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LXLASGM

Gesunder Menschenverstand im Schach

156 Seiten, kartoniert, Beyer, 2015, original erschienen 1896, Erstauflage 1925

Aus der Reihe »Meilensteine des Schachs«

19,80 €
Inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten

Emanuel Lasker, Nachfolger von Wilhelm Steinitz auf dem Schachthron und Weltmeister von 1894 bis 1921, war am Schachbrett ein ausgesprochener Pragmatiker. Sein Fokus lag nicht auf der Anwendung vorbereiteter eröffnungstheoretischer Feinheiten, vielmehr war sein Credo gegründet auf den Kampf am Brett, der sich vor allem im Mittelspiel und Endspiel entspann und den er mit enormer Zähigkeit und Findigkeit zu führen wusste. Seine philosophische Haltung ließ ihn eigene Fehler gelassen hinnehmen, war ihm doch bewusst, dass Menschen auch am Schachbrett nicht perfekt sein können. In nachteilhaften Stellungen entfaltete er oft seine größte Stärke, indem er seinerseits den Gegner mit präzisem Spiel und unter Aufbietung allen Scharfsinns zu Fehlern verleitete und damit die Partie schließlich rettete oder gar gewann.

Das vorliegende Buch, das in seiner englischen Erstfassung aus dem Jahre 1896 stammt, erschien erstmals 1925 in einer deutschen (merklich überarbeiteten) Ausgabe. Wie Lasker es selbst formulierte, sollte es als Versuch gesehen werden, alle Phasen einer Schachpartie mit Hilfe allgemeiner Prinzipien zu behandeln. Längst ein zeitloser Klassiker der Schachliteratur geworden, sind heute nur die eröffnungstheoretischen Kapitel nicht mehr auf dem Stand der Zeit, jedoch bewusst unverändert belassen. Ansonsten stellt es immer noch - den Stoff in gedrängter Form auf das Wesentliche konzentrierend - ein bewährtes Kompendium für Schüler und Lehrer des königlichen Spiels dar.

Weitere Informationen
Gewicht 230 g
Hersteller Beyer
Breite 14,9 cm
Höhe 21 cm
Medium Buch
Erscheinungsjahr 2015
Autor Emanuel Lasker
Reihe Meilensteine des Schachs
Sprache Deutsch
ISBN-13 978-3940417831
Jahr der Erstauflage 1925
Jahr der Originalausgabe 1896
Seiten 156
Einband kartoniert
Diagramme 56

007 Vorrede zum ursprünglichen Buche (1896)

009 Vorrede (zur deutschen Ausgabe von 1925)

012 Hinweis zur aktuellen Auflage

013 Gesunder Menschenverstand im Schach

014 Weltmeister Emanuel Lasker (Bildnis)

015 Erste Vorlesung

022 Zweite Vorlesung

029 Dritte Vorlesung

039 Vierte Vorlesung

048 Fünfte Vorlesung

054 Sechste Vorlesung

061 Siebente und Achte Vorlesung

088 Neunte Vorlesung

102 Zehnte, Eldte und Zwölfte Vorlesung

104 Beispiele zur Offensivkraft des Königs

112 Beispiele zur Defensivkraft des Königs

114 Beispiele für die Kraft der Freibauern

121 Beispiele für den Zugzwang

131 Der Wert der Figuren und Felder im Endspiel

137 Musterhaft durchgeführte Endspiele

149 Nachwort

149Über den Stil und den Wert der Schachmeister

149 Gibt es einen Stil auch beim Schachspiel?

150 I. Der Stil eines Automaten

150 II. Der feste Stil

151 III. Der Stil der Verlockung, das Gegenstück zum festen Stil

151 IV. Der Kombinationsstil

151 V. Der Stil nach Regeln des Kampfes

"Gesunder Menschenverstand im Schach" von Emanuel Lasker gehört zu den Klassikern der Schachliteratur. In einer ersten Fassung ist es schon 1896 erschienen, in englischer Sprache. Die erste deutsche Ausgabe stammt aus dem Jahre 1925 und war nach der Überlieferung im Vergleich zur Erstfassung deutlich überarbeitet worden.

Der Schachverlag Robert Ullrich hat es sich zur Aufgabe gemacht, Schach-Klassiker zu erhalten, und dafür eine eigene Buchreihe im Joachim Beyer Verlag geschaffen, in der diese Werke als sein Imprint neu erscheinen. Diese Reihe, die den Namen "Meilensteine des Schach" trägt, ist nun also um das hier rezensierte Werk des 2. Weltmeisters Emanuel Lasker bereichert worden.

Bücher aus der Zeit von vor 100 Jahren und mehr unterscheiden sich regelmäßig auch sprachlich von modernen Veröffentlichungen. Redewendungen wirken manchmal etwas schwülstig, kompliziert und verschroben, bisweilen sogar unverständlich. Für heutige Herausgeber ergibt sich daraus ein Zwiespalt. Soll die Originalausgabe auch sprachlich unangetastete bleiben oder mit dem Ziel überarbeitet werden, den Inhalt für das heutige Auge und den heutigen Verstand gewohnter und besser verständlich zu machen? Verleger Robert Ullrich hat sich ganz im Sinne des Titels des Werkes entschieden - er hat den gesunden Menschenverstand bemüht. Und das Ergebnis sieht so aus, dass er die frühere Ausgabe sprachlich hat überarbeiten lassen, aber in einer moderaten Form und mit dem Bemühen, in den Aussagen etc. nichts zu verfälschen. Der Käufer erhält das Werk heute also in einer von Dr. Ralf Binnewirtz sprachlich überarbeiteten Fassung. Ich habe keine Gelegenheit, die frühere und die heutige Version zu vergleichen. So muss ich mein Urteil auf die Rezensionsausgabe beschränken. Und hier kann ich sagen, dass die Sprache immer noch "alt" wirkt und damit unverfälscht, das Buch aber gut lesbar ist. Ohne einen Hinweis auf die erfolgten Korrekturen hätte ich diese nicht bemerkt, an der Authentizität also hätte ich keinerlei Zweifel bekommen. Aus meiner Warte kann ich also sagen, dass die sprachliche Überarbeitung gut gelungen ist.

