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Geheimnisse des Großmeisterschachs

344 Seiten, kartoniert, Beyer, 2. Auflage 2015

24,80 €
Inkl. 5% MwSt., zzgl. Versandkosten

Geheimnisse des Großmeisterschachs aus der Feder eines der weltbesten Schachautoren, des britischen Großmeisters John Nunn, lässt den Leser teilhaben an der Entwicklung eines Schachprofis vom Anfänger bis zum Internationalen Meister und schließlich Spitzengroßmeister. Dem unterhaltsamen autobiografischen Teil sind zahlreiche Partiebeispiele aus der eigenen Turnierpraxis zur Seite gestellt: Eine Auswahl von 24 sehr ausführlich und tiefgründig kommentierten Partien aus dem Zeitraum 1974 bis 1985, ergänzt um eine Reihe kurz kommentierter Partien und Partiefragmente, illustriert seine steil verlaufende Schachkarriere und gestattet faszinierende Einblicke in die großmeisterliche Gedankenwelt. Das grundsätzlich anspruchsvolle Werk ist im bekannt klaren und verständlichen Stil des Autors geschrieben und lässt daher ein Studium auch für Leser zu, die keine höheren Meistergrade erzielt haben.

Diese großartige Partiesammlung, die bereits anlässlich ihrer Erstausgabe (1997) als richtungsweisend herausgestellt wurde, liegt nun in einer 2., neu durchgesehenen und korrigierten Auflage vor. Die Leserschaft ist am Zug, ihr die weiterhin gebührende Anerkennung zu erweisen.

Dr. John Nunn (*1955), GM 1978, gehörte Ende der 1980er Jahre zu den Top 10 der Weltrangliste und hat als Schachbuchautor einen hervorragenden Ruf erlangt. Im Jahre 1997 beendete er seine aktive Turnierlaufbahn, blieb der Schachwelt aber als Autor und Publizist erhalten.

Herausragend sind seit jeher seine Fähigkeiten im Lösen von Schachproblemen, hier konnte er dreimal (2004, 2007 und 2010) den Weltmeistertitel erringen, und noch in diesem Jahr (2015) wurde er mit minimalem Rückstand Mannschafts-Vize-WM sowie erstmals, als nunmehr 60-jähriger, Senioren-Weltmeister.

Weitere Informationen
Gewicht 540 g
Hersteller Beyer
Breite 14,8 cm
Höhe 21 cm
Medium Buch
Erscheinungsjahr 2015
Autor John Nunn
Sprache Deutsch
Auflage 2
ISBN-13 978-3959200127
Seiten 344
Einband kartoniert

