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LXVOLSIH
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Strategen im Hinterland

Das UdSSR-Schach 1941-45

239 Seiten, gebunden, Kania, 1998

16,80 €
Inkl. 5% MwSt., zzgl. Versandkosten

Rolf Voland - als ehemaliger Sportverlag-Übersetzer ein Kenner der Szene und vormalige "Synchronstimme“ von Polugajewski, Suetin und anderen - bringt Licht ins Dunkel der Kriegsjahre, in denen die russische Schachschule das Fundament für ihre spätere Überlegenheit schuf. Text, Fotos und Tabellen sind ein Zeugnis für den Enthusiasmus, mit welchem damals unter schwierigsten Bedingungen Schachturniere durchgeführt wurden.

Voland schürfte tief in verstaubten Archiven, und es gelang ihm, den Verlauf "vergessener“ Turniere weitestgehend zu rekonstruieren. Trotz dieser schwierigen Quellenlage schildert er jene Ereignisse so lebendig, als hätten sie erst gestern stattgefunden.

Ein weiterer Schwerpunkt sind Kriegsschicksale russischer Meister - jener, die früh ums Leben kamen und jener, die erst in den Nachkriegsjahren voll aufblühten.

228 Partien dokumentieren die Spielkunst jener Tage. Zu sehen sind Duelle zwischen den damals schon Arrivierten wie Botwinnik, Keres, Lilienthal, Flohr und der jungen Garde, allen voran Smyslow und Bronstein mit ihren Frühwerken.

Mit Text, Fotos und Tabellen dokumentiert Voland das UdSSR-Schach in Kriegszeiten - als unter schwierigsten Bedingungen das Fundament für die Überlegenheit in der gesamten Nachkriegsära geschaffen wurde. Eine feine Recherchearbeit zu "vergessenen" Turnieren, über Kriegsschicksale russischer Meister, usw.

Verlagsprogramm 2002

Weitere Informationen
Gewicht 440 g
Hersteller Kania
Breite 14,7 cm
Höhe 20,2 cm
Medium Buch
Erscheinungsjahr 1998
Autor Rolf Voland
Sprache Deutsch
ISBN-10 3931192105
Seiten 239
Einband gebunden
Diagramme 200
Fotos 11

Wichtiger Beitrag zur Schachgeschichte

Dr. Feenstra Kuipers Buch Hundert Jahre Schachturniere führte aus der Kriegszeit von 1941-1944 nur ein einziges sowjetisches Schachturnier an, was beweist, wie wenig lange Zeit im Westen über diese Phase des sowjetischen Schachs bekannt war. Andere Quellen wie Jeremy Gaiges Chess Tournaments - A Checklist sind nur wenig besser informiert. In diesen Jahren erschienen keine sowjetischen Schachzeitschriften und nur wenige dünne Bulletins, entsprechend schwierig ist es, die genauen Fakten zusammenzutragen.

Rolf Volands Buch ist daher ein wichtiger Beitrag zur Schachgeschichte. Es berichtet nicht nur über die wenigen Turniere, sondern auch über Kriegsschicksale. Die 227 Partien sind unkommentiert, weil das Werk sich als eine historische Arbeit versteht und andere Aspekte vernünftigerweise zurückstellt.

Stefan Bücker In der zweiten hier besprochenen Neuerscheinung des Kania-Schachverlages geht es um ein schachgeschichtliches Thema. Rolf Voland, der ehemalige Übersetzer des Sportverlages, hat verschiedenste Quellen ausgewertet, um das Schachleben in der Sowietunion während der schwierigen Zeit des zweiten Weltkrieges zu dokumentieren.

