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Artikelnummer
LOTAN1E4TCB1
Autor

1.e4! The Chess Bible - Volume 1

A Complete Repertoire for White

464 Seiten, kartoniert, Thinkers Publishing, 1. Auflage 2021

32,95 €
Inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten

Justin Tan is an International Grandmaster who has represented Australia in numerous international events. He is currently based in the UK and was previously British under-21 champion, British blitz champion and joint second runner-up at the British Championship.

Justin has been a l.e4 specialist throughout his playing career and is recognised for his deep opening preparation, especially in the open games. He is a monthly columnist for ChessPublishing's section on 1.e4, where he publishes his analyses of key 1.e4 games and the latest trends.

'l.e4! The Chess Bible' (in three volumes) is a complete and authoritative repertoire far White based on sound main lines and the latest cutting-edge analysis. Existing theory is revisited and expanded with several fresh ideas, novelties and refutations wh ich will appeal to dedicated 1.e4 players and theoreticians alike. However, each section is also carefully designed to be easily digested by players of all standards, with an opening overview, illustrated diagrams of key concepts, and instructive and annotated games.

This book is an essential practical resource for any 1.e4 player and will greatly re ward those who are looking to master their understanding of the open games.

Weitere Informationen
Gewicht 840 g
Hersteller Thinkers Publishing
Breite 17 cm
Höhe 23,5 cm
Medium Buch
Erscheinungsjahr 2021
Autor Justin Tan
Sprache Englisch
Auflage 1
ISBN-13 9789464201123
Seiten 464
Einband kartoniert

Ich probiere gerne verschiedene Eröffnungen aus. Mit Weiß wanke ich derzeit im Onlineschach zwischen 1.Sf3 oder 1.c4 und 1.e4 hin und her. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich taktisch nicht auf der Höhe bin, wird ersteres ausgepackt, schnell ein wenig abgetauscht und das Endspiel geknetet. In besserer Form bleibt aber 1.e4 mein Lieblingszug. Weiß besetzt das Zentrum, entwickelt sich schnell und kann oft auf wunderschöne Königsangriffe spielen. Der Haken ist nur, dass man bereits im zweiten Zug auf die gegnerischen Ideen reagieren muss. Während ich nach 1.Sf3 bei den Folgezügen c4, g3 und Lg2 kaum auf das Brett schauen muss, habe ich nach 1.e4 in unzähligen Partien durch "Premoves" in Zug zwei bereits einen Nachteil erspielt. Mein Problem waren dabei eigentlich selten die Hauptvarianten wie 1. ...e5 oder 1. ...c5, denen man häufig begegnet und gegen die man meist auf einen großen Erfahrungsschatz zurückblicken kann, sondern die kleinen Züge. So hatte ich zum Beispiel vor einigen nach 1.e4 Sf6 so große Probleme mit Weiß, mir einen Vorteil zu erspielen, dass ich die Aljechinverteidigung schließlich selbst mit Schwarz spielte. Auch wenn meine stärksten Gegner im Turnierschach bei knapp 2550 Elo gelistet waren, konnten mir selbst diese Giganten nicht nachweisen, wo genau der Eröffnungsvorteil von Weiß liegt. Ähnlich sieht es derzeit bei einer anderen Nebenvariante aus. Inspiriert von meinem belgischen Mannschaftskameraden IM Patrick Zelbel, der diese Eröffnung als Blitzwaffe mit großem Erfolg anwendet, habe ich mir vor kurzem die Skandinavische Verteidigung nach 1.e4 d5 2.exd5 Dxd5 3.Sc3 Da5 etwas angesehen und merke auch hier, dass ich mit Schwarz keine Probleme habe, sofern ich die Theorie nicht verwechsle und meine Dame einstelle.

