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LXIPAUATMC2
Autor

Unconventional Approaches to Modern Chess 2

345 Seiten, kartoniert, Thinkers Publishing, 1. Auflage 2020

27,43 €
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Weitere Informationen
Gewicht 640 g
Hersteller Thinkers Publishing
Breite 17 cm
Höhe 23,5 cm
Medium Buch
Erscheinungsjahr 2020
Autor Alex Ipatov
Sprache Englisch
Auflage 1
ISBN-13 9789492510785
Seiten 345
Einband kartoniert

006 Key to Symbols

008 Foreword by Francesco Rambaldi

011 Preface

PART I – Sidelines In Mainstream Openings

015 Chapter 1 – Queen's Gambit Declined

035 Chapter 2 – Slav Defense

093 Chapter 3 – Catalan Opening

133 Chapter 4 – English Opening

161 Chapter 5 – Grünfeld Defense (3.g3 c6)

199 Chapter 6 – Grünfeld Defense (3.g3 Bg7)

225 Chapter 7 – Anti-Grünfeld

PART II – Systems

243 Chapter 8 – Mamedyarov Attack

261 Chapter 9 – Jobava System

PART III – Ambitions & Surprises

295 Chapter 10 – 1.b3

307 Chapter 11 – English Opening

315 Chapter 12 – Dutch Opening

319 Chapter 13 – Slav Defense

335 Chapter 14 – Queen’s Gambit Declined

343 Chapter 15 – Sicilian Defense

Mit seiner Arbeit "Unconventional Approaches of Modern Chess, Volume 2“, sinngemäß in etwa mit "Ungewöhnliche Ansätze im Modernen Schach, Ausgabe 2“ ins Deutsche zu übersetzen, verfolgt GM Alexander Ipatov das Ziel, dem Spieler mit Weiß in geschlossenen Eröffnungen von üblichen Wegen abweichende Eröffnungsideen zu vermitteln. Diese sollen ihm aussichtsreiche bzw. gut spielbare Stellungen vermitteln, die den Gegner aus seinem vorbereiteten Repertoire ziehen, so dass der Leser zudem einen Wissensvorsprung gegenüber seinem Gegenüber ausspielen kann.

Der herausgebende Verlag ist Thinkers Publishing.

Mit seinem Ansatz zielt Ipatov auf die Wettkampfsituation des Spielers unmittelbar am Brett und nicht auch auf den Fernschachspieler ab. So versucht er eine ausgewogene Kompromisslösung zu finden, die eine gesunde Stellung und rein praktische Chancen unter einen Hut bringt. Dabei macht er deutlich, dass er nicht immer den objektiv besten Zug sucht, sondern jenen, der zugleich gut ist und seinem Gegner Probleme stellt, die dieser unter dem Druck seiner Bedenkzeit am Brett lösen muss, weil er nicht auf eine häusliche Vorbereitung zurückgreifen kann. Gelegentlich streut er ein, welche Erfolgswerte die statistische Auswertung seiner Datenbank für verschiedene Zugalternativen anzeigt bzw. welchen Platz in der Rangliste sein Vorschlag einnimmt. Mit diesem Service macht er es seinem Leser vorstellbar, wie viel Überraschungspotenzial ein Vorschlag verspricht, ohne dass dieser eine eigene Auswertung fahren muss.

Zwischen Engines gespielte Partien hat er zumindest bis zum Zeitpunkt eines Reinfalls in einem eigenen Duell außer Betracht gelassen, wie er bei dessen Beschreibung eröffnet. Dazu unten mehr.

Ipatov hat sein Werk in die drei Abschnitte "Sidelines in Mainstream Openings“, "Systems“ und "Ambitions and Surprises“ gegliedert. Der erste ist der an Seiten stärkste Teil; in diesem stellt der Autor seine Ideen für das Abgelehnte Damengambit, Slawisch, Katalanisch, die Englische Eröffnung, Grünfeld und Anti-Grünfeld vor. Im zweiten Teil behandelt er zwei Aufbausysteme, die universeller und damit gegen verschiedene gegnerische Aufstellungen eingesetzt werden können. Der dritte Teil, der mich im Ansatz etwas an die Buchreihe "Secrets of Opening Surprises (SOS)“ erinnert, gibt einen Überblick über einzelne Ideen bzw. Linien, gibt also Material für einen eher punktuellen Einsatz.