Im Mittelpunkt stehen dabei zunächst die Turnierberichte. Zwei der vorgestellten Turniere sind dabei bereits wohlbekannt dank Botwinnik. Über das eine Turnier, nämlich das um den Titel eines "Absoluten Meisters der UDSSR 1941" (23.2. - 29.4.1941), hat der Sieger Botwinnik ein ausgezeichnetes Turnierbuch verfaßt mit ausführlichen Kommentaren zu allen Partien (von diesem Turnierbuch besitze ich eine Dover-Book-Ausgabe von 1973). Das andere Turnier, Swerdlowsk 1943 (21.4. - 15.5.43; Botwinnik siegt vor Makogonov), ist komplett in Botwinniks Buch "Schach in Rußland 1941 - 45" aus dem Beyer-Verlag (1979) enthalten. Dort lassen sich auch zahlreiche Turniertabellen zu diesem Zeitraum finden, doch Voland hat sich weit deutlicher um Vollständigkeit bemüht. Neben den beiden genannten Turnieren und einigen weniger bedeutenden findet man Abhandlungen über die folgenden Turniere:

  • Semifinale in vier Gruppen zur 13. Meisterschaft der UDSSR, Rostow Juni 1941

  • Moskauer Meisterschaft 41, Dezember 41/Januar 42 (1. Mazel vor Petrow)

  • Matchturnier Moskau 42, Februar - März 42 (1. Bondarewski vor Petrow)

  • Swerdlowsk 42 , 22. März - 11. April 42 (1. Ragosin vor Petrow)

  • Kuibyschew 42, 27. Juli - 19. August 42 (1. Boleslawski vor Smyslow)

  • Moskauer Meisterschaft 42, Nov. / Dez. 42 (1. Smyslow vor Boleslawski)

  • 23. Moskauer Meisterschaft Dezember 43 (1. Botwinnik vor Smyslow)

  • drei Semifinals zur 23. UDSSR-Meisterschaft in Omsk, Baku und Moskau (März 44)

  • 23. Meisterschaft der UDSSR von 21.5. bis 17.6.44 in Moskau (1. Botwinnik vor Smyslow und Boleslawski)

  • Kiew, September 44 (1. Sokolski vor Flohr)

  • Iwanowo September 44 (1. Kotow und Ragosin)

  • Moskauer Meisterschaft 44, Dez. 44 - Jan. 45, 1. Smyslow vor Ragosin und Lilienthal

  • vier Semifinals zur 14. UDSSR-Meisterschaft (März 45) in Baku, Leningrad, Moskau und Kiew

  • 14. UDSSR-Meisterschaften Moskau 1945, 1.6. - 3.7.45 (1. Botwinnik vor Boleslawski und Bronstein)

  • Radiowettkampf UDSSR - USA 15,5:4,5; September 45

Von all diesen Turnieren bringt Voland eine Auswahl von 118 Partien, die allerdings bis auf einige wenige Schlüsselstellen unkommentiert sind. Dabei versucht der Autor nicht nur den Turnierverlauf nachzuzeichnen, sondern die Kriegsumstände zu dokumentieren, die das jeweilige Ereignis beeinflußten.

Doch nicht nur die Turniere werden behandelt. Voland zeichnet auch das Schicksal verschiedener russischer Schachspieler nach. So fielen etwa Capablanca-Bezwinger Iljin-Genewski 1941 oder Jahr später der Moskauer Meister Belawenez an der Front, während Kotow an der Entwicklung von besseren Granatwerfern arbeitete, nur um einige Details zu nennen. Ein ganzes Kapitel geht gar auf das Schicksal von Romanowskis ein. Auch findet man in einem extra Kapitel mit eigenem Namens-Lexikon zahlreicht biographische Angaben.

Zusammen mit den Fotos und sonstigen Quellen also ein interessantes Buch, das uns die Geschehnisse eines wenig behandelten Zeitraumes der Schachgeschichte in lebendiger Form vermittelt.

Helmut Riedl, Rochade Europa 99/01

Bei dem Riesenangebot an Schachliteratur ist es heute schon sehr erstaunlich, noch auf eine Lücke zu stoßen: Seit Jahrzehnten fehlt eine zusammenfassende Darstellung des sowjetischen Schachs in den Kriegsjahren 1941/45.

