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LOCOLSRV
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Schacheröffnungen richtig verstehen

Wie moderne Eröffnungen gespielt werden

223 Seiten, kartoniert, Gambit, 1. Auflage 2006

20,56 €
Inkl. 5% MwSt., zzgl. Versandkosten

Dieses bedeutende neue Werk untersucht alle Schacheröffnungen, bietet einen Leitfaden zu jeder kritischen Hauptvariante und zeichnet sich durch Beschreibungen der typischen Strategien für beide Seiten aus. Alle Vereins- und Turnierspieler werden diese Erläuterungen begrüßen, da sie ihnen helfen, die Mittelspielstellungen, die aus jeder Eröffnung entstehen, besser zu handhaben. Außerdem geben sie ihnen das nötige Rüstzeug, um die beste Fortsetzung zu finden, wenn ihre Gegner von den Standardwegen abweichen.

Da es alle Eröffnungen behandelt, wird sich Schacheröffnungen richtig verstehen für alle diejenigen von unschätzbarem Wert erweisen, deren Ziel es ist, ein Repertoire aufzubauen. Der Leser bekommt auf den ersten Blick ein Gefühl für den Charakter der Eröffnung und eine Vorstellung davon, ob sie zu seinem Stil passt. Das Buch behandelt auch potentielle theoretische Problemgebiete und Fragen der Zugreihenfolgen, die so kritisch sind, wenn man dabei ist, ein Repertoire aufzubauen.

Zu den Hauptmerkmalen des Buches gehören:

  • Hauptvarianten werden Zug um Zug erklärt

  • Empfehlungen gegen seltene, aber gefährliche Nebenvarianten

  • Besondere Betonung der Varianten, die auf Vereinsniveau beliebt sind

  • Kurze Beschreibung der Ziele beider Seiten am Ende jeder Hauptvariante

  • Allgemeine Einführung zu jeder wichtigen Eröffnung

  • Mehr als 400 Diagramme.

Sam Collins ist ein junger Internationaler Meister aus Irland, der die irische Meisterschaft im Jahre 2002 gewonnen hat. Er hat an mehreren Welt- und Europameisterschaften der Junioren teilgenommen und Irland bei drei Olympiaden vertreten, wobei er in Bled 2002 eine Goldmedaille gewann. Er ist außerdem ein erfahrener Schachtrainer und hat Vorträge an der Berkeley Chess School in Kalifornien gehalten.

Einführung

Wenn ich eines festgestellt habe, dann ist das meine völlige Unfähigkeit, eine ordentliche Ein­fuhrung zu schreiben. Es erscheint mir lächerlich, über Dinge zu reden wie "der Sinn dieses Buches", oder "wie man dieses Buch benutzt" - der Sinn dieses Buches ist zu versuchen, dem Leser etwas beizubringen, und am besten wird es benutzt, indem man etwas (vorzugsweise möglichst viel) darin liest. Nachdem ich nun also meine Unzulänglichkeiten gebeichtet habe, werde ich versuchen, so etwas wie eine Einführung zu schreiben, wobei ich nichts verspreche, außer mich kurz zu fassen.