007 Einführung

009Kapitel 1: Frühe Jahre 1955-73

045Kapitel 2: Internationaler Meister 1974-76

047 1 J. Ost-Hansen - J. Nunn

Studenten-Mannschaftsweltmeisterschaft Teesside 1974

061 2 F. Borkowski - J. Nunn

Junioren-Europameisterschaft, Groningen 1974/75

078 3 M. Corden - J. Nunn

Birmingham 1975

091 4 J. Nunn - J. Cooper

Surrey Weekend Open 1976

106Kapitel 3: Großmeister 1977-81

107 5 J. Augustin - J. Nunn

Europa-Mannschaftsmeisterschaft, Finale, Moskau 1977

122 6 R. Britton - J. Nunn

Islington Open 1978

132 7 J. Nikolac - J. Nunn

Dortmund 1979

149 8 L. Polugajewski - J. Nunn

Europa-Mannschaftsmeisterschaft, Finale, Skara 1980

161 9 J. Nunn - R. Waganjan

Baden 1980

169 10 J. Nunn - A. Miles

Baden 1980

181 11 J. Nunn - G. Anthony

Bristol Weekend Open 1981

195Kapitel 4: Berufsspieler 1981-85

196 12 V. Kortschnoi - J. Nunn

Johannesburg 1981

207 13 J. Nunn - M. Tal

Wijk aan Zee 1982

215 14 J. Nunn - J. van der Wiel

Wijk aan Zee 1982

234 15 G. Ligterink - J. Nunn

Zonenturnier Marbella 1982

246 16 J. Nunn - L. Christiansen

Phillips & Drew/GLC 1982

257 17 L. Portisch - J. Nunn

Phillips & Drew/GLC 1982

273 18 J. Nunn - F. Olafsson

Match England - Island, Teesside 1982

284 19 J. Nunn - F. Gheorghiu

Biel 1983

293 20 L. Ftacnik - J. Nunn

Gjövik 1983

300 21 J. Nunn - J. Levitt

Lloyds Bank Masters, London 1983

306 22 J. Nunn - Y. Seirawan

London (Phillips & Drew/GLC 1984)

316 23 J. Nunn - U. Andersson

Olympiade Thessaloniki 1984

329 24 A. Beljawski - J. Nunn

Wijk aan Zee 1985

340 Verzeichnis der Gegner

341 Verzeichnis der Eröffnungen

Der Buchtitel "Geheimnisse des Großmeisterschachs“ zählt zu jenen, denen es besonders gelungen ist, meine auf den Inhalt des Werkes gerichteten Erwartungen komplett auf eine falsche Fährte zu locken. Ich kannte es bisher noch nicht, auch wenn es mit seiner Erstausgabe bereits 1997 auf den Markt gekommen und nun mit einer überarbeiteten und korrigierten neuen Auflage aus dem Jahre 2015 wieder verfügbar ist. Sein Verfasser ist John Nunn, früherer Weltklasse-Großmeister und Autor mehrerer sehr renommierter Schachbücher, erschienen ist die neue Ausgabe als Imprint des Schachverlags Ullrich im Joachim Beyer Verlag.

Die Erstausgabe von 1997 basierte ihrerseits auf dem 1987 in englischer Sprache erschienenen Vorgänger "Secrets of Grandmaster Play“.

Hatte ich erwartet, eine Art Lehrbuch der Schachstrategie und / oder -taktik für den gehobenen Anspruch in die Hände bekommen zu haben, so ist es mehr ein autobiografisches Werk John Nunns mit der zentralen Schwertpunktsetzung auf kommentierte Partien, gewissermaßen somit auch eine Partiensammlung. Stehen lassen kann ich aber das Prädikat "für den gehobenen Anspruch“, denn dieser bestätigt sich in 24 sehr ausführlich, der Rückentext spricht darüber hinaus von tiefgründig, kommentierten Partien. Diese Zahl der behandelten Praxisbeispiele ist zu ergänzen um viele weitere kommentierte Partien und Partiefragmente, die weniger intensiv behandelt werden.

"Geheimnisse des Großmeisterschachs“ ist in vier Kapitel mit den folgenden Überschriften gegliedert:

1. Frühe Jahre 1955 - 73

2. Internationaler Meister 1974 - 76

3. Großmeister 1977 - 81

4. Berufsspieler 1981 - 85.

Wie unschwer zu erkennen ist, hat Nunn die Chronologie in seinem Leben zur ordnenden Richtschnur seines Buches gewählt. So beginnen seine autobiografischen Erzählungen mit seinem Geburtsjahr 1955. Er räumt ein, dass er hierbei natürlich auf fremde Erinnerungen und Aussagen zurückgreifen muss, was mich zumindest etwas mehr überrascht hat als wenn diese Aussage aus der Feder eines anderen Autoren gekommen wäre. Nunn hat sein Genie immerhin schon in sehr jungen Lebensjahren unter Beweis gestellt, wenn auch nicht im Schach so auffällig wie in der Mathematik. Ein Mathematik-Studium hat er bereits im Alter von 15 Jahren in Oxford aufgenommen und mit 18 abgeschlossen, was ihn zum jüngsten Absolventen seit ca. 300 Jahren machte.