Großmeister Justin Tan möchte uns Weißspielern jetzt helfen und hat mit "1.e4!- THE CHESS BIBLE- VOLUME ONE" aus dem Hause Thinkers Publishing ein Buch veröffentlicht, in dem es ausschließlich um diese kleinen Eröffnungen geht, die einem mit Weiß das Leben so schwer machen. Dabei strebt er nach dem maximalen Eröffnungserfolg für Weiß, weshalb die besprochenen Eröffnungen, die schon erwähnte Aljechinverteidigung, die Nimzowitscheröffnung, die Skandinavischen Verteidigungen, die Pircverteidigung, die modernen Verteidigungen und die Philidorverteidigung auch auf bereits 462 Seiten behandelt werden und man als Leser ein extrem gutes Gedächtnis mitbringen muss, um die ganzen Feinheiten nicht nach zwei Tagen bereits wieder vergessen zu haben. Die Struktur des Buches gefällt mir dabei aber eigentlich ganz gut. Zu Beginn eines jeden Eröffnungskapitels gibt es erst einmal einen allgemeineren Überblick, dann folgt der Theorieteil, in dem sich eine Mischung aus monographischer Darstellung und etwas erklärendem Text finden lässt und schließlich, das gefällt mir recht gut, einige erklärende Modellpartien, damit der Leser sieht, wie typische Mittelspiele zu den jeweiligen Eröffnungsvarianten aussehen. Die Empfehlungen können im Großen und Ganzen überzeugen. Ein typisches Problem ist neben der Fülle natürlich, dass trotzdem viele trickreiche Varianten nur unzureichend analysiert werden können und der Vorteil auch in seltenen Abspielen hier und da gar nicht so groß ist, weshalb ich zum Beispiel bei 1.e4 bereits vor längerer Zeit die Jagd nach dem Eröffnungsvorteil aufgegeben und mir lieber solide positionelle Varianten mit dem einfacheren Spiel für Weiß angeeignet habe, die aber nicht sonderlich theoretisch sind. Ich gebe mal ein paar Beispiele zum Für und Wider des Repertoires. Als Theoriemuffel habe ich schon fast alle Schwarzeröffnungen aus diesem Band irgendwann einmal gespielt und vor allem bei denen genauer nachgesehen, bei denen ich über die meiste Erfahrung verfüge. Die Nimzowitscheröffnung ist zum Beispiel schon recht lange mein treuer Wegbegleiter. Nach 1.e4 Sc6 wird hier aus Platzgründen einfach 2.Sf3 empfohlen. Schwarz kann mit e5 in die offenen Spiele übergehen, die in einem anderen Band besprochen werden. Es bleiben aber noch genug Abweichungen wie 2. ...d6, 2. ...Sf6, 2. ...f5 oder 2. ...d5 übrig. Nach 2. ...d6 ist gut, dass Weiß nach 3.d4 Sf6 4.Sc3 g6 nicht aus dem Buch ist, weil gegen die Pircverteidigung nach 1.e4 d6 2.d4 Sf6 3.Sc3 g6 die klassische Variante mit 4.Sf3 Lg7 5.Le2 empfohlen wird. Hier wird gut erklärt, wie Weiß mit einem d5-Vorstoß einen stabilen Vorteil erreichen kann. Ich selbst spielte nach 1.e4 Sc6 2.Sf3 darum oft Sf6 und hier gibt es das erste kleine Zugumstellungsproblem. Weiß ist nach 3.e5 Sd5 4.d4 in der Aljechinverteidigung, gegen die aber 1.e4 Sf6 2.e5 Sd5 3.d4 d6 4.c4 Sb6 5.f4 empfohlen wird, der respektable Vierbauernangriff. Weiß muss also plötzlich eine andere Variante spielen und dann auch noch nach 1.e4 Sc6 2.Sf3 Sf6 3.e5 Sd5 4.d4 d6 mit 5.c4 Sb6 6.e6 einen Bauern opfern. Die Stellungen gelten seit langem als besser für Weiß, aber da man diese Variante vielleicht nur alle 5 Jahre mal auf das Brett bekommt, dürfte sich Schwarz hier wohl besser auskennen. Gut ist allerdings, dass Weiß dafür auch einen recht guten Vorteil erhält.

