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LXNUNSVZUZ
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Schach verstehen - Zug um Zug

272 Seiten, kartoniert, Gambit, 2002

18,60 €
Inkl. 5% MwSt., zzgl. Versandkosten

John Nunn ist einer der angesehensten Schachautoren in der Welt.

Gewissenhaft hat er dreißig moderne Schachpartien ausgesucht, um dem Leser zu helfen, die wichtigsten Aspekte im Schach zu verstehen, und um moderne Schachprinzipien an praktischen Beispielen zu veranschaulichen.

Nahezu jeder einzelne Zug wird erklärt, und zwar in allgemein verständlicher Sprache. Fachjargon wird so weit wie möglich vermieden. Fast alle Beispiele sind den neunziger Jahren entnommen und zeigen, wie die Schlüsselideen von den heutigen Großmeistern behandelt werden. Das Gewicht liegt auf allgemeinen Prinzipien, die der Leser in seinen eigenen Partien anwenden kann, und detaillierte Analyse wird nur gegeben, wo es notwendig ist.

Jede Partie enthält viele Lektionen, aber um den Leser durch die wichtigsten Ideen in jeder Phase der Partie zu leiten, sind die dreißig Partien thematisch geordnet, nach Schwerpunkten in der Eröffnung, im Mittelspiel und im Endspiel.

John Nunn ist ein Großmeister aus England. Er hat vier Goldmedaillien als Einzelspieler und drei Silbermedaillien mit der Mannschaft in Schacholympiaden gewonnen. Im Weltcup 1988/89 erreichte er den 6. Platz, vor mehreren ehemaligen Weltmeistern. Man könnte mit Recht behaupten, dass er der Schachautor ist, der weltweit die größte Anerkennung genießt. Unter anderem haben zwei seiner Bücher die begehrte Auszeichnung "Buch des Jahres" der Britischen Schachföderation erhalten. Er ist der Hauptautor der maßgebenden, einbändigen Ausgabe der Eröffnungsenzyklopädie, Nunn`s Chess Openings.

Weitere Informationen
Gewicht 500 g
Hersteller Gambit
Medium Buch
Erscheinungsjahr 2002
Autor John Nunn
Sprache Deutsch
ISBN-10 1901983765
ISBN-13 9781901983760
Seiten 272
Einband kartoniert