In meiner begrenzten Erfahrung als Trainer musste ich meinen Schülern oft diverse Eröff­nungen erklären. Die meisten dieser Eröffnungen spiele ich nicht selbst, so dass ich mir für alle Hauptvarianten, die in den Partien meiner Schüler voraussichtlich vorkommen konnten, gewisse Grundkenntnisse aneignen musste (aus Eröffnungsbüchern, Datenbanken, Spieler­biographien, Turnierberichten, Vorträgen und Blitzpartien). Was ich "Grundkenntnisse" nen­ne, ist das Verständnis, wohin die Figuren gehen, und warum sie dahin gehen, eine grundsätz­liche Idee, was beide Seiten von einer bestimmten Stellung wollen, und wie sie versuchen können, es zu erreichen. Diese Art von Information war früher in Büchern enthalten, die als Einführung in die Eröffnung konzipiert waren und die aus irgendeinem Grund ausgestorben sind. Vielleicht dachte man, dass angesichts des schnell wachsenden Eröffnungswissens ein einzelner, relativ kleiner Band nicht alle Eröffnungen abdecken könnte, es sei denn, er enthiel­te keine Erklärungen, sondern nur endlose Variantenbäume. Das mag stimmen, aber ich denke (und hoffe), dass das Gegenteil der Fall ist - gerade wegen der wachsenden Informationsmen­ge im Schach, wenn sogar Clubspieler riesige Datenbanken besitzen, braucht man umso mehr eine einfache verbale Einleitung in jede Eröffnung, gekoppelt mit den wichtigsten Hauptab­spielen und beispielhaften Varianten. Das ist die Art und Weise, wie ich meinen Schülern die Eröffnungen zu erklären versuche, und genau so habe ich versucht, dieses Buch zu schreiben. Im engsten Sinne besteht dieses Buch also aus den Notizen, auf die ich mich beziehe, wenn ich eine bestimmte Eröffnung unterrichte - im weitesten Sinne stellt es eine Reihe von Eröff­nungslektionen für Clubspieler dar. Ich bin sicher, dass viele Spieler an den Extremen des Elo-Spektrums nichts damit anfangen können - entweder weil es ihnen zu detailliert oder aber zu vereinfachend ist - doch ich hoffe, dass die meisten Spieler, die allgemeine Eröffnungserläuterungen suchen, an diesem Buch Gefallen finden werden.

Zwei Punkte sind noch hinzuzufügen - der eine betrifft mich, der andere betrifft Sie. Ers­tens ist dieses Buch von mir geschrieben, und obwohl ich es als einigermaßen objektiv be­zeichnen würde, könnte man es doch als persönliche Sichtweise moderner Eröffnungen be­zeichnen. Entsprechend erwähne ich an einigen Stellen Alternativen zu den Hauptabspielen der Theorie, oder ich trete für Nebenvarianten ein, die ich für aussichtsreicher halte als die aus­getretenen Pfade. Außerdem warne ich den Leser vor bestimmten Varianten, nicht weil ein Spitzengroßmeister sie widerlegt hätte, sondern weil "ich nicht gerne ein so großes Zentrum aufbaue, bevor ich völlig entwickelt bin" oder etwas Ähnliches. Ich glaube, dass ich immer die Hauptvarianten angeführt habe, auch wenn ich Alternativen bevorzuge, und wenn ich eine persönliche Meinung statt einer theoretischen "Tatsache" ausdrücke, habe ich sie als solche gekennzeichnet. Aber der Leser sollte die Schlussfolgerungen in diesem Buch immer anhand seines eigenen Schachgefühls testen, sie aufnehmen, wenn sie ihm sinnvoll erscheinen, und sie ablehnen, wenn sie es nicht tun. Zweitens denke ich, dass dieses Buch Sinn macht (wenn nicht, dann bin ich in ernsten Schwierigkeiten), aber der ganze Sinn ergibt sich nur aus der Ge­samtheit des Buchs. Bestimmte Stellungen (die zum Beispiel einen isolierten Damenbauern enthalten) kommen in so vielen Eröffnungen so oft vor, dass es nicht praktisch war, eine typi­sche Stellung jedes Mal zu erklären, wenn sie auftauchte - stattdessen bekommt der Leser nicht mehr als einen Kommentar wie "mit einer typischen Isolani-Stellung". Dabei wird die komplette Diskussion der Stellungen mit isoliertem d-Bauern auf den Nimzoindischen Ab­schnitt begrenzt, da dies die Eröffnung ist, wo diese Struktur am häufigsten vorkommt. Ähn­lich tauchen überall Maroczy-Stellungen auf, aber um sie besser zu verstehen, sollte der Leser die Diskussion im sizilianischen Abschnitt betrachten. Also wird das Buch am besten als Gan­zes gelesen, allerdings nicht unbedingt in einer bestimmten Reihenfolge - in gewisser Hin­sicht wird jeder Abschnitt durch jeden anderen ergänzt, was meiner Ansicht nach das moderne Eröffnungsspiel widerspiegelt, wo eine gute Idee aus einem bestimmten Kontext schnell aus­geliehen und unter diversen anderen Bedingungen verwendet wird.

