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LXSMETCCS

The Complete Chess Swindler

How to Save Points from Lost Positions

368 Seiten, kartoniert, New in Chess, 1. Auflage 2020

23,83 €
Inkl. 5% MwSt., zzgl. Versandkosten

Chess is a cruel game. We all know that feeling when your position has gone awry and everything seems hopeless. You feel like resigning. But don’t give up! This is precisely the moment to switch to swindle mode.

Master the art of provoking errors and you will be able to turn the tables and escape with a draw - or sometimes even steal the full point!

Swindling is a skill that can be trained. In this book, David Smerdon shows how you can use tricks from psychology to marshal hidden resources and exploit your opponent’s biases.

In a lost position, your best practical chance often lies not in what the computer recommends, but in playing your opponent.

With an abundance of eye-popping examples and training exercises, Smerdon identifies the four best friends of every chess swindler: your opponent’s impatience, their hubris, their fear, and their need to stay in control.

You’ll also learn about such cunning swindling motifs as the Trojan Horse, the Decoy Trap, the Berserk Attack, and ‘Window-Ledging’.

So, come and join the Swindlers’ Club, become a great escape artist and dramatically improve your results. In this instructive and highly entertaining guide, Smerdon shows you how.

David Smerdon is an Australian chess grandmaster and behavioural economist. In 2015 he published the highly successful chess opening book Smerdon’s Scandinavian .

Weitere Informationen
Gewicht 680 g
Hersteller New in Chess
Medium Buch
Erscheinungsjahr 2020
Autor David Smerdon
Sprache Englisch
Auflage 1
ISBN-13 9789056919115
Seiten 368
Einband kartoniert

006 Explanation of symbols

007 Acknowledgements

009 Introduction

017 Part I: What is a swindle?

030 Chapter 1) When to enter ‘Swindle Mode’

035 Part II The Psychology of Swindles

038 Chapter 2) Impatience

042 Chapter 3) Hubris

045 Chapter 4) Fear

050 Chapter 5) Kontrollzwang

057 Chapter 6) The Swindler’s Mind

058 Chapter 7) Grit

062 Chapter 8) Optimism

068 Chapter 9) Training Your Mind

079 Part III: The Swindler’s Toolbox

080 Chapter 10) Trojan Horse

086 Chapter 11) Decoy Trap

092 Chapter 12) Berserk Attack

100 Chapter 13) Window-Ledging

108 Chapter 14) Play the Player

121 Part IV: Core Skills

123 Chapter 15) Endgames

144 Chapter 16) Fortresses

160 Chapter 17) Stalemate

168 Chapter 18) Perpetual Check

183 Chapter 19) Creativity

195 Chapter 20) Gamesmanship

207 Part V: Swindles in Practice

208 Chapter 21) Master Swindles

254 Chapter 22) Amateur Swindles

273 Chapter 23) My Favourite Swindle

277 Part VI: Exercises

278 Test 1

289 Test 2

299 Test 3

309 Solutions to exercises

349 Epilogue

355 Index of names

361 Bibliography

WO SCHACHPROGRAMME SCHWEIGEN

Jeder, der Schach spielt, ist schon einem Schwindel zum Opfer gefallen. Es ist eine der emotional tiefsten Verletzungen und der Jammer über sein eigenes Versagen ruft im Moment des Scheiterns Bilder Hieronymus Boschs vor Augen oder Verse aus Dantes Göttlicher Komödie in die Ohren. Der Schwindel ist von jeher negativ konnotiert und hat den Klang von Betrug und Unge­rechtigkeit. Er ist eine irgendwie ethisch anrüchige Maßnahme, die zu einem unverdienten Ergebnis führt. Doch jenseits des individuellen Schmerzes des Betrogenen ist der schachliche Schwindel objektiv betrachtet eine mächtige Verteidigungsressource, die zu den hartnäckigen Defensivqualitäten zählt.

Mit dem Aufkommen der Schachprogramme hat die Suche nach dem besten Zug das Denken hin zur Optimierung verlagert.. Schlechte Züge zeigen Engines nicht, obwohl mit ihnen vielleicht aus praktischer Sicht viel höhere Chancen bestehen, den Gegner zu einem Fehler zu ver­leiten und eine Verluststellung noch zu halten. Davon kann man sich in dem kürzlich erschienenen Buch The Complete Chess Swindler des austra­lischen GMs David Smerdon eindrucksvoll überzeugen.