Schon mit den ersten Zeilen, also jenen, die nicht auf seinen eigenen Erinnerungen basieren, wird erkennbar, dass Nunn es nicht an Humor mangeln lässt. Sein älterer Bruder ging mit der Gelegenheit seiner Geburt opportunistisch um, indem sie ihm die Gelegenheit zur Frage bot, ob er da nicht eine Eiskreme erhalten könne. Der Witz bleibt durchgehend britisch dezent, selbst wenn es mal etwas derbere Sachverhalte zu schildern gibt. Sehr schön ist beispielsweise an späterer Stelle auch die Schilderung, warum Nunn nach einer Erfahrung nie wieder irische Spieler unterschätzt hat, auch nicht im Zusammenhang mit dem Genuss von Alkohol.

Beginnend mit den frühen Jahren seiner Karriere zeigt Nunn seinen Karriereverlauf nach, spricht Erfolge wie Misserfolge und wichtige Stationen an. Dabei lässt er immer wieder auch Passagen zur Zeitgeschichte einfließen, konzentriert auf Aspekte des Schachspiels, beispielsweise zur Jugendförderung, zur damaligen Spiel-und Turniersituation in England und manches mehr. Im weiteren Verlauf des Werkes fügen sich die (auto-)biografischen Ausführungen vor allem zwischen den schon erwähnten 24 besonders ausführlich kommentierten Partien ein.

Diese sind ab dem 2. Kapitel im Buch zu finden. Die Beispiele aus der Jugend sind ebenfalls grundsätzlich mit Erläuterungen im Werk abgebildet, aber eben mit reduzierten Kommentaren und Analysen. Diese zweite Kategorie von Partien ist optisch jeweils dadurch gekennzeichnet, dass sie von einem Textrahmen umfasst ist. Der Leser kann die Partien somit auf den ersten Blick erkennen und damit dann auch den Erzählungstext nach einer Partieunterbrechung immer wieder sofort aufnehmen. Die 24 "Gala-Partien“ sind nicht entsprechend gekennzeichnet. Auch bei diesen aber hat sich der Verlag etwas einfallen lassen, um dem Leser den Umgang mit den Partien zu erleichtern. Die Hauptzüge sind durch Fettdruck hervorgehoben. Sobald Analysen über einen schmalen Umfang hinausgehen, werden sie im Schriftbild abgesetzt. Zudem arbeitet das Werk dann mit einer geringeren Textgröße. Initialzüge innerhalb der Varianten sind ebenfalls durch Fettdruck kenntlich gemacht.

Mit diesen Maßnahmen hat es der Verlag erreicht, dass man als Leser ohne bemerkenswerte Probleme immer genau weiß, wo man sich in einer Partie befindet, insbesondere nicht irrtümlich eine Nebenvariante als Partiefortgang annimmt.

In seinem Vorwort zur neuen Auflage rät Dr. Ralf Binnewirtz dem Leser, sich bei den 24 ausführlich kommentierten Partien das herauszuziehen, was für ihn relevant und machbar ist. Diesen Hinweis halte ich für den Leser wichtig, der noch keine erhebliche Spielstärke entwickelt hat. Die kommentierten Partien sind anspruchsvoll, sie dürften das Verständnis des noch recht ungeübten Lesers überfordern.

Abgeschlossen wird das Werk durch Verzeichnisse der Gegner in den Buchpartien und der zur Ausführung gelangten Eröffnungen.

Fazit: "Geheimnisse des Großmeisterschachs“ ist eine gelungene Mischung aus Autobiografie und Partiensammlung "von und mit“ John Nunn. Sie ist zugleich unterhaltsam und eine Einladung an den Leser, über anspruchsvoll kommentierte Partien sein eigenes Schachverständnis zu qualifizieren.

Das Buch ist eine durchgesehene und korrigierte Fassung der Erstauflage aus dem Jahre 1997.

Uwe Bekemann, Deutscher Fernschachbund

März 2016


Rezensionen zur vorherigen Auflage:

Bevor wir auf den Inhalt dieses interessanten Buches eingehen lohnt sich ein Blick auf dessen längere Vorgeschichte. 1987 brachte John Nunn zusammen mit Peter Griffiths das Buch "Secrets of Grandmaster Play" mit 24 Partien Nunns aus den Jahren 1974-1985 heraus.