Ich laufe Gefahr, mein Versprechen zu brechen. Ich hoffe, das Buch gefällt Ihnen.

Sam Collins

Dublin 2005

Weitere Informationen
Gewicht 470 g
Hersteller Gambit
Breite 17,2 cm
Höhe 25 cm
Medium Buch
Erscheinungsjahr 2006
Autor Sam Collins
Sprache Deutsch
Auflage 1
ISBN-10 1904600549
ISBN-13 9781904600541
Seiten 223
Einband kartoniert

008 Zeichenerklärung

009 Einführung

011 Teil 1: Offene Spiele

012 Italienische Partie

014 Giuoco Piano

018 Zweispringerspiel

021 Königsgambit

023 Seltene 2. Züge

025 Russisch

027 Philidor

029 Vierspringerspiel

030 Schottische Partie

032 Spanische Partie

034 Spanisch, Teil 1

039 Spanisch, Teil 2

045 Spanisch, Teil 3

053 Teil 2: Halboffene Spiele

054 Sizilianisch

086 Französisch

096 Caro-Kann

103 Aljechin

105 Skandinavisch

107 Nimzowitsch

108 Pirc/Moderne Verteidigung

116 Owen-Verteidigung

117 Teil 3: Damengambit

118 Angenommenes Damengambit

123 Abgelehntes Damengambit

132 Slawisch

138 Halbslawisch

142 Bauernkeil-Variante und Slawisches Gambit

143 Tschigorin und seltene Varianten

145 Blackmar-Diemer-Gambit

146 Teil 4: Indische Verteidigungen

147 Nimzoindisch

159 Damenindisch

163 Bogo-Indisch

165 Königsindisch

177 Grünfeld

186 Benoni-Systeme

189 Wolga-Benkö-Gambit

191 Holländisch

196 Trompowsky

198 Torre, Barry und Colle

199 Richter-Weressow

200 ...d6-System

201 Springer-Tango & Budapester Gambit

203 Teil 5: Flankeneröffnungen

204 Englisch

213 Reti

214 Anti-Grünfeld

215 Englische Verteidigung

216 Bird-Eröffhung

217 Larsen-Eröffnung

218 Van-Geet-Eröffnung

219 Grobs Angriff

220 Index der Varianten

Unter dem Titel "Schacheröffnun­gen richtig verstehen" erwartete ich zunächst eher etwa ein Buch der Marke "Wie spiele ich ...", in dem anhand exemplarischer Beispiele Grundideen des Eröffnungsspiels sowie typische Pläne für Weiß und Schwarz z.B. bei bestimmten Bau­ernstrukturen erklärt werden oder Essays über die moderne Eröff­nungspraxis, die ja längst über die Beherzigung einiger grundlegender Eröifnungsprinzipien hinausgeht, wie bei Suetin (z.B. Grundlagen des modernen Eröffnungsspiels, 1997) oder Jussupow (Effektives Eröffnungstraining, Beyer 1994). Schon der erste Blick ins Buch zeigt, dass es vielmehr um einen Überblick über den aktuellen Stand der Eröff­nungstheorie anhand vieler Varian­ten geht, der vielleicht besser mit "Schnellkurs der Schacheröffnungen" zu beschreiben ist, so wie Jerzy Konikowski sein 2002 erschienenes und durchaus vergleichbares Werk genannt hat. Das bedeutet freilich nicht, dass Erklärungen im vorlie­genden Buch Mangelware sind. Der Autor Sam Collins, Jahrgang 1982 und seines Zeichens Schachtrainer, irischer Nationalspieler und Interna­tionaler Meister mit einer aktuellen Ratingzahl von 2405, erklärt durch­aus häufig die Ideen hinter den Zü­gen und streut auch variantenüber­greifende Exkurse [z.B. Abtausch­fragen (S. 13), Bauernkette (S. 87), kritische Züge (S. 118), isolierter Damenbauer (S, 148 f.), Bauern­sturmmotive (S. 165)] oder kleine Eröffnungsweisheiten diverser Großmeister ein und scheut sich nicht vor der Endbewertung einer Stellung. Dennoch liegt der Schwer­punkt des Buches klar auf einem übersichtlichen Überblick der mo­dernen Eröffnungstheorie, nicht in der Vermittlung vertiefender Eröff­nungsfragen. Da ist man bei oben genannten Werken oder auch bei den von Wilhelm Schlemermeyer in ei­ner Rezension zu diesem Buch in der Zeitschrift Schach empfohlenen Klassikern wie Reti (Die Meister des Schachbretts), Snosko-Borowsky (How to Play Chess Openings), Fine (The Ideas behind the Chess Openings) und Soltis (Pawn Structure Chess) wohl besser aufgehoben. Auch einige Werke Bronsteins wie Bronsteins Schachlehre, Berlin 1989, oder 200 Open Games, Batsford 1973, kommen mir in den Sinn. Eine echte Verbindung aus Lehrbuch und Theoriebuch stößt dagegen bei vorgegebenem Platz schon naturge­mäß auf Schwierigkeiten, bei Col­lins Buch überwiegt jedenfalls der Charakter eines Theoriewerkes.