Der Schwindel sollte eigentlich eine feste Kategorie im Schach sein, ist aber trotz der Bücherflut der letzten Jahre ein weitgehend vernachlässigter Aspekt des Spiels geblieben. In der Schachgeschichte gibt es seit Marshall‘s Chess "Swindles“ von 1914, Horowitz und Reinfelds Chess Traps, Pitfalls and Swindles (1954), Hartstons How to Cheat in Chess (1976) und Chess for Tigers von Simon Webb (1978) nur wenig Material dazu. Meist wird das Thema nur am Rande besprochen, häufig in Verbindung mit Büchern über Schachpsychologie wie etwa bei Rowson. Doch kürzlich erschienen gleich mehrere Publikationen dazu. Im Unterschied zu Winning Ugly in Chess von Lakdawala (2019) oder Soltis‘ How to Swindle in Chess (2020), wo viel unspezifisches Material präsentiert wird, ergründet Smerdon systematisch den "vorsätz­lichen“, legalen Schwindel in objektiv verlorenen Stellungen. Der Schwindel will bewusst zu einem Fehler verleiten und benutzt dazu psychologische Mittel, damit das Opfer seinen Vorteil verdirbt und der Schwindler mit einem Remis oder Sieg davonkommt.

Eine Schwierigkeit des Autors bestand in der Materialbeschaffung, weil einschlägige Datenbanken keine Suchfunktionen für Schwindelzüge anbieten. Deshalb rief Smerdon die Schachgemeinde auf, ihm Beispiele aus ihrer Praxis zuzuschicken. Seine Ausbeute war so reich, dass er nun vermutlich die weltweit größte Sammlung an Schwindelpartien besitzt.

Schwindel ist eng mit Psychologie verbunden und es gibt vor allem vier Ingredienzien und ihre Gegenmittel, die dem hoffnungslos ins Hintertreffen Geratenen doch noch zum Erfolg verhelfen: Das Trojanische Pferd für die Ungeduld, den Köder für die Hybris, eine wilde Attacke gegen die Furcht, und das Führen auf unsicheres Terrain gegen den Kontrollzwang (also Chaos schaffen). Es sind diese vier charakterlichen Unzulänglichkeiten aus der Büchse der Pandora, die die besten Freunde des Underdogs sind.

Besonders gerissen ist die mit einem Köder verbundene List. Man bietet z.B. ein durchsichtiges Opfer an, mit dem ein kleiner Trick verbunden ist, den der Betrogene aber scheinbar mit ein­fachen Mitteln entschärfen kann. Doch erst dann schnappt die zweite, eigentliche Falle zu.

Neben den Schwächen der Gegner beschäftigt sich Smerdon mit den charakterlichen Qualitäten des Schwindlers, zu denen in den trübsten Stellungen vor allem Stehvermögen und Optimismus zählen. Und weil, laut Autor, die meisten Schwindel im Endspiel geschehen, sollten Patt-, Festungs- und Dauerschachideen sowie auch grundlegende Endspiele wie natürlich Läuferendspiele mit falschem Randbauern, die oft letzte Rettungsanker sind, zum Arsenal eines Schwindler gehören.

Im Kapitel über Schläue erzählt der Autor bekannte und weniger bekannte Schwindelanekdoten aus der Schachgeschichte, in denen es vor allem darum geht, dass durch bestimmte Verhaltens­weisen der Gegner psychologisch aus dem Konzept gebracht wird.

In der zweiten Hälfte des Buches präsentiert Smerdon einige kommentierte Partien von Meistern und Amateuren sowie 110 Aufgaben, die irgendwie an Hilfsmatts erinnern, weil sie die Kooperation des Gegners benötigen, um zum Erfolg zu gelangen.

Smerdon zeigt, dass man Schwindel wie andere Schachtechniken erlernen kann. Er hat mit Complete Chess Swindler ein ebenso unterhalt­sames wie lehrreichen Buch vorgelegt, mit dem ein vernachlässigtes Feld neue Saat erhält.