Ipatovs Leitgedanke für sein Buch wird sehr schön zu Beginn des 2. Kapitels im 1. Teil erkennbar, in dem es um die Slawische Verteidigung geht. Nach den Anfangszügen 1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 konzentriert er sich auf die Fortsetzung 4.g3 und begründet dies, sinngemäß übersetzt, wie folgt: "So früh wie möglich weicht Weiß von den Hauptlinien ab, insbesondere bevor eine Stellung erreicht wird, in der der Gegner vermutlich bereits jeden maßgeblichen Zug analysiert hat und plant, einen selbst zu überraschen.“ Das daraus entstehende System stellt Ipatov dann sehr ausführlich vor. Er beschreibt die Pläne, wobei er immer wieder auch die Situation des Spielers am Brett einbezieht bzw. die Bewertungen des Computers berücksichtigt. Selbst wenn dieser einen alternativen Zug gegenüber seinem "Kandidaten“ als besser ausweist, hält er an diesem fest, soweit er den Gegner vor größere praktische Probleme stellen kann.

Vom Fernschachspieler kann dieser Ansatz nicht 100%ig übernommen werden, da sein Gegner das Überraschungsmoment mit genügend Bedenkzeit und Rechnerunterstützung relativieren kann.

Beispiele aus der Turnierpraxis, ergänzt um die Analysen des Autors, bilden die Grundlage der Darstellung. Soweit es Ipatov möglich war, hat er seine eigenen Erfahrungen am Brett mit eingebracht. Hierbei überzeugt er dann auch damit, dass er eigene Fehler in seiner Partiebehandlung erkennt und daraus Lehren zieht, in die er den Leser einbezieht. Ein sehr schönes Beispiel hierfür findet sich auf Seite 72. Nach einer Niederlage erhielt er von seinem Gegner praktische Hinweise, die ihm nach Computerbewertung klare Gewinnchancen versprachen. In einem weiteren Beispiel auf den Seiten 85 und 86 wird deutlich, wie Ipatov dabei auch seine häusliche Vorbereitung einbindet; zugleich gibt er einen Denkanstoß für die Nutzung von Partien, die von Computern ausgespielt worden sind. Er hatte die heimische Analyse in einer Stellung mit dem Ergebnis abgebrochen, dass Weiß besser steht und eine weitere Evaluation nicht nötig sei. Dabei bezog er auch den Aspekt ein, dass seine Datenbank mit herkömmlichen Partien keine "fremden“ Beispiele aufwies. Dass es sehr viele Engine-Partien gab, die ein eindeutiges Ergebnis vermittelten, erfuhr er erst durch den Hinweis seines Gegners. Hätte er diese einbezogen, so hätte ihm die Erkenntnis aus vielen Partien in seiner kritischen Stellung zur Verfügung gestanden. Wenn ich mal annehmen darf, dass Engines bei der oftmaligen Berechnung einer Stellung tendenziell dem objektiv besten Zug in einer Stellung nahekommen werden, zeigt des Autors Erlebnis auch die Grenzen seines Ansatzes auf, unterhalb der besten Möglichkeiten spielbare Stellungen anzupeilen. Wenn der Gegner die besten Erwiderungen kennt oder am Brett findet, wird es schwer zumindest einen Vorteil herauszuspielen.

In einem geringen Maße nutzt Ipatov auch Erkenntnisse aus Fernschachpartien. Zu einer Partie unter Beteiligung eines starken deutschen Spielers stellt er die offene Frage, warum dieser in einer Stellung nicht seinen Bauern durchgezogen hat. In einem Duell auf der Turnierbühne hätte der Gegner situationsbedingt damit sicher schwierige Probleme lösen müssen, im Fernschach aber wäre auch das Risiko deutlich höher gewesen.

Insgesamt betrachtet bietet "Unconventional Approaches of Modern Chess, Volume 2“ eine ganze Reihe interessanter Eröffnungsideen abseits des "Main Streams“. Besonders profitieren können wird davon der Spieler im Nahschach; der Fernschachspieler wird selektiver vorgehen müssen, um die angebotenen Wege auf ihre Tauglichkeit in seiner Praxis zu prüfen.

Die Buchsprache ist Englisch, der Fremdsprachler mit Kenntnissen auf Schulniveau muss nicht mit besonderen Herausforderungen rechnen.

Fazit: "Unconventional Approaches of Modern Chess, Volume 2“ ist ein ideenreiches Werk, das Weiß in geschlossenen Eröffnungen den Gegner überraschende Möglichkeiten zur Verfügung stellen will, die diesen in der aktuellen Partie vor am Brett zu lösende Probleme stellen sollen. So spricht es in erster Linie den Spieler an, der seinem Gegner Auge in Auge gegenüber sitzt. Der Fernschachspieler kann von diesen profitieren, soweit sie weniger auf die Überraschung und mehr auf die analytische Qualität setzen.