Eine Übersicht über die aktuelle Schachtheorie hat allerdings andere Zielsetzungen und andere Vorteile. Man muss z.B. nur ein einziges Buch zu einem Wettkampf mitnehmen. Und gerade Spieler am Beginn ihrer Turnierlaufbahn sowie Trainer sol­cher Spieler und Leser mit sehr be­grenzter Zeit für die Schachvorbereitung werden eine Übersicht zu schät­zen wissen, in der eine breite Aus­wahl von Systemen erklärt dargebo­ten wird und die aktuelle Varianten vorrangiger darstellt als andere Sys­teme, deren praktische Wertschät­zung derzeit nachgelassen hat. Nicht umsonst gab es neben den Eröff­nungsmonographien immer wieder solche Theoriezusammenfassungen, sei es mit erklärendem Text etwa bei Keres (Theorie der Schacheröffnungen - Offene Spiele 1952), bei Suetin (z.B. einbändiges Lehrbuch der Schachtheorie 1973 und zweibändig 1986) oder gar fünfbändig bei Pachman ( Moderne Schachtheorie, 1980 ff.), oder sei es im Informatorstil wie bei "Batsford Chess Openings" (19864) oder bei der Miniübersicht von Parma (Kleine Enzyklopädie der Schacheröffnungen, 1992), um nur einige Beispiele der letzten Jahr­zehnte zu nennen. Neuere sind selte­ner zu finden, vielleicht weil der Ver­kauf eines Theoriebuches im Zeitalter der Datenbanken schwieriger ge­worden ist. Aber faktisches Wissen braucht ja immer auch Deutung, so dass massenhaft unkommentierte Partien in der Datenbank solche Bü­cher nie ganz ersetzen werden!

Den genannten Vorteilen stehen na­türlich auch die mit ihnen zusam­menhängenden Nachteile gegenüber. Der Autor hat nicht nur für den Le­ser ausgewählt, gewichtet und ge­kürzt, er musste es für diese Art von Publikation auch tun. Das heißt kon­kret, der Leser wird eher an frühen Stellen einer Variante allein gelassen als bei Monographien und manche Eröffnungsabhandlungen fallen bei einer Übersicht auch recht kurz aus. Das passiert zwangsläufig auch bei Collins. Ideen, mitunter sogar kriti­sche Abspiele werden bisweilen nur angedeutet, aber ein hilfreiches Partiebeispiel zur Orientierung, wie die Sache weiter verlaufen könnte, fehlt. Sätze wie "Schwarz muss nach ... auf enorme Komplikationen vorbe­reitet sein" oder "Das waren die Eröffnungszüge in Hunderten von Par­tien" machen dann dem Leser klar, dass er hier zusätzlich Speziallitera-tur braucht. Zum Vergleich: Collins bricht in der Regel etwas früher ab als Konikowski. Ein Ergänzungs­band mit Beispielpartien wäre hier eine gute Hilfe. Insgesamt gibt es al­so sowohl gut ausgeführte Varianten samt der zugrunde liegenden Ideen, aber eben auch einige recht kurze. Dafür bespricht Collins so ziemlich alle Eröffnungen samt seltener neue­rer Ideen wie 1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 Sa5!? oder umgekehrt 1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 d5 4.cd5: Sd5: 5.Sa4!? und versucht die meisten Züge kurz zu erklären. Auch weist er auf Übergänge in günstige andere Systeme hin und er drückt sich nie vor Urteilen über den Wert und die Chancen einzelner Varianten, wel­che gelten als vorteilhaft, welche als riskant. Die meisten dieser Urteile sind m. E. gut nachvollziehbar, nur einige wirken recht dogmatisch. Ein detaillierter Beleg des Gesagten ist angesichts der vielen Einzelvarian­ten allerdings schlecht machbar.