Harry Schaack

KARL 2/2020


Das englische Wort "swindler“ bedeutet in einer wörtlichen Übersetzung soviel wie Betrüger, Schwindler und Gauner. Der Buchtitel "The Complete Chess Swindler“ bedarf allerdings einer Erläuterung, um nicht einen falschen Verdacht aufkommen zu lassen. Dieses interessante Werk des australischen Großmeisters David Smerdon, 2020er Neuerscheinung bei New In Chess (NIC), ist nicht etwa eine Anleitung, wie man im Schach am besten unter Missachtung der Regeln betrügen kann. Es behandelt vielmehr die regelkonformen Möglichkeiten, die Ressourcen in und während einer Partie zu nutzen, um ein besseres Ergebnis zu erreichen, als dieses nach Lage der Dinge auf dem Brett tatsächlich zu erwarten ist (oder tw. subjektiv zu erwarten scheint). Wenn ich versuchen soll, eine möglichst passgenaue Charakterisierung auszusprechen, möchte ich Smerdons Arbeit als eine Anleitung für den Spieler bezeichnen, wie er sich aus einer prekären Partiesituation schwindeln kann, wobei "schwindeln“ mit einem Augenzwinkern zu verstehen ist.

Ein echter "Schwindel“ liegt nach Smerdons Definition aber nur dann vor, wenn die drei folgenden Merkmale vorliegen:

1. der Schwindler startet aus einer objektiv verlorenen Stellung heraus,

2. der Schwindler provoziert sein Opfer bewusst zu einem Fehlverhalten, in der Regel unter Ausnutzung eines psychologischen Motivs,

3. das Opfer gibt seinen Vorteil auf und lässt den Schwindler mit einem Remis oder sogar dem vollen Punkt entkommen.

Der zweite Punkt dieser Aufzählung ist der Kerngegenstand des Werkes. Während der Computer die Stellung weiterhin als verloren ausweist, will Smerdon die Chancen des Lesers zum Erreichen des dritten Aufzählungspunktes maximieren. Dies ist nach seiner Definition dann erreicht, wenn der Schwindel vollständig umgesetzt und die Stellung nicht länger objektiv verloren ist.

Nach diesen einführenden Worten dürfte bereits deutlich geworden sein, dass sich "The Complete Chess Swindler“ an den Turnierspieler richtet, der seinem Gegner Auge in Auge gegenübersitzt. Auch für das Live-Schach online kann das Buch teilweise herangezogen werden, während seine Ratschläge, Hinweise und Tipps im modernen Fernschach mit einem begleitenden Computereinsatz kein neues Potenzial eröffnen.

Das Buch ist in sechs Teile gegliedert, die in einer sinngemäßen Übersetzung wie folgt überschrieben sind:

Teil 1: Was ist ein Schwindel?

Teil 2: Die Psychologie des Schwindels

Teil 3: Die Werkzeuge des Schwindlers

Teil 4: Zentrale Fähigkeiten (Kernkompetenzen)

Teil 5: Schwindel in der Praxis (Anmerkung: Hier ist "Schwindel“ im Plural zu verstehen.)

Teil 6: Übungen (und die Lösungen darauf).

Im zweiten Teil mit insgesamt neun Kapiteln geht es um Dinge wie Ungeduld, Selbstüberschätzung und Überheblichkeit, Ängstlichkeit usw. Zu den in fünf Kapiteln behandelten Werkzeugen im Teil 3 gehören u.a. Trojanisches Pferd, Falle mit Köder und Berserker-Angriff. Der 4. Teil enthält sechs Kapitel zu u.a. den Themen Endspiele, Festungen, Patt und Dauerschach.

Der Autor arbeitet mit zahlreichen Beispielen aus der Praxis (mit Ausnahme des Teils 5 überwiegend in fragmentarischer Form). Die meisten davon stammen aus der jüngsten oder der jüngeren Vergangenheit, manche sind aber auch schon vor etlichen Jahren gespielt worden. Ihr Alter ist relativ unbedeutend, wenn es um ihren Wert für das Thema geht.