005 Symbole

006 Einführung

009 1 Die Eröffnung

010 Partie 1 Raus mit den Figuren! (Tschernin-Van der Wiel)

016 Partie 2 Der König im Zentrum (Khalifman-Sweschnikow)

022 Partie 3 Erfolgreiche Zentrumskontrolle (Asejew-Raschkowski)

029 Partie 4 Ein "überdehntes" Bauernzentrum (Van der Wiel-Waganjan)

035 Partie 5 Modernes Gambitspiel (Markowski-Onischuk)

043 2 Das Mittelspiel

043 2.1 Angriff

044 Partie 6 Grundlegende Angriffsideen (Kasparow-Short)

052 Partie 7 Mobilisierung der Reserven (Kasparow-Karpow)

064 Partie 8 Standardopfer (Schirow-Reinderman)

072 Partie 9 Der kompromisslose Opferangriff (Nunn-Nataf)

079 Partie 10 Heterogene Rochaden (Nunn-Ward)

087 Partie 11 Die tödliche lange Diagonale (Timman-J.Polgar)

097 2.2 Verteidigung

098 Partie 12 Nur keine Panik! (Rytschagow-Lanka)

107 Partie 13 Das Opfer als Element der Verteidigung (Lalic-Khalifman)

115 Partie 14 Verteidigung und Gegenangriff (Bu Xiangzhi-Ye Jiangchuan)

124 Partie 15 Zähe Verteidigung (Kramnik-Anand)

132 2.3 Positionsspiel

134 Partie 16 Schlechte Bauernstruktur (Kasparow-I.Sokolow)

142 Partie 17 Der Raumvorteil (Karpow-Ribli)

152 Partie 18 Der Vorposten (Piket-Smirin)

159 Partie 19 Die offene Linie (Short-Timman)

166 Partie 20 Der schwache Felderkomplex (Kasparow-Schirow)

175 Partie 21 Der Angriff am Damenflügel (Yermolinsky-Christiansen)

183 Partie 22 Das Läuferpaar (M.Gurewitsch-Miezis)

195 Partie 23 Der schlechte Läufer (Stean-Sax)

203 Partie 24 Bauernketten (San Segundo-Topalow)

213 Partie 25 Die Ausnutzung des isolierten d-Bauern (Kamsky-Karpow)

225 Partie 26 Der Triumph des isolierten d-Bauern (Kamsky-Short)

232 Partie 27 Opfer auf Position (Lautier-Schirow)

241 3 Das Endspiel

241 Partie 28 Der aktive König (Smyslow-Sax)

251 Partie 29 Die Kraft der Freibauern (Kramnik-Swidler)

257 Partie 30 Der Turm auf der 7. Reihe (Handoko-Xu Jun)

270 Index der Spieler

272 Index der Eröffnungen

Einführung

Ziel dieses Buchs ist es in erster Linie, einige der wichtigsten Prinzipien des Schachspiels im Kontext modernen Partienmaterials zu erläutern. Die Betonung liegt hierbei auf "modern". Es gibt eine Menge Schachbücher allgemeiner Art, aber viele davon haben meiner Einschätzung nach den Anschluss an die Entwicklung des Spiels verloren. Schachwissen und Schachverständnis sind in den letzten 50 Jahren enorm gewachsen, die Lehrbücher konnten aber häufig nicht mit dem Strom neu-er Ideen Schritt halten. Das Schach zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist viel dynamischer als das Schach früherer Tage, und nicht wenige der ehernen Prinzipien unserer Altvordern gelten heute bestenfalls noch als Halbwahrheiten.

Hierzu ein paar Beispiele: Jeder weiß, man soll in der Eröffnung nicht die gleiche Figur mehr-mals ziehen, man soll möglichst früh rochieren und anschließend mit den Türmen die Zentrallinien besetzen. Jeder weiß das - außer offenbar Khalifman (FIDE-Weltmeister 1999-2000) und Kasparow (Nr. l der Weltrangliste). In Partie 13 opfert Khalifman mit Schwarz schon im 15. Zug die Dame und gewinnt die Partie, ohne auch nur einmal mit dem König, dem Königsläufer oder dem Königsturm zu ziehen. Seine Figuren standen direkt auf ihren Ausgangsfeldern bereit, um am An-griff teilzunehmen, ohne den üblichen "Umweg" der Entwicklung zu beschreiten. In Partie 20 zieht Kasparow seine Springer sieben Mal in den ersten 13 Zügen, entwickelt den Damenturm über a4 nach b4 und rochiert erst im 25. Zug. Solche Partien lassen sich mit den althergebrachten Prinzi-pien, die in vielen traditionellen Lehrbüchern gepredigt werden, nicht mehr erklären. Natürlich sind die alten Regeln deshalb nicht völlig ungültig - schließlich gibt es noch immer weit mehr Partien, in denen die Türme zentral entwickelt werden und nicht via a4 und b4. Klar ist aber auch, dass die Zahl der Ausnahmen weit größer ist, als man früher glaubte.

Die moderne Sicht auf das Spiel ist eine weitaus flexiblere als die, die über den größten Teil des 20. Jahrhunderts vorherrschte. Allgemeine Prinzipien haben ihren anerkannten Stellenwert, aber auch ihre Grenzen werden heute klarer erkannt. Die konkreten Erfordernisse der Stellung sind weitaus wichtiger als das Festhalten an abstrakten Prinzipien. Wenn heute ein führender Großmeister meint, die Stellung auf dem Brett verlange nach einem ganz bestimmten Plan, dann verfolgt er die-sen Plan auch - selbst auf die Gefahr, den Dogmen der Vergangenheit geradezu Hohn zu sprechen. Leider haben diese neuen, dynamischen Ideen bisher kaum Eingang in die Lehrbücher gefun-den. Stattdessen findet man Abhandlungen, die sich kaum von denen Euwes aus den 50-er Jahren unterscheiden. Euwe war ein einflussreicher Schachautor seiner Zeit, und seine Bücher bieten ei-nen erstklassigen Überblick über den Stand des Schachwissens in jenen Jahren. Aber das Schach-spiel ist seither nicht stehengeblieben. Man würde sich ja auch nicht so gerne in die Hände eines Chirurgen begeben, der sein Handwerk auf das Studium eines 50 Jahre alten Lehrbuchs gründet. Darum wird, wer sich auf überkommene Ideen stützt, letztendlich einfach weniger erfolgreich ab-schneiden als jemand, der die aktuellen Entwicklungen im Schachspiel erfasst hat.