Hat es in dieser schweren Zeit tatsächlich kaum schachliche Aktivitäten gegeben? In der UdSSR selbst behandelt nur eine Broschüre die Schachereignisse während der vier Kriegsjahre, geht jedoch auf die wesentlichen Turniere ein. Folgen wir dagegen Kuipers Hundert Jahre Schachturniere (Amsterdam 1964), fand während dieser Zeit nur ein bedeutendes Turnier in der UdSSR statt - die XIII. Landesmeisterschaft in Moskau 1944. Alle übrigen stark besetzten Veranstaltungen, die in der damaligen Zeit so etwas wie "Superturniere" darstellten, bleiben unerwähnt. Ausführlicher ist Gaiges Chess Tournaments - A Checklist, Vol. I, 1849-1950 (Philadelphia 1985), auch wenn der Autor sich, dem Anliegen des Buches entsprechend, mit knappsten Angaben begnügt. Wollte man anderen Nachschlagewerken, die außerhalb der UdSSR erschienen, Glauben schenken, muß gar der Eindruck entstehen, Schach habe während des Krieges in der UdSSR überhaupt keine Rolle gespielt.

Unmittelbar nach Kriegsende stellten die sowjetischen Schachkoryphäen jedoch unter Beweis, daß sie ihre Schlagkraft deutlich erhöht hatten und die breite Basis des Vorkriegsniveaus beinahe wiederhergestellt war. Die deutlichen Siege der UdSSR-Großmeister in Länderkämpfen gegen die US-Amerikaner 1945 und Briten 1946 belegten dies. Savielly Tartakower träumte 1945 voraus, was 25 Jahre später Wirklichkeit wurde: "Ich glaube, daß die sowjetischen Schachspieler einer aus den stärksten Großmeistern der übrigen Welt zusammengesetzten Mannschaft Paroli bieten könnten."

Immer wieder ist die Frage nach den Ursachen für die deutliche Überlegenheit nach dem zweiten Weltkrieg gestellt worden. Professor Arpad Elo hat als Grund "die im zweiten Weltkrieg eroberte Führung bei gleichzeitig drastischem Rückgang schachlicher Aktivitäten in anderen Ländern" genannt. Das ist weniger als die halbe Wahrheit. Von einem "drastischen" Rückgang schachlicher Aktivitäten außerhalb der UdSSR konnte nicht die Rede sein. Zahlreiche, teils sehr stark besetzte Turniere in Deutschland, Europa und Übersee sprechen dagegen. Und keinesfalls konnte die UdSSR unter den unsäglich schweren Bedingungen des Krieges allein die "Gunst der Stunde" zum Sprung an die Weltspitze nutzen.

Daß sich die UdSSR am Ende des Krieges als die stärkste Schachnation vorstellte, war der Einbindung des Schachs in das kulturelle Leben des Landes und der großzügigen staatlichen Förderung seit der Oktoberrevolution zu verdanken. Die systematische Förderung des Schachs in der UdSSR fiel auf den fruchtbaren Boden der russischen bzw. sowjetischen Schachschule und hat das "Wunder" Sowjetschach hervorgebracht, welches bis heute nachwirkt.

Gegenwärtig aber erleben wir, wie durch den Wegfall der schachförderlichen Bedingungen in den Nachfolgestaaten der UdSSR auch die Schachkultur verfällt.

Das dieser Tage erscheinende Buch Strategen im Hinterland - Das UdSSR-Schach 1941-45 widmet sich den schachlichen Ereignissen in der UdSSR während der vier Kriegsjahre. Mein Ziel war es, aus möglichst vielen Quellen Fakten über diesen Abschnitt des Sowjetschachs zusammenzutragen, um so einige weiße Flecke auf der schachhistorischen Landkarte zu tilgen.

20 bedeutende UdSSR-Kriegsturniere und 227 weithin unbekannte Partien beleuchten vor der allgegenwärtigen Kulisse des Krieges diesen bislang unaufgearbeiteten Abschnitt der Historie und schließen eine offenkundige Lücke im Schachliteraturangebot.