Die Kommentierung ist textlich und nicht von Varianten geprägt. Smerdon untersucht die Stellungen natürlich herkömmlich auf ihre positionellen und taktischen Gegebenheiten, daneben aber auch auf psychologische Aspekte. Er analysiert die aufgetretenen entscheidenden Fehler auf ihre Ursache, in welchem Rahmen sie entstanden sind und welche Rolle der Gegner dabei gespielt hat. Quasi spielend und zudem sehr gut vom Autor unterhalten kommt der Leser zu einem Erkenntniszuwachs. Allein schon die konzentrierte Auseinandersetzung mit dem Buch sorgt für eine Sensibilisierung für das Thema. Der gute didaktische Aufbau des Werkes und die analytische systematische Darstellung der Arten und Aspekte des Schwindels unterstützen den Leser dabei, handfeste Erkenntnisse zu verinnerlichen.

Die angesprochene gute Unterhaltung erreicht Smerdon über seine narrative Herangehensweise. Es wird nie langweilig, seinen Ausführungen zu folgen. Er garniert sie mit Anekdoten zu Spielern, geschichtlichen Aspekten, mit einer grafischen Darstellung zum Verlauf der Stellungsbewertungen in der Partie, einen Blick in den Dialog zwischen den Beteiligten und mehr.

Eine gewichtige Rolle spielt auch die bisher seltene Verarbeitung des Buchthemas in einer so konzentrierten Form in der Schachliteratur, wenn es um die Klärung geht, warum das Interesse am Werk durchgehend hoch bleibt. Mir ist dies bei seiner Durcharbeitung zur Vorbereitung dieser Rezension genauso ergangen. Ich habe mich mehrfach längere Zeiten am Stück mit ihm beschäftigt, weil es schlicht auch Spaß bereitet.

Übrigens halte ich "The Complete Chess Swindler“ nicht nur für ein grundlegendes Buch zur Anleitung des Lesers, sich Erfolge legal zu erschwindeln, sondern auch im Gegenteil solche Schwindeleien seitens des Gegners nicht zuzulassen. So gut wie alle Gegenstände, die Smerdon betrachtet, haben eine zweite Seite, nämlich jene der Vermeidung. Wer dieses Werk verinnerlicht, dürfte auch seine Wachsamkeit in der Partie hochhalten, um sich den Erfolg nicht noch "abschwindeln“ zu lassen. Er wird die Fehler zukünftig besser zu vermeiden wissen, zu denen ihn ein Schwindler verleiten will.

"The Complete Chess Swindler“ ist auch eine gute Grundlage für den Lehrer und Trainer in Sachen Schach. Die abgebildeten Beispiele können als Übungsmaterial genutzt werden. Der schon angesprochene didaktisch gute Aufbau erleichtert den Einsatz.

Fremdsprachkenntnisse auf einem ordentlichen Schulniveau reichen aus, um bequem mit dem Buch arbeiten zu können. Ich selbst musste die eine oder andere Vokabel nachschauen, weil sie jenseits des allgemeinen bzw. des in Schachbüchern zu findenden Wortschatzes lag.

Fazit: "The Complete Chess Swindler“ ist ein sehr gelungenes Spezialwerk, das ich (eigentlich) jedem Schachfreund empfehlen kann. Es vermittelt die Chance auf eine Verbesserung seiner Erfolgsrate in den eigenen Partien und garantiert eine gute Portion Unterhaltung.

Uwe Bekemann,

Deutscher Fernschachbund

Juni 2020


Mit Andrew Soltis‘ How to Swindle in Chess und David Smerdons The Complete Chess Swindler nahmen sich jüngst gleich zwei Autoren eines ansonsten in der Schachliteratur stark vernachlässigten Themas an: Wie kann man - insbesondere in ansonsten aussichtslosen Stellungen - seine Gegner erfolgreich austricksen? Dass Schachspieler zu dem Thema nicht allzu viel lesen können, liegt sicher zum einen auch an dem großen Aufwand, den Autoren zu leisten haben. Schließlich lässt sich eine Datenabfrage nicht nach einem solchen Kriterium filtern. Und dann müssen auch noch "auf gut Glück“ ausgewählte Partien psychologisierend analysiert werden - also zum Teil ohne Computerhilfe! Zum anderen werden Trickser seit jeher des Kaffeehausspiels verdächtigt - nicht jeder Autor traut sich in solche Gefilde.