Uwe Bekemann,

Deutscher Fernschachbund

November 2020


Auch nach über 25 Jahren Vereinszugehörigkeit und vielen Turnierpartien ist Schach für mich immer noch faszinierend. Der Grund ist die Vielzahl an Möglichkeiten, die es in jeder Phase der Partie gibt. Mir haben es dabei vor allem die Eröffnungen angetan, in denen ich vor allem unkonventionelle Ideen sehr schätze und auch immer wieder ausprobiere. Es begann in den 90er Jahren des letzten Jahrtausends mit FM Harald Keilhacks und Rainer Schlenkers Werk "1. ...Sc6! aus allen Lagen" aus dem Schachverlag Kania. Gerne erinnere ich mich daran, wie ich mit Freunden die krautige Stellung nach 1.e4 Sc6 2.d4 d5 3.Sc3 dxe4 4.d5 Se5 5.Lf4 Sg6 6.Lg3 f5 rauf und runter analysierte und so manche Partie auf der Rasierklinge ritt. Später kamen dann königsindische Aufbauten nach 1.e4 gegen so ziemlich alles dazu und nach dem ersten Band der "Schach ohne Scheuklappen"-Reihe von New in Chess, in der jeweils nebenvariantige Häppchen in Artikeln so gut aufbereitet wurden, dass man sie sofort spielen wollte, war eh alles vorbei. Später habe ich mich dann generell etwas solider aufgestellt, um noch das Lebensziel des IM-Titels zu erreichen, aber manchmal ist mir einfach nach etwas besonderem zumute. Hilfreich ist dabei sicher auch "Unconventional Approaches to Modern Chess Volume 2" von Großmeister Alexander Ipatov aus dem Hause Thinkers Publishing. Im ersten Band wurden diverse interessante Eröffnungsansätze für Schwarz fernab der Schablone vorgestellt, nun darf Weiß krauten, was das Zeug hält. Der Aufbau ist dabei wieder wie zuvor. Es gibt einige Varianten in gängigen Systemen, die dem ganzen eine etwas andere Richtung geben als sonst, aber auch ziemlich abgefahrenes Zeug. Als e4-Spieler muss man dabei aber sehr stark sein. Nur eine interessante Eröffnungsidee gibt es zu bestaunen und die ist auch noch recht speziell, weshalb man sie auch hätte weglassen können. Ich hatte sowas aber schon befürchtet, denn erstens ist der Autor ganz klar ein Verfechter von 1.d4, 1.c4 und 1.Sf3 und zweitens ist der oft recht konkrete Charakter der Stellungen nach 1.e4 nicht unbedingt förderlich, viele neue Ideen in bekannten Stellungen zu finden.

Was hat das Buch jetzt zu bieten? Natürlich kann ich hier nicht jede Idee aufzeigen, möchte aber doch ein paar Beispiele nennen, um den möglichen Lesern zu zeigen, worauf sie sich einlassen. Ein häufiges Motiv sind Raumgewinne oder Bauernstürme am Königsflügel. Es fängt gleich mit dem guten, alten abgelehnten Damengambit ein. Weiß steht hier oft mit seinem kleinen Raumvorteil nach 1.d4 d5 2.c4 e6 etwas besser, aber wenn Schwarz sich auskennt, kann es doch etwas langweilig werden. Bei GM Ipatov sieht das dann so aus: 3.Sf3 Sf6 4.Lg5 ist schon etwas ungewöhnlich, kann aber nach einem eingestreuten Sc3 immer noch sehr normal werden, weshalb Schwarz wohl einfach seine Schablone runterspielt. Also kommt Le7 5.e3 0-0 6.Dc2 h6 7.Lxf6 Lxf6, aber plötzlich folgt 8.h4 und Weiß deckt seine Karten auf. Er möchte mit g4-g5 einen Sturmangriff auf den schwarzen König spielen. Antwortet Schwarz klassisch mit dem Gegenschlag im Zentrum, also 8. ...c5, folgt 9.g4 cxd4 10.g5 und schon sieht es recht trübe für ihn aus. Hier sieht man auch die Idee des Zurückstellens von Sc3, denn sonst wäre dieser nach cxd4 angegriffen. Der Autor gibt hier mit 10. ...Da5+ 11.Sd2 dxe3 12.fxe3 Le7 13.gxh6 gxh6 14.Tg1+ Kh8 15.0-0-0 und ein paar mehr Zügen noch eine kurze Orientierungshilfe und analysiert neben 8. ...c5 auch noch 8. ...c6, 8. ...g6 und 8. ...Sc6 sehr genau und gewissenhaft, um dem Leser eine gute Waffe gegen diese Variante zur Hand zu geben. Aber natürlich geht da noch mehr. Der moderne Trend in den Eröffnungen geht immer mehr zu 1.c4 oder 1.Sf3, die auch ineinander übergehen können. Durch das Zurückstellen von d4 herrscht noch weniger Spannung im Zentrum und man hat mehr Freiheiten an den Flügeln, in unserem Fall natürlich am Königsflügel. Unter dem Namen Mamedyarov Angriff präsentiert der Autor eine weitere Idee gegen die klassischen Damengambitler. Nach 1.c4 Sf6 2.Sf3 e6 3.e3 d5 4.b3 Le7 5.Lb2 0-0 sieht die Stellung erst nicht ganz so spannend aus, aber der Autor präsentiert nun 5 hochklassige Modellpartien, die zeigen, wie man hier und in verwandten Stellungen etwas Pepp kreieren kann. Zum Beispiel kam in der Partie Mamemdyarov-Karjakin aus Saint Louis 2018 nun nach Zugumstellung 6.Tg1 b6 7.g4 c5 8.g5 Se4 9.d3 Sd6 10.h4 und Weiß hatte einen schönen Raumvorteil, der ihm später einen starken Königsangriff brachte. Weiter hinten im Buch wird diese Idee sogar schon nach 1.Sf3 d5 2.c4 e6 3.g4 entkorkt, um Raum zu gewinnen und den Gegner zu provozieren.

