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LXWIE100BMDS01

100 Bedeutende Meister der Schachgeschichte

Band 1

138 Seiten, kartoniert, Neu-Jung, 1. Auflage 2015

19,80 €
Inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten
Der Mensch möchte Klarheit. Er möchte wissen: Wer war der größte Schachmeister in der bisherigen Schachgeschichte? Wer war Zweiter, Dritter? usw. Lässt sich darauf überhaupt eine schlüssige Antwort geben?
Ich glaube nein! Denn Sympathie für den einen oder anderen Meister verfälscht schon das objektive Bild und ruft die Andersdenkenden auf den Plan.
Eine vor Jahren in Auftrag gegebene Umfrage nach dem besten Spieler brachte Bobby Fischer an die Spitze, gefolgt von Kasparow und Lasker.
Doch viele Schachfreunde waren damit gar nicht einverstanden und hoben Kasparow auf den ersten Platz und Lasker verschwand ganz aus der Spitze.
Andere verwiesen auf Morphy oder Capablanca und auch Rubinstein hatte seine Anhänger. Es ist also müßig, sich hier auf eine Rangfolge einzulassen.
So sind in diesen Büchern Band 1 - 4, 100 Meister aufgelistet, von denen man sagen kann, sie haben sich in die Annalen der Schachgeschichte eingetragen. Wobei natürlich auch diese Aufstellung eine rein subjektive Auswahl ist.
Sicher werden einige Schachfreunde den einen oder anderen in dieser Auswahl vermissen und finden andererseits einige Aufgelistete nicht für würdig, in dieser Auswahl vertreten zu sein. Aber darüber lässt sich streiten!
Weitere Informationen
EAN 9783933648570
Gewicht 200 g
Hersteller Neu-Jung
Breite 14,7 cm
Höhe 20,9 cm
Medium Buch
Erscheinungsjahr 2015
Autor Helmut Wieteck
Sprache Deutsch
Auflage 1
ISBN-13 978-3933648570
Seiten 138
Einband kartoniert
Hersteller Informationen
Name Neu-Jung Verlag
Adresse Lagerstr. 4
Homburg-Einöd 66424
Deutschland
Internet www.schach-agentur.de
E-Mail info@schach-agentur.de
A
006 Anand
011 Anderssen
017 Aljechin
021 Awerbach
B
024 Bernstein
026 Blackburne
029 Bogoljubow
032 Boleslawski
037 Bondarewski
041 Botwinnik
045 Breyer
048 Bronstein
057 Byrne
C
064 Canal
069 Capablanca
073 Carlsen
080 Charousek
D
084 Deschapelles
087 Duchamp
090 Dufresne
093 Duras
E
097 Eliskases
101 Euwe
F
108 Fine
113 Fischer
126 Flohr
KUNST DER VERDICHTUNG
„Reclam 100 Seiten“ hat im letzten Jahr ein Werk seiner Reihe dem Thema Schach gewidmet. Der Kulturwissenschaftler Jens Wietschorke, der schon für sein ebenfalls in diesem Verlag erschienen Wien – Berlin. Wo die Moderne er­funden wurde die Auszeichnung „Wissenschaftsbuch des Jahres“ erhielt, stellt darin die Schachgeschichte von den Anfängen bis in die Gegenwart komprimiert dar. Während Peter Doggers in seiner 2024 erschienen Schach­euphorie noch fast 500 Seiten dafür benötigte, versucht der Reclam-Autor die Eckpunkte einer über tausendjährigen Geschichte auf wenigen dutzend Seiten greifbar zu machen. Der Vorteil dieser Reclam-Reihe ist, dass man sich sehr schnell einen Überblick über komplexe Themen­gebiete verschaffen kann.
Wietschorke ist ein guter Vereinsspieler mit einer Elo-Zahl zwischen 1800 und 1900. Wie er schon anfangs des Buches einräumt, ist sein Anliegen nicht, schachspezifische Feinheiten des Spiels zu erläutern, sondern dem Leser die Faszination darzustellen, „die das Schachspiel auf all jene ausübt, die Spaß am strategischen Denken, kreativen Lösungen, vertrackten Situationen und mentalen Herausforderungen haben.“ Er will all das erklären, was dem Schach in unserer Gegenwart dank des Internets zu neuem, zuvor ungekanntem Aufschwung und Zuspruch verholfen hat.