Erfreulich sind daher die gelungenen Bemühungen von Soltis und Smerdon. Denn das Thema besitzt durchaus wertvolles Trainingspotenzial. Wer konsequent darauf spielt, den letzten Strohhalm zu ergreifen, dem wird Caïssa auch hin und wieder ein Lächeln schenken.

Während Andrew Soltis mit How to Swindle in Chess eine solide Leistung zur selben Thematik geglückt ist, gehört The Complete Chess Swindler von David Smerdon in den berühmten Bücherschrank einsortiert, der sich aus den Büchern zusammensetzt, von denen Rezensenten zu sagen pflegen: "Dieses Buch darf in keiner Schachbibliothek fehlen.“ Die Hauptunterschiede sind dabei der Umfang (361 Seiten statt 240 bei Soltis) und das klarer abgegrenzte Thema. Smerdon gibt sich viel Mühe, zunächst eine Definition für das zu finden, was als swindling bezeichnet werden sollte. Denn der Sprachgebrauch ist hier keineswegs einvernehmlich. Er kommt dabei zu drei Voraussetzungen. 1.) Die Schwindelei beginnt in einer objektiv verlorenen Stellung, 2.) Der Schwindelnde versucht seinen Widerpart absichtlich zu einem Einsteller zu provozieren, 3.) der zu Beschwindelnde fällt tatsächlich auf die Schwindelei herein und lässt den Schwindler mit einem Remis oder gar einem Sieg entwischen. Weiterhin ist als wichtiger Unterschied die aufrichtige Absicht erkennbar, den Leser zu einem swindler auszubilden. Ihm werden tools an die Hand gegeben und core skills gezeigt. Beides kann man dann noch in einem ausführlichen Aufgabenteil (110 Aufgaben) weiter vertiefen und trainieren. Außerdem ist das Material sehr hochwertig. Hier gibt es praktisch auf jeder Buchseite unerhörte Spektakel zu sehen. Es ist das Resultat einer kleinen Kampagne Smerdons, in der er alle Schachspieler dazu aufgerufen hat, ihm passende Beispiele aus eigenen Partien zu schicken. Das Feedback war geradezu lawinenartig, sodass Smerdon sich den Luxus einer Auslese leisten konnte.

Auffallend ist auch der verständliche und leicht nachvollziehbare Aufbau: 1.) Thematische Abgrenzung, 2.) Ursachen dafür, auf Tricks hereinzufallen, 3.) Rüstzeug, um selbst Fallen zu stellen, 4.) Kernkompetenzen eines Tricksers (z.B. die Kenntnis bestimmter Festungen) und 5.) Partiefragmente von Musterschwindlern.

Ein wirklich herausragendes Buch, in das nicht nur viel Arbeit gesteckt worden ist, sondern das auch wertvolles Trainingsmaterial zur Verfügung stellt und das wegen seiner durchdachten Konzeption auch didaktisch leicht einsetzbar ist.

Alexander Hilverda, Juni 2020

(zunächst in leicht anderer Form in "Schach“ 06/2020)


Ich schreibe diese Rezension zu Zeiten der Coronakrise. Ich kann kaum noch arbeiten, das Verlassen der Wohnung macht mir auch nicht mehr soviel Spaß nach dem erlassenen Kontaktverbot, mein Geist schreit also nach Ablenkung. Was liegt da näher als ein unterhaltsames Schachbuch? Im Nachhinein bin ich sehr erfreut, dass kurz vor der Abschottung noch "The Complete Chess Swindler- How to save Points from lost Positions" vom australischen Großmeister David Smerdon bei mir vor der Haustür lag.