(der Autor) Rolf Voland, Schach 10/98

Mythos "Sowjetschach": Schachfreunden außerhalb der früheren UdSSR, die schachhistorisch interessiert und der russischen Sprache nicht mächtig sind, bietet Rolf Volands Buch über das UdSSR-Schach 1941-45 Aufschluß über einen bislang weitgehend unbekannten Bereich der Schachgeschichte. Selbst in der Sowjetunion behandelte nur eine - 1985 erschienene - Broschüre die Schachereignisse während der Kriegsjahre, schrieb der Autor in einem Beitrag für die Zeitschrift "Schach" (10/98). Rolf Voland (Leipzig) stellte sich in seinem Buch die Aufgabe, aus möglichst vielen Quellen Fakten über diesen Abschnitt des Sowjetschachs zusammenzutragen, um einige "weiße Flecken" dieser Zeit zu tilgen.

"Möglichst viele Quellen" zu erschließen - das hieß für Rolf Voland konkret, neben den wenigen von 1942 bis Kriegsende in der Sowjetunion herausgegebenen schachliterarischen Arbeiten "möglichst die gesamte sowjetische Schachliteratur von 1945 - 1991 nach allem Verwertbaren zum Titel des Buches abzusuchen". Das Literaturverzeichnis weist aus, daß nahezu ausschließlich russischsprachige Schachliteratur benützt wurde (bei den Periodika ist angegeben, welche Jahrgänge zur Verfügung standen). Eine Ausnahme ist das von S. Sprecher zusammengestellte und von P. Pschebilski aus dem Russischen übersetzte , 1947 in Wien erschienene Werk "Die Schachkunst in der UdSSR", die zweite Ausnahme ist ein 1964 in der DDR erschienenes historisches Werk.

Über 50 Jahre liegen zwischen jenem 1947 publiziertem Werk und dem Ende 1998 von Rolf Voland vorgelegtem Buch. Manches blieb unmittelbar nach Kriegsende untersagt. Im Jahre 1947 hieß es über das Schachgeschehen der Kriegszeit: "Zusammen mit Millionen von Werktätigen der Sowjetunion nahmen auch die Schachmeister mit der Waffe in der Hand aktiven Anteil am Kampf gegen die Hitlerhorden." Bei Rolf Voland finden wir: "Allein die aussichtsreichen Anwärter auf den Schachthron (...) standen unter dem besonderen Schutz der Regierung und blieben vom aktiven Wehrdienst verschont. Auch wenn einige von ihnen im Hinterland mit verteidigungsrelevanten Aufgaben betraut wurden, konnten sie sich weiter dem Schach widmen." Bestimmte Dinge sollten wohl zunächst gar nicht bekannt werden. Großmeister Alexander Kotow wurde 1947 als Ingenieur vorgestellt, dem "für eine wertvolle Erfindung der Leninorden verliehen" wurde. Was war diese wertvolle Erfindung? Heute wissen wir, es war ein neu entwickelter Granatwerfer! Man erfuhr 1947, daß trotz kriegsbedingter Schwierigkeiten viele Turniere veranstaltet wurden, aber nach der Abschlußtabelle des Wettkampfs um den Titel des Absoluten Champions der UdSSR im Frühjahr 1941 folgte die Abschlußtabelle der XIII. Schachmeisterschaft der UdSSR Mai/Juni 1944 ... Rolf Volands Buch schließt mit 20 bedeutenden UdSSR-Kriegsturnieren und 227 weithin unbekannten Partien eine offenkundige Lücke.

"Strategen im Hinterland" ist indessen weit mehr als eine Sammlung von Tabellen und Partien, es ist vor allem auch ein faszinierendes Geschichtsbuch.

Daß bei der Darstellung der Vorgeschichte das Turnier Moskau 1925 und die Anfänge der Laufbahn Botwinniks hervorgehoben werden, ist nicht überraschend. Ungewöhnlich ist die ausführliche Schilderung der Rolle von Nikolai Krylenko. Krylenko, ein hoher Staatsfunktionär, war 1924 bis zu seiner Hinrichtung 1938 Vorsitzender des Sowjetischen Schachverbandes. Voland: "Ab Mitte der 30er Jahre verwandelte sich der junge Sowjetstaat durch Lenins Nachfolger Stalin in ein gut getarntes, terroristisches Regime, das keinerlei Opposition zuließ. Bespitzelung, Denunziation, Lager und Todesurteile waren die Folge." Krylenko war eines von vielen Opfern in den Jahren 1937/38. Für rund ein Jahr übernahm Michail Botwinnik ("wie Krylenko ein aufrechter Kommunist" - Voland) die Funktion des Vorsitzenden des Sowjetischen Schachverbandes.