Dem Autor gelingt es, sich nicht in der Ver­gangenheit zu verlieren, sondern stets die Bezüge zur Gegenwart herzustellen. Wenn er über die Geschichte der Schacholympiade spricht, weist er z.B. auch auf die ugandische Nationalspielerin Phiona Mutesi hin, die 2016 durch den Film Queen of Katwe bekannt geworden ist.
Das Buch ist sehr gut recherchiert, über wenige kleinere Fehler lässt sich hinwegschauen. So schreibt der Autor, dass man „bis heute“ auf Bogoljubows Grabstein die Bezeichnung „Gross-­Schachmeister“ lesen kann. Die Grabstelle wurde jedoch bereits 2016 abgeräumt, wie wir in unserer Ausgabe Karl 1/21 berichteten.
Schach. 100 Seiten ist ein Lesebuch, das sich nicht mit langen Analysen aufhält. Trotzdem gelingt es dem Autor geschickt, dem Leser kleine Einblicke in die Wunder einer Schachpartie zu gestatten. Zwischendurch finden sich vier Diagramme von besonderen Meilensteinen der Schachgeschichte: Die Unsterbliche repräsentiert die große Kombinationskunst des 19. Jahrhunderts; die erste Partie mit dem Läufereinsteller im Jahrhundert-Match zwischen Spasski - Fischer 1972 steht für höchste mediale Aufmerksamkeit; die Niederlage Kasparows in der sechsten Partie gegen Deep Blue leitete das schachliche Computerzeitalter ein und das Damengambit, Namensgeber der Netflix-Serie Queens Gambit, hat zu einem bislang ungekannten Schachboom geführt.
An anderer Stelle zeigt Wietschorke zwei seiner eigenen Partien, um für den Leser emotional Freud und Leid eines Amateurs nach gewonnenen und verlorenen Partien nachvollziehbar zu machen.
Schließlich präsentiert der Autor eine subjektive Auswahl von fünf der spektakulärsten Partien der Schachgeschichte: Nimzowitschs unsterbliche Zugzwangpartie gegen Sämisch, Shorts Königs­marsch gegen Timman (der fälschlich als einzig­artig bezeichnet wird), Kasparows Perle von Wijk gegen Topalow sowie einen komplexen taktischen Sieg Tals gegen Koblenz. Die fünfte Partie, ein Sieg Carlsens gegen Anand in einer Schnellpartie in Dubai, fällt etwas aus dem Rahmen, weil es sich nicht um eine strategische Gesamtleistung handelt, sondern um eine eindrucksvolle Kombination im Endspiel.
Neben vielen Tipps für Turniere, Literatur­empfehlungen sowie zahlreichen Hinweisen auf Streamer macht Wietschorke einige kluge Bemerkungen. So schreibt er, viele Amateure verwenden den Großteil ihrer Zeit für das Eröffnungsstudium, weil sie sich dadurch ihren Idolen näher fühlen und wenigstens eine Zeitlang in deren Fußstapfen gehen können. Aber auch, weil die Eröffnung so etwas wie ein individuelles Markenzeichen eines Spielers wird, selbst wenn er nur ein Amateur ist.
Bei all der präsentierten reichhaltigen Themenvielfalt muss bei dem begrenzten Platz auch etwas auf der Strecke bleiben. Weder dem
Fernschach noch dem Problemschach werden größere Aufmerksamkeit gewidmet, obgleich sich letzteres zur Darstellung der ästhetischen Dimension des Schachspiels angeboten hätte.
Wietschorke gelingt es sehr gut, die großen Linien des Schachs verdichtet nachzuzeichnen. Dabei ist eine unterhaltsame Lektüre gelungen, die einen schnellen Überblick über eine komplexe Materie bietet und vor allem die Leser für das Schach begeistern will.
Harry Schaack
KARL 1/2026
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