Im Zuge dieser Zusammenarbeit wurde der Schwerpunkt auf den pädagogischen Charakter des Buches gelegt, Biographisches über den Schachspieler Nunn fehlte.

In der Fortsetzung "John Nunns Best Games" über die Jahre 1985-1993 nutzte Nunn dann die Gelegenheit, viele Geschichten aus dem Leben eines Berufsschachspielers einfliessen zu lassen. Als nun eine Neuauflage von "Secrets of..." bevorstand, beschloß er es in dieser Hinsicht zu überarbeiten und zu erweitern.

Als Ergebnis wuchs der Umfang um etwa die Hälfte an, nämlich von 224 auf 335 Seiten, denn neben den zahlreichen Geschichten sowie den Berichten über sein schachliches Leben in dieser Zeit hat Nunn auch ein 35-seitiges Kapitel zugefügt, in dem er über die frühen Jahre 1955-1973 berichtet.

Natürlich wurde auch die Kommentierung der Partien überarbeitet, hier macht sich die Trainingsarbeit Dworetzkis mit einigen dieser Partien sowie natürlich der wachsende Einfluß von Computerprogrammen bemerkbar. Mit "Geheimnisse des Großmeisterschachs - ein Lehr- und Trainingsbuch" liegt nun die deutsche Erstauflage dieses Buches vor.

Der Inhalt wurde bereits umrissen, deshalb nur noch einmal kurz die wesentlichen Punkte: Kern des Buches sind 24 Gewinnpartien von John Nunn aus den Jahren 74-85, die auf jeweils 5-15 Seiten sehr ausführlich besprochen werden. Dazu kommt vieles zur Biographie Nunns sowie das erwähnte lange Kapitel über seine Jugendjahre.

Fazit: Eine starke Zusammenstellung von sehr spannenden Partien, die ebenso lehrreich wie unterhaltsam kommentiert sind, dazu noch viel Wissenswertes von einem erfahrenen Spieler, der viele Jahre zur Weltspitze zählte.

Um das Buch richtig genießen zu können sollte man aber bereit sein, ein wenig Zeit zu investieren. Der schöne Einband und der hervorragende Druck runden das Buch würdig ab.

Schach-Markt 4/2001

Hinter dem vielsagenden Titel verbirgt sich der erste Teil einer Autobiographie von Dr. John Nunn, welcher als einer der renommiertesten Schachgroßmeister und -schriftsteller sowie als genial begabter Mathematiker wohl nicht mehr eigens vorgestellt zu werden braucht.

Das Buch ist eine Neuausgabe des 1987 erschienenen "Secrets of Grandmaster Play", welches der Autor im Jahre 1997 um ein Kapitel über seine schachlichen Anfänge von 1973 und um viele neue - auch computergestützte - Analysen der ausgewählten Partien erweitert hat. Vor kurzem nun hat FM Gerd Treppner das Ganze ins Deutsche übersetzt.

Nunn beginnt mit seinen frühen Jahren 1955-1973 und schildert recht beeindruckend seinen raschen Aufsteig zum Internationalen Meister 1974, natürlich garniert mit etlichen Partien und Partiefragmenten aus jener Zeit (S. 9-44).

In den weiteren Kapiteln - IM 1974-1976 (S. 45-105), GM 19744-1981 (S.106-194), Berufsspieler 1981-1985 (S. 195-339) - führt er in erster Linie 24 ausgewählte Partien vor, die er mit ausführlichen Anmerkungen allgemeiner Art und jeder Menge gründlichen Analysen zu allen Partiephasen versieht. Somit kann das Buch auch zu Lern- und Trainingszwecken hervorragend genutzt werden, weil die Kommentare nicht nur quantitativ (bis zu 17 Buchseiten für eine Partie!), sondern natürlich auch qualitativ kaum noch Wünsche offenlassen.