Ein eigenes Kapitel ist dem kurzfristig angesetzen Turnier um den Titel des "Absoluten Champions der UdSSR" gewidmet (März/April 1941). Es war die letzte Standortbestimmung des Sowjetschachs, drei Monate vor dem deutschen Überfall auf die UdSSR. Rolf Voland komprimiert das Resultat dieses Turnier und das Resultat der WM 1948 zu der diskutablen These: "Die UdSSR verfügte im Jahre 1941 mindestens über die 3 stärksten Schachspieler der Welt." Die 228., letzte Partie des Buches stammt aus der WM 1948.

Danach dann der Schwerpunkt des Buches, die Kriegsturniere ... Schachgeschichte verbindet sich dabei mit Militärgeschichte. Wie bereits erwähnt, verwendet Rolf Voland ausschließlich sowjetische Quellen. Den Leser erwartet also eine Darstellung aus sowjetischer Sicht. Vor allem für westdeutsche Leser eine ungewöhnliche Perspektive. Um es ganz offen zu sagen: Es liegt in der Natur der Sache, daß die Lektüre alles andere als amüsant ist.

Der Leser, für den Schach "nur ein Spiel" ist, wird sich wundern über den Enthusiasmus, mit welchem damals unter schwierigsten Bedingungen Schachturniere durchgeführt wurden. Übrigens nicht nur in der Sowjetunion. Voland verschweigt nicht, daß zur gleichen Zeit zahlreiche, teils sehr stark besetzte Turniere in Europa (auch in Deutschland!) und Übersee stattfanden. Aber die besondere Wertschätzung von Schach in der UdSSR führte dazu, daß die Sowjetunion sich am Ende des Krieges als stärkste Schachnation vorstellen konnte.

Niemand weiß, wie sich die Geschichte ohne den zweiten Weltkrieg entwickelt hätte. Rolf Voland äußert die Ansicht, daß die sozialistischen Verhältnisse in der UdSSR spätestens Anfang der 30er Jahre nicht mehr den Interessen der allermeisten Sowjetbüger entsprachen, "weil ständig anwachsende Aufwendungen für die Machterhaltung nach innen und außen, ausufernde Parteibürokratie, Mangelwirtschaft und Korruption den Lebensstandard von Jahr zu Jahr senkten. Der aufgezwungene Krieg tat ein übriges, bewirkte aber für wenige Jahre eine Solidarisierung breiter Schichten der Bevölkerung."

Volands Buch ist geprägt durch die Erfahrung des Zusammenbruchs der Sowjetunion und des Verfalls der Schachkultur in den Nachfolgestaaten der UdSSR. Da immer weniger Aktive und Augenzeugen der Kriegsschachturniere in der UdSSR noch am Leben sind, war es an der Zeit, das Thema endlich aufzugreifen. Die Darstellung des Sowjetschachs in den Kriegsjahren 1941/45 ist als "ein längst fälliges Schachbuch" bezeichnet worden. Das ist zutreffend, und man muß dem Kania Verlag für das sehr ansprechend aufgemachte Werk dankbar sein.

Gerald Schendel, Rochade Europa 01/99 Über das Schachleben in der Sowjetunion zur Zeit des zweiten Weltkrieges gab es bislang nur fragmentarische Dokumente. Die Autobiografien von SU-Schachgrößen wie Botwinnik, Smyslow usw. enthielten zwar verschiedene Spielproben aus Turnieren der damaligen Zeit, all dies geschah jedoch ohne den Blick über den Tellerrand der 64 Felder hinaus. Dabei hätte ein solcher Blick angesichts der politisch-militärischen Verhältnisse längst notgetan.

