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Modern Chess Formula

The Powerful Impact of Engines

496 Seiten, kartoniert, Thinkers Publishing, 1. Auflage 2020

32,95 €
Inkl. 7% MwSt., zzgl. Versandkosten

To play or not to play like the computer. The new computer era inevitably leads to the reassessment of some old axioms and evaluations. In his book Vladimir offers a fresh approach to the changed ways of our methodological thinking. Drawing on research findings and his own over-the-board experiences the author brings you answers that definitely will surprise you.

Weitere Informationen
Gewicht 910 g
Hersteller Thinkers Publishing
Breite 17 cm
Höhe 23,5 cm
Medium Buch
Erscheinungsjahr 2020
Autor Vladimir Tukmakov
Sprache Englisch
Auflage 1
ISBN-13 978-94-9251-081-5
Seiten 496
Einband kartoniert

005 Key to Symbols

007 Introduction

013 Openings

197 Middlegames

447 Mistakes

Wladimir Tukmakow, einst Weltklassespieler, heute ein geschätzter Trainer und Coach, hat zuletzt eine ganze Reihe von Büchern vorgelegt, davon einige über Themen, die oft nur am Rande besprochen werden, wie etwa sein Coaching the Chess Stars aus dem letzten Jahr. Jetzt ist aus seiner Feder Modern Chess Formula. The powerful Impact of Engines erschienen, das sich mit dem Einfluss der Computer auf das Weltklasseschach beschäftigt.

Doch, um es vorwegzunehmen, der Titel verspricht wie auch bei seinem Vorgängerbuch mehr als er hält. Während der Einfluss der Engines auf Eröffnungen gut dargestellt ist, lässt sich bei der zweiten Hälfte, die sich dem Mittelspiel widmet, ein Zusammenhang mit dem Titel kaum noch herstellen. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Tukmakow seine zugestandenermaßen sehr guten Analysen zu Weltklassepartien aus jüngster Vergangenheit unter "irgendeinem“ Label verkaufen will.

Im ersten Teil, der sich mit der Eröffnungsvorbereitung der Schachelite beschäftigt, kann Tukmakow aus dem Vollen schöpfen. Nicht nur, weil er als Coach an Anish Giris Repertoire mitgewirkt hat, sondern weil er noch die Vorbereitung aus einer Zeit kennt, in der es noch keine Computer gab.

Tukmakows größte Erfolge fallen in die Sowjet-­Ära und sein Blick auf die Gegenwart hat etwas von einem nostalgischen Kulturpessimismus. Er meint, dass zwar die Eröffnungsvorbereitung in den letzten 20 Jahren enorm angewachsen ist, die Fähigkeit der Spieler aber, Vorteile technisch zu realisieren, und noch mehr das Endspiel­verständnis, hätten nachgelassen. Beim heutigen Turnierstress könne man viel mit Eröffnungsüberraschungen bewirken, weshalb dieser Bereich die meiste Zeit eines Profis in Anspruch nimmt. Dagegen wurde früher die Endspielkenntnis durch die Hängepartien und die damit ver­bundenen langen Analysen geschult. Das eigent­liche Spielverständnis und die Spielstärke hätten aber trotz der Engines in den letzten 50 Jahren kaum zugenommen, resümiert Tukmakow.

Früher brauchten komplexe Neuerungen viele Jahre, um ausanalysiert aufs Brett zu kommen, wie Tukmakow anhand von Beispielen aus den Achtzigern zeigt. Eine gute Eröffnungsvorbereitung kann auch heute noch entscheidend sein. Allerdings haben Partien von Caruana und Giri aus dem Kandidatenturnier jüngst gezeigt, dass komplexe Varianten auch ein hohes Risiko beinhalten. Es kommt bei Engines auf den richtigen Gebrauch an, sonst können Computer zum Feind des Schachspielers werden, meint der Autor. Die berühmteste Vorbereitungspanne im Computerzeitalter ist wohl die Niederlage Kramniks gegen Leko bei der WM 2004, als der Ungar eine Neuerung am Brett widerlegte.

Ganz große Entdeckungen sind heute schwierig, obwohl die Engines Tag und Nacht laufen. Während es früher bei Neuerungen um Ideen ging, arbeiten heute die Programme alle möglichen Züge systematisch ab. Oft zielen Überraschungen in der Eröffnung jedoch aufs Psychologische.

Zu Giris Eröffnungsvorbereitung gibt Tukmakow einen interessanten Einblick. Der Holländer strebe stets nach einer "sterilen Klarheit“. Viele seiner Varianten seien wasserdicht, ohne jedes Risiko, wodurch allerdings ein Remis das wahrscheinlichste Resultat ist. Tukmakow spricht auch über die Vor- und Nachteile eines schmalen Repertoires, wie es Vachier-Lagrave bevorzugt.