Das Ganze bereichert der Autor um viele Turnier- und Wettkampfergebnisse aus jenen Jahren und würzt es mit einigen launigen Anekdoten.

Zusätzlich zu den Haupt-Partien finden sich noch weitere 46 vollständige Spiele sowie 26 Partiefragmente mit kürzeren Anmerkungen, so dass der Leser genügend Material zum Selbststudium vorfindet.

Diesem rundum gelungenen Werk hat der Beyer-Verlag mit dem Festeinband und einem sehr guten Layout auch den ihm gebührenden würdigen äußeren Rahmen verliehen. Das Buch über den zweiten Teil seiner Schachkarriere hat der Autor übrigens unter dem Titel "John Nunn`s Best Games 1985-1993" bei B.T. Batsford in London herausgebracht; dieses ist m.W. noch nicht auf Deutsch erschienen - vielleicht ein heißer Tip für Beyer + Treppner?

Als seine beste Partie (bis 1997) betrachtet der Verfasser das folgende Spiel, welches seinerzeit diverse Preise eingeheimst hat:

Beljawski - Nunn, Wijk aan Zee 1985; Königsindisch (Partie 24 im Buch auf S. 329-339 mit ausführlichen Analysen):

1. d4 Sf6 2. c4 g6 3. Sc3 Lg7 4. e4 d6 5. f3 0-0 6. Le3 Sbd7 7. Dd2 c5 8. d5 Se5 9. h3?! Sh5 10. Lf2 f5 11. e:f5 T:f5 12. g4 T:f3 13. g:h5 Df8 14. Se4! Lh6 15. Dc2?! Df4! 16. Se2 T:f2 17. S:f2 Sf3+ 18. Kd1 Dh4! 19. Sd3 Lf5 20. Sec1? Sd2! 21. h:g6 h:g6 22. Lg2 S:c4 23. Df2 Se3+ 24. Ke2 Dc4! 25. Lf3 Tf8 26. Tg1 Sc2 27. Kd1 L:d3 0:1

Und wie sieht die Zukunft aus? Hören wir dazu den Meister selbst: "Mehr durch Zufall als durch Planung scheine ich 11-Jahres-"Karrieren" in verschiedenen Bereichen gehabt zu haben: 1970-1981 Mathematik, 1981-1992 Schach, 1992-? Buchveröffentlichungen. 2002 oder 2003 werde ich vielleicht bereit sein für den nächsten Karriereschritt". (S. 195).

Welcher Schritt dies wohl sein wird? Die Schachwelt wartet schon jetzt mit Spannung!

Dr. W. Schweizer, Rochade Europa 8/2001

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Der britische Schachverband verleiht jährlich einen Preis für das “Schachbuch des Jahres". Einen dieser Preise erhielt das 1987 veröffentlichte gemeinsame Werk von John Nunn und Peter Griffith "Secrets of Grandmaster Play". Später folgte eine - nunmehr allein von Nunn bearbeitete - erheblich erweiterte Neu auflage, in der unter anderem Entdeckun gen aus der berühmten Moskauer Schachschule von Mark Dworezki Eingang fanden. Im Jahre 1997 war schließlich die endgültige Version dieses Werks fertig, an dem eigentlich nur der Titel ein wenig irreführend ist. Es handelt sich schließlich um Nunns Autobiogra phie mit vielen von ihm gespielten Parti en, 24 davon mit enormer Tiefe analysiert. Alle Beispiele stammen aus der Zeit vor 1985, handelt es sich also um "olle Kamellen "'?

Alt ja - so wie ein vorzüglicher Wein. Wird nicht Bronsteins Kandidatenturnier Zürich 1953 immer noch als eines der besten Bücher aller Zeiten gehandelt, ob wohl es fast ein halbes Jahrhundert alt ist? Nunns Werk ist vielleicht nicht ganz so ein Meilenstein, es kommt ihm jedoch sehr nahe.