Ich hoffe, im vorliegenden Buch dieses neue Herangehen an das Schachspiel auf eine für ein möglichst breites Publikum verständliche Weise zu erklären. Zu diesem Zweck habe ich dreißig "Schlüsselthemen" ausgewählt, die anhand jeweils einer Partie illustriert werden.

Ein Autor, der ein Buch derart allgemeiner Natur schreibt, hat immer zwei Möglichkeiten. Ent-weder er wählt Fragmente aus einer möglichst großen Anzahl von Partien aus, oder er stellt nur eine kleine Anzahl Partien vor, diese dafür aber komplett. Beide Methoden haben ihre Licht- und Schattenseiten. Mit Partiefragmenten lässt sich ein weiter gefasster Themenbereich abdecken, aber es ist nicht möglich zu zeigen, wie sich das jeweilige Thema in den Gesamtkontext der Partie einpasst. Angesichts der "generalistischen" Natur des Buches habe ich mich dafür entschieden, nur

mit kompletten Partien zu arbeiten. Selbst wenn einzelne Abschnitte der Partien für das jeweilige Thema streng genommen nicht relevant sein mögen, können sie immer noch dazu dienen, Ideen zu untermauern, die in anderen Teilen des Buchs vorgestellt werden.

Die Auswahl der Partien orientiert sich an den folgenden Hauptkriterien:

1) Klare Demonstration des beabsichtigten Themas;

2) Ausgeglichene Kämpfe auf höchstem Niveau;

3) Möglichst hohe Aktualität;

4) Möglichst frei von groben Fehlern.

Kriterium 1 ist klar, zum zweiten Kriterium sind aber vielleicht ein paar erläuternde Worte ange-bracht. Es ist nicht schwierig, eine einseitige Partie zu finden, die ein bestimmtes Thema demon-striert. Das kann aber täuschen. Es gibt unzählige Partien zwischen Spielern sehr unterschiedlicher Spielstärke, in denen der Verlierer kaum Widerstand leistet und der Sieger schalten und walten kann, wie er will. Natürlich hat auch eine solche klar umrissene Demonstration ihre Vorteile, sie kann aber auch einen falschen Eindruck vermitteln. Wenn man ein Thema auswählt, sagen wir, den isolierten d-Bauern, und dann ein paar Beispiele vorführt, in denen der arme Besitzer dieses Bau-ern schulmäßig auseinandergenommen wird, könnte der Leser daraus den Schluss ziehen, dass sol-che Stellungen praktisch von vornherein verloren sind. Bald darauf hat er selbst eine solche Stellung auf dem Brett, und plötzlich ist alles doch nicht mehr ganz so einfach, wie er glaubte. Sein Gegner findet alle möglichen Gegenchancen und lästige taktische Drohungen, und schon geht es bergab, und er verliert die Partie. Darum ist es wichtig, jedes Thema möglichst von beiden Seiten zu beleuchten, und das geht am besten, indem man es anhand hart ausgekämpfter Partien zwischen starken Großmeistern präsentiert, in denen beide Seiten durch phantasievolles Spiel versuchen, die vorteilhaften Aspekte ihrer jeweiligen Position zur Geltung zu bringen. Kriterium 3 bedarf keines Kommentars, denn das Buch will ja ausdrücklich eine moderne Perspektive bieten. 27 der 30 Par-tien in diesem Buch wurden dementsprechend 1990 oder später gespielt. Kriterium 4 ist gewiss wünschenswert, aber wie wir noch sehen werden, ist das Ziel, "fehlerfreie" Partien zu wählen, nicht so ganz einfach zu erreichen.