Keine Überraschung bietet die quan­titative Auswahl der Schwerpunkte: Bei den offenen Spielen (41 Seiten) dominiert natürlich Spanisch mit 19 Seiten, die halboffenen Spiele (53 Seiten) bestimmen Französisch (10 Seiten) und Sizilianisch (32 Seiten mit Schwerpunkt Drachensystem und Najdorfvariante) und bei den ge­schlossenen Spielen (103 Seiten) ra­gen das Damengambit samt Slawisch (36 Seiten) sowie die indischen Sys­teme (40 Seiten) heraus.

Fazit: Bei sauberem Zweispalten­druck, reichlich Diagrammen und einem Variantenverzeichnis insge­samt eine ausführliche, praktische und wertende Übersicht über den aktuellen Stand der Theorie mit vie­len Varianten und nützlichen Erklä­rungen, aber auch mit einigen Schwächen in Bezug auf die Tiefe mancher Erklärungen und die feh­lende Veranschaulichung der Pläne bei manch kritischer Variantenendstellung durch Ergänzungspartien. Als Zielgruppe kommen am ehesten Übungsleiter, Spieler unterer und mittlerer Ligen sowie Turnierneulin­ge (nicht Anfänger) in Frage.

Mit freundlicher Genehmigung

Helmut Riedl, Rochade Europa 10/2007

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Die englische Originalausgabe erschien unter dem Titel 'Understanding the Chess Openings' bei Gambit Publications im Jahr 2005. Die nun vorliegende deutsche Übersetzung wurde von Bettina Trabert erstellt.

Sam Collins untersucht alle Schacheröffnungen, bietet einen Leitfaden zu jeder kritischen Hauptvariante und beschreibt die typischen Strategien für beide Seiten, wobei auch die sich aus der Eröffnung ergebenden Mittelspielstellungen besprochen werden.

Wer alles in einem Buch behandeln will, muss natürlich mit dem Umfang jeder Eröffnung sorgfältig umgehen. Sam Collins hat sich hierbei offensichtlich an der Häufigkeit des Vorkommens in der Turnierpraxis orientiert. Greifen wir einige Beispiele heraus: Der selten gespielten Aljechin-Verteidigung sind 2 Seiten gewidmet, dem öfter vorkommenden Königsindisch 12 Seiten, und dem allseits präsenten Sizilianisch 32 Seiten. Das klingt wenig angesichts der Unmenge an Theorie, die heutzutage bekannt ist. Wenn man sich aber eine beliebige Eröffnung herausgreift, ist man überrascht, wieviele Informationen Sam Collins dem Leser bietet. Übersichtlich, dazu flüssig und verständlich geschrieben, macht Eröffnungstheorie so richtig Spaß.

Das Buch entspricht voll den hohen Ansprüchen, die der Verlag Gambit Publications an sich selbst stellt. Nach Ansicht des Autors wendet er sich nicht an die Spieler an den Extremen des Elo-Spektrums, weil es ihnen zu detailliert oder aber zu vereinfachend ist. Sehr geeignet ist das Buch für die große Masse der Vereinsspieler.

