berlin widmet Nickel ein eigenes Kapitel.

Dass Mendheim später nahezu vergessen wurde, hängt auch damit zusammen, dass neben den Korrespondenzpartien nur eine einzige vollständige Partie von ihm erhalten geblieben ist. Allerdings sind durch die beiden kleinen Aufgabenbücher, die in Nickels Buch (im Gegensatz zum Original mit Diagrammen versehen) nachgedruckt sind, viele von Mendheims Kompositionen überliefert, die hinsichtlich der Qualität weit über dem Niveau jener Zeit standen.

Nickels Verdienst ist nicht nur, den ersten deutschen Schachspieler von Rang gewürdigt und viel Neues gehoben zu haben. Er hat auch das schachliche Berlin in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch zeithistorische Berichte wieder auferstehen lassen, wozu auch zahlreiche Fotos jener Zeit beitragen.

Harry Schaack,

KARL 1/2019