Auswahl und Kommentierung der Partien erwiesen sich als äußerst zeitaufwendig. Viele Leute meinen, dank des Computers sei das Schreiben eines Schachbuchs heutzutage ganz simpel: Man schaltet die Maschine ein, der Rechner überprüft die Analyse, man greift noch ein bisschen in die Tasten, und fertig ist das Schachbuch. Aber weit gefehlt. Die Rechenleistung der Computer wächst immer weiter, und so werden sie natürlich auch immer besser darin, "dunkle Punkte" in Partien zu finden, die man bisher für leidlich fehlerfrei hielt. Mein neuer 950-Mhz-Rechner ist in dieser Hin-sicht ein wahres Monster, und nachdem er viele meiner ursprünglich vorgesehenen Partien in Schutt und Asche analysiert hatte, blieb mir nichts anderes übrig, als mich wieder in meine Daten-bank zu vertiefen und nach neuen Beispielen zu suchen - natürlich ging das Ganze dann wieder von vorne los.

Der Leser mag überrascht sein ob der vielen Fragezeichen, die die Partien in diesem Buch zie-ren. Es kann ja wohl nicht so schwer sein, werden Sie denken, ganze 30 einigermaßen fehlerfreie Partien ausfindig zu machen. Ich kann ihnen versichern: es ist schwer. Mit der heutzutage verfüg-baren Rechnerleistung findet man wohl in jeder komplizierten, voll ausgekämpften Partie den ei-nen oder anderen Fehler (und noch viel mehr davon in den Anmerkungen und Kommentaren in Schachzeitungen oder dem Informator). Ob einen das stört oder nicht, hängt von der Einstellung zum Spiel ab. Ich persönlich habe nie geglaubt, auch nur annähernd zu völliger Präzision beim Spiel im Stande zu sein. Darum habe ich mit derartigen "Enthüllungen" auch kein wirkliches Pro-blem. Manch einer wird sich wohl mit dem Eingeständnis schwertun, dass das Schach, wie es von Menschen gespielt wird, eben doch weniger exakt ist, als man früher dachte.

Meine Kommentare betonen sehr stark das Schachverständnis und allgemeine Prinzipien, und die Leser werden feststellen, dass dieses Buch etwas wortlastiger ist als meine früheren Veröf-fentlichungen. Dennoch finden sich auch hier reichlich Stellungen, die ohne Angabe konkreter Varianten nicht verständlich gemacht werden können. Wenn die Bewertung einer Stellung von einer taktischen Finesse abhängt, die erst acht Züge später auf dem Brett folgt, wäre es irreführend, so zu tun, als könne man die Stellung auf der Basis allgemeiner Prinzipien beurteilen. Ich habe mich allerdings sehr bemüht, mich nur dann in konkrete Varianten zu vertiefen, wenn dies wirklich nötig war. Zu fast jedem Zug wird ein Kommentar gegeben. Ausgenommen davon sind nur Eröffnunszüge, die schon in früheren Partien im gleichen Buch vorkamen, völlig erzwungene Züge, wie das Wiedernehmen der Figur bei einem Abtausch, sowie gelegentlich Züge am Ende der Partie, wenn der eigentliche Kampf entschieden ist.

Nicht versäumen möchte ich, den Einfluss zu erwähnen, den das Buch "Geheimnisse der modernen Schachstrategie (Secrets of Modern Chess Strategy) von John Watson (erschienen 1998 bei Gambit Publications) auf mich hatte und hat. Zwar gibt es sowohl inhaltlich als auch methodisch eine Menge Unterschiede zwischen seinem und meinem Buch, aber die Philosophie dahinter ist im Kern bei beiden Büchern durchaus ähnlich.