Der Autor, zu DDR-Zeiten als Übersetzer aus dem Russischen für den Sportverlag tätig, hat sich einer Aufgabe unterzogen, die dem Betrachter höchsten Respekt abnötigt: In zahlreichen kaum zugänglichen Archiven hat er nach schachlichen Dokumenten aus dieser Zeit gefahndet und trotz schwierigster Quellenlage ist es ihm gelungen, die meisten Turniere jener Jahre weitestgehend zu rekonstruieren.

Jeder halbwegs informierte Schachspieler weiß, daß nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges die schachliche Dominanz des Sowjetschachs geradezu eklantant war: Nicht nur, daß fast alle Weltmeister aus der UdSSR stammten, auch einem Vergleich mit dem "Rest der Welt" hielt die Sowjetunion spielend stand, wie der berühmte Wettkampf aus dem Jahre 1970 zeigte, als die Weltauswahl immerhin mit Namen wie Robert Fischer und Bent Larsen aufwarten konnte. Vor dem Krieg gab es jedoch nur einen einzigen Weltklassespieler von Weltrang, Mikhail Botwinnik. Mithin geht man kaum fehl in der Annahme, daß es gerade die Kriegsjahre waren, in denen der Grundstein für die spätere Überlegenheit der sowjetischen Mester gelegt wurde. Ihr Einsatz fand in der Tat hinter der Front statt. Spieler wie Kotow, Smyslow, Bondarewski, Flohr und Bronstein genossen neben Botwinnik das Privileg, im "Hinterland" ihrer Berufung nachgehen zu dürfen anstatt Raketenwerfer zu bedienen.

Das vorliegende Buch enthält nicht weniger als 228 (allerdings unkommentierte) Partien, diverse Turniertabellen sowie einige zeitgnössische Fotos. Daneben erlebt der Leser nicht nur eine äußerst eindringliche Schilderung der politischen und militärischen Begleitumstände, sondern am Beispiel des Leningrader Meisters Romanowski auch die Darstellung von Einzelschicksalen. Das Buch darf also auch als eine Art Geschichtsunterricht per Anschauung verstanden werden. Gewiss, Wortlaut und Diktion der Darstellung lassen häufig so etwas wie DDR-Jargon durchschimmern, freilich dürfte man dem Autor kaum zur Last legen, daß er sich mit dem Objekt seiner Betrachtung verbunden fühlte und dies entsprechend zum Ausdruck gebracht hat. Man mag in diesem Zusammenhang allerdings die Frage stellen, in welcher Hinsicht außerschachliche dinge Eingang in ein Schachbuch finden sollten. Daß eine rein schachliche Dokumentation der Kriegsjahre 1941 - 1945 unzureichend wäre, ist oben bereits angesprochen worden. Andererseits schießt der Autor auf S. 154 eindeutig über sein Ziel hinaus, ein Gespür für die Lebensumstände der (nicht nur schachspielenden) sowjetischen Bevölkerung zu wecken. Es heißt a a. O. wie folgt:

Wie empörend ist die Arroganz und Dreistigkeit gewisser deutscher Politiker der Gegenwart, im Spiegel dieser beschämenden Tatsachen von Russland die Herausgabe der "Beutekunst" zu fordern, welche in überhaupt keinem Verhältnis für millionenfachen Mord und billionenschwere Verluste steht, die Deutschland der UdSSR im 2. Weltkrieg beigebracht hat!" Auch wenn der Unterzeichner die Dinge ähnlich sieht wie Herr Voland (man mag einen juristischen Anspruch auf Herausgabe haben, nie und nimmer aber einen moralischen), so sind Exkurse dieser Art in einem Schachbuch gänzlich fehl am Platze.

Fazit: Ein wichtiges, gut gemachtes Buch zu einem äußerst fairen Preis. Allerdings könnte die engagierte Schilderung der militärischen, politischen und auch persönlichen Begleitumstände der Kriegsereignisse aus der Sicht des "Feindes" mancherorts Irritationen auslösen.

E. Carl, Rochade Europa 12/99