Im zweiten Teil zeigt Tukmakow, wie Elitespieler ihre Eröffnungsvorbereitung mit dem Mittelspiel verbinden, wo spezifisches Wissen und kreative Improvisation zum Tragen kommen.

Besonders lesenswert sind die Stilanalysen zu Weltklassespielern. Lange Zeit habe er den Spielstil Caruanas nicht verstanden, bekennt Tukmakow, weil dessen Hauptlehrer trotz zahlreicher Trainer die Engine geblieben sei. Sein Stil sei "computerized“. Er betrachte jede Stellung noch einmal gesondert für sich, weshalb es seinen Partien oft am Fluss und der Harmonie mangelt.

Carlsen sei dagegen ein extrem seltenes Naturtalent. Es sei erstaunlich, dass der Computereinfluss auf ihn gering geblieben ist, weshalb es ihm gelingt, instinktiv harmonisch aus­balancierte Partien zu spielen.

Und Karjakin sei ein universeller Spieler, ohne besondere Schwächen, aber auch ohne herausragende Stärken. Er sei erfolgreich, weil er besonders geduldig, selbstkontrolliert und extrem nervenstark ist und sein Spiel einem gewissen Pragmatismus folgt.

Ein Buch mit vielen interessanten Einschätzungen zu Spitzenspielern und sehr guten Partieanalysen, das man aber nicht wegen seines irreführenden Titels kaufen sollte.

Harry Schaack

KARL 4/2020


Wie hat sich das Schach in den letzten 30 Jahren verändert? Das ist eine recht spannende Frage, über die ich schon oft nachgedacht habe. Als ich Mitte der 90er mit dem Vereinsschach begann, musste ich mir recht viel Eröffnungswissen aneignen. Die Varianten mussten vor einem Turnier sitzen, weil man nie wusste, welche Eröffnungen auf das Brett kommen. Dafür habe ich mir immer wieder neue Eröffnungsbücher gekauft und sie merhfach durchgearbeitet. Heute schaue ich vor jeder Partie, die ich spiele, kurz in die Datenbank, in der mittlerweile nicht nur Meisterspieler, sondern auch viele andere erfasst sind, klicke ein paar halbwegs aktuelle Partien des möglichen Gegners durch und entscheide dann, welche Variante gegen ihn am ehesten zu einer Stellung führt, die ich mag und er möglichst nicht. Dafür benötige ich eigentlich nur mein Handy und eine Onlinedatenbank. Ich nehme mir zwar vor jedem Turnier vor, mich für den Fall einer nicht möglichen Vorbereitung eingehend mit einem festen Eröffnungsrepertoire zu befassen, aber diese Mühe mache ich mir schon länger nicht mehr. Zu groß ist der Aufwand, ein ganzes Repertoire zu wiederholen, um dann nur 5, 7 oder 9 Partien zu spielen, in denen dann vielleicht sogar irgendwelche seltenen Varianten ausgepackt werden, die man vergessen hat. Auch gibt es mittlerweile bei einigen Schachspielern den Trend, die Turniere danach auszusuchen, dass dort keine Partien veröffentlicht werden, um in der Datenbank ein unbeschriebenes Blatt zu bleiben. Der größte Unterschied ist aber sicherlich, dass jeder Spieler, egal, ob er 1000 oder 2000 DWZ hat, zu Hause über einen Enginehelfer verfügen kann, mit dem er nicht nur Partien in kürzester Zeit analysieren, sondern auch Schachstellen in gegnerischen Partien finden oder gar die Eröffnungstheorie verbessern kann. Das führt im besten Fall dazu, dass auch schwächere Spieler mittlerweile bessere Eröffnungen spielen, hat aber natürlich auch Schattenseiten. Bei Übertragungen von Großmeisterpartien schwindet der Respekt und wenn die großen Meister von dem abweichen, was die Engine vorschlägt, wird schnell Kritik laut, weil die Engine so weit glorifiziert wurde, dass man ihre Vorschläge als absolute Wahrheit wahrnimmt. Auch bei Partieanalysen beobachtete ich häufiger, dass Leute ihre Verlustpartien plötzlich als recht stark bewerten, weil die Engine an einer Stelle Vorteil anzeigte, der meist mit einem völlig abwegigen Zug erzielt werden konnte, den sie auch gar nicht berechnet hatten. Dass sie davor und danach schlecht standen, wurde dann gerne ignoriert und ein möglicher Lerneffekt im Keim erstickt.