Lasker hat mit "Gesunder Menschenverstand im Schach" kein im üblichen Sinne Schachbuch geschrieben, sondern eine Sammlung von 12 Vorlesungen geschaffen, die wie Kapitel nacheinander abgebildet sind. Entsprechend ist das Werk zu lesen, nämlich wie das verschriftlichte gesprochene Wort. Die Gestaltung der Texte spiegelt diesen Ansatz wider. Nur zu gern hätte ich manche Inhalte in einem richtigen Vortrag gehört, möglichst leidenschaftlich vorgetragen.

Ich möchte Ihnen mittels einer kurzen Passage, die ich als Zitat dem Werk entnehme, einen Eindruck geben. Sie entstammt der Einleitung zu Laskers Darstellungen zum Endspiel, hier nun exakt zur Rolle des Bauern:

"Ein Freibauer zu sein: das ist des Bauers Traum. Nun eilen die feindlichen Offiziere herbei, vermutlich sogar der feindliche König, nur um ihn aufzuhalten; die eigenen Offiziere, der eigene König stürzen heran, um sein kostbares Leben zu verteidigen und ihn Schritt für Schritt vorwärtszubringen. Jeder Schritt nach vorn ist eine gewonnene Schlacht. Endlich steht er auf der siebenten Reihe, den Feind in Verzweiflung stürzend, die hohe Hoffnung der eigenen Partei: noch ein Schritt, und er ist Offizier, vielleicht sogar die mächtige Dame. Wahrscheinlich fällt er, aber sein Leben, vorher so billig, wird nun sehr teuer verkauft, so teuer, dass der Feind sich ergeben muss."

Meisterlich vorgetragen muss diese Szene begeisternd wirken. In meiner Vorstellung verschwimmt das Schachbrett zu einer Theaterbühne. In einer dramatischen Szene werden die Figuren zu Gestalten und ihre eigentlich nur virtuellen Fähigkeiten werden real in Bewegung und Wirkung.

Nun aber zu den Auffassungen und Ideen, die Lasker über "Gesunder Menschenverstand im Schach" der Schachöffentlichkeit vermitteln wollte - noch einmal möchte ich mit einem Zitat arbeiten, diesmal aus dem Rückentext. Darin ist zu finden:

"Wie Lasker es selbst formulierte, sollte es (Anmerkung UB: das vorliegende Buch) als Versuch gesehen werden, alle Phasen einer Schachpartie mit Hilfe allgemeiner Prinzipien zu behandeln."

Ich habe - allerdings erfolglos - mehrfach angesetzt, Laskers Ausführungen zu klassifizieren, also den Mehrwert im Schach darzustellen, den der Leser neben der immensen Unterhaltung einstreicht. Mit meinen Versuchen war ich jeweils besonders deshalb unzufrieden, weil sie die Rolle des gesunden Menschenverstandes in den Entscheidungen auf dem Brett nicht genügend herausarbeiteten. Daneben krankten meine Formulierungen daran, dass die Lehren aus Laskers Stoff in meinem Text wie Allgemeinplätze wirkten, sie deren eigentlichen Wert nicht auszudrücken vermochten, vor allem in Verbindung mit den konkreten Belangen des Positionsstils, mit den Motiven und Methoden aus Strategie und Taktik und abgestuft auch den Prinzipien aus der Eröffnungskunde.

"Krankten" ist das Stichwort - ich muss mich in ein anderes Gebiet flüchten, um ein verständliches Bild zeichnen zu können, ich wähle das Reich der Medizin.

Also ... Lasker ist in "Gesunder Menschenverstand im Schach" der Doktor, der zur Vorbeugung und Behandlung seinem Kreis von Zuhörern das Handeln nach dem gesunden Menschenverstand vermittelt. Mit meinen Worten etwa so: "Zur Gesunderhaltung sollten Sie nach dem gesunden Menschenverstand auf Ihre Ernährung achten und auch für eine ausreichende Bewegung sorgen. Gehen Sie bei Kälte nicht in leichter Sommerbekleidung nach draußen. Sollten Sie trotz aller Vorsicht Halsschmerzen verspüren, ist es vernünftig, sich darum zu kümmern. Was genau angebracht ist, hängt von der Situation ab, insbesondere von der Intensität der Schmerzen und der Frage, ob Sie Fieber haben. Welches Medikament Sie anwenden sollten, das ist hier noch nicht zu klären, aber dass der Einsatz eines Medikamentes angebracht sein wird, kann ich schon sagen. Es entspricht dem gesunden Menschenverstand, wenn Sie sich in dieser Situation schonen und sich in allen Punkten so verhalten, dass Ihre Genesung unterstützt wird, und die richtigen Medikamente einzusetzen."

Ich hoffe, dass ich Ihnen mit diesem Vergleich eine griffige Vorstellung davon vermitteln kann, was das Werk "Gesunder Menschenverstand im Schach" anbietet und Sie nicht in dessen Folge an meinem eigenen gesunden Menschenverstand zweifeln!

Fazit: "Gesunder Menschenverstand im Schach" ist in der überarbeiteten Ausgabe 2015 ein Klassiker, der frisch aufpoliert in neuem Glanz erscheint.

Uwe Bekemann

www.BdF-Fernschachbund.de

Mai 2015

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