Mich erinnerte es an eines meiner ersten Schachbücher. Ich war gerade neu im Schachverein, da schenkte mir meine Mutter "Schach für Tiger" von IM Simon Webb. Sie hat gar keine Ahnung von Schach, aber dieses Geschenk war ein absoluter Glückgriff. Ich habe es so oft gelesen, dass es irgendwann ganz verschlissen war, aber habe es immer noch in meiner Sammlung. Dort lernte ich zum ersten Mal bewusst, dass der Kampf zwischen zwei Menschen am Schachbrett eben nicht nur durch die objektiv besten Züge entschieden wird, sondern auch viel Psychologie mit hineinspielt. Für mich war das eine faszinierende Sache, die mir in vielen Partien weitergeholfen hat. GM Smerdon nimmt sich jetzt einen ganz bestimmten Aspekt daraus vor. Bei ihm ist schon klar, dass wir vom rechten Pfand abgekommen sind und auf Verlust stehen. Gegen eine Engine könnte man jetzt aufgeben, da sie keine Nervosität oder Ungeduld kennt. Sie ist frei von der Angst, es noch zu verhunzen, und lehnt sich auch nicht zu früh innerlich in dem Bewusstsein zurück, dass die Stellung sich jetzt schon von allein gewinnen wird und man sich schon einmal gedanklich mit dem Mittagessen oder der Einkaufsliste auseinandersetzen kann. Zu all dem kann der Mensch allerdings neigen und darum kann man auch verlorene Stellungen natürlich weiterspielen. Der Autor gibt dem Leser aber nun auch das Werkzeug an die Hand, mit dem er solche Schwächen nutzen kann.

Dafür zeigt er anhand zahlreicher Beispiele nach der Klärung des Begriffes "Schwindel" erst einmal die oben genannten Schwächen, damit man weiß, worauf man achten muss. Erst danach gibt es verschiedene Schwindeltechniken, die der Leser in verlorenen Stellungen anstreben kann. Natürlich sind gute Schwindel gar nicht so einfach, aber ich glaube, dass man durch Übung durchaus zu einem besseren Schwindler werden kann. Derzeit erprobe ich das mit den wenigen Schülern, die ich noch trainieren kann, und kann sagen, dass einige durchaus Talent dafür mitbringen. Am besten gefiel mir in dem Buch aber der vierte Teil. Ich durfte mir schon von vielen Leuten anhören, dass Endspieltraining bei ihnen eh nichts brächte, weil sie entweder nie ins Endspiel kommen oder dann schon einen derart großen Materialvorteil haben, dass man das eh ganz locker gewinnt. Dass dieses Argument nicht gehalten werden kann, ist klar, aber hier kommt jetzt noch ein weiterer Aspekt dazu. Als guter Schwindler sollte man zahlreiche Festungen im Endspiel kennen oder auch festungsähnliche Stellungen, die zwar für die stärkere Seite gewonnen sind, aber eben nur mit sehr viel Präzision. Auch hier glänzt das Buch mit vielen tollen Beispielen und Erklärungen, begonnen mit den Tücken des Endspiels Dame gegen Turm über andere Materialverteilungen gegen die Dame oder das Problem der Mehrqualität oder der nutzlosen Mehrfigur oder, oder, oder. In meinen Trainingseinheiten spiele ich oft verlorene Stellungen gegen meine Schüler aus und kann nur bestätigen, dass gute Endspielkenntnisse und findige Opferideen viele halbe oder gar ganze Punkte retten können. Abgerundet wird das Ganze dann mit ein paar Tests, in denen man selbst schwindeln soll.

Das Konzept des Buches gefällt mir sehr gut, aber hervorheben muss ich einfach die Art von GM Smerdon. Nicht nur, dass sich das Buch flüssig lesen lässt, abgesehen von ein paar Fremdworten, die ich kurz nachschlagen musste, er gibt auch immer wieder Zitate und Buchempfehlungen zu schachlichen, aber auch psychologischen Dingen, mit denen man einzelne Themen, die einen besonders fesseln, noch weiter vertiefen kann. So kann man schnell zum starken Schwindler werden. Ich war auch überrascht, wieviele starke Spieler zugleich starke Schwindler sind. Bei Mihail Tal hatte ich es bereits gewusst, aber viele andere Experten waren mir neu und ich habe ihre Beispiele sehr genossen

Insgesamt ist das mit das beste Buch, das für mich seit langem im New in Chess Verlag erschienen ist. Das Thema ist sehr frisch und der Autor musste die Beispiele mit seinem Kopf und guter Recherche erstellen, da die Engines von Schwindeln keine Ahnung haben. Natürlich ist es nicht einfach, einen erfolgreichen Schwindel zu finden, aber mit diesem Buch wird ein guter Grundstock für solch eine Möglichkeit gelegt. Ich kann es nur jedem Schachfreund empfehlen, da die nächste verlorene Stellung vielleicht schneller kommt als man meint!

IM Dirk Schuh

März 2020