Ich hoffe, die Leser werden die hier vorgestellten Partien ebenso lehrreich wie unterhaltsam und spannend finden, und ich hoffe, Sie werden, wenn Sie dieses Buch durchgearbeitet haben, einen besseren Einblick in das Denken zeitgenössischer Schachmeister gefunden haben.

John Nunn

Chersey, im September 2000

REZENSION DER ENGLISCHEN AUSGABE ("Understanding chess - move by move"):

"Understanding chess move by move“ by John Nunn is an instructive made concept chess book explaining us clearly and instructively every move from the game so that we can easily follow the ideas, methods and thoughts behind it. All 30 games of this book are related to thirty modern thematical key themes as for example keys such as the exotic “The all out sacrificial onslaught” or the “lonely outpost”. Better known are the positional and standard sacrifices which are all instructively explained in a clearly English that everybody can understand. I believe if the good old Max Euwe could have seen this all he would scratch himself on his bright head, but on the other hand he would be very pleasantly surprised to see so many modern ideas in this book. The modern master of today cannot work anymore with an old and outdated work as "Judgement and planning in chess“ even if it was from the great Max Euwe. Nowadays an ambitious master must have more in house, he or she must be very flexible in planning as ever before. A classic work like "Logical chess - move by move“ from Irving Chernev is fun to go through and even better just only to collect and move it as quickly as possible into your book shelf, but a modern chess student wants to develop a much more deeper understanding and I believe this work from Nunn is a first impulse to develop a better understanding of modern chess play. For the first time in his life Nunn is offering more text than explanations in a chess book; it seems to be no easy task for a computer expert and chess playing Grandmaster, but Nunn did extremely well, there are even some complicated variations and a late seventies game as Stean - Sax from Las Palmas 1978 which I personally would have left away for a more modern approach of the thematically bad bishop.

Conclusion: Very instructive!

Rezension: John Elburg, NL

Beginnen wir mit der Übersetzung von John Nunns "Understanding Chess Move by Move".

Das Buch blieb inhaltlich unverändert, durch die Übersetzung hat sich lediglich der Umfang von 240 auf 272 doppelreihige Seiten erhöht, so dass den Leser bei einem Großformat von 17,2 x 25 cm viel Material erwartet.

In seinem modernen Lehrbuch vermittelt John Nunn dem Leser alle grundlegenden Prinzipien und gibt gleichzeitig einen schönen Überblick, wie dynamisch und flexibel die heutigen Spitzenspieler die klassischen Grundsätze interpretieren.

Es besteht aus 30 Partien, die fast ausnahmslos aus den 90ern und von erstklassigen Spielern stammen. Jede Partien hat ein bestimmtes Hauptthema, z.B. "Raus mit den Figuren!" und "ein überdehntes Bauernzentrum" im Kapitel Eröffnung (mit 5 Partien), "Grundlegende Angriffsideen", "Zähe Verteidigung" und "Der schwache Felderkomplex" aus dem Mittelspiel (22 Partien) und "Der aktive König" aus dem Endspiel (3 Partien).

Der Schwerpunkt bei diesem Buch liegt also auf dem Mittelspiel. Vor jeder Partie erhält der Leser eine kurze Einführung in ihr Thema, dann folgt die sehr ausführlich kommentierte Partie, in der fast jeder Zug erläutert wird.

Danach folgt jeweils noch eine kurze Zusammenfassung sowie einige "Lehren", die man aus der Partie ziehen sollte. In der Kommentierung vermittelt Nunn so weit wie möglich allgemeine Grundsätze, die Ergänzung durch Varianten ist auf ein gut ausreichendes Maß reduziert.

Der Ansatz, jeden Zug zu erklären, klingt zwar nach einem Lehrbuch für Anfänger, angesichts der gehaltvollen Partien scheint mir jedoch ein gewisses Maß an schachlicher Erfahrung sehr empfehlenswert.