Neben diesen Bauernvormärschen gibt es aber auch noch andere Ideen. Eine mittlerweile recht respektierte gibt es mit dem Jobava Angriff, der nach 1.d4 d5/Sf6 2.Sc3 Sf6/d5 3.Lf4 entsteht. Er bietet eine recht theoriearme Waffe gegen die beiden Hauptzüge und führt wegen der frühen Drohung e4 meist zu der oben gezeigten Stellung, in der Weiß oft mit f3, g4, h4 am Königsflügel Raum gewinnt oder auf e3, Ld3, Sge2, 0-0, Dd2, Tad1, Tfe1 mit einer soliden Stellung setzt, in der Großmeister Baduur Jobava schon einige tolle Partien gewann, die der Leser in diesem Buch in gut kommentierter Form kennenlernen kann. Daneben fand ich als letztes Beispiel auch die Gambitideen in der Slawischen Eröffnung ganz gut. Die erste brachte eine schmerzhafte Erinnerung in mir hoch, weil ich nach 1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 4.Sc3 dxc4 5.e4 b5 mit Schwarz einmal mächtig unter die Räder des weißen Angriffes kam. Mein Gegner spielte damals das anerkannte Geller Gambit mit 6.e5, aber das ist für das vorliegende Buch zu gut ausanalysiert. Zum Glück kam zuletzt das etwas ruhiger aussehende 6.Le2, das aber auch schon niemand geringeres als Weltmeister Magnus Carlsen gespielt hat. Es bringt etwas frischen Wind in diese Variante und wird in einer gut kommentierten Partie präsentiert, die Lust auf mehr macht. Ebenfalls sehr interessant wirkte auf mich aber auch die Idee nach 1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 4.Sc3 a6 5.Dc2. Schwarz spielt eine meiner alten Lieben, das Chebanenkosystem, und Weiß geht es nach b5 mit 6.e4 hart an. Nach dxc4 7.b3 spielt Weiß auf eine typische positionelle Kompensation. Ich hätte mir hier ein paar Varianten nach cxb3 gewünscht, da der Partiezug Da5 zwar kämpferisch, aber nicht unbedingt natürlich wirkt. Das ist hier und da ein kleiner Kritikpunkt, aber meist bekommt der Leser alles mitgeliefert, um die jeweilige Variante gleich erfolgreich ausprobieren zu können. Bei der Darstellung der Systeme gibt wie beim Vorgänger zwei Arten. Mal wird aus vielen Partiefragmenten und eigenen Analysen ein Bild der Variante gezeichnet, mal gibt es eine interessante Partie als Aufhänger, in der die typischen Ideen in verbalen und Analyse-Kommentaren aufgezeigt werden.

Insgesamt kann ich sagen, dass hier für Freunde der geschlossenen Eröffnung viele moderne und überraschende Ideen aufgezeigt werden, die viel Gift mitbringen. Der Autor ist dabei aber dennoch stets objektiv und versucht nicht, in jeder empfohlenen Variante Vorteil zu zeigen, zeigt aber in den unklaren Stellungen dennoch genug Ideen, dass man aufgrund des Wissensvorsprunges gut gewappnet sein sollte. Ich kann dieses Buch sehr empfehlen, wenn man einmal Lust auf weniger ausgetretene Pfade und skurrilere Stellungen hat!

IM Dirk Schuh

Juni 2020