Der Ukrainische Großmeister Vladimir Tukmakov beleuchtet in seinem neuen Buch "Modern Chess Formula- The Powerful Impact of Engines" für Thinkers Publishing das Ganze aus einer anderen Perspektive. Für ihn steht die Veränderung des professionedllen Schachs im Vordergrund und er zeigt, wie es die Arbeit mit den Engines weiterentwickelt hat. Vorrangig geht es dabei um den Bereich der Eröffnungen, wo Wissen eine recht wichtige Rolle spielt. Er beschränkt sich dabei aber nicht nur auf das Auffinden neuer Ideen mit der Engine, sondern untersucht auch das Arbeiten gegen die gegnerische Computeranalyse. Dabei beginnt nach einer Vorstellung der menschlichen Schaffenskraft in der Vorenginezeit, in der die Leute meist extrem lang an hochtaktischen Ideen saßen, die heute in Sekunden gefunden werden können, das Buch mit dem wohl bekanntesten Fauxpas der Schachgeschichte, wenn es um die Arbeit mit den Rechenknechten geht. Im Jahr 2004 spielte Wladimir Kramnik gegen Peter Leko als Titelverteidiger um die Weltmeisterschaft und hatte eine neue Idee in dessen Marshallangriff nach 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 Sf6 5.0-0 Le7 6.Te1 b5 7.Lb3 0-0 8.c3 d5 9.exd5 Sxd5 10.Sxe5 Sxe5 11.Txe5 c6 12.d4 Ld6 13.Te1 Dh4 14.g3 Dh3 15.Te4 g5 gefunden. Während er seine Züge bis Zug 25 schnell auf das Brett brachte, überlegte sein Kontrahent teils sehr lang und schaffte es schließlich, die neue Idee zu widerlegen. Jemand aus dem Team Kramnik hatte die Engine schlicht zu kurz rechnen lassen und damit einen Fehler begangen, der auch heute noch von vielen Amateuren wiederholt wird. Schwarz schaffte es, diese Partie dann wirklich zu gewinnen und wäre fast Weltmeister geworden. Da heutzutage aber jeder Schachprofi über die gleichen technischen Mittel verfügt und die Engines immer besser werden, ist das Finden von Neuerungen heute auch sehr viel mehr als das Auswendiglernen der bestbewerteten Variante, die der Rechner ausspuckt. Auch hier gibt der Autor einige Beispiele wie zum Beispiel den WM-Kampf zwischen Wladimir Kramnik und Vishwanathan Anand, als Letzterer nach 1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 4.Sc3 e6 5.e3 Sbd7 6.Ld3 dxc4 7.Lxc4 b5 8.Ld3 a6 9.e4 c5 10.e5 cxd4 11.Sxb5 axb5 12.exf6 gxf6 13.0-0 Db6 14.De2 mit Lb7 eine neue Idee in der Meraner Variante der Halbslawischen Verteidigung brachte, die die Engines gar nicht als so stark bewerten, aber am Brett für einen Menschen sehr schwer zu spielen ist. Anand gewann damit zwei Schwarzpartien und wurde Weltmeister.

Daneben überlegt der Praktiker von heute auch immer, wie er eine computergestützte Vorbereitung des Gegners möglichst früh beenden kann, weil er nicht den besten Zug, sondern den findet, der von der Engine womöglich nicht angegeben wurde. Dazu finden sich einige tolle Beispiele in dem Buch. Daneben zeigt der Autor aber auch auf, wie sich der Umgang mit den Engines allgemein auf das Schach auswirkte, indem die Spieler sehr viel dynamischer spielen als früher, weil sich zeigte, dass man sehr viel mehr Risiken wie das Schnappen von Bauern oder auch das Opfern diverser Materialien auf sich nehmen kann, ohne dass man gleich verliert. Auch die Neuerungen, die vielleicht nicht gefährlich sind, aber etwas Gift enthalten und den Gegner zum Lösen von kleinen Problemen zwingen, kommen nicht zu kurz. Vor allem Magnus Carlsen hat diese popularisiert und es finden sich einige Partien von ihm in dem Buch wieder.

Insgesamt bietet das Buch einen sehr guten Einblick in die Arbeit mit den Engines und ihre Auswirkung auf das Schach von heute. Daneben plaudert der Autor auch hier und da aus dem Nähkästchen und verblüffte zumindest mich damit, wie weit Topspieler auch bei weniger wichtigen Partien in ihrer Vorbereitung gehen. Ansonsten kann man sich auch einfach an den 119 schönen Partien, die in dem Buch kommentiert werden, erfreuen und vielleicht auch so etwa für die eigene Arbeit mit den Engines lernen.

IM Dirk Schuh

Juli 2020

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