Die Partien zeigen durchweg harte Kämpfe, die erst nach zähem Ringen entschieden werden. Außerdem sind die Themen wie gesagt sehr modern, ein eindrucksvolles Beispiel für modernes dynamisches Schach liefert Khalifman, wenn er schon im 15. Zug die Dame opfert und 12 Züge später die Partie gewinnt, ohne jemals den König, den Lf8 und den Th8 bewegt zu haben.

Für Spieler, die bereits ein wenig Erfahrung gesammelt haben, halte ich dieses schöne Buch für äußerst lehrreich, man sollte sich nicht von der an einigen Stellen sehr auf Anfänger ausgerichteten Kommentierung abschrecken lassen.

Schachmarkt, 05/2002

Der englische Spitzen-GM Dr. John Nunn gilt als einer der renommiertesten zeitgenössischen Schach-Autoren. Diesem hervorragenden Ruf wird er mit der Partiensammlung "Understanding Chess Move by Move" von 2001 - die hier vorliegende deutsche Ausgabe 2002 wurde von Hans-Peter Remmler übersetzt - abermals in vollem Umfang gerecht.

Nunn führt 30 Partien aus der GM-Praxis der 1980er- und 1990er-Jahre vor, die ein bestimmtes schachliches Prinzip oder Motiv besonders gut veranschaulichen (etwa "Zentrumskonrolle, "Opferangriff', "Zähe Verteidigung", "Isolierter d-Bauer" "Kraft der Freibauern" u.a.m.), und versieht diese Partien mit ausführlichen allgemeinen Kommentaren (vom ersten Zug an!) sowie mit z.T. erschöpfenden Analysen in taktisch-komplizierten Stellungen. Durch diese Herangehensweise - jede Partie nimmt ca. neun großformatige Buchseiten in Anspruch! - wird der Leser quasi an die Hand genommen und mit den Ideen der Kombattanten tief schürfend vertraut gemacht; fürwahr eine ideale Situation des Lernens und Profitierens von den großmeisterlichen Einsichten. An vielen Stellen lässt der Autor auch durchblicken, dass sich modernes schachliches Denken durchaus jenseits der Dogmen der Alt-

vorderen weiterentwickelt hat. Zudem sind querbeet fast alle heute relevanten Eröffnungen in der Sammlung enthalten, sodass ein ziemlich umfassender Überblick gewährleistet bleibt. Der Autor behandelt folgende Themen:

1) Eröffnung: Fünf Partien (S. 9-42);

2) Mittelspiel: a) Angriff: Sechs Partien (S. 43-96); b) Verteidigung: Vier Partien (S. 97-131); c) Positionsspiel: Zwölf Partien (S. 132-240);

3) Endspiel: Drei Partien (S. 241-269). Trotz der obigen Einteilung werden alle Partien in allen Phasen gründlich beleuchtet und bewertet. Zu jeder Partie gibt es eine Überschrift (das Motiv bzw. Thema), eine Einführung, eine abschließende Beurteilung sowie jeweils vier Lehren, die der Leser aus dem Studium des Gezeigten für sich selbst beherzigen soll.

Hier ist ein Lehrbuch des zeitgenössischen meisterlichen schachlichen Denkens entstanden, welches eine sehr hohe Qualität aufweist, bis zum letzten Komma wohl durchdacht erscheint und allen Schach-Amateuren jedweder Spielstärke zur Steigerung derselben durch intensives Studium desselben dienen kann.

Zum Thema "Mittelspiel - Die offene Linie" analysiert der Autor eine kuriose Partie:

Weiß: Short Schwarz: Timman

Tilburg 199l, Aljechin-Verteidigung

1. e4 Sf6 2. e5 Sd5 3. d4 d6 4. Sf3 g6 5. Lc4 Sb6 6. Lb3 Lg7 7. De2 Sc6 8. 0-0 0-0 9. h3 a5 10. a4 d:e5 11. d:e5 Sd4 12. Sd4: Dd4: 13. Te1 e6?! 14. Sd2 Sd5?! 15. Sf3 Dc5 16. De4! Db4 17. Lc4! Sb6 18. b3! S:c4 19. b:c4 Te8 20. Td1 Dc5 21. Dh4 b6 22. Le3 Dc6! 23. Lh6 Lh8 24. Td8 Lb7? 25. Tad1 Lg7 26. T8d7! Tf8 27. L:g7 Kg7: 28. T1d4 Tae8 29. Df6+ Kg8 30. h4 h5 31. Kh2!! Tc8 32. Kg3 Tce8 33. Kf4 Lc8 34. Kg5 und 1:0, denn nach 34. ...Kh7 35. T:f7+ T:f7 36. Df7+ Kh8 37. Kh6 setzt Weiß in zwei weiteren Zügen matt. Der weiße Wanderkönig hat fürwahr ganze Arbeit geleistet! (Partie Nr. 19, Kommentare und Analysen S. 159-165).

Dr . W. Schweizer, Rochade Europa 10/2002 Der Londoner Großmeister (zuletzt ID 28/08) zählt seit fast 30 Jahren zu den besten Spielern der Welt und genießt auch als Autor und Verleger einen hervorragenden Ruf. Sein von ihm mitgegründetes Haus "Gambit-Publications" wagt nun den Sprung von der Insel und drängt mit fast einem Dutzend Übersetzungen auf den deutschen Buchmarkt [..], Das englische Original wurde 2001 in die Liste "Schachbuch des Jahres" aufgenommen und wendet sich an Schachfreunde, die bereits über Grundkenntnisse verfügen. Nunn wählte 30 Partien aus der modernen Meister-Praxis, die ein bestimmtes schachliches Motiv veranschaulichen wie etwa "Zentrumskontrolle", "Opferangriff" oder "Kraft der Freibauern". Er versieht diese mit ausführlichen Kommentaren vom ersten Zug an, wodurch jede durchschnittlich 9 Seiten in Anspruch nimmt und so den Lernenden Schritt für Schritt mit den Grundideen in jeder Phase der Partie vertraut macht. Ein hervorragend gelungenes Werk, das in keinem ausgebauten Schachbestand fehlen sollte. (2)

Wolfgang Franz ID 8/03-BA 4/03 ekz-Informationsdienst

John Nunn [strebt] den Lerneffekt durch intensives Nachvollziehen ganzer Partien an - 280 Seiten Allgemeinbildung mittels 30 Begegnungen aus dem letzten Vierteljahrhundert. Ähnlich tiefschürfend wie Igor Stohls 50-Partien-Revue "Instruktive Meisterwerke aus der modernen Schachpraxis", welche auf 368 Seiten im gleichen Großformat kommt. Während der Slowake allerdings primär fortgeschrittene Spieler zwischen DWZ 2000 und 2400 im Visier hat, richtet sich Nunn an das Verständnis von Vereinsspielern ab DWZ 1600 aufwärts. Jede Partie umfasst eine thematische Einleitung (z.B. zähe Verteidigung, Opfer auf Position, Raumvorteil) und resümiert mit einer Aufzählung am Ende die Lehren. Obwohl es auch lange Varianten gibt, vertraut Nunn überwiegend der Überzeugungskraft des Wortes. Er tritt als Schachlehrer auf, der in seinen Lektionen

schon mal zu psychologischen Überlegungen ("Nur keine Panik!" als Leitmotiv) und kleinen Anekdoten abschweift. Zu dem Stohl-Band gibt es nur eine Partieüberschneidung - und selbst die ist im Vergleich reizvoll. Aber Achtung: Was so leseleicht daherkommt, bedarf vieler Stunden Studium. Eine Partie füllt leicht einen ganzen Abend. Es sollten übrigens besser gleich zwei verschiedenfarbige Marker die Seiten "verschönern", um generelle Stellungsbetrachtungen und spezielle Lehrsätze zu unterscheiden. Ein Band, der sicher für viele bis zum Oberligalevel neue Einsichten bringt, und vielleicht auch manchem Bundesligaspieler an der einen oder anderen Stelle ein "Aha" entlocken wird. Voraussetzung ist allerdings unbedingt die Bereitschaft zu arbeiten, zu arbeiten und nochmals zu arbeiten.

Schachmagazin 64 02/2004