Ein wenig traurig verhält sich die Tanempfehlung nach 1.e4 Sc6 2.Sf3 f5. Das Coloradogambit ist gar nicht so einfach zu bändigen und in Deutschland unter anderem durch IM Ilja Schneider recht populär. Dieser spielt nach 3.exf5 d5 4.Lb5 Lxf5 5.Se5 Dd6, den ich in meiner Datenbank 157mal finde, der aber hier nur mit "6.d4 Sf6 7.0-0 Sd7 8.Lf4 etc." abgehandelt wird. Nach 8. ...Scxe5 9.Lxe5 Dg6 oder Db4 fängt aber die Theorie in dem System erst an und Weiß sollte sich schon noch auskennen. Den von GM Tan als Hauptzug benannten 5. ...Ld7 finde ich nur 17mal in meiner Datenbank und hatte ich in meinen eigenen Partien kaum auf dem Brett, eine etwas komische Auslassung. Hinzu kommen aber auch noch objektiv störende Varianten. Eine solche fand ich in der Skandinavischen Eröffnung. Nach 1.e4 d5 2.exd5 Sf6 wird 3.d4 empfohlen. Meist schlägt Schwarz hier mit dem Springer auf d5, aber Dxd5 kommt auch hin und wieder vor. Hier werden wir nach 4.Sf3 Lg4 5.Le2 Sc6 6.0-0 0-0-0 erneut in eine andere Variante getrickst. Nach 1.e4 d5 2.exd5 Dxd5 spielt Weiß nämlich 3.Sc3, den wir jetzt weglassen und stattdessen eine etwas verbesserte Version von 3.Sf3 Lg4 4.Le2, der ruhigeren Alternative spielen. Der frühe Sf6 soll hier als Ungenauigkeit bestraft werden, aber nach 7.c3 sieht das schon etwas merkwürdig aus. Hier wird jetzt 7. ...e5 8.c4 Dd7 9.d5 Lxf3 10.Lxf3 Sd4 angegeben, wonach Weiß etwas besser stehen soll, was aber in meinen Augen recht schwierig zu realisieren sein wird, da der Sd4 ganz gut aussieht, als Skandinavischspieler wäre ich hier zufrieden mit Schwarz. Der Hauptzug an dieser Stelle ist aber 7. ...e6, der gänzlich ignoriert wird. Der Leser muss also an einigen Stellen selbst noch viel Arbeit in den Kampf gegen die Nebenvarianten stecken, aber es gibt auch positives zu berichten. So wird einigen anderen Varianten, die ich gerne mal spiele, ganz gut der Stachel gezogen. Zum Beispiel gefällt mir im Blitzen ganz gut die Nakamuravariante nach 1.e4 d5 2.exd5 Dxd5 3.Sc3 Dd8 4.d4 Sf6 5.Sf3 g6 mit der Schablonenidee Lg7, 0-0, Sc6, b6, Lb7, e6, Se7, Sf5. Das sieht komisch aus, aber ist durchaus kein Quatsch, weil Weiß wegen des Sc3 den d4 nicht mit einem Bauern schützen oder mit c4 und d5 die Stellung öffnen kann. Der Autor empfiehlt hier aber das störende 6.Lg5 mit der Folge Lg7 7.Dd2 0-0 8.0-0-0. Der weiße Plan mit Lh6 und h4-h5 sieht sehr unangenehm für Schwarz aus. Ähnlich läuft es bei dem solideren 5. ...Lg4, nach dem Schwarz mittels 6.h3 Lxf3 7.Dxf3 c6 8.Le3 e6 ein Bollwerk auf den weißen Feldern errichtet. Hier wird das clevere, aber seltene 9.a3 empfohlen, da Schwarz nach 9.0-0-0 Lb4 10.Se4 Sxe4 11.Dxe4 Dd5 den Damentausch erzwingt und keine Probleme mehr hat.

Insgesamt ist das hier behandelte Repertoire knallhart und stellt die Merkfähigkeit der Leser auf die Probe, weshalb ich es wohl nur für ausgewählte Partien nutzen werde, auf die ich mich eine längere Zeit vorbereiten kann. Zwar muss man einige Varianten mit Engine und Kopf weiteranalysieren, aber dann dürfte man mit Weiß einige tolle Siege erringen können. Aufgrund der Vielzahl an Strukturen und Ideen, die hier ohne weitere tiefe Analyse angestrebt werden, sollte das Repertoire aber eher für Spieler mit 2000 DWZ oder mehr in Frage kommen

IM Dirk Schuh

April 2021

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