So sehen es auch andere. Auf seiner Intemetseite www.kaniaverlag.de schreibt beispielsweise Harald Keilhack (selbst Autor, z. B. des sehr guten Buchs über die Tarrasch-Verteidigung) folgende Sät ze: "Die Kommentare der meist taktisch ge prägten Partien sind tiefschürfend und aufschlussreich, aber ob sie "Geheimnis se" großmeisterlichen Denkens offenba ren? Nun gut, dies traf vielleicht eher noch zum Zeitpunkt der Original veröffentlichung (1985) zu; inzwischen hat sich das Nunnsche Gedankengut doch einigermaßen in der Literatur verbreitet. Trotz der gemachten Vorbehalte ein sehr gehaltvolles, umfangreiches Buch mit lesenswerter Biographie und hervorragend kommentierten Partien, die auch jeweils einen Einblick in die ge spielten Eröffnungsvarianten bieten (oft kriegt man auf diese Weise mehr mit "worum es hier geht" als bei Theorie wälzern!)"

Dieser Einschätzung haben wir nichts hinzuzufügen. Dem bekannten Hollfelder Schachverlag und namentlich dem Verleger Joachim Beyer gebührt Dank für die Herausgabe der deutschsprachi gen Auflage. Nunns Bücher leben vor rangig von den guten Texten, und diese sind nun einmal fast für jedermann in der eigenen Muttersprache leichter zu verste hen bzw. zu genießen. Nur ein wichtiger Hinweis noch. 1998 erschien in der Edition Olms ein Buch desselben Autor mit einem ahnlich klin genden Titel: "Schachgeheimnisse". Es handelt sich nicht um dasselbe Buch wie das oben besprochene, sondern um ein eigenständiges, auch völlig anders konzipiertes Werk zum Selbstunterricht

Schach-Magazin 2001, Heft 16, S. 441

Das Buch ist die Übersetzung der 1997 erschienenen und (im Unterschied zu manch vollmundiger Ankündigung wirklich) gründlich überarbeiteten Zweitauflage (Original 1985) von Secrets of Grandmaster Chess. Es beinhaltet Nunns lesenswerte Autobiographie sowie 24 ausgewählte Partien, beides allerdings nur bis 1985. Aber das ist zu verschmerzen, da damit Nunns erfolgreichste Jahre am Schachbrett abgedeckt werden, später trat er überwiegend als Autor in Erscheinung. Mit Nunns 1998 bei Olms erschienenen Schachgeheimnissen (die im Schachsektor überstrapazierten "Geheimnisse" oder ,,Secrets"...) hat das Buch nichts zu tun.

Die Partiekommentare sind gleichermaßen tiefschürfend wie aufschlussreich und wie kaum ein anderer Autor beherrscht John Nunn die Kunst, dem Leser ein konkret taktisches Geschehen auf dem Schachbrett mit Worten (und nicht nur mit Variantenbäumen) nahe zu bringen. Gleichzeitig vermittelt jede Partie einen guten Einblick in das gespielte Eröffnungssystem; oft erfährt man auf diese Weise viel mehr darüber, "worum es hier geht", als bei mittelprächtigen Eröffnungswälzern. Zur Freude des nicht großmeisterlichen Lesers werden sehr viele grundsätzliche Stellungstypen diskutiert (keine Partien mit ellenlangen Theorievarianten), z. B. vermittelt das Studium von Partie 4 einen nachhaltigen Eindruck bei der Behandlung von Alt-Benoni-Strukturen. Eine der lehrreichsten Partiesammlungen für Spieler ab etwa DWZ 1700, wobei schwächere Spieler von den Texten profitieren und ggf. die längeren Analyseblöcke überspringen können. Auch die Übersetzung (Gerd Treppner) ist, vom Klappentext einmal abgesehen, sehr gut.

Sehr empfehlenswert in diesem Zusammenhang - John Nunn - auch das bei Gambit 2001 erschienene Understanding Chess Move by Move , hier untersucht der Brite nach ähnlichem Muster in erster Linie fremde Partien. Entgegen "englischen Traditionen" stimmt dabei auch das Preis-Leistungs-Verhältnis.

Harald Keilhack, Schach 02/2002