Schach Markt

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Der profilierte britische Schachverlag Gambit Publications Ltd. bringt mit Sam Collins' "Schacheröffnungen richtig verstehen" einen umfangreichen Ratgeber auf den Markt, der sich deutlich von der Mehrzahl der Eröffhungsbücher un­terscheidet.

Der irische Internationale Meister Sam Collins hat die Meisterschaft Irlands 2002 gewonnen, ist erfolg­reicher Turnierspieler bei Welt- und Europameisterschaften der Junioren gewesen und hat die irische Mannschaft bisher bei drei Olympiaden verstärkt. Außerdem ist er als Trai­ner und Autor tätig. Er veröffentlich­te bisher insbesondere zur Sizilianischen und zur Französischen Vertei­digung sowie zu Angriffsideen des Anziehenden bzw. des Nachziehen­den.

Collins legt mit dem von Bettina Trabert ins Deutsche übertragenen Band kein Theoriebuch im her­kömmlichen Sinn vor. Nicht detail­lierter Variantenreichtum bestimmt den Inhalt, sondern das Bemühen, den Leser auf dem Weg zu einem tieferen Verständnis von Schacher­öffnungen zu begleiten. Dem auf dem Einband formulierten allumfas­senden Anspruch, dass "dieses be­deutende neue Werk ... alle Schacheröffhungen (untersucht), ... einen Leitfaden zu jeder kritischen Haupt­variante (bietet)" kann kein noch so ausführliches Buch gerecht werden, auch der vorliegende Band nicht. Z.B. werden die Larsen-Eröffnung 1.b3 und die Sokolski- oder Orang-Utan-Eröffnung 1.b4 gemeinsam auf insgesamt einer Seite betrachtet, was dem jeweiligen strategischen Gehalt nicht gerecht wird. Dies ist keine Kritik am Buch, sondern am zu hoch gesteckten Anspruch.

Zu den häufiger gespielten Eröff­nungen gibt Collins eine allgemeine Einführung, Hauptvarianten werden zum Teil Zug um Zug erklärt, Hin­weise auf Nebenvarianten gegeben. Der Nutzer des Bandes bekommt ein Gefühl dafür vermittelt, ob der Cha­rakter einer Eröffnung zu seinem Stil passt. Auch die wichtige und oft unterschätzte Frage der Zugumstellung wird berücksichtigt.

In gewohnt hoher Qualität des GAMBIT-Verlages wurde das Lay­out gestaltet, der Zweispaltendruck schafft Übersichtlichkeit, die Dia­gramme sind jeweils nach dem ent­sprechenden notierten Zug eingeord­net, Hautvarianten im Fett-Druck dargestellt. Ein unbedeutendes Ver­sehen gab es bei der Seitennummerierung, denn bei den Seiten 213 bis 220 fehlt jeweils die Seitenzahlanga­be. Das ausführliche Inhaltsver­zeichnis und der Variantenindex sor­gen für die Möglichkeit eines schnellen Informationszugriffes. Die Strukturierung der Eröffnungen scheint inkonsequent, denn Teil 1 (Offene Spiele) und Teil 2 (Halbof­fene Spiele) schließt sich nicht etwa der dritte Teil mit einer Darstellung der Geschlossenen Eröffnungen an, sondern ein Wechsel der Systematik zu Teil 3 (Damengambit), Teil 4 (In­dische Verteidigungen) und Teil 5 (Flankeneröffhungen).

Fazit: Sam Collins' SCHACHER­ÖFFNUNGEN RICHTIG VERSTE­HEN wird dem interessierten Nut­zer, der sich der Mühe des Durcharbeitens stellt, einen deutlichen Ver­ständnis- und dadurch letztlich Spielstärkezuwachs und Freude bringen. Ausdrücklich möchte ich mich der Empfehlung des Autors an­schließen, den vorliegenden Band als ganzes zu studieren, da wieder­kehrende Motive, z.B. der isolierte Bauer als Eröffnungsfolge, nur ein­mal grundsätzlich beleuchtet wer­den, ansonsten mit einem kurzen Kommentar versehen sind.

Richard Brömel, Rochade Europa 4/2007